Wohl kein Ereignis in der jüngeren Vergangenheit Europas hat einen vergleichbaren Einfluss auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen Mittel- und Osteuropas gehabt wie der Zusammenbruch des Sozialismus Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Ausgelöst durch die Hinwendung zur Marktwirtschaft verläuft vor allem die wirtschaftliche Entwicklung der mittel- und osteuropäischen Reformstaaten allgemein mit einer bis dato unbekannten Dynamik und mit tiefen und grundlegenden strukturellen Veränderungen.
Es wird eine Analyse der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung Polens bis zum heutigen Tag durchgeführt. Im Hinblick auf das Verständnis der Konsummuster der Bevölkerung wird ein Einblick in die wirtschaftliche Situation während der sozialistischen Zeit vor der Wende gegeben.
Kapitel 3 gibt einen kurzen Überblick über die soziodemographischen und geographischen Rahmenbedingungen.Im weiteren Verlauf wird Einsicht in die besonderen Gegebenheiten des polnischen Einzelhandelsmarktes genommen.In Kapitel 5 wird auf die verschiedenen zur Verfügung stehenden internationalen Markteintrittsstrategien eingegangen und untersucht, wie diese seit Mitte der neunziger Jahre durch die internationalen Lebensmitteleinzelhändler in Polen Anwendung fanden.Ein besonderes Augenmerk wird auf die deutschen Lebensmittel - Discounter gelegt. Der große Erfolg dieser Vertriebsform in Deutschland hat schon in früheren Jahren zu einer ähnlich erfolgreichen Expansion im Ausland geführt. Ziel der Expansion war allerdings ausschließlich das westliche europäische Ausland oder aber zumindest reife Volkswirtschaften im außereuropäischen Ausland. Hierbei wird untersucht, wie erfolgreich sich diese bewährte Vertriebsform auf eine post-sozialistische und junge Marktwirtschaft übertragen lässt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Analyse der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Polen
2.1 Das politische und wirtschaftliche Umfeld in der Volksrepublik Polen nach Kriegsende bis zur Wende
2.2 Sozioökonomische Entwicklung in Polen seit der Wende bis heute
2.2.1 Politische Entwicklung
2.2.2 Wirtschaftliche Entwicklung
3 Sozio-demographische und geographische Rahmenbedingungen
3.1 Geographie
3.2 Bevölkerungsstruktur
4 Analyse des Einzelhandels Anfang der neunziger Jahre
4.1 Zunehmende Konzentration
4.2 Restrukturierung und Zersplitterung
4.2.1 Privatisierung
4.2.2 Gründungsboom
4.3 Einstellung und Besonderheiten im polnischen Einzelhandel
4.4 Konsumverhalten
5 Internationalisierung und Konsolidierung
5.1 Allgemeine Motive für Internationalisierungstendenzen
5.1.1 Push-Strategie
5.1.2 Pull-Strategie
5.2 Spezielle Motive für eine Expansion nach Polen
5.3 Expansionsstrategien im polnischen Einzelhandel
5.4 Internationalisierungsschub
5.4.1 Hypermärkte in Polen
5.4.2 Vertriebsform Supermarkt
5.4.3 Vertriebsform Convenience-Store
5.5 Der einheimische Einzelhandel
6 Lebensmittel-Discounter
6.1 Abgrenzung von den übrigen Vertriebsformen des Lebensmitteleinzelhandels
6.2 Entwicklung der Discounter
6.3 Die deutschen LM- Discounter in Polen
6.3.1 Tengelmann-Gruppe
6.3.2 Schwarz-Gruppe
6.3.3 Edeka-Gruppe
6.4 Wettbewerber
6.5 Prognose und Potentiale
7 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die tiefgreifende Transformation des polnischen Lebensmitteleinzelhandels nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Wirtschaftssystems 1989. Dabei steht im Zentrum, wie internationale Handelskonzerne diesen Markt durch verschiedene Expansionsstrategien erschlossen haben und wie die einheimische Struktur auf diesen Wandel reagierte.
- Transformation vom Plan- zum Marktwirtschaftssystem in Polen
- Strukturelle Veränderungen im Einzelhandel (Konzentration vs. Zersplitterung)
- Markteintritts- und Expansionsstrategien internationaler Handelsketten
- Rolle von deutschen Lebensmittel-Discountern im polnischen Markt
- Anpassung von Vertriebsformaten an lokale Gegebenheiten und Konsummuster
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Privatisierung
Bei der Überführung des Ladeneinzelhandels in private Hände erwies sich die sogenannte „kleine Privatisierung“ als das wichtigste Instrument. Die sogenannte „große Privatisierung“ setzte erst ein, nachdem die Kleine schon längst angelaufen war und betraf folglich nur die noch verbliebenen Filialnetze. Sie soll hier deshalb nicht näher betrachtet werden.
Der schnelle Erfolg der kleinen Privatisierung liegt darin begründet, dass es hier nicht etwa zu einer zentral gesteuerten Privatisierung staatlicher Unternehmen oder Konsumgesellschaften im eigentlichen Sinne kam, sondern vielmehr um den Transfer von Eigentumsrechten an den Ladenlokalen, in denen die sozialistischen Läden operierten. Die Rechte wurden dabei durch eine Gesetzesnovelle vom Staat an die über 2.000 Gemeinden übertragen, die damit die Privatisierung dezentral und indirekt durchführen konnten. Die Gemeinden hatten als neuer Eigentümer nun das Recht, bestehende Mietverträge nach einer kurzen Kündigungsfrist zu beenden.
Da die Stadträte der Gemeinden oftmals Mitglieder der oppositionellen „Solidarnosc“ waren, hatten sie kein Interesse an der Bewahrung der alten sozialistischen Einzelhandelsstrukturen, die für sie das kommunistische System symbolisierten und zu denen kaum Beziehungen bestanden. In der überwältigenden Mehrzahl der Fälle wurden die neu gewonnenen Entscheidungsbefugnisse dazu genutzt, die Mietverhältnisse zu kündigen, die staatlichen Einzelhandelsketten zu zerschlagen, und die Lokalitäten an Privatpersonen neu zu verpachten.
Dabei wurden in der Regel die ehemaligen Belegschaften bevorzugt, zu denen oftmals Kontakte über gewerkschaftliche Verbindungen bestanden und die nun den Sprung in die Selbstständigkeit wagten. Die Möglichkeit, die Ladenlokale über Auktionen an den Meistbietenden zu verpachtenden, wurde nur in schätzungsweise zehn Prozent der Fälle genutzt, obwohl bei dieser Variante die weitaus höheren Mieten erreicht werden konnten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert den Zusammenbruch des Sozialismus in Polen als Ausgangspunkt für die Transformation und skizziert das Ziel, die Entwicklung des Lebensmitteleinzelhandels sowie die Markterschließungsprozesse darzustellen.
2 Analyse der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Polen: Das Kapitel bietet einen historischen Rückblick auf die sozialistische Mangelwirtschaft und analysiert die politischen sowie wirtschaftlichen Umbrüche seit 1989.
3 Sozio-demographische und geographische Rahmenbedingungen: Hier werden die geographischen Gegebenheiten Polens sowie demographische Strukturen wie Bevölkerungsdichte, Alter und Bildungsgrad als Rahmen für den Konsum dargestellt.
4 Analyse des Einzelhandels Anfang der neunziger Jahre: Es erfolgt eine Analyse des Transformationsprozesses, bei der die Privatisierung des Einzelhandels und der Gründungsboom privater Kleinstbetriebe als Reaktionen auf den Systemwechsel beleuchtet werden.
5 Internationalisierung und Konsolidierung: Dieses Kapitel untersucht, wie internationale Handelsketten seit Mitte der neunziger Jahre in den polnischen Markt drängten, welche Strategien sie wählten und wie dies den Markt modernisierte.
6 Lebensmittel-Discounter: Im Fokus stehen hier die deutschen Discounter als spezifische Vertriebsform, deren Strategien in Polen und die Rolle von Wettbewerbern wie Biedronka.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Einzelhandelsentwicklung in Polen ab und wagt einen Ausblick auf die zukünftige Konzentration und den Wettbewerb zwischen internationalen und einheimischen Akteuren.
Schlüsselwörter
Polen, Transformation, Lebensmitteleinzelhandel, Markterschließung, Privatisierung, Discounter, Hypermärkte, Konsumverhalten, Handelsstrukturen, Expansion, Konzentration, Einzelhandel, Marktwirtschaft, Supermärkte, Convenience-Store
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Transformation des polnischen Lebensmitteleinzelhandels seit 1989, insbesondere mit der Art und Weise, wie ausländische Handelsunternehmen den polnischen Markt erschlossen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der Übergang von einer zentral verwalteten Mangelwirtschaft zur Marktwirtschaft, die Privatisierung des Einzelhandels, der Gründungsboom privater Kleinstbetriebe und die nachfolgende Internationalisierung durch westliche Handelskonzerne.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung des polnischen Lebensmitteleinzelhandels seit dem Systemwechsel darzustellen, die strukturellen Veränderungen zu verdeutlichen und die Auswirkungen der modernen westlichen Vertriebsformen auf den polnischen Markt zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?
Es handelt sich um eine literarische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse von Fachliteratur, Statistiken, Studien von Marktforschungsinstituten und Wirtschaftsberichten basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Rahmenbedingungen, den Transformationsprozess des Einzelhandels, verschiedene Markteintritts- und Expansionsstrategien (wie Akquisition oder organisches Wachstum) sowie die spezifische Rolle der deutschen Lebensmittel-Discounter in Polen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Polen, Transformation, Einzelhandel, Internationalisierung, Privatisierung, Discounter und Markterschließung.
Warum war der polnische Einzelhandelsmarkt für ausländische Investoren so attraktiv?
Polen bot ein enormes Entwicklungspotenzial durch seine Größe von über 38 Millionen Menschen, einen anhaltenden Nachholbedarf nach Jahrzehnten der Mangelwirtschaft und relativ liberale Rahmenbedingungen bei gleichzeitig niedrigen Lohnkosten.
Welche Rolle spielten die sogenannten "kleinen Privatisierungen" für die Marktstruktur?
Die "kleine Privatisierung" ermöglichte es ehemaligen Belegschaften und lokalen Akteuren, Ladenlokale zu übernehmen. Dies führte zwar zu einem rasanten Anstieg der privaten Geschäfte, verursachte jedoch auch eine extreme Zersplitterung und Dekonzentration der Einzelhandelslandschaft.
Warum setzen Handelsunternehmen in Polen verstärkt auf Hypermärkte und Discounter?
Diese Betriebsformen adressieren mit ihrem Fokus auf Massenkonsum und preisgünstige Angebote die Bedürfnisse einer breiten Bevölkerungsschicht, die besonders auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achtet.
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- Darius Kurowski (Author), 2007, Die Entwicklung des Lebensmittel-Einzelhandels in Polen seit 1989 unter besonderer Berücksichtigung der Markterschließung durch deutsche Lebensmittel-Discounter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186404