Das Themengebiet der Prozesskostenrechnung wurde in den letzten Jahren
vielfältig in der Literatur behandelt. Dies ist v.a. zurückzuführen auf die insgesamt
veränderte Unternehmenssituation und -umwelt. Dabei sind Veränderungen „von
außen“ eingetreten, aber auch der Wandel innerhalb der Strukturen der
Unternehmen hat zu dieser Situation geführt.
Der Wettbewerb hat gerade im Zuge der Globalisierung der Wirtschaft stark
zugenommen. Damit verbunden ist für die Unternehmungen ein verstärkter
Kostendruck, den es zu bewältigen gilt, damit der Fortbestand des Unternehmens
gesichert ist. Außerdem haben sich auch die Nachfragebedürfnisse der Kunden
verändert. Verlangt wird nicht mehr nur das Produkt in entsprechender Qualität,
sondern darüber hinaus auch entsprechende Dienst- und Serviceleistungen.
Innerhalb bestimmter Unternehmensbereiche sind Kostenstrukturverschiebungen
eingetreten. V.a. in den sogenannten indirekten Bereichen, zu denen auch die
Logistik gehört, ist der Anteil der Gemeinkosten stark angestiegen. Damit bieten
herkömmliche Kostenrechnungssysteme, speziell für Zwecke der Kalkulation,
keine verursachungsgerechte Verrechnung mehr.1
Aus diesen Gründen scheint es auch für die Logistik sinnvoll, ein verbessertes
Kostenrechnungssystem im Unternehmen zu integrieren. Da der Logistikservice
als Dienstleistung ein Faktor zur Sicherung eines Wettbewerbsvorteils darstellen
kann, soll in dieser Arbeit die mögliche Bedeutung dafür untersucht werden.
1 Vgl. zu den aktuellen Entwicklungen Reckenfelderbäumer (Entwicklungsstand, 1998), S. 3-18.
Inhaltsverzeichnis
1 Einordnung in die aktuelle Unternehmensumwelt
2 Grundsätzliche Feststellungen
2.1 Logistikservice
2.2 Prozesskostenrechnung und Logistikservice
3 Prozessanalyse als erster Schritt der Prozesskostenrechnung
3.1 Prozessanalyse
3.2 Prozessziele
3.3 Prozessoptimierung im Rahmen der Prozessanalyse
3.3.1 Qualität
3.3.2 Zeit
3.3.3 Kosten
4 Auswirkungen nach Einführung einer Prozesskostenrechnung
4.1 Logistikkosten und Logistikservice
4.1.1 Darstellung des Zusammenhangs
4.1.2 Verdeutlichung an einzelnen Komponenten
4.2 „Programm- und Preispolitik“ für den Logistikservice
4.3 Make or Buy Entscheidung
5 Bedeutung im Rahmen des Supply Chain Management
5.1 Grundsätzliche Prinzipien
5.2 Vorteile einer engen Koordination
5.3 Integration von Logistik-Managementsystemen bei Siemens
6 Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und Anwendung der Logistikprozesskostenrechnung als strategisches Instrument zur Steigerung der Effizienz und Qualität im Logistikservice. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch eine verursachungsgerechte Kostenallokation Wettbewerbsvorteile gesichert und Optimierungspotenziale in indirekten Unternehmensbereichen realisiert werden können.
- Logistikservice als Wettbewerbsfaktor
- Methodik der Prozessanalyse und Prozessoptimierung
- Kostentransparenz und Preisfindung im Logistikbereich
- Strategische Bedeutung innerhalb des Supply Chain Managements
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Zeit
Hierbei geht es v.a. darum, die eigentliche Prozesszeit, oder auch Durchlaufzeit, zu reduzieren. Ein erster Ansatzpunkt kann die in Kap. 3.3.1 bereits erwähnte Beseitigung von Doppelarbeiten oder Prozessschleifen sein.
P. Horváth beschreibt in diesem Zusammenhang beispielhaft eine Optimierung am Prozess „Auftragsabwicklung“ bei Carl Zeiss. Im Ist-Zustand beträgt die mittlere Durchlaufzeit (DLZ) 30 bis 40 Arbeitstage, im günstigsten Fall können es 16 Tage, im schlechtesten Fall aber auch 55 Arbeitstage sein. Es gibt zahlreiche Postwege und zu viele Zuständigkeiten, d.h. viele Wechsel zwischen Kostenstellen und Mitarbeitern. Außerdem liegen ca. 60% terminkritische Aufträge vor, die eine aufwendige Disposition erfordern. Diese vorhandene Situation soll ein Optimierungsteam verbessern. Die mittlere DLZ soll auf 20 Arbeitstage verkürzt werden, die Extremwerte dürfen zwischen 10 und 40 Arbeitstagen schwanken. Die Postwege sollten möglichst wegfallen und die beteiligten Kostenstellen abgebaut werden. Ziel ist die Möglichkeit einer überlappenden Bearbeitung von der Auftragsannahme bis zum Versand. Um diesen Soll-Zustand zu erreichen, wurden für die Logistik einige der folgenden Maßnahmen eingeleitet: Gerade im Bereich Versand wurde der Standardverpackungsanteil erhöht, da aufwendige Spezialverpackungen mehr Zeit in Anspruch nehmen. Hilfreich dafür waren auch Startlisten mit Verpackungsdaten zur besseren Planung. Die Postwege können durch eine beleg- und aktenarme Bearbeitung reduziert werden. Gerade Routinetätigkeiten, wie z.B. die Ablage, können automatisiert werden. Schließlich soll anstatt einer sequentiellen Bearbeitung eine Komplettbearbeitung erreicht werden, also im Sinne einer Parallelarbeit. Hilfreich dabei kann die Bündelung von Aufgaben sein oder auch der Abbau von Schnittstellen.
H. Wildemann gibt schließlich auch noch einen wichtigen Hinweis: „Die intensive Nutzung der Zeit erfordert .., die richtigen Dinge gleich beim ersten Mal richtig zu tun, so daß Fehler und somit Schleifen möglichst vermieden werden.“ Damit wird gleichzeitig nochmals auf die Qualität von Prozessen hingewiesen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einordnung in die aktuelle Unternehmensumwelt: Das Kapitel erläutert den steigenden Kostendruck und die veränderten Kundenanforderungen, welche die Implementierung moderner Kostenrechnungssysteme in der Logistik notwendig machen.
2 Grundsätzliche Feststellungen: Es werden der Begriff des Logistikservice definiert und der grundlegende Zusammenhang zwischen Prozesskostenrechnung und logistischen Leistungsparametern hergestellt.
3 Prozessanalyse als erster Schritt der Prozesskostenrechnung: Dieses Kapitel beschreibt die Identifizierung von Aktivitäten und die Prozessoptimierung anhand des Zieldreiecks aus Qualität, Zeit und Kosten.
4 Auswirkungen nach Einführung einer Prozesskostenrechnung: Hier werden die Effekte auf die Kalkulation, die Preispolitik und die strategische Make-or-Buy-Entscheidungsfindung in der Logistik analysiert.
5 Bedeutung im Rahmen des Supply Chain Management: Das Kapitel beleuchtet, wie Prozesskostenrechnung und moderne Managementsysteme die Zusammenarbeit in Wertschöpfungsketten unterstützen.
6 Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Prozesskostenrechnung ein wertvolles, wenn auch aufwendiges Instrument zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in indirekten Unternehmensbereichen darstellt.
Schlüsselwörter
Prozesskostenrechnung, Logistikservice, Prozessanalyse, Kostentransparenz, Logistik, Supply Chain Management, Durchlaufzeit, Prozessoptimierung, Kostentreiber, Wettbewerbsvorteil, Gemeinkosten, Dienstleistungsmanagement, Wertschöpfung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Relevanz und praktische Anwendung der Prozesskostenrechnung, um die Kostenstruktur und Leistungsfähigkeit innerhalb der Logistik besser steuerbar zu machen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind die Prozessanalyse, das Zieldreieck aus Qualität, Zeit und Kosten, der Einsatz im Supply Chain Management sowie spezifische Auswirkungen auf Preispolitik und Make-or-Buy-Entscheidungen.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es, den Nutzen der Prozesskostenrechnung als strategisches Instrument zur Positionierung eines Unternehmens durch einen verbesserten Logistikservice nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie praxisnahe Anwendungsbeispiele, um die Zusammenhänge zwischen Prozesskosten und logistischen Kennzahlen methodisch darzulegen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil besonders im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die methodischen Schritte der Prozessanalyse, Möglichkeiten zur Prozessoptimierung und die konkreten Auswirkungen der Kostentransparenz auf logistische Entscheidungen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Logistikprozesskostenrechnung, Gemeinkosten, Prozessziele, Kostentreiber und Supply Chain Management.
Welche Rolle spielen Kostentreiber bei der Prozessoptimierung?
Kostentreiber bilden das Mengengerüst für einen Prozess und ermöglichen es, die Beanspruchung von Ressourcen quantifizierbar zu machen, was die Basis für eine verursachungsgerechte Kostenverrechnung ist.
Warum ist die Prozesskostenrechnung besonders für den Logistikservice relevant?
Da Logistik als indirekter Leistungsbereich oft einen hohen Anteil an Gemeinkosten aufweist, ermöglicht die Prozesskostenrechnung eine genauere Kalkulation und eine bessere Beurteilung von Serviceleistungen gegenüber herkömmlichen Systemen.
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- Carolin Klemm (Author), 2003, Bedeutung der Logistikprozesskostenrechnung für den Logistikservice von Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18652