Mit dem Bundestagswahlkampf 2005 haben sich Weblogs als Bestandteil der Online-Kampagnen vieler Parteien etabliert. Die erheblichen Resonanzunterschiede zwischen den Blogs weisen darauf hin, daß nicht alle Parteien und Politiker mit ihren Formaten erfolgreich waren.
Die vorliegende Diplomarbeit basiert auf Material, welches im Rahmen einer Projektgruppe zur Bundestagswahl 2005 am Otto-Stammer-Zentrum von mir gesammelt wurde. Anhand von zuvor gebildeten Kategorien wurde eine Auswahl von Partei- und Politiker-Weblogs
inhaltsanalytisch ausgewertet. Dabei konnten u.a. auf der Basis einer statistischen Zusammenhangsanalyse verschiedene Bedingungen für die Resonanz der Weblogs ermittelt werden.
Ein weiteres Forschungsinteresse meiner Arbeit galt den Kommunikationsstrategien und Nutzenerwartungen der Wahlkampfstäbe in Bezug auf Kampagnen-Blogs. Zu diesem Zweck wurde ein Interview mit dem Koordinator des Online-Wahlkampfes der SPD geführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Forschungsstand und Fragestellung
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Politische Kommunikation von Parteien im Internet
2.1. Parteiorganisation und Parteienkommunikation – Merkmale und Bedingungen des Parteienwandels
2.2. Wahlkampfkommunikation im Wandel – Auf dem Weg zur “postmodernen“ Kampagne?
2.3. Zwischenfazit
3. Weblogs
3.1. Weblogs und Politikvermittlung – Ein Online-Format im Spannungsfeld zwischen demokratietheoretischen Vorstellungen und politisch-instrumentellen Nutzungsmöglichkeiten
3.2. Sind Weblogs wirklich neu? Anmerkungen zu einem Internet-Phänomen
3.3. Blogosphäre, Blogger, Blogpraktiken – Probleme der Strukturierung und Vermessung eines neuen Forschungsfeldes
3.4. Weblogs als Plattform politischer Kommunikation – Empirische Untersuchungen zur politischen Nutzung von Weblogs
3.5. Zwischenfazit
4. Material und Methode
5. Empirischer Teil
5.1. Bloggen im Bundestagswahlkampf 2005 – Eine inhaltsanalytische Auswertung von Parteien- und Politiker-Weblogs
5.2. Warum bloggen Parteien? Nutzenerwartungen und Kommunikationsstrategien im Hinblick auf Weblogs
5.3. Zwischenfazit
6. Zusammenfassung und Hypothesen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Nutzung von Weblogs durch deutsche Parteien und Politiker im Bundestagswahlkampf 2005. Ziel ist es zu analysieren, ob und wie Weblogs als Instrumente der Online-Wahlkampfkommunikation, der innerparteilichen Mobilisierung und der Beeinflussung der Medienagenda eingesetzt wurden, sowie die Diskrepanz zwischen demokratietheoretischen Erwartungen und der parteistrategischen Realität zu beleuchten.
- Modernisierung der Parteienkommunikation und "postmoderne" Kampagnenführung
- Struktur und Dynamik der politischen Blogosphäre in Deutschland
- Empirische Analyse der Weblog-Strategien der Bundestagsparteien
- Rolle von Weblogs für Mobilisierung, Personalisierung und Agenda-Building
- Konflikt zwischen strategischen Parteizielen und Anforderungen an den Dialog
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Parteien- und Politiker-Weblogs gehörten zu den hervorstechendsten Neuerungen im Online-Wahlkampf im Vorfeld der Bundestagswahl 2005. Nachdem Bundespräsident Horst Köhler am 21. Juli Neuwahlen angesetzt hatte, setzten fast alle Bundestagsparteien auf ihren Internetseiten interaktive, tagebuchähnlich Formate auf, die Lesern personalisierte Informationen oder authentisches Hintergrundwissen suggerierten und Interessierten die Möglichkeit zum Kommentieren gaben. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits einige Politiker die Initiative ergriffen und bloggten jenseits der offiziellen Parteien-Websites auf unabhängigen oder kommerziellen Plattformen wie wahlblog05.de bzw. Focus Online.
Weblogs, auch Blogs genannt, sind funktional erweiterte Internet-Tagebücher, die sich von den bisher in Wahlkämpfen genutzten Online-Formaten vor allem durch eine veränderte Medienlogik (höherer Aktualitäts- und Personalisierungszwang) sowie eine ausgeprägte Vernetzungstendenz unterscheiden (vgl. Coenen 2005, 3). Während Diskussionen in Foren oft auf die lokalen Seiten begrenzt bleiben, können in Weblogs aufgebrachte Themen regelrechte „Informationsepidemien“ (Adar u.a. 2004) auslösen. In den letzten Jahren sind in der so genannten “Blogosphäre“, der Gesamtheit verlinkter Weblogs, neben den etablierten Online-Medien neue Öffentlichkeiten und Informationsnetzwerke entstanden, die immer öfter als Quelle massenmedialer Berichterstattung dienen und in zunehmenden Maße eine Meinungsmacht darstellen (vgl. Sixtus 2005, 148ff.). Die Sozialwissenschaften haben Weblogs als Untersuchungsgegenstand spätestens seit dem US-Präsidentschaftswahlkampf 2004 entdeckt, welches sich in der stetig anwachsenden Zahl entsprechender Publikationen sowie in den zahlreichen Konferenzen und Tagungen, die sich mit dem Format auseinandersetzen, ausdrückt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von Weblogs im Bundestagswahlkampf 2005 ein und thematisiert den Wandel der Online-Wahlkampfkommunikation.
2. Politische Kommunikation von Parteien im Internet: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund der Parteienmodernisierung und die Entwicklung zur „postmodernen“ Wahlkampfkommunikation.
3. Weblogs: Hier wird der Forschungsstand zu Weblogs systematisiert, wobei sowohl demokratietheoretische Erwartungen als auch die praktische Nutzung im politischen Kontext analysiert werden.
4. Material und Methode: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen bei der Archivierung und Analyse der Parteien-Weblogs sowie die Nutzung eines Experteninterviews.
5. Empirischer Teil: Die empirische Auswertung bietet einen detaillierten Einblick in die Blog-Aktivitäten der Parteien und untersucht deren spezifische Kommunikationsstrategien im Wahlkampf.
6. Zusammenfassung und Hypothesen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und leitet Thesen über die Bedeutung von Weblogs für die moderne Parteienkommunikation ab.
Schlüsselwörter
Bundestagswahlkampf 2005, Weblogs, Politische Kommunikation, Parteienmodernisierung, Online-Wahlkampf, Blogosphäre, Agenda-Setting, Politische Partizipation, Strategische Kommunikation, Agenda-Building, E-Demokratie, Parteien, Wahlkampfkommunikation, Digitale Spaltung, Mobilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle und strategische Nutzung von Weblogs (Blogs) durch politische Parteien und Akteure im deutschen Bundestagswahlkampf 2005.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind der Wandel der Parteienkommunikation hin zur "postmodernen" Kampagne, die Funktionsweise der Blogosphäre, die strukturelle Analyse der Weblog-Nutzung durch Parteien sowie die Frage nach deren demokratischem Potential.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll analysiert werden, wie Parteien Weblogs in ihre Online-Kampagnen integrierten, ob sie damit ihre Abhängigkeit von klassischen Medien verringern konnten und ob die erwarteten deliberativen Effekte in der Praxis eintraten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit kombiniert eine inhaltsanalytische Auswertung der Weblog-Beiträge und Kommentare mit einem leitfadengestützten Experteninterview mit einem Online-Kampagnenkoordinator.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung von Weblogs im Kontext der Mediendemokratie sowie eine empirische Untersuchung der Weblog-Aktivitäten einzelner Parteien wie SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und Linkspartei/PDS.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind politische Kommunikation, moderne Wahlkampftechnologien, Weblogs, Blogosphäre, Online-Strategie und Parteienwandel.
Warum wird im empirischen Teil das Weblog von Bündnis 90/Die Grünen besonders hervorgehoben?
Das Blog der Grünen war aufgrund seiner Angebotskonzentrierung auf Parteiprominente und der hohen Dialogbereitschaft besonders erfolgreich, was es als Fallbeispiel für eine hohe Resonanz prädestinierte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des Einflusses von Weblogs auf die Demokratie?
Der Autor zeigt sich skeptisch gegenüber euphorischen Hoffnungen auf einen herrschaftsfreien Dialog. Vielmehr zeigen die Ergebnisse, dass Weblogs meist in bereits bestehende, durch Parteistrategien dominierte Machtstrukturen eingebettet sind.
- Citar trabajo
- Robert Heron (Autor), 2006, Politische Kommunikation von Parteien im Internet, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186254