Es wurde eine Analyse aktueller Publikationen zur Problematik durchgeführt. Außerdem wurde in verschiedenen Datenbanken (psycontent, thieme connect, springerlink, medline, scholar.google) unter verschieden Stichworten wie zum Beispiel türkischstämmige Migranten, psychosoziale Versorgung und ähnliches recherchiert.
Nach der Einleitung wird im zweiten Kapitel ein Überblick über die psychosoziale Versorgung sowie die Versorgungsforschung des deutschen Gesundheitssystems gegeben um ein grundlegendes Verständnis zu diesen Begrifflichkeiten zu schaffen.
Des Weiteren werden im dritten Kapitel türkisch-stämmige Migranten, ihr geschichtlicher Hintergrund und demographische Grundlagen dieser Bevölkerungsgruppe dargelegt. Um eine Grundlage für die psychosoziale Gesundheitsversorgung von Migranten zu schaffen, werden die bestehenden Daten dargestellt, die Aufschluss über den psychosozialen Gesundheitszustand geben sollen sowie damit verbunden die Hindernisse ihrer Ermittlung erläutert.
Das darauf folgende vierte Kapitel setzt sich mit den kulturellen Unterschieden im Allgemeinen, sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten sowie Problemen und Missverständnissen in der Kommunikation zwischen Fachpersonal und Migranten in der psychosozialen Versorgung auseinander. Dafür geht das Kapitel auf das Medizinsystem, besonders im traditionellen Sinne ein und behandelt das traditionell geprägte Krankheitsverständnis türkischer Migranten. Rollenverständnis und Wertorientierung der traditionellen türkischen Familie und der nach Deutschland migrierten Familie ein werden festgehalten.
Daran schließt sich im fünften Kapitel die Darstellung der psychosozialen Gesundheitsversorgung an indem Bedarf, Inanspruchnahme und Nachfrage erläutert werden. Außerdem wird die aktuelle Versorgungslage abgebildet, was die Darstellung der bestehenden Über-, Unter-, Fehlversorgung und Versorgungslücken einschließt.
Darauf folgend werden im sechsten Kapitel bereits bestehende Grundlagen, Konzepte und Leitlinien für die psychosoziale Versorgung von Migranten dargestellt und beispielhafte Projekte und Vorreiterinstitutionen beschrieben.
Das siebente Kapitel schließt die Arbeit mit einem Ausblick auf aktuell zu bearbeitende noch offene Bereiche und Fragen der Versorgungsforschung im Bereich der Migrantenversorgung ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Überblick über die psychosoziale Versorgung und die Versorgungsforschung des deutschen Gesundheitssystems
2.1 Psychosoziale Versorgung
2.2 Versorgungsforschung
3 Türkeistämmige Migranten
3.1 Daten und Fakten zu Migranten in Deutschland
3.1.1 Statistische Angaben zu türkeistämmigen Migranten
3.1.2 Geschichtlicher Hintergrund der Türken in Deutschland
3.2 Die psychosoziale Gesundheit türkischer Migranten
3.2.1 Wichtige Einflussgrößen auf die psychosoziale Gesundheit
3.2.2 Der psychosoziale Gesundheitszustand von türkischen Migranten
3.2.3 Forschungsstand zur psychosozialen Gesundheit von Migranten
4 Kulturelle Missverständnisse und Schwierigkeiten in der Versorgung
4.1 Kultur
4.2 Sprache
4.3 Die Beziehung und Kommunikation zwischen Fachpersonal und türkischen Migranten in der Versorgung
4.4 Medizinsystem
4.5 Krankheitsverständnis
4.6 Rollenverständnis und Wertorientierung
4.6.1 Die traditionelle türkische Familie
4.6.2 Die migrierte türkische Familie
4.7 Essen
5 Die psychosoziale Versorgungssituation der Migranten in Deutschland am Beispiel von türkischen Migranten
5.1 Chancen(un)gleichheit
5.1.1 Zugangsbarrieren
5.1.2 Dolmetscherproblematik
5.2 Bedarf, Inanspruchnahme und Nachfrage
5.3 Über-, Unter-, Fehlversorgung und Versorgungslücken
5.4 Ambulante psychosoziale Versorgung
5.4.1 Prävention
5.4.2 Psychosoziale Beratungsstellen
5.4.3 Psychologische Beratungs- und Psychotherapieangebote
5.4.4 Notfallambulanzen
5.5 Stationäre psychosoziale Versorgung
5.5.1 Psychiatrische Kliniken
5.5.2 Rechtliche Betreuung
6 Konzepte, Leitlinien und Praxismodelle für eine bessere Versorgung von Migranten
6.1 Lösungsansätze, Modelle und Konzepte
6.1.1 Interkulturelle Kompetenz als Grundlage für die psychosoziale Versorgung von Migranten
6.1.2 Entwürfe für eine migrantensensible interkulturelle Beratung und Therapie
6.1.2.1 Verbindung von traditioneller Behandlung mit der Regelversorgung
6.1.2.2 Klientenzentrierte Beratungsansatz
6.1.2.3 Ressourcenförderung
6.1.2.4 Netzwerkarbeit
6.1.3 Die 12 Sonnenberger Leitlinien - für kultursensible Versorgung in Psychiatrie und Psychotherapie
6.2 Beispielhafte Vorreiterinstitutionen und Projekte/Angebote
6.2.1 Das Ethno-Medizinischen Zentrums Hannover e.V. (EMZ)
6.2.1.1 MiMi-Projekt des EMZ
6.2.1.2 Institut für transkulturelle Betreuung (Betreuungsverein) e.V.(ITB)
6.2.1.3 Gemeindedolmetscherdienst des EMZ
6.2.2 Interkulturelles Kompetenztraining
6.2.3 Donna Mobile
6.2.4 Interkulturelles Gesundheitsnetzwerk in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg
7 Ausblick: aktuelle Fragen der Versorgungsforschung im Bereich der Migrantenversorgung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die psychosoziale Versorgungssituation türkeistämmiger Migranten in Deutschland und identifiziert Barrieren sowie Lösungsansätze im deutschen Gesundheitssystem. Das primäre Ziel ist es, die Aufmerksamkeit auf die spezifische Versorgungsproblematik dieser Gruppe zu lenken und auf Basis von Forschungsergebnissen sowie Praxismodellen Wege zu einer gleichberechtigten Versorgung aufzuzeigen.
- Herausforderungen in der psychosozialen Versorgung von Migranten
- Einfluss von kulturellen Missverständnissen und Sprachbarrieren auf Diagnose und Therapie
- Analyse des traditionellen türkischen Krankheitsverständnisses und dessen Bedeutung für das Gesundheitssystem
- Vorstellung innovativer Praxismodelle und Leitlinien zur Verbesserung der interkulturellen Versorgung
Auszug aus dem Buch
4.3 Die Beziehung und Kommunikation zwischen Fachpersonal und türkischen Migranten in der Versorgung
Prinzipiell besteht zwischen Therapeut und Patient keine symmetrische, sondern eine asymmetrische Beziehung, denn der Patient muss dem Therapeuten einen Vertrauensvorschuss geben, wenn er sich in seine Therapie begibt, da sonst ein Therapieerfolg kaum erreichbar ist. Dieses ungleiche Verhältnis hat natürlich auch Einfluss auf die Kommunikation und die Interaktion zwischen Therapeut und Patient innerhalb der Therapie. Gün (2007)
Bei der Therapie von Migranten kann es innerhalb des Therapieprozesses zusätzlich zu Kommunikationsschwierigkeiten kommen, die durch ethnische, kulturelle und sprachliche Ursachen zurückgeführt werden können. Gün (2007) geht davon aus, dass von Seiten der Migranten gegenüber dem deutschen Therapeuten ein verstärktes Unsicherheitsgefühl besteht, da er fremd und anders ist, weiterhin geht Gün (2007) davon aus, dass sich auch das Abhängigkeitsgefühl gegenüber dem Therapeuten bei Migranten in Therapie stärker äußert. In eine umfassende Therapie gehen persönliche und krankheitsbedingte Einflüsse, aber auch die eigenen kulturell und religiös verwurzelten Krankheitskonzepte des Migranten ein.
Das Drei-Stufen-Modell für interkulturelle Kommunikation zwischen Arzt und Patient von Witte und Morisson (1995), (zitiert nach Becker, Wunderer und Schultz-Gambard, 2006) lässt sich auch für Psychologen und Berater in der psychosozialen Versorgung anwenden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Reformbedürftigkeit der psychosozialen Versorgung in Deutschland, insbesondere für Migranten, und legt den Fokus auf die Gruppe der türkeistämmigen Arbeitsmigranten.
2 Überblick über die psychosoziale Versorgung und die Versorgungsforschung des deutschen Gesundheitssystems: Das Kapitel definiert psychosoziale Versorgung als professionelle Tätigkeit in Sozialarbeit, Psychotherapie und Psychiatrie und erläutert die Ziele und Aufgaben der Versorgungsforschung im deutschen Gesundheitssystem.
3 Türkeistämmige Migranten: Es wird der geschichtliche Hintergrund der türkischen Migration in Deutschland dargestellt sowie die psychosoziale Gesundheit dieser Bevölkerungsgruppe unter Betrachtung spezifischer Einflussgrößen analysiert.
4 Kulturelle Missverständnisse und Schwierigkeiten in der Versorgung: Dieses Kapitel thematisiert kulturelle Unterschiede, sprachliche Verständigungsprobleme und das oft divergierende Krankheitsverständnis, die eine adäquate Versorgung erschweren.
5 Die psychosoziale Versorgungssituation der Migranten in Deutschland am Beispiel von türkischen Migranten: Das Kapitel untersucht die tatsächliche Versorgungslage, inklusive Zugangsbarrieren, der Problematik von Laiendolmetschern sowie Defiziten in der ambulanten und stationären Versorgung.
6 Konzepte, Leitlinien und Praxismodelle für eine bessere Versorgung von Migranten: Hier werden Lösungsansätze, interkulturelle Konzepte und beispielhafte Vorreiterprojekte vorgestellt, die auf eine kultursensible Versorgung abzielen.
7 Ausblick: aktuelle Fragen der Versorgungsforschung im Bereich der Migrantenversorgung: Der Ausblick diskutiert die Notwendigkeit, interdisziplinär an einer flächendeckenden Implementierung interkultureller Leitlinien zu arbeiten, um eine Chancengleichheit in der Gesundheitsversorgung zu erreichen.
Schlüsselwörter
Psychosoziale Versorgung, türkische Migranten, Versorgungsforschung, Interkulturelle Kompetenz, Gesundheitswesen, Sprachbarrieren, Krankheitsverständnis, Migrationshintergrund, Psychotherapie, Kultursensible Versorgung, Dolmetscherdienste, Beratung, Familienhierarchie, Integration, Migrantensensibilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der psychosozialen Versorgungssituation türkeistämmiger Migranten in Deutschland und analysiert, wie das deutsche Gesundheitssystem auf deren spezifische Bedürfnisse reagiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der geschichtliche Hintergrund türkischer Migranten, kulturelle Unterschiede und Sprachbarrieren in der therapeutischen Kommunikation sowie die Analyse bestehender Versorgungsstrukturen und deren Defizite.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf die Versorgungsprobleme für Migranten aufmerksam zu machen und Lösungsmöglichkeiten, Konzepte und Leitlinien aufzuzeigen, die eine kultursensible und gleichberechtigte Versorgung fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich von theoretischen Ansätzen mit Praxisbeispielen, um die psychosoziale Versorgungssituation evidenzbasiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die psychosoziale Gesundheit der Zielgruppe, kulturelle Missverständnisse, die Problematik der therapeutischen Beziehung, spezifische Zugangsbarrieren sowie erfolgreiche Praxismodelle wie das MiMi-Projekt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind psychosoziale Versorgung, interkulturelle Kompetenz, türkische Migranten, Versorgungsforschung und kultursensible Therapie.
Welche Rolle spielt die Familie im türkischen Krankheitsverständnis?
Die Familie hat eine zentrale Bedeutung; sie bietet Schutz und Fürsorge, aber auch eine strikte Hierarchie. Im Krankheitsfall wird der Kranke in die Mitte der Familie gestellt, was von deutschen Vorstellungen ("Ruhebedürfnis") abweicht und Konsequenzen für die Therapieplanung hat.
Warum ist der Einsatz von professionellen Dolmetschern für die Therapie wichtig?
Die Verwendung von Laiendolmetschern wie Familienmitgliedern führt oft zu Missverständnissen und Rollenkonflikten, während professionelle Dolmetscher nicht nur sprachliche Barrieren überbrücken, sondern auch kulturelle Vermittlerarbeit leisten können.
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- Anne Liebenau (Author), 2007, Die psychosoziale Versorgung türkeistämmiger Migranten in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186459