Corporate Social Responsibility (CSR) als Herausforderung für Staat und Unternehmen

Standortbestimmung, Handlungsfelder, Akteure und CSR-Diskurs


Research Paper (undergraduate), 2008
15 Pages, Grade: 0

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Gliederung

1. Einleitung

2. CSR - Entstehung und Entwicklung
2.1. Definition - historische Herangehensweise
2.2. Verwandte Konzepte
2.3. Zusammenfassende Definition

3. CSR-Elemente im Stakeholder-Diskurs

4. CSR - Herausforderung für den Staat

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen - ein Thema, das in den vergangenen Jahren immer stärker diskutiert wird. Unter der Überschrift „Corporate Social Responsibility (CSR)“ wurde in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Initiativen gestartet, die in Deutschland auch unter dem Begriff „Unternehmenssozialverantwortung“ firmieren. Dabei handelt es sich um Initiativen, die zum Ziel haben, unternehmerische Verantwortung über den rein wirtschaftlichen Bereich auszudehnen. Flankiert wurden diese Bemühungen der Unternehmen von mehr oder weniger intensiven, mehr oder weniger erfolgreichen Bemühungen von Staaten und Staatenverbünden, um das Thema CSR zum Erfolg zu führen.1 Dabei steht nicht nur der Industriesektor mit seinen weltweit aufgestellten Kapitalgesellschaften im Vordergrund. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll auch auf die Herausforderung für den Staat insbesondere darauf eingegangen werden.

“There is one and only one social responsibility of business to use its resources and engage in activities designed to increase its profits so long as it stays within the rules of the game, which is to say, engaged in open and free competition without deception or fraud ... whether blameworthy or not, the use of the cloak of social responsibility ... does clearly harm the foundations of a free society.”2

„Gutes tun und darüber reden“ - ein in Deutschland bekanntes Sprichwort. Allerdings ist es mehr als fraglich, ob das Zitat von Milton Friedman oben auch in der heutigen Zeit, in der der Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR) oder übersetzt „Unternehmenssozialverantwortung“ in aller Munde ist, noch Gültigkeit besitzt.

Heute sind sich insbesondere multinationale Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung gewiss. Den Unternehmern ist bewusst, dass Unternehmenssozialverantwortung und der Umsatz ihres Unternehmens korrelieren. Defizite können hier unmittelbar zu Umsatzeinbußen führen. Immer wieder geraten insbesondere Pharmakonzerne, Textilunternehmen oder - um ein aktuelles Beispiel zu nehmen - multinationale Unternehmen wie Siemens aufgrund fragwürdiger Geschäftspraktiken in der Kritik.

Der Leitgedanke, dass Unternehmen Verantwortung tragen müssen für den Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Produktionsprozess, ist keineswegs neu. Darauf wird im weiteren Verlauf der Arbeit noch ausführlicher eingegangen. Neu ist allerdings, dass die Umsetzung dieses Leitgedankens in die Wirtschaftsrealität einen Namen hat: Corporate Social Responsibility. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Wie lässt er sich greifen und definieren? Welchen historischen Hintergrund hat er? Welche Vorteile bietet das Konzept und wie wird es umgesetzt? Die vorliegende Arbeit soll Antworten liefern.3

CSR gehört zu den Konzepten, die ihre Schlagkraft dann maximal entfalten, wenn alle gesellschaftlichen Akteure an einem Strang ziehen. Im Fall von Corporate Social Responsibilty (CSR), im Folgenden auch Unternehmenssozialverantwortung benannt, kann dies eindrucksvoll aufgezeigt werden. Auf den ersten Blick richtet sich CSR an die Unternehmen. Die Unternehmen sollen sich ihrer Verantwortung bewusst werden und das soziale, ökologische und ökonomische Engagement weiter ausbauen und die Prozesse im Unternehmen entsprechend ausrichten.

Ein Ansatz, der nur die Unternehmen im Blick hat und ihnen allein die Gestaltung dieser wichtigen Zukunftsaufgaben überlässt, greift eindeutig zu kurz. Bei CSR handelt es sich um ein umfassendes, partnerschaftliches Konzept. Es sieht eine Zusammenarbeit von Staat, Unternehmen und Drittem Sektor zur Lösung komplexer Probleme vor.

Aber: Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen braucht Freiraum und geeignete Partner. Nicht zuletzt gelingt dann auch der oft eingeforderte Nachweis der Glaubwürdigkeit. Der kooperative Ansatz von CSR weist jedem der Partner eine bestimmte Aufgabe zu. Die Unternehmen müssen ein umfassenderes Verständnis von dem entwickeln, was ihr Kerngeschäft ist, und fortan das Umfeld einbeziehen, in dem sie arbeiten. Dem Dritten Sektor kommt die Aufgabe zu, als Partner und konstruktiver Kritiker drängende Arbeitsfelder zu benennen, Werte und Ziele zu formulieren und bei der Umsetzung zu unterstützen. Die Politik schließlich setzt den Rahmen für diese Aktivitäten, sie motiviert, vernetzt und aktiviert. Der „Vater Staat“ wird hier zum „Partner Staat“.4

In diesem Zusammenhang soll auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung verwiesen werden, die die Rolle des Staates untersucht. Es kann festgestellt werden, dass sich CSR in den Ländern, in denen die Unternehmensverantwortung aktiv von Seiten des Staates initiiert und koordiniert wird, besonders erfolgreich entwickelt. Jeder Beteiligte, so auch der Staat, muss seine Rolle als Partner annehmen.5

2. CSR - Entstehung und Entwicklung

Im Folgenden soll nicht nur ein Blick auf die Entwicklung von CSR geworfen und eine Begriffsdefinition vorgenommen werden. Auch soll durch einen Bezug zu verwandten Konzepten eine genaue Standortbeschreibung von CSR vorgenommen werden.

2.1. Definition - historische Herangehensweise

Der Begriff Corporate Social Responsibility kommt aus dem angloamerikanischen. Erstmals fiel er im Jahr 1953 in den USA. Der US-Wirtschaftswissenschaftler Howard Bowen (1908-1989) stellte in seinem Buch „Social Responsibilities of the Businessmen“ fest, dass Unternehmer in der Verantwortung stehen, sich an den Erwartungen, Zielen und Werten einer Gesellschaft zu orientieren.6 Das Konzept ist einzuordnen innerhalb der Unternehmensethik, einem Teilbereich der angewandten Ethik. Dabei befasst sich die Unternehmensethik mit Fragen einer moralischen- ethischen Unternehmensführung.7

Schon in der Vergangenheit haben Unternehmer, wie Robert Bosch in Deutschland oder Henry Ford in den USA, z.B. durch soziale Sicherungssysteme für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder auch das Bereitstellen von Wohnungen für Arbeitskräfte, bereits Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts soziale Verantwortung für ihr unternehmerisches Umfeld übernommen.

Der inhaltliche Schwerpunkt des Konzeptes liegt historisch betrachtet auf der sozialen Komponente unternehmerischer Verantwortung. Die Definitionen von CSR weisen heute jedoch einen sehr viel breiteren Verantwortungsbegriff auf. Weit verbreitet ist die Auslegung der Europäischen Kommission, die CSR als „ein Konzept definiert, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren. Dabei beschließen die Unternehmen, über gesetzliche Mindestanforderungen und auf tarifvertraglichen Regelungen beruhende Verpflichtungen hinauszugehen, um gesellschaftlichen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen.“8

Mit dieser Definition erweitert sich die ursprüngliche Bestimmung eines Unternehmens, ökonomischen Profit zu erwirtschaften, um die Aufgabe, einen Beitrag zum Wohlergehen der Gesellschaft zu leisten. Und zwar unter Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Aspekten.

2.2. Verwandte Konzepte

Das Bekenntnis zur unternehmerischen Verantwortung ist nicht allein ein Phänomen der letzten Jahre und tritt auch nicht ausschließlich unter dem Begriff CSR auf. Ian dieser Stelle soll durch einen Bezug zu verwandten Konzepten eine genaue Standortbeschreibung von CSR vorgenommen werden. Denn um den Begriff Corporate Social Responsibility in seiner Gänze begreifen zu können, bedarf es der Kenntnis (art-)verwandter Konzepte.

[...]


1 Vgl. Hansen, Ursula / Schrader, Ulf (2005), Corporate Social Responsibility als aktuelles Thema der Betriebswirtschaftslehre, in: DBW 65 (2005) 4, Stuttgart, Seiten 373-388.

2 Friedman, Milton (1970), "The Social Responsibility of Business is to Increase its Profits." New York Times Magazine. l3 September 1970, Seite 32.

3 Vgl. Bassen, Alexander / Jastram, Sarah / Meyer, Katrin (2005), Corporate Social Responsibility. Eine Begriffserklärung, in: zfwu 6/2, Hamburg, Seiten 231-236, hier Seite 231.

4 Vgl. Wittmann, Rüdiger (2004), Strategisches Management und die sozial verantwortliche Unternehmung: Zum Konzept der Corporate Social Responsibility, Köln, Seiten 4f.

5 Bertelsmann Stiftung (2006), Partner Staat? CSR-Politik in Europa, Gütersloh.

6 Vgl. Howard Bowen (1953), Social responsibility of the businessman, New York, Seiten 6, 45.

7 Vgl. Kubica, Katrin (2007), Die Verantwortung transnationaler Unternehmen - Der Spagat zwischen Moral und Rendite, Potsdam, Seiten 2f; vgl. Bassen, Alexander / Jastram, Sarah / Meyer, Katrin (2005), Corporate Social Responsibility. Eine Begriffserklärung, in: zfwu 6/2, Hamburg, Seiten 231­236, hier Seiten 231 und 232.

8 Vgl. Hempel, Martin (2008), Corporal Social Responsibility, Landshut, Seiten 12f; vgl. Wieland, Josef / Volkert, Jürgen / Schramm, Michael (2007), Corporate Social Responsibility (CSR) und Netzwerkgovernance, Konstanz, Seiten 3f.

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Details

Title
Corporate Social Responsibility (CSR) als Herausforderung für Staat und Unternehmen
Subtitle
Standortbestimmung, Handlungsfelder, Akteure und CSR-Diskurs
Grade
0
Author
Year
2008
Pages
15
Catalog Number
V186570
ISBN (eBook)
9783656997085
ISBN (Book)
9783656997122
File size
588 KB
Language
German
Tags
corporate, social, responsibility, herausforderung, staat, unternehmen, standortbestimmung, handlungsfelder, akteure, csr-diskurs
Quote paper
Thomas Martin Bippes (Author), 2008, Corporate Social Responsibility (CSR) als Herausforderung für Staat und Unternehmen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186570

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