Diskussion einiger zentraler Begriffe der Prinzipien- und Parametertheorie


Studienarbeit, 2001
19 Seiten

Leseprobe

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Diskussion einiger zentraler Begriffe der Prinzipien- und Parametertheorie Im folgenden werde ich einige zentrale Begriffe der Prinzipien- und Parameter-theorie als Spracherwerbstheorie diskutieren. Dies soll dem Leser zu einem besseren Verständnis von Begriffen wie dem „Triggering“ von Parameterwerten, einer „Triggering-Hierarchie“, dem „Parameter-Resetting“, der „Continuity Assumption“, der „Maturation Hypothesis“ und dem „Clustering“ von Parameterwerten beitragen. Hierzu habe ich u.a. den Aufsatz „Parameters in Acquisition“ von J.M. Meisel (1995) zusammengefaßt. Dieser Aufsatz ist ein exzellenter Übersichtsartikel über einige zentrale Begriffe und zentrale Fragestellungen innerhalb des theoretischen Rahmens der Prinzipien- und Parametertheorie.

Inhaltsverzeichnis

1) Atkinsons (1992): Das „Triggering“ von Parameterwerten als ein bewußt und gesteuert erfolgender Erwerbsprozeß ............ 1

2) Meisel (1995): Parameters in Acquisition ...................................................... 7 3) Penner & Müller (1992)/

Weissenborn & Penner (1998): Die konzeptuellen Grundzüge einer Triggering-Hierarchie ........................ 13

4) Bibliographie ................................................................................................. 18

1) Atkinson (1992): Das „Triggering“ von Parameterwerten als ein bewußt und gesteuert erfolgender Erwerbsprozeß

Atkinson (1992) weist auf die Unangemessenheit der Verwendung des Begriffes eines „Triggerings“ von Parameterwerten für die Charakterisierung eines auf dem Setzen von Parameterwerten basierenden Erwerbsprozesses hin. Demnach stellen „Triggering“ und „Parameter-Setting“ zwei getrennte Erwerbsprozesse dar, welche beide in unterschiedlicher Weise auf einer Interaktion des Lerners mit der sprachlichen Umgebung beruhen. Anhand der Differenzierung der diesen beiden Erwerbsprozessen jeweils zu Grunde liegenden charakteristischen Eigenschaften diskutiert Atkinson (1992) die Frage nach der Art des im „Parameter-Setting“ involvierten Erwerbsprozesses:

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Unter Bezugnahme auf die Definitionen von „Triggering“ und „Learning“ in dem von Fodor (1978) formulierten nativistischen Modell von „Concept Acquisition“ geht Atkinson (1992) näher auf die Rolle dieser beiden unterschiedlichen Erwerbsprozesse im Rahmen eines Spracherwerbsansatzes der Prinzipien- und Parameter-Theorie ein. Hierbei stellt Atkinson (1992) zunächst fest, dass sich der Erwerbsprozess des „Learning“ entsprechend Fodors (1978) Definition als bewusst ablaufender und vom Lerner gesteuerter Erwerbsprozess grundlegend vom Erwerbsprozess des „Triggering“ unterscheidet:

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Entsprechend Atkinsons (1992) Schlussfolgerung stellt „Triggering“ als Teil einer Kette von zwei sich einseitig kausal bedingenden unterschiedlichen Erwerbsprozessen die erste von mehreren Voraussetzungen für die Aktivierung des Erwerbsprozesses von „Parameter-Setting“ dar. Dabei entspricht das Setzen von Parameterwerten durch den Erwerbsprozess des „Parameter-Setting“ jedoch nur einer indirekten Konsequenz des Erwerbsprozesses des „Triggering“ und beruht zusätzlich und in entscheidender Weise auf anderen, aus dem Erwerbsprozess des „Triggering“ erfolgenden Konsequenzen.

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Entsprechend der von Fodor (1978) angeführten Charakterisierung des Erwerbsprozesses des „Triggering“ erhält ein Kind als hautpsächliche Konsequenz eines allerersten, ungesteuert erfolgenden Antreffens von sprachlichen Daten unbewusst Evidenz für einen generellen, zielsprachlich produktiven Gebrauch eines spezifischen grammatischen Phänomens. Auch enthalten diese primären sprachlichen Daten bereits erste konkrete Evidenz für eine einzelsprachliche Parametrisierung eines Teilbereiches des der zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Konstruktion zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur. Diese Evidenz manifestiert sich in den primären sprachlichen Daten als äußerlich ersichtliche sprachspezifische syntaktische Regularität der betreffenden grammatischen Konstruktion. Allerdings kann ein Kind zu einem frühesten Zeitpunkt des Erwerbsprozesses infolge eines allerersten, unbewusst ablaufenden Antreffens der in den primären sprachlichen Daten enthaltenen ersten konkreten Evidenz für eine einzelsprachliche Parametrisierung eines Teilbereiches der dem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur diese in den primären sprachlichen Daten äußerlich evidente sprachspezifische syntaktische Regularität nicht mittels einer bewusst gefällten Entscheidung als die zielsprachlich grammatische parametrische Option dieses einzelsprachlich parametrisierten phrasenstrukturellen Teilbereiches in seine Lernergrammatik integrieren. Die Möglichkeit eines derartigen, durch einen externen sprachlichen Stimulus direkt verursachten, bewusst und somit zielgerichtet, d.h. zielsprachlich grammatisch, erfolgenden Fixieren eines zielsprachlich relevanten Parameters setzt in entscheidender Weise das vorangehende, bewusst ablaufende Erkennen der hierfür tatsächlich relevanten parametrischen Information als solche voraus. Die Möglichkeit eines derartigen, bewusst erfolgenden Erkennens einer spezifischen parametrischen Option als solche ist wiederum ausschließlich durch eine vorangehende, bewusst und gesteuert durchgeführte Ermittlung einer spezifischen parametrischen Information als solche bedingt, welche auf dem Wechselspiel zwischen einer kontinuierlich durchgeführten Reihe grammatischer Analysen von zahlreichen sprachlichen Daten und dem bewusst und gesteuert ablaufenden und wiederholt erfolgenden Prozess der Formulierung, dem Testen und der Selektion von grammatischen Analysen basiert. Die Möglichkeit, mittels einer kontinuierlich durchgeführten Reihe grammatischer Analysen von zahlreichen sprachlichen Daten eine zielsprachlich tatsächlich relevante parametrische Option bewusst und gesteuert als solch ermitteln zu können, ist einem Kind auf einer frühesten Erwerbsstufe allerdings nicht gegeben, da die ihm zu diesem frühesten Zeitpunkt des Erwerbsprozesses zahlenmäßig äußerst begrenzt zugänglichen sprachlichen Daten die hinsichtlich der sprachspezifischen Parametrisierung eines Teilbereiches der dem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur die ihm momentan einzig verfügbare Informationsquelle darstellen und ein Kind infolgedessen neben diesen bisher grammatisch analysierten, äußerst eingeschränkten Menge von sprachlichen Daten noch nicht auf zusätzliche vergleichbare sprachliche Daten zurückgreifen kann. In Ermangelung der Möglichkeit, infolge eines allerersten, unbewusst ablaufenden Antreffens von

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sprachlichen Daten eine zielsprachlich tatsächlich relevante parametrische Option bereits auf einer frühesten Erwerbsstufe durch einen bewusst und gesteuert erfolgenden Erwerbsprozess als solche ermitteln zu können, leitet ein Kind zunächst unbewusst auf der Basis der ihm bisher einzig verfügbaren und äußerst eingeschränkten Menge von sprachlichen Daten eine willkürlich gewählte, von der einzelsprachlichen Parametrisierung eines Teilbereiches der dem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur jedoch vorerst noch abweichende parametrische Option ab und dehnt eine derartige, unbewusst beliebig gewählte parametrische Option als eine anfängliche Generalisierung der sprachspezifischen Parametrisierung dieses einzelsprachlich parametrisierten phrasenstrukturellen Teilbereiches auf eine unendliche Menge von zielsprachlichen Daten aus. Ein Kind abstrahiert infolgedessen mittels induktiver Generalisierung aus den bisher analysierten primären sprachlichen Daten unbewusst eine von der einzelsprachlichen Parametrisierung eines Teilbereiches der dem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur vorerst noch abweichende parametrische Option, integriert den entsprechenden Parameterwert in seine eigene Lernergrammatik und verallgemeinert somit diese unbewusst willkürlich abgeleitete parametrische Option vorerst als die zielsprachlich grammatische parametrische Option dieses einzelsprachlich parametrisierten phrasenstrukturellen Teilbereiches. Der eigentliche Erwerbsprozess des „Triggering“ kann demzufolge am treffendsten als ein unbewusst und ungesteuert erfolgender Erwerb eines abstrakten grammatischen Wissens über idiosynkratischen Eigenschaften einer zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Konstruktion charakterisiert werden, wobei diese anfängliche Generalisierung einer unbewusst willkürlich gewählten parametrischen Option als einzelsprachliche Parametrisierung eines Teilbereiches der dem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur lediglich einen Aspekt des Erwerbes dieses abstrakten grammatischen Wissens darstellt. Das „Triggering" dieses abstrakten grammatischen Wissens umfaßt neben einer anfänglichen Generalisierung einer unbewusst beliebig abgeleiteten parametrischen Option als einzelsprachliche Parametrisierung eines Teilbereiches der einem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur auch die Aktivierung eines genetisch kodierten, impliziten konstruktionsspezifischen grammatischen Vorwissens über die betreffende grammatische Konstruktion, welches dem Kind bereits vor jeglicher sprachlichen Erfahrung unterbewusst verfügbar ist. Ein erstes, unbewusst und ungesteuert ablaufendes Antreffen von sprachlichen Daten hat aufgrund der wiederum dadurch bedingten, unbewusst erfolgenden Abbildung einer phrasenstrukturellen Analyse eines zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomens als mentale Repräsentation des Kindes die automatische Aktivierung einer universalgrammatischen Struktur zur Folge, welche syntaktisch dem nicht einzelsprachlich parametrisierten Teilbereich der dem betreffenden grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur entspricht. Die anfängliche Generalisierung einer unbewusst willkürlich abgeleiteten parametrischen Option als einzelsprachliche Parametrisierung eines Teilbereiches der einem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur korreliert infolgedessen mit dem Her-vortreten einer universalgrammatischen syntaktischen Struktur in einer frühen kindlichen Grammatik. Diese universalgrammatische syntaktische Struktur ent-

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spricht im Satzbau dem nicht einzelsprachlich parametrisierten Teilbereich der dem betreffenden grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden phrasenstrukturellen Gerüst. Somit erwirbt ein Kind als Resultat des Erwerbsprozesses des „Triggering“ auch ein implizites konstruktionsspezifisches grammatisches Vorwissen über jenen Teilbereich der einem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur, welcher nicht einer einzelsprachlichen Parametrisierung unterliegt. Infolge des Erwerbsprozess des „Triggering“ verfügt ein Kind sowohl über diese unbewusst internalisierte und syntaktisch dem nicht einzelsprachlich parametrisierten Teilbereich der einem zielsprachlich regulär verwendeten grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur entsprechende universalgrammatische syntaktische Struktur als auch über jenen, ebenfalls unbewusst internalisierten einzelsprachlich parametrisierten Teilbereich des der relevanten grammatischen Konstruktion zu Grunde liegenden phrasenstrukturellen Gerüstes, welcher entsprechend der vom Kind unbewusst willkürlich abgeleiteten parametrischen Option syntaktisch anfänglich noch von der sprachspezifischen Parametrisierung dieses einzelsprachlich parametrisierten phrasenstrukturellen Teilbereiches abweichend modifiziert ist. Beide dieser unterschiedlichen Aspekte des durch den Erwerbsprozesses des „Triggering“ unbewusst internalisierten abstrakten grammatischen Wissens über eine zielsprachlich regulär verwendete grammatische Konstruktion bilden die phrasenstrukturelle Grundlage für eine später erfolgende endgültige phrasenstrukturelle Modifizierung des einzelsprachlich parametrisierten Teilbereiches der dem betreffenden grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur entsprechend der durch den darauf folgenden Erwerbsprozess des „Learning“ bewusst und gesteuert erworbenen zielsprachlich grammatischen parametrischen Option dieses einzelsprachlich parametrisierten phrasenstrukturellen Teilbereiches. Ein Aspekt des durch den Ewerbsprozess des „Triggering“ unbewusst erworbenen abstrakten grammatischen Wissens über eine zielsprachlich regulär verwendete grammatischen Konstruktion manifiestiert sich in der prinzipiellen Fähigkeit eines Kindes, das relevante grammatische Phänomen, wenn auch anfänglich noch nicht vollkommen grammatisch, produktiv zu gebrauchen und generell zu beherrschen. Das „Triggering“ des abstrakten grammatischen Wissens über eine zielsprachlich regulär verwendete grammatische Konstruktion entspricht jedoch insofern keinem rational gesteuerten Erwerbsprozes, als das die unbewusst willkürlich abgeleitete parametrische Option von einem Kind nicht bewusst als nur eine von zwei möglichen parametrischen Optionen des einzelsprachlich parametrisierten Teilbereiches der diesem grammatischen Phänomen zu Grunde liegenden syntaktischen Struktur erkannt und infolgedessen von einem Kind anfänglich auch nicht als eine solche lediglich wahlweise sprachlich verwendet wird. Die von einem Kind anfänglich unbewusst willkürlich abgeleitete und zielsprachlich ungrammatische parametrische Option dieses einzelsprachlich parametrisierten phrasenstrukturellen Teilbereiches wird nach Abschluß des Erwerbsprozesses des „Triggering“ scheinbar noch nicht endgültig sondern offensichtlich lediglich vorübergehend als Default-Wert in dessen frühe kindliche Grammatik integriert. Daher beinhaltet das unbewusst willkürliche Ableiten dieser parametrischen Option auf der alleinigen Basis der bisher analysierten, äußerst eingeschränkten Menge von sprachlichen Daten als Teilprozess das „Triggerings“ eines abstrakten grammatischen Wissens über eine zielsprachlich regulär verwendete grammatische Konstruktion keine zielgerichtete wissentliche und aktive Verarbeitung

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Details

Titel
Diskussion einiger zentraler Begriffe der Prinzipien- und Parametertheorie
Hochschule
Universität Hamburg
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V185950
ISBN (eBook)
9783867469814
ISBN (Buch)
9783656991946
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
diskussion, begriffe, prinzipien-
Arbeit zitieren
Magister Markus Mross (Autor), 2001, Diskussion einiger zentraler Begriffe der Prinzipien- und Parametertheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185950

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