Publizistisches Rollenverständnis und internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online-Journalismus


Diplomarbeit, 2002

228 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Online-Journalismus als publizistisches Segment im Internet: Definition(en), Differenzierungen, Abgrenzungen
2.1 Was ist Journalismus? Annäherungen an einen nur scheinbar einfach zu fassenden Begriff
2.2 Exkurs: Journalisten als Gatekeeper
2.3 Was ist Online-Journalismus?
2.3.1 Abgrenzungen und Differenzierungen von Para- und Pseudojournalismus (pragmatisch orientierter Ansatz)
2.3.1.1 Parajournalismus
2.3.1.2 Pseudojournalismus
2.3.2 Systemtheoretisch orientierte Bestimmung von Online- Journalismus

3. Zur publizistischen Rolle und Funktion von Online- Journalismus/Online-Journalisten
3.1 Redundanz des Online-Journalismus (Dr. Mike Sandbothe)
3.2 Dekonstruktion des Journalismus durch das Internet (Matthias W. Zehnder)
3.3 Der Online-Journalist als „Informationsanalytiker“ und „Meta-Designer“ (Ursula Maier-Rabler/Erich Sutterlütti)
3.4 Rollenkritik als Plädoyer: Der Online-Journalist als „optionaler Gatekeeper“ (eigene Position)
3.4.1 Kritik der Positionen von Sandbothe und Zehnder: Optionalität vs. Absolutheit
3.4.1.1 Die Problemfelder Informationsqualität, Informationsquantität und Informationsselektion im WWW und die Rolle journalistischer Gatekeeper
3.4.1.2 Journalisten sind nicht die einzigen Gatekeeper im WWW
3.4.1.3 Publizistische Egalität im Internet?
3.4.2 Kritik der Positionen von Maier-Rabler und Sutterlütti: Rollenerweiterung vs. Rollenbegrenzung
3.5 Fazit und Ausblick
3.5.1 Werden Online-Journalisten zu Generalisten?
3.5.2 Chance für lokale Kompetenzzentren im globalen Netz?
3.5.3 Entwicklung der Beschäftigungsstrukturen

4. Dimensionen journalistischer Qualität und Qualitätssicherung (allgemeine Ebene)
4.1 Journalistische Qualitätskriterien: Beispiel „Magisches Vieleck“
4.2 Bewertung journalistischer Qualität
4.3 Ebenen journalistischer Qualitätssicherung
4.3.1 Qualitätssicherung auf der Akteursebene
4.3.2 Qualitätssicherung auf der Ebene der Medienunternehmen
4.3.3 Qualitätssicherung im Mediensystem (Infrastruktur-Faktor)
4.3.4 Qualitätssicherung auf der gesellschaftlichen Ebene
4.3.5 Qualitätssicherung auf der Publikumsebene

5. Internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online- Journalismus
5.1 „Status quo“ der journalistischen Erscheinungsformen im Internet: Anbieter, Ziele, Strategien und Gestaltungsweisen im Überblick (Fokus Online-Zeitungen; Deutschland)
5.1.1 Anbieter von Online-Journalismus in Deutschland und weltweit
5.1.2 Denkbare Strategien
5.1.3 Feststellbare Strategien
5.1.4 Inhaltliche Gestaltung
5.1.5 Personelle Ausstattung der Online-Redaktionen
5.1.6 Berufsnormen im Online-Journalismus
5.2 Ausgewählte journalistische Qualitätskriterien in ihrer Bedeutung für Qualität im Online-Journalismus
5.2.1 Glaubwürdigkeit und ethisch reflektiertes Handeln
5.2.1.1 Befunde zur Online-Glaubwürdigkeit
5.2.1.2 Onlinespezifische Glaubwürdigkeitsprobleme und Glaubwürdigkeitskriterien im Journalismus
5.2.2 Aktualität
5.2.3 Reflexivität und Transparenz
5.2.3.1 Public Journalism als Chance für den Online-Journalismus
5.2.3.2 Reflexion auf der Meta-Ebene
5.3 Internetspezifische Gestaltungskriterien als zweifache Qualitätsdimension im Online-Journalismus: Originalität (Angebots- bzw. Kommunikatorebene) und Interaktion (Rezipientenebene)
5.3.1 Hypertextualität, Multi-Optionalität und modulare Inhaltsaufbereitung
5.3.1.1 Hypertextualität: Charakteristika und Begrifflichkeiten
5.3.1.2 Verstehensprobleme bei Hypertextstrukturen
5.3.1.3 Gestaltungsprinzipien auf der operationalen Ebene unter dem Gesichtspunkt der Verstehensleistung (Rezeptionsfokus)
5.3.1.4 Gestaltungsprinzipien auf der inhaltlichen Ebene unter dem Gesichtspunkt der Originalität (Kommunikatorfokus)
5.3.2 Interaktivität
5.3.2.1 Definitionen
5.3.2.2 Interaktive Gestaltungselemente
5.3.3 Multimedialität (Hypermedialität)
5.3.3.1 Multimediale Elemente und ihre spezifischen Problematiken
5.3.3.2 Multimedialität unter dem Aspekt von Originalität - zwei Beispiele
5.3.4 Serviceleistungen
5.3.4.1 Serviceleistungen auf der journalistischen Inhaltsebene
5.3.4.2 Zusätzliche Serviceleistungen - Beispiel Süddeutsche Zeitung
5.4 Weitere Elemente von Qualitätssicherung im Online- Journalismus
5.4.1 Onlinespezifische Ethik-Kodices
5.4.2 User-Evaluierung
5.4.3 Ausbildung von Online-Journalisten (in Deutschland)
5.4.4 Online-Awards

6. Schlussbemerkung: Muss qualitativ hochwertiger Online-

Journalismus kostenlos sein?

Anhang Literaturverzeichni s

Weiterführende Links zu Online-Journalismus

1. Einleitung

Ist Online-Journalismus tatsächlich „in der Abwärtsspirale“?[1] Neuberger stellt ihm jeden­falls „zum Ausklang der Pionierzeit“[2] kein gutes Zeugnis aus: Er verliert seine Identität, weil er im Web kaum noch von externer Unternehmenskommunikation (Pseudojournalis­mus[3] ) zu unterscheiden ist, die auf Redaktionen ohnehin verzichten kann. Parajournalis­mus[4] auf nutzergenerierten Nachrichtenplattformen macht sich breit, ohne dass hier journalistische Qualitätskriterien noch eine Rolle spielen. Journalistische Inhalte verkom­men zur Ware, die je nach Verkaufsstrategie in diverse e-commerce-Angebote eingebettet wird (Syndication). Die Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung wird unter der Prämisse eines Servicegedankens aufgehoben.[5] Der Blick auf ein Zukunftsszenario gestal­tet sich daher bei Neuberger düster:

Der Journalismus wird im Internet verschwinden. Er wird mit den anderen Angeboten zu einer unter­schiedslosen Masse verschmelzen. Übrig bleibt nur noch »Content«.[6]

Immerhin betrachtet Neuberger diese Entwicklungen nicht als unumkehrbar.[7]

Eine derart resignative Einschätzung ist jedoch keine Prämisse dieser Arbeit - im Gegen­teil. Der Verlust der Monopolstellung des Journalismus im World Wide Web für dass Er­reichen von (Internet)-Öffentlichkeit wird als Herausforderung betrachtet. Diese Arbeit stellt daher ein Plädoyer dar, den „Kampf“ um die knappen Aufmerksamkeiten in der On- line-Kommunikation aufzunehmen. Dies kann aber nur Erfolg haben - und das ist der zent­rale Ansatz dieser Arbeit - wenn aus dem Online-Journalismus, wie er sich derzeit überwiegend präsentiert,[8] ein „Qualitätsjournalismus online“ wird:

- Ein Journalismus, der sich als Instanz für Verlässlichkeit im Web präsentiert und sich somit von den multiplen „Content-Anbietern“ abhebt.
- Ein Journalismus, der angesichts zweifelhafter Informationsqualität aufgrund der Fülle undimensionierter Daten und Fakten Glaubwürdigkeit im Web verkörpert und dafür etablierte journalistische Qualitätskriterien nicht aufgibt und zudem neue, on­linespezifische Qualitätskriterien beachtet.
- Ein Journalismus, der angesichts vollkommener Unübersichtlichkeit und sich täg­lich potenzierender Informationsquantität Orientierung bietet und somit vom auto­ritären Gatekeeper zu einer Selektionsinstanz wird, der sich Nutzer in der berechtigten Überzeugung zuwenden, „Qualitätsware“ zu erhalten.
- Ein Journalismus, der die Möglichkeiten von Interaktivität ernst nimmt und eine tatsächliche Rezipientenorientierung bietet.
- Ein Journalismus, der originell und innovativ mit den internetspezifischen Gestal­tungselementen agiert und gleichzeitig die Verstehensleistung der Rezipienten an­gemessen berücksichtigt.

In dieser Arbeit wird daher versucht, einerseits für den Journalismus im Allgemeinen gel­tende Qualitätskriterien für die Bedingungen des Online-Journalismus umzudeuten und anderseits internetspezifische Qualitätskriterien im Besonderen aufzustellen. Weil hierzu ein komplementäres Verständnis journalistischer Qualität[9] zu Grunde gelegt wird, geht es im Ansatz dieser Arbeit nicht nur um die Produkt- bzw. Akteursebene, sondern auch um diverse Möglichkeiten der Qualitätssicherung. Auch für diese Aspekte erfolgt ein Zugang, der von Überlegungen zum Journalismus allgemein, zu onlinespezifischen Möglichkeiten zur Sicherung journalistischer Qualität führt. Hierzu gehören onlinespezifische Ethik- Kodices, Ausbildung, Online-Awards und Evaluierungskriterien für User, die eine Me­dienkompetenz für das Internet verkörpern, die weit über die bloße Browsernutzung und Handhabung von Suchmaschinen hinausreicht.

Nach einer notwendigen Definitionsarbeit im 2. Kapitel, bei der aus einer „pragmati­schen“ sowie einer systemtheoretischen Perspektive eine Bestimmung von Online­Journalismus vorgenommen wird, geht es aber zuvor noch um die publizistische Rolle von Online-Journalisten (Kapitel 3). Hier existieren diverse Zuschreibungen. Sind Online­Journalisten redundant angesichts eines „Kommunikationsideals“ im Internet? Ist jeder Nutzer nicht auch schon Journalist? Oder existieren nicht doch Bedürfnisse für journalisti­sche Tätigkeiten im Web? Aus der Kritik an diversen Rollenzuschreibungen wird in dieser Arbeit eine Position entwickelt, die den Online-Journalisten als „optionalen Gatekeeper“ beschreibt. Optional deshalb, weil prinzipiell keine Webinformationen vorenthalten wer­den können, jedoch eine Dienstleistung im besten Wortsinn erbracht wird, die User nach ihren jeweiligen Bedürfnissen nutzen können.

Dieser „Qualitätsjournalismus online“ darf nicht nur, er muss sogar für sich werben[10], um Aufmerksamkeit im Web zu erlangen. Und weil - um ein bekanntes Sprichwort heranzu­ziehen - „Qualität seinen Preis hat“, geht es in der Schlussbetrachtung dieser Arbeit um ein Tabu, nämlich um die Frage, ob Kostenlosigkeit für Journalismus im Web tatsächlich ein Paradigma darstellen muss oder es nicht doch einen bestimmten Wert für diesen Qualitäts­journalismus gibt, für den auch eine tatsächliche Zahlungsbereitschaft unterstellt werden kann.

2. Online-Journalismus als publizistisches Segment im Internet: Definition(en), Differenzierungen, Abgrenzungen

Es soll in diesem Kapitel darum gehen, Journalismus im Allgemeinen bzw. Online­Journalismus im Besonderen aus einer theoretischen Perspektive näher zu definieren. Da­bei wird sich zeigen, dass sich die Definitionsarbeit schwieriger gestaltet, als es zunächst scheinen mag. Eine Aufarbeitung jahrzehntelanger Journalismusforschung kann hier nicht geleistet werden, es geht aber darum, zumindest grundlegend zwischen personenzentrier­ten und systemischen Auffassungen von Journalismus zu unterscheiden. Zu klären ist e­benfalls, ob gängige Beschreibungen von Journalismus auch für Online-Journalismus noch im gleichen Maße gelten, zum Beispiel bei Berücksichtigung des journalistischen Mono- polverlusts zum Herstellen von Öffentlichkeit im Internet. Unter Berücksichtigung der spezifischen Bedingungen der Online-Kommunikation soll daher Online-Journalismus von Para- und Pseudojournalismus sowie aus systemischer Perspektive von journalismusnahen Segmenten abgegrenzt werden.

2.1 Was ist Journalismus? Annäherungen an einen nur scheinbar einfach zu fassen­den Begriff

Auf den ersten Blick erscheint eine Definition des Begriffs „Journalismus“ nicht sonder­lich kompliziert zu sein:

Haupt- oder Nebenberuf von Personen, die sich mit Sammeln, Sichten, Prüfen und Verbreiten von Nachrichten oder mit der Kommentierung aktueller Ereignisse befassen.[11]

Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff „Journalist“:

Es gibt verschiedene Berufsbezeichnungen für den Personenkreis, der hauptberuflich bei publizisti­schen Medien tätig ist, indem er die Gestaltung aktueller Aussagen bestimmt, vornimmt oder an ihr mitwirkt. [...] Das Wort Journalist deutet darauf hin, dass die so bezeichnete Person Umgang mit den Tagesneuigkeiten hat [...].[12]

Es fällt hierbei sofort auf, dass für die Termini „Journalismus“ und „Journalist“ nahezu i­dentische Beschreibungen vorgenommen werden. „Journalismus“ wird ebenso als Be­rufsbezeichnung verwandt wie „Journalist“. Diese exemplarischen Definitionen liefern darüber hinaus die typisch-gängigen Merkmale, die dem Journalismus zugeschrieben wer­den: Eine Tätigkeit für die Massenmedien in verschiedenen Formen, verbunden mit dem hohen Stellenwert der Aktualität, die fast immer besonders herausgehoben wird. Es sind

personenzentrierte Journalismus-Begriffe, die laut Scholl/Weischenberg der Tradition ei­ner normativ-ontologischen Publizistikwissenschaft entstammen, in der es primär um die Herausstellung publizistischer Persönlichkeiten ging.[13] Die journalistische Leistung ist nach diesem Ansatz eine reine Individual-Leistung autonomer Individuen; diese Auf­fassung verfolgt nach Scholl/Weischenberg zugleich einen medienzentrierten Praktizis- mus.[14]

Auf den zweiten Blick erscheint ein solcher Journalismusbegriff aber doch recht dürftig und zu kurz greifend, so dass eine Kritik von Weischenberg als gerechtfertigt erscheint:

Dieser Journalismusbegriff - der sich nicht nur in der journalistischen Praxis, sondern auch in Teilen der zuständigen Wissenschaft gehalten hat - verkürzt die Funktionen des Systems Journalismus aber auf das Tun und Lassen von Journalisten. [...] Doch diese ontologische Perspektive verstellt den Blick auf die sozialen, rechtlichen, technologischen, politischen und ökonomischen Bedingungen, die je­weils festlegen, was Journalismus ist und welche Folgen Journalismus hat. [...] Man kann „den Jour­nalismus“ deshalb auch nicht definitorisch festlegen, sondern muss die Normen, Strukturen, Funktionen und Rollen, die für seine konkrete Existenz ausschlaggebend sind, im einzelnen ermit­teln.[15]

Mit dieser Kritik wird ein zweiter, gegenläufiger Ansatz zur personenzentrierten Journa­lismusauffassung deutlich: Das Verständnis des Journalismus als System.[16] Hierzu sollen nachfolgend einige grundsätzliche Überlegungen vorgenommen werden, um diesen sys­temtheoretisch orientierten Ansatz zu verdeutlichen. Bei der Abgrenzung und Definition von Online-Journalismus in Kapitel 2.3 wird dieser Ansatz dann noch einmal aufgegriffen, um redaktionelles Handeln zu erhellen. Zudem ist das systemische Verständnis von Jour­nalismus Grundlage für die komplementäre Betrachtung journalistischer Qualität in den Kapiteln vier und fünf dieser Arbeit.

Genauer gesagt geht es hier um eine konstruktivistische Systemtheorie, die beispielsweise die Kommunikationswissenschaft an der Universität Münster konturiert und unter anderem auch eine große Bedeutung für einen Teil der Medienforschung an der Universität Siegen (LUMIS-Institut[17] ) hat.[18] Bevor nun die Anwendung dieses Ansatzes auf den Journalismus kurz skizziert werden soll, müssen einige grundsätzliche Annahmen geklärt werden:

Das „Basistheorem“ des Konstruktivismus: Wirklichkeit ist nicht objektiv gegeben und wird von Menschen als Abbild in deren kognitives System eingespeichert, sondern muss im Gegenteil jeweils subjektiv konstruiert werden, was die Bedingung der Möglichkeit zu selektivem Verhalten bindend voraussetzt. [...] Wirklichkeiten werden durch Kommunikation konstruiert, so dass hier relevante Se­lektionsinstanzen zu suchen sind. Wenn Wirklichkeiten durch Kommunikation konstruiert werden und zugleich auch Wirkungen durch Kommunikation hervorgerufen werden, dann müssen zwischen Wir­kungen und Wirklichkeitskonstruktionen affine Relationen bestehen.[19]

Es existiert demnach keine Realität „an sich“, also ohne jemanden, der beobachtet. Wei- schenberg treibt diesen Aspekt mit einem Wortspiel auf die Spitze:

Es sind aber Beobachter, die beobachten. Ihre Beobachtungen beruhen auf Unterscheidungen, die je­weils nicht selbst mit beobachtet werden können, sondern nur in einer „Beobachtung zweiter Ord- nung“[...].[20]

Bezogen auf den Journalismus hat dieser Ansatz insofern grundlegende Bedeutung, als somit die Möglichkeit relativiert wird, gewissermaßen über eine objektiv gegebene Wirk­lichkeit zu berichten.[21] Weischenberg hebt jedoch hervor, dass es hier nicht um eine Auf­gabe klassischer journalistischer Funktionen und Methoden geht:

Sie [gemeint sind die Journalisten; Anm. d. Verf.] müssen sich aber bewusst sein, dass ihre Produkte sowohl das Ergebnis der Wahrnehmungsbedingungen des journalistischen Beobachters als auch der Bedingungen sind, in deren Rahmen die journalistischen Beobachtungen zustande kommen. Auch journalistische Beobachtung ist stets das Ergebnis von systemabhängigen Unterscheidungen. Dieser Zusammenhang besitzt für die Auseinandersetzung mit dem modernen Journalismus besondere Be­deutung; es handelt sich bei diesem Journalismus eben nicht um die Summe von journalistisch tätigen Personen, sondern um ein komplex strukturiertes und mit anderen gesellschaftlichen Bereichen auf vielfältige Weise vernetztes soziales System.[22]

Scholl/Weischenberg heben hervor, dass dieses Systemverständnis nicht zur Auffassung führen darf, dass gewissermaßen nur noch Systeme handeln. Die einzelnen Akteure (Jour­nalisten) handeln und tragen auch Verantwortung, nur sind sie in soziale Prozesse einge- bunden:[23]

Journalistische Wirklichkeitskonstruktion ist zwar immer subjektabhängig, aber deshalb nicht willkür­lich. Sie wird in einem permanenten sozialen Prozess mit anderen abgestimmt und durch intersubjek­tive Vereinbarungen - gerade daran orientieren sich Medien und Journalisten - verbindlich.[24]

Zentral für das systemische Verständnis ist daher, dass Journalismus nicht über das beruf­liche Handeln einzelner Journalisten definiert wird, sondern über seine Funktionen in und für Gesellschaften. Die Funktion des Systems Journalismus hat als erster Manfred Rühl mit „Herstellung und Bereitstellung von Themen zur öffentlichen Kommunikation“[25] beschrieben. Auch Rühl geht dabei nicht von einer objektiv gegebenen Wirklichkeit aus:

Journalismus konstituiert in konkreten sozialen Situationen eine symbolische Wirklichkeit durch die kontinuierliche Thematisierung bestimmter Ereignisse. Mit dieser Primärfunktion wird Journalismus „gesellschaftsfähig“ in dem Sinne, als moderne Gesellschaftsordnungen zunehmend erkennen und an­erkennen, dass für ihr Leben und Überleben journalistische Leistungen und Wirkungen unentbehrlich geworden sind.[26]

Im System Journalismus werden somit Themen aus den übrigen sozialen Systemen (im systemtheoretischen Verständnis als Umwelt bezeichnet) selektiv aufgegriffen und bear­beitet und dann der Umwelt wieder zur Verfügung gestellt. Altmeppen skizziert Journalis­mus, bzw. Medien i.w.S. als autopoietische Systeme:

Medien sind operationell geschlossen, auf die Operationen und Entscheidungen im System kann aus der Umwelt kein Einfluss genommen werden. Medien sind aber informationell offen. Das System nimmt Informationen aus der Umwelt auf und verwertet diese Informationen bei seinen Operationen und Entscheidungen. Und schließlich richten sich Medien nach einem eigenen Code, was bedeutet, dass Medien ihre Entscheidungen anhand eines organisationsübergreifenden Entscheidungsmodus treffen.[27]

Dabei wird laut Rühl auch ein Aktualitätsprinzip verfolgt, was jedoch nicht nur rein zeit­lich zu verstehen ist.[28] So werden zum Teil Berichterstattungsanlässe erzeugt, wenn diesen Themen hohes Aufmerksamkeitspotenzial zugesprochen wird.[29] [30] Im Gegensatz zur perso­nenzentrierten Auffassung erfolgt auch die Betrachtung der journalistischen Leistung in ei­nem systemischen Kontext, d.h. Journalismus „passiert“ unter der Bedingung der schon kurz erwähnten strukturellen Faktoren (Normen, Strukturen, Funktionen, Rollen), die letzt­lich den Journalismus konstruieren und seine Identität stiften. Beispielhafte Faktoren sind das jeweilige Mediensystem (in Deutschland bspw. das duale System im Bereich Fernse­hen), Zwänge innerhalb der Medieninstitutionen (z.B. Redaktions- und Verlagspolitik) o­der auch die persönlichen Einstellungen der Medienakteure. Dies sind Beispiele für - im systemtheoretischen Verständnis - journalistische Programme, auf die im Rahmen der De­finition von Online-Journalismus noch kurz eingegangen wird.

Ein weiterer, wesentlicher Faktor, der die Handlungsweise des Systems Journalismus kon- turiert, ist die Beziehung zum Publikum (Rezipienten):

Funktionaler Bestandteil des Systems ist auch das Medienpublikum, das Medienaussagen rezipiert und verarbeitet. Diese Handlungen sind in vielfältiger Weise mit denen der Produzenten verknüpft, zum Beispiel durch Abgleich von Kommunikationsabsichten der Journalisten und Kommunikations­erwartungen der Rezipienten. [...] Denn erst durch Verarbeitungsprozesses „im Rezipienten“ kann das zustande kommen, was üblicherweise als „Medienfunktionen“ ausgewiesen wird: Information, Bil­dung, Unterhaltung.[31]

Die Gestaltung der Publikumsbeziehung unter den Bedingungen von Online­Kommunikation ist in dieser Arbeit zudem noch ein elementarer Faktor der Qualität von Online-Journalismus.[32]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass nach der konstruktivistischen Systemtheorie (in der Interpretation von Weischenberg) für das System Journalismus vier Ebenen von Ein­flussfaktoren existieren (Mediensystem, Medienakteure, Medieninstitutionen, Medienaus­sagen), die hier nicht mehr im Detail dargestellt werden sollen. Diese Ebenen werden jedoch noch in den Kapiteln 4.3.1 bis 4.3.5 bei den Dimensionen journalistischer Qualitäts­sicherung behandelt und eine wichtige Rolle für ein komplementäres Verständnis journa­listischer Qualität spielen.

Einen Überblick bietet das folgende Schaubild, das von Scholl/Weischenberg als Sys- tem/Umwelt-Paradigma[33] bezeichnet wird:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[34], vergrößerte Darstellung am Ende der Arbeit

Journalistische Kompetenz

Ungeachtet einer eher personenzentrierten oder systemischen Betrachtungsweise geht es im Journalismus um das Erbringen bestimmter Leistungen: Berufsspezifische Kompetenz ist hierzu unabdingbar. Die Frage notwendiger Kompetenzen wird ebenfalls in den Kapi­teln vier (für den Journalismus allgemein) und fünf (bezogen auf den Online-Journalismus) noch eingehend behandelt.

Journalismus und Demokratie: Das klassische Verständnis seiner Funktionen

Die Leistung des Journalismus wird nach systemischem Verständnis von seiner Funktion unterschieden. In demokratisch verfassten Gesellschaften werden dem Journalismus bzw. den Massenmedien i.w.S. zentrale Funktionen zugewiesen, auf die nachfolgend kurz ein­gegangen wird. Nach Chill/Meyn sind dies im einzelnen die

- Informationsfunktion,
- Mitwirkung an der Meinungsbildung sowie
- Kontrolle und Kritik.

Neben diesen zentralen Funktionen gehören noch Bildung und Unterhaltung dazu.[35] Durch die Informationsfunktion soll das öffentliche Geschehen für die Bürger transparent werden. Die Berichterstattung soll sie in die Lage versetzen, wirtschaftliche, soziale und politische Zusammenhänge zu verstehen. Nur indem die Intentionen und Handlungen der am politi­schen Prozess Beteiligten deutlich werden, kann auch eine eigene Partizipation (z.B. als Wähler) erfolgen. In diesem Verständnis ist auch die Meinungsbildungsfunktion elementar. Mit Hilfe der Medien sollen Fragen von öffentlichem Interesse frei und offen erörtert wer­den, um Entscheidungen für bestimmte Standpunkte zu ermöglichen. In diesem Zusam­menhang ist eine viel diskutierte Frage, ob alle Interessengruppen angemessen zu Wort kommen. Vertreter von vermeintlichen Minderheitsmeinungen in einer Gesellschaft for­dern daher die Artikulationsfunktion der Medien ein, diese sollen zum Anwalt der Minder­heiten werden, um auch diesen Meinungen eine Plattform zu bieten. Kritiker eines „anwaltschaftlichen“ Journalismus argumentieren jedoch, dass somit Einzelinteressen un­zulässigerweise in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt würden.[36]

Da in einer modernen, differenziert strukturierten Gesellschaft eine Vielzahl von mehr oder weniger großen, zum Teil in Konkurrenz zueinander stehenden Interessengruppen existiert, gehört es auch zu den Aufgaben der Massenmedien, diesen Meinungspluralismus in einem angemessenen Verhältnis widerzuspiegeln.[37]

In demokratischen Gesellschaften hat die parlamentarische Opposition die Aufgabe, die Regierung zu kontrollieren. Die Kritik- undKontrollfunktion der Medien wird als Ergän­zung betrachtet:

Ohne Presse, Hörfunk und Fernsehen, die Missstände aufspüren und durch ihre Berichte unter ande­rem parlamentarische Anfragen und Untersuchungsausschüsse anregen, liefe die Demokratie Gefahr, der Korruption oder der bürokratischen Willkür zu erliegen. Gegen den Einwand, Kritik könne dem Ansehen des Gemeinwesens schaden, wird eingewandt: Nicht jene, die Mängel aufdecken, schaden dem Staat, sondern all diejenigen, die für solche Missstände verantwortlich sind. Andererseits wird argumentiert, die Kontrolle der Medien dürfe sich nicht auf den Staat beschränken, sondern müsse sich auf die gesamte Gesellschaft erstrecken. Den Medien als Teil dieser Gesellschaft könne dabei nicht zugestanden werden, eine Art eigenständige vierte Gewalt neben den Institutionen des demokra­tischen Staates zu sein.[38]

Scholl/Weischenberg relativieren allerdings diese klassischen Vorstellungen der journalis­tischen Funktionen als zu idealisiert:

Traditionell wird dem Journalismus freilich ein Bündel von konkreteren Aufgabenzuweisungen mit auf den Weg gegeben, die sich normativ aus allgemeinen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, his­torischen und rechtlichen Grundlagen sowie professionellen und ethischen Standards ableiten lassen. Dazu zählen in erster Linie Information, Kritik und Kontrolle sowie (politische) Bildung und Erzie­hung. Journalismus soll dadurch Orientierungs- und Integrationsleistungen erbringen. Insgesamt ist jedoch, wie Produkt- und Wirkungsanalysen zeigen, eher daran zu zweifeln, dass diesen Aufgaben­zuweisungen, die häufig als „Funktionen der Massenmedien“ [...] bezeichnet wurden, die tatsächli­chen Leistungen des Journalismus entsprechen. [...] Auf jeden Fall ist die Erfüllung dieser Aufgaben abhängig von konkreten ökonomischen, organisatorischen, technischen und anderen Bedingungen, die jeweils für den Journalismus insgesamt oder auch nur für Segmente des Journalismus ausschlagge­bend sind.[39]

Tatsächlich sei zum Beispiel in Deutschland die Ausübung der Funktion einer „Vierten Gewalt“ auf einige wenige Medien (bspw. „Spiegel“) beschränkt.[40]

Dass diese Funktionen nicht vom Journalismus in seiner Gesamtheit erfüllt werden, recht­fertigt aus meiner Sicht jedoch nicht das pauschale Negativ-Urteil. Betrachtet man die Ge­schichte der Bundesrepublik Deutschland, so hat der Journalismus regelmäßig seine Kontrollfunktion ausgeübt. Immer wieder kommt es zu erheblichen Leistungen durch in- vestigativen Journalismus (jüngstes Beispiel CDU-Spendenaffäre). Gerade bei diesem ak­tuellen Beispiel waren diverse Medien beteiligt (Spiegel, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Rundschau, verschiedene ARD-Nachrichtenmagazine, ZDF-Frontal). Hilfreicher wäre hier eine Diskussion darüber, wie die von Scholl/Weischenberg angesprochenen Rahmenbe­dingungen das Erbringen gesellschaftlicher Leistungen (besser) ermöglichen können. Kon- turen hierzu ergeben sich aus der Betrachtung der infrastrukturellen Voraussetzungen für journalistische Qualität in Kapitel 4.

Eine ausführliche Kritik von Journalismus-Konzepten und seinen Funktionen würde eine eigene Thematik begründen und kann im Rahmen dieser Arbeit nicht geleistet werden. Es sollte aber prinzipiell deutlich geworden sein, dass Journalismus mit einer lexikalisch­knappen Definition nicht ausreichend beschrieben werden kann. Für die Beschreibung des Journalismus unter Internetbedingungen reicht die Definitionsarbeit jedoch noch nicht aus. Hierzu muss vor allem die Perspektive der „User“ mit einbezogen werden. Denn es geht nicht mehr nur um Rezeptionserwartungen in einem eher passiven Rollenverständnis, son­dern um die Frage nach den Auswirkungen für den Journalismus, wenn Rezipienten selbst zu Kommunikatoren werden. Welche Rolle hierbei der Journalismus einnehmen kann - und aus meiner Sicht sogar muss - ist noch ein wesentlicher Bestandteil in den Betrach­tungen dieser Arbeit. Bei der systemtheoretisch abgeleiteten Definition von Online- Journalismus41 soll zudem noch deutlich werden, dass zwar einige hilfreiche Abgrenzun­gen vorgenommen werden können, das Festhalten an einem ausschließlich auf die traditi­onellen Medien ausgerichteten Systemverständnis - zumindest in der hier vorgestellten Position - jedoch gleichzeitig das Ausbilden eines eigenständigen Online-Journalismus e­her behindert.

2.2 Exkurs: Journalisten als Gatekeeper

In diesem Exkurs sollen Ansatz und Entwicklung des Verständnisses journalistischer Ga­tekeeper kurz beleuchtet werden. Dies ist erforderlich, weil in Kapitel drei dieser Arbeit mit der Rollenbeschreibung eines „optionalen Gatekeepers“ eine Umdeutung des klassi­schen Gatekeeper-Verständnisses vorgenommen wird, um eine mögliche Aufgabe von On- line-Journalisten zu beschreiben.

Der Gatekeeper-Ansatz aus der empirischen Journalismusforschung in den USA hat aber seinen Ursprung in einem ganz anderen Kontext. Der Terminus Gatekeeper (Schleusen­wärter, Pförtner) stammt von dem Sozialpsychologen Kurt Lewin, der in den 40er Jahren das Einkaufsverhalten nordamerikanischer Hausfrauen untersucht hat. Er wollte herausfin­den, wie der selektive Vorgang des Einkaufens ursächlich die Ernährungsgewohnheiten der jeweiligen Familien bestimmt.[41]

In den Befunden sah Lewin eine Bestätigung für seine Theorie, wonach in formalisierten Institutionen jeder Art soziale und ökonomische Kanäle existieren, in denen es Veränderungen auf Grund von Ent­scheidungen an bestimmten Stellen gibt; diese Stellen nannte er Pforten.[42]

In einem 1943 veröffentlichten Aufsatz nahm Lewin Generalisierungen seiner Untersu­chung vor und wies unter anderem auf das Anwendungsbeispiel von Nachrichten hin, die ihren Weg durch Kommunikationskanäle nehmen. Dies führte dazu, dass sich Kommuni­kationswissenschaftler für Lewins Ansatz interessierten. David Manning White führte die Gatekeeping-Theorie als erster in die Kommunikationswissenschaft ein, indem er das Konzept auf die Nachrichtenauswahl übertrug. White untersuchte den Weg vom Ereignis bis zum Rezipienten. Als Gatekeeper fungiert dabei zunächst der Agentur-Korrespondent, der über die Weitergabe an seine Redaktion entscheidet, in der Nachrichtenagentur ent­scheiden wiederum verschiedene Instanzen über Aufnahme und Bearbeitung der Nach­richt, bis sie schließlich an die Zeitungsredaktion weitergegeben wird. Und hier sitzt nach Whites Ansicht der entscheidende Gatekeeper, der darüber bestimmt, ob die Nachricht in der Zeitung erscheint oder nicht und auf welcher Seite und in welcher Aufmachung sie platziert wird. Konkret untersuchte er die Arbeit eines für die Bearbeitung von Agentur­meldungen zuständigen Nachrichtenredakteurs („Mr. Gates“) einer Morgenzeitung im Westen der USA:[43]

Die Auswahl des Mr. Gates erwies sich Whites Befunden zufolge als hochgradig subjektiv. Der Re­dakteur vertraute nur auf sein ganz persönliches Urteil. Seine Selektionskriterien waren äußerst vage: Bestimmte Ereignisse wurden als nicht veröffentlichungswert kategorisiert; zum selben Ereignis wur­de eine Fassung aus mehreren ausgewählt, wobei objektivierbare Kriterien für die Negativauswahl of­fenbar fehlten. [...] Sein Bild vom Leser war genauso vage wie sein Selektionsprogramm. Aber er wollte durchaus sein Publikum zufrieden stellen und Nachrichten auswählen, von denen er annahm, dass seine Leser sie wünschten. Als Basiskriterien für die Selektion von Nachrichten nannte er Klar­heit, Prägnanz und die in der Nachricht vorzufindende Auffassung vom Ereignis sowie die Länge der Story.[44]

Whites Schlussfolgerung, dass der Nachrichtenredakteur unabhängig entscheidet und aus einer rein subjektiven Perspektive dem Publikum nur das anbietet, was er selbst als „wahr“ erachtet, deckt sich jedoch nicht mit dem ursprünglichen Ansatz von Lewin, der ausdrücklich von Gruppenentscheidungen in einem strukturellen Umfeld ausging.[45] Wei- schenberg sieht daher in Whites Ansatz eine erhebliche Einschränkung für die Allgemein­gültigkeit. Zum einen weil die geringe Redaktionsgröße einer ländlichen Zeitung eine sehr spezifische Organisationsform darstellt, zum andern habe White nicht begründet, warum er den Gatekeepern an den vorderen Stellen im Kommunikationsfluss, die ja entscheidende Vorselektionen vornehmen, nur eine untergeordnete Bedeutung zuwies.[46]

Die Organisationsstruktur in Zeitungsredaktionen berücksichtigte Warren Breed in seiner Dissertation, in der er die Arbeit von 120 Journalisten untersuchte. Ihm ging es um die Frage, warum sich eine spezifische Zeitungspolitik durchsetzt, obwohl die Journalisten ei­gentlich übergeordnete Berufsnormen verfolgen müssten. Breed betonte einen Prozess der beruflichen Sozialisation, der dadurch gekennzeichnet ist, dass sich die Redakteure primär an Arbeitskollegen und innerredaktionellen Gegebenheiten orientieren, um sich problemlos in den Redaktionsablauf zu integrieren. Auf institutionelle Zwänge innerhalb von Zei­tungsredaktionen wies auch Walter Gieber hin, der 1956 die Nachrichtenredaktionen von 16 Tageszeitungen in Wisconsin untersuchte. Im Gegensatz zu Whites Überhöhung der Redakteursrolle, konzedierte Gieber den Redakteuren eine eher passive Funktion im Rah­men der Informationsselektion:[47]

Für Nachrichtenredakteure sind die mechanischen Zwänge der Arbeit wichtiger als Bedeutung und Wirkung der Nachrichten selbst; die Werte des Chefs werden akzeptiert und verinnerlicht. Die Repor­ter nehmen die Nachrichtenpolitik als Teil der bürokratischen Struktur hin. Der Nachrichtenredakteur hat nur vage Vorstellungen vom Publikum und kann daher mit ihm nicht wirklich kommunizieren.[48]

Die Untersuchungen von Breed und Gieber bildeten den Ausgangspunkt für eine Fülle von weiteren Gatekeeper-Studien, in denen es primär um Auswahl- und Bearbeitungsprozesses in Redaktionen ging, zum einen unter Berücksichtigung der bürokratischen Strukturen und der Sozialisation, zum andern unter Beachtung professionsspezifischer Kriterien, bspw. der „Nachrichtenwerte“,[49] als Prämisse für Informationsselektion. Dies kann im Rahmen die­ser Arbeit im einzelnen nicht nachgezeichnet werden. Auf die Bedeutung redaktioneller Entscheidungsprogramme als standardisierte Mechanismen im Sinne der Systemtheorie wird allerdings noch in Kapitel 2.3.1 eingegangen.

Das Verständnis von Gatekeeping im Sinne eines komplexen Prozesses mit einer Fülle von selektionssteuernden Bedingungen führte in den 70er Jahren zu Forschungsansätzen der Kybernetik. So untersuchten Bailey und Lichte zum Beispiel den Entscheidungsprozess für die Ausstrahlung eines NBC-Films aus dem Jahr 1968, in dem es unter anderem um die Exekution eines Vietkong-Offiziers durch die südvietnamesische Polizei ging. Bailey und Lichte führten ein ganzes Netz von Einflussfaktoren zur Ausstrahlungsentscheidung an und stellten fest, dass nicht einzelnen Personen zentrale Gatekeeper-Funktionen zuzuordnen waren, sondern:[50] „The organization was the gatekeeper.“[51]

Die heutige Gatekeeper-Forschung geht von standardisierten und routinierten Prozessen der Informationsselektion in Redaktionen aus, es stehen daher nicht mehr Personen im Mittelpunkt des Interesses, sondern Institutionen mit ihren jeweiligen Einflussfaktoren und Entscheidungsmustern. Geprägt von einer systemtheoretischen Perspektive definiert Dern­bach daher eine institutionelle Vorstellung von Gatekeeping wie folgt:

Heute gelten Organisationen bzw. organisierte Redaktionen als Gatekeeper, die nach standardisierten Mustern Nachrichten zur Bearbeitung und Verbreitung in und für eine spezifische Umwelt (publizisti­sche Öffentlichkeit bzw. spezifisches Publikum) auswählen.[52]

2.3 Was ist Online-Journalismus?

Die Definitionsarbeit für Online-Journalismus erscheint wiederum zunächst recht einfach zu sein:

It is defined as gathering and distributing news content exclusively on the Internet and seen here con­ceptually as a fourth kind of journalism next to print, radio and television journalism with its own spe­cific journalistic characteristics.[53]

Zu Grunde liegt die traditionelle Vorstellung einer Massenkommunikation, bei der profes­sionelle Kommunikatoren Informationsangebote54 an ein disperses Publikum (Rezipien­ten) machen. Dies stellt sich für das Internet jedoch komplexer dar. Online­Kommunikation vereint asymmetrische und symmetrische Kommunikation sowie one-to- one-, one-to-few- und one-to-many-Kommunikation. Bei paralleler Nutzung verschiedener Internetmodi treten diese Kommunikationsformen sogar zeitgleich auf. Man kann deshalb beim Internet von einem Hybrid-Medium[55] sprechen. Die Schwierigkeit der Definition von Online-Kommunikation aufgrund der Verschiedenartigkeit der Kommunikationssituatio­nen verdeutlicht Quandt:

Nutzer können in derselben Nutzungssession E-Mails empfangen, selbst eine E-Mail schreiben, auf Informationssuche gehen oder ungezielt im Internet surfen (also das WWW nutzen), zwischendurch „chatten“, um dann abschließend Daten von FTP-Servern herunterzuladen. Zudem gibt es große Grauzonen zwischen den Diensten: WWW-Seiten ermöglichen teilweise E-Mail-Funktionalität, integ­rieren Chat-Rooms oder eröffnen Download-Möglichkeiten. Was ist hier noch Massen-, was Indivi­dualkommunikation - und was kann man gar nicht mehr als Kommunikation bezeichnen?[56]

In der Kommunikationswissenschaft sind verschiedene Ansätze unternommen worden, die Kommunikationssituation im Internet sinnvoll zu definieren. Ein Ansatz soll hier kurz skizziert werden. Rössler schlägt vor, von einem Kommunikationsraum zu sprechen, in dem verschiedene Kommunikationsmodi gebraucht werden. Dabei hebt er weniger auf die üblichen technischen Unterscheidungen ab, sondern rekurriert auf den Gebrauch der Modi sowie ihren medialen und soziokulturellen Charakter. Hier unterscheidet er die Dimensio­nen Individualität, Interaktivität und Medialität und weist jedem Modus unterschiedliche Potenziale zu. Das World Wide Web hat nach dieser Auffassung zum Beispiel nur ein ge­ringes Potenzial zur Individualität von Kommunikation, verfügt aber in hohem Maß über (Multi)Medialität.[57] Damit ist zwar - wie Quandt anmerkt - keine exakte Grenzziehung möglich, dies spiegelt aber zugleich auch die tatsächliche Nutzungssituation wider. Die Kommunikationswissenschaft muss sich also vorerst damit begnügen, dass es nicht mög­lich ist das Internet mit einer Definition zu beschreiben und muss zugleich akzeptieren, dass hier die verschiedensten Formen von Individual-, Gruppen- und Massenkommunika­tion möglich werden.[58] Loosen/Weischenberg konstatieren daher aus meiner Sicht treffend:

Computervermittelte Kommunikation kann sowohl Qualitäten der interpersonalen als auch der Mas­senkommunikation aufweisen. Allerdings verschwinden damit nicht die Grenzen zwischen diesen Kommunikationsmodi, nur weil sie alle im Internet realisiert werden können. Sie lassen sich nur leichter überschreiten. [Hervorhebung durch den Verf.][59]

Wie Quandt bemerkt, wird im Zusammenhang mit dem Internet häufig von der vollkom­menen Auflösung der Kommunikator-Rezipient-Beziehung gesprochen, jeder Sender ist demnach auch gleichzeitig Empfänger. Dies trifft in dieser totalen Vereinfachung zwar nicht zu, weil dabei zum Beispiel intentionale Aspekte außer Acht gelassen werden, hat aber zum Teil zu idealisierten Vorstellungen „neuer Öffentlichkeiten“[60] geführt und zur Frage, ob denn Journalismus überhaupt noch Sinn macht, wenn Informationen ohnehin für jedermann frei zugänglich sind und mit geringem Aufwand publiziert werden können.[61] Die Frage zur Positionierung und zum Sinn von Journalismus im Internet wird daher aus­führlich im folgenden Kapitel 3 erörtert.

Es soll unter der Fragestellung dieses Abschnitts darum gehen, zwischen der publizisti­schen Vielfalt im Internet zu differenzieren und zu klären, was angesichts der viel zitierten Metapher einer informationellen Überflutung überhaupt als Journalismus bezeichnet wer­den kann. Wie dieser Journalismus im Internet gegenwärtig in seiner konkreten Gestaltungsform aussieht und wie er unter Beachtung qualitativer Aspekte aussehen könnte, ist dann ausführlicher Gegenstand von Kapitel 5.

2.3.1 Abgrenzungen und Differenzierungen von Para- und Pseudojournalismus (pragmatisch orientierter Ansatz)

Die eingangs beschriebene Kommunikationssituation im Internet hat den wesentlichen Hintergrund einer sehr niedrigen Publikationsschwelle. Während die Produktion von In­formationsangeboten in den klassischen Medien an hohe Investitionskosten für Druck-, Sende- und/oder Übertragungstechnik gebunden ist, reduziert sich dies im Internet auf ein Minimum. Zumindest aus technisch-ökonomischer Sicht - einmal ungeachtet etwaiger kognitiver oder intentionaler Hürden - reicht ein PC mit Internetzugang aus, um im Web zu publizieren.

Prinzipiell haben die klassischen Medien damit ihre Monopolstellung für die Verbreitung von Informationen und das Herstellen von Öffentlichkeit verloren. Das „Herstellen und Bereitstellen von Themen zur öffentlichen Kommunikation“[62] als Rühls Primärfunktion des Journalismus bleibt diesem unter Internetbedingungen nicht mehr allein vorbehalten. Diese Funktion nehmen - vor allem im WWW - auch User und andere Anbieter wahr. Dies soll nachfolgend verdeutlicht werden.

2.3.1.1 Parajournalismus

Als „Parajournalismus“[63] bezeichnet Neuberger „öffentliche Laienkommunikation“ [64] bzw. „nutzergenerierten Content“.[65] Hierzu rechnet er insbesondere die Plattformen im WWW (z.B. „shortnews.de“, „dooyoo“), die jedem User Raum für selbst verfasste „Meldungen“ geben.[66] Übergeordnete Instanzen oder redaktionelle Bearbeitungen fehlen.[67] Professio­nelle journalistische Kriterien werden durch Eigeninitiative und Selbstkontrollen innerhalb dieser Gemeinschaftsprojekte ersetzt, Neuberger spricht daher auch von einem „peer-to- peer-Journalismus“[68], also einer „Öffentlichen Kommunikation unter Gleichen“.[69] Das Angebot „shortnews.de“ sieht sich daher als eine als News-Community. Laut Selbstdarstel­lung liefern „mehrere tausend Web-Reporter seriöse, aktuelle und unterhaltsame Nachrich­ten aus aller Welt“.[70] Eine besondere Qualifikation um „Web-Reporter“ zu werden ist dabei offensichtlich nicht erforderlich. Zur „Bewahrung der hohen Qualität“[71] der „Nach­richten“ kann jeder User Bewertungen abgeben. Ob aber tatsächlich Informations- oder Wahrheitsgehalt und damit letztlich auch die Brauchbarkeit dieser „Nachrichten“ sinnvoll überprüft werden können, darf zumindest bezweifelt werden.

Die Websites von Privatpersonen, Verbänden, Interessengruppen und Parteien, die eine große Gruppe innerhalb der Vielfalt des World Wide Web darstellen, dienen in der Regel offenkundig der Selbstdarstellung bzw. dem Gewinnen von Interessenten oder Wählern und dürften überwiegend nicht „Gefahr laufen“, mit Journalismus verwechselt zu wer- den.[72] Daneben existieren aber auch Angebote, die sich - beispielsweise durch den Zusatz „Zeitung“ - als Journalismus deklarieren (möchten). Dies wird bereits allein dadurch er­leichtert, dass die Verwendung des Begriffs „Journalist“ an keinerlei Voraussetzungen ge­knüpft ist:

Journalist kann sich nennen, wer Lust dazu hat. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt; es gibt kein gültiges Berufsbild, keine Mindestvoraussetzung der Qualifikation, nichts.[73]

Dies soll an zwei Beispielen exemplifiziert werden: Unter der Bezeichnung „Bruchshecke News Network“[74] existiert zum Beispiel das Webangebot der Familie Kalteich aus Freu­denberg-Oberheuslingen. Drei Familienmitglieder betätigen sich laut Impressum als „Re­daktion“ und stellen ortsteilbezogene Lokal-„Nachrichten“ online. Zum größten Teil werden die Beiträge selbst verfasst, zum Teil erfolgen Übernahmen einer lokalen Tageszei­tung, dieser werden auch entsprechend deklariert. Der journalistische Anstrich soll offen­bar durch die Übernahme des CNN-Logos untermauert werden, wobei das „C“ im Logo durch ein „B“ ersetzt wurde.

Als „erste Tageszeitung in Deutschland, die nur im Internet erscheint“ [75] deklariert sich der „Regioblick“ aus Aachen. Die Intention ist primär das Verbreiten lokaler Nachrichten. Ü­ber die Qualität des Inhalts können hier keine Ausführungen gemacht werden, da der Auf­ruf von Artikeln nur mit kostenpflichtiger Anmeldung möglich ist. Finanziert wird der Regioblick durch eine Abo-Gebühr (5 Euro im Monat oder 2 Euro für 10 Tage), d.h. die Artikel sind passwortgeschützt. Interessant gestaltet sich ein Blick auf das Impressum. Alle Mitarbeiter werden als Redakteure bezeichnet, obwohl in den selbst verfassten Lebensläu­fen der Mitarbeiter durchweg keine originär journalistische Ausbildung zu verzeichnen ist. Laut Herausgeber Dieter Cohnen ist eine journalistische Qualifikation für die Mitarbeit auch nicht erforderlich:

Jede/r hat die Chance, Journalist/in zu sein. Wir bieten die Möglichkeit, es unter Beweis zu stellen.[76]

Diesen Ansatz spiegelt auch der nachfolgende Auszug aus dem Impressum wider:

Unser Anspruch ist vor allem "Echt sein, aus dem Bauch heraus schreiben, die Region so beschreiben, wie sie ist" - und nicht, wie sie gerne von dem ein oder anderem [sic!] Politiker oder Ortprominenten gesehen werden soll. Das ist nicht ständig Kritik über, das ist beschreiben... Ihre Heimat, Ihre Umge­bung, in der Sie leben und aus der Sie bestimmt umfassender berichten können, als irgendjemand, der oder die nur zum Berichterstatten mal vorbeikommt. Ihre Voraussetzungen: Lust am Schreiben, die Fähigkeit, verständlich zu formulieren, die Wahrheit wiederzugeben und ganz wichtig - Ihre Zuverlässigkeit. [Hervorhebung durch den Verf.] Denn wer bei RegioBLICK mitmacht, geht eine Verpflichtung ein... Unseren Lesern spannende und interessante Informationen aus erster Hand zu lie­fern. Der Haken: Die Mitarbeit bei RegioBLICK wird derzeit (leider) noch nicht in Geld entlohnt.[77]

Neuberger sieht im Parajournalismus - in seinem eher pragmatischen Ansatz - das Haupt­problem im ungenügenden Einhalten journalistischer Standards.[78] Aus diesem Grund kön­nen aus meiner Sicht auch Formen eines „Borderline-Journalismus“[79] unter Parajournalismus subsumiert werden:

Inbegriff dieses »Borderline«-Journalismus ist Matt Drudge, der berühmt wurde, weil er in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 1998 eine unbestätigte Meldung in seinem Online-Magazin Drudge Re­port veröffentlichte und damit die Lewinsky-Affäre in den USA auslöste. Er gehört zu jenen neuen Anbietern im Internet, bei denen zweifelhaft ist, ob sie über ein journalistisches Selbstverständnis ver­fügen. In seinem »Drudge Manifesto« (2000) feiert er jedenfalls die grenzenlose Freiheit der »Zeroes« (Nullen), die sich aus den Fesseln des Journalismus befreit haben. Dem Drudge Report eifert in Deutschland die Boulevardsite »Thema1.de« nach.[80]

2.3.1.2 Pseudojournalismus

Pseudojournalismus liegt nach Neuberger vor, wenn externe Unternehmenskommunikation im Web den Anschein von Journalismus erweckt.[81] Auch Unternehmen erhalten ja via In­ternet einen direkten Zugang zur Öffentlichkeit. Eine reine Selbstdarstellung erscheint da­bei jedoch nicht sonderlich attraktiv. Nach einer Pionierphase mit dem bekannten Motto „Wir sind auch im Internet“ geht es nun um sinnvolle Generierung von Inhalten für die ex­terne Unternehmenskommunikation. Um Aufmerksamkeitspotenziale zu entfalten, ist ein spezifischer Mehrwert erforderlich. Redaktionelle Inhalte können hier eine Art Lockvogel­Funktion erfüllen, in dem sie für „Traffic“[82] sorgen und ein konsumfreundliches Umfeld schaffen. Dies ist vor allem für den Bereich e-commerce interessant, da hier unmittelbar Kaufentscheidungen online getroffen werden können. Exklusive redaktionelle Inhalte stel­len aber zugleich auch einen Imagegewinn dar. Wie Neuberger anmerkt, ändern sich im In­ternet die Grenzen zwischen relevanten Märkten im Vergleich zu den traditionellen Massenmedien.[83]

Der schon beschriebene Monopolverlust für öffentliche Kommunikation bedingt nämlich nicht nur Marktkonkurrenz zwischen etablierten Medienanbietern, hinzu kommen Unter­nehmen, die verstärkt Mehrfachstrategien verfolgen und auf „Content“ (mittlerweile ein neudeutsches Modewort) setzen.[84] So treten führende Internet-Provider (wie T-Online) längst nicht mehr als reine Anbieter von Internetzugängen auf, sondern liefern auf ihren Portalen umfangreiche redaktionelle Inhalte zu einer Fülle von Themen.[85] Zu beobachten sind auch Verflechtungen und Kooperationen. So bieten Suchportale wie „Web.de“ oder „Dino-Online“ neben ihrer eigentlichen Funktion als Suchmaschine auch Nachrichten an. Hierauf wird an späterer Stelle unter dem Aspekt „Syndication“ noch kurz eingegangen. Darüber hinaus ist eine bunte Fülle von Entertainment (z.B. Gewinnspiele), Service (z. B. Handytarife) und e-commerce im Angebot. Direktbanken (z.B. Consors, Comdirect) war­ten zum Beispiel mit umfangreichen Wirtschaftsdaten auf.[86] Gerade bei den Finanzsites e­xistieren nach Neuberger spezifische Problematiken. So sind durch Recherchen der Zeitschrift Net-Business Interessenverflechtungen von Finanzsites mit Fondsgesellschaften und Emissionshäusern offengelegt worden, die sich zum Beispiel im Deklarieren von Fir­menmeldungen als redaktionelle Beiträge äußerten.[87]

Diese „Scheinformen des Journalismus im Netz“[88] stellen nach Neuberger eine Entwick­lung in der Webpublizistik dar, die an Bedeutung zu gewinnen scheint:

Insgesamt kann man eine Annäherung zwischen Journalismus und externer Unternehmenskommuni­kation im Internet beobachten. Die Unternehmen suchen über das Internet einen direkten Kontakt zu ihren Kunden. Anlass für die Online-Nutzer, aus der Angebotsfülle eine ganz bestimmte Unterneh­mens-Site auszuwählen, kann ein Mehrwert in Form von Unterhaltung oder Service sein aber auch der Erhalt aktueller Informationen.[89]

Kennzeichnend und vor dem Hintergrund journalistischer Ethik auch problematisch ist da­bei Folgendes: Es werden lediglich Elemente des Journalismus genutzt, um einseitig in­teressengeleitete Inhalte zu produzieren, die primär dem e-commerce dienen.[90] Altmeppen spricht in diesem Zusammenhang von „journalismusnahen Segmenten“, die er aus systemtheoretischer Sicht vom (Online)-Journalismus abgrenzt, wie im folgenden Ab­schnitt noch zu zeigen sein wird. Problematisch ist Pseudojournalismus vor allem für die Nutzer. Für diese ist nicht immer klar zu erkennen, wann es sich im WWW um rein inte­ressengeleitete „Informationen“ handelt und wann seriöser Journalismus vorliegt. Er­schwert wird dies noch durch die schon angesprochene Syndication. Gemeint ist damit das Produzieren von journalistischen Inhalten durch Medien für Unternehmens-Websites.[91] So ist zum Beispiel seit kurzem die „Netzeitung“ der Nachrichtenlieferant für das Suchportal „Lycos“. Warum diese Form der Zusammenarbeit nicht unproblematisch ist, verdeutlicht Neuberger an einem weiteren Beispiel:[92]

Durch Syndication werden die Beiträge aus ihrem ursprünglichen, für das Verständnis wichtigen Kon­text gerissen. Selbst wenn die Quelle angegeben sein sollte, geraten sie in ganz andere, auch nicht­journalistische Zusammenhänge. Also etwa dann, wenn sich Buchrezensionen eines als kritisch bekannten Nachrichtenmagazins (Der Spiegel) wörtlich übernommen auch im Angebot eines Online­Buchhändlers (www.libri.de) wiederfinden, hier also offensichtlich der Verkaufsförderung dienen sol- len.[92][93]

Nach Neuberger sind für die Identifikation und Definition von Journalismus im Web Abgrenzungen in zweierlei Hinsicht erforderlich. Zum einen ist eine klare Trennung von anderen Inhaltsanbietern (wie beschrieben) erforderlich, was neben Professionalität (Ab­grenzung vom Parajournalismus) auch das Anerkennen journalistischer Berufsnormen um­fasst wie Autonomie der Redaktion, Trennung von Werbung und redaktionellem Inhalt usf. (Abgrenzung vom Pseudojournalismus). Zum andern konstituiert sich laut Neuberger ein Online-Journalismus auch durch eine Abgrenzung vom Muttermedium (sofern vorhan- den):[94]

Von einem Onlinejournalismus wird man berechtigterweise erst dann sprechen können, wenn statt Nachrichtenrecycling mediengerechte Inhalte speziell für das World Wide Web produziert werden, mit denen das journalistische Potenzial des Internet annähernd ausgeschöpft wird.[95]

Somit ist nach Neubergers Auffassung der Aspekt „Eigenständigkeit“ ein grundlegender Faktor zur Bestimmung des Online-Journalismus. In der Systematik dieser Arbeit wird die journalistische Eigenständigkeit jedoch als Qualitätsmerkmal angesehen und nicht bereits als definitorisches Grundelement. Welche Kriterien im einzelnen einen Qualitätsjournalis­mus im Web kennzeichnen können, wird in Kapitel 5 noch eingehend behandelt.

2.3.2 Systemtheoretisch orientierte Bestimmung von Online-Journalismus

Altmeppen greift ebenfalls die bereits von Neuberger vorgenommene Problematisierung multipler Inhaltsanbieter im Web sowie die schon diskutierte Vielschichtigkeit des Internet als Hybridmedium auf, verfolgt aber einen noch grundsätzlicheren Ansatz für die Bestim­mung von Journalismus im Internet:

Was sich also in erster Linie ändert, sind die Konstitutionsbedingungen für Medien und die Möglich­keiten der Kommunikationsformen. Dass der Journalismus von den Veränderungen der Netzkommu­nikation beeinflusst wird, hat also weniger mit dem Journalismus selber zu tun, als vielmehr damit, dass er an die technologischen, ökonomischen und sozio-kulturellen Kontexte der Medien gebunden ist. Die Frage nach der Zukunft des Journalismus steht also in engem Zusammenhang mit dem Begriff „Online-Medien“.[96]

Laut Altmeppen wird der Medien-Begriff mit Blick auf das Internet inflationär gebraucht. So wird im allgemeinen Sprachgebrauch das Internet oft selbst als Online-Medium be­zeichnet, genauso aber die einzelnen Modi wie das WWW. Und zudem erfolgt auch noch eine inhaltliche Bezeichnung von WWW-Seiten als Online-Medien. Altmeppen fragt da­her folgerichtig:[97]

Es wird zu diskutieren sein, ob World Wide Web-Seiten von Unternehmen und Organisationen wie Yahoo und amazon, Daimler-Chrysler und Deutsche Bank, Beate Uhse und Harald Schmidt als Onli­ne-Medien gelten können. Im derzeitigen Sprachgebrauch sind dies ebenso Online-Medien wie die Webausgaben von Tageszeitungen und Fernsehsendern.[98]

Was Altmeppen hier problematisiert, ist die oft mangelnde Trennschärfe beim Gebrauch des Medien-Begriffs, die darauf zurückzuführen ist, dass der Begriff in unterschiedlichen Kontexten verwendet wird. Nach Schmidt lässt sich der Medien-Begriff vierfach differen­zieren:

Beim Reden über „Medien“ sollte genau unterschieden werden zwischen

- konventionalisierten Kommunikationsmitteln im Sinne der zur Kommunikation verwendeten Materialien einschließlich der Konventionen ihres Gebrauchs (z.B. Schrift plus Grammatik und Lexikon),
- Medienangeboten, das heißt Resultaten der Verwendung von Kommunikationsmitteln (z.B. Texte),
- Techniken, die zur Erstellung von Medienangeboten verwendet werden (z.B. Schreibcomputer),
- Institutionen bzw. Organisationen, die zur Erstellung von Medienangeboten erforderlich sind (z.B. Verlage), einschließlich aller damit verbundenen ökonomischen, politischen, rechtlichen und sozialen Aspekte.[99]

Für die nachfolgend zu diskutierende Ab- und Eingrenzung von Online-Medien im Sinne Altmeppens liegt der institutionelle Medien-Begriff zu Grunde.

Altmeppens Überlegungen basieren im wesentlichen auf drei Annahmen: Innerhalb von Online-Medien findet eine Ausdifferenzierung von Journalismus statt, da er seine Operati­onsweisen an die neuen Kommunikationsformen im Internet anpassen muss. Seine Funkti­onen bleiben dabei aber bestehen. Basierend auf dem institutionellen Medien-Begriff können nur Teilbereiche der Online-Kommunikation als „Online-Medien“ bezeichnet wer- den. Dies sind für Altmeppen die Ableger traditioneller Medien. Diese zweite Annahme im Sinne einer Schlussfolgerung erscheint allerdings problematisch und vor allem auch nicht innovativ und wird sowohl am Schluss dieses Kapitels als auch unter dem Qualitätsaspekt der internetspezifischen Gestaltungskriterien noch zu diskutieren sein. Die von Neuberger mit dem Begriff „Pseudojournalismus“ belegten Inhalte betrachtet Altmeppen als Trans­formationen in der Online-Kommunikation im Sinne einer Übernahme von Elementen des Journalismus. Zur Abgrenzung der „Ausdifferenzierung“ im Journalismus selbst, belegt er diese Transformationen mit dem Begriff „Entdifferenzierung“.[100]

Das Merkmal der Ausdifferenzierung beschreibt Altmeppen vor einem systemtheoreti­schen Hintergrund:

Ausdifferenzierung ist eine Entwicklungsstufe, bei der der Journalismus aufgrund steigender Komple­xität Subsysteme ausbildet, die zur Bewältigung spezifischer Problemlagen beitragen. Ausdifferenzie­rung ist also ein Prozess innerhalb des Journalismus.[101]

Zum Verständnis dieser Definition ist es erforderlich, den systemtheoretischen Zusam­menhang nachzuvollziehen. Gemeint ist der Strukturzusammenhang innerhalb des Journa­lismus, also die Frage nach den Bedingungen, wie Journalismus in einer Medieninstitution produziert wird.[102] Diese spezifischen Strukturen heißen in der Terminologie der System­theorie Programme:

Die Standards, Routinen, Formen und Techniken des Journalismus werden als Programme identifi­ziert, die auf die journalistische Funktion zugeschnitten sind, Informationen aktuell zu vermitteln. Die im Journalismus entwickelten Programme müssen sich bewähren und durchsetzen. Sie werden im Zeitverlauf von Journalisten als routinisierte Entscheidungs- und Handlungsprogramme eingeübt und weitergegeben. [...] Mit den Programmen werden Handlungssequenzen stabilisiert. Es sind gewisser­maßen organisierte, verfestigte Selektions(vor)entscheidungen. Als Routineprogramme entlasten sie Journalisten bei permanent auftretenden Entscheidungszwängen. [...] Unter dem Gesichtspunkt von Problemlösung sind die journalistischen Programme auf unterschiedliche Zwecke ausgerichtet.[103]

In einer vereinfachten Aufteilung lassen sich Organisations- und Arbeitsprogramme diffe­renzieren. In Organisationsprogrammen werden die übergeordneten Ziele festgelegt, die Arbeitsprogramme beschreiben die konkreten Verfahren, unter anderem zur Entschei­dungsfindung, Darstellung, Selektion oder Präsentation. Zur Verdeutlichung: Ein Ent­scheidungsprogramm, bspw. in der Redaktion einer Zeitung, regelt die Sammlung, Auswahl und Verarbeitung von Material. Dies wird bedingt durch bestimmte Routinen in­nerhalb der Redaktion. Beeinflusst werden diese Routinen unter anderem durch die Auftei­lung in verschiedene Ressorts und die Arbeitsrollen der einzelnen Redakteure, die wiederum zum Beispiel durch Verhaltenserwartungen seitens des Redaktionsleiters oder des Verlags und die Gestaltung der Volontärsausbildung mit geprägt sind. Auf der andern Seite sind die Arbeitsprogramme aber auch geformt durch medienübergreifende Normen und Werte (z.B. Pressekodex), die sich als generelle Standards herausgebildet haben.[104] Im Sinne der Systemtheorie sind diese Faktoren gleichsam als verwobenes Netz zu verstehen, auch hier wird die Abgrenzung zur tradierten Auffassung singulärer Gatekeeper deutlich:

Kennzeichnend für das redaktionelle Entscheidungshandeln ist das Ineinandergreifen von vielfältigen Faktoren. In den großen Institutionen der Medienkommunikation gibt es nicht den allein herrschenden Verleger oder Intendanten, der die Tagesparole erlässt; Kontrollprozesse in Redaktionen sind vielmehr als soziale Mechanismen zu verstehen. Die formellen und informellen Kommunikationsstrukturen er­weisen sich dabei als ambivalent: Einerseits dienen sie der Koordination von Handlungen der einzel­nen Entscheidungsträger; sie sind in diesem Sinne also funktional für das System Redaktion. Andererseits erweisen sie sich aber auch - oft unbewusst für die Journalisten - als Formen von Kon­trolle und als Anpassungsmechanismen an die redaktionelle Linie.[105]

Ausdifferenzierungen der journalistischen Arbeitsprogramme sind im Internet - im Unter­schied zum Journalismus der traditionellen Medien - in vielerlei Hinsicht denkbar. Perma­nente Aktualisierungen erlauben einen neuartigen Produktionszyklus, die Produkttiefe ist - im Gegensatz zum tradierten Journalismus - sehr groß, es können eine Fülle von Zusatz- und Hintergrundinformationen angeboten werden. Mit Hilfe von Hyperlinks werden dem Rezipienten lediglich Nutzungspfade zur Verfügung gestellt. Die Rezeption erfolgt somit sehr individuell, was eine gewisse Beschneidung der Kommunikator-Autorität bedeutet, usf.[106] Diese inhaltlichen Aspekte sollen aber an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden, da es hier um die Frage der Gestaltung von Online-Journalismus geht, die noch eingehen­der Betrachtungsgegenstand in dieser Arbeit sein wird.

Die Anforderungen durch die technischen Möglichkeiten der Online-Kommunikation ei­nerseits und die Existenz bestimmter Organisationsstrukturen anderseits, reichen nach Altmeppen aber noch nicht aus, um Online-Medien zu definieren:

Für eine valide Definition von Medien fehlt auf der letzten Ebene noch eine Bestimmung der Anfor­derungen, die an Medien gestellt werden, eine Auskunft über die Aufgaben und Leistungen, kurz: ü­ber die Funktion der Medien.[107]

Bei der Bestimmung der Medien-Funktion hebt Altmeppen auf die gesellschaftliche Leis­tung des Journalismus ab,[108] die eine unabdingbare Konstituente für die Definition von (Online)-Medien darstellt, so dass sich eine Art Dreiklang von Faktoren zeigt:

Ein Resümee der Definitionsarbeit läuft darauf hinaus, Medien - und auch Online-Medien - über die Wechselwirkungen von Technik, Organisation und Funktion zu definieren. Die Technik ist gewiss ei­ne konstituierende Grundlage, um Medienkommunikation öffentlich zu machen. Sie allein schafft a­ber nicht annähernd einen Grund dafür, von Medien zu sprechen, wie dies bei Internet und WWW derzeit häufig der Fall ist. [...] Als zweiter Faktor gehört eine Organisationsform dazu, die im Kern mindestens bestimmte medienspezifische Strukturierungen hinsichtlich publizistischer Leistungen enthalten sollte. Zu den Merkmalen und Eigenschaften, die die traditionellen Medien auszeichnen, ge­hören konsentierte Entscheidungs-, Organisations- und Arbeitsprogramme, die publizistische Leistun­gen sicherstellen sollen. Online-Medien ohne diese Leistungen können, und das ist der dritte Punkt, keine funktionalen Anforderungen an Medien erfüllen. Die Funktion der Medien besteht im „Dirigie­ren der Selbstbeobachtung des Gesellschaftssystems,“[109] wobei die Funktion des Dirigierens darin liegt, eine Orientierung für die Rezipienten zu bieten. Aufgrund dieser Funktion legitimiert das Me­diensystem seine Autonomie, Informationen (auch unterhaltende) zu sammeln, zu beschaffen, zu be­arbeiten und der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Im Gegensatz zu ähnlichen Operationen anderer Organisationen (insbesondere Public Relations und Werbung) erzeugt und bearbeitet das Me­diensystem die Informationen nicht im Auftrag bestimmter Interessen, [...] sondern aufgrund gesell­schaftlich delegierter Zuschreibung. [Hervorhebungen durch den Verf.][110]

Dieser letzte Aspekt ist für Altmeppen zentral. Unternehmenswebseiten nutzen zwar das technische Potenzial des Internet und werden in organisierten Strukturen produziert, aber sie leisten nicht die Selbstbeobachtung der Gesellschaft. Diese Webseiten sind daher der PR, Öffentlichkeitsarbeit oder Werbung zuzurechnen und werden von Altmeppen als „journalismusnahe Segmente“[111] abgegrenzt. In Abwandlung der schon mehrfach ange­führten Definition zum Wesen des Journalismus von Rühl, ist die Funktion dieser Segmen­te nach Altmeppen eine „interessengeleitete Herstellung und Bereitstellung von Themen zur Anschlusskommunikation“.[112] Es sollen zum Beispiel Kaufentscheidungen evoziert werden. Altmeppen stellt daher zutreffend fest, dass ein reines Kopieren journalistischer Arbeitsweisen noch keinen Journalismus darstellt:

Journalismus findet dort nicht statt, auch wenn die Programme des Journalismus in diesem Segment angewendet werden. Da jedoch keine gemeinsame funktionale Basis vorhanden ist, handelt es sich in diesem Segment vielmehr um eine Entdifferenzierung: Dieser Teil der Netzkommunikation wird von den funktionalen und organisationalen Leistungen des Journalismus entkoppelt, die Netzkommunika­tion wird im Sinne spezifischer Organisationsinteressen instrumentalisiert. [...] Unter den bisherigen Voraussetzungen sind nur bestimmte Bereiche von Internet und WWW als (Online-)Medien zu be­zeichnen, nämlich die Ableger der traditionellen Medien[113]

Aus meiner Sicht erscheinen Altmeppens Abgrenzungen durchaus sinnvoll, um Webpubli­zistik zu systematisieren. Allerdings ist seine Medien-Definition doch sehr von Idealisie­rungen geprägt. So liegen für die traditionellen Medien einerseits natürlich auch Intentionen im Sinne von Anschlusskommunikation vor, da - zum Beispiel bei einer Zei­tung - die Auflage ja auch verkauft werden soll und die platzierten Anzeigen möglichst große Reichweiten erzielen sollen. Anderseits ist das Urteil „Pseudojournalismus“ recht hart, wenn Altmeppen alle Anbieter damit belegt, die nicht ins klassische Medien-Raster passen. Weniger eng wird dies zum Beispiel in der Online-Journalismus-Studie der Uni­versität Münster gesehen. Bei der Auswahl von Medientypen im Online-Journalismus ist u.a. auch die Online-Redaktion des Unternehmens „T-Online“ Untersuchungsgegenstand und wird den originären Online-Angeboten zugeordnet, unterstellt wird dabei die Strategie eines „Journalismus als Mehrwert“.[114]

Natürlich ist der Spagat zwischen ökonomischem und gesellschaftlichem Handeln für den Journalismus zweifellos vorhanden, diese Thematik würde aber sicherlich einen eigenstän­digen Betrachtungsgegenstand darstellen und kann im Rahmen dieser Arbeit nicht ausrei­chend vertieft werden. Hilfreich ist aus meiner Sicht in diesem Zusammenhang die Position von Ruß-Mohl, der für die gesellschaftlichen und ökonomischen Interessen des Journalismus das Prinzip des „Sowohl als auch“ vertritt. Die Diskussion um ein „Entweder oder“ hält Ruß-Mohl für fehlgeleitet. Und auch Krzeminski/Ludes sehen zum Beispiel für (Qualitäts)-Journalismus durchaus Spielraum „jenseits einer Dichotomie von Ethik und Markt“.[115] Das Prinzip von Ruß-Mohl setzt bereits beim Rezipienten an, den er sowohl als Marktteilnehmer als auch als Staatsbürger betrachtet. Journalismus ist somit in einem analogen Verständnis einerseits kommerzielles Geschäft, anderseits auch öffentliche Auf­gabe. Wirtschaftswissenschaftler würden dies mit dem Begriff „meritorisches Gut“[116] be­legen. Journalismus befriedigt somit für die erstgenannte Rezipientenrolle eine individuelle Nachfrage, die in der Summe z.B. Einschaltquoten oder Verkaufsauflagen ergibt. Ander­seits genügt es laut Ruß-Mohl nicht, bloßer Marktteilnehmer zu sein. Für eine funktionie­rende Demokratie werden auch Staatsbürger gebraucht, die am politischen Leben partizipieren. Hierzu leistet der Journalismus seine wichtige Informationsaufgabe, für die ein kollektives Interesse unterstellt werden kann, das aber nicht unbedingt auf dem Markt abzulesen ist. Hieraus kann ebenfalls abgeleitet werden, - und dies wird in Kapitel 4 noch ausführlich behandelt - dass die Sicherung journalistischer Qualität nicht allein über die Marktmechanismen möglich ist. Anderseits hält es Ruß-Mohl für einen Denkfehler, die aus dem kollektiven Informationsinteresse abzuleitende öffentliche Aufgabe des Journalismus allein öffentlich-rechtlichen Institutionen zuzuschreiben, vielmehr plädiert er für eine brei- tere Definition der laut Verfassung sicherzustellenden informationellen Grundversor­gung:[117]

Sodann besteht auch im Bereich der Grundversorgung kein Anlass, den Marktmechanismen prinzi­piell zu misstrauen - etwa dergestalt, dass sie überhaupt nicht in der Lage wären, effizient Informatio­nen bereitzustellen und zu verteilen. Jedenfalls dürfte sich sehr schwer tun, wer etwa „beweisen“ wollte, dass die Informationsleistung privatwirtschaftlich betriebener Zeitungsverlage oder Nachrich­tenagenturen prinzipiell schlechter ist als die öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten.[118]

Als problematisch muss aus meiner Sicht in jedem Fall Altmeppens schon anfangs ange­sprochene Schlussfolgerung angesehen werden, dass nur die WWW-Ableger der traditio­nellen Medien als Online-Medien bezeichnet werden können. Immerhin räumt Altmeppen ein, dass sich dies zukünftig noch ändern könne.[119] Zum einen übersieht er aber dabei rein internetbasierte online-journalistische Angebote im Web (e-zines), die auch zum Zeitpunkt seiner Überlegungen schon existiert haben. Zum andern ist diese Festlegung im Rahmen einer zukunftsorientierten Perspektive eher als kontraproduktiv und wenig innovativ anzu­sehen. Wie noch zu zeigen sein wird, sind die Ableger traditioneller Medien stark durch inhaltliche Übernahmen aus den Muttermedien geprägt und nutzen nur unzureichend die technischen Möglichkeiten des Internet. Altmeppens Definition unterscheidet sich daher in diesem Punkt elementar von der Auffassung Neubergers, der ja gerade in der Abnabelung vom Muttermedium eine Grundbedingung für einen eigenständigen Online-Journalismus sieht. Allerdings ist einzuräumen, dass diese beiden Definitionen nur bedingt vergleichbar sind (deshalb wurde ihnen in dieser Arbeit auch jeweils ein eigenständiger Unterpunkt ge­widmet), da Neuberger eher eine pragmatisch-inhaltliche Perspektive verfolgt hat, während Altmeppen sich auf der mehr abstrakten systemtheoretischen Ebene bewegt.

3. Zur publizistischen Rolle und Funktion von Online-Journalismus/Online- Journalisten

Bei der Betrachtung der verschiedenen Positionen in der Medien- bzw. Kommunikations­wissenschaft für (zukünftige) Rollen von Online-Journalisten ist festzustellen, dass sich die Auffassungen zum Teil diametral gegenüberstehen. In diesem Kapitel soll nun zunächst der Versuch unternommen werden, exemplarische Positionen aufzuzeigen und konstruktiv zu kritisieren. Den Anfang macht Dr. Mike Sandbothe. Er verkörpert die Positionen, die dem Internet die Verwirklichung eines neuen Kommunikationsideals zuschreiben. Der Re­zipient (User) kann aus einem gigantischen hypertextuellen Informationspool schöpfen und somit sein Grundrecht auf Information auf völlig neue Art und Weise befriedigen. „Journa­listische Filter“ stören dabei nur. Ganz so weit geht Matthias W. Zehnder in der nachfol­gend vorgestellten Position nicht. Jedoch sieht er im Internet tendenziell die Chance, eine publizistische Egalität herzustellen, die zu einer Beschneidung (Dekonstruktion) der jour­nalistischen Aufgaben führt.

Ursula Maier-Rabler und Erich Sutterlütti plädieren für einen starken Wandel des journa­listischen Rollenverständnisses, welcher bis hinein in neue Bezeichnungen für Kommuni­katoren in einem hypertextuellen Netzwerk reicht: Der „Informationsanalytiker“ soll das Generieren von Information dem Potenzial kompetenter Nutzer überlassen und lediglich die Pfade zu Primärinformationen herstellen (Meta-Design). Während die Inhaltsprodukti­on dann in den Hintergrund rückt, erfahren laut Maier-Rabler/Sutterlütti andere journalisti­sche Aufgaben eine Aufwertung. Das Anlegen jener Pfade meint nicht das bloße Bereitstellen von Links, sondern zusätzlich das Verfassen von Analysen und Kommenta­ren, um die vorhandene Primärinformation nutzbringend zu bewerten. Aus der Kritik die­ser drei Rollenbeschreibungen wird dann eine eigene Position entwickelt, in der es um eine Umdeutung des traditionellen Gatekeeper-Begriffs geht. Dabei spielen vor allem die As­pekte von Informationsquantität, Informationsqualität und Informationsselektion ange­sichts der herrschenden Unübersichtlichkeit im Web eine Rolle.

Um mögliche Veränderungen von Beschäftigungsstrukturen im Online-Journalismus, Ü­berlegungen zu geänderten Aufgabenprofilen sowie mögliche Chancen für lokale Themen im globalen Netz geht es dann beim Ausblick am Ende dieses Kapitels.

3.1 Redundanz des Online-Journalismus (Dr. Mike Sandbothe )

Sandbothe wehrt sich gegen eine resignative Haltung gegenüber der Datenflut,[120] die das World Wide Web liefert. Das Empfinden einer informationellen Überflutung resultiert nach seiner Auffassung primär aus einer unzureichenden Nutzung der Ordnungsangebote, die für das Internet vorhanden sind. Dies sind im wesentlichen: Bookmarks, die individuell strukturiert werden können, Suchmaschinen sowie so genannte „personal agents“. Letztere sind Computerprogramme, die eigenständig - nach entsprechenden Vorgaben - Selekti­onsaufgaben im Web übernehmen.[121]

Den Umgang mit diesen Ordnungsangeboten zu erlernen, ist eine Komponente einer inter­netspezifischen Medienkompetenz, die Sandbothe für eine Basisqualifikation im Informa­tionszeitalter hält. Die zweite Komponente liegt in der „Ausbildung einer internetspezifischen Urteilskraft“.[122] In Anlehnung an Kant unterscheidet er dabei eine be­stimmende und eine reflektierende Form:

Aufgabe der bestimmenden Urteilskraft ist es, einen besonderen Fall unter ein bereits vorgegebenes Allgemeines zu subsumieren. Die reflektierende Urteilskraft denkt demgegenüber von einem gegebe­nen Besonderen her auf ein Allgemeines hinaus, das noch nicht vorgegeben ist. Beide Arten von Ur­teilskraft spielen für eine angemessene Medienkompetenz im Zeitalter des Internet eine wichtige Rolle.[123]

Das traditionelle Mediensystem hat nach Sandbothe dem Rezipienten bislang durch seine vornehmlich journalistischen Instanzen die Notwendigkeit zur eigenen Evaluation von In­formationen abgenommen, bzw. die Bewertung durch die bestimmende Urteilskraft er­leichtert. Dies gelang vor allem durch stabile Präferenzen der Rezipienten, zum Beispiel für eine bestimmte Zeitung oder eine Nachrichtensendung im Fernsehen, einhergehend mit durch Rezeptionserfahrungen aufgebautem Vertrauen. Dies ist nach seiner Auffassung im Internet anders:

Die komplexe mediale Situation des Internet hebt die klassischen Rubrizierungs- und Bewertungsras­ter auf, die durch die ausdifferenzierten Medienkulturen der Buch- und Verlagswelt vorgegeben wa­ren. [...] In den digital vernetzten Medienwelten des Internet wird demgegenüber von den Nutzerinnen und Nutzern eine höhere und eigenständigere Bewertungskompetenz gefordert.[124]

Ausgebildete Urteilskraft der Rezipienten gepaart mit der Nutzung von Ordnungs-Tools haben in seiner Schlussfolgerung Auswirkungen auf das journalistische System: Unter Internet-Bedingungen beginnen Nutzerinnen und Nutzer - unterstützt durch intelligente techno­logische Tools - einen Teil derjenigen Selektionstätigkeiten zu übernehmen, die im klassischen Me­diensystem von der Zunft der Journalisten durchgeführt werden.[125]

Sandbothe sieht hier die ideale Verwirklichung des Grundrechts auf Information, zu der aber auch die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Kostengüns­tige Zugänge, preiswerte Nutzung von Datenbanken und kostenlose Nutzung von Internet­Terminals in Bibliotheken gehören zu seinen Vorschlägen.

In einer internetspezifischen Medienkompetenz sieht er darüber hinaus einen „epistemolo- gischen Aspekt“[126]:

In der klassischen Medienlandschaft suggeriert jedes Informations- und Nachrichtenmedium eine ver­bindliche, glaubwürdige und adäquate Repräsentation der Wirklichkeit. Im Internet aber wird diese Suggestion gerade durch die selektive und evaluative Recherchepraxis der Nutzerinnen und Nutzer unterlaufen.[127]

Bei der Verarbeitung von Internetquellen geht es seiner Meinung nach vielmehr um die Konstruktion eines Sachverhaltes; aus einer Vielzahl von Informationsangeboten, die sich eventuell auch widersprechen, erarbeitet der Rezipient gewissermaßen sein eigenes Wirk- lichkeitsbild. [128] Letztendlich macht aber dann das Zusammenspiel von Urteilskraft und

Nutzung der Ordnungsangebote einen Journalismus im Web obsolet, er wirkt laut Sand­bothe - und das ist das Entscheidende an seiner Position - sogar eher behindernd:

Das aber setzt einen freien, nicht über journalistische Zwischeninstanzen gefilterten Zugang [Her­vorhebungen durch den Verf.] zum Internet und zu den über das Web nutzbaren Datenbanken vor-aus.[129]

Im Vermitteln dieser Fähigkeiten sieht Sandbothe eine Herausforderung an die Medienpä­dagogik. Dabei geht es ihm aber nicht um die bloße Vermittlung technischer Fähigkeiten. Netzzugang, Computer und Software an den Schulen könnten hier nicht a priori für die notwendige Medienkompetenz sorgen. In Schulen und Universitäten müsse umgedacht werden, weil bislang ein Frontalunterricht, mit dem Lehrenden als „omnikompetenten Verwalter des Wissens“,[130] die vorherrschende Strategie zur Wissensvermittlung darstelle.[131]

Die Unterrichtssituation als Ganzes muss seiner Meinung nach in die Ausbildung einer re­flektierenden Urteilskraft einbezogen werden:

Sie beginnt vielmehr in der alltäglichen Kommunikationssituation des normalen, nicht computerisier­ten Face-to-Face-Unterrichts, der gerade in einer mediengeprägten Bildungswelt eine spezifische Re- validierung erfährt. Entscheidende Voraussetzung dafür, dass Menschen im Prozess des Lernens den Mut und die Fähigkeit zur eigenständigen Beurteilung und reflektierenden Verflechtung von Themen, Perspektiven, Interessen und Personen entwickeln können, ist die Enthierarchisierung und Dezentrie­rung der dem Unterricht an Schule und Hochschule zugrunde liegenden Kommunikationsstruktur. [...] Der Vorsprung des Lehrers besteht also nicht in erster Linie im Verfügen über vorgegebene Lehrbe­stände, sondern vielmehr in seiner Kompetenz, die Vielfalt der sich ständig erweiternden Informati­onsströme auf nachvollziehbare, pragmatische und kooperative Weise zu kanalisieren und zusammen mit den Lernenden in ein situiertes Wissen zu transformieren, das der lernenden Gemeinschaft nütz­lich ist und zugute kommt.[132]

3.2 Dekonstruktion des Journalismus durch das Internet (Matthias W. Zehnder)

Die niedrige Publikationsschwelle für Veröffentlichungen im Internet hat laut Zehnder weit reichende Folgen für den Journalismus, und zwar sowohl in Bezug auf seine Rolle für die Gesellschaft als auch für die journalistische Arbeitsweise. Es bleibt unter Internetbe­dingungen kein journalistisches Privileg mehr, Öffentlichkeit zu erreichen oder herzustel­len:

Ein Computer, ein Internetzugang und ein paar gute Ideen reichen, um wenigstens theoretisch Millio­nen von Internet-Benutzern zu erreichen.[133]

Das Publikum tritt somit aus einer Rolle als passiver Rezipient heraus, konkurriert im In­ternet mit den Journalisten gewissermaßen gleichberechtigt, wenn auch - wie Zehnder ein­räumt - Journalisten bislang noch professioneller mit Information umgehen können. Einseitige Sender-Empfänger-Konstellationen (one-to-many-Kommunikation) werden im Internet durch many-to-many-Konstellationen ersetzt. Die Nutzer rufen im Web gezielt In­formationen nach eigener Interessenlage ab. Dieses „Ziehen“ von Information (engl. „to pull“) ist nach Zehnder der Grund dafür, beim Internet von einem „Pull-Medium“ zu spre­chen.[134]

Eine zweite Auswirkung, die unmittelbar die journalistische Arbeitsweise betrifft, ist nach Zehnders Auffassung ein erhöhter Kommunikationsdruck. Per E-Mail ist ein unmittelbares Leser-Feedback möglich, zudem ist dieses Kommunikationsmittel mit der Erwartungshal­tung einer schnellen Antwort verknüpft:

Journalisten sind damit nicht mehr die unberührbaren Sender von Informationen, die hinter den schüt­zenden Mauern eines Verlagshauses sitzen und ihre Artikel schreiben. Sie sind Knoten in einem offe­nen Netzwerk und müssen damit rechnen, dass sie auf ihre Arbeit angesprochen werden.[135]

Zehnder ist davon überzeugt, dass im Zeitverlauf ein Angleichungsprozess stattfinden wird. Der noch bestehende professionellere Umgang mit Informationen durch Journalisten gegenüber den Internetnutzern wird demnach schwinden. Um im Internet zu recherchieren, ist keine journalistische Ausbildung nötig. Ähnlich wie Sandbothe argumentiert Zehnder, dass weiterentwickelte Suchmaschinen und elektronische Agenten den Selektionsprozess erheblich vereinfachen können. Als Beispiel nennt Zehnder die Suchmaschine „Askjee- ves“[136], die bereits Abfragen in natürlicher Sprache erlaubt. Elektronische Agenten können seiner Meinung nach zukünftig sogar Fähigkeiten von Journalisten ersetzen, da sie kom­plexe Abfragen ermöglichen, durch eine dynamische Programmierung auf veränderte An­forderungen selbstständig reagieren und in der Lage sind, mehrschichtige Selektionsziele zu verfolgen.[137]

Diese Vereinfachungen erlauben - so Zehnder - eine derart einfache Recherche, dass dieser Teil der Arbeit von Journalisten in gewisser Weise obsolet wird, die journalistischen Funk­tionen verändern sich damit vom Sammeln von Informationen in Richtung eines kompe­tenten Führers durch eine „kollektiv verfügbare Welt des Wissens“.[138] Zehnders Prognose lautet daher:

Die Demokratisierung der Informationsproduktion und die Egalisierung der Produktionsmittel ebnen das Gefälle zwischen Journalist und Publikum ein. Das Internet hat damit nichts Geringeres als eine Dekonstruktion des Journalismus im heutigen Sinne zur Folge.[139]

Ein Ende des Berufsstands „Journalist“ will Zehnder mit dem aufgezeigten Dekonstrukti- onsprozess jedoch nicht prognostizieren, die Veränderungen berührten aber den Status des Berufsstands. Eine Redundanz (wie Sandbothe) des Journalismus im Internet sieht Zehnder also nicht, räumt aber ein, dass es in mancher Hinsicht effizienter sein kann, auf journalis­tische Informationen zurückzugreifen. Dazu fordert er jedoch von den Journalisten stei­gende Ansprüche an ihre Arbeitsleistung ein, die er an zwei Hauptpunkten fest macht:[140] 1. Selektion von Information: Diese hat im Internet Vorrang vor der Textproduktion. Wenn sich der Journalist also als professioneller Kommunikator einen Vorsprung vor den Nutzern bewahren will, muss er sich besondere Fähigkeiten aneignen; dies umfasst einen „virtuosen Umgang mit den Werkzeugen des Informationszeital­ters“.[142]

2. Das Schaffen von Nutzergemeinden: Hier sind neue moderative Fähigkeiten ge­fragt. Wie aufgezeigt, bekommt die Kommunikation mit den Nutzern eine höhere Bedeutung. Dies ist - auch im ökonomischen Sinn - nötig, um Nutzer an das eige­ne Produkt zu binden, es letztlich auch zu verkaufen.

3.3 Der Online-Journalist als „Informationsanalytiker“ und „Meta-Designer“ (Ursula Maier-Rabler/Erich Sutterlütti)

Die Ansatzpunkte für die nachfolgenden[143] [144] Überlegungen der Autoren gründen sich auf die Kritik an der bislang etablierten Informationsdarstellung in hypertextuellen Netzwerken (wie dem WWW) und der Forderung nach neuen Qualifikationsprofilen für die Informati­onsanbieter in diesen Netzwerken.

Zur ihrer Kritik: Maier-Rabler/Sutterlütti konstatieren, dass die Inhalte elektronischer Netzwerke bislang noch stark von der Übernahme linear strukturierter Inhalte aus den tra­ditionellen Medien geprägt sind. Eine häufig anzutreffende Informationsaufbereitung durch Verwendung identischer Inhalte stellt demnach lediglich eine Verdoppelung des be­reits Existierenden dar und erzeugt Redundanzen, die für eine innovative und benutzer­freundliche Gestaltung in elektronischen Netzen kontraproduktiv sind. Qualitäten eines universellen Mediums wie dem Internet werden nicht ausgeschöpft, was laut den Autoren durchaus auch eine gesellschaftspolitische Dimension hat: Enorme Investitionen in die Netz-Infrastruktur mit immer schnelleren Datenleitungen erscheinen nur vor dem Hinter­grund der Generierung sinnvoller Inhalte gerechtfertigt.[145]

Die Autoren gehen in ihrem Aufsatz nachfolgend auf Entwicklung, Geschichte und Bedeu­tungen) des Prinzips „Hypertextualität“ ein, hierzu wird auf die ausführliche Behandlung von Hypertext im 5. Kapitel dieser Arbeit verwiesen.[146] Hypertextualität betrachten die Autoren jedenfalls als ein „neues Informationsprinzip“[147], dessen Potenzial bislang nur eingeschränkt umgesetzt wird:

Das informationstechnologische Potenzial der digitalen, elektronischen Kommunikationsnetzwerke bietet wesentlich mehr als die hypertextuelle Umsetzung von bislang isoliert voneinander existieren­den Informationsbeständen bzw. die hypertextuelle Aufbereitung von geschlossenen Informationsein- heiten.[148]

Zugänglichkeit und Benutzbarkeit sind für die Autoren wesentliche Faktoren eines hyper- textuellen Informationsraums. Dabei hängen die Faktoren zum einen von infrastrukturellen und ökonomischen Bedingungen, zum andern von Fragen des Inhalts, der Aufbereitung und Rezeption ab. Um die folgenden Überlegungen eines „neuen Informationsprinzips“ zu verstehen, ist es notwendig, die Idealvorstellung von Maier-Rabler/Sutterlütti nachzuvoll­ziehen. Ihre Vorstellung lehnt stark an die Idee des „docuverse“[149] von Ted Nelson an. Hierbei sind sämtliche Arten von Texten (Schrift, Bilder, Filme, Töne, Grafiken usw.) in einer Art elektronischer Digital-Weltbibliothek verfügbar. Die Dokumente besitzen eine virtuelle Omnipräsenz und haben eine eindeutige Adresse. Gespeichert werden nur die O­riginaldokumente, ihre Lesarten (Kommentare) und ihre Varianten, d.h. ihre Überarbeitun­gen im Zeitverlauf, was gewissermaßen "ein Blättern in der Zeit" ermöglicht (im Unterschied zur ahistorischen Struktur des WWW). Redundanzen werden durch diese Speicherform erheblich reduziert. Die Autoren räumen ein, dass diese Vorstellung in der Praxis von einer Umsetzung noch weit entfernt ist. Mögliche Gründe liegen ihrer Meinung nach auf den Ebenen der Produktion, Distribution und Konsumption: die mangelnde Quali­fikation der Inhaltsproduzenten, ihre Angst vor einem möglichen Kontrollverlust über die Inhalte, mangelnde Rezeptionskompetenz der Nutzer aufgrund eines auf Faktenvermittlung ausgerichteten Bildungssystems, mangelnde technologische Bedingungen wie lange Über­tragungsraten und zu hohe Online-Kosten werden hierfür als ursächlich betrachtet.[150]

Um nun zur eigentlichen Rolle eines professionellen Kommunikators in einem universellen hypertextuellen System zu kommen, beschränken sich die nachfolgenden Ausführungen auf die Ebene der Inhaltsproduktion: Bei der Qualifikation eines Informationsanbieters in einem Hypertext-System muss laut Maier-Rabler/Sutterlütti berücksichtigt werden, dass unter Hypertext-Bedingungen die Grenzen zwischen Produktion und Rezeption, also zwi­schen Inhaltsproduzent und Nutzer, aufgelöst werden. Bei einer universellen Verfügbarkeit der elektronischen Dokumente liegt nach Vorstellung der Autoren die Hauptqualifikation von Kommunikatoren im Schaffen von „Meta-Designs“[151], d.h. es werden Kontexte entwi­ckelt, um den Zugang zu Inhalten herzustellen, die Produktion von Inhalten rückt in den Hintergrund. Gemeint ist somit, ein System „selbstgenerierender Information“[152] zu etab­lieren:

Ausgehend vom Idealzustand einer optimalen Vernetzungsdichte könnten grundsätzlich alle beliebi­gen Primärdaten oder Originaldokumente für die Generierung eines virtuellen „Produkts“ zur Verfü­gung stehen. Das Hauptaugenmerk bei einem solchen System für die eigenständige Generierung von sinnvoller Information liegt dann nicht wie im traditionellen linearen Denken bei der sinnvollen, ko- häsiven und kohärenten Aneinanderreihung von Primärinformationen, sondern in der Definition sinn­voller Verknüpfungen und in der Entwicklung gehaltvoller Pfade (Metadesign). Die Hauptleistung des Informationsanbieters ist dann nicht mehr die Darstellung und Beschreibung von Primärinformatio­nen, sondern die Entwicklung eines sogenannten Informationsdesigns, welches netzwerkartig über die bestehenden Primärinformationen gelegt wird.[153]

Es kann hierbei keine 1:1-Übernahme von Texten (im weiteren Sinne) aus dem traditionel­len Mediensystem erfolgen, weil dies zu den nicht gewünschten Redundanzen und Wie­derholungen führen würde. Die Überlegungen haben demnach grundsätzliche Auswirkungen auf die (journalistische) Textproduktion:

In einem elektronischen Hypertextsystem würde Text 1 mit jenen Originalpassagen aus Text 2 und Text 3 verknüpft sein, auf die Bezug genommen wird, ohne diese Passagen innerhalb von Text 1 zu duplizieren. Bekannte traditionelle Formen, wie direkte Zitate oder Übernahmen, die in der linearen Form noch zur Kohärenz beitragen, existieren in einer solchen Form nicht mehr.[154]

Stattdessen soll laut Maier-Rabler/Sutterlütti die Analysefähigkeit der Kommunikatoren in Hypertextsystemen eine basale Qualifikation bilden. Die Produktion „wirklich“ neuer Tex­te beschränkt sich nämlich dann auf die Analyse und Bewertung des ohnehin Vorhande­nen, diese Kommentare bereichern als Rezeptionshilfe das Angebot im hypertextuellen Netz. Wie alle Hypertexte bleiben diese Interpretationen aber selbst Angebot, die Ent­scheidungsfreiheit liegt beim Rezipienten:[155]

In Abhängigkeit der jeweiligen Rezeptionskompetenz des zukünftigen Benutzers (Lesers, Sehers, Hö­rers etc.) können diese Angebote, angenommen, verändert oder abgelehnt werden.[156]

Diese noch recht abstrakte Vorstellung eines „Meta-Designers“ in einem System selbstge­nerierender Information konkretisieren die Autoren am Beispiel der Arbeit eines Sport­journalisten und seiner Berichterstattung über das Grand-Slam-Tennisturnier „French O- pen“.[157] Bei der traditionellen journalistischen Berichterstattung muss laut Maier- Rabler/Sutterlütti sehr viel Information dupliziert werden, in dem aus vorhandenem Mate­rial (Spielerbibliographien, Statistiken etc.) zitiert wird, zudem selektiert der Journalist aus Spielen oder Interviews und berichtet über Begleitveranstaltungen und evtl. auch über den Ort des Geschehens. Im System selbstgenerierender Information könnte jedoch der Nutzer in freier Entscheidung selbst auf die vorhandenen Primär- und Hintergrundinforma­tionen zurückgreifen, weil diese Informationen in ihrer Totalität in einem universellen Netzwerk vorhanden sind. Während der Journalist alter Prägung aus diesen Informationen auswählt und innerhalb „seines“ Mediums dupliziert, wäre er im aufgezeigten neuen Sze­nario für die Etablierung eines Meta-Designs verantwortlich:

Die Aufgabe eines Journalisten (Informationsbrokers, Informationsanalytikers) wäre in diesem Kon­text, die Zugänge für den interessierten Benutzer zu den elektronisch vorhandenen Primärinformatio­nen zu definieren (Metadesign) und seine Analysen und Kommentare als neu erzeugte Primärinformation in das System zu stellen. Die Hauptaufgabe eines solchen zukünftigen Berufsbilds würde dann eher das Wissen um die Existenz relevanter Primärinformationen und das Entwickeln von sinnvollen Informationsdesigns sowie die Erzeugung von „neuen“ Primärinformationen in der Form von Analysen und Kommentaren sein.[158]

In dieser neuen Aufgabenbeschreibung sehen die Autoren keine Reduzierung der journalis­tischen Kompetenz. Zum einen sind neue Qualifikationen wie das Entwickeln von Infor­mationsdesigns und das Erzeugen sinnvoller Verknüpfungen erforderlich, zum andern erhalten Elemente des traditionellen journalistischen Handwerkzeugs, vor allem Analysen und Kommentare, einen Bedeutungszuwachs. Im Unterschied zu Sandbothe wird bei dieser Argumentation Journalismus nicht redundant, sondern nach wie vor - wenn auch in abge­wandelter Form - noch gebraucht.[159]

Unabdingbar für das Gelingen selbstgenerierender Informationssysteme ist aber eine spezi­fische Rezeptionskompetenz der Nutzer. Hier argumentieren Maier-Rabler/Sutterlütti ähn­lich wie Sandbothe. Ein fundamentales Umdenken in der (nicht nur schulischen) Wissensvermittlung - weg vom Prinzip „Antworten statt Fragen“, hin zur Vermittlung von Neugier nach neuem Wissen und dem Erstellen eigener Kontexte - ist erforderlich:

Die heute oft festgestellte Unzufriedenheit mit der Informationsüberfülle in elektronischen Netzwer­ken, das Sich-verloren-Fühlen inmitten des Überangebots, ist unserer Meinung nach zu einem hohen Maße damit verbunden, dass die meisten Menschen nach Antworten suchen. Sie suchen Antworten auf Fragen, die sie nicht zu stellen gelernt haben.[160]

3.4 Rollenkritik als Plädoyer: Der Online-Journalist als „optionaler Gatekeeper“ (ei­gene Position)

Es soll nun versucht werden, die bisher aufgezeigten Positionen konstruktiv zu kritisieren. Dabei wird es nicht nur darum gehen, Defizite in den einzelnen Begründungen und mögli­che Fehlannahmen aufzuzeigen, die Kritik soll gleichsam das Fundament für die Entwick­lung einer eigenen Position bilden, die den Online-Journalisten als „optionalen Gatekeeper“[161] beschreibt. Diese Position kann dabei (ebenso wenig wie die zuvor be­schriebenen) keinen Absolutheitsanspruch erheben, sondern greift die aktuellen Rezepti­onsbedingungen und aus demografischen Erhebungen abgeleitete Nutzerinteressen sowie die sich daraus ergebenden Anforderungen an einen professionellen Kommunikator im In­ternet auf. Sie gründet sich also auf eine aktuell beschreibbare Situation und stützt daher die folgende Feststellung von Tonnemacher:

Zu oft und gerade auch in der Kommunikationswissenschaft leidet die Forschung daran, dass mit Ab­solutheitsanspruch gearbeitet wird. Ähnlich wie es in der Wirkungsforschung besser gewesen wäre, nicht die absolute Gültigkeit einzelner Paradigmen, sondern nur für eine bestimmte gegebene und un­tersuchte Situation beansprucht zu haben, war es auch bei dem Versuch der Beantwortung der Frage nach den Folgen der „Neuen Medien“: Wenn Wirkungen festgestellt wurden, dann wurde der Verall­gemeinerung zu oft der Vorzug gegenüber der Wirkung gegeben.[162]

Dass es sich beim Internet und seinen einzelnen Modi um ein sich stetig entwickelndes Gebilde handelt, dessen Entwicklungspfade sich zudem nur schwer bestimmen lassen, ist Schwierigkeit und Anreiz zugleich: Die Schwierigkeit, überhaupt konsistente Ableitungen und Schlussfolgerungen aufzustellen - und der Anreiz, Positionen und Annahmen immer wieder neu zu hinterfragen. Als Leitgedanke der nachfolgenden Überlegungen soll die fol­gende These dienen: Journalisten werden im und durch das Internet nicht obsolet, es ent­stehen jedoch Verlagerungen der Arbeitsschwerpunkte und ihres Stellenwerts sowie neue Anforderungen an Funktion und Aufgaben, mit der Folge einer nicht konsistenten, son­dern anpassungsfähigen publizistischen Rolle.

3.4.1 Kritik der Positionen von Sandbothe und Zehnder: Optionalität vs. Absolutheit

Sowohl Sandbothe als auch Zehnder sehen im Internet die Verwirklichung eines Kommu­nikationsideals: Jeder Nutzer kann aus einem gigantischen Informationspool schöpfen, je­der kann mit jedem blitzschnell kommunizieren, ein publizistisches Medienmonopol für Veröffentlichungen existiert nicht mehr. Es wird also zu hinterfragen sein, ob dieses Kommunikationsideal tatsächlich gegeben ist oder ob es sich hier nicht um einen Mythos handelt. Außerdem wird die Problematik einer informationellen Überflutung - speziell von Sandbothe - relativiert: Technische Tools sowie das Erlernen eines kompetenten Umgangs mit diesen erlauben angeblich jedem Nutzer, journalistische Aufgaben zu übernehmen, diese Tools könnten sogar einmal die Tätigkeiten von Journalisten ersetzen. Diese Redu­zierung der Informationsselektion auf ein technisches Verfahren soll ebenfalls hinterfragt werden. Mit Bezug auf Sandbothes Forderung nach einem Informationszugang im Web ohne journalistische Filter wird zu diskutieren sein, ob denn überhaupt für die „übrigen“ Informationen eine „Filterlosigkeit“ angenommen werden kann, wie Sandbothes Anspruch impliziert. In der Begründung einer eigenen Position wird es dann darum gehen, den Schlussfolgerungen aus den beiden Positionen („Redundanz“ bzw. „Dekonstruktion“ des Journalismus) die Notwendigkeit und Funktion des Journalisten als eines optionalen Onli­ne-Gatekeepers entgegenzusetzen.

3.4.1.1 Die Problemfelder Informationsquantität, Informationsqualität und Informa­tionsselektion im WWW und die Rolle journalistischer Gatekeeper

Die nachfolgenden Überlegungen konzentrieren sich auf das World Wide Web[163], das am ehesten einen massenmedialen Charakter im Sinne einer one-to-many-Kommunikation[164] aufweist und im alltäglichen Sprachgebrauch häufig mit dem Begriff „Internet“ gleichge­setzt wird. Das World Wide Web ist ein rasant wachsendes Netzwerk mit einem - wie in Kapitel 2 bereits aufgezeigt - ausgeprägt leichtem publizistischen Zugang. Immer wieder gibt es Mutmaßungen über die tatsächliche Zahl vorhandener Web-Dokumente, ohne dass valide Aussagen tatsächlich möglich sind. Wachstum des Netzes und technische Möglich­keiten zur Indizierung von Webseiten stehen sich diametral gegenüber. Exemplarisch seien hier drei Schätzungen genannt um eine Einordnung der möglichen Größe des WWW zu liefern. Mit „über eine Milliarde einmalig vorhandener Webseiten“ gab die US-Firma Ink­tomi im Jahr 2000 das Ergebnis einer viermonatigen Indizierung des WWW an.[165] Die Zahl von Websites[166] lag bei rund 4,95 Millionen. Laut dem Unternehmen Cyveillance,

Inc. betrug im Juli 2000 die Zahl öffentlich zugänglicher Webseiten rund 2,1 Milliarden.[167] Der Fachinformationsdienst „intern.de“ verwies im Juli 2000 auf Angaben der Firma „brightplanet.com“; danach lag die Anzahl einzelner Web-Dokumente bei 550 Milliarden Seiten.[168] Diese Zahl erregte Aufsehen, da sie gängige Schätzungen (siehe oben) erheblich übertraf. Nach eigenen Angaben lag dies an der Einbeziehung von Webseiten, die durch Datenbankabfragen erzeugt werden und die erstmals durch einen speziellen Webroboter er­fasst worden seien. Demgegenüber würden die Roboter der gängigen Suchmaschinen nur statische Seiten erfassen.

Eine weitere Problematik entsteht bei der Informationssuche aber nicht nur durch den rei­nen Umfang an Webseiten: ohne Kenntnis einer speziellen Internetadresse muss auf Suchmaschinen zurückgegriffen werden. Diese erfassen aber nur einen geringen Teil der zugänglichen Webseiten. Schätzungen variieren hier ebenfalls und liegen beispielsweise bei 16 Prozent[169], 20 Prozent[170] und 35-40 Prozent[171].

Bei der Betrachtung der rein quantitativen Dimension und der derzeit technischen Rah­menbedingungen ist also bereits eine erhebliche Hürde zu potenziellen Webinformationen vorhanden, allein dies stellt schon die euphorische Deklarierung des World Wide Web als universellen Wissensspeicher in Frage. Aber auch die Zahl zugänglicher und indizierter Seiten stellt immer noch ein großes Komplexitätsproblem dar und erfordert Prozeduren der Selektion. Folgt man den Ausführungen von Sandbothe, so ist mit Hilfe vorhandener Tools der Selektionsdruck beherrschbar. Allerdings muss ihm vorgeworfen werden, dass er die Selektion als solche nicht hinreichend problematisiert.

Nachfolgend soll die Selektionssituation im World Wide Web kurz beleuchtet werden:[172] Eine Grobeinteilung von WWW-Dokumenten lässt die Unterscheidung in redaktionelle Inhalte (Texte, Bilder etc.), Navigationselemente (im wesentlichen Links) sowie in redak­tionell und navigatorisch irrelevante Elemente zu. Selektionsdruck entsteht nicht nur durch die permanente Entscheidung, ob bestimmten Links gefolgt wird, sondern auch durch ei­nen intermodalen Wettbewerb, wenn bspw. gleichzeitig ein Chat-Fenster geöffnet ist und eingehende E-Mails signalisiert werden. Links können in einem entscheidungspsychologi­schen Verständnis als Optionen (Selektionsalternativen) bezeichnet werden und stellen im WWW prinzipiell eine nach oben offene Menge dar. Betrachtet man die Eigenschaften dieser Optionen, so ergeben sich eine Reihe von Problemen bei der Informationsselektion. Sie sind zum einen nicht transparent und eher informationsarm. Es erschließt sich nicht auf Anhieb, zu welcher Art von Information ein Link führt. Zum andern wächst die Komplexi­tät der Selektionssituation mit der Anzahl der Optionen.[173] Auch mit der Nutzung von Suchmaschinen ergibt sich nur eine scheinbar bessere Transparenz und Verringerung der Komplexität. Die Angaben sind nur schwer überprüfbar, erfordern unter Umständen Quel­lenvergleiche, weil eine inhaltliche Prüfung durch die Suchmaschine nicht geleistet wird. Die Leistung besteht nämlich prinzipiell nur darin, den technischen Zugang zu einem Webangebot zu ermöglichen. Es bleibt zudem unklar, wie die Suchergebnisse strukturiert sind (Aktualität, Zahl der Aufrufe etc.), hierzu enthalten die meisten Suchmaschinen keine Angaben. Weil die Suchmaschinen statistisch arbeiten (und nicht semantisch), können ge­wünschte Kontexte kaum erschlossen werden.[174]

Debatin weist noch auf andere Probleme bei der Nutzung von Suchmaschinen hin:[175] Ver­ kannt wird nämlich, dass die Eingabe eines Suchbegriffs auch einen Kompetenzverlust für den Nutzer darstellt. Und zwar nicht allein dadurch, dass der Selektionsprozess an ein technisches Medium delegiert wird. Die Eingabe ist schließlich auch ein Werturteil, da durch den Begriff ja von vornherein andere Selektionsmöglichkeiten ausgeschlossen wer­den. Gleichzeitig ist diese Reduktion aber durch eine eher intuitive[176] Stichworteingabe mit großen Zufälligkeiten behaftet und wird noch verstärkt durch die unklare Indizierung.[177] Damit stellt die scheinbare Übersichtlichkeit der Suchergebnisse den Sucherfolg erheblich in Frage. Debatins Fazit lautet daher aus meiner Sicht zutreffend:

Konkret bedeutet die hier genannte Problematik, dass im Internet die Transparenz des durch maschi­nelle Selektionsprozesse ausgewählten Bereiches mit der Intransparenz des Selektionsprozesses selbst und der durch diese Selektion ausgeschlossenen Bereiche erkauft wird.[178]

Die von Zehnder propagierte erhebliche Vereinfachung des Selektionsprozesses und das Nutzerideal von Sandbothe müssen bereits beim Fazit dieser ersten Überlegungen erheb­lich in Frage gestellt werden. Nicht nur ein hoher kognitiver Aufwand für das Erlangen von Information, auch der damit verbundene Zeitaufwand ist als nicht unerheblich einzu­schätzen. Der Aufwand korreliert zudem positiv mit Belastungen und Durchsatzraten der Datenleitungen und der Serverbelastung der Anbieter.[179]

Aus diesen ersten Überlegungen zur rein quantitativen Dimension von Web-Informationen kann aus meiner Sicht bereits die Notwendigkeit eines professionellen Kommunikators (Online-Journalisten) im Web abgeleitet werden, und zwar maßgeblich in einer Rolle einer komplexitätsreduzierenden Instanz. Die Tätigkeit der Informationsselektion erhält einen neuen Stellenwert, indem der Online-Journalist aus einer Fülle undimensionierter Daten und Fakten auswählt, vergleicht, bewertet und gegenüberstellt. Neuberger beschreibt diese Rolle wie folgt:

Die Pointe des Journalismus im Internet ist die Umkehr seiner Begründung. „Gatekeeping“ war bisher Mangelverwaltung: Die traditionellen Massenmedien boten den einzigen Zugang zur Öffentlichkeit, und sie hatten nur eine sehr geringe technische Vermittlungskapazität. Die Lage entspannt sich durch das Internet nur scheinbar, denn der Flaschenhals ist nur an eine andere Stelle verlagert. Im Internet ist nicht mehr die technische Vermittlung von Informationen das Problem, sondern - im Gegenteil - die Bewältigung von „Informationsflut“ und „Informationsmüll“, also die Knappheit an Aufmerksamkeit und Beurteilungsvermögen auf Seiten der Online-Nutzer. Im Internet sind für den Rezipienten die Wahlmöglichkeiten gestiegen, gewachsen ist zugleich die Qualitätsunsicherheit.[180]

Neben seinen in einer journalistischen Ausbildung erworbenen professionsspezifischen Fähigkeiten, ist die Aneignung von internetspezifischen „Skills“ (wie Webrecherche) für Journalisten im Web unabdingbar, um Komplexität sinnvoll zu reduzieren. In diesem Punkt ist Zehnder sicher rechtzugeben.

Bevor nun die journalistische Rolle noch weiter ausgeführt wird, soll noch eine weitere Problematisierung vorgenommen werden. Außer Acht gelassen wurde bislang noch ein weiterer wesentlicher Aspekt: die Frage nach dem Inhalt und damit der Brauchbarkeit, Re­levanz und Nachprüfbarkeit von Webseiten - kurzum der Informationsqualität. Prinzi­piell sind die digitalen Daten im WWW neben ihrer relativen Zufälligkeit aufgrund der großen Komplexität noch weiteren Problematiken unterworfen, nämlich ihrer relativ leich­ten Veränderbarkeit und damit ihrer Vorläufigkeit. Im Web gibt es keine materielle Bin­dung mehr, im Gegensatz zu gedruckten Publikationen wie Bücher und Zeitungen. Jede Information kann - für den Nutzer unbemerkt - durch eine neue ersetzt werden. Für ge­druckte Informationen existiert jedoch ein Zeitindex. Bei Tageszeitungen wird zum Bei­spiel jeden Tag die Ausgabe vom Vortag durch eine neue „ersetzt“, trotzdem bleibt für den Rezipienten die Vergleichbarkeit zwischen aktueller und „veralteter“, weil nicht mehr re­levanter Information, prinzipiell erhalten.

Dieser Zeitindex verschwindet bei elektronischer Information, denn diese ist reine Gegenwart: Im In­ternet ist jedes einzelne Dokument immer nur bis zu seinem nächsten „update“ wahr und kann in sei­ner nächsten Version dann auch völlig anders aussehen. Meine These ist deshalb, dass Internet­Dokumente eine ahistorische und palimpsestische [gemeint ist überschreibbare; Anm. d. Verf.] Struk­tur haben. Die Leser dieser elektronischen Palimpseste können nie sicher sein, welche Version sie ge- rade vor sich haben, wie oft sie kopiert wurde und wer tatsächlich ihr Autor ist.[181] [182] [183]

Bei Betrachtung der reinen Inhaltsebene ergibt sich noch ein weiteres Problem, nämlich die „ethisch-wahrheitstheoretische“[184] Dimension der digitalen Information im Internet. Die relative Einfachheit elektronischen Publizierens korreliert hier positiv mit fehlenden Überprüfungsinstanzen. Gerüchte und Unwahrheiten erfahren keinerlei (technische) Ab­grenzungen gegenüber seriöser oder wissenschaftlicher Information. Die hypertextuelle Umgebung sorgt dafür, dass lediglich per Mausklick Nützliches von absolut Unbrauchba­rem, Erfundenes von Seriösem, entfernt ist. Diese Erfahrungen macht jeder Internetnutzer im täglichen Gebrauch und es bedarf wohl kaum ausführlicher Erläuterungen. Schwerwie­gender ist in diesem Zusammenhang die Schwierigkeit der Überprüfung von Wahrheit und Authentizität. Debatin beschreibt dieses Problem zutreffend:

Die mit Schrift, Buchdruck und Alphabetisierung verbundenen Standards des Umgangs mit Wahrheit verändern sich unter dem Einfluss der hoch vernetzten Computerkommunikation: Wahrheitsansprüche lassen sich nun nicht mehr an das geschriebene bzw. gedruckte Wort koppeln; denn Wahrheit, Quali­tät und Authentizität der im Internet angebotenen Informationen können nur schwer überprüft werden. Eine differenzierte Glaubwürdigkeitsskala wie sie als Zuschreibungsform bei den traditionellen Mas­senmedien zu finden ist, kann sich im Internet kaum herausbilden, da für die Zuschreibung keine insti­tutionellen oder professionsspezifischen Kriterien[185] existieren, außer wenn die jeweilige Information durch netzexterne Glaubwürdigkeitsindikatoren (wie öffentliche Reputation) begleitet wird.[186]

Eine Veranschaulichung des Wahrheits- und Authentizitätsproblems liefern „Berichte“ rund um den Anschlag auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001.

Hier macht das Internet seiner oft zugeschriebenen Eigenschaft einer „brodelnden Gerüch­teküche“ alle Ehre. Die Dimension dieses Ereignisses hat aber offenbar dazu geführt, dass Legenden, Gerüchte und Verschwörungstheorien inflationär anstiegen, wie O’Leary in ei­nem Beitrag für „Online Journalism Review“[187] anmerkt:

What is unusual about the rumors swirling over the Internet in response to these horrific events is that they seem to have appeal far beyond the ordinary audience of fanatics and conspiracy theorists.[188]

Auf privaten Web-Seiten, aber auch in Newsgroups und per E-Mail wurden diese „Ge­schichten“ verbreitet, nachfolgend werden einmal Wesentliche aufgelistet:

- eine angebliche Prophezeiung von Nostradamus, der die Attacken auf das World Trade Center vorhergesagt haben soll.
- die angebliche Flugnummer Q33NY von einem der Flugzeuge, die in das World Trade Center stürzten, enthielt eine Todesbotschaft, die sich bei Konvertierung in die Schriftart Wingdings offenbart. [Konvertierung von Q33NY in Wingdingsl er­gibt ^И&Ф].
- 4.000 Menschen jüdischen Glaubens hätten eine Warnung erhalten, am Tag des Anschlags das WTC nicht zu betreten.
- Fernsehbilder feiernder Palästinenser, die sich über die Anschläge freuten, seien über zehn Jahre alte Aufnahmen von CNN über die Intifada gewesen.
- Angeblich existierende Bilder der Rauchwolken über dem World Trade Center, die bei genauer Betrachtung das Abbild Satans offenbarten.
- Berichte über weitere geplante Anschläge am 22. September 2001.
- ein Mann habe überlebt, der auf den Trümmern des einstürzenden World Trade Centers in die Tiefe „geritten“ sei.
- in den Trümmern des rauchenden World Trade Centers sei eine unversehrt geblie­bene Bibel gefunden worden.[189]

Sämtliche dieser Legenden haben sich als falsch herausgestellt.[190] Gleichwohl haben ihnen viele Nutzer eine Glaubwürdigkeit zugeschrieben, ein Umstand, der durchaus eine Proble- matisierung verlangt:

In der Regel [...] beziehen Internetdokumente ihre Glaubwürdigkeit durch die zeitlose und multiple Selbstreferentialität des aus Hyperlinks und Hyperdocuments erzeugten Netzes. Damit entsteht jedoch die Tendenz einer nicht mehr zu entflechtenden Vermischung von Realität und Virtualität, wie sie sich in der Vielzahl von geradezu paranoid anmutenden Verschwörungstheorien auf allen möglichen Web­Sites bereits heute zeigt. Ethisch problematisch wird solcherart reifizierte Information vor allem dann, wenn sie dann wieder als Handlungsgrundlage im real life verwendet wird.[191]

Die nötige Aufklärungsarbeit haben Journalisten geleistet. Es ist daher sicher eine wesent­liche journalistische Aufgabe, eine Instanz für Verlässlichkeit im Internet darzustellen. Nicht zu verkennen ist jedoch, dass das Verbreiten von Legenden, wie sie hier exempla­risch beschrieben worden sind, für viele Menschen auch Erklärungsmuster für Unerklärba­res darstellen. Möglicherweise ist das Verbreiten dieser Legenden im Internet auch in der Tradition des Geschichten-Erzählens zu sehen und hat - bei aller Tragik wie in diesem Fall - auch einen gewissen Unterhaltungswert. Trotz Aufklärungsarbeit durch Journalisten ist daher anzunehmen, dass sich derartige Legenden auch weiterhin im Web verbreiten wer­den. Dies skizziert O’Leary aus meiner Sicht treffend:

To understand the appeal of these stories and their sudden increase in credibility, it may be useful to think of them as a sort of modern folklore, generated by new technologies but serving an ancient func­tion. Legends, rumors, and spurious prophecies perform an important work in our culture: they help people come to grips with tragedy and historical change by bringing order out of chaos, giving mean­ing to apparently meaningless violence, and reassuring us with tales of survival in the midst of uni­maginable horror. What may be hard for mainstream journalists to understand is that, in crisis situations, the social functions of rumor are virtually indistinguishable from the social functions of “real news”. People spread rumors via the Net for the same reason that they read their papers or tune into CNN: they are trying to make sense of their world.[192]

Ludes/Schütte sprechen angesichts der Informationsqualität im Web zutreffend von einer „neuen Zuverlässigkeitskluft“[193], die sich nicht nur auf das Problem der Zuschreibung von Quellen und Autorschaft gründet.[194] Erfahrungen aus einem schriftdominierten Vermitt­lungssystem von potenzieller Information wie Bücher und Zeitungen sowie aus einem Sys­tem bewegter Bilder wie dem Fernsehen, lassen sich auf die Rezeption von Web­Informationen nicht mehr ohne weiteres anwenden, da man es hier mit einem Hybridmedi­um zu tun hat. Es geht nämlich nicht nur um den Inhalt, sondern auch um die Art seiner Darstellung. Hypertextdokumente bestehen aus gemischten Zeichen. Diese Hypermediali- tät stellt neue Anforderungen an die Verstehensleistung, da sich Vorerfahrungen nur auf getrennte Zeichensysteme beziehen. Konventionalität tritt somit gegenüber neuen Interpre­tationsanforderungen in den Hintergrund.[195] Diese Verstehensproblematik soll an dieser Stelle aber nicht vertieft werden, sie ist noch eingehender Betrachtungsgegenstand der in-

ternetspezifischen Gestaltung von Online-Journalismus.[196] Ludes/Schütte weisen zudem auf die nicht zu unterschätzende Sprachbarriere hin. Das WWW ist englischsprachig do­miniert[197], was nicht nur ein bloßes Nutzungsproblem im Sinne einer Nutzungskluft von Informationseliten vs. ausgeschlossenen Nutzern darstellt. Die Interpretation von Informa­tionen, die nicht in der eigenen Muttersprache verfasst sind, fällt aus meiner Sicht ungleich schwerer, weil nicht alle Nuancierungen und Feinheiten gedeutet werden können.

Dem Grunde nach zeigt sich bereits nach den bisherigen Überlegungen, wie inhaltsleer der von Sandbothe gebrauchte Begriff einer „internetspezifischen Urteilskraft“ eigentlich ist. Es bleibt völlig unklar, auf welche Basis sich diese Urteilskraft gründen kann. Die Fähig­keit zur Selektion mit technischer Hilfe ist relativ nutzlos, wenn die Bewertung der selek­tierten Information ausbleiben muss.[198] So ist diese Urteilskraft vielleicht als ein Ideal zu verstehen, das möglicherweise durch die zukünftige Entwicklung von Glaubwürdigkeits­skalen einmal ausgebildet werden kann. Werturteile erscheinen am ehesten noch auf einer pragmatischen Ebene anhand von bestimmten Gestaltungsmerkmalen (zum Beispiel Quellenangaben) möglich, die in Kapitel 5.4.2 am Beispiel der von Alexander und Tate aufgestellten Evaluierungskriterien für Websites diskutiert werden.

Es ist aus meiner Sicht eine Herausforderung an den Online-Journalismus, sich als verläss­liche Bewertungsinstanz zu etablieren. Dies kann gelingen, wenn das hohe Maß an Glaub­würdigkeit, welches die Rezipienten einem traditionellen Medium wie der gedruckten Zeitung zuschreiben, im Web etabliert werden kann.[199] Es ist tatsächlich auch eine Frage der Existenzberechtigung für Journalismus im Web, verlässliche Orientierungshilfe zu leis­ten. Zunächst stehen die Journalisten natürlich vor dem gleichen Problem der Bewertung, wie es sich auch dem Nutzer stellt. Doch stehen ihm nicht nur andere Möglichkeiten in zeitlicher Hinsicht offen - schließlich beschäftigt er sich hauptberuflich mit der Bearbei­tung von Informationen - er hat gelernt, Quellen zu hinterfragen, Kontakte zu nutzen usf. - kurzum er muss sein hohes Maß journalistischer Kompetenz für den Nutzer sinnvoll ein­bringen. In diesem Verständnis ist eine Gatekeeper-Rolle im Web konstruktiv-positiv zu verstehen. Altmeppen konstatiert daher zu Recht, dass die journalistische Gatekeeper­Funktion nicht plötzlich im Web obsolet wird:

Die Schleusen der Information öffnen sich nicht derart ungehindert für alle Bürger, wie die Apologe­ten der Informationsgesellschaft erwarten. Mehr noch als in früheren Zeiten erlangt die selektierte, aufbereitete Information, die Umsetzung nur quantitativer Informationsmengen in nutzbares, orientier­tes Wissen, hohe Bedeutung. Zu den Garanten dieses Prozesses der Orientierung und Wissensaneig­nung avancieren die Journalistinnen und Journalisten.[200]

Meine These eines „optionalen Gatekeepers“ beruht nun darauf, dass es - wie dargestellt - im Web keine rein technische Monopolstellung für ein journalistisches Informationsange­bot gibt. Das Merkmal „optional“ ist daher nicht aus Sicht des Kommunikators, sondern aus Sicht des Rezipienten zu deuten. Es liegt in der Option des Nutzers sein Informati­onsbedürfnis durch Rückgriff auf journalistische Angebote zu befriedigen oder - um in der Metapher des Gatekeepers zu bleiben - für den Nutzer besteht die Möglichkeit, diese jour­nalistische Schleuse bewusst zu „umschiffen“. Gatekeeper im Web können also nicht mehr autoritär selektieren und prinzipiell Informationen „vorenthalten“, vielmehr muss die Qua­lität ihres Angebots die Nutzer davon überzeugen, freiwillig diese „Schleuse“ zu be­nutzen. Es gilt daher, journalistische Kompetenz zu betonen, den Wert der journalistischen Leistung hervorzuheben und einen Qualitätsjournalismus auch im Web sicherzustellen.[201] Ein Journalist als „optionaler Gatekeeper“ kann aus meiner Sicht nur dann Bestand haben, wenn seine Leistung auch einen tatsächlichen Mehrwert gegenüber anderer, beliebiger Information im Web aufweist. Insofern ist seine Existenzberechtigung untrennbar mit der Qualität des Angebots verknüpft - und auch mit einer aktiveren Zuwendung zum Rezipien­ten und seinen Bedürfnissen.[202] Eine wichtige Erkenntnis der Qualitätsdiskussion in den folgenden Kapiteln wird nämlich sein, dass sich Qualität nicht an den Bedürfnissen der Rezipienten vorbei sichern lässt. Der Einschätzung von Bardoel/Deuze zu den Bedingun­gen von Journalismus in der Online-Kommunikation ist daher zuzustimmen:

When in a converging and competitive context journalistic mediation becomes an option instead of a necessity the profession will have to position itself much better then it does at present by proving its added value, and it has to show much more active responsiveness [...] toward its clients.[203]

[...]


[1] Neuberger 2001b, http://www.message-online.com/4

[2] Ebd.

[3] Vgl. Kap. 2.З.1.2.

[4] Vgl. Kap. 2.3.1.1.

[5] Vgl. Neuberger 2001b.

[6] Ebd.

[7] Vgl. ebd.

[8] Vgl. Kap. 5.1.

[9] Vgl. Kap. 4.

[10] Vgl. Krzeminski/Ludes 1996, S. 278 - 281.

[11] Koszyk, Kurt; Pruys, Karl Hugo (Hrsg.) [1973]: dtv-Wörterbuch zur Publizistik. 3. Aufl. München: Deut­scher Taschenbuch Verlag. S. 170.

[12] Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried [1974]: Publizistik. Frankfurt a. M. S. 56 f., zit. in Scholl/Weischenberg 1998, S. 28.

[13] Ein bedeutender Vertreter dieser Auffassung ist bspw. der Zeitungswissenschaftler Emil Dovifat. Vgl. Scholl/Weischenberg 1998, S. 31 - 35.

[14] Vgl. ebd., S. 27 ff.

[15] Weischenberg 1994, S. 429.

[16] Damit sind aber nur zwei rein grundsätzliche Auffassungen gekennzeichnet. Die Differenziertheit und die diversen Strömungen jahrzehntelanger Journalismusforschung können hier nicht nachgezeichnet werden, da sie Ansatz und Umfang dieser Arbeit in erheblichem Maß sprengen würden.

[17] Das Institut wurde im Herbst 2001 in das neu gegründete „Institut für Medienforschung“ der Universität Siegen überführt.

[18] Vgl. hierzu grundlegend z.B. Blöbaum 1994 sowie zusammenfassend Kap I. „Grundlagen der Medien­kommunikation“ in K. Merten et al. 1994 sowie Scholl/Weischenberg 1998.

[19] Merten 1994, S. 309.

[20] Weischenberg 1994, S. 427.

[21] Vgl. Kap. 4.1.

[22] Weischenberg 1994, S. 428.

[23] Vgl. Scholl/Weischenberg 1998 S. 15 - 16.

[24] Weischenberg 1995, S. 111.

[25] Rühl, Manfred [1980]: Journalismus und Gesellschaft. Bestandsaufnahme und Theorie-Entwurf. Mainz. S. 319, zit. in. Scholl/Weischenberg 1998, S. 16.

[26] Ebd. S. 325 zit. in Blöbaum 1994, S. 260.

[27] Altmeppen 2000, S. 131.

[28] Vgl. Kap. 5.2.2.

[29] Vgl. Weischenberg 1994, S. 429 sowie Scholl/Weischenberg 1998, S. 17.

[30] Vgl. Scholl/Weischenberg 1998, S. 28 - 29.

[31] Weischenberg 1994, S. 430.

[32] Vgl. hierzu insbesondere Kap. 5.2.3.1, 5.3.1 und 5.3.2.

[33] Vgl. hierzu Scholl/Weischenberg 1998, S. 20 - 23 sowie Weischenberg 1994, S. 431 - 451.

[34] Grafik aus Scholl/Weischenberg 1998, S. 21.

[35] Vgl. Chill/Meyn 1998, http://www.bpb.de/info-franzis/info_260/i_260.html (22.11.2001).

[36] Vgl. ebd.

[37] Ebd.

[38] Ebd.

[39] Scholl/Weischenberg 1998, S. 29.

[40] Vgl. ebd. S. 29.

[41] Vgl. Kap. 2.3.2.

[42] Weischenberg 1992, S. 305.

[43] Vgl. ebd. S. 305 - 306.

[44] Ebd. S. 306 - 307.

[45] Vgl. Scholl/Weischenberg 1998, S. 40.

[46] Vgl. Weischenberg 1992, S. 307.

[47] Vgl. ebd. S. 307 - 308.

[48] Ebd. S. 308 - 309.

[49] Vgl. exemplarisch Ruhrmann, Georg: Ereignis, Nachricht und Rezipient. In: K. Merten et al. 1994. S. 237 - 243.

[50] Vgl. Scholl/Weischenberg 1998, S. 41.

[51] Bailey, George A.; Lichty, Lawrence [1972]: Rough justice on a Saigon street, Journalism Quarterly, 42, S. 229, zit. in Scholl/Weischenberg 1998, S. 41.

[52] Dernbach 1998, S. 55.

[53] Yeshua/Deuze 2000, http://home.pscw.uva.nl/deuze/publ15.htm (22.12.2001).

[54] Dieser Terminus wurde bewusst anstelle des singulären Begriffs „Information“ gewählt. Es soll nämlich deutlich werden, dass in dieser Arbeit grundsätzlich nicht von einem Kommunikationsverständnis ausgegan­gen wird, bei dem unversehrte Stimuli auf Rezipienten „treffen“ (Container-Metapher bzw. Stimulus- Response-Modell), da dies in der Kommunikationswissenschaft seit längerem als nicht mehr haltbar erachtet wird. Vielmehr wird von Rezipienten ausgegangen, die selektiv handeln, wobei externe Faktoren (öffentliche Meinung etc.) und interne Faktoren (pers. Einstellungen, Rezeptionserwartungen usf.) eine wichtige Rolle spielen. Für dieses konstruktivistische Kommunikationsverständnis vgl. exemplarisch: Merten, Klaus [1995]: Konstruktivismus in der Wirkungsforschung. In: Empirische Literatur- und Medienforschung. Beobachtet aus Anlass des 10-jährigen Bestehens des LUMIS-Instituts 1994. Hrsg.: S.J. Schmidt. Siegen: Universität Siegen. S. 72 - 86 (= LUMIS-Schriften Sonderreihe; Bd. VII).

[55] Dies ist jedoch nur eine der Wortschöpfungen, mit der Kommunikationswissenschaftler eine griffige Be­zeichnung für das Internet suchen. Quandt listet exemplarisch noch „Netz-Medium“, „Telematik“ oder „Me- diamatik“ auf, vgl. Quandt 2000a, S. 488.

[56] Quandt 2000a, S. 488.

[57] Vgl. Rössler, Patrick [1998]: Online-Kommunikation. Beiträge zur Nutzung und Wirkung. Wiesbaden, Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 28 - 37, zit. in Quandt 2000a, S. 490 - 491.

[58] Vgl. Quandt 2000a, S. 491 - 492.

[59] Loosen/Weischenberg 2000, S. 91.

[60] Vgl. Kap. 3.4.1.3.

[61] Vgl. Quandt 2000a, S. 492 f.

[62] Vgl. Kap. 2.1.

[63] Neuberger 2000a, S. 310.

[64] Der Begriff „Laie“ wird von Neuberger nicht weiter erläutert, es erscheint aber plausibel, hierunter das Fehlen journalistischer Kompetenz im weitesten Sinne zu verstehen. Es fehlt also entweder eine journalis­tische Ausbildung (z.B. Volontariat) oder es fehlen vergleichbare Kenntnisse, die z.B. an einer Journalisten­schule, einem (medien)wissenschaftlichen Studium, freier Mitarbeit o.ä. erworben wurden.

[65] Neuberger 2001b, http://www.message-online.com/4 01/41 neuberg.htm (4.12.2001).

[66] Vgl. ebd.

[67] Dies ist aus meiner Sicht ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal gegenüber freien Mitarbeitern oder Prak­tikanten, die zum Teil auch ohne explizit journalistische Ausbildung (im weitesten Sinne) zum Beispiel für Lokalzeitungen oder den Hörfunk tätig sind. Denn hier erfolgt noch eine Be- oder Überarbeitung durch Re­dakteure.

[68] Neuberger 2001b.

[69] Ebd.

[70] Vgl. http://www.shortnews.de/

[71] Ebd.

[72] Vgl. auch die Untersuchung von Rössler in Kap. 3.4.1.

[73] von La Roche, Walter [1997]: Einführung in den praktischen Journalismus. Mit genauer Beschreibung al­ler Ausbildungswege. 14. neubearb. Aufl. München, Leipzig: List. S. 17.

[74] Vgl. http://www.kalteich.de/ (17.11.2001).

[75] Vgl. http://www.regioblick.de/ (17.11.2001).

[76] E-Mail des Herausgebers als Antwort auf eine Anfrage d. Verf. E-Mail liegt dem Verf. vor.

[77] http://www.regioblick.de/ (17.11.2001). [Kleine Honorare sind aber laut Herausgeber für die Zukunft ge­plant; Anm. d. Verf.]

[78] Vgl. Neuberger 2001b.

[79] Ebd

[80] Ebd

[81] Vgl. ebd.

[82] Damit ist das Erzielen einer hohen Zugriffsrate auf Webangebote gemeint.

[83] Vgl. Neuberger 2000b, S. 27.

[84] Zu den Strategien der klassischen Medien bzgl. des Internet vgl. „Status Quo“ in Kap. 5.

[85] Vgl. www.t-online.de.

[86] Vgl. Neuberger 2000b, S. 27 - 28.

[87] Vgl. Neuberger 2001b.

[88] Neuberger 2000a, S. 310.

[89] Neuberger 2000b, S. 27.

[90] Vgl. hierzu auch Kap. 5.2.1.

[91] Vgl. Neuberger 2000b, S. 28 sowie Neuberger 2001b.

[92] Vgl. http://www.lycos.de (26.1.2002).

[93] Neuberger 2001b.

[94] Vgl. Neuberger 2000a, S. 310.

[94] Ebd.

[96] Altmeppen 2000, S. 123 - 124.

[97] Vgl. ebd. S. 124.

[98] Ebd. S. 124.

[99] Schmidt, Siegfried J. [1994]: Konstruktivismus in der Medienforschung: Konzepte, Kritiken, Konsequen­zen. In: K. Merten et al.

[100] Vgl. Altmeppen 2000, S. 125.

[101] Ebd.

[102] Vgl. Schaubild System/Umwelt-Paradigma in Kap. 2.1. Dies kennzeichnet die zweite „Schale“.

[103] Blöbaum 1994, S. 220.

[104] Vgl. Weischenberg 1994, S. 435 - 438 sowie Altmeppen 2000, S. 125 - 126. Für eine ausführlichere Dar­stellung vgl. exemplarisch Altmeppen, Klaus-Dieter [1999]: Redaktionen als Koordinationszentren. Beobachtungen journalistischen Handelns. Opladen, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.

[105] Weischenberg 1994, S. 438

[106] Vgl. Altmeppen 2000, S. 126 - 127.

[107] Ebd. S. 130 - 131.

[108] Vgl. Kap. 2.1.

[109] Luhmann, Niklas [1996]: Die Realität der Massenmedien. 2. erw. Aufl. Opladen: Westdeutscher Verlag. S. 173, zit. in ebd. S. 131.

[110] Altmeppen 2000, S. 131.

[111] Ebd. S. 132.

[112] Ebd. S. 133.

[113] Ebd. S. 135.

[114] Vgl. Loosen/Weischenberg 2000, S. 76. Interessant in diesem Zusammenhang: Von den 25 Mitarbeitern in der Redaktion von T-Online (1999) werden immerhin 18 als Journalisten bezeichnet. Vgl. ebd. S. 78.

[115] Vgl. Krzeminski/Ludes 1996.

[116] Ruß-Mohl 1994a, S. 89.

[117] Vgl. Ruß-Mohl 1994a, S. 81 - 89.

[118] Ebd. S. 86.

[119] Vgl. Altmeppen 2000, S. 135.

[120] Dr. Mike Sandbothe ist Dozent an der philosophischen Fakultät der Universität Jena. Vgl. Sandbothe 1998, http://www.uni-iena.de/ms/massmed.html (30.9.2001).

[121] Sandbothe 1999, http://www.uni-iena.de/ms/global.html (30.9.2001).

[122] Ebd.

[123] Sandbothe 1998.

[124] Sandbothe 1998.

[125] Ebd.

[126] Ebd.

[127] Ebd.

[128] Vgl. auch die Ausführungen zum Konstruktivismus in Kap. 2.1.

[129] Sandbothe 1998.

[130] Sandbothe 1999.

[131] Vgl. ebd.

[132] Ebd.

[133] Matthias W. Zehnder ist Schweizer Publizist (Schwerpunkt „Neue Medien“), betreibt eine Informations­agentur in Basel und ist Chefredakteur des Lifestyle-Magazins „Smile“.

[134] Zehnder 1998a, S. 186.

[135] Vgl. ebd. S. 186 - 187.

[136] Ebd. S. 187.

[137] Vgl. http://www.askieeves.com (31.1.2002).

[138] Vgl. ebd. S. 188.

[139] Ebd. S. 189.

[140] Ebd. S. 189.

[141] Vgl. ebd. S. 190.

[142] Ebd. S. 190.

[143] Dr. Ursula Maier-Rabler ist Assistenzprofessorin am Institut für Kommunikationswissenschaft (IKS) der Universität Salzburg und Gesellschafterin von „nikt online communication“, einer Agentur für Web-Konzeptionen, die aus der Arbeitsgruppe für Neue Informations- und Kommunikationstechnologien des Instituts hervorgegangen ist.

[144] Erich Sutterlütti (M.A.) ist geschäftsführender Gesellschafter von „nikt online communication“.

[145] Vgl. Maier-Rabler/Sutterlütti 1997, S. 243 - 245.

[146] Zur Geschichte von Hypertext und den Ideen von Hypertext-Pionier Ted Nelson vgl. exemplarisch: Nyce, J. M., P. Kahn (Hrsg.) [1991]: From Memex to Hypertext: Vannevar Bush and the Mind’s Machine. Boston u. a.: Academic Press.

[147] Maier-Rabler/Sutterlütti 1997, S. 250.

[148] Ebd. S. 250.

[149] Vgl. hierzu auch die Ausführungen zur Hypertextualität in Kap. 5.3.1.1 und 5.З.1.2.

[150] Vgl. Maier-Rabler/Sutterlütti 1997, S. 251 - 253.

[151] Die Autoren beziehen sich hierbei auf Youngblood, Gene [1991]: Metadesign. Die neue Allianz und A­vantgarde. In: Digitaler Schein. Ästhetik der elektronischen Medien. Hrsg.: F. Rötzer. Frankfurt a. M.: Suhr- kamp. S. 305 - 322.

[152] Maier-Rabler/Sutterlütti 1997, S. 256.

[153] Ebd. S. 256.

[154] Ebd. S. 254.

[155] Vgl. ebd. S. 254.

[156] Ebd. S. 254.

[157] Vgl. ebd. S. 259 - 261.

[158] Ebd. S. 259.

[159] Vgl. ebd. S. 262 - 263.

[160] Ebd. S. 255.

[161] Zum traditionellen Gatekeeper-Verständnis vgl. Kap. 2.2.

[162] Tonnemacher 1998, S. 176.

[163] Die Entstehungsgeschichte des WWW sowie seine (technische) Struktur sollen aus Platzgründen hier nicht nachgezeichnet werden, hierzu existieren zahlreiche Dokumente. Vgl. exemplarisch: Kurs selfhtml, on­line abrufbar unter http://www.ph-erfurt.de/information/selfhtml/tbad.htm sowie Bauer, Gunter [1998]: Das Internet - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. In: Cyberethik. Verantwortung in der digital vernetzten Welt. Hrsg.: A. Kolb et al. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer. S. 171 - 180.

[164] Es ist keinesfalls ausschließlich diese Kommunikationssituation. Es lassen sich bspw. aus dem WWW heraus E-Mails versenden, Eintragungen in Gästebücher vornehmen etc. Vgl. Kap. 2.3.

[165] Vgl. http://www.inktomi.com/webmap/ (5.10.2001).

[166] Unter Website versteht man die Summe aller Einzelseiten (Webseiten), die unter einer Internetadresse ab­rufbar sind. Der oft fälschlicherweise synonym gebrauchte Begriff Homepage bezeichnet dagegen lediglich die Startseite einer Website.

[167] Vgl. http://www.bui.fh-hamburg.de/pers/gerhard.kissel/infonaut/Businessplan/Produkt/body produkt.html (28.10.2001).

[168] Vgl. http://www.intern.de/news/759.html (28.10.2001).

[169] Vgl. http://www.hist.net/themen/internet suchhilfen.html (28.10.2001).

[170] Vgl. http://www.bics.be.schule.de/son/verkehr/treffer/sumafu1.htm (28.10.2001).

[171] Vgl. http://www.unibas.ch/mgu/internet-kurs/such.html (28.10.2001). Dies war die optimistischste Anga­be zur Reichweite. Die Prozentzahlen sind nur exemplarisch zu verstehen und stellen - dies sei nochmals be­tont - lediglich Schätzungen dar.

[172] Vgl. hierzu ausführlich Wirth/Schweiger 1999b, S. 55 - 69.

[173] Vgl. hierzu auch die Ausführungen zu hypertextuellen Verstehensproblemen in Kap. 5.3.1.2.

[174] Um Verbesserungen sind die Anbieter zumindest bemüht. So versucht z.B. „northernlight.com“ aus einer Suchanfrage Kontexte abzuleiten.

[176] Vgl. Debatin 1999a, S. 278.

[177] Eine eher intuitive Suchbegriffeingabe durch die Nutzer wird unter anderem von Wirth/Schweiger 1999 und Debatin 1999a angenommen.

[178] Ein besonderes Problem ergibt sich durch so genannte „Meta-Tags“. Dies sind gewissermaßen vom An­bieter einer Website ausgelegte „Köder“ für die Indizierungsroboter der Suchmaschinen. Die „Meta-Tags“ sind Stichworte, die von den Suchmaschinen aufgenommen werden, aber nichts mit dem eigentlichen Doku- menteninhalt zu tun haben müssen.

[179] Debatin 1999a, S. 278.

[180] Beispielsweise waren am Tag der Anschläge in den USA (11. Sept. 2001) und auch noch etliche Tage da­nach nach eigener Feststellung zahlreiche Server nicht oder nur mit erheblichen Wartezeiten zu erreichen.

[181] Neuberger 2001a, http://www.edupolis.de/konferenz2001/texte/neuberger.pdf (19.9.2001).

[182] Debatin 1999a, S. 279.

[183] Hier durch klare Kennzeichnungen Orientierung zu bieten und sich von der Beliebigkeit von Webinforma­tionen abzusetzen, ist auch eine Aufgabe von Qualitätsjournalismus im Web, vgl. Kap. 5.

[184] Als Versuch, dieser ahistorischen Struktur etwas entgegenzusetzen, kann der Versuch gewertet werden, Internetseiten in einer elektronischen Bibliothek zu „konservieren“. Das „Internet-Archive“, eine nicht­kommerzielle Organisation mit Sitz in San Francisco, hat nach eigenen Angaben in ihrer „Way-back- machine“ rund 10 Milliarden Webseiten seit 1996 gespeichert. Vgl. http://www.archive.org/news/index.html (5.12.2001).

[185] Debatin 1999a, S. 280.

[186] Die Anforderungen an einen Online-Journalismus in diesem Zusammenhang werden am Ende dieses Un­terpunkts noch erörtert. Vgl. hierzu auch mögliche Evaluierungskriterien in Kap. 5.4.2.

[187] Debatin 1999a, S. 280.

[188] Vgl. die Vorstellung dieses Online-Magazins in Kap. 5.2.3.2.

[189] O’Leary 2001, http://oir.usc.edu/content/print.cfm?print=648 (22.10.2001).

[190] Vgl. ebd.

[191] Debatin 1999a, S. 280.

[192] Ebd.

[193] Ludes/Schütte 1997, S. 60.

[194] Vgl. ebd. S. 60 ff.

[195] Vgl. für eine grundlegende Problematisierung Ludes 1998.

[196] Vgl. Kap. 5.3.1.

[197] So ergab bspw. eine Auswertung der Internetdokumente von rund 6,4 Millionen Web-Servern durch die US-Firma Inktomi im Jahr 2000, dass 86,55 Prozent der indizierten Dokumente englischsprachig waren. Vgl. http://www.inktomi.com/webmap/ (5.10.2001).

[198] Da Sandbothe keine Erläuterungen zur propagierten „internetspezifischen Urteilskraft“ mitliefert, ist ihm dies möglicherweise selbst bewusst.

[199] Vgl. auch Glaubwürdigkeit als Qualitätsaspekt in Kap. 5.2.1.

[200] Altmeppen 1998, S. 197.

[201] Vgl. hierzu die ausführlichen Darstellungen in Kap. 5.2 und 5.3.

[202] Vgl. Kap. 5.3.2.

[203] Bardoel/Deuze 1999, http://home.pscw.uva.nl/deuze/publ9.htm#top (15.11.2001).

Ende der Leseprobe aus 228 Seiten

Details

Titel
Publizistisches Rollenverständnis und internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online-Journalismus
Hochschule
Universität Siegen
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
228
Katalognummer
V185740
ISBN (eBook)
9783668552586
ISBN (Buch)
9783867466240
Dateigröße
4792 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
publizistisches, rollenverständnis, qualitätsanspruch, online-journalismus
Arbeit zitieren
Henning Siebel (Autor), 2002, Publizistisches Rollenverständnis und internetspezifischer Qualitätsanspruch im Online-Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185740

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