Revisionskartierung von Muschelkalk und Keuper im N-Teil von Blatt 5728 Oberlauringen


Diplomarbeit, 1983

67 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhalt

Vorwort zur Drucklegung

Vorwort

1. Geographischer und geologischer Überblick
1.1. Geographischer Überblick
1.1.1. Lage des Arbeitsgebietes und morphologische Gegebenheiten
1.1.2. Klimatische V erhältnisse
1.2. Geologischer Überblick

2. Landschaftsgeschichte und geologische Erforschung
2.1. Landschaftsgeschichte
2.2. Geologische Erforschung
2.3. Kartiermethodik

3. Stratigraphie
3.1. Der tiefere Untergrund
3.2. Der Obere Muschelkalk (mo)
3.3. Der Keuper (k)
3.3.1. Der Unterkeuper (ku)
3.3.1.1. Ton- und Mergelsteine des Unterkeupers (ku)
3.3.1.2. Die Sandsteine und Gelbkalke des Unterkeupers (ku)
3.3.1.3. Der Grenzdolomit (kuD)
3.3.2. Der Mittlere Keuper (km)
3.3.2.1. Der Gipskeuper (kmg)
3.3.2.1.1. Die Unteren Myophorienschichten (kmM)
3.3.2.1.1.1. Der Bochingerhorizont (kmMh)
3.3.2.1.2. Die Bleiglanzbank (kmMb)
3.3.2.1.3. Die Oberen Myophorienschichten (kmM)
3.3.2.1.4. Die Corbulabank (kmEc)
3.3.2.1.5. Die Estherienschichten (kmE)
3.3.2.1.6. Der Schilfsandstein (kmS)
3.3.2.1.7. Die Lehrbergschichten (kmL)
3.3.2.1.7.1. Die Lehrbergbänke (kmLi)
3.3.2.2. Der Sandsteinkeuper (kms)
3.3.2.2.1. Die Ton- und Mergelsteine über den Lehrbergbänken (kmBLbl)
3.4. Die quartäre Ablagerungen (qh)
3.4.1. Die fluviatilen Schotter (qp,G)
3.4.2. Der Solifluktionsschutt (,X,fl)
3.4.3. Löß, Lößlehm (,Lo(l))
3.4.4. Hangabschwemmungen und Talfüllungen (,,ta)

4. Tektonik
4.1. Regionaltektonische Aspekte
4.2. Lagerungsverhältnisse
4.3. Die Schichtlagerungskarte
4.4. Verbiegungsstrukturen
4.5. Bruchstrukturen
4.6. Kleintektonik

5. Hydrogeologische Verhältnisse
5.1. Das Oberflächenwasser
5.1.1. Fluß- und Bachläufe
5.1.2. Quellen und Quellhorizonte
5.2. Das Grundwasser

6. Nutzbare Ablagerungen
6.1. Mergelsteine
6.2. Sandsteine

7. Verzeichnis der Abbildungen, Bilder, Anlagen, Karten und Profile

8. Literatur

Anlagen
Anlage 1: Straßenaufschluß Kleinbardorf - Merkershausen A-
Anlage 2: Straßenaufschluß Keltenring A-
Anlage 3: Legende zu Anlage 1 und 2 A-
Anlage 4: Aufschluß in den Myophorienschichten an der Straße Kleinbardorf - Merkershausen ("Kiesgrube") A-
Anlage 5: Profil in den Unteren Myophorienschichten A-
Anlage 6: Profil der Kernbohrung 2 Bad Königshofen A-
Anlage 7: Profil Brunnenausbau Kleineibstadt A-

Anhang
Geologische Karte 1: 10.000 des N-Teils von Bl. 5728 Oberlauringen K-
Schichtlagerungskarte der Corbulabank zur geologischen Karte K-
Profile A - B / C - D zur geologischen Karte P-1/

Vorwort zur Drucklegung

Mit Vergabe der Diplomkartierung sollte das tektonisch komplexe, bis heute (2007) nicht als Detail­aufnahme publizierte Gebiet am Nordrand der Hassberge südwestlich von Bad Königshofen im Grabfeld (Unterfranken, Bayern) detailliert untersucht werden. Die dazu im Maßstab 1:10.000 durchgeführte Geländeaufnahme erfolgte in mehreren Kampagnen Anfang der 1980er-Jahre. Geländeaufenthalte Ende der 1990-Jahre und 2002 zeigten keine besseren Aufschlußverhältnisse, im Gegenteil, der Auffiederungs­bereich der Hassbergstörung in Kleinbardorf war nun durch die dort abgeschlossene Bebauung nicht mehr zugänglich und auch die seinerzeit aufgenommenen Profile von Grenzdolomit und Bleiglanzbank waren nicht mehr vorhanden. Eine im Jahr 2001 an der Ruhr-Universität im Gebiet östlichen des Hassbergrückens erneut angesetzte Diplomkartierung brachte ebenfalls keine zusätzlichen Erkenntnisse, so daß die hier vorgestellte Geländeaufnahme den aktuellen Forschungsstand wiederspiegelt.

Die vorliegende Arbeit ist ein inhaltlich unveränderter Reprint der Diplomkartierung STINDER aus dem Jahre 1983, die unter der Leitung von Prof. Dr. Schröder am Geologischen Institut der Ruhr-Universität Bochum entstanden ist. Der Text wurde 2007 jedoch neu formatiert, so daß sich gegenüber der Originalarbeit ein anderes Layout und Schriftbild ergibt. Zudem wurden orthographische Korrekturen vorgenommen sowie zwei Literaturzitate und das Vorwort zur Drucklegung integriert.

Die Originalarbeit ergänzend ist für die auskartierten Einheiten von Muschelkalk, Keuper und Quartär eine Einordnung gemäß der Stratigraphie der Generallegende GK 25/50 von Bayern durchgeführt worden. Die entsprechenden Kürzel sind in den Erläuterungen zur Kartierung vermerkt.

Von den zur Diplomkartierung gehörenden sieben Anlagen sowie den zwei Karten und Profilen des Anhangs wurden Scans angefertigt, von denen ein Teil aufgrund der mittlerweile veränderten Papierfarbe der Lichtpausen nachbearbeitet werden mußte. Die Scans der Anlagen, Karten und Profile sind als verkleinerte Grafiken im DIN-A4-Format dem Erläuterungstext angehängt. Ein Reproduktion der bis zu DIN-A0-messenden Dokumente in Originalgröße war aus Kostengründen nicht möglich.

Vorwort

Ausgehend von Ergebnissen einer 2 wöchigen Ankartierung im Sommer 1980 wurden die von mir im N - Teil von Blatt Oberlauringen begonnenen Geländeaufnahmen im Rahmen einer Diplomkartierung während des Zeitraumes vom Frühjahr 1981-83 mit dem Ziel fortgesetzt, eine Verbesserung der bisher existierenden geologischen Übersichtsaufnahme zu erreichen.

Diese Aufgabe war besonders reizvoll, da zwei erst in jüngster Zeit geschaffene Aufschlüsse neue Teilergebnisse für die Deutung der insgesamt recht komplizierten Lagerungsverhältnisse erwarten ließen.

Für die Anregung zu dieser Diplomkartierung bin ich Herrn Prof. Dr. Schröder und Herrn Dr. Leitz ver­bunden. Mein besonderer Dank gilt aber Herrn Prof. Dr. Schröder, der mir auch während der gesamten Kartierarbeiten geduldig mit seinem Rat zur Seite stand.

Sehr verbunden bin ich auch den Familien Tony Derleth und Rüdiger Schmitt, die mir Unterkunft gewährten, und deren stetes Bemühen es war, mir meinen Aufenthalt in Sulzfeld i.Gr. so angenehm wie möglich zu gestalten.

Für die Präparation des Fossilmaterials bin ich Herrn Lanoy und Frau Gall zu Dank verpflichtet; Herrn Dr. Wild, Stuttgart und Herrn Dr. Urlichs, ebenfalls Stuttgart, bin ich für die Bestimmung von Fossilien sehr verbunden.

Ein Dank auch an die Verwaltung der Stadt Bad Königshofen für ihre freundliche Unterstützung.

Thomas Stinder, im November 1983

1. Geographischer und geologischer Überblick

1.1. Geographischer Überblick

1.1.1. Lage des Arbeitsgebietes und morphologische Gegebenheiten

Das Kartiergebiet liegt in N-Bayern, im nördlichen Teil des Regierungsbezirkes Unterfranken im Land­kreis Rhön-Grabfeld und ist auf der topographischen Karte 1:25.000 Blatt 5728 Oberlauringen erfasst.

Umrahmt von den Mittelgebirgsrücken des Thüringer Waldes im E und denen der Rhön im NW, grenzt das 36 qkm große Arbeitsgebiet im S direkt an den Nordrand der Haßberge und bildet das nördliche Vorland zu diesem aus Keuper- und Liasgesteinen aufgebauten Höhenzug mit NW-SE-Erstreckung.

Neben den Ortschaften Kleinbardorf und Merkershausen im Aufnahmegebiet, umgeben die Dörfer Kleinwenkheim im W, Kleineibstadt im NW, Großeibstadt im N und Sulzfeld im S, sowie die Stadt Bad Königshofen i. Gr. im E den Bereich. Als größere Städte in diesem fast ausschließlich landwirtschaftlich orientierten Raum des Zonenrandgebietes sind in einem Umkreis vom 30 km nur Schweinfurt im SW und Bad Kissingen im W zu erwähnen.

Im Kartiergebiet herrscht ein ausgeglichenes Relief mit Extremwerten von minimal +260 m und maximal +320 m über N.N. vor. Meist schwanken die Höhenwerte nur wenig um die 300 m Isohypse, allein in den Tälern entstehen durch die quartäre Flusseintiefung größere Reliefunterschiede.

Der für die süddeutsche Deckgebirgsscholle charakteristische Schichtstufenbau, der sich aus der Ver­witterung von weichen und harten Gesteinspaketen in flacher Lagerung ergibt, ist auch im Kartiergebiet verwirklicht: Weite Talböden mit leicht konkaven Hängen wechseln mit breiten Rücken und flachen Plateaus aus verwitterungsresistenteren Gesteinen und prägen so das Landschaftsbild.

Die Entwässerung des Geländes erfolgt generell durch kleine Bachläufe in S-N Richtung, welche am N- Rand des Arbeitsgebietes in die E-W verlaufende Fränkische Saale münden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 1: Relief im Arbeitsgebiet westlich von Merkershausen - Der Rücken im Bildmittelgrund wird durch den Grenzdolomit (gelbe Farbe) hervor­gerufen, im Hintergrund ist das Plateau der Haßberge (höherer Keuper-Lias) sichtbar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.1.2. Klimatische Verhältnisse

Mit seiner Lage im Grabfeldgau zählt das Arbeitsgebiet zu den relativ niederschlagsarmen Zonen Bayerns. Dies ergibt sich aus seiner geographischen Lage im Windschatten der Rhön. Die hier erreichten mittleren Niederschlagshöhen liegen zwischen 600 und 700 mm im Gegensatz zu 900-1000 mm im Bereich der Rhön.

Die durchschnittliche Höhenlage von 300 m über N.N. bedingt die mittlere Jahrestemperatur von 8 Grad C, womit der Kartierbereich zu den wärmeren Teilen des Main-Rhön Gebietes gehört.

In der Südrhön wurden jährlich ca. 1625 Sonnenstunden registriert, die Anzahl der Frosttage beläuft sich auf ca. 100 im Jahr.

Die im Wasserhaushalt kombinierten Daten aus Meteorologie, Geologie und Vegetation charakterisieren das Klima des Grabfeldes als "trocken".

1.2. Geologischer Überblick

Das Aufnahmegebiet befindet sich am Nordrand der Süddeutschen Deckgebirgsscholle, die im wesentlichen aus Trias- und Juragesteinen in meist flacher, ungestörter Lagerung aufgebaut wird. Aus den mesozoischen Schichten der Großscholle haben die klimatischen Agentien seit dem Tertiär eine typische Schichtstufenlandschaft herausmodelliert, die, wie schon erwähnt, auch für das Relief des Kartiergebietes bestimmend ist.

Über den Nordrand der süddeutschen Scholle hinaus ändern sich die für weite Teile Süddeutschlands bestimmenden strukturellen und petrographischen Gegebenheiten schnell: So tritt unweit vom Arbeitsgebiet im NE, jenseits der Fränkischen Linie im Thüringer Wald, das variszische Grundgebirge zu tage. Die dem Saxothuringikum zugeordneten Gesteine umfassen einen Zeitabschnitt vom Ordovizium bis Oberkarbon. Sie sind während der variszischen Gebirgsbildung in einen weitspannigen Faltenbau einbezogen worden und wurden danach noch zusätzlich durch Bruchtektonik deformiert.

In der im NW angrenzenden Rhön hingegen findet das Deckgebirge mit den Schichten des Bunt­sandsteins seine Fortsetzung. Diese wurden im Tertiär von zahlreichen Vulkanschloten durchschlagen, durch die in der Ostrhön vornehmlich basaltisches Material gefördert wurde, während in der Westrhön Alkalibasalte und Phonolithe dominierten. Vielfach entstanden dabei Vulkangebäude aus verwit­terungsresistenten Gesteinen von z.T. beträchtlichen Ausmaßen, die dem Landschaftsbild ein hügeliges Relief aufprägen, was der Vulkanrhön auch den Namen "kuppige Rhön" eingetragen hat.

Die im Kartiergebiet aufgeschlossene Gesteinsserie gehört stratigraphisch in die obere Trias und umfaßt eine Schichtfolge vom Oberen Muschelkalk bis in den höchsten Gipskeuper. Mächtigkeit und fazielle Ausbildung der Sedimente lassen auf eine Ablagerung im Beckeninnern schließen. Weite Teile der mesozoischen Schichtfolge sind im Arbeitsgebiet diskordant von quartären Ablagerungen überdeckt.

Tektonisch lässt sich das Gebiet in drei Abschnitte gliedern: Zwei ungestörte Bereiche mit Schichten in flacher Lagerung liegen im Westen und Osten des Arbeitsgebietes. Der östliche Abschnitt gehört dabei zur Westflanke der Grabfeldmulde, einer NW-SE streichenden Großstruktur, die ihre Fortsetzung einerseits im SE, in der Frankenalbmulde, und andererseits im Bibraer Sattel im NW findet. Beide Bereiche werden durch einen stark gestörten, mittleren Geländeabschnitt verbunden, in dem Einengungs­und Dehnungsstrukturen eng miteinander vergesellschaftet sind. Es handelt sich um den Übergangs­bereich von der Haßberg-Störungszone in die Heustreuer-Störungszone.

2. Landschaftsgeschichte und geologische Erforschung

2.1. Landschaftsgeschichte

Die nach der variszischen Orogenese im Vise folgende Festlandszeit mit Abtrag wurde im unter­fränkischen Raum durch die Transgression des Zechsteinmeeres gegen Ende des Paläozoikums beendet.

Auf die permischen Sedimente folgten zunächst mächtige Serien vorwiegend kontinental beeinflußter Trias, dann jurassische Sedimente rein mariner Natur.

Während in der Umgebung des Arbeitsgebietes alle Schichten des Keupers aufgeschlossen sind, ist von der jurassischen Bedeckung nur noch wenig vorhanden. So sind Schichten des Jura in Form von flach­marin gebildetem Lias nur noch südlich des Arbeitsgebietes auf dem großen Haßberg erhalten. Zusätzlich belegen aber Sedimenteinschlüsse in tertiären Basalten die jurassische Bedeckung. Einerseits beschreibt THÜRACH (in: BEYSCHLAG, 1896) Einschlüsse von Lias Epsilon in einem Alkalibasaltgang wenige km südöstlich des Kartiergebietes in Obereßfeld, andererseits ist von SCHRÖDER (1974) an Einschlüs­sen in einem Schlot bei Üschersdorf auf Blatt Hofheim Malm der Oxfordstufe nachgewiesen worden.

Ende Jura-Anfang Kreide fiel das Gebiet trocken und die Sedimentation, die seit dem Rotliegenden ein insgesamt knapp 2000 m mächtiges Deckgebirge aufgebaut hatte, brach ab. Erosion trat nun an die Stelle der Akkumulation.

Aus der Kreide sind keine Relikte einer sedimentären Bedeckung mehr aufzufinden. Dabei war die Abtragsleistung zunächst sehr gering und erhöhte sich auch bis Ende des Alttertiärs nicht. Folge davon war eine stark eingerumpfte Juralandoberfläche, die im mittleren Miozän von Basaltschloten durch­schlagen wurde.

Die in Mitteleuropa Ende Tertiär stattfindende Hebung der Mittelgebirge betraf im Miozän/Pliozän auch die Rhön und das benachbarte Grabfeld. Dadurch erhöhte sich der Abtrag um ein Vielfaches. Nach SCHRÖDER (1975) beträgt die jungtertiäre Tieferlegung der Landoberfläche im Bereich von Blatt Hofheim zwischen 150-600 m, für das Kartiergebiet ist mit 350-500 m zu rechnen.

Mit dem Jungtertiär setzte auch die Umgestaltung des Flachreliefs der Rumpffläche zur Schichtstufen­landschaft ein. Ob die Anlage allerdings bereits präbasaltisch war, ist nicht sicher.

Sicher ist hingegen die vor-, spätestens aber synbasaltische Genese der tektonischen Großstrukturen von Grabfeldmulde (SCHRÖDER, 1974) und Haßberg- bzw. Heustreuer-Störungszone (siehe auch Abb. 12).

Im Pleistozän erhielt der Schichtstufenbau sein rezentes Gepräge. Besonders dominant wirkt sich dabei im Landschaftsbild die Haßbergstufe aus, für die SCHRÖDER (1974) (vgl. SPÄTH, 1975) eine pleistozäne Rückverlegung von wenigen hundert Metern in den nördlichen Haßbergen annimmt. Sie erhebt sich südlich, östlich und westlich des Arbeitsgebiets mit einem markanten Steilanstieg aus der von kleineren Schichtstufen geprägten Landschaft des Gipskeupers.

Ablagerungen aus dem Pleistozän bedecken weite Teile des Kartierbereiches. Dabei handelt es sich einerseits um Reste fluviatiler Schotterflächen, zum anderen sind es Solifluktionsschuttdecken der Würm-Eiszeit sowie Ablagerungen von ausgeblasenem Löß aus dem letzten Hochglazial.

Die schon im Pleistozän beginnende Taleintiefung setzt sich bis heute fort. Sedimentation findet rezent in den breiten Talauen statt, einerseits durch fluviatile Prozesse, zum anderen durch flächenhafte Hangab­schwemmung.

Während die Entwässerung des Raumes im frühen Quartär noch nach SW entlang der Haßbergstufe von statten ging, erfolgte bald eine Umstellung der Entwässerung nach N in die Fränkische Saale (vgl. SPÄTH, 1973).

Zu den rezent ablaufenden Landformungsprozessen zählen weiter die Dolinenbildung im tieferen Gipskeuper; erst kürzlich entstanden drei Erdfälle im SE des Kartiergebietes bei Althausen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2. Geologische Erforschung

Das Kartiergebiet ist bisher nur in der geologischen Übersichtskarte von Bayern im Maßstab 1:500.000 erfaßt. Eine erst Detailkartierung wurde 1964 von WELZEL im Rahmen einer Meßtischblattaufnahme durchgeführt, gelangte aber nicht zur Veröffentlichung.

Angaben über die geologische Erforschung angrenzender Gebiete gibt Abb. 2.

2.3. Kartiermethodik

Aufnahme und Feingliederung des Mittleren Keupers erfolgte petrostratigraphisch mit Hilfe von Leitbänken, wie z.B. dem Grenzdolomit und der Corbulabank, die den relativ einförmig ausgebildeten Mergel- und Tonsteinen in bestimmten Niveaus der Schichtfolge zwischenlagern.

Im Unterkeuper ist eine solche Leitbankstratigraphie nicht möglich. Sandsteine und Gelbkalkbänke wechseln je nach lokaler Ausbildung schnell ihre vertikale und laterale Verbreitung und erlauben im Ge­lände lediglich eine rein fazielle Differenzierung in Sand- und Tonsteine ohne stratigraphische Aussage.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen ließen die Aufschlußverhältnisse nur eine Kartierung nach Lese­steinen zu. Um hierbei möglichst genaue Resultate zu erzielen wurde die Geländearbeit ausschließlich in den vegetationsarmen Zeiten von Frühjahr und Herbst durchgeführt. Trotzdem sind wegen fehlender Meßwerte Aussagen über Mächtigkeit, Schichtlagerung und Charakter von Verwerfungen oft nur sehr eingeschränkt möglich.

3. Stratigraphie

3.1. Der tiefere Untergrund

Der Obere Muschelkalk bildet die tiefste Einheit der im Kartiergebiet angeschnittenen Schichtenfolge. Aussagen über den paläozoischen und mesozoischen Sockel lassen sich nur aus Bohrungen in benach­barten Gebieten gewinnen (Abb. 3 u. 5).

Das variszische Grundgebirge in Unterfranken wurde mit den Tiefbohrungen Rannungen und Eltmann erreicht. Dabei ist in der Bohrung Eltmann verfaltetes, un- bis schwach metamorphes Paläozoikum ange­troffen worden, das, nach der Zonengliederung des Variszikums, aus dem Saxothuringikum stammt. Diese am Südrand der Haßberge angetroffenen Verhältnisse dürften auch für das am nördlichen Ende des Höhenzuges liegende Kartiergebiet gelten, allerdings ist es wesentlich näher an der Grenze vom Saxo- thuringikum zur Mitteldeutschen Schwelle gelegen, so daß hier auch höher metamorphe Gesteine und Magmatite möglich sind.

Das 1400-1500 m mächtige Deckgebirge beginnt mit terrestrisch abgelagerten Rotliegendsedimenten, die mit mehr als 320 m Mächtigkeit der eingerumpften Karbonoberfläche diskordant auflagern (Bohrung Bad Königshofen, vgl. SCHMIDT (1983), in Geologica Bavarica, 82). Zechsteinsedimente mit Steinsalz und Anhydrit folgen. Sie wurden mit Mächtigkeiten von 190-217 m in den Bohrungen Bad Kissingen und Rannungen angetroffen. Die Wässer der Solequellen von Bad Neustadt, Saal a.d. Saale und Bad Königshofen haben ihren Ursprung in dieser Formation.

Mächtige Serien von kontinental gebildetem Buntsandstein leiten die Trias ein. Vergleichbar der paläo- geographischen Situation im Perm lag das Kartiergebiet auch während der Buntsandsteinzeit im Beckeninnern. Dementsprechend hohe Mächtigkeiten konnten sich akkumulieren. Nach der paläogeo- graphischen Karte der Buntsandsteinzeit des Bayerischen Geologischen Landesamtes (in: Erl. zur geol. Karte von Bayern 1:5.000.000, München 1981) liegt das Aufnahmegebiet zwischen den Mächtigkeits­linien 600 und 650 m, was auch durch die angetroffenen Mächtigkeiten in den Bohrungen Rannungen mit 640 m und Bad Kissingen mit 465,5 m (Abtrag !) bestätigt wird. Im oberen Teil des Buntsandsteins, im Röt, verstärken sich nach und nach die marinen Einflüsse und leiten so zum Muschelkalk über.

In der rund 10 Mio. Jahre dauernden Muschelkalkzeit wurden zwischen 200-250 m mariner Sedimente im Bereich des Kartiergebietes abgelagert (Abb. 3). Dabei gelangten im Unteren Muschelkalk zunächst Flachwasserkalke und -mergel zum Absatz, im mittleren Abschnitt finden sich infolge einer Ab­schnürung vom Weltmeer fossilarme Eindampfungssedimente. In Bad Königshofen sowie im Kartier­gebiet bei Kleineibstadt wurde der Mittlere Muschelkalk mehrfach erbohrt. Bei dem angetroffenen Material handelt es sich um graue, z.T. auch braune bis gelbe Kalke mit wechselndem Tonanteil, sowie Mergel- und Tonsteine, helle dünne Gipslagen und massige, z.T. > 1 m mächtige, dunkle Anhydritbänke. Zur näheren Petrologie siehe die Bohrprofile in Anlage 6 und 7.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Paläogeographie des Muschelkalks in Bayern (aus: Erläuterungen zur Geologischen Karten von Bayern 1:500.000)

3.2. Der Obere Muschelkalk (mo)

Mit dem Oberen Muschelkalk beginnt im Kartiergebiet die an der Oberfläche aufgeschlossene mesozoische Schichtfolge.

Die Muschelkalksedimente umfassen im Aufnahmegebiet keine großen Flächenareale. Die Gesteine sind entweder durch känozoische Sedimente verdeckt oder sie tauchen nur in kleinen, durch Störungen begrenzte Schollen auf. Die ausschließlich als Lesesteine angetroffenen Kalke und Mergel lassen auf eine erneute Änderung der Ablagerungsbedingungen gegenüber dem Mittleren Muschelkalk schließen. Es handelt sich nun wieder um vollmarin gebildete Sedimente mit zahlreichen Fossilien des neritischen Bereiches.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die stratigraphische Grenze zum Keuper markiert in Unterfranken das Grenzbonebed, ein durch Verlandung des Muschelkalkmeeres entstandener Horizont, der in der Kernbohrung Bad Königshofen i. Gr. (Versuchsbohrung 2, Anl. 6) als 28 cm mächtiges Bänkchen angetroffen wurde. Im Gelände hin­gegen war dieser Horizont nicht auszumachen und damit der ca. 7 m mächtige Ostracodenton im Liegenden nicht von den Tonen des Unterkeupers zu differenzieren. Bei den Geländearbeiten wurde deshalb die Grenze Muschelkalk-Keuper erst beim Auftreten der ersten kompetenten Kalk- und Kalkmergelsteine gezogen.

Mit hellgrauen und in rundlichen Formen verwitternden Kalkmergelsteinen beginnen die Oberen Ceratitenschichten. Es handelt sich um Mikrite, die im frisch angeschlagenen Zustand eine dunkel- bis blaugraue Farbe haben und kaum makroskopisch sichtbare Fossilien enthalten. Bänke dieser Kalkmergel- mikrite finden sich auch in tieferen Schichteinheiten des Oberen Muschelkalkes immer wieder einge­schaltet. Soweit im Gelände erkennbar, folgen von nun an hauptsächlich körnige, graue Kalksteine mit zahlreichen Fossilien, vornehmlich Cephalopoden, Brachiopoden und Pelecypoden. Der Anteil von Faunenresten im Gestein kann dabei so anwachsen, daß man je nach Erhaltungszustand bei einigen Bänken von Fossilkalken bzw. Schillkalken sprechen kann.

Die auffallensten Fossilien sind die Ceratiten, die für die Schichten namengebend sind. Neben zahlreichen meist nicht näher bestimmbaren Bruchstücken fanden sich im Feld auch einige, mehr oder weniger vollständig erhaltene Exemplare, die sich zur stratigraphischen Einordnung eigneten.

Mit Hilfe der von Herrn Dr. Urlichs freundlicherweise bestimmten Ceratiten (Bild 9.1-9.5) läßt sich in der nördlichen Hart eine Zunahme des Schichtalters trotz fehlender Lagerungswerte nach NE feststellen: An der Krugsmühle (Kleineibstadt) fand sich ein Exemplar des C. (Discoceratites) semipartitus MONTFORT (Bild 9.1) aus dem höchsten Teil der Oberen Ceratitenschichten, 500 m westlich der Schloßmühle (Kleineibstadt) konnte ein C. (Acanthoceratites) spinosus postspinosus RIEDEL (Bild 9.5) entdeckt werden. Damit sind Gesteine aus dem oberen Teil der spinosus-Zone in den Mittleren Ceratitenschichten als älteste Ablagerungen auf Blatt Oberlauringen sicher nachgewiesen, noch ältere Sedimente sind möglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 9.1 C. (Discoceratites) semipartitus MONTFORT Obere Ceratitenschichten Horizont der Discoceratiten, oberer Teil Muschelkalkscholle an der Krugsmühle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 9.2 C. (Discoceratites) dorsoplanus PHILIPPI Obere Ceratitenschichten Horizont der Discoceratiten, oberer Teil Nördliche Hart, 50 m westlich der Schoßmühle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 9.3 C. (Ceratites) nodosus nodosus (BRUGIERE) Obere Ceratitenschichten nodosus-Zone Östlicher Ortsausgang von Klein­bardorf, 45 m südlich des Aussiedlerhofes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 9.4 C. (Ceratites) nodosus minor PHILIPPI Obere Ceratitenschichten nodosus-Zone 650 m SE der Schloßmühle (Kleineibstadt)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 9.5 C. (Acanthoceratites) spinosus postspinosus RIEDEL Mittlere Ceratitenschichten spinosus-Zone, oberer Teil 500 m W der Schloßmühle (Kleineibstadt)

3.3. Der Keuper (k)

Der Keuper stellt den Hauptanteil der im Kartiergebiet aufgeschlossenen mesozoischen Schichtfolge.

Die Gesteine spiegeln eine Zeit der Sedimentationsunruhe wieder, die mit der Regression des Muschel­kalkmeeres begann. Im flachen Binnenbecken der Keuperzeit wechselten in geologisch kurzen Abständen die Sedimentationsbedingungen und so wurden neben marinen Ablagerungen auch Gesteine der hypersalinen, brackischen und limnischen Fazies abgelagert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Paläogeographic des Keupers in Bayern (aus: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern I : 500.000)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Keuperentwicklung in den Hassbergen (Welzel 1964 kom. Schröder Ï leitz)

Die Keupersedimente bestehen im wesentlichen aus bunten, einförmigen Ton-, Silt- und Mergelsteinen, die mit Hilfe geeigneter Sand-, Dolomit- und Kalkmergelsteinbänke gegliedert werden. Weiter sind Eindampfungssedimente und Sandsteine in verschiedenen Teilen der Schichtfolge verbreitet.

Vom ca. 450-460 m mächtig werdenden Keuper in den Haßbergen (Abb. 5 u. 6) sind im Kartiergebiet nur die unteren 230 m der Schichtfolge aufgeschlossen. Sie reicht stratigraphisch vom Grenzbonebed bis zu den roten Tonen über den Lehrbergbänken und gehört damit dem Unteren und Mittleren Keuper (Gipskeuper-Basis Sandsteinkeuper) an.

Aufgrund mangelhafter Aufschlußverhältnisse war die Mächtigkeitsermittlung einzelner Schichtpakete aus der Karte oft nicht möglich oder brachte nur unzureichende Resultate. Deshalb werden im folgenden vielfach die von THÜRACH (1888) bzw. KNÜFERMANN (1982) aus Nachbargebieten beschriebenen Mächtigkeiten zitiert.

3.3.1. Der Unterkeuper (ku)

Der Unterkeuper, wegen seiner Anteile an unreiner Kohle auch als Lettenkohlenkeuper bezeichnet, beißt mit seiner gesamten Mächtigkeit, die in der Kernbohrung I Bad Königshofen (Anl. 6) bei 54 m liegt, aus.

Die Schichtfolge besteht aus Gelbkalkbänken sowie Ton- und Mergelsteinpaketen, in die Sandstein­körper unterschiedlicher vertikaler und lateraler Ausdehnung eingelagert sind. Die Abfolge belegt einen steten Wechsel zwischen marinen, brackisch-limnischen Verhältnissen und Delta-Sandsteinen. Im Liegenden begrenzen die blaugrauen Mikrite des Oberen Muschelkalkes das Schichtpaket, während die Hangendgrenze von der Oberkante des Grenzdolomites gebildet wird.

Abgesehen von drei kleineren Sandsteinbrüchen bei Großbardorf ist der Unterkeuper nur in Form von Lesesteinen anzutreffen.

З.З.1.1. Die Ton- und Mergelsteine des Unterkeupers (ku)

Die Ton- und Mergelsteine des Unterkeupers haben je nach Verbreitung im Arbeitsgebiet einen wechselnden Anteil an der Schichtfolge. Dabei ist der Anteil im Osten am höchsten und nimmt nach Westen hin stetig ab.

Die petrologische Beschaffenheit der feinklastischen Sedimente unterscheidet sich makroskopisch kaum von denen des Gipskeupers, allerdings treten bunte Farben zu gunsten grauer Farbtöne fast ganz zurück. Trotzdem ist im Gelände eine Differenzierung zwischen den Feinklastika des Unterkeupers und denen des Gipskeupers möglich, da im Gipskeuper den Tonen und Mergeln zahlreiche Lagen von Gips und Anhydrit bzw. deren Residualgesteinen eingelagert sind, während im gesamten Unterkeuper keine sulfatischen Eindampfungssedimente beobachtet werden konnten.

3.3.1.2. Die Sandsteine und Gelbkalke des Unterkeupers (ku)

Im gleichen Masse wie die Tone und Mergel im Kartiergebiet nach Westen hin abnehmen, steigert sich der Anteil von Sandsteinen und Gelbkalken an der Schichtfolge. Wie bereits erwähnt, bilden diese aber keinen einheitlichen Schichtverband aus, sondern kommen in Körpern unterschiedlicher Dimension vor.

Die Sandsteinkörper sind in die Tone und Mergel eingebettet und setzen je nach Örtlichkeit im Kartier­gebiet in unterschiedlichen Niveaus der Schichtfolge ein.

Sind im Osten des Arbeitsgebiets die Sandsteinkörper noch relativ klein und in ihrer unregelmäßigen Struktur deutlich zu erfassen, so entsteht bei der Lesesteinkartierung im Westen der Eindruck, als ob der gesamte Unterkeuper nur noch aus einem einzigen Sandsteinpaket bestünde. Dieser Eindruck ist jedoch unrichtig, denn in den zwei südlichsten der insgesamt drei im Norden von Großbardorf liegenden kleinen Sandsteinbrüchen ist der Wechsel eines Sandsteinpaketes zu einer grauen Mergelsteinfolge im Hangenden deutlich zu beobachten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 67 Seiten

Details

Titel
Revisionskartierung von Muschelkalk und Keuper im N-Teil von Blatt 5728 Oberlauringen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1.3
Autor
Jahr
1983
Seiten
67
Katalognummer
V186565
ISBN (eBook)
9783869436241
ISBN (Buch)
9783867469579
Dateigröße
7685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
revisionskartierung, muschelkalk, keuper, n-teil, blatt, oberlauringen
Arbeit zitieren
Dr. Thomas Stinder (Autor), 1983, Revisionskartierung von Muschelkalk und Keuper im N-Teil von Blatt 5728 Oberlauringen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186565

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Revisionskartierung von Muschelkalk und Keuper im N-Teil von Blatt 5728 Oberlauringen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden