Einflussgrößen auf den wirtschaftlichen Erfolg im Produktentstehungsprozess


Diplomarbeit, 2008

118 Seiten, Note: 1.5


Leseprobe

Übersicht

I. Einleitung

II. Stand der Wissenschaft
1. Der Produktentstehungsprozess
2. Der wirtschaftliche Erfolg im Produktentstehungsprozess
3. Einflussgrößen und deren Wirkungen

III. Ablauf des PEP: Ein Praxisbeispiel
1. Die Phasen eines PEP in der Praxis
2. Die integrierten Abteilungen
3. Methoden
4. Einflüsse auf den Erfolg des PEP

IV. Vergleich - Aufzeigen wichtiger Unterschiede der Theorie und Praxis

V. Wie macht man’s richtig? - Leitfaden für KMU’s mit Serienproduktion
1. Was charakterisiert KMU’s hinsichtlich des PEP?
2. Ein Leitfaden für KMU’s - Schlüsselfaktoren des Erfolgs
3. Strategie zur Einführung

VI. Schlusswort

Inhaltsverzeichnis

Beschränkungshinweise

Eigenständigkeits- und Echtheitserklärung

Zweck und Abgrenzung der Arbeit

Kurzfassung

Abbildungsverzeichnisverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichni

I. Einleitung

II. Stand der Wissenschaft
1. Der Produktentstehungsprozess
1.1 Definition des PEP
1.2 Verschiedene Arten des PEP
1.2.1 Konventionelle Produktentstehung
1.2.2 Integrierte Produktentstehung
1.2.3 Digitale Produktentstehung
1.2.4 Unterschiede in den Industriezweigen
1.2.4.1 Automobil- und Zuliefererindustrie
1.2.4.2 Maschinenbauindustrie
1.2.4.3 Elektroindustrie
1.2.5 Kategorisierung der PEP’s nach Güterarten
1.2.5.1 Konsumgüter
1.2.5.2 Investitionsgüter
1.3 Die einzelnen Phasen im PEP
1.3.1 Produktplanung
1.3.2 Entwicklung und Konstruktion
1.3.3 Produktherstellung
1.3.3.1 Vorbereitende Maßnahmen
1.3.3.2 Teilefertigung
1.3.3.3 Montage
1.3.4 Materialwirtschaft und Logistik
1.4 Umsetzung durch Methoden
1.4.1 Organisatorische Methoden
1.4.2 Integrierende Methoden
1.4.3 Verschiedene Methoden in den einzelnen Phasen des PEP
1.4.3.1 Produktplanung
1.4.3.2 Entwicklung und Konstruktion
1.4.3.3 Produktherstellung
1.4.3.4 Materialwirtschaft und Logistik
2. Der wirtschaftliche Erfolg im Produktentstehungsprozess
2.1 Definition und Bedeutung des wirtschaftlichen Erfolgs
2.2 Einflüsse auf den wirtschaftlichen Erfolg
2.2.1 Effektivität und Effizienz
2.2.2 Zeit
2.2.3 Kosten
2.2.4 Qualität
2.2.5 Inneres und äußeres Umfeld
2.3 Messbarkeit
2.3.1 Maßstäbe und Messgrößen
2.3.2 Kriterien für den Erfolg
2.4 Erfolgs-Controlling
2.4.1 Kennzahlensysteme
2.4.2 Weitere Werkzeuge und Indikatoren zur Erfolgssteuerung
3. Einflussgrößen und deren Wirkungen
3.1 Einflussgrößen in den einzelnen Phasen der PE
3.1.1 Produktplanung
3.1.2 Entwicklung und Konstruktion
3.1.3 Produktherstellung
3.1.4 Materialwirtschaft und Logistik
3.2 Negative Auswirkungen auf den Produkterfolg

III. Ablauf des PEP: Ein Praxisbeispiel
1. Die Phasen eines PEP in der Praxis
1.1 Phasen
1.2 Kerndokumente
2. Die integrierten Abteilungen
2.1 Direkt beteiligte Abteilungen
2.2 Unterstützende Abteilungen
2.3 Kommunikation und Organisation
2.4 Digitale Werkzeuge
3. Methoden
4. Einflüsse auf den Erfolg des PEP
4.1 Schwierigkeiten und Risiken
4.2 Erfolgs-Controlling

IV. Vergleich - Aufzeigen wichtiger Unterschiede der Theorie und Praxis

V. Wie macht man’s richtig? - Leitfaden für KMU’s mit Serienproduktion
1. Was charakterisiert KMU’s hinsichtlich des PEP?
2. Ein Leitfaden für KMU’s - Schlüsselfaktoren des Erfolgs
2.1 Ideenfindung unterstützen
2.2 Integrierte Produkt- und Produktionsplanung
2.3 Schnelle und qualitätsgesicherte Entwicklung und Konstruktion
2.4 Funktionales Produktionssystem
3. Strategie zur Einführung

VI. Schlusswort
Literaturverzeichnis
Bücher
Aufsätze und Magazine
Internetartikel und Online-Ressourcen
sonstige Quellen
Anhang
Anhang 1: Grobübersicht der Phasen des PEP
Anhang 2: Detailübersicht der Phasen des PEP
Anhang 3: Die Phasen des PEP im zeitlichen Ablauf
Anhang 4: Schlüsselfaktoren und zugeh. Methoden für den Erfolg im PEP

Abbildungsverzeichnisverzeichnis

Abb. 1: Der PEP als Teil des Produktlebenszyklus

Abb. 2: Beteiligte Abteilungen am PEP in sequentieller Arbeitsfolge

Abb. 3: Mögliche Merkmalsausprägungen der Produkterstellung

Abb. 4: Schnittstellen in Unternehmen - Probleme der Kommunikation

Abb. 5: Integration der Unternehmensfunktionen im PEP

Abb. 6: Ziele einer integrierten Produktentstehung

Abb. 7: Potenziale durch digitaler Werkzeuge in der Produktionsplanung

Abb. 8: Phasen des PEP

Abb. 9: Zusammenhänge der Produktplanung

Abb. 10: Bewertung von neuen Produktideen

Abb. 11: Vorgehensweise beim Entwickeln und Konstruieren nach VDI

Abb. 12: In- und Output der Fertigungsvorbereitung

Abb. 13: Aufgaben bei der Arbeitsplanerstellung

Abb. 14: In- und Output der Montagevorbereitung

Abb. 15: Beispiel einer elektronischen Plantafel

Abb. 16: Phasen der Logistikplanung

Abb. 17: Unterschied zwischen funktionaler und produktbezogener Organisation

Abb. 18: Vorgehenszyklus nach Ehrlenspiel

Abb. 19: Beispiel für einen Vorgehensplan

Abb. 20: Effektivität und Effizienz beeinflussen den wirtschaftlichen Erfolg

Abb. 21: Erfolgreiche Produkte durch Effektivitäts- und Effizienzsteigerung

Abb. 22: Möglichkeiten der Kostenbeeinflussung

Abb. 23: Vergleich unterschiedlicher Innovationstaktiken

Abb. 24: Der PEP des Werkes Plochingen der Robert Bosch GmbH

Abb. 25: Schlüsseldokumente des PEP am Beispiel der Robert Bosch GmbH

Abb. 26: Integrierte Abteilungen am Beispiel der Robert Bosch GmbH

Abb. 27: Methoden des PEP am Beispiel der Robert Bosch GmbH

Abb. 28: Schlüsselfaktoren für den Erfolg von KMU

Abb. 29: ABC-Analyse der Produktkomponenten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Branchenspezifische Besonderheiten der Güterarten

Tab. 2: Indikatoren zur Effizienzkontrolle des PEP

Tab. 3: Negative Einflussfaktoren auf den Produkterfolg

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beschränkungshinweise

Für diese Arbeit sind Informationen aus einem Gespräch mit Mitarbeitern eines Unternehmens verwendet worden. Diese sind vor allem in die beispielhafte Darstellung des Ablaufes eines Produktentstehungsprozesses der Praxis mit eingeflossen. Das Unternehmen besteht jedoch nicht auf ein Verbot, diese Informationen öffentlich zu machen. Diese Arbeit unterliegt somit keinerlei Beschränkungen und kann von jedermann eingesehen werden.

Eigenständigkeits- und Echtheitserklärung

Ich versichere hiermit, dass ich die vorliegende Diplomarbeit selbstständig verfasst und keine anderen, als die angegebenen Hilfsmittel benutzt habe. Die Stellen, die anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinn nach entnommen wurden, habe ich in jedem einzelnen Fall durch die Angabe der Quelle, auch der benutzten Sekundärliteratur, als Entlehnung kenntlich gemacht. Die Arbeit wurde bisher in gleicher oder ähnlicher Form weder veröffentlicht noch einer anderen Prüfungsbehörde vorgelegt.

Esslingen, 31. März 2008

Dominik Seeburger

Zweck und Abgrenzung der Arbeit

Diese Arbeit dient der übersichtlichen und ganzheitlichen Darstellung eines Produktentstehungsprozesses nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Es sollen darin, die auf den Prozess der Produktentstehung wirkenden Einflussgrößen untersucht werden. Aufgrund eines Vergleiches der Theorie mit einem Beispiel aus der Praxis, sollen diese Einflussgrößen sowie die angewandten Methoden bewertet werden, um daraus einen Leitfaden für mittelständische Unternehmen mit einer Serienproduktion abzuleiten.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit wird auf die Automobil-, Zulieferer- und Maschinenbauindustrie gelegt.

Der Produktentstehungsprozess findet seinen Beginn mit der Produktplanung und endet nach dem erfolgreichen Serienanlauf. Es wird davon ausgegangen, dass das Produkt in Serie gefertigt wird.

Die vorhandene wissenschaftliche Literatur betrachtet vor allem Großunternehmen. Auch in der Praxis sind es bis heute Großunternehmen, die sich mit der aktiven Gestaltung des Produktentstehungsprozesses befassen. Aus diesem Grund liegt ein Schwerpunkt dieser Arbeit, auf der Ableitung eines Konzeptes für den Mittelstand.

Kurzfassung

Der erste Teil dieser Arbeit befasst sich mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Es werden Vorgänge in der Produktentstehung und deren aktive Gestaltung in Unternehmen näher erläutert. Dabei werden zunächst die Definition des Produktentstehungsprozesses und dessen genaue Abgrenzung in der Literatur untersucht. Danach werden die einzelnen Phasen und die darin tragenden Methoden eingehend betrachtet. Allgemeine Faktoren wie Zeit, Qualität und Kosten, sowie Einflussgrößen in den jeweiligen Phasen der Produktentstehung, werden hinsichtlich der Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg des neuen Produktes analysiert.

Um die Theorie kritisch betrachten zu können und weiteres Verbesserungspotential zu entdecken, soll auch die praktische Umsetzung eines Produktentstehungsprozesses dargestellt werden. Dazu werden in einem Beispiel, die Vorgänge der Produktentstehung aus dem Werk Plochingen der Robert Bosch GmbH aufgegriffen. Ein Vergleich des Beispiels mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft zeigt vorhandene Lücken auf und gibt weitere Ansatzpunkte zur besseren Gestaltung der Produktentstehung.

Wenn es um Themen geht die mit der Produktentstehung zu tun haben, befasst sich die Literatur fast ausschließlich mit Großunternehmen. Auch in der Praxis hat sich bisher eine aktive Steuerung der Produktentstehung hauptsächlich in Großunternehmen durchgesetzt. Da aber auch in mittelständischen Unternehmen ein qualifiziertes Produktentstehungsprozess-Management den Erfolg neuer Produkte drastisch steigern kann, werden in einem Leitfaden die wichtigsten Punkte herausgearbeitet, die dabei zu beachten sind.

I. Einleitung

Das Umfeld der heutigen Fertigungsindustrie wird immer komplexer. Den Unternehmen stehen nicht mehr allein stärker werdende Wettbewerber gegenüber, sie müssen auch mit ständig steigenden Kundenanforderungen und den Folgen der wirtschaftlichen Globalisierung kämpfen. Zudem werden die Produktlebenszyklen, bei wachsender Komplexität der Erzeugnisse, immer kürzer. Termin-, Kosten- und Qualitätsdruck in der Entwicklung und Produktion erhöhen sich somit bedrohlich. Um dennoch wettbewerbsfähig zu bleiben und sich der Dynamik des Markts anpassen zu können, suchen Unternehmen nach Möglichkeiten, die Prozesse bei der Entstehung neuer Produkte optimal zu gestalten. Durch die aktive Steuerung des Produktentstehungsprozesses versuchen sie dessen Effektivität und Effizienz zu verbessern. Sie versprechen sich dadurch in erster Linie die Sicherung des Produkterfolgs und somit die langfristige Überlebensfähigkeit des Unternehmens.

Ohne die systematische Gestaltung der Produktentstehung wären viele Produkte heutiger Industrieunternehmen auch trotz hochmoderner Fertigungstechnologien nicht realisierbar. Erst ein gutes Produktmanagement kann Kunde, Zulieferer, unternehmensinterne Abteilungen und weitere Umfeldfaktoren der Produktentstehung zusammenführen und erfolgreiche Produkte generieren.

Die Notwendigkeit der aktiven Steuerung von Produktentstehungsprozessen besteht längst nicht mehr nur in Großunternehmen. Auch im Mittelstand und in kleineren Unternehmen hat sich die Wettbewerbssituation zunehmend angespannt. Außerdem hat sich die Komplexität der Produkte erhöht und der Produktlebenszyklus sich verkürzt. Ohne einen optimierten Produktentstehungsprozess entstünden keine innovativen und wirtschaftlich erfolgreichen Produkte.

Die Bedeutung eines optimierten Produktentstehungsprozesses für die Sicherung des Produkterfolgs und der langfristigen, unternehmerischen Überlebenssicherung ist unumstritten. Sie rückt sogar immer mehr in den Fokus der Unternehmen. Deshalb soll mit dieser Arbeit ein weiterer Beitrag geleistet werden, der dem einen oder anderen Unternehmen zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und einem größeren Erfolg in der Produktentstehung weiterhelfen kann.

II. Stand der Wissenschaft

1. Der Produktentstehungsprozess

Die ersten Anstrengungen, Produkte systematisch zu entwickeln und für den Verkauf herzustellen, kommen sicherlich aus dem Mittelalter. Es waren vor allem Handwerker, die angefangen haben den noch völlig ungesättigten Markt zu bedienen. Im Zeitalter der Industrialisierung wurde dann, unterstützt durch Forschung und Entwicklung, die Massenproduktion vorangetrieben. Im Laufe der Zeit ist die Konkurrenz der einzelnen Produzenten immer stärker gewachsen, was einen funktionierenden Prozess der Produktentwicklung und der Produkterstellung immer wichtiger gemacht hat.

Auf den heute stark umkämpften Absatzmärkten ist für Unternehmen kein Spielraum mehr, sich Fehlentwicklungen zu leisten. Produkte die am Markt „vorbeientwickelt“ werden und die nicht den Vorstellungen der Kunden entsprechen, verursachen in einem Unternehmen erheblichen wirtschaftlichen Schaden. Der Mensch ist für Unternehmen demnach nicht nur ein Problemlöser, sondern er verursacht als Individuum in einem Produktentstehungsprozess (PEP) eine Vielzahl unterschiedlicher Probleme selbst. Um solchen Schwierigkeiten entgegenzuwirken, bedarf es eines gut strukturierten und optimierten PEP. Es reicht nicht aus, die Technik und Technologien die zur Realisierung der Kundenwünsche eingesetzt werden zu verbessern. Die Effektivität und Effizienz des Prozesses der Produktentstehung muss mindestens mit derselben Aufmerksamkeit verfolgt werden.

Durch eine hohe Prozessqualität gelangt man somit zwangsläufig zu einer hohen Produktqualität1. Dies sollte das indirekte Ziel eines jeden Unternehmens sein. Nur durch eine hohe Produktqualität kann man seine Kunden langfristig binden und dem Sinn und Zweck, nämlich dem wirtschaftlichen Erfolg und der Beständigkeit, einer Unternehmung gerecht werden.

1.1 Definition des PEP

Unter dem Begriff des Produktentstehungsprozesses sollen im Folgenden alle Tätigkeiten verstanden werden, die von der ersten Idee für ein neues Produkt bis zu dessen Serienanlauf zu unternehmen sind. 2

In Abb. 1 sind die einzelnen Phasen im Lebenszyklus eines Produktes dargestellt.

Abb. 1: Der PEP als Teil des Produktlebenszyklus3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Produktentstehung (PE) beginnt mit der Phase der Produktplanung. Dabei werden erfolgversprechende Produktideen, die sich mit den Unternehmenszielen vereinbaren lassen, ausgewählt. Daraufhin verwirklicht die Entwicklung, unter der Berücksichtigung relevanter Kundenbedürfnisse, diese Produktideen. Die Arbeitsvorbereitung ist eng mit der eigentlichen Produktherstellung verbunden. Beide dienen letztendlich der materiellen Realisation des Produktes, welche den PEP beendet.

In der Literatur sind bzgl. der Abgrenzung des Begriffs der Produktentstehung auch weiterreichende Definitionen zu finden. Diese sehen den Abschluss des PEP nicht mit dem Erreichen der Produktionsfreigabe für die Serienfertigung, sondern schließen die Auslieferung an den Kunden und dessen Inbetriebnahme mit ein.4 In den Vorgang der Erzeugung eines neuen Produktes sind fast alle Abteilungen eines Unternehmens integriert. Dies zeigt folgende Abbildung.

Abb. 2: Beteiligte Abteilungen am PEP in sequentieller Arbeitsfolge5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2 Verschiedene Arten des PEP

So unterschiedlich die Unternehmen bzgl. ihrer Branchen, Zielsetzungen, Produkte, Organisationsformen und sonstiger innerer und äußerer Einflüsse auf wegweisende Entscheidungen sind, so vielseitig sind auch deren Produktentstehungsprozesse. Um eine grobe Vorstellung zu erhalten wie groß die Anzahl der unterschiedlichen PEP’s sein kann, reicht es schon aus, die wenigen, in Abb. 3 aufgezeigten Merkmalsausprägungen einer Produkterstellung, miteinander zu kombinieren.

Abb. 3: Mögliche Merkmalsausprägungen der Produkterstellung6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Rahmen dieser Arbeit sollen die Schwerpunkte speziell auf die Automobil-, Zulieferer- und Maschinenbauindustrie gelegt werden.

Die Unterschiedlichkeit der PEP’s soll aber dennoch deutlich gemacht werden, sodass ein kurzer Einblick in andere Industriezweige nicht verwehrt bleibt. Zunächst soll aber eine kurze Übersicht über grundsätzliche Philosophien gegeben werden, die im Prozess der Produktentstehung zum tragen kommen können.

1.2.1 Konventionelle Produktentstehung

Die konventionelle PE orientiert sich an einer linearen Abfolge von aufeinander aufbauenden und gegenseitig abhängigen Arbeitsschritten.7 Sie beschreibt ein sequentielles Vorgehen, wie es in Abbildung 2 dargestellt wird.

Die daraus entstehende organisatorische Folge, ist die Bildung von Abteilungsstrukturen nach sog. Funktionsbereichen. Im Gegensatz zu einer integrierten PE, geht hier mit der Bildung von Abteilungsbarrieren, die Sichtweise der jeweiligen Abteilungsfunktionen auf das ganze Produkt verloren.

Umso komplexer dabei das Produkt und somit auch die Entstehungsprozesse sind, desto mehr müssen die Aufgaben in kleinere Arbeitsteile zerstückelt werden. Diese können dann wiederum sequenziell bei unterschiedlichen Aufgaben, oder parallel etwa im Falle einer Mengenteilung ausgeführt werden. Nur so ist der PEP in seiner Komplexität dann noch beherrschbar.8

Die Schwierigkeiten die sich jedoch aus immer weiter unterteilenden Funktionsbereichen ergeben sind heute mitunter eine der bedeutendsten Schwachstellen in Unternehmen. Es handelt sich hier um die Kommunikation zwischen den Abteilungen. Abb.4 zeigt dieses Problem an einer Gegenüberstellung von einem Industrieunternehmen und einem einfachen Handwerksunternehmen auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Schnittstellen in Unternehmen - Probleme der Kommunikation9

Läuft die Kommunikation nicht optimal, können daraus schnell Qualitäts-, Termin- und Kostenprobleme entstehen. Interne Schnittstellen müssen deshalb durch eine gute Kommunikationsfähigkeit der Abteilungen und einen optimalen Dokumenten- und Informationsaustausch überwunden werden.

Mit einer konventionellen PE, bei welcher der „Sinn fürs Ganze verloren“10 geht und ein „Mauerndenken“11 zwischen den Abteilungen entsteht, können Produkte nicht mehr effizient und optimal aus Sicht des Kunden entwickelt werden. Organisations- und Führungsprobleme der Mitarbeiter sowie menschliche Probleme untereinander, technisch-wirtschaftliche Probleme mit dem Produkt und Probleme im Entwicklungsund Konstruktionsprozess, sind oft zwangsläufig die Folge.12

All diese Schwierigkeiten fordern dazu auf, das vorherrschende abteilungsspezifische Denken, in ein abteilungsübergreifendes Denken zu überführen. Dabei soll die Sicht auf das gesamte Produkt im Vordergrund stehen und diese Integration im PEP auf den Kundennutzen ausgerichtet werden.

1.2.2 Integrierte Produktentstehung

Die integrierte PE zeichnet sich durch eine erhöhte Zusammenarbeit der am PEP beteiligten Abteilungen aus. Sie soll die konventionelle PE, d.h. die sequentielle Aufteilung und Abfolge der Aufgaben im PEP nicht vollständig ersetzen. Eine Einteilung in Funktionsbereiche und eine Zerstückelung der Aufgabenteile ist wegen der hohen Komplexität der Produkte und wegen zeitlicher Einsparungen weiterhin notwendig. Die integrierte PE soll viel mehr in den vorhandenen Prozess der PE eingreifen und diesen durch verschiedene Methoden in Qualität, Zeit und Kosten zu deren Gunsten beeinflussen. Zudem soll sie alle Mitarbeiter (MA) des Unternehmens auf eine gemeinsame Zielrichtung hinführen. Es soll ein „kooperatives Unternehmensklima“ entstehen.13

Probleme wie ein unzureichender Wissenstransfer innerhalb des Unternehmens, Akzeptanzprobleme zwischen den MA oder abteilungsbezogene Einzeloptimierungen von Teilkomponenten im PEP, verlangen zu ihrer Lösung nach Methoden der Integration.14

Folgende Abbildung veranschaulicht die Integration im PEP.

Abb. 5: Integration der Unternehmensfunktionen im PEP15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Auswertung von 51 Projekten in denen die integrierte PE anhand der Methode des Simultaneous Engineering (SE) angewandt wurde, zeigt die dabei angestrebten Ziele.

Abb. 6: Ziele einer integrierten Produktentstehung16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Integration sollte jedoch nicht nur in horizontale Richtung stattfinden, z.B. durch das Aufstellen von Expertenteams in denen MA unterschiedlicher Fachabteilungen zusammenarbeiten. Sie sollte auch vertikal praktiziert werden, sodass als Folge die Kommunikation von der obersten Chefetage bis hinunter zum einfachen Arbeiter reibungslos verläuft.17

Die integrierte PE hat gegenüber der konventionellen PE entscheidende Vorteile die sich auf den gesamten Prozess der Produktentwicklung auswirken (siehe dazu auch Abb.6). Im weiteren Verlauf dieser Arbeit spielen deshalb die Methoden der integrierten PE eine wichtige Rolle. Näheres dazu folgt in Abschnitt 1.4 (Umsetzung durch Methoden).

1.2.3 Digitale Produktentstehung

Die digitale PE beschreibt die computergestützte Planung, Entwicklung und Simulation des Produktes mit dessen materiellen Eigenschaften, sowie die Simulation aller Prozesse in den jeweiligen Phasen eines PEP. Sie zeigt so zu sagen das fertige Produkt und der zu dessen Erstellung notwendigen Prozesse, in einer virtuellen 10 II. Stand der Wissenschaft - Der Produktentstehungsprozess Umgebung. Und dies schon zu einem Zeitpunkt, der weit vor der eigentlichen Realisierung liegt.

Dadurch sind gegenseitige Beeinflussungen der Produktkomponenten zu erkennen und Arbeitsschritte, Technologiefolgen und Produktionsmitteln besser planbar.18 Ggf. sind frühzeitige Änderungen unter minimalen Kosten und geringem Zeitaufwand möglich. Kosten und Termine können zudem gut vorhergesagt werden.

In einer Studie wurde dazu der Einfluss digitaler Werkzeuge, im Sinne der integrierten PE, auf die Kostenstruktur als auch auf die benötigte Zeit in der Produktentwicklung und der Produktionsplanung ermittelt. Das Ergebnis der untersuchten Branchen zeigt das Diagramm in Abb. 7.

Abb. 7: Potenziale durch digitale Werkzeuge in der Produktionsplanung19

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eng verbunden mit der digitalen PE sind die Begriffe „Virtual Engineering“, „Virtuelle Realität“ und „Digitale Fabrik“. Sie ergibt sich weitestgehend aus der zuvor beschriebenen Integration im PEP. Denn durch eine erweiterte Zusammenarbeit und einen erhöhten Informationsaustausch der Fachabteilungen, in denen das gesamte Produkt im Mittelpunkt steht, müssen die Datenschnittstellen mit neuen abteilungsübergreifenden Systeme überwunden werden. So sollten z. B. die Daten, der in CAD-Programmen entwickelten Produkte, in einem für alle Abteilungen zugänglichen System der Produktionsentwicklung zur Verfügung stehen. Die Produktentwicklung kann dann die Produktion auf das virtuelle Produkt frühzeitig abstimmen oder ggf. Änderungswünsche an die Entwicklung zurückgeben. Vor allem die Entwicklung, die Produktionsplanung und die Fertigung sollten in einer gemeinsamen IT-Umgebung zusammenarbeiten und so ein zentrales Datenmanagement aufbauen. Damit ist sowohl der Wissenstransfer, aber auch der Wissensrückfluss in die frühen Phasen der Produktentstehung gesichert. Mit einer solchen IT-Umgebung können Änderungsprozesse wesentlich effizienter umgesetzt und die Auswirkungen dieser Änderungen auf den gesamten PEP besser beurteilt werden. Die Fachabteilungen sind durch diese interaktive Vernetzung in der Lage, frühzeitiger zu überprüfen, ob die Ergebnisse anderer Abteilungen realisierbar und wirtschaftlich sind.20

Die positiven Auswirkungen einer digitalen und integrierten Produktentstehung werden in Abschnitt 3 (Einflussgrößen und deren Wirkungen) dieses Kapitels noch eingehender betrachtet.

1.2.4 Unterschiede in den Industriezweigen

Die Vielfalt unterschiedlicher PEP’s ist groß. Doch in welcher Weise sich PEP’s in gleichen Industriezweigen ähnlich sind, soll anhand der Automobil-, Maschinenbauund Elektroindustrie dargestellt werden.

1.2.4.1 Automobil- und Zuliefererindustrie

In der Automobil- und der Automobilzuliefererindustrie ist ein sehr stark ausgeprägter Wettbewerb vorhanden. Umso wichtiger ist es, dass bei der Produktentstehung keine Fehler unterlaufen. Schon kleinere Probleme im Entstehungsprozess können in einem stark umkämpften Marktumfeld große Auswirkungen auf die erfolgreiche Produkteinführung haben. Die PEP’s der Automobil- und deren Zuliefererindustrie werden daher von einer Vielzahl an Kontroll- und Qualitätssicherungsmethoden geprägt.

Zudem herrscht in den Phasen der PEP’s hoher Termindruck. Dieser resultiert z. T. aus dem intensiven Wettbewerb. Aber auch die Tendenz zu immer komplexeren Just- in-Time (JIT) Konzepten verlangen die Einhaltungen genauer Zeitpläne in den einzelnen Phasen des PEP.

Durch weitergehende Konzepte wie Just-in-Sequence (JIS) oder Supply Chain Management (SCM), die immer mehr in den Vordergrund treten, wird auch die Bedeutung der Logistik in der Serienproduktion unterstrichen. Insbesondere in der Automobilindustrie, wo der Anteil an Zukaufteilen weit über dem der Eigenfertigung liegt, spielt die Logistik im PEP eine tragende Rolle.

1.2.4.2 Maschinenbauindustrie

Der Maschinenbau ist Produzent und Lieferant von Investitionsgütern, die primär für die Herstellung physischer Erzeugnisse, z. B. in der Automobil- und Automobilzuliefererindustrie benötigt werden. Ein Großteil dieser Investitionsgüter sind Vorprodukte und Komponenten, die für die Herstellung von maschinellen Ausrüstungen und Anlagen benötigt werden.21

Aufgrund der hohen Komplexität heutiger Produkte, werden zu deren Herstellung immer bessere und aufwendigere Maschinen benötigt. Die Lebenszyklusdauer und die Frequenz neuer Produkteinführungen im Maschinenbau hängen daher sehr stark mit technologischen Fortschritten in den Produktionsprozessen der belieferten Industriezweige zusammen.

Die PEP’s der Maschinenbauindustrie sind von einem hohen Individualisierungsgrad geprägt. Kunden in der Automobil- und Automobilzuliefererindustrie verlangen spezielle Maschinen und Fertigungsstraßen, die an ihr Unternehmen und das Fertigungsumfeld angepasst sind. Eine hohe Kundenintegration während der kompletten PE ist daher kennzeichnend.

1.2.4.3 Elektroindustrie

Die Elektroindustrie ist inzwischen zu einer der bedeutendsten Industriezweige herangewachsen, deren Wachstumspotential noch sehr groß ist. Die steigenden Anforderungen an Informationsverarbeitung sowie immer neue Anwendungsmöglichkeiten der Mikroelektronik bestätigen dies.

Sie ist zudem die innovativste Industriebranche Deutschlands.22 Bedenkt man in welchem Tempo sich in den letzten Jahren die Mikrochips weiterentwickelt haben, welchen Anteil diese an unserem täglichen Leben heute haben und dass die zeitlichen Abstände von revolutionären Neuerungen immer kleiner werden, so ist offensichtlich, dass diese Industrie andere PEP’s aufzeigt, als die Automobil- und die Maschinenbauindustrie.

Die Anforderungen an einen PEP in der Elektroindustrie sind daher sehr hoch. Aufgrund der kurzen Produktlebenszyklen (PLC) und den sich somit verkürzenden Absatzzeiten am Markt, müssen neue Produkte schnell entwickelt werden. Sie müssen außerdem für eine Massenproduktion gut geeignet sein, da die Gesamtnachfrage der Kunden auf einen relativ kleinen Zeithorizont komprimiert wird. Genauso wichtig ist, dass die Qualität und die Sicherheit immer im Vordergrund stehen. Denn die Auswirkungen qualitativ bedingter Produktausfälle können im Bereich der Elektronik und der Elektrotechnik sehr weitreichend sein. Als Folge fehlerhafter Produkte, kommt es so z.B. zu Datenverlust in einem Unternehmen, der erheblichen wirtschaftlichen Schaden verursacht. Die Palette der Auswirkungen reicht bis hin zu gesundheitlichen Schäden, die z.B. bei einem Versagen der Boardelektronik in Fahrzeugen entstehen können.

Elektronische Bauteile, die heute in Fahrzeugen oder in Komponenten der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommen, unterliegen daher speziellen Sicherheitsrichtlinien. Die funktionale Sicherheit muss also integraler Bestandteil des PEP sein.23 Charakteristisch für den PEP in der Elektroindustrie ist demnach die sehr kurze Entwicklungs- und Konstruktionszeit, ein hoher Automatisierungsgrad in der Produktionsphase sowie hohe Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen. Letztere integrieren sich nicht nur in alle Phasen der PE sondern erstrecken sich darüber hinaus bis zum Ende des Produktlebenszyklus.

1.2.5 Kategorisierung der PEP’s nach Güterarten

Wie die Prozesse einer PE in den Branchen grundlegend voneinander abweichen können, so hat auch die Art der Verwendung eines erstellten Produktes Einfluss auf dessen PEP. Es wird unterschieden zwischen der Konsumgüterbranche deren Produkte für den Endverbraucher gedacht sind und der Industriegüterbranche. In dieser Branche sind die gefertigten Produkte als Investitionsgüter für Produkte anderer Unternehmen zu sehen. In der nachfolgenden Tabelle sind die Merkmale verschiedener Branchen, die sich nach ihren Erzeugnissen unterscheiden lassen, aufgezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Branchenspezifische Besonderheiten der Güterarten24

1.2.5.1 Konsumgüter

Konsumgüter gehen vom Unternehmen direkt an den Endverbraucher. Oft machen sie aber noch den Zwischenschritt über einen Händler.

Die Produkte werden anhand der größten Schnittmenge von Kundenwünschen eines Zielmarktes entwickelt. Um dieser Schnittmenge gerecht zu werden, müssen die Produkte standardisiert werden. Der PEP von Konsumgütern wird dadurch in seiner Komplexität etwas eingeschränkt. Er muss sich nur mit ein paar wenigen Varianten auseinander setzen. Das Zusammenfassen der Kundenbedürfnisse in standardisierten Produkten bedeutet gleichzeitig, dass darin die Nachfrage vieler Endverbraucher vereinigt ist und somit hohe Stückzahlen produziert werden.25 Die Prozesse müssen hierbei für eine Massenfertigung ausgelegt sein.

Ein weiteres Kennzeichen für die Produktentstehung in dieser Branche ist die Kundenanonymität. Es kann nicht auf die Bedürfnisse eines jeden Kunden eingegangen werden. Seine Nähe und sein Vertrauen werden nicht aus dem Prozess der Produktentstehung heraus gewonnen, sondern durch Werbung und Marketing. Dies geschieht jedoch erst während den späten Phasen bzw. nach Abschluss des PEP.

Der hohe Wettbewerbsdruck bewirkt zudem auch hier immer kürzere Produktlebenszyklen.

1.2.5.2 Investitionsgüter

Investitionsgüter sind Güter, die als Einzelaggregate, Komponenten, Systeme oder Anlagen in ein neues Produkt vollständig mit einfließen.26

Der PEP der Investitionsgüterbranche befasst sich im Gegensatz zur Konsumgüterbranche mehr mit einzelnen Kunden. Er versucht eine auf den Kunden individuell zugeschnittene Lösung zu erstellen. Die Komplexität in den Prozessen variiert dabei sehr stark, da die Art der Investitionsgüter von einfachen Grundstoffen bis zu komplizierten Anlagen reichen.27 Auch die Stückzahlen erstrecken sich von denen einer Einzelfertigung bis hin zur Massenproduktion.

Ein besonderes Merkmal ist jedoch die intensive Zusammenarbeit zwischen dem Kunden und den technischen Abteilungen, sowie dem Vertrieb des Unternehmens.28

Die Vielfältigkeit der PEP’s scheint unbegrenzt zu sein. Um eine differenzierte Betrachtung zu ermöglichen muss deshalb eine Abgrenzung stattfinden. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll nun der PEP speziell für den Bereich der Automobil-, Zulieferer- und Maschinenbauindustrie untersucht werden.

1.3 Die einzelnen Phasen im PEP

Bis aus der Idee ein serienreifes Produkt entsteht, sind mehrere Phasen im PEP zu durchlaufen. Jede Phase hat dabei ihre eigenen Ziele, die auf den Gesamterfolg des Produktes ausgerichtet sind. In der Literatur haben sich im Wesentlichen vier Phasen herausgehoben, die sich wiederum unterteilen lassen. Es handelt sich um die Phasen der Produktplanung, der Entwicklung und Konstruktion, der Fertigung zu der auch die Produktionsentwicklung und die Arbeitsvorbereitung gehören, sowie die Materialwirtschaft und Logistik. Letztere ist eine Phase, die hauptsächlich parallel zur Fertigung abläuft.

Um später einen sinnvollen Vergleich zur Praxis in Unternehmen herzustellen und daraus ein Konzept für kleine und mittelständische Unternehmen ableiten zu können, gelten diese vier Hauptphasen als Basis für die weitere Arbeit.

Der Einfluss früher Phasen auf den Erfolg im PEP ist dabei sehr hoch.29 Werden hier Fehler verursacht, können diese zu einem späteren Zeitpunkt oftmals nur schwer und mit hohen Kosten verbunden, beseitigt werden. Es kommt deswegen häufig vor, dass die Realisierung, die mit den Phasen der Arbeits-, Fertigungs- und Montagevorbereitung sowie der Produktionsentwicklung beginnt, von der ursprünglichen Produktdefinitionsphase abweicht.30

In dem folgenden Schaubild sind die typischen Phasen eines PEP abgebildet und in zusammengehörige Abschnitte eingeteilt. Eine größere Darstellung dieser Abbildung ist in Anhang 3 zu finden.

Abb. 8: Phasen des PEP31

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Prozess der Produkterstellung beginnt mit der Produktplanung. Hier werden Programmstrategien und Produktideen diskutiert, das Marketing geplant und Angebote erstellt. In der Phase der Entwicklung und Konstruktion entsteht dann das Konzept. Auf dieser Grundlage wird das Produkt entworfen. Als Ergebnis erhält man eine fertige Ausarbeitung zu dessen Herstellung. Versuchsreihen mit ersten Prototypen, sowie eine Vorserienerprobung sind auch dieser Phase zuzuordnen.

Danach folgt die Produktion. Ihr gehören die vorbereitenden Maßnahmen, die Fertigung und die Montage an. Parallel zur Produktion setzen die Materialwirtschaft und die Logistik ein. Sie haben mitunter, für einen reibungslosen Ablauf der Serienfertigung zu sorgen.

Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten gibt es immer wieder Zusammentreffen der Verantwortlichen verschiedener Bereiche. Diese sog. Reviews haben den Zweck, die Qualität des bis dahin fortgeschrittenen PEP zu bewerten und nur bei zufriedenstellender Erreichung aller Phasenziele, den Übergang in die nächste Phase zuzulassen.

Die einzelnen Phasen werden in den nachfolgenden Abschnitten noch genauer beschrieben.

1.3.1 Produktplanung

Das bestehende Produktportfolio kann sich nicht auf Dauer auf dem Markt etablieren. Irgendwann hat jedes Produkt das Ende seines Lebenszyklus erreicht. Um die Existenz des Unternehmens zu sichern, müssen neue Produkte die vorhandenen ersetzen. Werden diese erfolgreich eingeführt, können sie einen erheblichen Anteil an dem Gesamtumsatz der Unternehmung tragen.

Die Produktplanung ist für das Unternehmen eine Phase mit entscheidender Bedeutung. Hier werden mit produktstrategischen Entscheidungen und der Gestaltung des Produktprogramms, die Grundlagen dafür gelegt, dass nach der Realisierung Absatzmärkte vorhanden sind. Die Produktplanung bezeichnet „die systematische Suche und Auswahl zukunftsträchtiger Produktideen“.32

Der Innovationsgehalt der neuen Produkte spielt dabei eine wichtige Rolle. Er trägt zur Sicherung des Unternehmenswachstums bei und befriedigt die steigenden und sich ständig veränderten Kundenbedürfnisse. Durch den fortlaufenden technologischen Fortschritt entstehen zudem neue Möglichkeiten innovative Produkte herzustellen.33

Abbildung 9 zeigt die Zusammenhänge der neuen Kundenbedürfnisse und Technologien, sowie die Notwendigkeit aus der sich neue Produkte ergeben.

Abb. 9: Zusammenhänge der Produktplanung34

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Um die steigenden Kundenbedürfnisse in neuen Produkten umsetzen zu können ist demnach schon in der Produktplanung ein hohes Maß an Zusammenarbeit mit dem Kunden erforderlich.35

Der Ablauf der Produktplanung lässt sich in die Suche nach neuen Produktideen und in die anschließende Bewertung unterteilen.

Gewinnung neuer Produktideen

Die Suche nach neuen Produktideen ergibt sich meist aus einem Handlungsbedarf im Produktprogramm, das sich an den übergeordneten Zielen der strategischen Unternehmensplanung orientiert. Ein solcher Handlungsbedarf kann aus den in Abb. 9 gezeigten Ansatzpunkten, d.h. neue Kundenbedürfnisse und neue Technologien, entstehen. Die Suche kann aber auch durch eine Vision eines Mitarbeiters ausgelöst werden.36 Es gibt eine Vielzahl weiterer unternehmensinterner und -externer Faktoren, die die Generierung neuer Produktideen einleiten. Beispiele dafür sind Kostendruck durch die Konkurrenz, technisches Verhalten der eigenen Produkte, Nutzung von Überkapazitäten oder die Streuung des Risikos.

Die Suche nach Produktideen, wenn diese nicht von außen an das Unternehmen herangetragen werden, sollte in aussichtsreichen Feldern stattfinden, die das Potential des Unternehmens berücksichtigen.

Die eigentliche Ideenfindung wird durch verschiedene Methoden wie das Brainstorming, die 635-Methode, das Morphologische Schema oder den Relevanzbaum unterstützt. Sie kann aber auch kontinuierlich im Rahmen eines unternehmensinternen Vorschlagswesens stattfinden. 37

Bewertung und Auswahl der Produktideen

Die Bewertung der Produktideen findet in mehreren Stufen statt. Zunächst wird eine Grobbewertung an Hand einer einfachen Punktebewertung vorgenommen. Im zweiten Schritt findet dann eine exaktere Bewertung statt. Hier wird der Nutzwert mit einer Auswahl relevanter Kriterien errechnet. In Detailanalysen muss abschließend noch die Wirtschaftlichkeit mit der Hilfe verschiedener Kennzahlen nachgewiesen werden.38

Abb. 10: Bewertung von neuen Produktideen39

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nur die Produktideen, die diese Stufen überstehen, haben das Potential zum Erfolg.

Die ausgewählten Produktideen müssen abschließend noch exakt definiert werden. Dafür sind neben den technischen Anforderungen und Eigenschaften des Produktes, die in einem Lastenheft stehen, auch Daten wie geplanter Investitions- und Entwicklungsaufwand, voraussichtliche Produktionsmenge pro Jahr, Herstell- und laufende Betriebskosten, sowie eine genaue Terminplanung notwendig. Fällt die Entscheidung für eine Realisierung des Produktes, wird diese Produktdefinition als Entwicklungsvorschlags an die Entwicklung und Konstruktion weitergegeben. 40 Im Laufe der Entwicklung können jedoch zwingende Änderungen auftreten, so dass ein solcher Entwicklungsvorschlag nicht immer exakt eingehalten werden kann. Hier werden deshalb noch große Freiräume für Abweichungen von der Planvorstellung benötigt.

1.3.2 Entwicklung und Konstruktion

In der Phase der Entwicklung und Konstruktion werden die technischen Produkteigenschaften genauer festgelegt und in Konstruktionszeichnungen, Stücklisten und Geometriemodellen festgehalten. Grundlegende Merkmale, die Produktsicherheit, Funktionalität, Ergonomie und Herstellkosten betreffen, werden zu diesem Zeitpunkt festgeschrieben. Aber auch ein Großteil der Kosten, die im weiteren Verlauf des Produktlebenszyklus anfallen, sind damit festgelegt.41 Es ist deshalb wichtig, die Abläufe zu optimieren und andere Abteilungen, sowie den Kunden zu integrieren, um das Produkt hinsichtlich späterer Phasen intelligent konstruieren zu können. Heimann schreibt dazu in einem Bericht für den VDI, dass in der Produktentwicklung „häufig 80% der Leistungen von Partnern erbracht“ werden.42

In der Literatur ist die Einteilung der Entwicklung und Konstruktion, in verschiedene Phasen nach der VDI 2222 Norm, am häufigsten anzutreffen. Es sind danach die Abschnitte Planen, Konzipieren, Entwerfen und Ausarbeiten zu unterscheiden.

Das Schaubild in Abb. 11 zeigt den Ablauf, nach der VDI 2222 Norm.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11: Vorgehensweise beim Entwickeln und Konstruieren nach VDI 222243

Aufgabe klären und planen

In der Phase des Planens innerhalb der Entwicklung und Konstruktion sollen die Wünsche des Kunden, bzw. die Ergebnisse aus der Suche und Bewertung von Produktideen, für die Konstrukteure präzisiert und für sie verständlich gemacht werden. Dazu wird aus dem Lastenheft, z.B. durch Methoden wie der des Quality Funktion Deployment (QFD), ein Pflichtenheft generiert. Dieses wandelt die Vorstellungen aus Kundensicht, in technische Funktionen um.

Das Ergebnis des Planens, das sich dann aus dem Pflichtenheft ergibt, ist eine Anforderungsliste an das Produkt. Diese Liste umfasst alle Anforderungen, die sich im Laufe eines ganzen Produktlebenszyklus ergeben und dient als Grundlage für das anschließende Konzipieren.44

Konzipieren

Auf Basis der Anforderungsliste wird die sich daraus ergebende Gesamtfunktion des Produktes in einzelne Teilfunktionen unterteilt. Dies ist notwendig, um die Komplexität in den Griff zu bekommen und um eine optimale Produktlösung entwickeln zu können. Die Teilfunktionen werden dann in einzelnen Wirkstrukturen zusammengefasst. Eine Wirkstruktur stellt dabei eine Konstruktionslösung für die gebündelten Teilefunktionen dar.45

Die Wirkstrukturen sind jedoch nicht immer als einzelne Komponenten realisierbar. Deshalb müssen diese wieder zu entsprechenden Systemmodulen zusammengefasst werden. Als solche ist es möglich sie später separat herzustellen und in der Montage wieder zu einem Gesamtprodukt zusammenzufügen.

Das Ergebnis des Konzipierens ist es, technische Lösungen für die einzelnen Teilfunktionen, Wirkstrukturen und Module zu finden und diese in groben maßstäblichen Prinzipskizzen festzuhalten.46

Entwerfen

Die Hauptaufgabe der Entwurfphase umfasst das Erarbeiten maßstäblicher Entwürfe für die wichtigsten Module. Gib es Lösungsalternativen für die einzelnen Module, so werden sie hier miteinander verglichen. Es findet zudem eine Analyse unter technischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten statt, auf deren Basis eine Optimierung erfolgen soll.

In der Phase des Entwerfens werden sog. Vorentwürfe der einzelnen Teilsysteme erstellt, die zu einem Grobentwurf des Gesamtproduktes verknüpft werden.47

Ausarbeiten

Die Ausarbeitungsphase umfasst die Detaillierung und Optimierung der Vorentwürfe der einzelnen Module. Eigenschaften die den Werkstoff, die Oberfläche oder die endgültige Geometrie beschreiben, werden festgelegt. Eine umfassende Dokumentation des Produkts ist der Abschluss dieser Phase. Sie beinhaltet z.B.

[...]


1 vgl. Ehrlenspiel, K. (2007), S.157

2 vgl. Ohms, W. J. (1999), S.13

3 Quelle: Dubbel, Taschenbuch für den Maschinenbau

4 vgl. Ehrlenspiel, K. (2007), S.158

5 Quelle: Ehrlenspiel, K. (2007)

6 Quelle: Ehrlenspiel, K. (2007), S.160

7 vgl. Ohms, W. J. (1999), S.19

8 Ehrlenspiel, K. (2007), S.161ff

9 Quelle: Ehrlenspiel, K. (2007), S.164

10 Ehrlenspiel, K. (2007), S.186

11 Ehrlenspiel, K. (2007), S.186 / vgl. Abbildung 2

12 vgl. Ehrlenspiel, K. (2007), S.183

13 vgl. Ehrlenspiel, K. (2007), S.188

14 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7-124

15 vgl. Schmelzer, H. J. / Sesselmann, W. (2004), S.52

16 Quelle: Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7-125

17 vgl. Ehrlenspiel, K. (2007), S.190

18 vg. Marczinski, G. (2005), S.38

19 Quelle: Potinecke, T. / Edelmann, S. / Slama, A. (2003), S.275

20 vgl. Menges, R. (2004), S.17

21 vgl. Dispan, J. / Pfeifer, S. (2006), S.9

22 vgl. Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie ZVEI (2007)

23 vgl. Pabst, I. (2006), S.105

24 Quelle: Bruhn, M. / Hadwich, K. (2006), S.28

25 vgl. Bruhn, M. / Hadwich, K. (2006), S.28

26 vgl. Helbig, K. (1997), S.7

27 vgl. Bruhn, M. / Hadwich, K. (2006), S.30

28 vgl. Bruhn, M. / Hadwich, K. (2006), S.30

29 vgl. Ehrlenspiel, K. (2007), S.159

30 vgl. Ehrlenspiel, K. (2007), S.159

31 siehe Anhang 3

32 Friese, W. (1975), S.9

33 vgl. Bruhn, M. / Hadwich, K. (2006), S.196

34 vgl. Bruhn, M. / Hadwich, K. (2006), S.205

35 vgl. Bruhn, M. / Hadwich, K. (2006), S.205

36 vgl. Helbig, K. (1997), S.20

37 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.1 ff.

38 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.4 ff.

39 Quelle: Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.7

40 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.10

41 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.26 f.

42 VDI Berichte, mehrere Autoren (1999), S.19

43 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.30

44 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.31 f.

45 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.32

46 vgl. Linner, S. (1995), S.14

47 vgl. Eversheim, W. / Schuh, G. (1999), S.7.33

Ende der Leseprobe aus 118 Seiten

Details

Titel
Einflussgrößen auf den wirtschaftlichen Erfolg im Produktentstehungsprozess
Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
1.5
Autor
Jahr
2008
Seiten
118
Katalognummer
V186483
ISBN (eBook)
9783656995135
ISBN (Buch)
9783869432304
Dateigröße
6556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einflussgrößen, erfolg, produktentstehungsprozess
Arbeit zitieren
Dominik Seeburger (Autor), 2008, Einflussgrößen auf den wirtschaftlichen Erfolg im Produktentstehungsprozess, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186483

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