Eine Erörterung der Phänomenologie, Soziologie, Psychologie und Biologie des modernen Extremsports, welche auf die Entwicklung eines integrativen Modells der verschiedenen Einflussfaktoren der Bereiche hinarbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Extremsport“ - Versuch einer definitorischen Erfassung
2.1. Zum Sportbegriff
2.1.1. Herkunft des Wortes „Sport“
2.1.2. Definitionen von Sport
2.2. Bisherige Deutungen und Abgrenzungsversuche des Begriffs „Extremsport“ in der Literatur
2.3. Eigene Definition
3. Extremsportarten: Ein Überblick
3.1. Phänomenologie
3.2. Risikosport
3.2.1. Big Wave Surfing
3.2.2. B.A.S.E.-Jumping
3.2.3. Freiklettern/ Freeclimbing
3.3. Extremer Belastungssport
3.3.1. Abenteuerrennen/ Adventure Racing
3.3.2. Triathlon und Ultramarathon
3.3.3. Distanzschwimmen
4. Extremsport als Folge von gesellschaftlichem Struktur- und Wertewandel
4.1. Gesellschaftlicher Wandel
4.1.1. Der Ökonomische Aufschwung und seine Folgen
4.1.2. Wertewandel: Von der Leistungsorientierung zur Freizeitorientierung
4.1.3. Individualisierung
4.1.4. Die Erlebnisgesellschaft
4.1.5. Sport in der Gegenwartsgesellschaft
4.2. Gesellschaftlicher Wandel und Extremsport
4.2.1. Suche nach Spannung und Risiko
4.2.2. Außergewöhnliche Körpererfahrungen
4.2.3. Selbstermächtigung
4.2.4. Distinktion und Prestige
4.2.5. Sinn- und Heilssuche
4.2.6. Kontrastive Naturabenteuer
4.2.7. Gesellschaftsflucht und Nonkonformismus
5. Subjektorientierte Theorien
5.1. Risikoverhalten und Evolution
5.2. Risikosport als Triebhandlung
5.3. Reizsuche-Konzepte
5.3.1.Das optimale Erregungsniveau
5.3.2.Die Psychologie des „schützenden Rahmens“
5.4. Identitätsstörungen, Traumata und Angstbewältigung
5.5. Motivationen
5.5.1. Das Flow-Erlebnis
5.5.2. Sinnsuche: Wagen in wachsenden Ringen
5.5.3. Grenz- und Erlebnissuche
6. Sucht, Lebensstil und jugendliches Risikoverhalten
6.1. Suchtverhalten im Extremsport
6.1.1. Sport als stoffungebundene Sucht
6.1.2. Sucht im Risikosport
6.1.3. Lauf- und Ausdauersucht
6.2. Extremsport und Lebensstil
6.3. Übergangsrituale, Initiationsriten und Mutproben
7. Schlussfolgerungen
7.1. Das Einflussfaktorenmodell
7.2. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Merkmale, Formen und Ursachen des Extremsports im Kontext der modernen Freizeit- und Kulturarbeit. Ziel der Arbeit ist es, Extremsport als Phänomen zu definieren und seine Entwicklung als Folge gesellschaftlicher Wandlungsprozesse wie Individualisierung, Erlebnisorientierung und Wertewandel theoretisch zu begründen sowie psychologische Erklärungsansätze für das Risikoverhalten zu analysieren.
- Definition und Abgrenzung von Extremsportarten und Risikosport
- Gesellschaftlicher Strukturwandel als Motor für Extremsport
- Psychologische Theorien zur Motivation und Erregungssuche
- Phänomene wie Flow-Erleben, Identitätsstörungen und Sinnsuche
- Thematik von Sucht, Lebensstil und jugendlichem Risikoverhalten
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Big Wave Surfing
Das so genannte ‘Big Wave Surfing’ entwickelte sich aus der ‚Wellenreiterkultur’ der 50er-Jahre auf Hawaii. Surfen bzw. Wellenreiten geht in seinen Ursprüngen auf die Bewohner der polynesischen Inseln und Hawaii zurück, die bereits im 18. Jahrhundert das Surfen auf zugeschnittenen Holzbrettern praktizierten (vgl. Tomlinson 1997, S.177). Mit dem Hawaiianer Duke Kahanamoku wurde das Surfen Anfang des 20. Jahrhunderts populärer und in den 1950er-Jahren entwickelte sich in Amerika und Australien eine eigene Surfkultur. (vgl. ebenda, Booth 1999, S.316f. und http://www.snownwater.de/surfgeschichte.html ). Die ersten Surfer, die Big Wave Surfing betrieben, kamen Anfang der 1950er-Jahre auf die Hawaiianische Insel Oahu zum Surfspot Makaha an der Westküste. Die Verwendung von leichtem Balsaholz und Finnen am unteren Teil des Surfbretts ermöglichte den Surfern 7 bis 8 Meter hohe Wellen zu ‚reiten’ (vgl. Grigg 1999, S. 6). Durch eine fortlaufende Weiterentwicklung der Surfbretter konnte die Manövrierbarkeit immer weiter verbessert werden, so dass heutzutage über 15 Meter hohe Wellen gesurft werden können. Das sog. ‚Tow-in-Surfen’ ermöglicht darüber hinaus das Befahren von Wellen, die nicht direkt an der Küste brechen bzw. zu groß sind um ‚hineinzupaddeln’ (vgl. Tomlinson 1997, S. 180). Die Surfspots, an denen bisher die höchsten Wellen befahren wurden, befinden sich vor den Küsten von Hawaii, vor der Amerikanischen Westküste und vor der Australischen Südküste (vgl. Long 1999).
Das erhöhte Lebensrisiko besteht bei dieser Extremsportart darin, dass die extrem hohen Wellen den Surfer bei einem ‚Wipe-out’ (Sturz vom Brett) für mehrere Minuten unter Wasser halten und ihn gegen scharfkantige Felsen oder Riffe werfen können (vgl. Tomlinson 1999, S.187 ff.). Die geschätzte Zahl der ‚Tow-in-Surfer’ beläuft sich weltweit auf ca. 1544, davon sind 22 Frauen. Das durchschnittliche Alter der Surfer liegt bei 31 Jahren. Bisher ist im Bereich des Tow-in-Surfens kein Todesfall erfasst worden, jedoch kommen schwere Verletzungen häufig vor (vgl. http://www.towsurfer.com/about.asp).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Vielfalt der Extremsportarten ein und beschreibt das Ziel, die Motive und die gesellschaftlichen Hintergründe für deren Ausübung zu untersuchen.
2. „Extremsport“ - Versuch einer definitorischen Erfassung: Das Kapitel befasst sich mit der Definition des Sportbegriffs sowie der wissenschaftlichen Auseinandersetzung und Abgrenzung des Extremsportbegriffs in der Literatur.
3. Extremsportarten: Ein Überblick: Hier erfolgt ein phänomenologischer Überblick über verschiedene Disziplinen wie Risikosportarten und Extremer Belastungssport unter Berücksichtigung von Risikostrukturen.
4. Extremsport als Folge von gesellschaftlichem Struktur- und Wertewandel: Dieses Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel, insbesondere die Erlebnisgesellschaft und Individualisierung, als Ursache für das wachsende Bedürfnis nach Extremsport.
5. Subjektorientierte Theorien: Es werden psychologische und evolutionsbiologische Theorien vorgestellt, die das Risikoverhalten und die Motivation, wie das Flow-Erlebnis, erklären.
6. Sucht, Lebensstil und jugendliches Risikoverhalten: Das Kapitel untersucht das Suchtpotential im Sport, den Zusammenhang zwischen Extremsport und Lebensstil sowie die Funktion von Risikoverhalten bei Jugendlichen.
7. Schlussfolgerungen: Eine abschließende Zusammenführung der Ergebnisse in einem Einflussfaktorenmodell sowie ein persönliches Fazit und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Extremsports.
Schlüsselwörter
Extremsport, Risikosport, Erlebnisgesellschaft, Individualisierung, Wertewandel, Flow-Erlebnis, Motivationsbasis, Suchtverhalten, Ausdauersucht, Identitätsbildung, Selbstermächtigung, Sinnsuche, Risikoverhalten, Grenzsuche, Lebensstil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Merkmale, Formen und Ursachen des Extremsports und analysiert, warum Menschen freiwillig extreme Risiken eingehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Definition von Extremsport, der Einfluss des gesellschaftlichen Struktur- und Wertewandels, psychologische Motivationstheorien sowie das Phänomen von Sucht und Lebensstil im Extremsport.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Extremsport als komplexes Handlungsfeld zu systematisieren und die Beweggründe für die Ausübung solcher Sportarten sowohl aus gesellschaftlicher als auch aus psychologischer Perspektive zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer, psychologischer und sportwissenschaftlicher Theorien, um die Entstehung und Verbreitung von Extremsportarten zu erklären.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, eine phänomenologische Übersicht der Sportarten, eine Analyse gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, eine Darstellung subjektorientierter Theorien und eine Untersuchung von Sucht und Lebensstilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Extremsport, Erlebnisgesellschaft, Individualisierung, Flow-Erlebnis, Risikoverhalten, Sinnsuche und Suchtverhalten.
Wie beeinflusst der gesellschaftliche Wandel das Extremsport-Verhalten?
Laut der Autorin führen Prozesse wie die Individualisierung und der Wunsch nach authentischen Erlebnissen in einer technisierten Welt dazu, dass Extremsport als Kompensationsmöglichkeit für Sinn- und Erlebnisdefizite dient.
Was ist das „Einflussfaktorenmodell“ in Kapitel 7?
Es handelt sich um ein von der Autorin entwickeltes Modell, das darstellt, wie vielfältige Faktoren – von physischen Dispositionen über soziale Rahmenbedingungen bis hin zur Gelegenheitsstruktur – das Individuum zur Entscheidung für Extremsport bewegen.
- Citation du texte
- Yvonne Häßner (Auteur), 2006, Sport ohne Grenzen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186371