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NS-Gedenkstättenpädagogik im postnazistischen Deutschland als Hilfe zum adäquaten Umgang mit migrantischen Jugendlichen

Title: NS-Gedenkstättenpädagogik im postnazistischen Deutschland als Hilfe zum adäquaten Umgang mit migrantischen Jugendlichen

Diploma Thesis , 2007 , 130 Pages , Grade: 1.5

Autor:in: Dipl. Sozialpädagoge Andreas Schmitt (Author)

Social Work
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Die Bundesrepublik Deutschland ist ein Einwanderungsland. Diese Tatsache erkennen mittlerweile auch jene Parteien an, die sich lange Zeit gegen diese Einsicht gesträubt haben. Mit dieser Erkenntnis sind aber zahlreiche weitergehende Fragen verknüpft. Wie verändert sich eine Gesellschaft angesichts der Veränderungen in der Zusammensetzung ihrer Bevölkerung und wie sieht das Verhältnis zwischen Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft aus? Wo bestehen Unterschiede und wo die Gemeinsamkeiten? Dies sind Fragen die mittlerweile auf der Agenda der aktuellen Regierung stehen. Allerdings sind diese Fragen auch nicht neu und die deutsche Gesellschaft ist auch nicht erst seit Kurzem von Migrationsbewegungen geprägt. Im Gegenteil: Es muss sogar von einer weit zurückgehenden Migrationsgeschichte gesprochen werden. Allerdings erfährt diese bisher keinerlei Würdigung in der Gesellschaft.
Anders sieht es aus mit dem Themenkomplex "Nationalsozialismus und Holocaust". Die Auseinandersetzung mit diesem, ist seit der Gründung der BRD und der DDR fester Bestandteil deutscher Geschichte. Dabei bietet die Thematik immer wieder Stoff zu gesellschaftlichen Debatten von ungeheurer Sprengkraft. So kann in diesem Zusammenhang von einer eigenen Geschichtsgeschichte gesprochen werden.
Zu der Frage, wie die Thematik des Holocaust und des Nationalsozialismus Jugendlichen zu vermitteln ist wurde bereits viel geforscht und veröffentlicht. Ebenso ist das Thema "Bildung und Migration" nicht völlig neu in der wissenschaftlichen Debatte.
Allerdings wurden beide Themen bisher nur selten miteinander verknüpft gedacht, obwohl eine solche Verknüpfung im Grunde genommen sehr nahe liegt. Denn bei Fragen der Integration muss selbstverständlich die Befindlichkeit der Aufnahmegesellschaft zu einem Ausgangspunkt der Überlegungen gemacht werden. Und die ist in der BRD eng verknüpft mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust. Zahlreiche ehemalige Stätten des Terrors erinnern heute daran.
Ich werde in vorliegender Arbeit nun der Frage nachgehen, inwiefern die NS-Gedenkstättenpädagogik im postnazistischen Deutschland als Hilfe zu einem adäquaten Umgang mit migrantischen Jugendlichen dienlich sein kann.
Dazu habe ich mich entschlossen eine theoretische Arbeit vorzulegen, in der ich den aktuellen Stand der Diskussion darstellen und kommentieren werde.

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Theodor W. Adornos „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit?“ und „Erziehung nach Auschwitz“

1.1. „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“

1.2. „Erziehung nach Auschwitz“

2. Der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit im postnazistischen Deutschland (Ost und West)

2.1. Entnazifizierungen

2.2. Erstes (Nicht-) Gedenken

2.3. „Wiedergutmachung“ und Kontinuitäten

2.4. Erster Wandel

2.5. Das befreite Deutschland und seine Identitätskrise

2.6. Historikerstreit

2.7. Veränderte Einstellung

2.8. Zusammenfassung Kriegsende bis 1989

2.9. Wende und Wiedervereinigung

2.10. Die Debatten gehen weiter

2.10.1. Die Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-44“

2.10.2. Debatte über die Entschädigung ehemaliger Sklaven- und Zwangsarbeiter

Teil II. Der lange Weg von „Deutschland“ zum Einwanderungsland BRD

1. Definition Migration

2. Historischer Abriss

2.1. Migration vor dem Zweiten Weltkrieg

2.2. Migration unter nationalsozialistischer Herrschaft

2.3. Migration im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland

2.4. Migration im Zeichen des Wirtschaftswunders

2.5. Familienzusammenführung und Strukturwandel

2.6. Widersprüchliche Tendenzen in den 80ern

2.7. Migration in der DDR

2.8. Migration im wiedervereinigten Deutschland

2.9. Die BRD wird auch staatsoffiziell zum Einwanderungsland

2.10. Die aktuelle Phase

Teil III. NS-Gedenkstättenpädagogik mit jungen Migranten

1. Jugend, Geschichte und Identität

1.1. Definition: Jugend

1.2. Definition: Identität

1.3. Dimensionen historischer Identität

1.4. Historische Identitäten im Migrationskontext

1.5. Geschichtsbewusstsein und historische Sinnbildung

2. Viola B. Georgis „Entliehene Erinnerung“

2.1. Vorstellung der Ausgangsthesen

2.2. Typenbildung nach Viola B. Georgi

3. Holocaust und Nationalsozialismus als exemplarische Lernfelder

4. NS-Gedenkstättenpädagogik im postnazistischen Deutschland als Hilfe zum adäquaten Umgang mit migrantischen Jugendlichen

4. 1. Erprobte Konzepte im Haus der Wannsee-Konferenz

4.2. Menschenrechtsbildung in Gedenkstätten

Zielsetzung & Themen

Die Diplomarbeit untersucht, inwieweit die NS-Gedenkstättenpädagogik im postnazistischen Deutschland dazu beitragen kann, den adäquaten Umgang mit migrantischen Jugendlichen zu fördern. Dabei liegt der Fokus auf der Verknüpfung von Erinnerungsarbeit mit den Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft, um historisches Bewusstsein und Identitätsbildung im Migrationskontext kritisch zu reflektieren.

  • Historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus und dessen Bedeutung in der deutschen Gesellschaft.
  • Analyse der Migrationsgeschichte in Deutschland vom Kaiserreich bis zur aktuellen Integrationsdebatte.
  • Untersuchung der Geschichtsbilder junger Migranten und deren Typologisierung nach Viola B. Georgi.
  • Evaluation von Konzepten der Gedenkstättenpädagogik im Umgang mit multiethnischen Besuchergruppen.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Tendenz zur Menschenrechtsbildung in Gedenkstätten.

Auszug aus dem Buch

Die „Entbarbarisierung auf dem platten Land“

Die „Entbarbarisierung auf dem platten Land“ (ebd., S. 94) ist ein weiteres Themenfeld, dem Adorno sich in „Erziehung nach Auschwitz“ widmet und verpflichtet fühlt. Einleitend verweist er dabei auf Eugen Kogons „Der SS-Staat“ (vgl. ebd., S. 93) und der dort getroffenen Feststellung, dass es sich bei einem Großteil der in Konzentrationslagern tätigen „Quälgeister“ (ebd.) um jüngere Bauernsöhne gehandelt habe.

An dieser Stelle möchte ich einen längeren Abschnitt aus besagtem Buch zitieren, in dem Kogon die Psychologie jener versucht zu umschreiben. „Die freiwilligen Mitglieder der Hitlerschen Schutzstaffeln, die sich von den SS-Idealen aus eigenem, ob bewußt oder unbewußt, angezogen fühlten, waren in der Regel ein Typ von Menschen, in denen ein einfaches psychologisches Schema wirkte: einige wenige scharf fixierte, dogmatische, nicht erarbeitete, simplifizierte Bewusstseinsinhalte bilden eine brettartige Gehirndecke, unter der sich eine Fülle von Emotionen herumdrückt. In sie wirken weder echte Einsichten noch echte Ideale hinein, sie suchen triebhaft nur Auswege in vorgeschrieben Bahnen der Entladung. Alle SS-Leute, die meine Freunde und ich kennengelernt haben, waren in diesem Sinne Barbaren, trugen kein Element echter Kultur in sich, das heißt die Fähigkeit, Geist und Triebe in einer beständigen kritischen Auseinandersetzung mit sich, mit der Umwelt und im allgemeinen gültigen Normen zu einer höheren seelischen Einheit zusammenwirken zu lassen. Die einzige „kritische Überprüfung“, die ihnen immer wieder nahegelegt wurde und die sie von Fall zu Fall auch vornahmen, blieb rein innerhalb des Schemas: ob die Triebrichtung den vorgeschriebenen SS-Zielen entsprach. Sie nannten das – in einer gewissen preußischen Überlieferung -: den „inneren Schweinehund“ überwinden“ (Kogon 1974, S. 344). Kogon umschreibt die Kulturlosigkeit dieser Menschen in auffallend ähnlichen Vokabeln wie es auch Adorno zu tun pflegt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Theodor W. Adornos „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit?“ und „Erziehung nach Auschwitz“: Die Arbeit analysiert Adornos Kernthesen zur notwendigen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und zur pädagogischen Verantwortung, um eine Wiederholung von Auschwitz zu verhindern.

2. Der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit im postnazistischen Deutschland (Ost und West): Das Kapitel zeichnet die unterschiedlichen Formen der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte in beiden deutschen Staaten von der Entnazifizierung bis zur Wiedervereinigung nach.

Teil II. Der lange Weg von „Deutschland“ zum Einwanderungsland BRD: Es wird die Migrationsgeschichte Deutschlands historisch aufgearbeitet und in den Kontext der gesellschaftlichen Veränderungen sowie des Selbstverständnisses der Bundesrepublik gestellt.

Teil III. NS-Gedenkstättenpädagogik mit jungen Migranten: Dieser Teil verknüpft Identitätsfragen von Migranten mit der historischen Auseinandersetzung und untersucht, wie Gedenkstätten pädagogisch auf die multiethnische Realität reagieren können.

3. Holocaust und Nationalsozialismus als exemplarische Lernfelder: Hier wird diskutiert, welche didaktische Rolle der Holocaust für politisches Lernen in einer Einwanderungsgesellschaft spielen kann und sollte.

4. NS-Gedenkstättenpädagogik im postnazistischen Deutschland als Hilfe zum adäquaten Umgang mit migrantischen Jugendlichen: Das Kapitel evaluert konkrete Ansätze wie die „wechselseitige Führung“ im Haus der Wannsee-Konferenz und reflektiert deren Grenzen und Potenziale.

Schlüsselwörter

NS-Gedenkstättenpädagogik, postnazistisches Deutschland, Migration, Einwanderungsland BRD, Erinnerungskultur, Adorno, Identität, migrantische Jugendliche, Haus der Wannsee-Konferenz, Antisemitismus, Menschenrechtsbildung, historisches Bewusstsein, gesellschaftliche Integration.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht die Herausforderungen und Möglichkeiten der NS-Gedenkstättenpädagogik in der heutigen Einwanderungsgesellschaft, insbesondere im Kontext von Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

Welche Themenfelder werden zentral behandelt?

Zentrale Themen sind die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, die Migrationsgeschichte in Deutschland, Identitätsbildungsprozesse bei jungen Migranten sowie die didaktische Weiterentwicklung von Gedenkstätten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Gedenkstätten durch einen reflektierten, interkulturellen Ansatz einen angemessenen Umgang mit der NS-Geschichte für Jugendliche unterschiedlicher Herkunft ermöglichen können.

Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?

Der Autor legt eine theoretische Arbeit vor, die auf einer fundierten Auswertung aktueller Forschungsliteratur, historischer Diskurse und spezifischer Fallbeispiele, wie etwa der Arbeit im „Haus der Wannsee-Konferenz“, basiert.

Was sind die Hauptinhalte des dritten Teils?

Der dritte Teil analysiert die Identitätskonzepte junger Migranten anhand der Typologie von Viola B. Georgi und untersucht didaktische Strategien, um diese Jugendlichen in die Auseinandersetzung mit dem Holocaust einzubeziehen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind NS-Gedenkstättenpädagogik, Einwanderungsgesellschaft, Erinnerungskultur, Identität, historische Sinnbildung und der Umgang mit dem negativen Erbe des Nationalsozialismus.

Warum hält der Autor die Menschenrechtsbildung in Gedenkstätten für problematisch?

Der Autor warnt, dass eine zu starke Fokussierung auf Menschenrechte statt auf die spezifische Geschichte des Holocaust zur Verallgemeinerung, Trivialisierung und letztlich zum Geschichtsrevisionismus führen könnte.

Welche Bedeutung kommt der Typologie von Viola B. Georgi in der Arbeit zu?

Die Typologie dient dazu, die unterschiedlichen Strategien und Selbstpositionierungen junger Migranten im Umgang mit der NS-Vergangenheit zu verstehen und pädagogisch anschlussfähig zu machen.

Wie bewertet der Autor die Rolle des „Hauses der Wannsee-Konferenz“?

Er sieht in dem dort praktizierten Konzept der „wechselseitigen Führung“ ein erfolgreiches Beispiel dafür, wie pädagogische Arbeit die heterogene Zusammensetzung von Besuchergruppen als Gewinn für den Lernprozess nutzen kann.

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Details

Title
NS-Gedenkstättenpädagogik im postnazistischen Deutschland als Hilfe zum adäquaten Umgang mit migrantischen Jugendlichen
College
Catholic University of Applied Sciences Saarbrücken
Grade
1.5
Author
Dipl. Sozialpädagoge Andreas Schmitt (Author)
Publication Year
2007
Pages
130
Catalog Number
V186395
ISBN (eBook)
9783869437316
ISBN (Book)
9783869431574
Language
German
Tags
gedenkstättenpädagogik deutschland hilfe umgang jugendlichen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl. Sozialpädagoge Andreas Schmitt (Author), 2007, NS-Gedenkstättenpädagogik im postnazistischen Deutschland als Hilfe zum adäquaten Umgang mit migrantischen Jugendlichen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186395
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