Das Buch The Study of Ethnomusicology. Thirty- one Issues and Concepts von Bruno Nettl besteht aus einer Serie von Aufsätzen über die wichtigsten Musikkonzepte der Musikethnologie. Alle Aufsätze sind aus der persönlichen Perspektive des Autors geschrieben. Im Vergleich zu seiner ersten hat Bruno Nettl in seiner zweiten Ausgabe wesentlich mehr bibliographische Angaben hinzugefügt. Statt nur 600 sind es jetzt 960 Literaturhinweise. Alle Kapitel wurden überarbeitet. Bruno Nettl hat vier neue Kapitel hinzugefügt: Kapitel 14, 17, 26, 28. Diese handeln von Feldforschung, das Schreiben von Ethnographie, Organologie und über Musik von Frauen und Frauen im Musikethnologischen Kontext. Der Autor hat dafür vier Kapitel seiner ersten Ausgabe in zwei Kapitel in seiner zweiten Ausgabe zusammengefasst und gekürzt. Darin handelt es sich um die europäische Volksmusik.
In der ersten Ausgabe rechtfertigt sich Nettl für die Wissenschaft der Musikethnologen (preface, S. xiii). In der zweiten Ausgabe übermittelt Nettl die Nachricht, dass obwohl die wissenschaftliche Forschung in der Musikethnologie oft schwierig und frustrierend ist, diese ihm aber gewöhnlich viel Freude gebracht hat (preface, S. xiii). Zum Schluss sagt er, dass das Forschen und Lehren in den letzten fünfzig Jahren sein Hauptschwerpunkt war (preface, S. xiii). Bruno Nettl ist 1930 in Prag geboren und 1939 in die Vereinigten Staaten immigriert. Dort studierte er an der „University of Michigan“ und an der „Indiana University“ wo er 1953 seinen Doktortitel erhielt. Auf der Univerversität von Illinois erhielt er eine Lehrstelle als Professor für Musikethnologie und Anthropologie. Sein Hauptgebiet waren die „blackfoot people“ von Montana in Iran und Indien. Nettl ist ehemaliger Präsident der Gesellschaft für Musikethnologie und Herausgeber ihrer Zeitung gewesen. Diese Arbeit ist in zwei Teile aufgebaut. Im ersten Teil geht es um die Musikethnologie und ihre Wissenschaftler. Der zweite Teil handelt von dem Versständnis oder den Missverständnissen des Begriffes „Musik“. Um dies zu erläutern, wurde den Studenten der LV: Musikanthropologie (Karl- Franzens Universität, SS 2007) von Herrn Dr. Prof. Mauerhofer, die Frage gestellt den Begriff „Musik“ zu definieren. Im Anhang werden die Ergebnisse der Diskussion über die Gründe der Unklarheiten über eine genaue Definition von „Musik“ wiedergegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Musikethnologie und ihre Wissenschaftler- Einleitung
2. Wie definieren Musikethnologen „Musik“ und „Musikethnologie“?
2.1 Wer sind die Musikethnologen und was machen sie?
2.1.1 Wer sind Musikethnologen?
2.1.2 Was tun Musikethnologen?
2.2 Haltungen zu Vergleichen
2.3 Gibt es eine Allgemeingültigkeit?
3. Verständnisse und Missverständnisse von „Musik“- Einleitung
3.1 Interpretation nach Nettl zum Thema „Cocktail- Party“
3.2 Haben sie wirklich „Musik“?
3.3 Was ist das, was man „Musik“ nennt?
3.4 Der unersättliche Musikethnologe
4. Zusammenfassung und Ausblick
5. Anhang: Diskussionsergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht musikethnologische Klassifizierungskonzepte basierend auf Bruno Nettls Werk „The study of Ethnomusicology“. Das primäre Ziel ist es, die Schwierigkeiten einer interkulturell einheitlichen Definition von Musik und Musikethnologie aufzuzeigen und die methodischen sowie theoretischen Herangehensweisen der Wissenschaftler zu beleuchten.
- Methodische Ansätze in der musikethnologischen Feldforschung.
- Unterschiedliche Definitionsmodelle für Musik und Musikethnologie.
- Interkulturelle Vergleichbarkeit und das Problem des Ethnozentrismus.
- Die Rolle von Wertesystemen und kulturellen Kontexten in der Musikwahrnehmung.
- Der Stellenwert von Musik in verschiedenen Gesellschaftsstrukturen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Was ist das, was man „Musik“ nennt?
Der Wert von Musik in der Gesellschaft bestimmt die Definition von Musik (S. 23). Je nachdem welchen Stellenwert die Musik in einer Gesellschaft hat, so wird sich die Definition ihrer auch ändern. Wenn der Zweck der Musik zum Beispiel zur Heilung von Menschen, Vertreibung von Geistern, Herbeirufen eines Gottes oder nur zum reinen Genuss im Konzertsaal bestimmt ist, erhält die Musik automatisch eine andere Bedeutung innerhalb einer Gesellschaft.
In der westlichen Gesellschaft wird Musik mit etwas gutem und etwas freudigem assoziiert. Klänge, die für uns Freude symbolisieren, sind zum Beispiel Vogelgezwitscher. Mit Hundebellen verbinden wir eher Neutralität oder unglückliche Gefühle (S. 24). Das Konzept der Musik wird von den Europäern oft z.B. in der Literatur metaphorisch als das Rauschen des Windes, musikalische Sprache, und die Orchestrierung politischer Strategien dargestellt (S. 24). Im Gegensatz dazu, wollen Moslems des Mittleren Ostens das Konzept einschränken, indem sie die Musik in der religiösen Form verbieten möchten (S. 24). Bei ihnen ist der Wert der Musik geringer als in Europa. Nicht alle Gesellschaften entwickeln erst das Konzept der Musik und entscheiden dann über ihre Attribute. Es ist möglich, dass sie sich erst mit der Existenz des musikalischen Klanges befassen, und dann eine Definition dieses Konzeptes entwickeln, wobei der Wert ihrer Musik beachtet wird (S. 24).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Musikethnologie und ihre Wissenschaftler- Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk von Bruno Nettl ein und beschreibt den Aufbau der Arbeit sowie die Zielsetzung der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit musikethnologischen Konzepten.
2. Wie definieren Musikethnologen „Musik“ und „Musikethnologie“?: Hier werden verschiedene Kategorisierungsmöglichkeiten für Musikethnologie erläutert, die auf der Beobachtung von Material, Tätigkeiten oder forschungseigenen Zielen basieren.
2.1 Wer sind die Musikethnologen und was machen sie?: Dieses Kapitel beleuchtet das Profil der Musikethnologen, ihre Motivationen sowie die essenzielle Rolle der Feldforschung und der notwendigen wissenschaftlichen Ausbildung.
2.2 Haltungen zu Vergleichen: Es wird die terminologische Verschiebung von „vergleichender Musikwissenschaft“ zu „Musikethnologie“ diskutiert und die Problematik von Vergleichen über kulturelle Grenzen hinweg thematisiert.
2.3 Gibt es eine Allgemeingültigkeit?: Dieses Kapitel fasst Nettls vierteilige Definition der Musikethnologie zusammen und betont die egalitäre Grundhaltung der Disziplin.
3. Verständnisse und Missverständnisse von „Musik“- Einleitung: Anhand des „Cocktail-Party“-Beispiels wird veranschaulicht, wie unterschiedlich der Begriff Musik in der westlichen Gesellschaft wahrgenommen wird.
3.1 Interpretation nach Nettl zum Thema „Cocktail- Party“: Die Interpretation zeigt auf, dass kein allgemeiner Konsens über den Begriff Musik existiert und häufig eurozentrische Vorstellungen dominieren.
3.2 Haben sie wirklich „Musik“?: Die Abwesenheit eines einheitlichen Musikbegriffs wird diskutiert, wobei darauf verwiesen wird, dass andere Kulturen eigene Konzepte und Terminologien besitzen.
3.3 Was ist das, was man „Musik“ nennt?: Dieses Kapitel analysiert, wie der Stellenwert von Musik in einer Gesellschaft deren Definition und Bedeutung massgeblich prägt.
3.4 Der unersättliche Musikethnologe: Hier wird die Rolle des Musikethnologen reflektiert, der trotz des Strebens nach Objektivität oft den Herausforderungen des eigenen Ethnozentrismus gegenübersteht.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Eine abschließende Reflexion über die Schwierigkeit, Musik interkulturell zu definieren, verbunden mit einer Empfehlung zur sorgfältigen, langjährigen Beschäftigung mit fremden Kulturen.
5. Anhang: Diskussionsergebnisse: Eine Zusammenfassung der Diskussionsergebnisse aus der Lehrveranstaltung, die die unterschiedlichen laienhaften Musikkonzepte der Studenten widerspiegeln.
Schlüsselwörter
Musikethnologie, Musikkonzept, Feldforschung, Interkulturalität, Musikdefinition, Ethnozentrismus, Weltmusik, Kultur, Musikanthropologie, Vergleichende Musikwissenschaft, Wertesystem, Musiktheorie, Sozialer Kontext, Musikgeschichte, Globales Denken.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung musikethnologischer Klassifizierungskonzepte, insbesondere basierend auf den Aufsätzen von Bruno Nettl, und beleuchtet die Definitionsschwierigkeiten des Musikbegriffs.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Definitionen der Musikethnologie, die Rolle der Feldforschung, interkulturelle Vergleichsprozesse und die unterschiedliche gesellschaftliche Wertung von Musik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Musik und Musikethnologie definiert werden können, ohne dabei in eurozentrische Fallen zu tappen, und welche methodischen Herausforderungen sich daraus ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse des Werkes von Bruno Nettl sowie der Diskussion und Auswertung studentischer Meinungen in einer musikethnologischen Lehrveranstaltung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Definitionen der Musikethnologie sowie eine detaillierte Analyse der Verständnisse und Missverständnisse des Musikbegriffs in verschiedenen kulturellen Kontexten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Musikethnologie, Feldforschung, Interkulturalität, Musikdefinition, Ethnozentrismus und Kultur sind die zentralen Begriffe, die das Werk charakterisieren.
Warum ist es so schwer, eine universelle Definition für „Musik“ zu finden?
Weil Musik in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Rollen, Zwecke und Wertigkeiten einnimmt und jede Gesellschaft eigene taxonomische Systeme zur Kategorisierung von Klang besitzt.
Welche Bedeutung hat das „Cocktail-Party“-Beispiel?
Es dient als Fallbeispiel, um zu zeigen, dass selbst innerhalb einer Gesellschaft (hier die US-amerikanische Mittelklasse) kein einheitliches Verständnis davon existiert, was „echte“ Musik ausmacht.
Wie gehen Musikethnologen mit der Problematik des Ethnozentrismus um?
Sie bemühen sich um ein „globales Denken“, müssen sich jedoch bewusst machen, dass sie ihre eigene wissenschaftliche Perspektive aus dem westlichen Kulturkreis mitbringen und Vorurteile schwer vollständig abzulegen sind.
Welche Rolle spielt der Wert von Musik bei der Definition?
Der wahrgenommene Wert beeinflusst maßgeblich, ob Klänge als Musik oder als etwas anderes, wie etwa spirituelle Heilung oder reine Unterhaltung, wahrgenommen werden.
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- Stéphanie Lüders (Autor), 2007, Eine Untersuchung musikethnologischer Klassifizierungskonzepte, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186531