Prozesskostenrechnung in einem Dienstleistungsunternehmen zu entwickeln. Die einzelnen Schritte werden detailliert aufgezeigt und erläutert. Insbesondere wird auf die Besonderheiten der Prozesskostenrechnung für Dienstleistungsunternehmen eingegangen. Darauffolgend wird eine Beispielrechnung für die Prozesse eines Citynetzbetreibers, welche sich durch telekommunikationsspezifische Besonderheiten auszeichnet, vorgeführt. Obwohl die Prozesskostenrechnung insbesondere für die indirekten Bereiche eines
Unternehmens empfohlen wird, werden in dieser Arbeit die netznahen Prozesse als Beispiel für eine Anwendung der Prozesskostenrechnung in Telekommunikationsunternehmen dargelegt, denn ein Einsatz der Prozesskostenrechnung in Dienstleistungsbetrieben sollte nicht nur in den indirekten Bereichen, sondern auch und vor allem an der unmittelbar dem Kunden erbrachten Marktleistung ansetzen. In der Regel wird gerade als Pilotprozess ein Bereich mit hohem Produktbezug vorgeschlagen. Insbesondere bei Dienstleistungsunternehmen „...empfiehlt sich [...] sogar die Auswahl von Pilotbereichen, die direkt in die Leistungserstellung involviert sind, da der Produkt- und Leistungsbezug der dort
anzutreffenden Teilprozesse noch wesentlich enger ist als bei den produktnahen Bereichen in der Industrie (z.B. Arbeitsvorbereitung, Qualitätssicherung).“ Außerdem wird empfohlen für die Prozesskostenrechnung vor allem diejenigen Gemeinkostenbereiche herausgreifen, die ein besonders hohes Kostenvolumen aufweisen und/oder bisher im bestehenden Kostenrechnungssystem
am wenigsten verursachungsgerecht behandelt wurden. „Die Konzentration auf betriebliche Kostenschwerpunkte mit besonders teuren Ressourcen ermöglicht ein gezieltes, zugleich aber wirtschaftliches Gemeinkostenmanagement und soll gleichzeitig zu einer verursachungsgerechteren Verteilung der „Masse“ der Gemeinkosten betragen.“
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1 ABGRENZUNG DER ARBEIT
2 PROZESSKOSTENRECHNUNG IN DIENSTLEISTUNGSUNTERNEHMEN
3 ALLGEMEINES VORGEHEN
3.1 SCHRITT 1: ANALYSE UND STRUKTURIERUNG SÄMTLICHER BETRIEBLICHER TÄTIGKEITEN
3.1.1 Zu 1 a) listenartige Aufstellung der wesentlichen Tätigkeiten
3.1.2 Zu 1 b) Konzentration auf die wichtigsten wiederkehrenden und dauerhaften Tätigkeiten und Zusammenfassung zu Teilprozessen
3.1.3 Zu 1 c) Zuordnung von Mitarbeitern und Sachmitteln zu den Teilprozessen
3.1.4 Zu 1 d) Differenzierung der Teilprozesse
3.2 SCHRITT 2: VERDICHTUNG DER TEILPROZESSE, DIE SACHLICH ZUSAMMENGEHÖREN, ZU EINEM HAUPTPROZESS
3.3 SCHRITT 3: FESTLEGUNG DER KOSTENTREIBER UNTER BEACHTUNG DES VERURSACHUNGSPRINZIPS
3.3.1 Zu 3 a) Unterteilung der Teilprozesse in leistungsmengeninduziert und leistungsmengenneutral
3.3.2 Zu 3b): Festlegung der Kostentreiber
3.4 SCHRITT 4: PROZESSORIENTIERTE KOSTENSTELLENRECHNUNG
3.4.1 Zu 4 a) Erfassung der Gemeinkosten nach dem Ort ihrer Entstehung (Kostenstellen)
3.4.2 Zu 4 b) Ermittlung der Prozessmengen
3.4.3 Zu 4 c) Aufteilung der Kosten der Kostenstellen auf die Teilprozesse entsprechend der Beanspruchung der Mitarbeiter und der Sachmittel
3.4.4 Zu 4 d) Berechnung der reinen Lmi-Kostensätze und der Gesamtkostensätze
3.5 SCHRITT 5: PROZESSKOSTENVERDICHTUNG AUF HAUPTPROZESSE UND ERRECHNUNG DER HAUPTPROZESSKOSTENSÄTZE
3.6 SCHRITT 6: PROZESSORIENTIERTE KALKULATION AUF DIE KOSTENTRÄGER
3.6.1 Zu 6 a) Ermittlung der Kalkulationsobjekte
3.6.2 Zu 6 b) Verrechnung der Kosten entsprechend der Inanspruchnahme der Prozesse
4 PRAKTISCHE UMSETZUNG DER PROZESSKOSTENRECHNUNG FÜR NETZNAHE PROZESSE
4.1 TELEKOMMUNIKATIONSUNTERNEHMEN
4.2 TELEKOMMUNIKATIONSSPEZIFISCHE KOSTENSTRUKTUREN
4.3 CITYNET
4.3.1 Standarddienst (analoger Anschluss)
4.3.2 ISDN
4.3.3 Wählzugang Internet
4.3.4 Breitbandinternetzugang
4.3.5 Festverbindung
4.3.6 Die Netzstruktur von CityNet
4.4 ANALYSE UND STRUKTURIERUNG SÄMTLICHER BETRIEBLICHER TÄTIGKEITEN
4.4.1 Tätigkeitenanalyse beim Verbindungsaufbau
4.4.2 Tätigkeitenanalyse beim Nachrichtenaustausch
4.4.3 Tätigkeitsanalyse beim Verbindungsabbau
4.4.4 Tätigkeitenanalyse für Telefonie in andere Netze
4.4.5 Tätigkeitsanalyse für Internetzugang
4.4.6 Tätigkeitenanalyse für Festverbindungen
4.4.7 Weitere Tätigkeitenanalyse
4.5 ZUSAMMENFASSUNG ZU HAUPTPROZESSEN
4.6 ZUORDNUNG VON MITARBEITERN UND SACHMITTELN ZU DEN TEILPROZESSEN
4.7 DIFFERENZIERUNG DER PROZESSE
4.8 UNTERTEILUNG DER TEILPROZESSE IN LEISTUNGSMENGENINDUZIERT UND LEISTUNGSMENGENNEUTRAL
4.9 FESTLEGUNG DER KOSTENTREIBER UNTER BEACHTUNG DES VERURSACHUNGSPRINZIPS
4.10 ERFASSUNG DER GEMEINKOSTEN NACH DEM ORT IHRER ENTSTEHUNG (KOSTENSTELLEN)
4.11 ERMITTLUNG DER PROZESSMENGEN
4.12 AUFTEILUNG DER KOSTEN DER KOSTENSTELLEN AUF DIE TEILPROZESSE ENTSPRECHEND DER BEANSPRUCHUNG DER MITARBEITER UND DER SACHMITTEL
4.13 BERECHNUNG DER PROZESSKOSTENSÄTZE
4.14 PROZESSKOSTENVERDICHTUNG AUF HAUPTPROZESSE UND ERRECHNUNG DER HAUPTPROZESSKOSTENSÄTZE
4.15 PROZESSORIENTIERTE KALKULATION AUF DIE KOSTENTRÄGER
5 ERGEBNISSAUSWERTUNG UND BEURTEILUNG DER PROZESSKOSTENRECHNUNG
5.1 AUSWERTUNG DER ERGEBNISSE DER ARBEIT UND PLAUSIBILITÄTSPRÜFUNG
5.2 BEURTEILUNG DER PROZESSKOSTENRECHNUNG FÜR DIE NETZNAHEN PROZESSE
5.3 BEURTEILUNG DER PROZESSKOSTENRECHNUNG IM ALLGEMEINEN
5.3.1 Vorteile der Prozesskostenrechnung
5.3.2 Nachteile der Prozesskostenrechnung
5.4 ERGEBNISSE DES KOSTEN-NUTZEN-VERGLEICHS
A KOSTENSTELLENRECHNUNG
A.1 ZUSAMMENFASSUNG DER KOSTEN ZU KOSTENARTEN
A.2 BILDUNG DER KOSTENSTELLEN UND ZURECHNUNG DER KOSTENARTEN
A.2.1 Kriterien zur Bildung der Kostenstellen
A.2.2 Bildung der Kostenstellen und Zurechnung der Kostenarten für CityNet:
A.2.3 Kostenstellen der Abteilung Geschäftsleitung
A.2.4 Kostenstellen der Abteilung Finanzen / Verwaltung / Controlling
A.2.5 Kostenstellen der Abteilung Vertrieb / Kundenbetreuung / Fakturierung
A.2.6 Kostenstellen der Marketing-Abteilung
A.2.7 Kostenstellen der Abteilung Netzausbau / Wartung
A.2.8 Kostenstellen der Abteilung Netzmanagement /-planung / IP Server
Zielsetzung & Themen
Ziel der Diplomarbeit ist die Entwicklung eines Vorgehensmodells zur Implementierung der Prozesskostenrechnung in einem Dienstleistungsunternehmen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der detaillierten praktischen Umsetzung der Prozesskostenrechnung am Beispiel eines Citynetzbetreibers, wobei insbesondere die telekommunikationsspezifischen Besonderheiten und netznahen Prozesse analysiert werden, um eine verursachungsgerechte Kostenallokation und Kalkulation zu ermöglichen.
- Entwicklung eines methodischen Vorgehensmodells für die Prozesskostenrechnung in Dienstleistungsunternehmen.
- Analyse und Strukturierung betrieblicher Tätigkeiten, Teilprozesse und Hauptprozesse.
- Identifikation und Festlegung von Kostentreibern zur verursachungsgerechten Kostenverrechnung.
- Durchführung einer prozessorientierten Kalkulation für telekommunikationsspezifische Dienste (z. B. Telefonie, Internetzugang).
- Bewertung der Prozesskostenrechnung im Vergleich zu traditionellen Kostenrechnungssystemen.
Auszug aus dem Buch
Die Nachteile der klassischen Kostenrechnung
Die Nachteile der klassischen Kostenrechnung sind viel diskutiert und häufig genannt. Zu den Schwächen zählen:
Mangelnde Abbildung von Realprozessen, Historisch gewachsene Kostenerfassung, Ungenaue Kostenerfassung und Kostensplitting, Fehlen verursachungsgerechter Kostentreiber, Kalkulationsbedingte Beschränkung der Kostenverursachung, Mangelnde Fähigkeit zu einem wirkungsvollen Gemeinkostenmanagement durch Vereinfachung der Kostenverrechnung durch das Gießkannenprinzip oder indem die Fixkosten außen vor gelassen werden, Geringer Erfolgsnachweis für Ressourcenoptimierung und Prozessverbesserung, Mangelnde Kostenbeeinflussbarkeit, Mangelnde Möglichkeit zur verursachungsgerechten Ermittlung der „wahren“ Produktvollkosten sowie Mangelnde Entscheidungsunterstützungsfunktion hinsichtlich bestehender strategischer Informationsbedarfe der Unternehmensleitung, vor allem im Hinblick auf die Produktpolitik.
Entsprechend der Nachteile orientieren sich die meisten traditionellen Finanzsysteme der Unternehmen mehr an den Anforderungen der Rechnungslegung als an denen des Managements. Die „Manager und Mitarbeiter erhalten Rückmeldungen zu spät sowie zu allgemein und im bilanztechnischen Fachjargon formuliert.“ Der Hauptgrund dafür liegt darin, dass diese Systeme die Kosten nach Kostenstellen und nicht nach Aktivitäten und Unternehmensprozessen zusammentragen. Entsprechend liefert „die kostenstellenbezogene Rechnung [...] nicht die genauen, rechtzeitigen, betrieblichen, prozess- und teamorientierten Kennzahlen, die im heutigen Geschäftsumfeld erforderlich sind, um kontinuierliche Verbesserungen und Lernfortschritte zu erzielen und die Effizienz, Qualität und Flexibilität der betrieblichen Prozesse zu optimieren.“ Außerdem berücksichtigen traditionelle Kostenrechnungssysteme typische Gemeinkosten wie die Kundenbetreuung, -akquisition und –service nicht oder verzerren sie stark, wodurch nur stark verzerrte Produktkosten errechnet werden können und die Entscheidungsrelevanz der gelieferten Kostendaten verfälscht wird. Diese Intransparenz von Kostenbestimmungsgrößen führt zu Fehlinterpretationen in der Gestaltung von effizienten Prozessen.
Zusammenfassung der Kapitel
ABGRENZUNG DER ARBEIT: Das Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, ein Vorgehensmodell zur Prozesskostenrechnung in einem Dienstleistungsunternehmen zu entwickeln und an netznahen Prozessen eines Citynetzbetreibers zu illustrieren.
PROZESSKOSTENRECHNUNG IN DIENSTLEISTUNGSUNTERNEHMEN: Es wird erörtert, warum Dienstleistungsunternehmen aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften wie Immaterialität und hoher Gemeinkostenintensität besonders von einer prozessorientierten Kostenrechnung profitieren.
ALLGEMEINES VORGEHEN: Dieses Kapitel beschreibt die methodische Vorgehensweise bei der Einführung der Prozesskostenrechnung, unterteilt in die Phasen von der Prozessanalyse bis zur Kalkulation.
PRAKTISCHE UMSETZUNG DER PROZESSKOSTENRECHNUNG FÜR NETZNAHE PROZESSE: Das umfangreichste Kapitel zeigt die konkrete Anwendung der Methodik auf die komplexen, netznahen Prozesse und die Kostenstrukturen eines Telekommunikationsnetzbetreibers (CityNet).
ERGEBNISSAUSWERTUNG UND BEURTEILUNG DER PROZESSKOSTENRECHNUNG: Das Fazit bewertet die Ergebnisse der Arbeit, prüft die Plausibilität der berechneten Kostensätze und diskutiert kritisch Nutzen und Aufwand der Prozesskostenrechnung.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, Dienstleistungsunternehmen, Telekommunikation, CityNet, Prozessanalyse, Kostentreiber, Prozessmanagement, Kostenmanagement, Produktkalkulation, Gemeinkosten, Kostenstellenrechnung, Wertschöpfungskette, Prozesshierarchie, Ressourcenmanagement, Wirtschaftlichkeitskontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Implementierung und praktischen Anwendung der Prozesskostenrechnung in Dienstleistungsunternehmen, speziell am Beispiel eines Telekommunikationsnetzbetreibers.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Prozessanalyse, die Identifikation von Kostentreibern, die Kostenstellenrechnung und die verursachungsgerechte Kalkulation von Dienstleistungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines Vorgehensmodells zur Prozesskostenrechnung, das die spezifischen Anforderungen eines Dienstleistungsunternehmens erfüllt, sowie dessen Anwendung zur Kostenanalyse eines Citynetzes.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert primär auf dem Prozesskostenrechnungsmodell von Horváth und Mayer und kombiniert analytische sowie empirische Ansätze zur Ermittlung von Prozessmengen und Kostensätzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt detailliert die praktischen Schritte der Prozesskostenrechnung, von der Definition der Prozesshierarchie über die Allokation von Gemeinkosten bis hin zur finalen Kalkulation der Dienstleistungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Prozesskostenrechnung, Telekommunikationsnetzbetreiber, Prozesshierarchie, Kostentreiber und Gemeinkostenmanagement.
Wie werden Netzkosten in der Arbeit zugeordnet?
Netzkosten werden durch die Identifikation spezifischer technischer Funktionen als Tätigkeiten erfasst und über die Inanspruchnahme von Ressourcen (Netzelementen) verursachungsgerecht auf die angebotenen Dienste verteilt.
Warum ist eine Unterscheidung in Lmi- und Lmn-Prozesse wichtig?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, da nur leistungsmengeninduzierte (Lmi) Prozesse eine klare Korrelation zu Kostentreibern aufweisen, während leistungsmengenneutrale (Lmn) Prozesse über Umlageschlüssel verrechnet werden müssen.
Was ist das Ergebnis des Kosten-Nutzen-Vergleichs?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Prozesskostenrechnung zwar einen hohen Implementierungsaufwand erfordert, aber bei komplexen Dienstleistern wie CityNet unverzichtbare Transparenz und eine fundiertere strategische Entscheidungsgrundlage bietet.
- Quote paper
- Susann Ehrlich (Author), 2002, Umsetzung der Prozesskostenrechnung beim Betreiberunternehmen eines Citynetzes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185768