Diese Arbeit untersucht die Konzentration der Anbieter auf ostdeutschen Wohnungsmärkten. Es wird untersucht ob Marktmacht hohe Mieten erzeugt und somit zum Wohnungsleerstand beiträgt. Diese Arbeit basiert auf einem Industrieökonomischen Ansatz und überprüft die daraus abgeleitete These mit Hilfe von Daten für 20 Städte in Ostdeutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Konzentrationsmessung auf ostdeutschen Wohnungsmärkten
2.1. Übersicht über die Stichprobe
2.2. Systematik der Datenbeschaffung
2.3. Konzentrationsmessung und Ergebnisse
2.4. Interpretation der Ergebnisse
3. Quellen und Gefahren der Konzentration
3.1. Übersicht über die Quellen der Konzentration
3.2. Industrieökonomische Erklärung der Konzentration und der Preisentwicklung
3.3. Gefahren der Konzentration
4. Einfluss der Marktkonzentration auf die Miete
4.1. Vorbemerkungen
4.2. Mietspiegel
4.3. Ergebnisse
4.4. Interpretation und Erklärung der Ergebnisse
4.5. Kritische Hinterfragung des Ansatzes
5. Pro und Contra einer Zerschlagung von Wohnungsunternehmen
6. Seiten- und Ausblick
7. Abschluss
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Marktstrukturen ostdeutscher Städte, um den extremen Konzentrationsgrad der dortigen Wohnungsmärkte zu analysieren und mögliche Auswirkungen auf Mietniveaus sowie die Sinnhaftigkeit unternehmenspolitischer Interventionen kritisch zu hinterfragen.
- Analyse des Konzentrationsgrades ostdeutscher Wohnungsmärkte mittels Herfindahl-Index
- Untersuchung der historischen und industrieökonomischen Ursachen hoher Marktkonzentration
- Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Marktkonzentration und Mietpreisbildung
- Diskussion der Vor- und Nachteile einer Zerschlagung großer Wohnungsunternehmen
- Vergleich des Transformationsprozesses mit anderen osteuropäischen Wohnungsmärkten
Auszug aus dem Buch
3.2. Industrieökonomische Erklärung der Konzentration und der Preisentwicklung
Möchte man ein Oligopol untersuchen stellt sich die Frage, in was für einer Art und Weise sie miteinander in Wettbewerb stehen: im Mengen- oder im Preiswettbewerb. Cabral modelliert folgendes Entscheidungskriterium: Die Oligopolisten entscheiden sich in einem zweistufigen Prozess. Sind Mengen (Kapazitäten) schwer anpassbar ist die erste, langfristige, Entscheidung die der Menge. Erst danach, in der zweiten Stufe steht der Preiswettbewerb im Vordergrund. Im umgekehrten Fall ist der Entscheidungsprozess genau entgegengesetzt.
Nun kann man davon ausgehen dass es sich bei Wohnungen (Häusern) um Güter handelt die, durch ihre im Vergleich zu den variablen Kosten hohen Fixkosten, den hohen Kosten der Verkleinerung der Kapazität (Abrisskosten) und ihrer Langlebigkeit, zu denen gehören, wo Mengen- bzw. Kapazitätsanpassung schwer fällt. Ebenso sind Fixkosten Markteintrittsbarrieren, dies ist einer der Gründe warum wir beim Wohnungsmarkt von einem Oligopol reden können.
Nehmen wir nun die erste Stufe des Spiels, also die Mengensetzung, als gespielt an, oder besser als exogen vorgegeben, was wohl eher der Realität entspricht. Nun wird die zweite Stufe des Spiels gespielt, die Oligopolisten stehen im Preiswettbewerb.
Preiswettbewerb wird auch Bertrand-Wettbewerb genannt. Nach Bertrands Idee, dass marginale preisliche Unterbietung konkurrierender Unternehmen den Erhalt der gesamten Nachfrage bedeutet, entwickelt sich ein Preissetzungsverhalten, in dessen Gleichgewicht alle Akteure Preise verlangen die ihren Grenzkosten entsprechen. Dies würde bedeuten, dass nur die Akteure im Markt verbleiben, die die minimalen Grenzkosten besitzen.
In diesem Fall wäre die Konsumentenrente maximal, und die Produzentenrente gleich Null. Die Wohlfahrt wäre also in diesem Fall maximal.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Leerstand auf ostdeutschen Wohnungsmärkten und führt in die Fragestellung ein, ob monopolistische Strukturen als Ursache hierfür in Frage kommen.
2. Konzentrationsmessung auf ostdeutschen Wohnungsmärkten: Es erfolgt eine empirische Erhebung des Konzentrationsgrades für 20 ostdeutsche Städte unter Verwendung des Herfindahl-Indexes.
3. Quellen und Gefahren der Konzentration: Das Kapitel beleuchtet historische Ursachen aus der DDR-Zeit, industrieökonomische Faktoren sowie die Wohlfahrtseinbußen durch Oligopolstrukturen.
4. Einfluss der Marktkonzentration auf die Miete: Mittels statistischer Analyse wird geprüft, ob eine höhere Konzentration systematisch zu höheren Mieten führt, was anhand der Datenlage nicht nachgewiesen werden kann.
5. Pro und Contra einer Zerschlagung von Wohnungsunternehmen: Hier wird diskutiert, ob eine Aufspaltung großer Unternehmen zur Wettbewerbsförderung sinnvoll ist oder negative Folgen für die Marktstabilität hätte.
6. Seiten- und Ausblick: Der Transformationsverlauf wird mit anderen Ländern verglichen und die zukünftige Tendenz zunehmender Fusionen kritisch reflektiert.
7. Abschluss: Die wesentlichen Ergebnisse, insbesondere die hohe Marktkonzentration und das Fehlen empirischer Belege für direkte Mietpreiseffekte, werden zusammenfassend bewertet.
Schlüsselwörter
Ostdeutsche Wohnungsmärkte, Marktkonzentration, Herfindahl-Index, Oligopol, Wohnungslleerstand, Mietpreisbildung, Transformation, Plattenbau, Wohnungsunternehmen, Wettbewerb, Markteintrittsbarrieren, Konsumentenrente, Privatisierung, Industriökonomik, Stadtumbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit analysiert die hohe Marktkonzentration bei großen Wohnungsanbietern in ostdeutschen Städten und deren Auswirkungen auf den dortigen Wohnungsmarkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Messung von Konzentrationsgraden, der ökonomischen Theorie hinter oligopolistischen Märkten sowie dem Transformationsprozess des Wohnungsbestandes seit der Wende.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob die beobachtete hohe Marktkonzentration auf ostdeutschen Wohnungsmärkten ursächlich für Leerstand oder überhöhte Mieten verantwortlich gemacht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt zur Quantifizierung den Herfindahl-Index und führt für die Analyse des Mietpreiseinflusses Rangkorrelationsanalysen auf Basis von Mietspiegeldaten durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die historische Entstehung der Konzentration, die industrieökonomische Modellierung des Wohnungsmarktes als Oligopol und die empirische Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Konzentration und Miete.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Marktkonzentration, Herfindahl-Index, ostdeutsche Wohnungsmärkte, Oligopolbildung und Transformationsprozess.
Wie erklärt der Autor das Fehlen eines direkten Korrelationszusammenhangs bei den Mieten?
Der Autor führt dies auf die mangelnde Vergleichbarkeit der Märkte, unterschiedliche lokale Faktorpreise und die Ungenauigkeit der Datenlage zurück, die eine isolierte Betrachtung der Konzentration erschwert.
Welche Position nimmt der Autor zur Zerschlagung von Wohnungsunternehmen ein?
Er steht dieser Maßnahme skeptisch gegenüber, da sie zwar den Wettbewerb fördern könnte, aber gleichzeitig die Insolvenzgefahr bei den städtischen Unternehmen erhöhen und somit notwendige Stadtumbaupläne gefährden würde.
- Arbeit zitieren
- Robert Finger (Autor:in), 2005, Zur Konzentration ostdeutscher Wohnungsmärkte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186356