Investitions- und Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben

Fallstudien nach problem-based learning-Methoden


Diplomarbeit, 2005

149 Seiten, Note: 1.7


Leseprobe

Hochschule der Medien, Stuttgart
Investitions- und Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen
Medienbetrieben: Fallstudien nach problem-based learning-Methoden.
Diplomarbeit von
Markus Hohbach

Diplomarbei
t von Markus Hohbach im Wintersemester 2004/05
I
Diplomarbeit im Studiengang Print-Media Management
Investitions- und Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben:
Fallstudien nach problem-based learning-Methoden.
vorgelegt von
Markus Hohbach
an der Hochschule der Medien, Stuttgart
am 11. Februar 2005

Diplomarbei
t von Markus Hohbach im Wintersemester 2004/05
II
Erklärung:
Der erste Teil (Kapitel 1.2 - 1.5) dieser Diplomarbeit wurde nach An-
regung von Herrn Prof. Dr. Wittenzellner und in Absprache mit Herrn
Prof. Tritschler -als gemeinsames Kapitel- in Zusammenarbeit mit
Frau Stefanie Lenz erstellt.
Überdies versichere ich, dass ich meine Diplomarbeit selbständig
verfasst und keine anderen, als die angegebenen Quellen und
Hilfsmittel benutzt habe.
Desweiteren sind wörtliche und sinngemäße Zitate als solche ge-
kennzeichnet.
...
Markus Hohbach
Stuttgart, den 11. Februar 2005

Diplomarbei
t von Markus Hohbach im Wintersemester 2004/05
III
Danksagung:
Mein Dank gilt allen, die es mir ermöglicht haben, mein Studium mit dieser Arbeit zu
einem guten Ende zu bringen. Dabei möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. Wittenzellner,
der die Anregung zu dieser Diplomarbeit gab, für die freundliche Unterstützung und
Betreuung während der letzten Monate bedanken.
Ebenso gilt mein Dank Herrn Prof. Tritschler für sein Engagement und Interesse.
Ein Dankeschön auch an den Bundesverband Druck und Medien in Wiesbaden, der mir
Informations- und Datenmaterial überlassen hat.
Ein weiteres Dankeschön der Kohler Gruppe, Kornwestheim, insbesondere Herrn
Wolfgang Kohler für Arbeit und Brot, wann immer dies notwendig war.
Mein ganz besonderer Dank gilt Frau Christa Hohbach für ihre unermüdliche
Auskunftsbereitschaft, die Einschätzungen aus der Praxis und die Hilfestellung bei
allen Problemen und Hindernissen, wie für ihre unerschöpfliche Geduld.
Dies gilt für meine ganze Familie, die mich immer unterstützt hat, insbesondere im
vergangenen Jahr, für die Hilfe beim Lektorat, den vielen Tipps und milden Gaben.
Zuletzt sei der Firma WiesingerMedia für den Druck und die Bindung dieser Diplomarbeit
mein Dank ausgesprochen.
Markus Hohbach, im Februar 2005

Inhaltsverzeichnis
IV
Inhalt:
Seite:
Erster Teil
1.1 Ziel der Diplomarbeit
2
1.2 Herkunft und Entwicklung des problem-based learning
3
1.3 Lernen und Definition problem-based learning
5
1.4 Lerntheorien und -formen
9
1.5 Vorgehensweise des problem-based learning
12
Zweiter Teil
2.1 Finanzwirtschaft und Investitionsprozess
16
2.2 Ansätze zur Integration des Investitionsprozesses
17
2.2.1 Faktortheoretischer
Ansatz
17
2.2.2 Entscheidungstheoretischer
Ansatz
17
2.2.3 Systemtheoretischer
Ansatz
18
2.2.4 Instrumentaler
Ansatz
19
2.3 Groblernziele und inhaltlicher Rahmen
20
2.4 Ausgangssituation der Druckbranche
22
2.5 Vorstellung der Musterunternehmen
28
2.5.1 Zipfel-Druck
2.5.1.1 Formale
Betrachtung
28
2.5.1.2 Wirtschaftliche
Betrachtung
29
2.5.1.3 Technische
Betrachtung
30
2.5.1.4 Betrachtung
der
Resourcen
31
2.5.1.5 Bilanzielle
Betrachtung
32
2.5.2 Sorglos Druck und Medien
2.5.2.1 Formale
Betrachtung
33
2.5.2.2 Wirtschaftliche
Betrachtung
34
2.5.2.3 Technische
Betrachtung
35
2.5.2.4 Betrachtung der Resourcen
36
2.5.2.5 Bilanzielle Betrachtung
37
2.5.3 Immergut. Verlag und Druck
2.5.3.1 Formale
Betrachtung
38
2.5.3.2 Wirtschaftliche Betrachtung
40
2.5.3.3 Technische Betrachtung
41
2.5.3.4 Betrachtung der Resourcen
42
2.5.3.5 Bilanzielle Betrachtung
43
...

Inhaltsverzeichnis
V
Dritter Teil
3.1 Statische Verfahren der Investitionsrechnung
3.1.1 Problemvorstellung
45
3.1.2 Lernziele
46
3.1.3 Hilfsmittel
47
3.1.4 Problemlösung
50
3.1.5 Synthese
61
3.2 Dynamische Verfahren der Investitionsrechnung
3.2.1 Problemvorstellung
64
3.2.2 Lernziele
65
3.2.3 Hilfsmittel
66
3.2.4 Problemlösung
67
3.2.5 Synthese
75
3.3 Finanzierung und Finanzierungssurrogate
3.3.1 Problemvorstellung
76
3.3.2 Lernziele
77
3.3.3 Hilfsmittel
78
3.3.4 Problemlösung
79
3.3.5 Synthese
93
3.4 Kennzahlen und Kennzahlensysteme
3.4.1 Problemvorstellung
98
3.4.2 Lernziele
99
3.4.3 Hilfsmittel
100
3.4.4 Problemlösung
103
3.4.5 Synthese
119
3.5 Investitionsplanung und Innenfinazierung
3.5.1 Problemvorstellung
121
3.5.2 Lernziele
122
3.5.3 Hilfsmittel
123
3.5.4 Problemlösung
124
3.5.5 Synthese
128
Vierter Teil
4.1 Zusammenführung
131
4.2 Fazit
134
Anhang
5.1 Die deutsche Druckindustrie in Zahlen
137

Inhaltsverzeichnis
VI
Die Bilder der Kapitelübersichten stellen die Mandelbrotmenge dar. Diese ist ein von Benoit Mandelbrot 1980
entdecktes Fraktal, das in der Chaostheorie eine bedeutende Rolle spielt. Die Mandelbrot-Menge ist das wohl
formenreichste geometrische Gebilde, das überhaupt bekannt ist. Bei detailgetreuer Betrachtung werden
Ordnung und Struktur im vermeintlichen Chaos erkennbar.

Kapitelübersicht
1
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Erster Teil
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Historische Entwicklung des PBL
1.3 Lernen und Definition PBL
1.4 Lernmethoden
1.5 Vorgehensweise
,,Also lautet der Beschluß:
dass der Mensch was lernen muß..."
Wilhelm Busch
dt. Zeichner, Maler und Schriftsteller,
1832-1908

Erster Teil
2
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
1.1 Ziel der Diplomarbeit
Allgemeine Problemstellung:
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die zentralen Aspekte investitions- und finanzwirt-
schaftlicher Handlungsalternativen in klein- und mittelständischen Medienbetrieben anhand
der Methoden des problem-based learning (PBL) aufzuzeigen. Die Adressaten sind Stu-
dierende wirtschaftlich orientierter Hochschulen, beziehungsweise Bildungsinstitutionen,
die über ähnliche Infrastruktur und Ausstattung verfügen.
Dabei ist es nicht die Intension der Arbeit, im Gegensatz zu der konventionellen
Vorlesung, Lernziele und Inhalte ganzheitlich, fachgebunden und möglichst vollständig zu
vermitteln. Stattdessen sollen die Studierenden, geleitet durch die konkrete Problemstel-
lung einer praxisnahen Fallstudie, selbstständig Lernziele formulieren und sich aktiv und
interdisziplinär in den entsprechenden Stoff einarbeiten.
Aktive Lehrmethoden erfordern die aktive Mitarbeit des Lernenden. Dies hat eine
subjektive Färbung der Herangehensweise an die Fallstudien und deren Problemlösung
zur Folge, die erwünscht ist und letztlich zum Lernerfolg führt. Die eingebrachten per-
sönlichen Einschätzungen und Erfahrungen können dazu führen, dass die Studierenden zu
-zum Teil- abweichenden oder gegensätzlichen Ergebnissen gelangen, als den Muster-
lösungen der vorliegenden Arbeit. Auch dies ist erwünscht, denn es geht nicht um
Zahlenakrobatik, sondern um Verständnis. Investitionsentscheidungen sind, wie praktisch
alle unternehmerischen Entscheidungen, dadurch geprägt, dass viele Handlungsalter-
nativen zur Auswahl stehen, deren Auswirkungen, die in der Zukunft liegen, nur bedingt
vorhersehbar sind. Angesichts der Unsicherheit als Charakteristikum der Investitionsent-
scheidung erscheint es daher sinnvoll, neben notwendigen Instrumenten und Kenntnissen,
vor allem Kreativität, Teamfähigkeit und Problemlösungskompetenz der Studierenden zu
fördern.
Abgrenzung des Themenbereiches:
Da in der einschlägigen Literatur und dem Internet zahlreiche Begriffe zum Thema
,aktives Lernen' kursieren, ist es an dieser Stelle notwendig, PBL wie folgt abzugrenzen:
Während die deutsche Übersetzung ,problembasiertes Lernen', sowie die ähnlich klingen-
den Begriffe ,problemorientiertes Lernen' und ,handlungsorientiertes Lernen' dem PBL

Erster Teil
3
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
inhaltlich gleichzusetzen sind, unterscheidet sich das ,blended Learning' durch zusätzliche
Präsenzteile. Diese bestehen zumeist aus klassischen Frontalunterricht, um beispielsweise
Grundlagenstoff zu vermitteln, in Laborarbeit Inhalte zu vertiefen oder in Werkstätten
Fertigkeiten zu erwerben.
E-Learning hingegen bedient sich vorwiegend audiovisueller Medien und Computer-
anwendungen sowie dem Internet. Es handelt sich, im Gegensatz zum hier beschriebenen
PBL, um ein Selbststudium ohne persönlichen Tutor. Somit sind die beiden Begriffe trotz
wesentlicher Gemeinsamkeiten nicht gleichzusetzen.
Die in dieser Arbeit dargestellten Vorgehensweisen entsprechen dem universitären
PBL ohne die im folgenden beschriebenen Sonderformen; jedoch ist es notwendig, die
Besonderheiten der Druck- und Medienbranche zu berücksichtigen: Investitionen werden
zum überwiegenden Teil in das Anlagevermögen, wie z.B. Produktionsanlagen getätigt, die
in der Regel, sehr kostenintensiv sind. Zudem ziehen sie erzwungene Folgeinvestitionen in
das Umlaufvermögen mit sich, wie z.B. Rohstoffe, Forderungen oder Halbfertigerzeug-
nisse. Investitionsarten, wie Sozial- oder Beteiligungsinvestitionen sind selten und werden
hier nicht berücksichtigt.
Klein- und mittelständische Unternehmen der Branche sind zudem meist hoch-
spezialisierte Lohnfertiger, denen zu Finanzierungszwecken kein Weg zum Kapitalmarkt
offen steht. Daher liegt das Augenmerk der Arbeit auf den Finanzierungsarten Leasing und
Kredit; ein Sonderfall ist die Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten. Zudem werden
im Schwerpunkt lediglich die Segmente Werbe- und Verlagsdruck beleuchtet, da diese
auch in der Praxis vorherschen.
1.2 Historische Entwicklung PBL
Der Ausgangspunkt des universitären problem-based learning (PBL) ist in der
medizinischen Ausbildung zu finden: In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts waren die
Absolventen der Hochschulen gut ausgebildete und kompetente Fachkräfte, denen es
jedoch schwer fiel, sich in den komplexer werdenden Klinikalltag einzufügen. Dies lag vor
allem an mangelnden sozialen Kompetenzen, wie Teamfähigkeit, Umgang mit Personal
und Patienten, sowie dem Umstetzen des theoretischen Wissens in die Praxis.

Erster Teil
4
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Die Forderung nach dahingehend besser ausgebildetem Personal führte zu dem Begriff
des ,,Lernens im funktionellen Kontext" nach Shoemaker
1
und später zum ,,Problem-
orientierten Lernen in der medizinischen Ausbildung" nach Barrows und Mitchell
2
. Als
Neuerung in der medizinischen Ausbildung wurden den Studierenden anamnestische
Daten, Befunde, bildgebende Materialien und Hintergrundinformationen in sogenannten
problem boxes bereitgestellt. Grundgedanke war es, den Medizinstudierenden in einer der
Realität nahe kommenden Form klinische Bilder gemeinsam mit naturwissenschaftlichen
Grundlagen zu vermitteln, um dem zukünftigen Berufsalltag als Arzt möglichst nahe zu
kommen.
In der Literatur
3
wird der Grundgedanke des heutigen PBL auf historische Quellen, wie
Sokrates (ca. 400 v. Chr.) in der griechischen Philosophie, bzw. El Razy (865-932 n. Chr.)
in der medizinischen Ausbildung des alten Arabiens, zurückgeführt. ,,Gemeinsames Merk-
mal dieser historischen Quellen ist die Diskussion von allgemeingültigen Sachverhalten an
Hand konkreter Einzelbeispiele mit einer Übertragung von Erkenntnissen auf allgemeine
Prinzipien und eine Gesprächsführung, die den Schüler zu einem selbstständigen Ent-
wickeln der Lösung führt"
4
.
Die Keimzellen des modernen PBL sind Universitäten der USA und Kanada, wo bereits in
den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich nach den Methoden des PBL gearbeitet wurde:
Die McMaster University, Hamilton, Ontario, Kanada
5
wurde 1965 gegründet und war welt-
weit die erste medizinische Ausbildungsstätte, die moderne Konzepte der Erwachsenen-
bildung einsetzte und ein entsprechendes Curriculum
6
entwickelte.
1
Vgl. Shoemaker, H.A. (1960): The functional context method of Instruction, Human resources research office
IRE Transactions on Education. Alexandria, VA: George Washington University. Band 3, S40ff.
2
Vgl. Barrows, H.S. und Mitchell, D.L.M. (1975): An innovative course in undergraduate neuroscience.
Experiment in Problem-based learning with 'problem boxes', British Journal of Medical Education Band 9, S.
20ff.
3
Vgl. Ezzat, E. (1990): Current Issues in Problem-based Learning, Nooman, Z.M.; Schmidt, H.G. und Ezzat,
E.S., Innovation in Medical Education Seite 12-17, Springer Publishing Company, New York
4
Bert Huenges: Inhaltsanalyse als Methode zum Vergleich von POL-Lernzielen, Papercases und
Ausbildungszielen im Problem-orientierten Lernen am Beispiel des Reformstudienganges Medizin,
Humboldt-Universität zu Berlin, Dissertation, 2003 S. 2f.
5
Homepage der Hochschule: http://www.fhs.mcmaster.ca/education/, besucht am 31.10.2004
6
Vgl. Robinsohn, S.B. (1967): Bildungsreform als Reform des Curriculums. Neuwied: Luchterhand, S. 17f.

Erster Teil
5
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Heute sind die Methoden des PBL auch in Europa weitverbreitet; insbesondere die
,Universiteit Maastricht', Maastricht, Niederlande
7
, die Medizin- und Ökonomiestudien-
gänge vollständig auf dieses Konzept umgestellt hat, zeigt, dass sich PBL nicht länger auf
den Bereich Medizin- und Pflegeausbildung beschränkt: Bei der Ausbildung von Führungs-
kräften für Industrie und Wirtschaft, im Banken- und Versicherungswesen, aber auch im
Bereich der Geistes- und Naturwissenschaften, finden PBL-basierende Konzeptionen An-
wendung.
1.3 Lernen und Definition PBL
Das Wort Lernen geht auf die gotische Bezeichnung für "ich weiss" (lais) und das
indogermanische Wort für "gehen" (lis) zurück
8
. ,,Die Herkunft des Wortes deutet bereits
darauf hin, dass Lernen ein Prozess ist, bei dem man einen Weg zurücklegt und dabei zu
Wissen gelangt
9
." Der Weg als Metapher impliziert einen Ausgangsort und ein Ziel, das es
zu erreichen gilt. Auf das Lernen übertragen bedeutet das die dauerhafte Veränderung
eines bestimmten Verhaltens
10
. Neben der Ausrichtung auf ein Ziel ist die Reife für das
Lernen ausschlaggebend. Doch während sich die Reife vorwiegend anlagebedingt von
innen vollzieht, entwickelt sich der Lernvorgang aufgrund äußerer Reize. Intention des
Lernens ist es, sich durch eine neue, bzw. angepasste Funktion des Denkens, einer Fähig-
keit oder Fertigkeit, Vorteile in der Umwelt zu verschaffen.
Wenn ,,Lernen als Interaktion mit der Umwelt
11
" verstanden wird, müssen auch die
Wechselwirkungen mit der Umwelt betrachtet werden, die das Lernen beeinflussen. Diese
können in didaktischer Hinsicht als ,,Grundsätze der Unterweisung" in folgenden Prin-
zipien
12
zusammengefasst werden:
7
Homepage der Hochschule: http://www.unimaas.nl/default.asp?taal=en, besucht am 11.11.2004
8
Wasserzieher, Ernst (1974): Woher? Ableitendes Wörterbuch der deutschen Sprache. 18. Aufl., besorgt von
Werner Betz, Bonn.
9
Mielke, Rosemarie (2001): Psychologie des Lernens. Eine Einführung. Kohlhammer, Stuttgart. S. 11
10
Meyers Lexikonverlag (1997): Meyers Großes Handlexikon. Meyers Lexikonverlag, Mannheim.
11
Vgl. Homberger, Dietrich (1978): Aspekte didaktischen Handelns im Fachunterricht. In: Grundfragen
didaktischen Handeln im allgemeinbildenden Schulwesen, Bottrop. S. 165 ff.
12
Vgl. Sommer, Karl-Heinz (Hrsg.) (1989): Pädagogische und sozio-/psychologische Perspektiven im
beruflichen und nachberuflichen Bereich. Stuttgarter Beiträge zur Berufs- und Wirtschaftspädagogik; Bd. 11.

Erster Teil
6
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
1) Prinzip der Aktivität
2) Prinzip der Anschauung
3) Prinzip der Praxisnähe
4) Prinzip der Aktualität
5) Prinzip der sachlichen Richtigkeit
6) Prinzip der Altersgemäßheit
7) Prinzip der Erfolgssicherung
8) Prinzip der Lerndisposition
9) Prinzip des Grads der Einsicht
Diese Prinzipien können auch als Motivatoren verstanden werden, die je nach ihrer
Ausprägung das Lernen vereinfachen und den Lernerfolg begünstigen. Im Umkehrschluss
schaffen Verstöße gegen o.g. Prinzipien aversive Bedingungen, welche den Lernerfolg
gefährden und das Lernen erschweren. Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer
einwirkender Faktoren
13
, wie die Grösse der Lerngruppe oder die Fähigkeiten und sozialen
Kompetenzen des Lehrenden, die jedoch vom Einzelfall abhängen und nicht vorhersehbar
oder beinflussbar sind.
Neben der Didaktik, also der ,,Theorie des Lernens
14
", spielt die Methodik eine
entscheidende Rolle. Nach Jank und Meyer
15
ist die Methodik, die Frage nach dem ,,Wie?",
als Teildisziplin der Didaktik, der Frage nach dem ,,Was?", zu verstehen. Jedoch lässt sich
auch der gegenteilige Wortgebrauch belegen, demzufolge Didaktik als Teildisziplin der
Methodik angesehen wurde
16
. Da idealerweise das ,,Wie" aus dem ,,Was" hervorgeht,
genügt es an dieser Stelle, Didaktik und Methodik als ineinander übergreifende und
gegenseitig abhängige Bereiche einer übergeordneten Lernkonzeption zu verstehen.
13
Vgl. Vogel-Krahforst, Elisabeth (1978): Methodologische und Methodische Überlegungen zur Anlage und
Auswertung empirischer Untersuchungen. Kiel. S. 31ff.
14
Vgl. Otte, Michael (1994): Das Formale, das Soziale und das Subjektive. Suhrkamp, Frankfurt a. M. S. 44
15
Vgl. Jank, Werner und Meyer, Hilbert (1994): Didaktische Modelle. Cornelsen Verlag Scriptor
16
Vgl. Lietzmann, Walther und Stender, Richard (1961): Methodik des mathematischen Unterrichts. Quelle und
Meyer, Heidelberg. S. 9ff.

Erster Teil
7
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
In der Literatur finden sich zahlreiche Ansätze für solche Lernkonzeptionen, die im
folgenden Kapitel näher erläutert werden sollen. Von allen ist der Frontalunterricht
17
bis
heute in Schulen, Hochschulen, Berufsschulen usw. die am weitesten verbreitete Form,
obwohl bereits seit geraumer Zeit mehrere Kritikpunkte bekannt sind: Zum einen
widerspricht das Konzept dem Prinzip der Aktivität, indem es den Lernenden zu Passivität
zwingt. Aus ebendieser Passivität heraus resultiert das Rezipieren vorbereiteter Lösungen
und Lösungswege, was der Forderung nach höchstmöglichen Grad der Einsicht nicht
gerecht wird. Ausserdem hat sich die, in der Konzeption ohnehin nur marginal vor-
gesehene Betreuung des einzelnen Lernenden, als Qualitätssicherung der Wissensver-
mittlung, in der praktischen Umsetzung als unmöglich erwiesen
18
.
Dies hat ein Leistungsgefälle
19
innerhalb der Lerngruppe zur Folge, da der Lehrende
nicht die Möglichkeit findet, individuell den Lernerfolg des einzelnen Lernenden zu über-
prüfen, gegebenenfalls korrigierend einzugreifen, zu üben oder Gelerntes zu verfestigen
(Prinzip der Erfolgssicherung).
Um diese Schwächen zu eliminieren und die didaktischen Forderungen mit den
Notwendigkeiten und Unabdingbarkeiten des Bildungssystems in Einklang zu bringen,
findet eine Lernmethode zunehmend Beachtung
20
, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahr-
hunderts im anglo-amerikanischen Raum an Hochschulen als problem-based learning
(PBL) eingeführt wurde. Grundgedanke ist es die Lerngruppe, bzw. den Klassenverband, in
kleine Lerneinheiten aufzubrechen, mit dem Ziel, den Lernfortschritt innerhalb der Lernein-
heit auf gleichem Niveau zu halten. Dies wird durch Effekte und Automatismen der Grup-
pendynamik erreicht: Innerhalb von Kleingruppen wirken sich die Stärken und Schwächen
des Einzelnen weniger aus, bzw. können einfacher kompensiert werden, zudem die
Gruppenmitglieder untereinander individuell auf Probleme und Wissenslücken eingehen
können. Aufgrund der auftretenden Rollenverteilungen innerhalb der Lerneinheit erfolgt ein
intuitives Mischen unterschiedlicher Lernformen, wie Selbststudium, Learning by Teaching,
Versuch und Irrtum etc.
17
Vgl. Gudjons Herbert (1997): Didaktik zum Anfassen. Lehrer/in-Persönlichkeit und lebendiger Unterricht.
Klinkhardt, Heilbrunn S. 56ff.
18)
Vgl. Die Zeit (2004): Eine Dokumentation zum internationalen Pisa-Test. Aus: Chancen 49/2001, Die Zeit.
19
Homepage des Interuniversitären Instituts für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) / Abteilung
"Schule und gesellschaftliches Lernen": http://imst.uni-klu.ac.at/was_ist_imst/vorprojekt/index.htm,
besucht am 3.11.2004.
20
Studie zur Verbreitung von PBL in Europa: Homepage der Universiteit Maastricht: http://www.unimaas.nl,
besucht am 4.11.2004

Erster Teil
8
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Die Vermittlung des Wissens erfolgt dabei nicht zentral durch den Lehrenden, sondern
dezentral in jeder Lerneinheit. Dies geschieht durch die Vorgabe eines praxisnahen,
konkreten Problems oder einer entsprechenden Fallstudie
21
, aus der sich das Problem
ableiten und definieren lässt. Aufgabe der Lerneinheit ist es, nun das Problem zu lösen,
indem interdisziplinär Lösungsalternativen gesucht und in Form von Arbeitshypothesen
verifiziert oder verworfen werden. Der Einzelne wird aktiviert durch die Einbindung in den
Lernprozess, von der Definition des Lernziels bis hin zur Verfestigung des Lernergebnisses
in Form einer Präsentation oder dem Transfer des konkreten Problems auf eine allgemein-
gültige Ebene. Diese Konzeption ermöglicht es dem Lehrenden, zwischen den Lernein-
heiten wechselnd, u.a. Fehlentwicklungen zu vermeiden, Inhalte zu vertiefen, den Erfolgs-
fortschritt zu überprüfen.
Außerdem treten erwünschte Nebenwirkungen auf. Die Lernenden entwickeln soziale
Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Toleranz, Durchsetzungsvermögen, schulen Rethorik
und Präsentationstechniken, werden vertraut mit Gruppen- und Problemlösungsprozessen,
also Schlüsselkompetenzen, die im Berufsleben von grosser Bedeutung sind. Barbara
Duch, Stellvertretende Direktorin des ,Math & Science Education Resource Center' der
Universität Delaware, über Ihre Studenten:
"`How can I get my students to think?' is a question asked by many faculty,
regardless of their disciplines. Problem-based learning (PBL) is an
instructional method that challenges students to `learn to learn', working
cooperatively in groups to seek solutions to real world problems. These
problems are used to engage students' curiosity and initiate learning the
subject matter. PBL prepares students to think critically and analytically, and
to find and use appropriate learning resources."
22
Eine weitere Definition lautet:
,,Problem-based learning (PBL) is situated approximately half-way between
the social and radical constructivist paradigms. PBL utilizes student groups,
but each group member is also responsible for independent research.
Further, instructor scaffolding is considerably less direct in problem-based
learning than in other constructivist models such as anchored instruction.
Students are allowed to struggle and induct their own mental model of course
21
Yin, R. K. (1999): Case study research: Design and methods. 2. Aufl., Sage Publications, California.
S. 14
22
http://www.udel.edu/pbl/

Erster Teil
9
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
concepts with only occasional "life-lines" from the instructor when concept
processing falls off-track. Problem-based learning is most similar to case-
based instruction, but in its purest form, PBL is more open-ended.
23
"
Für die vorliegende Arbeit lässt sich problem-based learning wie folgt definieren:
Problem based learning (PBL) bezeichnet eine aktive Lernmethode in Klein-
gruppen, die, alternativ zum konventionellen Frontalunterricht, Lerninhalte anhand
konkreter Problemstellungen vermittelt. Diese werden in Form einer praxisnahen
Aufgabenstellung vorgegeben oder aus einer entsprechenden Fallstudie abgeleitet,
die die Gruppe zu bearbeiten hat. Dadurch werden neben affektiven und kognitiven
Lernzielen auch sogenannte Soft-Skills erworben, wie Teamfähigkeit und soziale
Kompetenzen. Zudem wird die traditionell übliche Trennung isolierter Themen- oder
Fachgebiete aufgehoben, da die Orientierung an einer konkreten Problemstellung
eine interdisziplinäre Konzeption erfordert. In didaktischer Hinsicht erfüllt PBL die
Forderung nach Aktivierung des Lernenden, fördert damit Interesse und Motivation.
Durch selbstständiges Erarbeiten eines Stoffgebiets und durch hohen Grad der
Einsicht beim Lernen werden Inhalte leichter aufgenommen und verfestigt.
1.4 Lerntheorien und ­formen
Lernprozesse lassen sich in Bezug auf die unterschiedlichen Paradigmen verschieden-
artig darstellen: ,,Ein lerntheoretisches Paradigma stellt eine bestimmte Sichtweise dar, wie
Lernen zu verstehen ist, nach welchen Gesetzmäßigkeiten es funktioniert, wie es sich
vollzieht und mit Hilfe welcher Instrumente es unterstützt werden kann"
24
. Die wichtigsten
lerntheoretischen Ansätze sind der Behaviorismus, der Kognitivismus und der Konstruk-
tivismus, welche im folgenden näher erläutert werden.
Der Behaviourismus, zu deutsch Verhaltensforschung, wurde als psychologische For-
schungsrichtung im Jahr 1913 von dem Amerikaner John B. Watson (1878-1958) be-
gründet
25
. Während der Lehrende eine autoritäre, reizgebende Position einnimmt, ist der
23
Ed Schwartz, Director New Media Center, Educational Technologies, university support center
www.edtech.vt.edu/edtech/id/models/pbl.html
24
Vgl. Kuhn, Thomas (1962): The Structure of Scientific Revolutions. University of Chicago Press. S. 55ff.
25
Vgl. Watson, John B. (1968) Behaviorism. 5. Aufl. Kiepenheuer & Witsch, Köln S. 13ff.

Erster Teil
10
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Lernende passiv und wird als ,Blackbox' -ein mit Wissen zu füllender Behälter- angesehen.
Dies bedeutet, dass nur objektiv beobachtbares und messbares Verhalten auf bestimmte
Reize unter verschiedenen Umweltbedingungen ausschlaggebend sind. Nach der be-
haviouristischen Lerntheorie ist also einzig ein bestimmter Stimulus notwendig, um eine
entsprechende Reaktion hervorzurufen; Bewusstsein und Gefühlswelt des lernenden
Individuums werden bei dieser streng naturwissenschaftlichen Anschauung nicht berück-
sichtigt: Das Ziel der behaviouristischen Psychologie ist es, Gesetze abzuleiten, die die
Beziehungen zwischen den verschiedenen, dem Verhalten vorausgehenden Bedingungen,
dem Verhalten und dessen Konsequenzen zu erklären. Der Lernprozess wird damit auf ein
mechanisches Reiz-Reaktions-Schema
26
reduziert, wobei jede innere Bewegung des Lern-
enden lediglich als Folge äußerer Ursachen verstanden wird.
Im Gegensatz zum Behaviourismus betont der Kognitivismus, der Ende der 1950er
Jahre einsetzte, die internen informationsverarbeitenden, d.h. kognitiven Prozesse des
Lernens. Dabei sollen Phänomene, wie Entscheidungs-, Informationverarbeitungs- und
Wahrnehmungsprozesse beim Lernen erklärt werden; im Zentrum der Betrachtung steht
somit das Bewusstsein des Individuums. Der konstruktivistische Kognitionsforscher Jean
Piaget (1896-1980) und dessen Theorien
27
zu Entwicklungsprozessen von Kindern, liefer-
ten wesentliche Impulse für den Kognitivismus. Piaget definierte in diesem Zuge den
Begriff der Intelligenz als Fähigkeit zur Assimilation, der Hereinnahme externer Objekte
und Zustände in die inneren Strukturen des Individuums, unter Modifikation der vorhanden-
en kognitiven Strukturen und der Fähigkeit zur Akkomodation, der Anpassung der erwor-
benen kognitiven Konzepte an neue pragmatische Gegebenheiten. Das behaviouristische
Reiz-Reaktions-Schema wird folglich um eine subjektive, die Reaktion beeinflussende
Komponente erweitert.
Als konsequente Fortführung des Kognitivismus stellt der Konstruktivismus keine
Lernmethode dar; vielmehr lassen sich Lernmethoden aus den Grundannahmen des
Konstruktivismus ableiten: Es gibt keine positive, ausserhalb des Individuums existierende
Wirklichkeit. Diese entsteht aus dem Bewusstsein und ist somit mittels Kommunikation
unter Verwendung von Symbolen -insbesondere der Sprache- sozial konstruiert.
26
Vgl. Skinner, B.F. (1957): Verbal behavior. The century psychology series.
27
Vgl. Piaget, Jean (1981): Jean Piaget über Jean Piaget: Sein Werk aus seiner Sicht. Kindler, München
S. 121ff.

Erster Teil
11
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Erkenntnis ergibt sich daher nur unter Berücksichtigung der Perspektive der Akteure, ihrer
Motivation und Ziele, welche zwar beeinflussbar sind, doch nicht durch äußere Faktoren
determiniert werden können.
Der Konstruktivismus findet seit den 1970er Jahren vor allem in seiner radikalen
Ausprägung
28
Anwendung. Diese Sichtweise reduziert das ,Wissen über die Welt' auf die
Sinneswahrnehmungen des Individuums und gleicht dieses Wissen -analog zu kyber-
netischen Modellen- in Form einer Regelschleife mit bereits Bekanntem ab, d.h. das
Wissen muss viabel sein. Viabilität heisst wörtlich ,Gangbarkeit' und bedeutet, dass Men-
schen nicht nach dem Kriterium der Wahrheit, sondern der lebenspraktischen Brauchbar-
keit, der ,Lebensdienlichkeit' der Wahrnehmungen und Erkenntnisse, lernen
29
.
Die modernere, soziale Variante des Konstruktivismus
30
ist hingegen durch die Begriffe
Selbstorganisation, der Autopoiese, und Selbsreferenz geprägt. Dies bedeutet, dass das
lernende Individuum in der Lage ist, selbstständig, d.h. ohne einen bestimmten äußeren
Reiz, neue Strukturen, Denk- und Verhaltensweisen etc. hervorzubringen und den Lernfort-
schritt bezüglich eines selbstgestellten Zieles zu erkennen. Durch diese Selbstbe-
züglichkeit schafft sich der Lernende ein Umfeld, bzw. eine individuelle Lernsituation, die
den Lernerfolg begünstigt. Voraussetzung hierfür eine Problemstellung, die einen Bedarf
aufzeigt, und entsprechende Strukturen und Informationsquellen, um den Bedarf zu
decken. Der soziale Konstruktivismus stellt somit die theoretische Grundlage für alle
aktiven Lernmethoden dar.
28
Vgl. Von Glasersfeld, Ernst (1995): Radikaler Konstruktivismus. Ideen, Ergebnisse, Probleme. 2. Auflage.
Suhrkamp. S. 30ff.
29
Vgl. Siebert, Horst (2003): Didaktisches Handeln in der Erwachsenenbildung. München/Unterschleißheim
S. 17ff.
30
Vgl. Fischer, Hans-Rudi (1996): Die Wirklichkeit des Konstruktivismus. Zur Auseinandersetzung um ein
neues Paradigma. 3. Auflage. Carl Auer, Heidelberg S. 76ff.

Erster Teil
12
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
1.5 Vorgehensweisen PBL
,,Erkläre mir, und ich vergesse.
Zeige mir, und ich erinnere.
Lass es mich tun und ich verstehe."
31
Die zwischenzeitlich als Bologna-Prozess
32
bekannt gewordene Harmonisierung des
europäischen Hochschulwesens hat weitreichende Änderungen mit sich gezogen. Aus den
strukturellen Neuerungen, vor allem der Abstufung des Studienabschlusses in Bachelor-
und Masterstudiengänge, ergeben sich Anforderungen an die Gestaltung der Curricula:
,,Siebzig Prozent aller jobrelevanten Kompetenzen stehen in keinem Zeugnis"
33
. Daher wird
sich ein Wandel vollziehen, von der Input-Orientierung, also der Frage nach Lerninhalten,
hin zur Output-Orientierung, der Frage nach vermittelten Kompetenzen.
Mit der zunehmenden Modularisierung
34
der Studiengänge zu fachübergreifenden
Stoffgebieten werden innovative Lernmethoden an Bedeutung gewinnen. Dabei steht
insbesondere das problem-based learning (PBL) im Vordergrund, da es eine Abkehr vom
Lernen nach Fächern und Reproduzieren von Inhalten darstellt. ,,Die Studierenden über-
nehmen Selbstverantwortung für ihren Lernprozess und erwerben an Fallbeispielen aus
der Praxis Problemlösungskompetenz [...], lernen Selbst- und Zeitmanagement, Rhetorik
und Präsentation, Moderation, interkulturelle Kompetenz, Reflexionen zu den eigenen
Arbeitserfahrungen und trainieren ihre Teamfähigkeit."
35
Ebendiese Kompetenzen und
Fähigkeiten sollen die Hochschulabsolventen zum ,lebenslangen Lernen' befähigen
36
, das
im Zuge des Bologna-Prozesses gefordert wird.
PBL macht sich dabei die Wirkweisen der Wahrnehmung zunutze, wobei, nach em-
pirischen Untersuchungen, nur etwa zwanzig Prozent des Gehörten aufgenommen werden
können. Im Gegensatz dazu behält der Mensch etwa 90 Prozent von dem, was er selbst
31
Konfuzius (551-479 v. Chr.)
32
Vgl. Welbers, Ulrich (2001): Studienreform mit Bachelor und Master. Gestufte Studiengänge im Blick des
Lehrens und Lernens an Hochschulen. Modelle für die Geistes- und Sozialwissenschaften. Luchterhand,
Neuwied/Kriftel
33
Vgl. Schlosser, H.: Kompetenz ohne Zertifikat, Standard, 20./21. Sept. 2003, S. 13
34
Vgl. Bundesanzeiger Nr. 185 vom 29.09.2000: Der Europäische Hochschulraum. Gemeinsame Erklärung
der europäischen Bildungsminister vom 19. Juni 1999 in Bologna.
35
Brezowar, G. und Mair, M. (2003): Neue Wege im Lernen und Lehren im Bakkalaureatsstudium
für Tourismus-Management. Österreichische Fachhochschulkonferenz, S. 13
36
Vgl. Tippelt, R. (2002) Handbuch Bildungsforschung, Opladen. S. 46ff.

Erster Teil
13
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
tut. Daher werden den Studierenden keine vorgefertigten Lösungen bzw. Lösungswege
angeboten, sondern praxisnahe Fälle geschildert, die zumeist in Gruppen bearbeitet
werden. Die im folgenden genannten und anschließend erläuterten Schritte können als
typische Vorgehensweise angesehen werden:
1. Erfassen der Fallstudie und Klärung von Begriffen und Fakten
2. Definieren und Formulieren der Problemstellung
3. Annäherung an die Problematik durch Kreativitätstechniken
4. Erstellung und Analyse von Arbeitshypothesen
5. Formulierung der Lernziele
6. methodische Informationssuche und ­verarbeitung
7. Synthese der Ergebnisse
Zuerst wird der vorgestellte Fall erfasst und alle Begriffe und Fakten geklärt, da von
einem gemeinsamen Verständnis ausgegangen werden soll. Anschließend wird die, sich
aus der Fallstudie ergebende konkrete Problemstellung definiert und formuliert. Die
Lerngruppe verschafft sich dadurch Klarheit darüber, welche mit dem Problem zusammen-
hängenden Phänomene erklärt werden müssen. Durch diese Festlegung wird ein Problem-
lösungsprozess initiiert, der in den nun folgenden Schritten beschrieben wird.
Durch Kreativitätstechniken wie Brainstorming, Kartenumlaufmethode, Ishikawa-Dia-
gramme etc., aber auch durch logisches Denken und dem Vorwissen der einzelnen
Gruppenmitglieder, werden Ideen und Lösungsansätze gesammelt. Diese werden
systematisch geordnet und zu Arbeitshypothesen ausformuliert, welche im gemeinsamen
Diskurs analysiert werden. Dabei sollen zusammengehörige Aspekte gefunden, gegensei-
tige Abhängigkeiten und Wechselwirkungen herauskristallisiert und relevante und
irrelevante Merkmale erkannt werden. Ebendiese Arbeitshypothesen bilden die Grundlage
für die Formulierung von Lernzielen und den Einstieg in das zu erarbeitende Fachwissen.
Daraufhin werden nach wissenschaftlichen Methoden Informationen gesucht, um die
aufgestellten Hypothesen zu verifizieren, bzw. falsifizieren; gegebenenfalls können nach
aktivem Studium des Stoffes neue Arbeitshypothesen aufgestellt, und somit eine weitere
Annäherung an die Problemlösung erreicht werden. Die Gruppe überprüft dabei kontinuier-
lich, ob die Auseinandersetzung mit dem Lernstoff tatsächlich zu den festgelegten Lern-
zielen führt, und erhält somit die Möglichkeit einer selbstevaluierten Fortschrittskontrolle.

Erster Teil
14
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Den Abschluss der Gruppenarbeit bildet ein Bericht oder eine Präsentation, mit dem Ziel,
Vollständigkeit und Stringenz der Problemlösung zu überprüfen und Lerninhalte zu
verfestigen.
Diese Form des Lernens stellt besondere Anforderungen an die Lernenden. Diese
müssen ,,bereit sein, sich auf Diskussionen und gemeinsames Arbeiten einzulassen,
selbstständig Informationen zu beschaffen und fächerübergreifend zu denken."
37
Neben
kommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten muss der Lernende über Selbstdiziplin
verfügen, insbesondere, wenn individuelle Schwächen nicht durch die Gruppendynamik
abgefedert werden; das Selbststudium stellt beim PBL jedoch einen Sonderfall dar.
Die Lösungssuche, Informationsbeschaffung und ­verarbeitung liegt also in der Ver-
antwortung der Studierenden; die Verantwortung für den Lernerfolg trägt jedoch, analog zu
den konventionellen Unterrichtsformen, der Lehrende. Dieser bestimmt das Thema des
jeweiligen PBL-Blocks, bzw. des Curriculums, gemäß der Lehrpläne, Studienordnung etc.,
erstellt die zu bearbeitende Fallstudie, übernimmt die Gruppeneinteilung und stellt Literatur
und Hilfsmittel bereit. Diese Aufgaben stehen in starker Abhängigkeit zum jeweiligen Fall
und sind daher, im Extremfall individuell auf jede Gruppe, bzw. jeden Studierenden abge-
stimmt, intensiv vorzubereiten. Feste Aufgabenbestandteile der Lehrenden sind die Betreu-
ung und Strukturierung der Gruppenprozesse, um Fehlentwicklungen zu vermeiden und
den Lernerfolg zu gewährleisten, ohne jedoch in die Gruppendynamik störend einzugreifen.
Weitere Voraussetzung ist das Vorhandensein einer unterstützenden Lernumgebung
bzw. Infrastruktur der Institution, um den Lernenden eine grosse Auswahl an Lernmaterial,
das zur Informationsbeschaffung notwendig ist, zur Verfügung zu stellen. Dies betrifft vor
allem Literatur, Computerarbeitsplätze mit Internetzugang, audiovisuelle Medien,
Räumlichkeiten etc.; beim Erstellen von Fragebögen oder der Vorbereitung zur Durch-
führung von Interviews soll der Studierende die Möglichkeit haben, individuell Hilfe
anzufordern. Dies gilt insbesondere dann, wenn den Lernenden im Verlauf der
Problemlösung kein Tutor zur Verfügung steht, der unterstützend und beratend den
Lernprozess begleitet. Dieser Sonderfall ist ist vor allem bei innerbetrieblicher Fortbildung
oder dem sogenannten ,e-learning', dem Fernstudium denkbar.
37
Brezowar, G. und Mair, M. (2003): Neue Wege im Lernen und Lehren im Bakkalaureatsstudium
für Tourismus-Management. Österreichische Fachhochschulkonferenz, S. 13

Kapitelübersicht
15
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Zweiter Teil
2.1 Finanzwirtschaft und Investitionsprozess
2.2 Ansätze zur Integration des Investitionsprozesses
2.3 Groblernziele und inhaltlicher Rahmen
2.4 Ausgangssituation der Druckbranche
2.5 Vorstellung der Musterunternehmen
,,Eine Investition in Wissen
bringt immer noch die besten Zinsen!"
Benjamin Franklin
amerikanischer Politiker, 1706-1790

Zweiter Teil
16
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
2.1 Finanzwirtschaft und Investitionsprozess
Die Begriffe Investitionswirtschaft und Finanzwirtschaft sind untrennbar miteinander
verbunden. Unter Investition wird nach Löffelholz
38
,,die Umwandlung von Geldkapital in
werbendes Unternehmensvermögen" verstanden. Neben diesem vermögensbestimmten
Investitionsbegriff gibt es den zahlungsbestimmten Investitionsbegriff nach Schneider
39
, der
durch den ,,Strom von Auszahlungen" gekennzeichnet ist, ,,der durch die in Verbindung mit
einem Produktionsprozess erfolgenden Käufe hervorgerufen wird".
Der Begreiff Finanzwirtschaft wird in der Literatur nicht einheitlich beschrieben, in der
Regel definiert er sich über die verfolgten finanzwirtschaftlichen Ziele
40
. Im weiteren Sinne
sind dies Risikomanagement, Finanzmarketing und Finanzorganisation. Häufig werden
Finanzwirtschaft und Finanzierung gleichgesetzt, was für die vorliegende Arbeit hinrei-
chend genau ist, sofern darunter die Summe aller Kapitaldispositionen im Leben eines
Unternehmens verstanden werden, also die Gestaltung betrieblicher Zahlungsströme mit
em Ziel, die unternehmerische Unabhängigkeit zu wahren, die Liquidität des Unterneh-
mens zu gewährleisten und Kapital für Investitionen jeglicher Art bereitzustellen.
Eine weitere, stark vereinfachende Sichtweise verdeutlicht die Verflechtung der beiden
Bereiche: Bei einer Bilanz repräsentieren die Passiva die Kapitalherkunft bzw. die Finan-
zierung, während die Aktiva die Kapitalverwendung, also die Investitionen darstellen. Doch
während die Bilanz durch den statischen Vergleich zweier Zustände charakterisiert ist,
sollten Investitionsvorhaben und deren Finanzierung als Prozess betrachtet werden. Ein
solcher Prozess ist nach Olfert
41
typischerweise durch folgenden Ablauf geprägt:
Zunächst erfolgt die Festlegung der gewünschten Investitionen durch Annahme der
Investitionsanträge. Dann wird im Rahmen der Investitionsplanung der Investitionsbedarf
analysiert, und die bestehenden Handlungsalternativen beurteilt. Daraus resultiert ein Ka-
38
Löffelholz, Josef (1967): Repetitorium der Betriebswirtschaftslehre. Betriebswirtschaftlicher Verlag
Gabler. S. 9
39
Schneider, Erich (1973): Wirtschaftlichkeitsrechnung. Theorie der Investition. Mohr Siebeck, Tübingen
S. 31
40
Vgl. Steiner, M. und Kölsch, K. (1989): Finanzierung. Zielsetzungen, zentrale Ergebnisse und
Entwicklungsmöglichkeiten der Finanzierungsforschung. DBW. S. 20
41
Vgl. Olfert, Klaus (2001): Investition. Kompendium der praktischen Betriebswirtschaft. Friedrich Kiehl
Verlag,

Zweiter Teil
17
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
pitalbedarf, der in der Finanzplanung ermittelt wird. Kann dieser Bedarf nicht durch das
Innenfinanzierungspotential gedeckt werden, müssen durch Analyse des Geld- bzw.
Kapitalmarkts Finanzierungsmöglichkeiten generiert werden. Im Anschluss werden im Rah-
men der Finanzplanung bzw. des Zahlungsverkehrs Einzahlungen und Auszahlungen
geplant und abgewickelt.
2.2 Ansätze zur Integration des Investitionsprozesses
Die folgenden theoretischen Ansätze sollen zur Einordnung des Themenbereichs Finanz-
wirtschaft und Investitionsprozess in die betriebliche Unternehmung dienen:
2.2.1 Faktortheoretischer Ansatz
Der faktortheoretische Ansatz beschreibt den betrieblichen Prozess, aufbauend auf der
Mikroökonomie als Kombination der Produktionsfaktoren. Unter diesen versteht man die
Elementarfaktoren Betriebsmittel, Rohstoffe und Arbeit, und auf dispositiver Ebene
Planung, Steuerung, Organisation, Personalführung und Kontrolle. Dabei ist es die
Aufgabe des dispositiven Faktors, eine ,,optimale Gestaltung der Elementarfaktoren"
42
, also
eine bestmögliche Beziehung zwischen Faktoreinsatz und Faktorertrag, zu erreichen. Der
faktortheoretische Ansatz der Betriebswirtschaftslehre geht zurück auf Erich Gutenberg,
der als erster einen ganzheitlichen betriebswirtschaftlichen Ansatz entwickelt hat. In den
letzten Jahrzehnten sind verschiedene weiterführende und modifizierte Ansätze entwickelt
worden, die die aktuellen Anforderungen, z.B. die Ökologie, mit einbeziehen.
2.2.2 Entscheidungstheoretischer Ansatz
Der zentrale Kern dieses Ansatzes ist der, auf der Entscheidungstheorie aufbauende
Entscheidungsprozess. Dabei wird von der gegebenen Situation des Unternehmens
ausgegangen und anhand dessen versucht, die bestmögliche Entscheidung unter den zur
Verfügung stehenden Alternativen zu finden, um in der Konsequenz die angestrebten
Unternehmensziele zu realisieren. ,,Im Zentrum stehen Probleme und ihre Lösungen, Ziele
42
Hopfenbeck, W.: Allgemeine Betriebswirtschafts- und Managementlehre, 10. Aufl., Landsberg/Lech
S. 14

Zweiter Teil
18
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
und Zielerreichungsmittel. Alle Überlegungen zur Lösung von Problemen beziehen sich auf
eine Ausgangssituation und auf eine künftige Situation."
43
Als Entscheidung gilt hierbei der
gesamte Prozess vom Erkennen und Analysieren des Problems über die Suche nach
Handlungsmöglichkeiten und ­alternativen, der Auswahl der günstigsten Handlungsweise
bis hin zur Umsetzung und Kontrolle.
44
Dabei kann und soll der Entscheidungsprozess den
jeweils veränderten Situationen angepaßt werden. Somit ist der entscheidungstheoretische
Ansatz vorrangig am Ist-Zustand orientiert.
In Abhängigkeit von Entscheidungsträger, Entscheidungssubjekt und Entscheidungs-
feld, bzw. den Alternativen und Konsequenzen der Entscheidung lassen sich folgende
Merkmale unterscheiden:
x Zielentscheidungen und Zielerreichungsentscheidungen
x Entscheidungen bei einem oder mehreren Zielen
x Individual- und Kollektiventscheidungen
x Zentrale und dezentrale Entscheidungen
x Führungs- und Bereichsentscheidungen
x Selbst- und Fremdentscheidungen
x Gelegentliche und laufende Entscheidungen
x Nicht-programmierbare und programmierbare Entscheidungen
x Kurz-, mittel- und langfristige Entscheidungen
x Entscheidungen unter Sicherheit, Risiko und Unsicherheit
x Strukturierte und unstrukturierte Entscheidungssituationen
x Simultane und sukzessive Entscheidungen
2.2.3 Systemtheoretischer Ansatz
Nach Ulrich ist der systemtheoretische Ansatz ,,auf das Erkennen von Zusam-
menhängen und von vielgliedriger Ursache-Wirkung-Beziehungen ausgerichtet, und
deshalb für das Erfassen der komplexen Vorgänge in Unternehmen besonders geeignet.
Er wirkt unzweckmässígen isolierenden Betrachtungen entgegen und führt zu einer
Aufdeckung bisher unbekannter Zusammenhänge"
45
.
43
Specht, G.: Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 2. Auflage, Stuttgart 1997, S. 32
44
Vgl.: Hopfenbeck, W. (1996): Allgemeine Betriebswirtschafts- und Managementlehre, 10. Aufl.,
Landsberg/Lech, S. 39
45
Ulrich, H. (2001): Systemorientiertes Management. Bern. Bd.1 S. 172

Zweiter Teil
19
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Die systemtheoretische Sichtweise der Unternehmung versucht also Erkenntnisse
anderer Fachdisziplinen über Systeme auf die Unternehmung zu übertragen. Das Unter-
nehmen wird als System angesehen, das aus einer Menge von Elementen besteht,
zwischen denen eine meist dauerhafte Beziehung herrscht. Das Unternehmen seinerseits
ist in seine Umgebung eingebunden, es ist ein Subsystem der Gesellschaft: Absatz-,
Arbeits-, Beschaffungsmärkte oder Politik, Rechtsprechung etc.
Kybernetische Systeme bezeichnen offene Verhaltenssysteme, die in der Lage sind,
,,Störungen im Rahmen von Steuerungs- und Regelungsprozessen zu kompensieren, so
dass das System selbsttätig in den Bereich der zulässigen Abweichungen zurückkehrt"
46
.
Die Unternehmung läßt sich also als kybernetisches System bezeichnen, das nach gleich-
gewichtsstörenden Ereignissen unter Zuhilfenahme von auf dem Prinzip der Rückkopplung
basierenden Regelkreisen versucht, wieder in einen neuen Gleichgewichtszustand zurück-
zukehren. Kybernetische Systeme sind somit am Soll-Zustand orientiert und finden in der
Praxis vor allem im Bereich des operativen Controlling Anwendung.
2.2.4 Instrumentaler Ansatz
Unter dem instrumentalen Ansatz werden alle Hilfsmittel, Techniken und Verfahren
verstanden und zusammengefasst, die im Bereich der Investitions- und Finanzwirtschaft
Anwendung finden. Diese lassen sich anhand der folgenden Anwendungsbereiche
klassifizieren:
x Investitionsrechnungen
x Analyseinstrumente
x Wirtschaftlichkeitsrechnungen
x Kennzahlenermittlung
x Kosten- und Leistungsrechnung
x Steuerliche und bilanzielle Betrachtungen
x Instrumente zur Unternehmensbewertung
46
: Wöhe, G.: Einführung in die allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 19. Aufl., München. S. 73f

Zweiter Teil
20
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
2.3 Groblernziele und inhaltlicher Rahmen
Bei der Annäherung an das Thema durch Fallstudien müssen aber auch Aspekte und
Bereiche weiterer Lernfelder einbezogen werden, da nur ein interdisziplinärer Ansatz das
Thema praxisnah und vollständig erfassen kann. Daher fügen sich im folgenden auch In-
halte der Betriebswirtschaft, der Produktionsplanung und -steuerung, oder der Kosten- und
Leistungsrechnung u.w.m. ein; alle berücksichtigten Inhalte lassen sich in Form von Grob-
lernzielen auf drei wesentliche Felder aufteilen:
Investitionsplanung:
Investitionsentscheidungen müssen oftmals bei einem hohen Maß an Unsicherheit
getroffen werden. Daher sollen im Rahmen des Risikomanagement mögliche Gefahren
erkannt und nach Möglichkeit eliminiert werden, bzw. müssen Korrekturverfahren und Be-
grenzungsfaktoren angewendet werden. Zum systematischen Erarbeiten und Visualisieren
der verschiedenen Handlungsalternativen werden Entscheidungsbäume herangezogen.
Aus den generierten Alternativen sollen wirtschaftliche, technische, soziale und rechtliche
Bewertungskriterien abgeleitet werden.
Zur Planung von Investitionen ist es entscheidend, wann eine Anlage durch eine neue
zu ersetzen ist. Das Ersatzproblem stellt eine Schnittmenge mit der Investitionsrechnung
dar. Die Auswirkungen eines Investitionsvorhabens auf das Umlaufvermögen in Form von
Bestandsveränderungen oder höheren Forderungen sollen ebenfalls in entsprechende Pla-
nungen einfliessen.
Zudem spielen die Auswirkungen auf vor- und nachgelagerte Produktionsbereiche eine
Rolle auf dem Weg zur Erstellung eines Investitionsprogramms: Für einen bestimmten
zukünftigen Zeitraum sollen alle Investitionen unternehmensweit erfasst werden. Dabei
werden Ersatz-, Erweiterungs- und Zwangsinvestitionen unterschieden, Abschreibungs-
gegenwerte berechnet, der Kapitalbedarf und die Finanzierungsquote ermittelt.
Investitionsrechnung:
Grundsätzlich wird zwischen statischen und dynamischen Methoden der Investi-
tionsrechnung unterschieden, deren Möglichkeiten und Grenzen erkannt werden sollen.
Hauptziel der statischen Verfahren ist die Lösung des Auswahlproblems durch Vergleich
und Bewertung verschiedener Handlungsalternativen.

Zweiter Teil
21
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Dabei ergeben sich häufig Unterschiede in der Höhe der Kapitalbindung, weshalb die
entsprechende Differenzinvestition Berücksichtigung finden muss; weiterhin muss zwi-
schen erlösneutralen und erlösändernden Investitionen unterschieden werden. Diese
Rückflüsse in Form von Erträgen über die Nutzungsdauer, zuzüglich des Restwertes,
entsprechen dem Deinvestiotionsprozess, der dem Investitionsprozess immer gegenüber
steht.
Der wesentliche Unterschied der dynamischen Methoden ist die Berücksichtigung der
zeitlichen Komponente: Die Auswirkungen der Zahlungsreihen auf Kapitalbedarf, Liquidität
sollen analysiert, und die Prüfung der Vorteilhaftigkeit um dieses zeitliche Kriterium erwei-
tert werden.
Finanzwirtschaft und Controlling:
Bei der Fremdfinanzierung eines Investitionsvorhabens stehen mehrere Möglichkeiten
offen: weitverbreitet ist der Kredit; die Vorteile und besonderhei der gängigen Kreditarten
sollen einander gegenüber gestellt werden. Insbesondere sollen die Finanzierungsformen
Kredit und Leasing verglichen werden.
Die Finanzierung mit verschiedenen Kapitalarten und Fristigkeiten sowie deren Aus-
wirkungen auf die Kapitalstruktur sind Augenmerk des Finanzcontrollings und Bestandteile
eines Finanzplans. Bei der Fremdfinanzierung ist zudem der Leverage-Effekt zu beachten.
Die Wahrung der Liquidität ist eines der obersten Unternehmensziele. Die auch im
Cash-Management bekannten Liquiditätsrechnungen und -kennzahlen sind im Rahmen
des operativen Finanz- und Investitionscontrolling praktisch anzuwenden. Ziel der Kenn-
zahlen und Kennzahlensysteme sind Nutzwertrechnungen, die Sicherung Unternehmens-
potentials, Erhalt der Unternehmenssubstanz, bzw. Verhindern eines Substanzverlustes
etc. Hieraus soll eine Zielhierarchie abgeleitet werden.
Die Innenfinanzierung bzw. die Finanzierung aus Abschreibungsgegenwerten soll der
Fremdfinanzierung gegenübergestellt und abgegrenzt werden. Analog zur Außenfi-
nanzierung sollen ebenfalls Instrumente und Überlegungen des operativen und
strategischen Finanzcontrolling Anwendung finden. Zudem sind die steuerlichen Einflüsse
zu beachten.

Zweiter Teil
22
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
2.4 Ausgangssituation der Branche
Die Druckbranche ist wie kaum ein anderer Industriezweig fortwährend umwälzenden
Veränderungen ausgesetzt. Erst in den 1970er Jahren verdrängte der Fotosatz den Blei-
satz, was dem Offsetdruck den Aufstieg ebnete. Im folgenden Jahrzehnt hielt das Desktop-
Publishing durch die rasante Entwicklung in der Informationstechnologie Einzug in Medien-
unternehmen und deren Kunden. In den Neunzigern revolutionierten das Internet und die
neuen Medien die Branche: die Industriegesellschaft, die eigentlich eine Produktionsgesell-
schaft ist, orientiert sich zur Dienstleistungsgesellschaft.
Folglich sind die Vorzeichen dieser Dekade nicht technischer Natur: Die Branche
kämpft mit den Auswirkungen der Globalisierung, mit Überkapazitäten und dem daraus
resultierendem Preisverfall. Die bisherige Strategie, durch Investitionen in immer pro-
duktivere Betriebsmittel Wettbewerbsvorteile zu erlangen, scheint ausgereizt zu sein,
zudem vielfach die Effektivität mit der sprunghaft steigenden Effizienz nicht mithalten
konnte: Konzepte, wie Eliminierung von unwirtschaftlichen Produktgruppen, Speziali-
sierung auf rentable Kompetenzen, Wachstum entlang der Wertschöpfungskette oder
Entwicklung neuer Dienstleistungen, fehlen vielerorts, um sich auf die gegebene Situation
einzustellen.
Dies liegt sicherlich auch an den Strukturen der Branche: 84,7 Prozent
47
der Betriebe
beschäftigen weniger als zwanzig Mitarbeiter. Von diesen Beschäftigten entfällt eine
Mehrheit auf das technische Personal in den Bereichen Vorstufe, Druck und Druckwei-
terverarbeitung, Einkauf, Lager und den Vertrieb. Dies hat zur Folge, dass eine Mehrzahl
der Unternehmen nicht über ein eigenes Rechnungs- bzw. Personalwesen, Controlling etc.
verfügen, so dass diese Aufgaben einer dünnen Führungsspitze zufallen, die -in der Regel-
bereits eine grosse Leitungsspanne bewältigen muss. Darunter leiden häufig die Planungs-
und Bewertungsperioden des Investitionsprozesses, was eine optimale Investitionsent-
scheidung unmöglich macht.
47
Alle Zahlen entnommen aus: Bundesverband Druck und Medien e.V. (2004): Die deutsche Druckindustrie
in Zahlen.bvdm, Wiesbaden

Zweiter Teil
23
Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben - Fallstudien nach der PBL-Methodik
Demzufolge hinkt die Druckindustrie auch beim Produktionsindex der Gesamtindustrie
hinterher: im Jahr 2001 betrug der Rückstand 4,5 Prozent
48
, im Jahr 2003 sind es schon
11,4 Prozent, bezogen auf das Basisjahr 2000. Im gleichen Zeitraum sinken die Brutto-
investitionen um etwa 27 Prozent; die Investitionsquote sinkt dementsprechend um 1,5
Prozent und liegt nun bei 5,4 Prozent. Dieser Rückgang kann einerseits mit den pes-
simistischen Zukunftsaussichten der Branche erklärt werden, andererseits bringt er das
Fehlen von Eigenkapital, den zu hohen Verschuldungsgrad zum Ausdruck, bzw. sagt aus,
dass aus den Erlösen keine Abschreibungsgegenwerte gebildet werden können.
Dabei verteilt sich der Rückgang der Umsatzerlöse von sieben Prozent im Jahr 2003,
bezogen auf das Vergleichsjahr 2000, keineswegs gleichmässig auf alle Produktgruppen:
Umsatz
Periode
Veränderung
in Mio. Euro
2001
2003
in %
Geschäftsdrucksachen
2.569
2.099
-18,3%
Zeitungen
2.001
1.764
-11,8%
Werbedrucksachen
6.172
5.551
-10,1%
Bücher
1.163
1.055
-9,3%
Zeitschriften
2.100
1.972
-6,1%
Kalender u. Bilddrucke
422
468
10,9%
Etikettendruck
859
946
10,1%
...
...
...
...
Summe Druckerzeugnisse
16.662
15.220
-8,7%
Druckvorstufe
895
988
10,4%
Weiterverarbeitung
732
814
11,2%
...
...
...
...
Sume aller Erzeugnisse
und Leistungen
18.289
17.022
-6,9%
Daher ist die Betrachtung der abgedeckten Produktpalette im Rahmen der Positionier-
ung unerlässlich. Man unterscheidet dabei wie folgt
49
:
Die ,Gefährdeten' sind Druckprodukte, die vom Aussterben oder von Substitution
betroffen sind. Dies betrifft insbesondere Lexika und andere Nachschlagewerke, da deren
Informationen auf CD-ROM leichter abfrufbar, bzw. über Internet einfach zu aktualisieren
48
Alle Zahlen entnommen aus: Bundesverband Druck und Medien e.V. (2004): Die deutsche Druckindustrie
in Zahlen.bvdm, Wiesbaden
49
Vgl. Finkbeiner, Gerd und Matt, Bernd Jürgen (2000): Waypoints. Zukunftspotentiale der Druckindustrie.
Internationale Senefelder Stiftung, Offenbach
Abbildung 2.4.1 Veränderung des Gesamtumsatzvolumens der
Druckindustrie
Ende der Leseprobe aus 149 Seiten

Details

Titel
Investitions- und Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben
Untertitel
Fallstudien nach problem-based learning-Methoden
Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1.7
Autor
Jahr
2005
Seiten
149
Katalognummer
V186017
ISBN (eBook)
9783869439693
Dateigröße
1109 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
investitions-, finanzwirtschaft, medienbetrieben, fallstudien, pbl-methodik
Arbeit zitieren
Markus Hohbach (Autor), 2005, Investitions- und Finanzwirtschaft in klein- und mittelständischen Medienbetrieben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186017

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