Im vergangenen Jahr drang das Phänomen Rechtsextremismus aufgrund einer Anhäufung von fremdenfeindlichen Gewalttaten v.a. in den neuen Bundesländern wieder stärker ins öffentliche Bewußtsein der Deutschen. In den Medien war die Rede von „national befreiten Zonen“, einer neuen Qualität der Brutalität, von alltäglicher Angst usw. Zur Sprache kam auch die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), ihre Rolle im rechten Lager, ihr Einfluß, Wirken und Verantwortlichkeit. Letztere wurde als dermaßen gravierend eingeschätzt, daß im Dezember 2000 sowohl Bundesregierung, als auch Bundesrat und Bundestag einen Antrag auf Verbot der NPD beschlossen und beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eingebracht haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ideologie, Parteiprogramme
2.1 Rechtskonservative Elemente
2.2 Rechtsextreme Elemente
2.2.1 Ideologie
2.2.2 Politikfelder
2.3 „National befreite Zonen“
3. Außerparlamentarische politische Praxis
3.1 Wahlkämpfe
3.2 Politische Veranstaltungen
3.3 „National befreite Zonen“
4. Vernetzungen im rechten Lager
4.1 Etablierung in den neuen Bundesländern
4.2 Vernetzungen
4.3 Bewegung Rechtsextremismus
5. Exkurs: Psychologische Mechanismen im Rechtsextremismus
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die politischen Strategien der NPD in den neuen Bundesländern seit der Vereinigung. Dabei wird die Hypothese geprüft, dass die Partei zur Erlangung einer Führungsposition im rechten Lager ihre Organisationsform und politische Kultur an die dortige Bewegungsförmigkeit anpassen und Vernetzungen zu anderen Akteuren aufbauen musste.
- Analyse der ideologischen Entwicklung und Programmatik der NPD.
- Untersuchung der außerparlamentarischen politischen Praxis und Mobilisierung.
- Betrachtung der Vernetzungsstrategien der NPD innerhalb des rechtsextremen Lagers.
- Evaluation des Konzepts der „national befreiten Zonen“ und deren Bedeutung.
- Psychologische Hintergründe und soziale Bewegungsdynamiken des Rechtsextremismus.
Auszug aus dem Buch
3.1 Wahlkämpfe
Zu den Wahlkampfveranstaltungen der NPD in den 1980ern gibt es kaum Literatur, was mit ihrer damaligen Bedeutungslosigkeit und Unauffälligkeit im Westen zu tun hat. In den 90ern ändert sich dieses Bild vor allem in den neuen Bundesländern. Im Landtagswahlkampf in Brandenburg im September 1999 ist das Auftreten der NPD von den martialisch wirkenden Skinheads geprägt, die eine quasi-Ordnerfunktion übernehmen. Als „Feldzeichen“ verwendet die NPD die schwarz-weiß-rote Reichsfahne mit den Farben des undemokratischen autoritären Machtstaates. Die NPD kandidierte in Brandenburg mit vergleichsweise sehr jungen Kandidaten, von denen etliche einen Vorlauf in rechtsextremen bzw. neonazistischen Organisationen hatten (Erb 1999, S. 950). Die Sprache der Wahlwerber ist kampfbetont und entspricht dem aggressiv wirkenden Gesamtauftreten. Die Themen decken sich mit den programmatischen Vorgaben. Es gibt rechtskonservative Inhalte („Recht und Ordnung“), national-soziale Themen („Sicherung von Arbeitsplätzen für Deutsche“, „Erhalt der deutschen Kultur“) und die obligaten Sündenbockkonstruktionen („Überfremdung“, „ausländische Drogenverbrecher“) zwecks Ethnisierung sozialer und ökonomischer Probleme.
Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 1998 sind die Themenstellungen nicht anders. Es dominieren ausländerfeindliche Parolen („ethnische Autarkie“, „Schutz der Heimat“) und linksnationalistische Slogans („deutscher Sozialismus“, „unser deutsches Land in Arbeiter und Bauernhand“) (Pfahl-Traughber 2000, S. 6). Die folgenden Ausführungen zu den Kandidaten der NPD bei der Bundestagswahl 1998 fußen auf Daten des Statistischen Bundesamtes. Insgesamt haben für die NPD 160 Personen kandidiert, von denen 9,4 % Frauen waren. Der durchschnittliche NPD-Kandidat ist knapp 45 Jahre alt, jeder 3. NPD-Kandidat jünger als 35 Jahre. Dies ist ein im Vergleich zu den anderen Parteien „rechts der Union“ geringes Alter. Die NPD rekrutiert ihre Kandidaten v.a. aus den unteren Arbeiter- und Angestelltenberufen (Hafeneger/Niebling 1999, S. 166ff).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und der zentralen Forschungsfrage bezüglich der NPD-Strategien in den neuen Bundesländern seit der deutschen Vereinigung.
2. Ideologie, Parteiprogramme: Untersuchung der ideologischen Brüche und der programmatischen Anpassung der NPD von einer deutschnationalen Variante des Rechtskonservatismus hin zu systemkritischen und rechtsextremen Inhalten.
3. Außerparlamentarische politische Praxis: Analyse der Verlagerung der NPD-Aktivitäten von der parlamentarischen Ebene hin zur aktionistischen Mobilisierung, insbesondere durch Großveranstaltungen und den Versuch der Verankerung in öffentlichen Räumen.
4. Vernetzungen im rechten Lager: Darstellung der Strategien zur Etablierung im Osten durch die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, Subkulturen und die Rekrutierung ehemals neonazistischer Kader.
5. Exkurs: Psychologische Mechanismen im Rechtsextremismus: Erörterung der psychologischen Dimensionen, wie Wahnformen und Angstbearbeitung, die als Hintergrund für rechtsextremistische Weltanschauungen dienen.
6. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, die bestätigt, dass die NPD durch die Erfüllung zentraler Ressourcenfunktionen zur führenden Organisation im ostdeutschen Rechtsextremismus geworden ist.
7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen zur theoretischen und empirischen Fundierung der Arbeit.
Schlüsselwörter
NPD, Rechtsextremismus, neue Bundesländer, politische Strategien, Parteiprogramm, National befreite Zonen, Neonazismus, soziale Bewegung, außerparlamentarische Praxis, Vernetzung, Radikalisierung, Politische Sozialisation, Wahlkampf, Ideologie, Systemkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie die NPD seit der deutschen Vereinigung versucht hat, in den neuen Bundesländern politisch Fuß zu fassen und eine Führungsposition im rechten Lager einzunehmen.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die drei Säulen der Parteistrategie: die ideologische Programmatik, die außerparlamentarische Praxis sowie die Vernetzung mit anderen Akteuren im rechtsextremen Spektrum.
Was ist das primäre Ziel bzw. die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, welche spezifischen politischen Strategien die NPD verfolgte, um in den neuen Bundesländern relevant zu werden, und inwiefern sie sich an die Gegebenheiten vor Ort anpassen musste.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Datenerhebung basiert primär auf einer Literatur- und Inhaltsanalyse der parteieigenen Dokumente und einschlägiger wissenschaftlicher Analysen zum Thema Rechtsextremismus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die ideologische Transformation der NPD, ihre Rolle bei der Schaffung sogenannter „national befreiter Zonen“ und ihre strategische Öffnung gegenüber neonazistischen Kameradschaften und jugendlichen Subkulturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Schlagworte sind neben der NPD selbst: Rechtsextremismus, neue Bundesländer, soziale Bewegung, politische Strategien und der Wandel zur bewegungsförmigen Organisation.
Warum konnte die NPD in den neuen Bundesländern trotz mangelnden Wahlerfolgs an Bedeutung gewinnen?
Laut dem Autor liegt dies an der strategischen Übernahme von Funktionen für andere rechte Akteure, wie etwa die Bereitstellung von Mediennetzwerken, juristische Hilfe und eine organisatorische „Dachfunktion“, die ihr eine hegemoniale Stellung im informellen rechtsextremen Milieu verschaffte.
Welche Rolle spielt die Jugendorganisation JN bei der Etablierung der Partei im Osten?
Die JN wird als erfolgreiches Vorbild beschrieben, da es ihr im Gegensatz zur Mutterpartei durch eine aktionistischere und weniger starre Struktur gelang, in der rechtsextremen Subkultur und bei jungen Kadern an Boden zu gewinnen.
- Citation du texte
- Erich Gamsjäger (Auteur), 2001, Strategien der NPD in den neuen Bundesländern seit der Vereinigung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185910