Die Sprache der Fußballberichterstattung im Fernsehen


Hausarbeit, 2002

44 Seiten, Note: 2


Leseprobe

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1. Einleitung

„Noch eine gute knappe Minute zu spielen.“ Der Satz eines Fußballkommentators, seinen Namen habe ich vergessen 1 , die Mannschaften und das Ergebnis auch. Nur der eine Satz ist im Gedächtnis geblieben. Er ist sicherlich nicht der einzige Grund, warum ich mich mit der Sprache der Fußballberichterstattung beschäftigen möchte, aber es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, wie der erster Satz der Arbeit lauten wird. Wenn ich schon über Sport schreibe, dann sollte das Thema zumindest eine Nähe zum Fußball aufweisen, soviel stand für mich als Fan fest. Der Fußball schien nicht nur wegen der „guten knappen Minuten“ für eine Arbeit über seine spezifische Sprache geeignet, sondern aus mehreren Gründen. Fußball ist unbestritten die beliebteste Sportart in Deutschland, weshalb die Fußballsprache am ausgeprägtesten und verbreitetsten ist, was sich auf deren Darstellung in der Literatur auswirkt. Trotzdem gestaltete sich die Literatursuche nicht ganz problemlos. Viele Untersuchungen zur Fußballsprache sind älter als 15 Jahre und beschäftigen sich vorrangig mit den Printmedien, was mich dazu bewogen hat, Literatur erst ab 1970 zu berücksichtigen bzw. in wenigen Fällen auch die zur Presse 2 . Ich habe mich unterdessen für das Medium Fernsehen entschieden, weil die Betrachtung der drei Medienbereiche mit Sicherheit den Umfang der Arbeit gesprengt hätte und ich selbst Fußball hauptsächlich über das Fernsehen rezipiere. Ich gehe davon aus, in dieser Hinsicht kein Einzelfall zu sein.

Das erste im Fernsehen übertragene Fußballspiel fand 1936 zwischen Deutschland und Italien statt. Bis in die 50er Jahre wurde der Fußball im Fernsehen von Hörfunkreportern kommentiert, die ihre Gewohnheit, im Radio pausenlos zu reden und zu schildern, auf das neue Medium übertrugen. Heute ist die Diskussion so weit gediehen, dass die Notwendigkeit des Kommentars ganz infrage gestellt wird. „Rein faktisch gesehen wäre der Kommentar nicht unbedingt erforderlich. Der Zuschauer könnte anhand der Fernsehbilder das Geschehen durchaus sinnerfassend verfolgen.“ 3 Vielleicht kann meine Arbeit auch zu dieser Diskussion einen Beitrag leisten. Aus diesem Grund ist nach einer allgemeinen Klassifizierung der Sportsprache ein gesamtes Kapitel der Charakteristik der Fußballberichterstattung im Fernsehen gewidmet, denn „je nach Art des Vermittlungsmediums entstehen unterschiedliche

1 so dass der Zitatgeber nicht in einer Fußnote berücksichtigt werden kann

2 dazu gehören: Monika Fingerhut, Udo Ludwig

3 Auffenberg, Tanja: Sprachliche Formen der Sportberichterstattung. Dortmund 1999

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Die Sportsprache lässt sich für den Fußball unterteilen in Fachsprache, Jargon und Besonderheiten bei der Verwendung in der Berichterstattung. Dankert führt außerdem noch den Fachjargon an 15 , unter diesem Punkt möchte ich zugleich eine Art Zusammenfassung geben.

2.1. Die Fachsprache

„Die Sportfachsprache beinhaltet den Fachwortschatz der Regeln der einzelnen Sportarten, den Wortschatz der Organisation des Sportbetriebes und die sportartspezifischen Termini.“ 16 Nach der Definition von Brandt erscheint ebenfalls die ähnlich gebrauchte Bezeichnung ‚Regelsprache’ 17 sinnvoll, da die Fachsprache jene Begriffe umfasst, welche die Regeln, Gegenstände und Funktionen des Fußballspiels bezeichnen und den Ablauf festlegen, z. B. ‚Elfmeter’ und ‚Halbzeit’. Die Fachsprache hat die Tendenz, „komplizierte und komplexe Vorgänge aus kommunikationsökonomischen Gründen sprachlich zu raffen und in einem Lexem zu komprimieren“ 18 , die bereits erwähnte Verkürzung eines Begriffs auf eine bestimmte Aussage trifft demnach häufig zu. Es sind meist Substantive, die eine Situation oder Tätigkeit beschreiben und so komplette Sätze ersetzen, so dass die Fachsprache einer hohen Starrheit unterliegt. Diese ist nötig, damit die Grundbegriffe für alle Teilnehmer am Sport und der Berichterstattung verbindlich sind. Denn die eher trocken-sachliche Fachsprache ist Voraussetzung für die Sport- oder Fußballsprache. Sie stellt die Grundsubstanz für die Kommunikation über Fußball dar, denn „Spielregeln und Fachsprache existieren, gleichsam als Fußballkompetenz, in den Köpfen aller Teilnehmer“ 19 . Im Vergleich zu anderen Sportarten „kommt der Fußball mit einer mäßig dosierten Fachsprache aus“ 20 . Trotzdem sind die Fachbegriffe nur „für einen, der die Regel kennt, ... präzis. Ein Laie kann sich trotz ihrer Anschaulichkeit höchstens ein nur ungefähres Bild machen.“ 21 Die Entwicklung der Fachsprache und ihrer Grundbegriffe hat in mehreren Phasen 22 stattgefunden, mit dem Aufkommen des Fußballs in Deutschland wurden gleichzeitig

15 ebd.

16 Brandt, Wolfgang: Zur Sprache der Sportberichterstattung in den Massenmedien. In: Muttersprache 3-4/1979, S. 160-178, hier: 172

17 siehe: Monika Fingerhut, Eva Neugebauer

18 Brandt, a.a.O., S.177

19 Braun, a.a.O., S.134

20 ebd., S.134

21 Gerneth/Schäfer/Wolf, a.a.O., S.215

22 siehe: Harald Dankert, Wolfgang Brandt

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beschränken“ 29 , denn die starren Grundbegriffe taugen erst in Verbindung mit Ergänzungen und Nuancierungen zu einer exakten Vermittlung von Fußballspielen.

2.2. Der Jargon

Die Ergänzungen und das differenzierte Vokabular zur Beschreibung von Einzelsituationen bietet der Sportjargon. Er zeichnet sich durch eher saloppe Wendungen aus, ist mit unterschiedlichen Emotionen aufgeladen und drastischer als die Fachsprache, von deren neutralen Grundbegriffen sich der Jargon distanziert, „es handelt sich um bildliche Umschreibungen bereits vorhandener Begriffe.“ 30 Die Funktion des Jargon „liegt in der Präzisierung und Emotionalisierung des Grundvokabulars“ 31 , um sich auf verbaler Stufe abzureagieren. „Der sachliche Informationswert solcher Formulierungen ist äußerst gering. Demgegenüber ist ihre Suggestivkraft umso stärker“ 32 , durch den Jargon werden also beim Zuschauer Emotionen geweckt und die Sprache wird „zum Ersatz eigener Handlungen, zum Ventil für Aggressionen oder zum Mittel der Selbstbestätigung.“ 33 Für die Vermittlung des Spielverlaufs hat der Jargon so eine große Bedeutung, durch ihn kann der Kommentator Stimmungen erzeugen und Akzente setzen oder mitschwingen lassen, die in der Fachsprache nicht enthalten sind. Er schafft durch die Verwendung von Jargonwörtern Emotionalität, zugleich ist ein mundgerechtes, unverbindliches Sprechen möglich, ist der Jargon doch „die bevorzugte Kommunikationsform mündlicher Gespräche der Zuschauer, der Fans, der Stammtischdiskutanten, z.T. auch der Sportler.“ 34 Der Jargon „verbindet die Sprecher untereinander und grenzt sie damit mehr oder weniger stark von anderen Gruppen ab“ 35 und das bedeutet, „mit der Kenntnis von Jargonwendungen kann man noch nachdrücklicher als mit der Beherrschung des Fachvokabulars beweisen, dass man ... mit den Besonderheiten des Fußballspiels vertraut ist.“ 36 Siefer schreibt dem Jargon damit nicht zu Unrecht Imponiergehabe als eine Redeabsicht zu 37 .

29 Brandt, a.a.O., S.176

30 Fingerhut, Monika: Fußballberichterstattung in Ost und West. Eine diachronische Sprachanalyse. Frankfurt am Main 1991, S.58

31 ebd., S.108

32 Siefer, a.a.O., S.108

33 Gerenth/Schäfer/Wolf, a.a.O., S.218

34 Brandt, a.a.O., S.172

35 Siefer, a.a.O., S.107

36 Dankert, a.a.O., S.21

37 Siefer, a.a.O., S.114

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Dabei besteht der Jargon nur zum Teil aus Neubildungen, viel öfter sind die Wendungen aus der Alltagssprache übernommen, wenn sie auf eine in der Fußballsprache sinnvolle Bedeutung reduziert werden können oder einen Vorgang präzisieren. „Andere Formulierungen stammen ursprünglich aus dem Jargon bestimmter Berufsgruppen“ 38 , die dann entweder direkt oder über den Umweg der Alltagssprache in den Sportjargon gelangten, z.B. ‚klasse’ (in der Kaufmannssprache: ‚erste Klasse’, im Sportjargon: ‚das ist hervorragend’) und ‚aussteigen lassen’ (in der Verbrechersprache: ‚aus dem fahrenden Fahrzeug werfen’, im Sportjargon: ‚den Gegner ausschalten’). Erweiterungen stammen ebenso aus der Hochsprache wie Mundart, das heißt, „der sportspezifische Jargon wird der Sportberichterstattung von außen zugewiesen.“ 39 Sprachlich-stilistische Formen, durch die der Jargon geprägt wird, die ein Wir-Bewusstsein ausdrücken, sind Bildhaftigkeit, die metaphorische Verwendung von Begriffen aus anderen Fachsprachen 40 sowie ein superlativischer Sprachstil 41 . „Der ständige Gebrauch in den Massenmedien, aber auch in der Alltagssprache hat zur Folge, dass zahlreiche Jargonismen nicht mehr als solche empfunden werden“ 42 , wobei der Jargon auch schon von Anfang an in der Sportberichterstattung berücksichtigt wird. Er ist keinen schnellen modischen Wechseln unterlegen, hat aber die Eigenschaft einer gewissen Unschärfe verloren. „In der Fußballberichterstattung dient der Jargon nicht nur einer spontanen, vom Emotionalen getragenen und vielfältig schimmernden Kommentierung, sondern wird in eine fest umrissene Aussage eingearbeitet. Mit einer derartigen Fixierung kann auch eine Abschwächung und Versachlichung der Metaphorik verbunden sein.“ 43 Der Sportjargon wird immer mehr auf bestimmte Nuancen festgelegt, so dass die möglichen Bedeutungen abnehmen.

2.3. Der Fachjargon

Nicht immer lässt sich zwischen Fachsprache und Jargon unterscheiden oder eine Wendung eindeutig zuordnen, so „dass es zwischen diesen Bereichen eine recht breite Übergangszone gibt, die mit dem Terminus Fachjargon zu kennzeichnen

38 ebd., S.106

39 Ludwig, a.a.O., S.150

40 siehe Kapitel 5.2.

41 siehe Kapitel 5.1.

42 Fingerhut, a.a.O., S.109

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Die Sprache der Fußballberichterstattung im Fernsehen
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
44
Katalognummer
V186282
ISBN (eBook)
9783656996293
ISBN (Buch)
9783656996439
Dateigröße
771 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sprache, fußballberichterstattung, fernsehen
Arbeit zitieren
Christina Quast (Autor), 2002, Die Sprache der Fußballberichterstattung im Fernsehen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186282

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