Politik Tibets 1950 - 1999


Seminararbeit, 2001

18 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Quast, Christina Ruhr Universität Bochum
Hauptfach: Journalistik
Fakultät für Ostasienwissenschaft
Nebenfach: Politik Ostasiens
1. Semester
Seminararbeit
Politik Tibets 1950 ­ 1999
Abgabetermin: 31. März 2001

1. Einleitung
1.1 Der Dalai Lama
1.2 Das politische Tibet
2. Tibetische Gebiete
2.1 Die Autonome Region Tibet
2.2 Das ethnographische Tibet
3. Das Tibet-Problem
3.1 Die drei Ebnen des Tibet-Problems
4. Geschichte Tibets von 1949 bis 1999
4.1 Die fünfziger Jahre
4.1.1 Besetzung Tibets, Widerstand der Khampa
4.1.2 Vorbereitendes Komitee für die Autonome Region Tibet, Volksaufstand
4.2 Die sechziger Jahre
4.2.1 Organisation und Demokratisierung im Exil
4.2.2 Kulturrevolution
4.3 Die achtziger Jahre
4.3.1 Liberalisierung, die vier Delegationen des Dalai Lama
4.3.2 Gewalttätige Unruhen, Fünf-Punkte-Plan
4.4 Die neunziger Jahre
4.4.1 Bestimmung des 11. Panchen Lama
4.4.2 Diplomatie des Dalai Lama
5. Forderungen des Dalai Lama
5.1 Groß Tibet Politik
5.2 Fünf-Punkte-Plan
5.3 Konzept für die Zukunft
6. Zusammenfassung
7. Anhang

1.Einleitung
,,Die Tibeter werden glücklich in dem großen Land Tibet leben, und die Chinesen
werden glücklich in dem großen Land China leben."
1
besagt ein Grenzvertrag aus
dem 8. Jahrhundert zwischen den Königen beider Völkern. Eingemeißelt sind diese
Worte in eine Säule vor dem Jokhang in Lhasa. Seit Mitte des 20. Jahrhundert sind
sie nicht mehr gültig: Tibet wurde widerrechtlich besetzt und der Volksrepublik
China einverleibt.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem seither bestehenden Tibetproblem,
zeichnet ganz allgemein die Geschichte Tibets ab 1950 nach und geht besonders auf
die Person des Dalai Lama mit seiner Politik und seinen Forderungen gegenüber
China ein.
Aus diesem Grund verzichte ich hier weitgehend auf die Darstellung der
chinesischen Seite, das Problem der Sinierung sowie genauere Ausführungen zum
Leben und Wirken des 10. Panchen Lama. Auch die Zerstörung der tibetischen
Kultur und die Beseitigung politischer Widerständler werden nur kurz angerissen, da
diese Sachverhalte eigene (traurige) Kapitel füllen und den Rahmen der Arbeit
sprengen würden. Das Kapitel ,,Siebziger Jahre" ist im logischen Aufbau des
Inhaltsverzeichnis nicht aufgeführt, da mir für diese Zeit keine relevanten Fakten zur
Verfügung standen.
Die Wahl des Themas läßt sich mit persönlichen Interesse daran, Genaueres über die
Situation in Tibet zu erfahren, begründen. Denn gerade in den vergangenen Jahren ist
der Buddhismus nach Europa geschwappt und hat der Dalai Lama einen hohen
Bekanntheitsgrad erreicht, bedingt durch hochkarätig besetzte Kinofilme wie ,,Little
Buddha" und ,,Sieben Jahre in Tibet".
Vermittelt wird ein Mythos um das ,,Dach der Welt" als ein Land voller Spiritualität,
buddhistischer Kultur, mystischer Bräuche und der atemberaubenden Landschaft des
Himalaya. Nur selten richtet sich der Blick auf die tatsächliche Situation Tibets
innerhalb der Volksrepublik China. Der möchte ich mich mit dieser Arbeit zumindest
nähern.

1.1 Der Dalai Lama
Die Bezeichnung Dalai Lama ist mongolisch und bedeutet etwa ,,Meer des
Wissens"
2
. Der Dalai Lama wird als Inkarnation (-> Glossar) des Avalokiteshvara,
dem Bodhisattva der Barmherzigkeit, angesehen. Verliehen wurde der Titel von den
Mongolen und der 3. Dalai Lama trug ihn erstmals zu Lebzeiten. Seine vorherigen
Inkarnationen erhielten den Titel erst posthum.
Der Dalai Lama ist gleichzeitig religiöses und politisches Oberhaupt der Tibeter. Auf
Grund dessen kommt es kaum zu einer Trennung von Religion und Politik, auf die
der Buddhismus großen Einfluß hat.
Der jetzige 14. Dalai Lama wurde 1935 in Amdo geboren und mit zwei Jahren als
Reinkarnation (-> Glossar) erkannt. Als Kind kam er 1939 nach Lhasa und wurde ein
Jahr später inthronisiert (-> Glossar). Bereits 1950, drei Jahre vor seiner
Volljährigkeit, erhielt der Dalai Lama angesichts des chinesischen Angriffs die
Vollmacht über seine weltlichen Ämter. 1989 bekam er den Friedensnobelpreis für
seinen gewaltlosen Widerstand gegen die chinesische Herrschaft verliehen.
1.2 Das politische Tibet
Zwischen 1912 und 1951 existierte das politische Tibet, daß heißt es stellte einen
souveränen Staat mit eigenem Territorium und einer funktionierenden Regierung dar.
Ebenso verfügte es über eine Flagge und Hymne.
1912 proklamierte (-> Glossar) der 13. Dalai Lama das unabhängige Tibet nachdem
man die Mandschus zum Rückzug aus Lhasa gezwungen hatte und in China das
Kaisertum durch die republikanische Revolution beendet wurde. Seitdem übte die
chinesische Regierung weder Macht noch Einfluß in Tibet aus.
Diese Unabhängigkeit wird von der chinesischen Regierung heute allerdings nicht
anerkannt, vielmehr meldete China schon bald nach Ende des Kaisertums
Souveränitätsansprüche über Tibet an, die es bis zum Einmarsch 1951 aufrecht
erhielt
3
. Der Dalai Lama hingegen geht von einem Tibet als unabhängigen Staat mit
eigener Verwaltung, eigenem Militär und einigen diplomatischen Beziehungen aus.

2. Tibetische Gebiete
2.1 Die Autonome Region Tibet
Die 1965 errichtete Autonome Region Tibet erstreckt sich über eine Fläche von 1,23
Millionen km
2
und umfaßt nur die zentraltibetischen Provinzen Ü und Tsang sowie
einen Teil von Kham. Dieses Territorium entspricht etwa dem des politischen Tibets.
2.2 Das ethnographische Tibet
Als ethnographisches
4
Tibet ist das Gebiet zu definieren, in dem der tibetische
Buddhismus verbreitet ist. Es stimmt jedoch weder mit den Grenzen von vor noch
nach dem chinesischen Einmarsch überein
5
.
Flächenmäßig stellt die Autonome Region Tibet nur die Hälfte des ethnographischen
Tibets dar. Denn als ,,ihr Land" bezeichnen die Tibeter ein 2,25 Millionen km
2
großes Gebiet innerhalb Chinas, zu dem neben der Autonomen Region Tibet noch
das übrige Kham und die Provinz Amdo gehören. Letztere Gebiete fielen schon vor
1951
lediglich in den religiösen Einflußbereich des Dalai Lama
6
aber nicht unter die
Verwaltung in Lhasa und unterlagen später auch nicht dem 17-Punkte-Abkommen.
Außerhalb Chinas zählen zum ethnographischen Tibet noch Ladakh, Baltistan sowie
die von Tibetern und Exiltibetern besiedelten Gebiete in Indien, Bhutan und Nepal
7
.
3. Das Tibet-Problem
Unter dem Tibet-Problem oder der Tibet-Frage ist die ,,Wiederherstellung nationaler
Selbstbestimmung für die Tibeter in Auseinandersetzung mit dem chinesischen
Souveränitätsanspruch über tibetisches Siedlungsgebiet" zu verstehen. Allgemein
betrifft es das ethnographische Tibet in China, im staatsrechtlichen Sinne aber nur
die Autonome Region Tibet, weil nur diese ein selbständiger Staat war.
8
Aufgrund
dieser Komplexität ist das Tibet-Problem in drei Ebenen zu unterteilen.
Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Politik Tibets 1950 - 1999
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
3
Autor
Jahr
2001
Seiten
18
Katalognummer
V186286
ISBN (eBook)
9783656997733
ISBN (Buch)
9783656997825
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politik, tibets
Arbeit zitieren
Christina Quast (Autor), 2001, Politik Tibets 1950 - 1999, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186286

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