Varela (1989) untersucht die Syntax von subordinierten nominalen VN-Komposita des Typs „limpiabotas“ und „tocadiscos“ im kastilischen Spanisch. Dabei diskutiert die Autorin die Frage, ob derartige Komposita als exozentrisch oder endozentrisch zu analysieren sind, d.h. ob die Position der Kopfkonstituente innerhalb oder außerhalb
des Kompositums anzusiedeln ist. Des Weiteren diskutiert die Autorin die Frage, ob die erste Konstituente in derartigen Komposita als Verb oder als Nomen zu analysieren ist. Diese regulären und hochproduktiven Komposita im Spanischen zeichnen
sich insbesondere dadurch aus, als daß die der erste Konstituente morphologisch mit der Form eines für die 3. Person Singular Indikativ flektierten Verbes übereinstimmt.
Derartige Komposita besitzen zumeist eine agentivische oder instrumentale Bedeutung und beziehen sich auf Individuen oder Objekte, welche typische oder gewohnheitsmäßige
Handlung ausführen. Bezüglich der Argumentstruktur dieser Komposita
läßt sich feststellen, daß die zweite Konstituente syntaktisch die interne Argumentposition des Verbes realisiert, wobei die Verben unveränderlich agentivisch sind und das interne Argument syntaktisch die thematische Rolle „Thema“ realisiert. Das Genus
von nominalen VP-Komposita ist maskulin, wobei der Genus des gesamten Kompositums unabhängig vom Genus der zweiten Komponente ist. In derartigen Komposita ist die overte Manifestierung von Pluralmorphologie normalerweise ausschließlich
auf die zweite Konstituente beschränkt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Contreras (1985)
3. Varela (1989)
4. Syntaktische Bedingungen im Wortbildungsprozess der Komposition von VN-Komposita im Spanischen
5. Die Argumentstruktur von Morphemen in VN-Komposita im Spanischen
6. Die Kopfkonstituente als alleiniger Zuweiser von Theta-Rollen in VN-Komposita im Spanischen
7. Semantische Evidenz für Varelas (1989) Analyse von VN-Komposita im Spanischen
8. Syntaktische Evidenz für Varelas (1989) Analyse von VN-Komposita im Spanischen
9. Morphologische Evidenz für Varelas (1989) Analyse von VN-Komposita im Spanischen
10. Williams (1981) „Atomic Condition“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die syntaktische Struktur und Wortbildung von subordinierten nominalen VN-Komposita (Verb-Nomen-Komposita) im kastilischen Spanisch, wobei insbesondere die Frage der Endozentrizität sowie die Rollenverteilung innerhalb der Morpheme analysiert werden.
- Analyse der Kopfkonstituente in VN-Komposita
- Untersuchung der Argumentstruktur und Theta-Rollen-Zuweisung
- Diskussion der „Atomic Condition“ nach Williams (1981)
- Semantische und syntaktische Evidenz für endozentrische Analysen
- Bedingungen für die Derivation agentivischer deverbaler Nomina
Auszug aus dem Buch
Die Kopfkonstituente als alleiniger Zuweiser von Theta-Rollen in VN-Komposita im Spanischen
Varela (1990b) argumentiert, daß die Kopfkonstituente in VN-Komposita im Spanischen auf der Wortebene als alleiniger Zuweiser von Theta-Rollen fungiert, wobei die Theta-Rolle von der Kopfkonstituente direkt an das unmittelbar adjazente Argument zugewiesen wird. Dies ist darauf zurückzuführen, daß das Spanische im Gegensatz zu anderen Sprachen zumindest in den neuen, regulären und produktiven Wortbildungen innerhalb eines Wortes weder das Auftreten von Kasusmarkierern noch von Elementen mit morphologisch markierten Kasus erlaubt. Demzufolge ist die auf der phrasalen Ebene (d.h. in Sätzen) relevante syntaktische Beziehung der Rektion auf der Wortebene (d.h. in der syntaktischen Struktur von Worten) nur dann von Bedeutung, wenn das regierte Element infolge der definierten Argumentstruktur unmittelbar adjazent zur Kopfkonstituente steht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der VN-Komposita im Spanischen und Darstellung der zentralen Fragestellung zur Endozentrizität.
2. Contreras (1985): Kritische Auseinandersetzung mit Contreras' Modell, das VN-Komposita als exozentrisch einstuft.
3. Varela (1989): Präsentation der Gegenposition von Varela, die eine endozentrische Analyse favorisiert.
4. Syntaktische Bedingungen im Wortbildungsprozess der Komposition von VN-Komposita im Spanischen: Diskussion der Interdependenz zwischen Syntax und Morphologie bei Wortbildungsprozessen.
5. Die Argumentstruktur von Morphemen in VN-Komposita im Spanischen: Erläuterung der thematischen Struktur anstelle grammatischer Beziehungen innerhalb der Wortebene.
6. Die Kopfkonstituente als alleiniger Zuweiser von Theta-Rollen in VN-Komposita im Spanischen: Analyse der Zuweisung von Theta-Rollen durch die Kopfkonstituente auf Basis unmittelbarer Adjazenz.
7. Semantische Evidenz für Varelas (1989) Analyse von VN-Komposita im Spanischen: Untersuchung der semantischen Merkmale von VN-Komposita, die auf eine agentivische oder instrumentale Lesart hinweisen.
8. Syntaktische Evidenz für Varelas (1989) Analyse von VN-Komposita im Spanischen: Darstellung der Kopf-Komplement-Beziehung zwischen den Konstituenten.
9. Morphologische Evidenz für Varelas (1989) Analyse von VN-Komposita im Spanischen: Nachweis des agentivischen Status durch Suffixselektion wie "-ero" oder "-ista".
10. Williams (1981) „Atomic Condition“: Anwendung der Atomic Condition zur Erklärung der Merkmalsperkolation vom Kopf auf das gesamte Kompositum.
Schlüsselwörter
VN-Komposita, kastilisches Spanisch, Morphosyntax, Wortbildung, Kopfkonstituente, endozentrisch, exozentrisch, Theta-Rollen, Argumentstruktur, Atomic Condition, Derivation, agentivische Nomina, Flexionsmorphologie, Komplement, Syntax.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse von subordinierten nominalen Verb-Nomen-Komposita (VN-Komposita) im kastilischen Spanisch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die morphosyntaktische Struktur, die Bestimmung der Kopfkonstituente und die Art der Wortbildungsprozesse bei diesen Komposita.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob VN-Komposita endozentrisch oder exozentrisch zu analysieren sind und wie die grammatischen Merkmale innerhalb der Struktur determiniert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden generative Ansätze der Wortsyntax verwendet, insbesondere unter Berücksichtigung von Theta-Theorien und der "Atomic Condition" von Williams (1981).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Analysen (Contreras vs. Varela) gegenübergestellt sowie semantische, syntaktische und morphologische Evidenzen für die endozentrische Analyse diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie VN-Komposita, Morphosyntax, Wortbildung, Theta-Rollen und Atomic Condition charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Verbs in diesen Komposita?
Das Verb tritt in diesen Komposita in einer deverbals agentivischen Form auf, wobei es seine Theta-Rolle "Agens" auf die erste Konstituente überträgt.
Warum können VN-Komposita keine zwei Objekt-NPs enthalten?
Das Theta-Kriterium lässt dies nicht zu, da die interne Theta-Rolle "Thema" nur einem Argument zugewiesen werden kann und das Kompositum auf ein einziges Komplement beschränkt ist.
Welche Rolle spielt das Suffix bei der Derivation?
Das Suffix (wie "-ero" oder "-ista") fungiert bei der externen Derivation als agentivischer Marker für das gesamte Kompositum.
- Arbeit zitieren
- Magister Markus Mross (Autor:in), 2003, Die Syntax von subordinierten VN-Komposita im kastilischen Spanisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185938