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Die literarische Darstellung psychischer Erkrankung bei Hermann Hesse

Title: Die literarische Darstellung psychischer Erkrankung bei Hermann Hesse

Examination Thesis , 2007 , 75 Pages , Grade: 0

Autor:in: André Weikard (Author)

Psychology - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Die Darstellung psychischer Erkrankung ist ein werkübergreifendes Phänomen bei Hermann Hesse, dessen Mechanismen (Anlehnung an literarische Vorbilder, eigene Krankengeschichte, Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse, ästhetische Umwertung vor dem Hintergrund der Moderne,u.a.) dargestellt und auf ihre erzählerische Funktion hin überprüft werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Über den Einfluss der Psychoanalyse auf das Werk Hermann Hesses

2.1 Das Unbewusste

2.1.1 Das kollektive Unbewusste nach C. G. Jung

2.2. Ödipus-Komplex und Sexualtrieb

2.3. Die Sublimierung

2.4 Die Analyse

3. Der Selbstmord als „präsuizidales Syndrom“

4. Innenansichten des Wahnsinns

4.1 Erregungszustände

4.2. Zwang und Kontrollverlust

4.3. Wahrnehmungsstörungen und Wahn

4.4 Spaltungserscheinungen und Schizophrenie

5. Erzähltechnische Perspektiven bei der Verwendung der Wahnsinns-Thematik

6. Traum und Drogenrausch als Nachbarerscheinungen psychischer Erkrankung

7. Kulturelle Bezüge der Wahnsinnsdarstellung – die Melancholie

8. Psychische Kra nkheit als Krise der Kommunikationslosigkeit

9. Die Beziehung zwischen psychischer Erkrankung und Künstlertum

10. Positivierung der Geisteskrankheit

11. Außenseitertum und Auszeichnung im Wahnsinn

12. Psychische Erkrankung in ihrer Auseinandersetzung mit der Gesellschaft

13. Eine Krankheit der Moderne

14. Psychische Erkrankung als Mittel der Erkenntnis

15 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Darstellung psychischer Erkrankung im Werk von Hermann Hesse. Dabei wird analysiert, inwiefern Hesse psychologische Konzepte, insbesondere die Psychoanalyse, instrumentalisiert, um seelische Ausnahmezustände darzustellen, ihre Funktion zu beschreiben und sie in einen gesellschaftskritischen sowie erkenntnistheoretischen Kontext zu setzen.

  • Einfluss psychoanalytischer Konzepte (Unbewusstes, Ödipus-Komplex, Sublimierung) auf Hesses Werk
  • Systematisierung von Krankheitsbildern und psychischen Krisenzuständen
  • Funktion und Ästhetisierung des Suizids in den Erzähltexten
  • Zusammenhang zwischen psychischer Störung, Künstlertum und Außenseitertum
  • Das Verhältnis von Moderne, Gesellschaft und individueller psychischer Krise

Auszug aus dem Buch

1. Einleitung

Wenn Arnold Zweig mit dem oft zitierten ersten Satz von Georg Büchners „Lenz“, in dem es heißt „Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehen konnte“ die moderne europäische Prosa beginnen lässt, erklärt er den Irrsinn zum Schlüsselthema der Moderne. Das allein könnte Anlass genug sein, sich der literarischen Darstellung von psychischer Erkrankung bei Hermann Hesse zu widmen.

Tatsächlich ist es aber auch seine biographische Nähe zu pathologischen Seelenzuständen, die Hesse für eine solche Untersuchung prädestiniert. Schließlich ist Hesse schon zu Internatszeiten melancholisch, wird von der Schule genommen und unternimmt einen Suizidversuch. Er besucht bereits als Jugendlicher verschiedene Nervenheilanstalten und muss sich unter anderem einer „Gebetsheilung“, einem Exorzismus unterziehen. Später sollte seine erste Frau an einer Depression leiden und der Bruder Hans Selbstmord begehen.

Stolte konstatiert für Hesse einen „krankhafte[n] und unheilbare[n] Hang zur Melancholie“, sowie eine „psychopathische Veranlagung“. Dass solche Ferndiagnosen zulässig sind, wird hier bezweifelt, weil literarische Werke möglicherweise „autotherapeutisch“ seien mögen, wie Volker Michels das für Hesses annimmt, nicht aber als Dokumentation einer Krankheit gelesen werden dürfen. Geht man so vor, so gelangt man zu Aussagen über einen vermeintlichen „Altersschwachsinn“ König Lears, nennt Othellos Eifersucht eine „Psychose“ und Gretchens Zustand „delirant“.

Das alles sind anschauliche und mehr oder minder belegbare Urteile, die am Kern der Sache allerdings völlig vorbeigehen. Literatur ist ein anderer Untersuchungsgegenstand als die menschliche Psyche. Sie folgt nicht notwendig den Mechanismen, die der Psychologe beschreibt, sondern unterliegt einem Gestaltungswillen, der sich psychopathologischer Zustände bedient, und sie zu einem bestimmten Zweck instrumentalisiert. Gleichviel muss es nicht verwundern, dass Hermann Hesse, auch aus den dargestellten Gründen, so häufig ausgerechnet zu diesem Mittel gegriffen hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Hesses biographische Bezüge zu psychischen Ausnahmezuständen und begründet die methodische Herangehensweise der Arbeit, welche Literatur nicht als Krankenakte, sondern als literarische Gestaltung psychopathologischer Zustände versteht.

2. Über den Einfluss der Psychoanalyse auf das Werk Hermann Hesses: Dieses Kapitel analysiert Hesses intensive Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse Freuds und Jungs und deren Anwendung auf die Darstellung des Unbewussten, Triebkonflikte und Sublimierungsprozesse in seinen Romanen.

3. Der Selbstmord als „präsuizidales Syndrom“: Unter Rückgriff auf Erwin Ringels Theorie wird die Suizidalität als häufiges Merkmal in Hesses Figurenwelt und als Kulminationspunkt psychischer Krankheit untersucht.

4. Innenansichten des Wahnsinns: Hier werden spezifische Krankheitsbilder wie Erregungszustände, Kontrollverlust, Wahn und Schizophrenie als zentrale Motive und Ausdrucksformen in den Erzähltexten systematisch erfasst.

5. Erzähltechnische Perspektiven bei der Verwendung der Wahnsinns-Thematik: Dieses Kapitel untersucht, wie Hesse Wahnsinn als erzähltechnisches Mittel einsetzt, um Figuren zu motivieren und eine dialektische Auseinandersetzung mit Themen wie „krank“ und „gesund“ zu ermöglichen.

6. Traum und Drogenrausch als Nachbarerscheinungen psychischer Erkrankung: Es wird die Verwandtschaft von Wahnsinn, Traum und Rauschmittelkonsum als Zustände einer Entmachtung zensorischer Kräfte der Persönlichkeit beleuchtet.

7. Kulturelle Bezüge der Wahnsinnsdarstellung – die Melancholie: Dieses Kapitel verortet Hesses Melancholie-Darstellung in der kunsthistorischen und literarischen Tradition des Melancholikers.

8. Psychische Kra nkheit als Krise der Kommunikationslosigkeit: Krankheit wird hier als Ausdruck einer sozialen Krise verstanden, in der die Unfähigkeit zu zwischenmenschlichen Beziehungen und Kommunikation zentral ist.

9. Die Beziehung zwischen psychischer Erkrankung und Künstlertum: Der Zusammenhang zwischen kreativem Schaffen und psychischer Störung wird als ambivalenter Komplex untersucht, in dem Krankheit sowohl als Hindernis als auch als Voraussetzung für Kunst erscheint.

10. Positivierung der Geisteskrankheit: Die Arbeit zeigt auf, wie Hesse eine Umwertung des Krankhaften vornimmt, indem er psychische Erkrankung zur Voraussetzung für Schöpferkraft und höhere Erkenntnis stilisiert.

11. Außenseitertum und Auszeichnung im Wahnsinn: Es wird analysiert, wie Hesse den Wahnsinn mit der Rolle des Außenseiters verknüpft und ihn zu einem Merkmal einer elitären „Auszeichnung“ macht.

12. Psychische Erkrankung in ihrer Auseinandersetzung mit der Gesellschaft: Dieses Kapitel untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Individuum und den Ausgrenzungsmechanismen der Gesellschaft, die abweichendes Verhalten pathologisiert.

13. Eine Krankheit der Moderne: Hier wird der Wahnsinn als Symptom und Ausdruck einer orientierungslosen Generation im Kontext der Moderne diskutiert.

14. Psychische Erkrankung als Mittel der Erkenntnis: Abschließend wird Krankheit als notwendiges Durchgangsstadium und Katalysator für einen Individuationsprozess begriffen, der tieferes Verständnis ermöglicht.

15 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt Hesse als Autor, der psychische Erkrankung ästhetisiert und als essenzielles Erkenntnismittel in seinem Werk verwendet.

Schlüsselwörter

Hermann Hesse, Psychoanalyse, Psychische Erkrankung, Moderne, Wahnsinn, Suizid, Melancholie, Sublimierung, Individuation, Außenseitertum, Künstlertum, Unbewusstes, Literatur und Psychologie, Schizophrenie, Existenzkrise

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Hermann Hesse psychische Erkrankungen in seinen literarischen Werken darstellt und welche Funktion diese für seine Figuren und seine Poetik haben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören der Einfluss der Psychoanalyse, die Ästhetisierung des Selbstmords, das Verhältnis von Künstlertum und Wahn sowie die gesellschaftliche Ausgrenzung psychisch Erkrankter in der Moderne.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hesse psychologische Konzepte literarisch adaptiert, um existenzielle Krisen abzubilden und wie er das „Krankhafte“ als Erkenntnismittel oder „Auszeichnung“ umwertet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse der Romane und Erzähltexte Hesses, wobei psychoanalytische Theorien sowie soziologische und suizidforschungsspezifische Ansätze (z.B. Erwin Ringel, Michel Foucault) als Interpretationsrahmen herangezogen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert verschiedene Erscheinungsformen psychischer Krisen, deren Ursachen, die symbolische Funktion des Suizids, die Rolle von Traum und Drogen sowie die gesellschaftliche Positionierung des „wahnsinnigen“ Außenseiters.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Psychoanalyse, Moderne, Individuation, Melancholie, Suizid und die Umwertung des Krankheitsbegriffs bei Hermann Hesse.

Warum spielt die Psychoanalyse eine so große Rolle bei Hesse?

Hesse sah in der Psychoanalyse ein mächtiges Werkzeug zur Selbsterkenntnis und zur Erweiterung der Persönlichkeit, das er vor allem zur Beschreibung innerer Konflikte in seinen Erzähltexten nutzte.

Gilt Krankheit bei Hesse immer als etwas Negatives?

Nein, ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass Hesse Krankheit häufig umwertet: Sie wird zum Indiz für eine höhere Sensibilität, zum Katalysator für künstlerisches Schaffen und zu einer Form der „Auszeichnung“ gegenüber der als „normal“ empfundenen Masse.

Inwiefern ist der Selbstmord bei Hesse „ästhetisiert“?

Die Arbeit stellt fest, dass Hesse den Freitod oft als weichen, fast schmerzlosen Akt des „Fallenlassens“ oder der Rückkehr ins „All“ darstellt, was dem Suizid einen ästhetischen und teils erlösenden Charakter verleiht, statt ihn rein als Gewaltakt zu zeigen.

Was bedeutet die „Kainsmal-Metapher“ im Kontext der Arbeit?

Sie dient als Symbol für das Außenseitertum: Das psychisch abweichende Verhalten macht den Menschen für die Gesellschaft „unbequem“ und „fremd“, wird aber von Hesse – ähnlich wie der biblische Mord Kains – als Zeichen einer besonderen, wenn auch leidvollen Qualität interpretiert.

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Details

Title
Die literarische Darstellung psychischer Erkrankung bei Hermann Hesse
College
University of Marburg
Grade
0
Author
André Weikard (Author)
Publication Year
2007
Pages
75
Catalog Number
V186414
ISBN (eBook)
9783869437194
ISBN (Book)
9783869431710
Language
German
Tags
darstellung erkrankung hermann hesse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
André Weikard (Author), 2007, Die literarische Darstellung psychischer Erkrankung bei Hermann Hesse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186414
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