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Islamistische Orientierungen - Kann die Kinder- und Jugendhilfe wirksam werden?

Titel: Islamistische Orientierungen - Kann die Kinder- und Jugendhilfe wirksam werden?

Studienarbeit , 2007 , 39 Seiten , Note: 1.3

Autor:in: Dipl. Sozialpädagoge Andreas Schmitt (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der "BGH hebt Freisprüche im Berliner Ehrenmord Prozess auf" ist in der heutigen Ausgabe der Saarbrücker Zeitung zu lesen. Demnach muss der Prozess um den Mord an der 23jährigen Hatun Sürücü neu aufgerollt werden. Die junge Mutter musste im Februar 2005 sterben, weil sie sich von ihrem traditionell-islamischen Elternhaus und Umfeld lossagte und selbstbestimmt ihr eigenes Leben leben wollte. Der Fall "Hatun" löste eine breite politische und gesellschaftliche Debatte aus über die gesellschaftlichen Umstände, die zu ihrer Ermordung führten. Der Tod der jungen Frau ist ein tragisches Beispiel für die verschärften Lebensbedingungen denen zahlreiche junge Menschen innerhalb der islamischen Alltagskultur ausgesetzt sind. Ausgehend von dieser Erkenntnis werde ich in der vorliegenden Arbeit Ansatzpunkte für die Soziale Arbeit und hier insbesondere der Kinder- und Jugendhilfe in der Auseinandersetzung mit Adressaten aus einem Umfeld mit islamistischen Orientierungen erörtern. Zunächst werde ich eine Fallbestimmung vornehmen und sowohl dessen gesellschaftliche als auch rechtliche Einbettung ansprechen um dann die Akteure in diesem Feld zu benennen.
Nachdem ich kurz auf den Koran als Grundlage islamischer Alltagskultur eingehe, wird von mir eine theoretische Rahmung des Falls vorgenommen werden. Heitmeyers Konzept der Gruppenbezogenen
1 Postkartenaufschrift Rückseite "Ehre ist die Freiheit meiner Schwester zu verteidigen"; MaDonna Mädchenkult.Ur e.V. 4
Menschenfeindlichkeit? und Überlegungen zum "Ehr-" Begriff werden darin genauso zu finden sein wie Überlegungen zum kritischen Universalismus und zum Relativismus.
Schließlich werde ich ausführlich auf das Berliner Mädchenprojekt "MaDonna" eingehen, das ich im Rahmen meiner Arbeit zum Studienschwerpunkt besuchen durfte und welches bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen hat. Dabei werde ich sowohl Geschichte und Konzeption des Projekts vorstellen, als auch dort entwickelte allgemeine Leitsätze für die Arbeit in der Islamismusprävention präsentieren.
Abschließend wird eine Postkartenaktion des Projekts von mir in Anlehnung an die objektiv-hermeneutische Bildanalyse exemplarisch analysiert werden.
In der Bearbeitung des Themas haben sich neben Heitmeyers ?Deutsche Zustände? vor allem die Veröffentlichungen Gabriele Heinemanns und das im Nischenverlag "ça-ira" erschienene Werk "Die Macht der Mullahs" von Thomas Maul als in besonderem Maße als hilfreich und erkenntniserweiternd erwiesen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Worte

2. Die Bestimmung des Falls und seine Einbettung

2.1. Fallbestimmung

2.2. Einbettung des Falls

2.2.1. Kirche, Staat und Religionszugehörigkeit in der Bundesrepublik Deutschland

2.2.2. Gesellschaftlich-diskursive Einbettung

2.2.3. Rechtliche Einbettung des Falls

2.2.3.1. Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

2.2.3.2. SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe)

2.2.3.3. BGB

3. Akteure

4. Der Koran

5. Theoretische Rahmung

5.1. Das Konzept der „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ nach Heitmeyer

5.2. Überlegungen zum „Ehr- Begriff

5.3. Überlegungen bei Thomas Maul zum kritischen Universalismus und zum Relativismus

6. Projektvorstellung: „Der MaDonna - Mädchentreff“

6.1. Kurzer Abriss über die Geschichte des MaDonna – Mädchentreffs

6.2. Die Konzeption des MaDonna – Mädchentreff

6.3. Islamismusprävention aus der Sicht des MaDonna-Mädchentreffs

6.3.1. Quartiersmanagement und Jugendhilfe

6.3.2. Politische und kulturelle Bildung in der kieznahen Kinder-, Jugend- und Elternarbeit

7. Die Postkartenaktion „Ehre ist…“

7.1. Objektiv-hermeneutische Bildanalyse des Postkartenmotivs

7.1.1. Kontextuelle Vorbemerkungen

7.1.2. Interpretation der bildnerischen Elemente

7.1.3. Interpretation der Textelemente

7.1.4. Kurzes Fazit zur Postkarte

8. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Kinder- und Jugendhilfe wirksam auf Adressaten aus Umfeldern mit islamistischen Orientierungen einwirken kann, wobei insbesondere die Gefährdung der Autonomieentwicklung von Mädchen im Fokus steht und durch das Praxisbeispiel des MaDonna-Mädchentreffs fundiert wird.

  • Fallanalyse und rechtliche Einbettung im Kontext islamischer Alltagskultur.
  • Theoretische Fundierung durch das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
  • Vorstellung der pädagogischen Konzeption und Islamismusprävention des MaDonna-Mädchentreffs.
  • Objektiv-hermeneutische Bildanalyse einer Postkartenaktion gegen Ehrenmorde.

Auszug aus dem Buch

7.1.2. Interpretation der bildnerischen Elemente

Das Postkartenmotiv wird dominiert von vier Jugendlichen, die den gesamten Bildvordergrund einnehmen. Alle vier würden im Sozialarbeiterjargon als „Jugendliche mit Migrationshintergrund“ beschrieben werden. In der Bildmitte sind zwei etwa 16jährige junge Frauen zu sehen, die mit ihren Rücken freundschaftlich aneinander lehnen. Ihre Gesichter sind in der geometrischen Bildmitte angesiedelt. Beide blicken in die fotografierende Kamera, womit ein Effekt erzielt wird, der dem Betrachter scheinbar einen direkten Blickkontakt mit den Mädchen ermöglicht. Während das Mädchen links den Kopf leicht in den Nacken gelegt hat, hat das andere Mädchen ihren Kopf leicht nach vorne gebeugt. Beide wirken sehr selbstbewusst, dem Betrachter gegenüber sogar leicht trotzig, vielleicht sogar herausfordernd. Das Erscheinungsbild der Beiden wirkt sehr gepflegt und die schicke Kleidung, sowie das stilvolle Stirnband und die Ohrringe bei dem Mädchen links deuten auf ein hohes Modebewusstsein hin. Beide Mädchen betonen ihr Haar. Das Mädchen links durch ein türkisfarbenes Stirnband, das Mädchen rechts trägt ihr langes Haar offen.

Flankierend befinden sich zwei ebenfalls etwa 16jährige Jungs vor den Mädchen. Auch sie scheinen dem Betrachter entschlossen in die Augen zu schauen. Da die Fotografie von leicht schräg unten aufgenommen wurde, machen alle vier einen leicht überlegenen Eindruck, was bei den beiden Jungs allerdings besonders auffällt. Auch sie machen beide einen sehr gepflegten, sportlichen und selbstbewussten Eindruck. Die akkurat gegelten Haare deuten auch bei ihnen auf ein ausgeprägtes Modebewusstsein hin. Beide tragen weiße Shirts. Der junge Mann rechts trägt deutlich ein Amulett mit dem Schwert des Propheten. Dies lest mehrere Lesarten zu:

1) Es handelt sich bei ihm um einen überzeugten Anhänger des Islam.

2) Er kommt aus einem Umfeld in dem diese Symbolik eher traditionell verankert ist und in erster Linie als Schmuck betrachtet wird (so könnte es sich beispielsweise um ein Geschenk des Onkels handeln).

3) Er teilt die Symbolbedeutung des „Kampfes“ ohne einen religiösen Hintergrund damit in Verbindung zu bringen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Worte: Die Einleitung skizziert den Anlass der Arbeit, den Mord an Hatun Sürücü, und führt in die Fragestellung zur Rolle der Kinder- und Jugendhilfe bei islamistischen Orientierungen ein.

2. Die Bestimmung des Falls und seine Einbettung: Dieses Kapitel definiert den Fall und bettet ihn in den rechtlichen sowie gesellschaftlich-diskursiven Rahmen der Bundesrepublik Deutschland ein.

3. Akteure: Hier werden die relevanten Akteure im Feld der Jugendhilfe, von religiösen Vereinigungen bis hin zu den betroffenen Jugendlichen, identifiziert.

4. Der Koran: Es erfolgt eine kurze Betrachtung des Korans als Grundlage der islamischen Alltagskultur und deren Relevanz für das sozialpolitische Handeln.

5. Theoretische Rahmung: Das Kapitel verknüpft das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit nach Heitmeyer mit dem Ehrbegriff und einer kritischen Auseinandersetzung mit Universalismus und Relativismus.

6. Projektvorstellung: „Der MaDonna - Mädchentreff“: Dieser Teil präsentiert die Geschichte, Konzeption und die spezifischen Ansätze zur Islamismusprävention des Berliner Projekts.

7. Die Postkartenaktion „Ehre ist…“: Anhand einer objektiven Bildanalyse wird die politische und gesellschaftliche Sprengkraft der Kampagne „Ehre ist für die Freiheit meiner Schwester zu kämpfen“ exemplarisch untersucht.

8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bejaht die Wirksamkeit der Kinder- und Jugendhilfe unter der Voraussetzung einer fachlich fundierten, konzeptionellen Praxis.

Schlüsselwörter

Kinder- und Jugendhilfe, Islamismusprävention, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Ehrenmord, Mädchenarbeit, Hatun Sürücü, Emanzipation, Autonomieentwicklung, Sozialraumorientierung, MaDonna Mädchentreff, Identität, Rollenbilder, Migrationshintergrund, Menschenrechte, Kritischer Universalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen der Kinder- und Jugendhilfe im Umgang mit Adressaten, deren Autonomieentwicklung durch islamistische Orientierungen und patriarchale Strukturen in ihrem Umfeld gefährdet ist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den Kernbereichen zählen die gesellschaftliche und rechtliche Einbettung dieses Phänomens, der Einfluss traditioneller Werte, die Bedeutung der Aufklärung sowie pädagogische Interventionsmöglichkeiten in der Jugendhilfe.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel der Arbeit ist es zu erörtern, ob und wie die Kinder- und Jugendhilfe wirksam bei jungen Menschen intervenieren kann, die in einem Umfeld mit islamistischen Orientierungen aufwachsen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Neben der theoretischen Einordnung mittels soziologischer Konzepte (u.a. Heitmeyer) nutzt der Autor die objektiv-hermeneutische Bildanalyse, um die Wirkung und Bedeutung einer spezifischen Postkartenkampagne zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Rahmung, die Vorstellung des MaDonna-Mädchentreffs als Best-Practice-Beispiel sowie eine detaillierte Analyse der Postkartenaktion „Ehre ist…“.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Kinder- und Jugendhilfe, Islamismusprävention, Emanzipation, Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und die kritische Auseinandersetzung mit dem Ehrbegriff.

Was zeichnet das Berliner Projekt „MaDonna“ aus?

MaDonna ist ein seit über 25 Jahren bestehendes Modellprojekt, das niedrigschwellige Ansätze mit politischer Bildung verbindet und aktiv gegen Unterdrückung sowie für die Einhaltung von Menschenrechten im Kiez eintritt.

Welche Rolle spielen die Jungen im Postkartenmotiv des Projekts?

Die Jungen auf der Postkarte bekennen sich öffentlich gegen das System des Ehrenmordes, indem sie sich als Unterstützer der Freiheit ihrer Schwestern positionieren und somit die traditionelle Rolle des „Sittenwächters“ aufbrechen.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Islamistische Orientierungen - Kann die Kinder- und Jugendhilfe wirksam werden?
Hochschule
Katholische Hochschule für Soziale Arbeit Saarbrücken
Note
1.3
Autor
Dipl. Sozialpädagoge Andreas Schmitt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
39
Katalognummer
V186396
ISBN (eBook)
9783869437309
ISBN (Buch)
9783656993384
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islamistische orientierungen kann kinder- jugendhilfe
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dipl. Sozialpädagoge Andreas Schmitt (Autor:in), 2007, Islamistische Orientierungen - Kann die Kinder- und Jugendhilfe wirksam werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186396
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Leseprobe aus  39  Seiten
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