Um die Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer zu charakterisieren und, was das Thema dieser Diplomarbeit darstellt, für diese Organisation ein Controlling-Konzept zu entwickeln, ist in vielerlei Hinsicht eine differenzierte Sichtweise erforderlich. So wird z.B. schon eingangs festgestellt, dass es sich bei der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer – im folgenden AHK Chile genannt - nicht nur um einen mittelständischen Dienstleistungsbe-trieb, sondern auch um eine Non-Profit-Organisation (NPO) handelt. Der schnelle Strukturwandel, die sich ständig verändernde Umwelt, die Komplexität des Entscheidungsprozesses und vieles mehr bringen für jede Betriebsgröße und jeden Organisationstypus Anpassungs- und Koordinationsprobleme mit sich. Dies erfordert eine erhöhte Entscheidungsbereitschaft und Entscheidungsfähigkeit – nicht nur für erwerbswirtschaftliche Großbetriebe - sondern insbesondere auch für Klein- und Mittelständische Betriebe aus dem NPO-Bereich. Für die AHK Chile äußern sich die Umweltveränderungen konkret in einem zunehmenden Kostendruck (sinkender Anteil der Bundeszuwendung an der Finanzierung), Wettbewerbsdruck (gestiegener Wettbewerb auf den üblichen und neuen Betätigungsfeldern), Druck auf steigende wirtschaftliche Eigenverantwortung und in zunehmendem Legitimationsdruck der verschiedenen Anspruchsgruppen und Geldgeber (Mitglieder, Staat Deutschland, Nicht-Mitglieder usw.). Die lange Zeit fehlenden Marktmechanismen auf den üblichen Betätigungsfeldern haben bisher eine zielgerichtete Planung, Steuerung und Kontrolle anhand entscheidungsorientierter Informationen nicht zwingend erforderlich gemacht. Daraus resultiert ein erhebliches Steuerungsdefizit.
Doch die ökonomischen Spielregeln ändern sich radikal und drängen die AHK Chile zunehmend zu erwerbswirtschaftlichem Handeln mit dem Nachweis der Effizienz bei der Leistungserstellung und der Effektivität bei der Zielerreichung. Das konfrontiert sie in immer stärkerem Maße mit der Notwendigkeit, ein betriebwirtschaftliches Koordinations- und Steuerungssystem zu etablieren und damit den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.
Im allgemeinen wird das Konzept des Controlling implizit auf industrielle Grossbetriebe und Prozesse der Privatwirtschaft bezogen. Das Controlling für Klein- und Mittelständische Dienstleistungsbetriebe aus dem NPO-Sektor ist demgegenüber konzeptionell und methodisch noch nicht so weit entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau und Vorgehensweise der Arbeit
1.4 Wissenschaftstheoretische Grundlage
2. Grundlagen zum Controlling
2.1 Kurzer Abriss zum Controlling
2.2 Die Controlling-Philosophie
2.3 Begriff der Konzeption
2.4 Beziehung zwischen Controlling-Konzeption und Controlling-System
2.5 Zwischenfazit
3. Unternehmensprofil
3.1 Einführung
3.2 Rechtsform und Organisationsstruktur
3.3 Hauptaufgaben
3.4 Finanzierung
3.5 Betriebswirtschaftliche Abgrenzung des Objektbereiches
3.6 Zwischenfazit
4. Analyse und Erarbeitung des Soll-Anforderungsprofils
4.1 Bestimmung der externen und internen Kontextfaktoren
4.2 Zielsystem
4.3 Analyse der externen Einflussfaktoren
4.3.1 Globale Umfeldanalyse
4.3.2 Analyse des Wettbewerbumfeldes
4.3.3 Analyse der Abhängigkeiten zu den Anspruchsgruppen
4.4 Analyse der internen Einflussfaktoren
4.4.1 Zielsetzungen und Motive der Entscheidungsträger für die Einführung von Controlling
4.4.2 Unternehmensgröße
4.4.3 Technologie der Leistungserstellung
4.4.4 Leistungsprogramm
4.4.5 Organisationsstruktur
4.4.6 Führungsstil
4.4.7 Akzeptanz der Mitarbeiter gegenüber Controlling
4.4.8 Veränderungsbereitschaft und Veränderungsfähigkeit
4.4.9 Managementfähigkeiten
4.4.10Entwicklungsphase
4.5 Analyse des Informationsbedarfs
4.6 Zwischenfazit
4.7 Bestimmung des Soll-Anforderungsprofils an das Controlling-Konzept
4.8 Analyse des Ist-Controllingprofils
4.8.1 Analyse des Rechnungswesens
4.8.2 Analyse der Unternehmensplanung
4.8.3 Zwischenfazit
4.9 Gegenüberstellung von Anforderungsprofil und Ist-Profil
5. Spezifikation des Controlling-Konzeptes
5.1 Controlling als führungstheoretisches Konzept
5.2 Bezugsrahmen des Controlling-Konzeptes für die AHK Chile
6. Soll-Konzeption für das Controlling-System
6.1 Modul 1: Aufbau eines Management Accounting als operatives Zentrum des Informationsversorgungssystems und Controlling
6.1.1 Aufbau einer integrierten Finanz-, Bestands- und Erfolgsrechnung
6.1.1.1 Reformierung des kameralen Buchführungssystems
6.1.1.2 Aufbau einer Finanzbuchhaltung
6.1.1.3 Aufbau einer Finanzrechnung
6.1.1.4 Aufbau einer pagatorischen Erfolgsrechnung („GuV-Rechnung“)
6.1.1.5 Aufbau einer erfolgswirtschaftlichen Bestandsrechnung (Bilanz)
6.1.1.6 Zusammenführung der Rechnungen
6.1.2 Aufbau controllinggerechter Kosten- und Leistungsrechnungsverfahren
6.1.2.1 Aufbau einer sachzielorientierten Indikatorenrechnung
6.1.2.2 Aufbau einer formalzielorientierten Kosten- und Leistungsrechnungsrechnung
6.1.2.2.1 Deckungsbeitragsrechnung als geeignetes Verfahren
6.1.2.2.2 Aufbau der Deckungsbeitragsrechnung
6.1.2.2.3 Möglichkeiten für einen weiteren Ausbau
6.2 Modul 2: Aufbau eines strategischen Controlling (als Frühwarnsystem)
6.2.1 Potenzialanalyse
6.2.2 Umfeldanalyse
6.2.3 SOFT-Analyse
6.2.4 Szenario-Methode
6.2.5 Portfolio-Methoden
6.2.6 Strategische Bilanz
6.2.7 Weitere Entwicklungsmöglichkeit
6.3 Modul 3: Aufbau von führungsorientierten Kennzahlen
6.4 Modul 4: Aufbau eines Berichtswesens (Reporting)
6.5 Modul 5: Vom Management Accounting zur integrierten operativen Jahresplanung und Jahresbudgetierung
6.6 IT-Unterstützung für das Controlling-Konzept
6.7 Zwischenfazit
6.8 Organisatorische Absicherung der Controlling-Konzeption
7. Implementierung des Controlling-Konzeptes
7.1 Installierung des Controlling-Gedankens
7.2 Prozess der Einführung
8. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein ganzheitliches, praxisorientiertes Controlling-Konzept für die Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer (AHK Chile) als mittelständischen NPO-Dienstleistungsbetrieb zu entwickeln, um durch eine verbesserte Informationsversorgung die Steuerungseffizienz und -effektivität zu erhöhen.
- Entwicklung eines Controlling-Konzeptes für eine NPO-Dienstleistungsorganisation
- Analyse des Ist-Zustandes im Bereich Rechnungswesen und Planung bei der AHK Chile
- Konzeption eines Management Accounting und strategischen Controllings
- Methoden zur Implementierung und organisatorischen Absicherung des Controllings
- Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere NPO-Betriebe
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Um die Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer zu charakterisieren und, was das Thema dieser Diplomarbeit darstellt, für diese Organisation ein Controlling-Konzept zu entwickeln, ist in vielerlei Hinsicht eine differenzierte Sichtweise erforderlich. So wird z.B. schon eingangs festgestellt, dass es sich bei der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer – im folgenden AHK Chile genannt - nicht nur um einen mittelständischen Dienstleistungsbetrieb, sondern auch um eine Non-Profit-Organisation (NPO) handelt.
Der schnelle Strukturwandel, die sich ständig verändernde Umwelt, die Komplexität des Entscheidungsprozesses und vieles mehr bringen für jede Betriebsgröße und jeden Organisationtypus Anpassungs- und Koordinationsprobleme mit sich. Dies erfordert eine erhöhte Entscheidungsbereitschaft und Entscheidungsfähigkeit – nicht nur für erwerbswirtschaftliche Großbetriebe - sondern insbesondere auch für Klein- und Mittelständische Betriebe aus dem NPO-Bereich.
Für die AHK Chile äußern sich die Umweltveränderungen konkret in einem zunehmenden Kostendruck (sinkender Anteil der Bundeszuwendung an der Finanzierung), Wettbewerbsdruck (gestiegener Wettbewerb auf den üblichen und neuen Betätigungsfeldern), Druck auf steigende wirtschaftliche Eigenverantwortung und in zunehmendem Legitimationsdruck der verschiedenen Anspruchsgruppen und Geldgeber (Mitglieder, Staat Deutschland, Nicht-Mitglieder usw.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Aufgabenstellung ein, definiert die Zielsetzung der Arbeit und erläutert die wissenschaftliche Vorgehensweise.
2. Grundlagen zum Controlling: Es werden zentrale Begrifflichkeiten, die Controlling-Philosophie sowie die theoretische Verknüpfung von Controlling-Konzeption und Controlling-System dargelegt.
3. Unternehmensprofil: Dieser Abschnitt charakterisiert die AHK Chile als Organisation, ihre Rechtsform, ihre Aufgaben und ihre Finanzierungsstruktur.
4. Analyse und Erarbeitung des Soll-Anforderungsprofils: Hier erfolgt eine fundierte Untersuchung der internen und externen Kontextfaktoren sowie eine Bestandsaufnahme des derzeitigen Controlling-Zustandes.
5. Spezifikation des Controlling-Konzeptes: Das Kapitel spezifiziert das Controlling als führungstheoretisches Konzept und definiert den konzeptionellen Bezugsrahmen für die AHK Chile.
6. Soll-Konzeption für das Controlling-System: Hier werden konkrete Module für den Aufbau eines Management Accounting, eines strategischen Controllings sowie Berichtswesens und der IT-Unterstützung erarbeitet.
7. Implementierung des Controlling-Konzeptes: Dieses Kapitel widmet sich der praktischen Einführung, insbesondere der psychologischen Installierung des Controlling-Gedankens und dem prozessualen Stufenplan.
8. Fazit und Ausblick: Eine zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse sowie ein Ausblick auf die zukünftige Weiterentwicklung des Controlling-Systems.
Schlüsselwörter
Controlling, AHK Chile, Non-Profit-Organisation, Management Accounting, Rechnungswesen, Unternehmenssteuerung, Dienstleistungsbetrieb, Strategisches Controlling, Deckungsbeitragsrechnung, Zielsystem, Informationsbedarf, Prozessorganisation, NPO-Management, Kennzahlen, Budgetierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Entwicklung eines maßgeschneiderten Controlling-Konzeptes für die Deutsch-Chilenische Industrie- und Handelskammer (AHK Chile), die als mittelständische Non-Profit-Organisation operiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit thematisiert die Transformation des Rechnungswesens, den Aufbau eines Management Accountings, die Einführung von strategischem Controlling sowie die organisatorische Implementierung eines Controllingsystems.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Hauptziel ist die Entwicklung eines ganzheitlichen Controlling-Konzeptes, das die Steuerungsdefizite der AHK Chile beseitigt und die Transparenz über Effizienz und Effektivität erhöht.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt den Systemansatz und den situativen Ansatz, kombiniert mit einer Dokumentenanalyse, Experteninterviews und einer systematischen Ist-Soll-Analyse der Controlling-Instrumente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kontextfaktoren, leitet ein Anforderungsprofil ab, konzipiert ein integriertes Rechnungswesen und zeigt Implementierungspfade für ein operationales sowie strategisches Controlling auf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Controlling-Konzeption, NPO-Management, Kosten- und Leistungsrechnung, strategische Frühwarnsysteme, Projektorganisation und Ressourcenverbrauch.
Warum ist ein Controlling für die AHK Chile besonders relevant?
Aufgrund sinkender öffentlicher Zuwendungen und steigenden Wettbewerbsdrucks muss die AHK Chile ihre Effizienz steigern und eine ökonomische Selbststeuerung etablieren, um ihre Existenz langfristig zu sichern.
Wie soll die Implementierung des Controlling-Konzeptes erfolgen?
Die Einführung erfolgt nach einem siebenstufigen Modell, das von der Sensibilisierung der Führungskräfte über die Bildung von Projektteams bis hin zur schrittweisen Ausdehnung der Controlling-Aufgaben reicht.
- Citar trabajo
- Maik Fischer (Autor), 2002, Entwicklung eines Controlling-Konzeptes für einen mittelständischen Dienstleister am Beispiel der Deutsch-Chilenischen Industrie- und Handelskammer, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185820