Diese Arbeit hat das Ziel die positive Theorie der Verfassungsökonomik näher zu beleuchten. Nach der Definition grundlegender Begriffe widmet sich das zweite Kapitel der Entstehung und dem Erkenntnisinteresse der positiven Verfassungsökonomik (PVÖ).
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Bereits 1981 äußerten Mc Cormick und Tollison Zweifel gegenüber der Funktion der normativen Verfassungsökonomik: „Normative theory is useful in helping us to clarify our norms, but it is another question weather such analysis will impact on the pattern of real institutional development“.1 Auch Weingast stellte 1993 fest, dass der positive Ansatz der Verfassungsökonomik bisher ziemlich unzureichend erfüllt war:„ no coherent widely accepted approach exists to the positive theory of constitutionalism“.2
Diese Arbeit hat das Ziel die positive Theorie der Verfassungsökonomik näher zu beleuchten.
Nach der Definition grundlegender Begriffe widmet sich das zweite Kapitel der Entstehung und dem Erkenntnisinteresse der positiven Verfassungsökonomik (PVÖ). Mit Hilfe einer knappen Darstellung der normativen Verfassungsökonomik (NVÖ) und ihren Schwachpunkten soll die Notwendigkeit für die Entstehung der PVÖ verdeutlicht werden, des weiteren werden die gemeinsamen Ansätze beider Theorien angesprochen. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Systematisierung der positiven Theorie. Daran anschließend analysiert das vierte Kapitel drei mögliche Methoden, mittels derer aufgestellte Hypothesen empirisch belegt werden können. Im weiteren Verlauf stellt Kapitel fünf den Bezug der PVÖ zur Wirtschaftspolitik her. Im sechsten Kapitel erfolgt eine kritische Würdigung der Theorie. Letztendlich wird im letzten Kapitel ein Ausblick geboten.
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1 Vgl.: Voigt, Stefan (1995), S. 22, zitiert nach McCormick, Robert (1981), S. 126.
2 Vgl.:Weingast, Barry (1993), S. 288.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Entstehung der positiven Verfassungsökonomik
2.1 Die normative Verfassungsökonomik
2.2 Die Entwicklung der PVÖ aus der NVÖ
2.3 Die Gemeinsamkeiten von NVÖ und PVÖ
2.4 Erkenntnisinteresse der PVÖ
3 Aufgaben und Aussagen der positiven Verfassungsökonomik
3.1 Analyse der Entstehung von Verfassungsregeln
3.2 Analyse des Verfassungswandels
3.2.1 Expliziter Verfassungswandel
3.2.2 Impliziter Verfassungswandel
3.3 Ergebnisse von Verfassungsregeln
4 Methoden der positiven Verfassungsökonomik
4.1 Komparative Institutionenanalyse
4.2 Wirtschaftsgeschichte
4.3 Laborexperimente
5 Der Bezug der PVÖ zur Wirtschaftspolitik
6 Kritische Würdigung
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der systematischen Beleuchtung der positiven Verfassungsökonomik (PVÖ) als Ergänzung zur normativen Verfassungsökonomik. Das primäre Ziel besteht darin, die theoretischen Grundlagen der PVÖ, ihre spezifischen Erkenntnisinteressen sowie methodische Ansätze zur empirischen Überprüfung von Verfassungsregeln darzustellen und kritisch zu hinterfragen.
- Abgrenzung zwischen normativer und positiver Verfassungsökonomik
- Systematische Analyse der Entstehung von Verfassungsregeln und Verfassungswandel
- Methoden zur empirischen Analyse von Verfassungen (komparative Institutionenanalyse, Wirtschaftsgeschichte, Laborexperimente)
- Bedeutung der PVÖ für die Wirtschaftspolitik und politische Reformprozesse
- Integration informaler Institutionen in das Verfassungsverständnis
Auszug aus dem Buch
3.1 Analyse der Entstehung von Verfassungsregeln
Es soll in diesem Kapitel nicht der Entstehungsprozess von VR dargestellt werden, vielmehr ist es seitens der PVÖ interessant zu erfahren, welche Prozedere und Inputfaktoren einen möglichen Einfluss auf die Wahl von VR nehmen.
Zunächst soll das Prozedere genauer betrachtet werden, das genutzt wird, auch wenn durch diese die Wahl bestimmter VR nicht vollständig erklärt werden. Unter dem Begriff Prozedere können Fragen verstanden werden, wie z. B.: Welche Auswirkungen haben öffentliche Verfassungskonvente gegenüber geschlossenen? Wie wirken sich dabei zeitliche Beschränkungen aus? Welche Auswirkungen haben regelmäßige Informationen der Bürger über Verhandlungsfortschritte? Wie beeinflussen bestimmte Wahlbestimmungen oder Quoren das Ergebnis von Verfassungsverhandlungen? Mit der Vorgehensweise erhofft man sich einen Mechanismus zu identifizieren, der die skizzierten Fragen zur Formulierung einer Gesetzmäßigkeit für die Entstehung von VR nutzen könnte. Dies kann nach Riker auch durch die Berücksichtigung dynamischer und kreativer Prozesse, die das Entscheidungsfeld der Akteure beeinflussen und im Zeitablauf verändern, geschehen. Es kann dazu führen, dass frühere Entscheidungen revidiert und neue getroffen werden. Als mögliches Beispiel sei die Manipulation der Tagesordnung durch Einführung zusätzlicher Wahlmöglichkeiten oder das Arrangement der Abstimmungsreihenfolge erwähnt.
Inputvariablen wie Präferenzen, Werte, Normen und Ideologien der Akteure, die Verteilung von Ressourcen, die Relevanz externer Gruppen und weitere üben Einfluss auf die Entstehung von VR aus. Voigt unterstellt Mitgliedern von Verfassungsversammlungen, dass ihre individuellen Präferenzen in Verhandlungen einfließen, und dass die Präferenzen der Mitglieder einer Gesellschaft sehr unterschiedlich in der Verfassung berücksichtigt werden. Er kommt zu der Aussage Rent - Seeking beeinflusse die Wahl von VR. Folgendes Beispiel veranschaulicht dies: McGuire und Ohsfeldt versuchten das Abstimmungsverhalten der Delegierten bei der verfassungsgebenden Versammlung der USA (1787) mit Hilfe eines Prinzipal - Agent - Modells und ökonometrischen Tests über das Wahlverhalten, nachzuzeichnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Beschäftigung mit der positiven Verfassungsökonomik durch den Hinweis auf bestehende Defizite in der normativen Theorie und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Die Entstehung der positiven Verfassungsökonomik: Dieses Kapitel erläutert die Wurzeln der PVÖ in der Public-Choice-Theorie sowie die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur normativen Verfassungsökonomik.
3 Aufgaben und Aussagen der positiven Verfassungsökonomik: Hier erfolgt eine Systematisierung des Forschungsprogramms, insbesondere die Analyse von Entstehungsprozessen, Verfassungswandel sowie ökonomischen Konsequenzen von Verfassungsregeln.
4 Methoden der positiven Verfassungsökonomik: Das Kapitel stellt verschiedene empirische Erkenntnismethoden vor, namentlich die komparative Institutionenanalyse, wirtschaftsgeschichtliche Untersuchungen und Laborexperimente.
5 Der Bezug der PVÖ zur Wirtschaftspolitik: Es wird die Möglichkeit erörtert, positive Erkenntnisse für praktische Politikempfehlungen zu nutzen, wobei auf die Bedeutung faktischer Mehrheiten und Interessengruppen eingegangen wird.
6 Kritische Würdigung: Die Autorin hinterfragt den aktuellen Entwicklungsstand der Theorie, insbesondere die mangelnde Berücksichtigung informaler Institutionen und die noch geringe empirische Fundierung.
7 Ausblick: Der Ausblick diskutiert das Potenzial zur Integration der PVÖ in die Neue Institutionenökonomik, um die Aussagekraft und praktische Relevanz weiter zu steigern.
Schlüsselwörter
Positive Verfassungsökonomik, PVÖ, normative Verfassungsökonomik, Verfassungswandel, Institutionenökonomik, Rent-Seeking, Gewaltenteilung, Verfassungsregeln, komparative Institutionenanalyse, ökonomische Theorie der Verfassung, Public-Choice-Theorie, informale Institutionen, Verfassungsreform, Wirtschaftsgeschichte, Laborexperimente.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Forschungsprogramm der positiven Verfassungsökonomik (PVÖ), das darauf abzielt, Verfassungen und deren Wandel mithilfe ökonomischer Methoden zu erklären, anstatt sie nur normativ zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entstehung von Verfassungsregeln, die Analyse von explizitem und implizitem Verfassungswandel sowie die Untersuchung der ökonomischen Konsequenzen verschiedener Verfassungsordnungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die positive Theorie der Verfassungsökonomik näher zu beleuchten, ihre methodischen Instrumente darzustellen und ihren aktuellen Entwicklungsstand kritisch zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit nutzt einen analytischen Ansatz, der auf bestehenden empirischen Befunden und Modellen beruht, und erörtert Methoden wie die komparative Institutionenanalyse, wirtschaftsgeschichtliche Analysen und Laborexperimente.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung der PVÖ aus der normativen Schule, der Systematisierung ihrer Forschungsbereiche sowie der praktischen Relevanz der Theorie für wirtschaftspolitische Prozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Positive Verfassungsökonomik, Verfassungswandel, Institutionenökonomik, Rent-Seeking und Gewaltenteilung zentral charakterisiert.
Wie unterscheidet sich der explizite vom impliziten Verfassungswandel?
Expliziter Wandel geht mit einer formalen Änderung des Verfassungsdokuments einher, während impliziter Wandel auf einer veränderten Interpretation der Verfassung durch Organe wie die Judikative basiert, ohne den Text zu ändern.
Welche Rolle spielen informale Institutionen nach Einschätzung der Autorin?
Die Autorin kritisiert, dass informale Institutionen wie Werte, Normen und Ideologien trotz ihrer theoretischen Relevanz im aktuellen PVÖ-Forschungsprogramm noch zu wenig beachtet werden, obwohl sie für das Verständnis von Verfassungen essenziell sind.
- Citation du texte
- Tanja Preuss (Auteur), 2002, Der Ansatz der positiven Verfassungsökonomik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185862