Die sog. Brotvermehrung ist eines der bekanntesten und rätselhaftesten Wunder Jesu. Sie faszinierte die Autoren der Bibel derart, dass sie 6-mal überliefert wird, 2-mal davon in Kombination mit einem anderen Wunder, dem Gang über das Wasser. Diese Arbeit interpretiert das Brotwunder aus Sicht des Evangelisten Johannes. Es erfolgt eine Interpretation als Wunder und eine als Offenbarungszeihen. Bei Letzerem muss das ganze 6. Kapitel des Johannesevangeliums beachtet werden. Außerdem werden die Fragen nach der Ähnlichkeit zum letzten Abendmahl und den Motiven "Mose" und "Pascha" sowie auf Theorien zur Entstehung dieses Kapitels eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
B. Das johanneische Brotwunder im Kontext des sechsten Kapitels des Johannesevangeliums
1 Versuch einer Gliederung für Joh 6
2 Synoptischer Vergleich der sechs Brotwundertraditionen
3 Textanalyse
4 Motivkritik
4.1 Literarische Motive
4.2 Das Motiv „Mose“
4.3 Das Motiv „Pascha“
4.4 Die Geschenkwunder im Elija-Elischa-Zyklus
4.5 Die Einsetzungsworte im Herrenmahl im Vergleich mit Joh 6,11
5 Gattungskritik
6 Die Entstehung der Perikope – 2 Theorien
6.1 Semeiaquelle – Evangelist – Kirchliche Redaktion
6.2 Ur Markus – secondary orality – secondary literacy – Evangelist – eucharistische relecture
6.3 Fazit
7 Interpretation
7.1 Interpretation als Wundergeschichte
7.2 Interpretation als Zeichen zu Beginn von Joh 6
C. Zeichen oder Wunder ?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Brotwunder des Johannesevangeliums im sechsten Kapitel. Ziel ist es, durch eine tiefgehende Analyse die Perikope sowohl als isolierte Wundergeschichte als auch als Teil der johanneischen Zeichen-Theologie zu interpretieren und dabei die Entstehungsgeschichte kritisch zu beleuchten.
- Strukturelle Analyse und Gliederung des sechsten Kapitels des Johannesevangeliums.
- Vergleich der johanneischen Brotwundertradition mit den synoptischen Evangelien.
- Untersuchung literarischer Motive sowie Bezüge zu Mose, Pascha und Elija-Elischa-Wundern.
- Analyse der Entstehungstheorien der Perikope (Semeiaquelle vs. Ur-Markus-Modell).
- Differenzierung der Perikope als Wundergeschichte und als johanneisches „Zeichen“.
Auszug aus dem Buch
3 Textanalyse
Bereits V1 ist gehäuft mit Auffälligkeiten. Zum einen die sehr undifferenzierte Zeitangabe „danach“, die erst in V4 genauer bestimmt wird; zum anderen die doppelte, aber in ihrer genaueren Eingrenzung unbestimmte Ortsangabe: „das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias genannt wird“ . Gnilka setzt die Umstellung von Kap 5 und 6 voraus und folgert als Kafarnaum als Schauplatz der vorausgehenden Heilung somit das östliche Ufer als Ort des Brotwunders, was laut Wengst auch von V17 untermauert wird. Allerdings lässt m.E. sich aus „über den See, auf Kafarnaum zu“ lediglich eine Bootsfahrt in Richtung Kafarnaum, aber nicht eine genaue Bestimmung der Abfahrtstelle herauslesen.
In V2 wird nun die Situation näher beschrieben, nämlich das Volk eingeführt. Diese große Volksmenge ist für Joh eine Besonderheit. Ihre Herkunft bleibt dem Dunkeln. Hier könnte eine Kenntnis des sog. „galiläisch en Frühlings“ der Synoptiker vorauszusetzen sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Versuch einer Gliederung für Joh 6: Dieses Kapitel skizziert die dramatische Komposition des sechsten Kapitels und unterteilt es in logische Abschnitte von der Exposition bis zum Credo.
Synoptischer Vergleich der sechs Brotwundertraditionen: Hier werden die Gemeinsamkeiten und signifikanten Unterschiede der Speisungswunder in den Evangelien gegenübergestellt.
Textanalyse: Eine detaillierte Vers-für-Vers-Untersuchung der einleitenden Verse zur Klärung von Zeit-, Orts- und Akteurangaben.
Motivkritik: Es werden zentrale Motive wie das des Mose, des Pascha-Festes sowie Parallelen zu Elija-Elischa-Wundern und Herrenmahltraditionen beleuchtet.
Gattungskritik: Das Brotwunder wird als Geschenk- bzw. Vermehrungswunder klassifiziert und seine narrative Funktion innerhalb des johanneischen Textes bewertet.
Die Entstehung der Perikope – 2 Theorien: Eine Gegenüberstellung von zwei Erklärungsmodellen zur literarischen Entstehung der Perikope durch verschiedene Quellenschichten oder Vorlagen.
Interpretation: Abschließende Exegese, die zwischen der Interpretation als Wundergeschichte und der Funktion als johanneisches Zeichen differenziert.
Schlüsselwörter
Johannesevangelium, Brotwunder, Zeichen, Wundergeschichte, Exegese, Motivkritik, Semeiaquelle, Ur-Markus, Gattungskritik, Pascha, Mose, Christologie, eucharistische Relecture, Speisung, Johannes 6.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Brotwunder des Johannesevangeliums (Joh 6,1-15) und bettet es in den Kontext des gesamten sechsten Kapitels ein.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Neben der exegesenahen Textanalyse stehen die Gattungskritik, der Vergleich mit synoptischen Traditionen und die Erforschung der literarischen Entstehungsgeschichte im Vordergrund.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist eine duale Interpretation der Perikope: Zum einen als isoliert betrachtete Wundergeschichte und zum anderen als essenzieller Baustein der johanneischen Zeichen-Theologie.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die historisch-kritische Methode, insbesondere die Text- und Motivkritik sowie die Gattungsanalyse, um den Text zu dekonstruieren und neu zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die strukturelle Analyse des Kapitels, den Vergleich mit anderen Evangelien, die Untersuchung theologischer Motive, die Diskussion der Entstehungstheorien und eine abschließende Interpretation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind das johanneische Brotwunder, Zeichen, Motive (Mose, Pascha, Elisha), Gattungskritik und die johanneische Christologie.
Wie unterscheidet sich das johanneische Brotwunder von den synoptischen Berichten?
Johannes betont stärker die Initiative Jesu und die übernatürliche Dimension des Zeichens, während bei den Synoptikern oft das Mitleid Jesu mit der hungernden Menge im Vordergrund steht.
Welche Rolle spielt die „Kardiognosie“ Jesu in dieser Perikope?
Die Kardiognosie (das Wissen Jesu um die Gedanken und Herzen der Menschen) hebt Jesus über das rein menschliche Handeln hinaus und unterstreicht seinen göttlichen Status als Zeichensetzer.
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- Florian Neudecker (Author), 2003, Das johanneische Brotwunder im Kontext des sechsten Kapitels des Johannesevangeliums , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186385