Die der EU beigetretenen Länder konnten innerhalb der letzten Jahre im Rahmen der EU-Drittstaatenprogramme auf Fördermittel zurückgreifen, welche den Heranführungsprozess an die westlichen Industrienationen unterstützten. Der Beitritt der betrachteten Staaten Mittel- und Osteuropas erhöht deren Attraktivität als Produktionsstandort und Absatzmarkt für deutsche Unternehmen. Auch für IT-Outsourcing stellt die neue EU-Region damit eine Alternative zu den klassischen Offshore-Destinationen wie beispielsweise Indien dar. Die geografische und kulturelle Nähe kommt Nearshore-Auslagerungen dabei entgegen.
Die vorliegende Arbeit soll die neuen EU-Staaten im Hinblick auf die Auslagerung von Softwareentwicklung analysieren. Dabei wird zunächst eine vergleichende Länderanalyse vorgenommen, anhand derer die politischen, wirtschaftlichen, sozi-alen und infrastrukturellen Gegebenheiten dargestellt werden. Daran anschließend werden die Ergebnisse einer empirischen Befragung lokaler Softwareanbieter in-nerhalb der jeweiligen Länder vorgestellt. Diese Befragung ist ein Teilbereich des Projektes "Offshore-Development", das am Institut für Angewandte Forschung der Hochschule Pforzheim (IAF) durchgeführt wird. Das AiF-Projekt, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), unterliegt der Leitung von Frau Prof. Dr. Regina Moczadlo. Struktur und Inhalte der dieser Arbeit zugrunde liegenden Befragung waren durch das Projekt vordefiniert.
Die per Online-Fragebogen durchgeführte quantitative Erhebung gibt unter ande-rem Auskunft zu angebotenen Leistungen, Kosten der Programmiertätigkeiten, Qualitätszertifizierung, sowie Problemen und Verbesserungspotentialen bei der Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb der Offshore-Partnerschaft.
Die Staaten Malta und Zypern werden aufgrund der geringen Bedeutung für das bearbeitete Thema innerhalb dieser Arbeit nicht berücksichtigt. Der Kreis der un-tersuchten Staaten bezieht sich damit auf folgende acht Länder: Polen, Tsche-chien, Ungarn, Litauen, Lettland, Estland, Slowenien, Slowakei (nachfolgend auch EU-8 bezeichnet).
Ziel der empirischen Erhebung ist es, die Erfahrungen der osteuropäischen Unter-nehmen mit dem Softwareoutsourcing von Westeuropa und den USA zu analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
1.3 Gang und Aufbau der Arbeit
1.4 Begriffsabgrenzung
1.5 Entwicklung und aktuelle Betrachtung zum Thema Offshoring
2 Mittel- und Osteuropa der EU im Überblick
2.1 Politische Situation
2.2 Wirtschaftliche Situation
2.3 Infrastruktur
2.4 Humankapital
3 Die Länder im Einzelnen und ihre Softwaremärkte
3.1 Allgemeine Landesinformationen
3.1.1 Polen
3.1.2 Ungarn
3.1.3 Tschechien
3.1.4 Litauen
3.1.5 Lettland
3.1.6 Estland
3.1.7 Slowakei
3.1.8 Slowenien
3.2 Informationen zur Softwareindustrie der neuen EU-Staaten
4 Empirische Analyse
4.1 Gesamtbetrachtung Osteuropa
4.2 Vergleichende Ergebnisbetrachtung der untersuchten Länder
5 Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das primäre Ziel dieser Masterarbeit ist die Analyse der neuen EU-Staaten Mittel- und Osteuropas (EU-8) als potenzielle Zielländer für die Auslagerung von Softwareentwicklung. Dabei wird untersucht, inwieweit diese Region als alternative oder ergänzende Destination zu klassischen Offshoring-Standorten wie Indien fungieren kann, wobei besonderes Augenmerk auf politische, wirtschaftliche, infrastrukturelle Faktoren sowie die Verfügbarkeit von Humankapital gelegt wird.
- Vergleichende Länderanalyse der EU-8-Staaten
- Empirische Untersuchung lokaler Softwareanbieter
- Analyse von Chancen und Risiken beim IT-Offshoring
- Bewertung der Standortfaktoren für Softwareentwicklung
- Untersuchung der Zusammenarbeit und Kommunikation in Offshore-Partnerschaften
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung
Das aktuelle wirtschaftliche Umfeld schafft für die IT-Verantwortlichen eine herausfordernde Aufgabe: Auf der einen Seite sollen massive Kostenreduzierungen realisiert werden, auf der anderen Seite muss gleichzeitig den steigenden Anforderungen bezüglich Verfügbarkeit, Integration, Aktualität und Sicherheit nachgekommen werden.
Um diesem Druck gerecht zu werden, greifen immer mehr Unternehmen auf das sogenannte Offshoring, dem Auslagern von Dienstleistungen in Niedriglohnländer, zurück. Durch die ständig fortgeschrittene Standardisierung der IT-Prozesse und das dadurch vermehrt nachlassende Differenzierungspotential durch die eigene IT-Kompetenz, verliert dieser Bereich zunehmend an strategischer Bedeutung innerhalb vieler Firmen. Gepaart mit den heutigen Möglichkeiten durch weltweit verfügbare Daten- und Kommunikationsnetze entsteht damit eine Konstellation, die wissensbasierte Tätigkeiten wie z.B. das Programmieren von Geschäftsapplikationen an räumlich getrennten Orten ermöglicht.
Die Anfänge des Offshoring finden sich in den USA, wo zu Beginn bis Mitte der 90er Jahre der Fachkräftemangel überwiegend durch Bodyshopping und anfängliches Verlagern einfacher IT-Tätigkeiten insbesondere nach Indien oder auch Israel kompensiert wurde. Durch die schwache wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre rückte bei vielen Unternehmen ein weiteres Motiv verstärkt in den Blickpunkt: Man lagert Leistungen nach Billiglohnländer aus, um Kosteneinsparpotentiale realisieren zu können und weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.
In jedem Zielland existieren unterschiedliche Voraussetzungen für eine Auslagerung. Entscheidende Differenzen sind hier hierbei beispielsweise die Lohnkosten, die Verfügbarkeit von qualifiziertem Fachpersonal, Infrastruktur, örtliche Nähe und Zeitzone sowie rechtliche Gegebenheiten. Bezüglich der innerhalb dieser Arbeit analysierten neuen EU-Länder liegen teilweise identische Ausprägungen der Kriterien vor (z.B. Zeitverschiebung). Trotzdem können entscheidende Unterschiede bestehen, welche den Erfolg eines Offshore-Vorhabens beeinflussen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problemstellung des IT-Offshoring ein und erläutert die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Untersuchung.
2 Mittel- und Osteuropa der EU im Überblick: Hier werden die politischen, wirtschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen sowie das Humankapital der acht untersuchten EU-Beitrittsländer (EU-8) analysiert.
3 Die Länder im Einzelnen und ihre Softwaremärkte: Dieses Kapitel liefert detaillierte Landesinformationen zu den acht Staaten und gibt einen Einblick in die spezifische Situation der jeweiligen Softwareindustrien.
4 Empirische Analyse: Dieser Teil präsentiert die Ergebnisse einer empirischen Befragung unter IT-Dienstleistern in der EU-8-Region hinsichtlich ihrer Erfahrungen und Vorgehensweisen im Offshore-Geschäft.
5 Schlussbemerkungen: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt eine Einschätzung zur Eignung der EU-8-Region als Offshore-Destination.
Schlüsselwörter
Offshoring, Nearshoring, Softwareentwicklung, EU-8, IT-Dienstleistungen, Outsourcing, Lohnkosten, Humankapital, IT-Infrastruktur, Marktanalyse, empirische Studie, internationale Zusammenarbeit, Softwaremarkt, Kosteneinsparung, Standortfaktoren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Potenzial der neuen EU-Beitrittsländer (EU-8) als Standorte für das Offshoring von Softwareentwicklungsleistungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die wirtschaftliche und politische Analyse der EU-8-Länder, die Bewertung der IT-Infrastruktur, die Qualität des Humankapitals sowie eine empirische Befragung lokaler Softwareanbieter.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Attraktivität der EU-8-Region für deutsche Unternehmen zu bewerten, um festzustellen, ob sie eine geeignete Alternative zu traditionellen Offshore-Standorten darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine deskriptive Länderanalyse auf Basis ökonomischer Kennzahlen mit einer quantitativen empirischen Online-Befragung unter Softwareanbietern der Region.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Überblick über die Region (Politik, Wirtschaft, Infrastruktur, Bildung) und eine detaillierte Auswertung der Anbieterbefragung zu Themen wie Leistungsangebot, Kosten, Qualität und Kooperationsmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Offshoring, Nearshoring, Softwareentwicklung, EU-8, IT-Dienstleistungen, Humankapital, Standortanalyse und Outsourcing.
Welche Rolle spielt die geografische Nähe für die Unternehmen?
Die kulturelle und geografische Nähe wird als wesentlicher Vorteil gegenüber asiatischen Destinationen hervorgehoben, da sie Nearshore-Auslagerungen begünstigt.
Wie wichtig sind deutsche Firmen als Partner für die untersuchten Softwareanbieter?
Für die Mehrheit der untersuchten Unternehmen ist Deutschland ein bedeutender, wenn nicht der bedeutendste Markt, und die meisten erwarten in den nächsten Jahren eine steigende Zusammenarbeit mit deutschen Firmen.
- Citar trabajo
- Thomas Bossert (Autor), 2006, Marktanalyse des Offshore Software Development in den neuen EU-Beitrittsländern, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186485