Die Entstehung der deutschen Geldordnung nach dem II. Weltkrieg: Ordnende Kräfte, Konzepte und Ergebnisse


Seminararbeit, 2001
21 Seiten, Note: 3

Leseprobe

I
Philipps ­ Universität Marburg
Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für Ordnungstheorie und Wirtschaftspolitik
Seminar im WS 2001/2002
Geldordnungen:
Entstehungsgründe, institutionelle Arrangements und
prozesspolitische Probleme
Themenbereich II:
Historische und aktuelle Bezüge
Thema 4:
Die Entstehung der deutschen Geldordnung nach dem II. Weltkrieg:
Ordnende Kräfte, Konzepte und Ergebnisse
Eingereicht von:
Benjamin Krischer

II
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis ... III
1
Einleitung... 1
2
Die Lage im Nachkriegsdeutschland und die Politik der Alliierten ... 1
2.1
Die politische Lage in der frühen Nachkriegszeit...2
2.2
Der Wandel in der amerikanischen Deutschlandpolitik ...3
3
Die Entstehung des deutschen Bankwesens ... 4
3.1
Ziele der Alliierten ...4
3.2
Entflechtung der Großbanken ...4
3.3
Gründung der Landeszentralbanken...5
3.4
Errichtung der Bank deutscher Länder...6
3.5
Die Umwandlung in die Bundesbank...8
4
Die Währungsreform von 1948 ... 8
4.1
Definition & Typologien ...8
4.2
Pläne zur Reform...9
4.3
Gesetze und Verordnungen...10
4.4
Folgen ...12
5
Fazit und Ausblick ... 13
Abbildungsverzeichnis... IV
Zeittafel ... VI
Literaturverzeichnis ...VII

III
Abkürzungsverzeichnis
Abb.
-
Abbildung
Anm.
-
Anmerkung
BdL
-
Bank deutscher Länder
CDG
-
Colm ­ Dodge ­ Goldsmith (Plan)
d. h.
-
dass heißt
DM
-
Deutsche Mark
EZB
-
Europäische Zentralbank
LZB
-
Landeszentralbank (en)
Mrd.
-
Milliarden
o. g.
-
oben genannt (en)
RM
-
Reichsmark
S.
-
Seite
u. a.
-
unter anderem
vgl.
-
Vergleiche
z. B.
-
zum Beispiel

1
1
Einleitung
Wie bereits nach dem 1. Weltkrieg war die Reichsmark, welche nach den Worten Hitlers
stärkste Währung der Welt werden sollte, erneut durch exzessive Defizitfinanzierung ruiniert
(Vgl. Abb. 1 im Anhang). Die Reichsbank als Gesamtinstitut war mit der Einnahme Berlins
durch sowjetische Truppen faktisch handlungsunfähig geworden.
1
Ohne eine tiefgehende Re-
form der Geldordnung war ein Wiederaufbau fast undenkbar, da sich wirtschaftliches Han-
deln durch festgesetzte Preise und den Wertverlust der Reichsmark nicht mehr lohnte.
Der Begriff Geldordnung wird in dieser Arbeit als der Teil der Wirtschaftsordnung definiert,
der alle Regeln und Institutionen des Geldwesens umfasst. Hauptaufgabe der Geldordnung,
die rechtlich durch die Währungsverfassung kodiert wird, ist die Sicherstellung der Geldfunk-
tionen, um auf Wettbewerb beruhende Wirtschaftsaktivitäten ausführen zu können.
2
In dieser Arbeit soll zunächst die wirtschaftliche und politische Lage im Nachkriegsdeutsch-
land dargestellt werden. Darauf aufbauend erfolgt eine Beurteilung der Geschehnisse und
Konzepte, die zur Entstehung des deutschen Bankwesens und daraus resultierend zur Wäh-
rungsreform führten, welche den Wiederaufbau erst ermöglichte. Auf die Entwicklung in der
sowjetischen Besatzungszone wird im Verlauf dieser Arbeit, soweit nicht für die Entstehung
der westdeutschen Geldordnung nötig, nicht weiter eingegangen.
2
Die Lage im Nachkriegsdeutschland und die Politik der
Alliierten
Auch wenn die Schäden, die Deutschland durch den Krieg erlitten hatte, erheblich waren, ist
doch festzustellen, dass ein großer Anteil an Maschinen und Fertigungsstätten unbeschädigt
geblieben war. Zusätzlich war ein großer Vorrat an Rohstoffen vorhanden.
3
Trotz dessen fiel die Industrieproduktion und die Arbeitsproduktivität 1946 auf die Hälfte des
Vorkriegsniveaus zurück, obwohl dieses in den meisten anderen vom Krieg betroffenen Län-
dern zu diesem Zeitpunkt bereits wieder erreicht war.
4
Da die Preise seit 1936 eingefroren
waren und durch die gestoppte Inflation teilweise in keiner Relation zu den Kosten standen,
war die Produktion aus unternehmerischer Sicht wenig lohnend.
5
Die Reichsmark hatte ihre
Zahlungsfunktion fast gänzlich verloren, daher war es sinnvoll, nur noch zwei bis drei Tage in
der Woche zu arbeiten, weil dies ausreichte, um die rationierten Güter zu beziehen (weitere
1
vgl. Marsh (1992), S. 43 und Prost (1972), S. 50ff.
2
vgl. Woll (1993), S. 246.
3
vgl. Buchheim (1998), S. 93.
4
vgl. Marsh (1992), S. 189.
5
vgl. Fritzsche (1970), S. 26.

2
Produkte waren mit der Reichsmark kaum noch zu kaufen).
6
An die Stelle der Reichsmark trat
der Kompensationshandel. Das Haupttauschmittel war die Zigarette, deren Anteil am Han-
delsgeschehen auf ca. 50% geschätzt wurde.
7
2.1 Die politische Lage in der frühen Nachkriegszeit
Die Amerikaner begannen bereits 1941, sich auf Ihre Aufgaben im Nachkriegsdeutschland
vorzubereiten. Dies gipfelte in dem 1944 veröffentlichten amerikanischen Morgenthau Plan,
welcher die komplette Zerstörung der Wirtschaft und die Umwandlung Deutschlands in ein
Agrarland forderte. Obwohl die Ideen Morgenthaus offiziell schon 1945 auf der Konferenz
von Yalta verworfen worden waren prägte der Morgenthau Plan die Deutschlandpolitik der
Amerikaner bis 1947.
Die Briten hingegen wollten Deutschland möglichst bald den Weg zu einer stabilen Demokra-
tie ebnen um dem Nationalismus entgegenzuwirken; die Sowjetunion begann recht zügig mit
der Zentralisierung innerhalb ihrer Besatzungszone. Frankreich dagegen beabsichtigte
Deutschland in mehrere Teile aufzuspalten, um zu erreichen, dass Deutschland nie wieder ei-
ne Bedrohung darstellen könnte.
8
Im Juli 1945 einigten sich die Besatzer mit dem Potsdamer Abkommen darauf, Deutschland
wirtschaftlich als eine Einheit zu behandeln, das Kriegspotential zu reduzieren, sowie Demo-
kratie und Frieden in Deutschland wieder herzustellen. Allerdings wurde die Industrieproduk-
tion auf 50 % des Vorkriegsniveaus begrenzt.
9
Die wirtschaftliche Einheit wurde aufgrund der
stark unterschiedlichen Besatzungspolitik der Alliierten allerdings nie vollzogen. Daraus ent-
standen innerdeutsche Grenzen, die vor allem durch die starke wirtschaftliche Abhängigkeit
der Zonen untereinander problematisch waren.
10
Die USA planten durch vielfältige Maßnahmen, wie der Entflechtung und Dezentralisierung
der Wirtschaft, die Entstehung einer Planwirtschaft zu verhindern.
11
Zudem strebten die Ame-
rikaner eine deutsche Einheit an, dies gestaltete sich wegen den divergierenden Zielen der Al-
liierten jedoch problematisch, da insbesondere die Sowjets und Franzosen sich häufig nach
anderen Zielen richteten.
Als eine der ersten Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation wurde am 20.10.1945 der Ein-
kommensteuerhöchstsatz auf 95 % angehoben, der Hebesatz der Körperschaftssteuer stieg auf
6
vgl. Wandel (1980), S. 118.
7
vgl. Buchheim (1998), S. 97 und Schüller (1992), S. 317f.
8
vgl. Brackmann (1993), S. 202 und Wandel (1980), S. 42ff.
9
vgl. Erhard (1957), S. 18.
10
vgl. Fritzsche (1970), S. 29.
11
vgl. Sprenger (1991), S. 19.

3
65%.
12
Allerdings wurde der größte Teil der erhöhten Steuereinnahmen nicht wie geplant zur
Inflationsbekämpfung, sondern zur Finanzierung der Haushalte und Besatzungskosten einge-
setzt. Von den Alliierten wurde die Reform der Währungs- und Geldordnung aufgrund von
Unstimmigkeiten immer wieder aufgeschoben, obwohl dies in den meisten vom Krieg betrof-
fenen Ländern die erste Maßnahme zur Unterstützung des Wiederaufbaus nach Ende des
Krieges gewesen war.
13
2.2 Der Wandel in der amerikanischen Deutschlandpolitik
Im Frühjahr 1947 erkannten die Amerikaner die katastrophale deutsche Wirtschaftslage. Zu-
dem reifte der Gedanke, dass für den Fortbestand der westlichen Demokratien in Europa ein
starkes Deutschland, unter anderem zur Kontrolle der Sowjetunion, notwendig sei.
14
Die Sowjets waren, insbesondere bei der Frage der Reparationen, zu keinem Konsens bereit.
Daher kam es zu dem Abbruch der Verhandlungen im Alliierten Kontrollrat - welcher die Re-
gierungsgewalt über die Fragen innehatte, die alle Besatzungszonen betrafen und zur Ab-
stimmung der vier Militärkommandeure dienen sollte ­ und die Amerikaner beschlossen sich
in ihren Ländern
15
dem Wiederaufbau zu widmen, mit dem Ziel, Deutschland bis 1949 in die
politische und wirtschaftliche Selbständigkeit zu führen.
16
Um die hohen britischen Kosten der Besatzung zu senken schlossen sich die Briten 1947 der
amerikanischen Zone an, die Bizone war entstanden. Zusammen versuchten beide die wirt-
schaftliche Rehabilitation voranzutreiben, ohne das stark verschuldete Frankreich zu brüskie-
ren.
17
Die Lösung war der amerikanische Marshall Plan vom Juni 1947, der allen Staaten Eu-
ropas finanzielle Hilfe gewähren sollte. Als Gegenleitung mussten diese auf deutsche Repara-
tionen verzichten. Um Leistungen des Marshall Plans zu erhalten waren die Franzosen zu ei-
nigen Zugeständnissen gegenüber den USA bereit. Dies führte 1949 zum Anschluss der fran-
zösisch besetzten Gebiete an die Bizone.
18
Vorraussetzung, um die Leistungen des Marshall
Planes auch für die Deutschen zur Verfügung zu stellen, war die Errichtung eines funktions-
fähigen Zentralbanksystems.
19
Daher wandten die Amerikaner sich verstärkt diesem Thema
zu und gaben im Juli 1947 die Ideen des Morgenthau Planes völlig auf. Die Aufgaben der
deutschen Länderregierungen in der Bizone wurden ausgeweitet und die wirtschaftliche
12
vgl. Bickerich (1998), S. 111 und Marsh (1992), S. 123.
13
vgl. Buchheim (1998), S. 123f und Wandel (1980), S. 118.
14
vgl. Fritzsche (1970), S. 26ff.
15
Anm.: Der Begriff ,,Land" soll in diesem Zusammenhang als Bundesland verstanden werden.
16
vgl. Wandel (1980), S. 33.
17
vgl. Wandel (1980), S. 20 und S. 44f.
18
vgl. Fritzsche (1970), S. 22ff.
19
vgl. Wandel (1980), S. 135.
Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung der deutschen Geldordnung nach dem II. Weltkrieg: Ordnende Kräfte, Konzepte und Ergebnisse
Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
3
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V185854
ISBN (eBook)
9783656990628
ISBN (Buch)
9783656994534
Dateigröße
1804 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entstehung, geldordnung, weltkrieg, ordnende, kräfte, konzepte, ergebnisse
Arbeit zitieren
Benjamin Krischer (Autor), 2001, Die Entstehung der deutschen Geldordnung nach dem II. Weltkrieg: Ordnende Kräfte, Konzepte und Ergebnisse , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185854

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