Thema der Diplomarbeit ist der Enterprise Service Bus (ESB) und wie mittels diesem eine service-orientierte Architektur (SOA) realisiert werden kann. Hierzu wird zunächst mit einer historischen Einordnung begonnen, die verschiedenste Konzepte und Technologien der jüngeren Vergangenheit kurz thematisiert (objektorientierte Programmierung, komponentenbasierte Programmierung, nachrichtenbasierte Middleware/MOM, EAI) und zum aktuellen Stand der Technik hingeführt (Web Services, SOA, ESB). Daran an schließt sich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Begriff Enterprise Service Bus. Es werden verschiedene Sichtweisen aus Kreisen der Forschung vorgestellt, systematisiert und abschließend bewertet. Aufbauend auf der daraus resultierenden Begriffs¬definition, wird im weiteren Verlauf der Fokus auf die industrielle Sichtweise gelegt. Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Forschungs- und industrieller Sicht werden herausgearbeitet und einer Bewertung unterzogen. Ebenfalls sehr detailliert beschrieben werden dabei die ESB-Implementierungen namenhafter und zahlreicher Softwarehersteller sowie damit verbundene Technologien und Standards (MOM, Web Services, SOAP, UDDI, WSDL, XML, JMS, JCA, JMX, JBI, SLA, etc.). Der Leser erhält einen tiefen Einblick in den aktuellen Stand der Technik im Umfeld serviceorientierter Architekturen. Stärken und Schwächen einzelner Implementierungen (Produkte) werden klar und systematisch vermittelt und gleichsam mit dem gesamten Konzept Enterprise Service Bus auf den Prüfstand gestellt. Gestützt auf diese Betrachtungen wird nachfolgende ein Qualitätsmodell erarbeitet, das die Bewertung von ESB-Implementierungen hinsichtlich Qualität erlauben soll. Dieses Modell umfasst 12 verschiedene Qualitätskriterien (Standaradunterstützung, Routingfähigkeiten, Transfor¬mations¬fähigkeiten, Performanz, Plattformunabhängigkeit, etc.) und 25 verschiedene Qualitätsmetriken. Es ermöglicht die Durchführung von Qualitätsbewertungen für ESB-Implementierungen ohne einen größeren Aufwand und ist speziell für Evaluations- oder Erprobungsphasen geeignet. Die Anwendung dieses Qualitätsmodells wird am Beispiel von drei verschiedenen ESB-Implementierungen gezeigt und das Abschneiden dieser bezüglich der einzelnen Qualitätskriterien erläutert. Abschließend wird in einem kurzen Fazit der Inhalt und das Ergebnis der Arbeit zusammengefasst und im Rahmen eines Ausblicks auf zukünftige und noch zu erwartende Entwicklungen hingewiesen.
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Die Arbeit erhielt den DASMA Diplomarbeitenpreis 2007. Die Arbeit erhielt den DASMA Diplomarbeitenpreis 2007.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Aufbau
1.3 Einordnung
1.4 Fazit
2 Der ESB aus Sicht der Forschung
2.1 Herangehensweise
2.2 Definition des ESB in der Forschung
2.2.1 Definition nach Schulte (Gartner)
2.2.2 Definition nach Kischel (OBJEKTspektrum)
2.2.3 Definition nach Chappell
2.2.4 Definition nach Dostal/Jeckle/Melzer/Zengler
2.2.5 Definition nach Lorenzelli-Scholz (OBJEKTspektrum)
2.2.6 Definition nach Rieks (IM)
2.2.7 Definition nach Tieke (InformationWeek)
2.2.8 Definition nach Vollmer/Gilpin (Forrester)
2.3 Vergleich der Definitionen
2.4 Fazit
3 Der ESB aus Sicht der Softwareindustrie
3.1 Herangehensweise
3.2 JBI Spezifikation
3.3 ESB nach Progress Software (ehemals Sonic Software)
3.4 ESB nach Fiorano
3.5 ESB nach Cape Clear
3.6 ESB nach BEA
3.7 ESB nach Oracle
3.8 ESB nach MuleSource
3.9 ESB nach Microsoft
3.10 ESB nach Sun Microsystems
3.11 ESB nach Red Hat (JBoss)
3.12 Vergleich der ESB-Implementierungen
3.13 Fazit
4 Qualitätseigenschaften des ESB
4.1 Herangehensweise
4.2 Allgemeine Qualitätseigenschaften
4.3 Spezielle Qualitätseigenschaften
4.4 ESB-Qualitätsmodell
4.4.1 Performanz
4.4.2 Sicherheit
4.4.3 Funktionsumfang/Funktionalität
4.4.4 Benutzbarkeit
4.4.5 Testbarkeit, Integrierbarkeit
4.4.6 Wartbarkeit
4.4.7 Plattformunabhängigkeit/Portierbarkeit
4.4.8 Skalierbarkeit
4.4.9 Wiederverwendbarkeit
4.4.10 Standardunterstützung
4.4.11 Routingfähigkeiten
4.4.12 Transformationsfähigkeiten
4.5 Zusammenfassung
5 Bewertung von verfügbaren ESB-Implementierungen
5.1 Herangehensweise
5.2 Anwendung des Qualitätsmodells
5.2.1 Performanz
5.2.2 Sicherheit
5.2.3 Funktionsumfang
5.2.4 Benutzbarkeit
5.2.5 Testbarkeit, Integrierbarkeit
5.2.6 Wartbarkeit
5.2.7 Plattformunabhängigkeit/Portierbarkeit
5.2.8 Skalierbarkeit
5.2.9 Wiederverwendbarkeit
5.2.10 Standardunterstützung
5.2.11 Routingfähigkeiten
5.2.12 Transformationsfähigkeiten
5.3 Vergleich
6 Zusammenfassung und Ausblick
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, das Konzept des Enterprise Service Bus (ESB) im Kontext serviceorientierter Architekturen (SOA) zu definieren, Unterschiede zwischen den Sichtweisen von Forschung und Industrie herauszuarbeiten und ein Modell zur Beurteilung von ESB-Qualitätseigenschaften zu entwickeln.
- Definition und theoretische Einordnung des Enterprise Service Bus (ESB)
- Analyse und Vergleich verschiedener wissenschaftlicher und industriegeprägter ESB-Definitionen
- Detaillierte Untersuchung marktrelevanter ESB-Implementierungen
- Entwicklung eines umfassenden Qualitätsmodells zur Bewertung von ESB-Lösungen
- Praktische Evaluierung ausgewählter ESB-Produkte mittels des entwickelten Modells
Auszug aus dem Buch
1.1 Motivation
In den letzten Jahren hat sich das Konzept der serviceorientierten Architektur (SOA) zu dem entscheidenden Ziel für moderne Geschäftsanwendungen entwickelt und glaubt man verschiedenen Softwareherstellern, so ist eine SOA bereits heute realisierbar. Den Kern einer solchen Architektur sollen Web Services und der so genannte Enterprise Service Bus (ESB) bilden. Hat sich die Web Service Technologie bereits über mehrere Jahre hinweg entwickelt und etabliert, so steckt der ESB hingegen noch in den Kinderschuhen. Dennoch sehen Analysten aber auch die Industrie selbst den ESB als zukünftige Schlüsseltechnologie für den Aufbau einer SOA.
Mittlerweile hat sich ein umfangreicher Markt an ESB-Produkten entwickelt, die alle gegeneinander konkurrieren. Gepriesen wird – neben seinem im Vergleich zu traditionellen Integrations-Frameworks geringeren Preis – vor allem seine Fähigkeit, Schwachstellen bisheriger Integrationsansätze zu überwinden. Für Kunden oder potenzielle Käufer stellt sich die Frage, was ihnen ein ESB bietet bzw. leisten kann und in wieweit verschiedene ESB-Produkte in Hinblick auf ihre Qualitätseigenschaften miteinander verglichen werden können.
Im Rahmen dieser Arbeit soll daher geklärt werden, was genau unter einem ESB zu verstehen ist und welche möglichen Unterschiede dabei zwischen Forschung und Industrie bestehen. Darüber hinaus sollen in der Softwareindustrie eingesetzte ESB-Implementierungen auf ihre Qualitätseigenschaften hin untersucht werden. Basierend darauf ist ein Modell zur Beurteilung von Qualitätseigenschaften für ESB zu entwickeln und dieses für frei verfügbare ESB-Implementierungen anzuwenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Motiviert das Thema SOA und ESB, stellt die Forschungsfrage und erläutert den Aufbau der Arbeit.
2 Der ESB aus Sicht der Forschung: Analysiert verschiedene wissenschaftliche Definitionen des ESB und identifiziert zentrale Konzepte wie Service-Container und Middleware.
3 Der ESB aus Sicht der Softwareindustrie: Untersucht marktrelevante ESB-Implementierungen und vergleicht deren Architektur, Funktionalität und Anbieterhintergründe.
4 Qualitätseigenschaften des ESB: Entwickelt ein detailliertes Qualitätsmodell auf Basis des Factor-Criteria-Metrics-Ansatzes zur Bewertung von ESB-Produkten.
5 Bewertung von verfügbaren ESB-Implementierungen: Wendet das entwickelte Qualitätsmodell praktisch auf Artix, Mule und ServiceMix an und führt einen vergleichenden Leistungstest durch.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und skizziert zukünftige Entwicklungen im Bereich ESB und Standardisierung.
Schlüsselwörter
Enterprise Service Bus, ESB, Serviceorientierte Architektur, SOA, Software-Architektur, Web Services, Middleware, Integrationsplattform, Qualitätsmodell, Softwarequalität, Message Oriented Middleware, Service-Container, Business Process Management, Standardisierung, Performance
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Enterprise Service Bus (ESB) als technologischem Fundament für serviceorientierte Architekturen (SOA).
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit behandelt Definitionen des ESB, den Vergleich von Ansätzen in Forschung und Industrie, Architekturkonzepte sowie die Bewertung der Qualität von ESB-Produkten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung eines Modells zur Beurteilung von Qualitätseigenschaften von ESB-Implementierungen und dessen Anwendung auf ausgewählte Produkte.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bewertung genutzt?
Es wird ein Factor-Criteria-Metrics-Modell (FCM-Modell) angewendet, um qualitative und quantitative Eigenschaften systematisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Analyse des ESB, die Marktbetrachtung verschiedener Anbieter sowie die Entwicklung und Anwendung des Qualitätsmodells.
Welche Kriterien charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verbindung von theoretischer Fundierung (Definitionen) und praktischer Evaluierung (Performanzmessungen und Funktionsvergleiche) aus.
Wie unterscheidet sich der ESB nach Chappell von anderen Definitionen?
Chappell betont besonders die Rolle des ESB als Integrationsplattform für erweiterte Unternehmen und die Bedeutung von Service-Containern.
Warum ist das Ergebnis der Untersuchung der drei ESB-Produkte in Kapitel 5 relevant?
Die Anwendung des Modells zeigt, dass kommerzielle Produkte wie Artix in sicherheitskritischen Bereichen besser abschneiden, während Open-Source-Alternativen durch eine offenere Architektur punkten.
- Citar trabajo
- Steffen Hiekel (Autor), 2007, Bedeutung und Qualitätseigenschaften des Enterprise Service Bus im Kontext von serviceorientierten Architekturen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186437