In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, aus welchen Elementen
kommunale Wirtschaftsförderung besteht, welche Aufgaben Wirtschaftsförderer
haben und welche Instrumente ihnen zur Lösung dieser
Aufgaben zur Verfügung stehen. Im zweiten Teil wird die Qualität der
Wirtschaftsförderung in der Stadt Brandenburg an der Havel untersucht.
Wie ist die kommunale Wirtschaft strukturiert? Wie sind die Standortfaktoren
ausgeprägt? Wie effektiv ist die Arbeit des städtischen Amtes
für Wirtschaftsförderung? Daran schließt sich der Entwurf einer optimalen
Struktur der Wirtschaftsförderung an.
Diese Arbeit könnte daher für Lokalpolitiker und Verwaltungsangestellte
nützlich sein, die neue Anregungen suchen oder ihr Wirken auf eine
wissenschaftlich fundierte Grundlage stellen wollen, ohne selbst die
umfangreiche Fachliteratur zu lesen.
Jede Stadt oder Gemeinde braucht vor Ort ansässige Unternehmen. Sie
zahlen Steuern, schaffen Arbeitsplätze und sichern so das örtliche
Wohlstandsniveau. Die Zahl der Betriebe, die einen Standort suchen, ist
deutlich geringer als die Zahl der Kommunen, die sich um Neuansiedlungen
bemühen. Die einzelnen Städte und Gemeinden stehen also im
Wettbewerb um diese Betriebe. Die sogenannten mobilen Betriebe sind in
der komfortablen Lage, Bedingungen stellen und sich den für sie besten
Standort aussuchen zu können. Die kommunale Wirtschaftsförderung
versucht, bestehenden, entstehenden und ansiedlungsinteressierten Unternehmen
zu einer erfolgreichen Entwicklung zu verhelfen. So können
ausreichend Arbeitsplätze geschaffen und das regionale Wohlstandsniveau
gehalten bzw. verbessert werden (siehe Kapitel 1). Die wichtigste
Größe in diesem Zusammenhang sind die Standortfaktoren. Unter ihnen
versteht man die Summe der an einem Ort anzutreffenden Gegebenheiten und Gestaltungskräfte mit positiver bzw. negativer Wirkung auf die
unternehmerische Tätigkeit (siehe Kapitel 2). Da Unternehmen sich im
allgemeinen für den Standort entscheiden, an dem ihre Anforderungen
am besten erfüllt werden, sollten die Standortfaktoren soweit wie möglich
optimiert werden. Für die kommunalen Wirtschaftsförderer bestehen
traditionell zwei zentrale Aufgaben (siehe Kapitel 3). Dies ist zum
einen die Akquisition mobiler Betriebe und zum anderen die Aktivierung
des endogenen Potentials. Aufgrund der zunehmenden Globalisierung
und europäischen Integration gewinnen Kooperationen zunehmend
an Bedeutung. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Definition der kommunalen Wirtschaftsförderung
2.2 Ziele der kommunalen Wirtschaftsförderung
2.3 Standortfaktoren
2.3.1 Harte Standortfaktoren
2.3.2 Weiche Standortfaktoren
3. Aufgabenfelder
3.1 Traditionelle Aufgabenfelder
3.1.1 Akquisition mobiler Betriebe
3.1.2 Aktivierung des endogenen Potentials
3.2 Neue Anforderungen
4. Instrumente kommunaler Wirtschaftsförderung
4.1 Gewerbeflächenpolitik
4.2 Infrastrukturpolitik
4.3 Initiierung und Förderung von Standortgemeinschaften
4.4 Finanzhilfen und Tarifpolitik
4.5 Werbung und Standortmarketing
4.6 Beratung und Dienstleistungen
5. Regionalisierte Wirtschaftsförderung
5.1 Intrakommunale Zusammenarbeit
5.2 Interkommunale Zusammenarbeit
5.3 Public-Private-Partnership
6. Bestandsanalyse der Unternehmen in Brandenburg/Havel
6.1 Betriebsstättenstruktur
6.2 Entwicklung der Gewerbean- und -abmeldungen
6.3 Entwicklung des Verarbeitenden Gewerbes
6.4 Entwicklung des Baugewerbes
6.5 Entwicklung des Handels
6.6 Entwicklung des Tourismus
7. Analyse der Standortfaktoren in Brandenburg/Havel
7.1 Harte Standortfaktoren
7.1.1 Verkehrsanbindung
7.1.2 Arbeitsmarkt
7.1.3 Kommunales Flächenangebot
7.1.4 Förderangebote
7.1.5. Ansässige Hochschulen
7.1.6 Lokale Abgaben
7.1.7 Mietkosten
7.1.8 Energiekosten
7.1.9 Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten
7.1.10 Umweltschutzauflagen
7.2 Weiche Standortfaktoren
7.2.1 Lokales und regionales Wirtschaftsklima, Image der Region, der Stadt und des Betriebsstandortes
7.2.2 Karrieremöglichkeiten für Arbeitnehmer
7.2.3 Innovatives Milieu der Region
7.2.4 Wohnqualität und Wohnumfeld, Umweltqualität
7.2.5 Angebot an Schulen und Ausbildungsstätten
7.2.6 Freizeitwert, Angebot an Hoch- und Kleinkultur
8. Analyse der Qualität der Wirtschaftsförderung in der Stadt Brandenburg an der Havel
8.1 Entwicklung des endogenen Potentials
8.2 Akquisition mobiler Betriebe
9. Entwurf einer optimalen Wirtschaftsförderungs-Struktur
10. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Struktur und Effektivität der kommunalen Wirtschaftsförderung am Beispiel der Stadt Brandenburg an der Havel. Das Ziel ist es, Aufgabenfelder, Instrumente und praktische Fallbeispiele zu analysieren, um Schwachstellen aufzudecken und eine optimierte Struktur für die lokale Wirtschaftsförderung zu entwerfen.
- Theoretische Grundlagen der Wirtschaftsförderung und Standortfaktoren.
- Analyse der Unternehmensbestandsentwicklung in Brandenburg an der Havel.
- Untersuchung von Standortfaktoren (hart und weich) im lokalen Kontext.
- Evaluierung der aktuellen Wirtschaftsförderungs-Struktur und Optimierungsvorschläge.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Akquisition mobiler Betriebe
Bis Mitte der siebziger Jahre fand vor allem eine „Ausrichtung auf die Ansiedlung von Großbetrieben“ (Icks/Richter 1999, S.4) statt. Die kommunalen Wirtschaftsförderer erhofften sich hierdurch einen starken Zugewinn an Arbeitskräften und eine Erhöhung der Finanzkraft der kommunalen Haushalte (vgl. Icks/Richter 1999, S.4-5). Außerdem erwartete man „positive Multiplikatoreffekte für die regionale Wirtschaft“ (Icks/Richter 1999, S. 5). In der Bemühung, neue Betriebe in der Region anzusiedeln, wurde jedoch häufig das Ziel der Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur vernachlässigt. Im Vordergrund stand für viele, neue Betriebe anzusiedeln. Deren Branchenzugehörigkeit hatte allenfalls sekundäre Bedeutung. Die kommunalen Wirtschaftsförderer konzentrierten sich vor allem auf die Schaffung von Gewerbeflächen, die Ansiedlungswerbung sowie die Bereitstellung wirtschaftsnaher Infrastruktur.
Einen zweiten Schwerpunkt bildeten die Versuche, Standortnachteile gegenüber Mitbewerbern, die nicht durch Maßnahmen der Wirtschaftsförderung ausgeglichen werden konnten, durch „finanzielle Zuwendungen im Rahmen der Steuer- und Tarifpolitik zu kompensieren“ (Icks/Richter 1999, S.5). Ein Beispiel hierfür sind Sondertarife für öffentliche Ver- und Entsorgungsleistungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert den Untersuchungsgegenstand der Arbeit, nämlich die Elemente, Aufgaben und Instrumente der kommunalen Wirtschaftsförderung sowie deren Anwendung in Brandenburg an der Havel.
2. Grundlagen: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten erläutert, insbesondere die Definition kommunaler Wirtschaftsförderung, deren Ziele sowie die Unterscheidung zwischen harten und weichen Standortfaktoren.
3. Aufgabenfelder: Dieses Kapitel behandelt die traditionellen Aufgabenbereiche wie die Akquisition mobiler Betriebe und die Bestandsentwicklung, ergänzt um moderne Anforderungen durch Globalisierung und Kooperation.
4. Instrumente kommunaler Wirtschaftsförderung: Es werden die sechs Hauptinstrumente, von der Gewerbeflächenpolitik bis hin zur Beratung, detailliert vorgestellt und deren praktischer Nutzen diskutiert.
5. Regionalisierte Wirtschaftsförderung: Fokus liegt auf neuen Konzepten wie intrakommunaler und interkommunaler Zusammenarbeit sowie Public-Private-Partnership als Antwort auf veränderte ökonomische Rahmenbedingungen.
6. Bestandsanalyse der Unternehmen in Brandenburg/Havel: Eine quantitative Analyse der lokalen Betriebsstättenstruktur und der spezifischen Entwicklungen in verschiedenen Wirtschaftszweigen der Stadt.
7. Analyse der Standortfaktoren in Brandenburg/Havel: Eine praktische Bewertung der harten und weichen Standortfaktoren der Stadt Brandenburg im Vergleich zum theoretischen Idealzustand.
8. Analyse der Qualität der Wirtschaftsförderung in der Stadt Brandenburg an der Havel: Die kritische Untersuchung der aktuellen Arbeit des lokalen Wirtschaftsförderungsamtes hinsichtlich Bestandsentwicklung und Neuansiedlung.
9. Entwurf einer optimalen Wirtschaftsförderungs-Struktur: Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen zur Optimierung der städtischen Strukturen, insbesondere durch eine "One-Stop-Agency".
10. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Ausrichtung einer professionellen Wirtschaftsförderung in Brandenburg an der Havel.
Schlüsselwörter
Kommunale Wirtschaftsförderung, Brandenburg an der Havel, Standortfaktoren, Bestandspflege, Ansiedlung, Gewerbeflächenpolitik, Infrastrukturpolitik, Public-Private-Partnership, Endogenes Potenzial, Wirtschaftsjunioren, Existenzgründung, Regionalentwicklung, Standortmarketing, Unternehmensbetreuung, Strukturwandel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen der kommunalen Wirtschaftsförderung und prüft deren praktische Umsetzung in der Stadt Brandenburg an der Havel.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Definition und Ziele der Wirtschaftsförderung, die verschiedenen Instrumente, Kooperationsmodelle sowie eine detaillierte Bestandsaufnahme des Wirtschaftsstandortes Brandenburg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, wie effektiv die kommunale Wirtschaftsförderung in Brandenburg an der Havel arbeitet und wie eine optimale Struktur zur Stärkung der Wirtschaft vor Ort aussehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu Instrumenten der Wirtschaftsförderung mit einer empirischen Bestandsanalyse und Experteninterviews vor Ort.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben der theoretischen Herleitung werden die aktuelle Situation der lokalen Unternehmen, die Qualität der Standortfaktoren und die Effektivität des Amtes für Wirtschaftsförderung beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Standortfaktoren, Bestandsentwicklung, Akquisition und kommunale Wirtschaftsförderung aus.
Warum schneidet Brandenburg laut Experten in der Ansiedlung von Großunternehmen bisher oft schlecht ab?
Ein zentraler Punkt ist das Fehlen von ausreichend großen, zusammenhängenden Industrie- und Gewerbeflächen (>10 Hektar), die für Großinvestoren wie BMW zwingend erforderlich sind.
Welche konkrete Optimierung schlägt der Autor für die städtische Verwaltung vor?
Der Autor empfiehlt die Einführung einer "One-Stop-Agency" in einem neuen Stadtentwicklungsdezernat, um Investoren als zentraler Ansprechpartner effizient durch die Verwaltung zu begleiten.
- Citar trabajo
- René Günther (Autor), 2002, Kommunale Wirtschaftsförderung am Beispiel der Stadt Brandenburg an der Havel, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185786