[...] Das Ziel dieser Arbeit ist, neben dem Aufzeigen der theoretischen
Wirkungszusammenhänge, die empirische Überprüfung der unterschiedlichen
Kausalzusammenhänge der Forschungsrichtungen anhand von Kantonsdaten. Dabei
wird die normative Frage der Gerechtigkeit der Einkommensungleichheit nicht
berücksichtigt, vielmehr wird das Augenmerk auf die Wirkungsbeziehung zwischen
Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum gelegt. Daher liefert Kapitel 2 zuerst einen kurzen Überblick über die Verteilungsdynamik, bevor auf die beiden
hauptsächlichen Forschungsrichtungen und weitere Theorien über den
Zusammenhang zwischen den beiden Variablen näher eingegangen wird. Der eine
Forschungsstrang, geprägt durch Kuznets (1955), versucht den Effekt von
Wirtschaftswachstum auf die Einkommensverteilung aufzudecken und zu
systematisieren. Der andere beschäftigt sich mit dem umgekehrten
Kausalzusammenhang und untersucht die Effekte von ursprünglicher Ungleichheit
auf das Wachstum der Folgeperioden durch verschiedenste Einflusskanäle. Werden
beide Stränge zusammengeführt ergibt sich eine Wechselwirkungsbeziehung.
Während in Kapitel 3 einige internationale Studien vorgestellt werden, die auf
länderübergreifenden Querschnitt- bzw. Paneldaten beruhen, widmet sich Kapitel 4
der empirischen Analyse der Verhältnisse in der Schweiz zwischen 1979/1980 und
1999/2000.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Verteilungsdynamik und theoretische Wirkungsrichtungen
2.1 Konvergenzkonzepte und Verteilungsdynamik im 20. Jahrhundert
2.2 Wachstum beeinflusst die Einkommensverteilung
2.2.1 Kuznets „U-Curve Hypothesis (UCH)“
2.2.2 Empirische Befunde zur UCH
2.3 Wirtschaftswachstum
2.3.1 Das neoklassische Solow-Modell und konvexe Sparfunktionen
2.3.2 Endogene Wachstumstheorie
2.3.3 Humankapital und Wirtschaftswachstum
2.4 Einfluss der Einkommensverteilung auf das Wachstum
2.4.1 Politökonomischer Ansatz
2.4.2 Die Rolle von Kapitalmarktimperfektionen
2.4.3 Soziopolitische Instabilität, Industrialisierungsprozess und weitere Einflusskanäle
2.5 Interdependenz zwischen Einkommensverteilung und Wachstum
2.5.1 Humankapital als intervenierende Variable
2.6 Redistribution
2.6.1 Umverteilung, Produktionsmöglichkeiten und Wachstum
2.6.2 Anreizeffekte bei Umverteilungsaktivitäten
2.7 Bildungspolitik als Wachstums- und Verteilungspolitik
3 Empirische Analysen
3.1 Internationale Querschnittsvergleiche
3.2 Studien mit Panel-Daten
4 Empirische Analyse in der Schweiz
4.1 Funktionale Abhängigkeiten
4.2 Operationalisierung und Datenqualität
4.3 Datenanalyse Gini-Koeffizient und Volkseinkommen
4.4 Ergebnisse
4.4.1 Determinanten der Ungleichheit
4.4.2 Determinanten des Wirtschaftswachstums
5 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Wechselwirkungsbeziehung zwischen Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit theoretische Kausalzusammenhänge, wie die Kuznets-Hypothese oder Einflüsse von Kapitalmarktimperfektionen, anhand von kantonalen Daten für die Schweiz empirisch nachweisbar sind.
- Theoretische Grundlagen zur Interdependenz von Wirtschaftswachstum und Einkommensverteilung.
- Analyse von Einflusskanälen wie Kapitalmarktimperfektionen, soziopolitischer Instabilität und Bildungspolitik.
- Empirische Überprüfung des Forschungsstands mittels internationaler Querschnitts- und Panelstudien.
- Durchführung einer eigenen empirischen Analyse der Verhältnisse in den Schweizer Kantonen zwischen 1979/1980 und 1999/2000.
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Kuznets „U-Curve Hypothesis (UCH)“
Simon Kuznets untersuchte in seiner Arbeit, welche die Literatur zum diesem Thema stark beeinflusst hat, hauptsächlich die langfristigen Veränderungen der personellen Einkommensverteilung. Seine zentrale Forschungsfrage lautete: „Does inequality in the distribution of income increase or decrease in the course of a country’s economic growth?“ (Kuznets 1955, S. 1).
Wie oben bereits erwähnt, stellt Kuznets für den Anfang des 20. Jahrhunderts eine Tendenz zur Gleichverteilung der Einkommen fest. Erwartet hatte er hingegen eine stetige Zunahme der Ungleichheit, da er einerseits eine Konzentration der Sparer im obersten Dezil feststellte und andererseits die Wandlung von der Subsistenzwirtschaft zur Industrialisierung und Urbanisierung weitere Ungleichheiten bringe. Die Konzentration der Sparer stellt insofern ein Problem dar, weil fast ausschliesslich diese eine Einkommensgruppe von Kapitaleinkommen profitiert und dieses auch wieder anlegen und reinvestieren kann. Es entsteht ein kumulativer Effekt der dem obersten Dezil der Verteilung einen immer grösser werdenden Anteil am totalen Einkommen bringt. Zur fortschreitenden Urbanisierung ist gemäss der Argumentation von Kuznets anzumerken, dass die Pro-Kopf-Einkommen in peripheren Gebieten tiefer aber ausgeglichener sind als in urbanen. Wenn nun eine Verschiebung hin zu urbanen Regionen stattfindet, wird die ungleichere Komponente der Verteilung gestärkt. Zudem nimmt die Produktivität in urbanen im Vergleich zu ruralen Regionen stärker zu, was mit einer weiteren Steigerung der Ungleichheit verbunden ist (vgl. Kuznets 1955, S. 7f.). Kuznets konnte seine theoretischen Argumente aber nicht empirisch stützen, stellte er doch eine zunehmende Gleichverteilung fest und formulierte als Resultat der Datenanalyse und theoretischen Überlegungen die UCH, welche einen Zusammenhang in invertierter U-Form postuliert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert, dass der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Ungleichheit empirisch komplex und kausal nicht eindeutig zu klären ist, weshalb das Ziel der Arbeit die Überprüfung anhand von Kantonsdaten ist.
2 Verteilungsdynamik und theoretische Wirkungsrichtungen: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über theoretische Ansätze, insbesondere die Kuznets-Hypothese, Wachstumsmodelle sowie die Wirkungsweise von Humankapital, Redistribution und Bildungspolitik auf Verteilung und Wachstum.
3 Empirische Analysen: Hier werden internationale Querschnitts- und Panelstudien vorgestellt, die den Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen Einkommensungleichheit und Wirtschaftswachstum beleuchten.
4 Empirische Analyse in der Schweiz: In diesem Kapitel wird eine eigene empirische Analyse für die Schweizer Kantone durchgeführt, wobei funktionale Abhängigkeiten spezifiziert, Daten operationalisiert und die Ergebnisse der Determinanten für Ungleichheit und Wachstum diskutiert werden.
5 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Interdependenzthese bestätigt werden konnte, wobei die Ergebnisse zeigen, dass in der untersuchten Zeitperiode ein positiver Zusammenhang zwischen Wachstum und Ungleichheit festzustellen ist.
Schlüsselwörter
Einkommensverteilung, Wirtschaftswachstum, Kuznets-Hypothese, Humankapital, Redistribution, Gini-Koeffizient, Kapitalmarktimperfektionen, soziopolitische Instabilität, Bildungspolitik, Kantonsdaten, Schweiz, Paneldaten, Einkommensungleichheit, Medianwählertheorem, Wohlstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum unter theoretischen Gesichtspunkten und prüft diese empirisch für Schweizer Kantone.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Kuznets-Hypothese, endogene und neoklassische Wachstumstheorie, der Einfluss von Kapitalmarktimperfektionen, Redistribution sowie die Rolle von Bildungspolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Überprüfung der Kausalzusammenhänge zwischen Wirtschaftswachstum und Einkommensverteilung anhand von Daten der Schweizer Kantone.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden ökonometrische Schätzmethoden, insbesondere gepoolte Zeitreihenregressionen (Panelanalyse) auf Kantonsdaten angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Verteilungsdynamik, internationale empirische Studien sowie die spezifische empirische Untersuchung für die Schweiz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter sind Einkommensverteilung, Wirtschaftswachstum, Gini-Koeffizient, Humankapital und Kapitalmarktimperfektionen.
Warum wird im empirischen Teil speziell der Kanton Schwyz betrachtet?
Der Kanton Schwyz wird als Ausreisser identifiziert, da er in der Periode 1999/2000 einen explosionsartigen Anstieg der Ungleichheit zeigt, der auf einen hohen Anteil an Spitzeneinkommen zurückzuführen ist.
Wie bewertet die Arbeit den Einfluss der direkten Demokratie?
Die Dummy-Variable zur direkten Demokratie erweist sich in den Schätzungen als insignifikant, obwohl tendenziell ein positiver Effekt auf das Wirtschaftswachstum erwartet wurde.
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- MScEc Michael Kiener (Autor), 2005, Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186038