Vor dem Hintergrund von Basel II befindet sich die Bankenlandschaft im Bereich der Unternehmensfinanzierung im Umbruch. Besonders KMU werden von diesen Änderungen stark betroffen sein, da deren Hauptfinanzierungsquelle die Aufnahme von Fremdkapital bei Banken ist. Die mittelständischen Unternehmen müssen sich daher mit dieser Thematik auseinander setzen und über die zu erwartenden Neuerungen aufgeklärt werden. Basel II eröffnet Rating-Agenturen aber auch Unternehmensberatungen, Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften neue Marktchancen. Sie können ihre Geschäftverbindungen zu den KMU nutzen und Ratingberatung
anbieten, um diese gezielt aufzuklären und zu betreuen. Das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit ist es, für die Unternehmensberatung Demps & Partner ein „standardisiertes Reporting für mittelständische Unternehmen zur Erfüllung der Rating – Anforderungen von Fremdkapitalgebern“ zu
entwickeln. Das Reporting6 soll dabei den Anforderungen interner Ratingsysteme ausgewählter Banken entsprechen. Das Ergebnis ist ein standardisierter Bericht, der es ermöglichen soll, einen schnellen Einblick über die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens zu erhalten. Das Reporting soll dabei in strukturierter Reihenfolge die wesentlichen Daten und Informationen über das Unternehmen enthalten, die eine Bank zur Durchführung des Rating benötigt. Zusätzlich sollen die KMU bei der Bereitstellung der ratingrelevanten Daten unterstützt werden, indem sie gezielt auf das Thema Rating vorbereitet und bei der Zusammenstellung der benötigten Informationen betreut werden. Dadurch wird ersichtlich, ob das Unternehmen überhaupt in der Lage ist, alle für das Rating benötigten Informationen bereitzustellen, oder erst entsprechende Schritte zur Generierung der Daten eingeleitet werden müssen. Das Unternehmen erhält auf diese Weise wichtige Informationen über interne Stärken und Schwächen.
Deren Transparenz, Dokumentation und Kommunikation kann zu einer generellen Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens führen und mittelfristig zu verbesserten Kreditkonditionen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung
1.3. Überblick
1.4. Vorgehen
2. Betriebswirtschaftlicher Teil
2.1. Begriffsbestimmungen
2.1.1. Rating und Bedeutung
2.1.2. Ratingskala und Aussage
2.1.3. Mittelstand
2.2. Basel II: Die neue Baseler Eigenkapitalvereinbarung
2.2.1. Ziele
2.2.2. Inhalt und Aufbau
2.2.3. Ansätze nach Basel II zur Messung der Eigenkapitalausstattung
2.2.3.1. Der Standardansatz
2.2.3.2. Der IRB-Ansatz
2.2.4. Folgen der neuen Vorschriften von Basel II
2.2.4.1. Allgemeine Betrachtung
2.2.4.2. Situation im deutschen Mittelstand
2.2.4.2.1. Auswirkungen der neuen Baseler Eigenkapitalvereinbarung
2.2.4.2.2. Rolle und Aufgabe externer Berater
2.2.4.2.3. Anmerkungen
2.3. Vergabe eines Rating durch Rating-Agenturen
2.3.1. Einführung
2.3.2. Entwicklung und aktuelle Situation
2.3.2.1. Allgemeiner Überblick
2.3.2.2. Situation in Europa
2.3.2.3. Aktuelle Tendenzen
2.3.3. Bestandteile eines externen Rating
2.3.3.1. Ablauf eines Ratingverfahrens
2.3.3.2. Das Ratingsystem
2.3.3.2.1. Quantitative Faktoren
2.3.3.2.2. Qualitative Faktoren
3. Praktischer Teil
3.1. Ist-Analyse
3.1.1. Allgemeine Einführung
3.1.2. Beschreibung und Struktur des BVR-II-Rating
3.2. Aufbau eines standardisierten Reporting für den Mittelstand zur Erfüllung der Anforderungen des BVR-II-Rating
3.2.1. Jahresabschluss
3.2.2. Private Vermögensverhältnisse
3.2.3. Betriebswirtschaftliche Auswertung
3.2.4. Kontoführung
3.2.5. Markt und Branche
3.2.6. Unternehmen und Management
3.2.7. Planung
3.2.8. Anmerkung
3.3. Unternehmensinterne Würdigung der Rating Kriterien nach BVR-II-Rating
3.3.1. Entwicklung und Darstellung eines Unternehmens-Rating-Profils
3.3.2. Die Beurteilung der einzelnen Bereiche
3.4. Darstellung der aufbereiteten Daten
3.5. Entwicklung und Beschreibung des Jahresabschlussanalyse-Tools
3.5.1. Aufbau und Inhalte
3.5.2. Handbuch
3.5.2.1. Grundeinstellungen
3.5.2.2. Dateiverknüpfungen und Export
3.5.3. Anmerkungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit zielt darauf ab, ein standardisiertes Reporting für mittelständische Unternehmen zu entwickeln, das es diesen ermöglicht, die Anforderungen von Fremdkapitalgebern im Kontext von Basel II zu erfüllen und durch verbesserte Transparenz ihre Kreditkonditionen positiv zu beeinflussen.
- Analyse der regulatorischen Anforderungen durch Basel II für KMU
- Strukturierung ratingrelevanter Kennzahlen und Informationen
- Entwicklung eines Reporting-Systems zur Vorbereitung auf Bankgespräche
- Erstellung eines Stärken-/Schwächen-Profils zur internen Standortbestimmung
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung
Durch die zunehmende Globalisierung und Liberalisierung der Märkte, immer kürzere Produktlebenszyklen und Innovationszyklen und dem damit verbundenen gestiegenen Wettbewerbsdruck wird es vor allem für klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) immer schwieriger, sich am Markt langfristig zu behaupten und zu finanzieren. Der drastische Anstieg von Insolvenzen in Deutschland in den letzten zehn Jahren verdeutlicht diesen Trend.
Hinzu kommt, dass der Markt für Eigenkapital in Deutschland - im Gegensatz zu anderen Ländern (z.B. USA) - noch nicht richtig entwickelt ist. Die Eigenkapitaldecke vieler Unternehmen ist zu gering. Die meisten mittelständischen Unternehmen in Deutschland finanzieren sich über die Aufnahme von Fremdkapital bei den Banken. Gerade private Investoren schrecken vor Finanzinvestitionen in mittelständischen Unternehmen zurück, da sie das damit verbundene Risiko häufig nicht einschätzen können. Es ist für Außenstehende oft schwierig, geeignete Informationen über die wirtschaftliche Lage eines mittelständischen Unternehmens zu erhalten.
Auch für die Kreditgeber, welche in Deutschland für KMU im Wesentlichen Hausbanken sind, nimmt das Kreditrisiko ständig zu. Immer häufiger kommt es zu Forderungsausfällen in Form von nicht geleisteten Zins- und Tilgungszahlungen der Schuldner. Eine möglichst präzise Bestimmung der Ausfallwahrscheinlichkeiten und ein daraus abgeleitetes adäquates Kreditpricing einzelner Engagements wird deshalb eine immer dringlichere Aufgabe. Zu deren Bewältigung ist eine umfassende, zukunftsorientierte Kreditprüfung unerlässlich.
In diesem Zusammenhang hat auch das Thema Rating in letzter Zeit deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen, sowohl in der Wissenschaft, als auch in der Praxis. Dies ist an der Zahl der Publikationen zu diesem Thema zu erkennen und an der neu gegründeter Rating-Agenturen in Deutschland in den letzten drei Jahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die zunehmenden wirtschaftlichen Herausforderungen für den Mittelstand und die wachsende Bedeutung von Ratings im Zuge von Basel II.
2. Betriebswirtschaftlicher Teil: Erläutert die Grundlagen von Ratings, die Auswirkungen der Baseler Eigenkapitalvereinbarungen sowie die Vorgehensweisen von Rating-Agenturen.
3. Praktischer Teil: Detailliert die Konzeption eines standardisierten Reportings und eines Rating-Profils für mittelständische Unternehmen am Beispiel der "Rudi Rating GmbH".
4. Fazit: Resümiert die Chancen und Herausforderungen für KMU durch das Rating und betont die Notwendigkeit einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit diesen Prozessen.
Schlüsselwörter
Rating, Basel II, Mittelstand, Eigenkapitalvereinbarung, Reporting, Kreditrisiko, Bonität, BVR-II-Rating, Jahresabschluss, Kennzahlen, Unternehmensfinanzierung, Fremdkapital, Controlling, Unternehmens-Rating-Profil, KMU
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines standardisierten Reportingsystems für mittelständische Unternehmen, um deren Kreditwürdigkeit im Hinblick auf neue regulatorische Anforderungen wie Basel II transparenter zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Basel II, die Anforderungen von Banken an Unternehmenskredite, die Systematik von internen und externen Ratings sowie die praktische Umsetzung eines Berichtswesens für KMU.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Bereitstellung eines Werkzeugs, mit dem Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage so aufbereiten können, dass sie Rating-Anforderungen der Banken erfüllen und somit ihre Verhandlungsposition bei der Kreditbeschaffung verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert theoretische Analysen des Baseler Regelwerks mit einer praxisorientierten Fallstudie ("Rudi Rating GmbH"), um die Anwendbarkeit von Rating-Tools zu demonstrieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Basel II und eine detaillierte Ausarbeitung des praktischen Reportings, inklusive Checklisten und Analysetools für Jahresabschluss, Planung und Management.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Rating, Basel II, Mittelstand, Reporting, Kreditrisiko, Bonität, Kennzahlen und Eigenkapital sind die zentralen Begriffe.
Warum ist das Reporting wichtig für den Mittelstand?
Aufgrund von Basel II hängt die Höhe der Eigenkapitalunterlegung der Banken für Kredite maßgeblich von der Bonität des Unternehmens ab. Ein transparentes Reporting ermöglicht es dem Unternehmen, Stärken aufzuzeigen und Schwächen proaktiv anzugehen.
Wie kann ein Unternehmen ein Rating konkret verbessern?
Durch das vom Verfasser entwickelte Reporting und das Rating-Profil werden Schwachstellen identifiziert. Dies ermöglicht dem Management, Korrekturmaßnahmen einzuleiten und eine verlässliche Informationsbasis für die Kommunikation mit der Hausbank zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Christian Ludwar (Autor:in), 2002, Entwicklung eines standardisierten Reportingsystems für mittelständische Unternehmen zur Erfüllung der Rating-Anforderungen von Fremdkapitalgebern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185711