Die Unternehmensbesteuerung erfasst die steuerlichen Tatbestände der Unternehmen
jeder Rechtsform, ihr gegenüber steht die Haushaltsbesteuerung. Durch die
Globalisierung der Weltwirtschaft, die technologische Innovation und die Mobilität
der Finanz- und Sachmittel, ist es für Unternehmen leichter geworden, Investitionen
im Ausland zu tätigen. Die Unternehmensbesteuerung kann bei diesen
ausländischen Direktinvestitionen neben der Standortwahl eines Unternehmens ein
Entscheidungskriterium sein. Dadurch kann eine Änderung der Steuergesetzte ein
günstigeres Investitionsklima erzeugen. Angesichts der größten Steuerreform in der
Zweiten Republik, die zum 1.1.2005 vollständig umgesetzt wurde, haben sich die
Rahmenbedingungen für die Unternehmensbesteuerung in Österreich wesentlich
verändert.
1.2 Aufbau dieser Arbeit
Es erfolgt zuerst eine Einführung in das österreichische Steuersystem. Die zu
untersuchenden Steuern werden dargestellt und ihre Wirkung auf die
Unternehmensbesteuerung untersucht. Beim Vergleich mit Deutschland werden die
Besonderheiten der Besteuerung auf ihren positiven Einfluss für das
Investitionsklima bewertet.
1.3 Zielsetzung dieser Arbeit
Es soll herausgearbeitet werden, ob die Besonderheiten der
Unternehmensbesteuerung in Österreich im Vergleich zu Deutschland ein
günstigeres Investitionsklima schaffen können. Dazu werden zum einen die
Besonderheiten der Unternehmensbesteuerung dargestellt, anschliessend werden
diese bewertet. Im Rahmen dieser Arbeit wird nur die Besteuerung national tätiger
Unternehmen untersucht, die eine im Inland gelegene Betriebsstätte besitzen.[...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Bedeutung der Themenstellung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Zielsetzung dieser Arbeit
2. Darstellung der Rechtsformen und des österreichischen Steuersystems
2.1 Rechtsformen in Österreich
2.2 Steuersystem in Österreich
3. Unternehmensrelevante Steuern in Österreich
3.1 Einkommensteuer
3.2 Körperschaftsteuer
3.3 Gruppenbesteuerung
3.4 Umsatzsteuer
3.5 sonstige Steuerarten
3.5.1 Kommunalsteuer
3.5.2 Gesellschaftssteuer
3.5.3 Kapitalertragsteuer
4. Unternehmensbesteuerung national tätiger Unternehmen in Österreich
4.1 Gewinnermittlungsarten
4.2 Besteuerung von Gewinnen bei Kapitalgesellschaften
4.2.1 Besteuerung beim Unternehmen
4.2.2 Besteuerung beim Anteilseigner
4.3 Besteuerung von Gewinnen bei Personengesellschaften
4.3.1 Thesaurierter Gewinn
4.3.2 Gewinnausschüttung
4.3.3 Verluste
4.4 Besteuerung von Gewinnen bei Einzelunternehmen
4.5 Rechtsformwahl
5. Besonderheiten der Unternehmensbesteuerung in Österreich im Vergleich zu Deutschland
5.1 gesellschaftsformunabhängige Unternehmenssteuern
5.1.1 Umsatzsteuer
5.1.2 Grunderwerbssteuer, Kommunalsteuer und Dienstgeberbeitrag
5.1.3 Forschungsfreibetrag
5.2 Kapitalgesellschaften
5.3 Personengesellschaften
5.4 Tax Driver
5.4.1 Firmenwert
5.4.2 Vorräte
5.4.3 Investitionsbegünstigungen
5.4.4 Investitionsfreibetrag
5.4.5 Abschreibungsmöglichkeiten
5.4.5.1 Betriebsgebäude
5.4.6 Zuschreibungsmöglichkeiten
5.4.7 Rückstellungen
5.5 Messung der Steuerbelastung
6. Resümee
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung, ob die Besonderheiten der Unternehmensbesteuerung in Österreich im Vergleich zu Deutschland ein günstigeres Investitionsklima für national tätige Unternehmen schaffen können. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei auf die Bewertung steuerlicher Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf die Standortattraktivität.
- Analyse des österreichischen Steuersystems und relevanter Rechtsformen.
- Untersuchung der spezifischen Unternehmenssteuern und ihrer Bemessungsgrundlagen.
- Vergleichende Analyse der steuerlichen Belastung zwischen Österreich und Deutschland.
- Bewertung von "Tax Drivern" wie Abschreibungsmöglichkeiten und Investitionsbegünstigungen.
- Methodische Messung der Steuerbelastung mittels Kennzahlen (EMTR/EATR).
Auszug aus dem Buch
3.3 Gruppenbesteuerung
Bei der Gruppenbesteuerung werden die Gewinne der verbundenen Firmen beim Gruppenträger, der eine unbeschränkt steuerpflichtige Kapitalgesellschaft oder ein Versicherungsverein sein muss, saldiert und versteuert. Gruppenmitglieder können unbeschränkt steuerpflichtige Kapitalgesellschaften, Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, sowie nicht unbeschränkt steuerpflichtige ausländische Kapitalgesellschaften sein. Diese ausländischen Kapitalgesellschaften dürfen ausschließlich mit in Österreich unbeschränkt steuerpflichtigen Gruppenmitgliedern oder Gruppenträgern verbunden sein. Vorraussetzung für eine Gruppenbesteuerung ist eine Beteiligung am Unternehmen, von mehr als 50 % und eine Stimmrechtsmehrheit. Die Veranlagung zur Gruppenbesteuerung muss beim Finanzamt des Gruppenträgers beantragt werden. Der Verbleib in der Unternehmensgruppe muss mind. 3 Jahre betragen. Wird ein Unternehmen Gruppenmitglied, so kann es seinen Verlustvortrag mit in die Unternehmensgruppe einbringen und mit seinen kommenden Unternehmensgewinn zu 100 % verrechnen.
Gruppenträger kann eine Kapitalgesellschaft, Genossenschaft, Beteiligungsgemeinschaft, oder eine Zweigniederlassung einer EU (Europäische Union) und EWR (europäischer Währungsraum) Kapitalgesellschaft sein. Außergruppenverlustvorträge des Gruppenträgers können nur auf 75 % des Gewinnes angerechnet werden. Ein Gruppenträger kann aus zwei Gesellschaften, die dadurch eine Beteiligungsgemeinschaft bilden bestehen und gemeinsam über 50 % der Anteile an einem Unternehmen halten. Durch diese Regelung können auch Unternehmen, die nur über Minderheitenbeteiligungen verfügen, die Vorteile der Gruppenbesteuerung nutzen. Steuerneutral wirken sich Teilwertabschreibungen auf Beteiligung innerhalb der Unternehmensgruppe aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der Unternehmensbesteuerung im Kontext der Globalisierung und definiert das Ziel, die Auswirkungen des österreichischen Steuersystems auf das Investitionsklima zu bewerten.
2. Darstellung der Rechtsformen und des österreichischen Steuersystems: Hier werden die wesentlichen Rechtsformen in Österreich und die grundlegende Struktur des pluralistischen österreichischen Steuersystems dargestellt.
3. Unternehmensrelevante Steuern in Österreich: Das Kapitel behandelt die wichtigsten Steuerarten, darunter Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gruppenbesteuerung und Umsatzsteuer sowie weitere spezifische Steuern.
4. Unternehmensbesteuerung national tätiger Unternehmen in Österreich: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Methoden der Gewinnermittlung und deren spezifische Anwendung auf Kapitalgesellschaften, Personengesellschaften und Einzelunternehmen.
5. Besonderheiten der Unternehmensbesteuerung in Österreich im Vergleich zu Deutschland: Dieser Hauptteil vergleicht die steuerlichen Parameter beider Länder, diskutiert steuerbeeinflussende Faktoren (Tax Driver) und bewertet die Steuerbelastung mittels wissenschaftlicher Kennzahlen.
6. Resümee: Das Abschlusskapitel fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen und bewertet die Attraktivität des Standortes Österreich unter Berücksichtigung der Steuerreformen und der Gruppenbesteuerung.
Schlüsselwörter
Unternehmensbesteuerung, Österreich, Deutschland, Körperschaftsteuer, Einkommensteuer, Gruppenbesteuerung, Investitionsklima, Steuerbelastung, Gewinnermittlung, Rechtsformwahl, EMTR, EATR, Investitionsfreibetrag, Kapitalgesellschaft, Personengesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Besonderheiten der österreichischen Unternehmensbesteuerung und vergleicht diese mit den steuerlichen Rahmenbedingungen in Deutschland, um deren Auswirkungen auf das Investitionsklima zu beurteilen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören das österreichische Steuersystem, die verschiedenen Rechtsformen von Unternehmen, Methoden der Gewinnermittlung sowie ein konkreter Vergleich der Steuerbelastung zwischen Österreich und Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage ist, ob die steuerlichen Besonderheiten Österreichs, insbesondere im Vergleich zum deutschen Steuersystem, ein vorteilhafteres Investitionsklima schaffen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kasuistische Methode zur Darstellung und Analyse sowie eine quantitative Betrachtung mittels Kennzahlen wie der effektiven Grenzsteuerbelastung (EMTR) und der effektiven Durchschnittssteuerbelastung (EATR).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Steuern in Österreich, die Spezifika der Gewinnbesteuerung je nach Rechtsform sowie einen direkten Belastungsvergleich mit Deutschland inklusive der Analyse von Einflussfaktoren wie Abschreibungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Unternehmensbesteuerung, Standortattraktivität, Gruppenbesteuerung, Steuerbelastung, Körperschaftsteuer, Einkommensteuer sowie der direkte Rechtsvergleich Österreich-Deutschland.
Warum ist die Gruppenbesteuerung für Holding-Strukturen in Österreich so bedeutsam?
Die Gruppenbesteuerung ermöglicht den interkonzernalen Verlustausgleich, was sie für Holding-Strukturen hochattraktiv macht und den Standort Österreich für internationale Unternehmen begünstigt.
Welchen Einfluss haben die "Tax Driver" auf die Steuerbelastung?
Tax Driver sind Faktoren wie Abschreibungsmöglichkeiten und Investitionsbegünstigungen, die unabhängig vom nominalen Steuersatz die effektive Steuerlast und damit die Investitionsentscheidung eines Unternehmens maßgeblich beeinflussen.
Welche Rolle spielen EMTR und EATR im Steuervergleich?
Diese Kennzahlen werden zur quantitativen Messung der effektiven Steuerbelastung herangezogen, wobei die Arbeit kritisch anmerkt, dass sie bei linearen Steuersätzen weniger aussagekräftig sind als umfassendere Unternehmenssimulationen.
- Citation du texte
- Dipl. Betriebswirt (FH) Patrick W. W. Köstner (Auteur), 2006, Untersuchung der Besonderheiten der Unternehmensbesteuerung in Österreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186251