Diese Arbeit setzt sich mit der Problematik auseinander, den Wertverzehr von Produktionsanlagen in der Kostenrechnung zu erfassen. Auf Grund der in nahezu allen Wirtschaftszweigen steigenden Anlagenintensität gewinnt der Wertverzehr von Produktionsanlagen für die Ermittlung der in einer Unternehmung für die Erstellung einer Leistung entstandenen Kosten eine immer größere Bedeutung. Dabei müssen sowohl der planmäßige als auch der außerordentliche Wertverzehr sowie die Ursachen für den Wertverzehr berücksichtigt werden. Weil die Kostenrechnung nicht an handels- und steuerrechtliche Vorschriften gebunden ist, stellt sich die Frage, an welchen Kriterien und Zielen die Kostenrechnung bei der Erfassung des Wertverzehrs stattdessen ausgerichtet wird. Des Weiteren wird in dieser Arbeit der Versuch unternommen, einen Vergleich zwischen der in der Literatur beschriebenen und in der kostenrechnerischen Praxis tatsächlich durchgeführten Vorgehensweise zur Erfassung des Wertverzehrs vorzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Ursachen für den Wertverzehr
2.1. Begriff
2.2. Technische Ursachen
2.3. Wirtschaftliche Ursachen
2.4. Rechtliche Ursachen
3. Kalkulatorische Abschreibungen in Folge planmäßigen Wertverzehrs
3.1. Abschreibungsmethoden
3.1.1. Nutzungsbedingte Abschreibung
3.1.2. Zeitbedingte Abschreibung
3.1.2.1. Merkmale
3.1.2.2. Abschreibung in konstanten Periodenbeträgen
3.1.2.3. Abschreibung in fallenden Periodenbeträgen
3.1.2.4. Abschreibung in steigenden Periodenbeträgen
3.1.3. Mischformen
3.2. Abschreibungssumme
3.3. Abschreibungszeitraum
4. Kalkulatorische Wagnisse auf Grund außerordentlichen Wertverzehrs
4.1. Begriff
4.2. Ermittlung der Wagniskosten
5. Empirische Ergebnisse zur Ansatzweise kalkulatorischer Abschreibungen und Wagnisse
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Problematik der Erfassung des Wertverzehrs von Produktionsanlagen in der Kostenrechnung. Dabei werden die theoretischen Grundlagen der planmäßigen und außerordentlichen Wertminderung beleuchtet und den in der Unternehmenspraxis tatsächlich angewandten Vorgehensweisen gegenübergestellt, um Defizite in der Aussagefähigkeit des internen Rechnungswesens aufzuzeigen.
- Systematisierung der Abschreibungsursachen (technisch, wirtschaftlich, rechtlich)
- Analyse verschiedener Abschreibungsmethoden und ihrer Eignung
- Bewertung von Herausforderungen bei der Schätzung der Abschreibungssumme und -dauer
- Integration kalkulatorischer Wagnisse zur Erfassung außerordentlicher Wertverluste
- Empirischer Abgleich zwischen betriebswirtschaftlicher Theorie und betrieblicher Praxis
Auszug aus dem Buch
2.2. Technische Ursachen
Bei den technischen Abschreibungsursachen wird zunächst zwischen gewöhnlichem und außergewöhnlichem Verschleiß unterschieden. „Unter Verschleiß versteht man den körperlichen Werteverzehr von materiellen Anlagegütern. Merkmale des Verschleißes sind erhöhte Reparaturanfälligkeit, erhöhte Wartungsbedürftigkeit, langsameres Arbeiten, erhöhter Ausschuss, verminderte Präzision.“ Der gewöhnliche Verschleiß gliedert sich wiederum auf in Gebrauchsverschleiß, Ruheverschleiß und Substanzverringerung (Abbau). Die wichtigste dieser Verschleißarten ist der körperliche Wertverzehr durch Gebrauch. Die Abnutzung der Produktionsanlagen infolge des Gebrauchsverschleißes kann allmählich oder plötzlich eintreten und wird durch den Einsatz im Produktionsprozess verursacht. Ein Ruheverschleiß (natürlicher Verschleiß) liegt vor, wenn auch ohne Ingebrauchnahme der Anlagegüter eine Verringerung der Leistungsfähigkeit durch äußere Einflüsse auftritt. Naturvorgänge und Wettereinflüsse führen hierbei zu einem körperlichen Wertverzehr, der sich durch Verwitterung, Zersetzung, Rosten, Verdunstung, Fäulnis usw. bemerkbar macht. Bei Gewinnungsbetrieben (z.B. Bergwerke, Kies- und Sandgruben, Ölfelder, Steinbrüche) kommt es außerdem zum Verschleiß durch Substanzverringerung.
Der hierbei auftretende Abbau von Stoffvorkommen wird als Verschleißvorgang besonderer Art betrachtet. Der Ursachenkomplex des gewöhnlichen Verschleißes ist zu Beginn der Nutzungsdauer der Produktionsanlagen voraussehbar und kann in den kalkulatorischen Abschreibungen mit Hilfe der zeitlichen und der nutzungsbedingten Abschreibungsmethoden erfasst werden (s.a. Abschnitt 3.: Kalkulatorische Abschreibungen in Folge planmäßigen Wertverzehrs).
Ein außergewöhnlicher Verschleiß kommt beim Eintritt von Katastrophen (z.B. Explosionen, (Verkehrs-)Unfälle, Brände, Überschwemmungen) zustande. Dieser sogenannte Katastrophenverschleiß ist durch eine plötzliche und unvorhersehbare teilweise oder vollständige Zerstörung bzw. Wertminderung der betroffenen Produktionsanlagen gekennzeichnet. Bei einem (unversicherten) Katastrophenverschleiß stellt die Überleitung des Wertverzehrs „in die Berechnung der kalkulatorischen Wagniskosten das zweckmäßigste Vorgehen dar“ (s.a. Abschnitt 4.: Kalkulatorische Wagnisse auf Grund außerordentlichen Wertverzehrs).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung des Wertverzehrs von Produktionsanlagen dar und definiert die Zielsetzung der Arbeit sowie den Vergleich zwischen Theorie und Praxis.
2. Ursachen für den Wertverzehr: Das Kapitel systematisiert die verschiedenen Gründe für Wertminderungen in technische, wirtschaftliche und rechtliche Ursachen.
3. Kalkulatorische Abschreibungen in Folge planmäßigen Wertverzehrs: Hier werden die Methoden zur Erfassung planmäßigen Wertverzehrs (nutzungs- und zeitbedingt) sowie die Problematiken von Abschreibungssumme und -zeitraum detailliert analysiert.
4. Kalkulatorische Wagnisse auf Grund außerordentlichen Wertverzehrs: Das Kapitel erläutert, wie unvorhersehbare, außerordentliche Wertminderungen durch kalkulatorische Wagnisse in Durchschnittswerte transformiert werden.
5. Empirische Ergebnisse zur Ansatzweise kalkulatorischer Abschreibungen und Wagnisse: Dieser Teil präsentiert die Ergebnisse einer empirischen Erhebung zur Anwendung der diskutierten Methoden in der Praxis.
6. Resümee: Die Zusammenfassung bündelt die Erkenntnisse und diskutiert Möglichkeiten zur Verbesserung des internen Rechnungswesens durch eine konsequentere Anwendung der kalkulatorischen Verfahren.
Schlüsselwörter
Kostenrechnung, Produktionsanlagen, Wertverzehr, Abschreibungen, Nutzungsdauer, Wiederbeschaffungskosten, Anlagenwagnis, Verursachungsprinzip, Verschleiß, Substanzerhaltung, kalkulatorische Kosten, Leistungsabschreibung, Zeitabschreibung, Betriebsergebnis, Vorkalkulation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die Erfassung des Wertverzehrs von Produktionsanlagen in der Kostenrechnung und untersucht, wie verschiedene Arten der Wertminderung methodisch korrekt abgebildet werden können.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Systematisierung der Abschreibungsursachen, der Auswahl geeigneter Abschreibungsmethoden sowie der Berücksichtigung von Wagnissen bei außerordentlichem Wertverzehr.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der in der Theorie geforderten Erfassung des Wertverzehrs und der tatsächlichen Praxis in Unternehmen zu identifizieren und zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Neben einer theoretischen Analyse der gängigen Literatur zur Kostenrechnung nutzt die Arbeit die Ergebnisse einer empirischen Erhebung, um die Praxisrelevanz der theoretischen Ansätze zu verifizieren.
Welche Inhalte werden schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Darstellung von Abschreibungsverfahren (linear, degressiv, progressiv), die Behandlung der Abschreibungssumme und -dauer sowie die Kalkulation von Wagniskosten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie kalkulatorische Abschreibungen, Wiederbeschaffungswert, Anlagenwagnis, Verursachungsprinzip und Substanzerhaltung geprägt.
Warum ist das Verursachungsprinzip für die Abschreibung so wichtig?
Das Verursachungsprinzip fordert, dass die Abschreibung den tatsächlichen Wertverzehr möglichst genau widerspiegelt, um eine korrekte Periodenbelastung und Kostenkontrolle zu ermöglichen.
Wie unterscheidet sich der Katastrophenverschleiß von gewöhnlichem Verschleiß?
Während gewöhnlicher Verschleiß planmäßig und absehbar ist und über Abschreibungen erfasst wird, ist Katastrophenverschleiß zufällig und unvorhersehbar, weshalb er eher über kalkulatorische Wagniskosten abgebildet wird.
Was sind die häufigsten Gründe, warum Unternehmen von der theoretischen Lehrmeinung abweichen?
Unternehmen orientieren sich oft an den Anschaffungskosten, da diese weniger aufwendig in der Ermittlung sind und die in der Theorie geforderte wiederbeschaffungswertorientierte Abschreibung am Markt oft schwer durchsetzbar ist.
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- Holger Ladenthin (Author), 2002, Erfassung des Wertverzehrs von Produktionsanlagen in der Kostenrechnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186165