Die Arbeit behandelt die Bahnreform in Großbritannien sowie die damit verbundenen regulierenden Eingriffe in den Eisenbahnmarkt.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Die Entwicklung der Eisenbahn in Großbritannien
2.1. Die Notwendigkeit eines neuen Transportmittels
2.2. Die zentralen Epochen der Entstehungsgeschichte der Eisenbahn in Großbritannien unter Berücksichtigung der Eingriffe in das Marktgeschehen
2.2.1. Die Anfänge der Eisenbahn 1804 - 1923
2.2.2. Die Entstehung der „Big Four“ 1923 - 1947
2.2.3. Verstaatlichung 1948 - 1993
3. Die Eisenbahn als Netzmarkt zwischen natürlichem Monopol und Wettbewerb
3.1. Der Netzmarkt Eisenbahn als Multiproduktmarkt und dessen Kosten
3.2. Betriebsgrößenersparnisse als Markteintrittsschranke im Netzmarkt Eisenbahn
3.2.1. Economies of Scale und Economies of Density
3.2.2. Economies of Scope
3.3. Zum Begriff des natürlichen Monopols
3.4. Die Theorie der bestreitbaren Märkte
3.5. Irreversible Kosten
3.6. Monopolistische Bottlenecks und die Bedeutung der Essential Facilities
3.7. Eine disaggregierte Betrachtung des Netzmarktes Eisenbahn zur Verifizierung von Bottlenecks
3.7.1. Das Schienennetz
3.7.2. Die Zugüberwachungssysteme
3.7.3. Das Angebot von Transportleistungen
4. Grundzüge der Regulierung
4.1. Begriffliche Grundlagen der Regulierung
4.2. Ausgestaltung der Regulierung
4.2.1. Marktstrukturregulierung
4.2.1.1. Vertikale Separierung
4.2.1.2. Horizontale Aufspaltung integrierter Netzindustrien
4.2.2. Franchising
4.2.3. Marktverhaltensregulierung
4.2.3.1. Preisniveau und -strukturregulierung
4.2.3.1.1. Rentabilitätsregulierung (RoR-Regulierung)
4.2.3.1.2. Price-Cap Regulierung
4.2.3.1.3. Vergleich der vorgestellten indirekten Regulierungsinstrumente
4.2.3.2. Qualitätsregulierung
4.3. Zwischenfazit zum dritten und vierten Kapitel
5. Die Bahnreform in Großbritannien
5.1. Die Ausgangssituation
5.2. Zur Ausgestaltungsform der Regulierungsbehörde
5.3. Eine detaillierte Betrachtung des Regulierungsregimes der Bahn in Großbritannien
5.3.1. Department for Transport (DfT)-Verkehrsministerium
5.3.2. Office of the Rail Regulator (ORR)
5.3.3. Office of Passenger Rail Franchising (OPRAF) bzw. ab 2001 Strategic Rail Authority (SRA)
5.3.4. Die Health and Safety Commission (HSC)
5.3.5. Office of Fair Trading (OFT)
5.4. Etwaige Regulierungsprobleme in der Praxis
5.5. Zur Umsetzung der Bahnreform in Großbritannien und der neuen Struktur des Marktes
5.5.1. Die Railtrack Ära (1994-2001)
5.5.2. Die Personenverkehrssparte (TOC)
5.5.3. Die Güterverkehrssparte (FOC)
5.5.4. Die Rolling Stock Companies (ROSCOs)
5.6. Zusammenfassung der Regulierungsaktivitäten
5.7. Der Übergang von Railtrack zu Network Rail
5.8. Eine kritische Würdigung der Bahnreform in Großbritannien
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die im Zuge des Railway Act von 1993 in Großbritannien durchgeführte Bahnreform, um zu untersuchen, ob die angestrebten Ziele – insbesondere die Generierung von mehr Wettbewerb und eine Steigerung der ökonomischen Effizienz – erreicht wurden und welche Rolle das gewählte Regulierungsregime dabei spielte.
- Historische Entwicklung des britischen Eisenbahnwesens bis zur Privatisierung.
- Ökonomische Analyse der Eisenbahn als Netzmarkt mit den Besonderheiten natürlicher Monopole.
- Grundlegende Konzepte und Instrumente der sektorspezifischen Regulierung.
- Detaillierte Untersuchung der Bahnreform in Großbritannien inklusive der Institutionen und Regulierungsbehörden.
- Kritische Würdigung der Marktergebnisse und der Auswirkungen auf Effizienz und Investitionen.
Auszug aus dem Buch
Die Eisenbahn als Netzmarkt zwischen natürlichem Monopol und Wettbewerb
Bei der Eisenbahn handelt es sich, ähnlich wie bei den Bereichen Telekommunikation, Strom oder Gas, um eine Netzindustrie bzw. einen Netzwerkmarkt. Netzsektoren im Bereich des Bahnwesens können dabei in Netzinfrastrukturen, wie die Schienenwege und Netzdienstleistungen, wie dem Eisenbahnverkehr, unterschieden werden (vgl. Knieps & Brunekreeft 2003, S.10 f.; vgl. auch Knieps 2007, S. 2 f.).
Für die zentrale Aufgabe der Eisenbahn, nämlich den Transport von Personen und Gütern, ist der Aufbau eines Infrastrukturnetzes unabdingbar. Der Aufbau des notwendigen Netzes, um diese Leistung zu erbringen, ist jedoch mit immensen (Fix-)Kosten verbunden und kann nur zu diesem einen Zweck genutzt werden.
Die gemeinsamen Charakteristika dieser Branchen grenzen sich klar von denen anderer Industriesektoren ab. Charakteristisch für diese Branche sind sowohl Skalenerträge (Economies of Scale) als auch Diversifikationsvorteile, die zu natürlichen Monopolen führen können. Aufgrund der Existenz dieser natürlichen Monopole kann es zu Marktversagen kommen. Weiterhin ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass Netzmärkte aufgrund ihrer Eigenschaften weitaus stärker von horizontalen und vertikalen Konzentrationen geprägt sind, als dies in anderen Märkten der Fall ist. In der Folge sollen die spezifischen ökonomischen Eigenschaften der Netzwerkindustrie Bahn aufgezeigt werden und die daraus resultierenden Aufgaben in Bezug auf die Regulierung herausgearbeitet werden. Ziel dessen ist es, Bereiche zu erkennen, in denen potentiell Regulierungsbedarf besteht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein und erläutert die Zielsetzung der Analyse der Bahnreform in Großbritannien vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
2. Die Entwicklung der Eisenbahn in Großbritannien: Dieses Kapitel beschreibt die historischen Etappen des britischen Eisenbahnwesens, von den Anfängen über die Verstaatlichung bis hin zu den Bedingungen vor der Privatisierung.
3. Die Eisenbahn als Netzmarkt zwischen natürlichem Monopol und Wettbewerb: Es werden die spezifischen ökonomischen Charakteristika von Netzmärkten, wie Skaleneffekte und natürliche Monopole, untersucht, um den Bedarf an sektorspezifischer Regulierung abzuleiten.
4. Grundzüge der Regulierung: Dieses Kapitel definiert Begriffe der Regulierung und analysiert verschiedene Instrumente wie Marktstrukturregulierung, Franchising und Preisregulierung auf ihre Effizienz und Wohlfahrtswirkung.
5. Die Bahnreform in Großbritannien: Der Schwerpunkt liegt auf der Analyse der Privatisierung, den Aufgaben der Regulierungsbehörden und der Umsetzung der neuen Marktstruktur nach 1993.
6. Schlussbetrachtung: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengeführt und ein kritisches Fazit zum Erfolg der Bahnreform sowie zu zukünftigen Handlungsoptionen gezogen.
Schlüsselwörter
Bahnreform, Großbritannien, Privatisierung, Regulierung, natürliches Monopol, Netzmarkt, Railway Act, Railtrack, Wettbewerb, Franchising, Price-Cap, Rentabilitätsregulierung, Infrastruktur, Effizienz, Marktversagen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen Analyse der Bahnreform in Großbritannien, die durch den Railway Act von 1993 eingeleitet wurde, und untersucht deren Erfolg sowie die Wirksamkeit der gewählten Regulierungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die ökonomischen Eigenschaften von Netzmärkten, die Theorie der Regulierung sowie die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung der Privatisierung des britischen Eisenbahnsektors.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob die Bahnreform die angestrebten Ziele wie mehr Wettbewerb und höhere Effizienz erreicht hat und welche Schwachstellen im Regulierungsregime identifiziert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Die Arbeit nutzt einen ordnungsökonomischen Analyserahmen, der auf einer disaggregierten Betrachtung der Wertschöpfungsebenen von Netzindustrien basiert, um Regulierungsbedarf und -effizienz zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Netzmärkten und Regulierung sowie eine tiefgehende Analyse der britischen Bahnreform, einschließlich der Rolle von Behörden wie dem ORR, der OPRAF und der SRA.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bahnreform, Privatisierung, natürliche Monopole, Price-Cap-Regulierung, Franchising und Infrastrukturregulierung charakterisiert.
Warum scheiterte Railtrack aus ökonomischer Sicht?
Railtrack scheiterte an einer Kombination aus Zielkonflikten im Regulierungsregime, Investitionszurückhaltung unter hohem Kostendruck und politischen Einflüssen, die eine effiziente Infrastrukturentwicklung behinderten.
Warum wurden die ROSCOs als problematisch eingestuft?
Die ROSCOs wurden als problematisch angesehen, da sie in einer oligopolistischen Struktur agierten, nicht reguliert waren und kaum Anreize hatten, effizient in neue Technologien zu investieren, was zu Ineffizienzen im Markt für rollendes Material führte.
- Quote paper
- Markus Lotte (Author), 2008, Zur Regulierung der Bahn in Großbritannien - Vergangenheit und Gegenwart, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186503