Anerkennung der Ureinwohner Chiles am Beispiel der Mapuche und Rapa Nui - eine Längsschnittstudie von der Vorkolonialzeit bis heute


Bachelorarbeit, 2009
104 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Glossar

Einleitung

Begründung und Eingrenzung des Themas

Hauptteil
Historisch-ethnographischer Hintergrund
Die Rapa Nui
Informationen über die Osterinsel
Theorien über die Osterinsel
Werner Wolff's Theorie
Barry Fell's Theorie
Erich von Däniken's Theorie
Jared Diamond's Theorie
Geschichte der Osterinsel bis 1888
Die Mapuche
Allgemeine Informationen über die Mapuche
Geschichte der Mapuche
Die präkolumbische Zeit
Die „Eroberung" Chiles
Arauco - Krieg
Kolonialzeit
Die Unbezwingbarkeit der Mapuche

Die konstitutionelle, juristische und soziale Stellung der Ureinwohner
Die Unabhängigkeit
Konsolidierung und territoriale Expansion (1818 - 1891)
Auswirkungen dieser Zeit auf die Mapuche
Auswirkungen dieser Zeit auf die Rapa Nui
Von einer parlamentarischen zu einer sozialistischen Republik (1891 - 1932)
Auswirkungen dieser Zeit auf die Mapuche
Auswirkungen dieser Zeit auf die Rapa Nui
Von der „Verteidigung des Präsidentialsystems", bis Salvador Allende (1932 - 1973)

Auswirkungen dieser Zeit auf die Mapuche
Auswirkungen dieser Zeit auf die Rapa Nui
Die Diktatur unter Augusto Pinochet (1973 - 1990)
Auswirkungen dieser Zeit auf die Mapuche
Auswirkungen dieser Zeit auf die Rapa-Nui
Volksherrschaft in Chile 1990 - 2009
Das politische Geschehen von 1990 - 2009
Veränderungen der Chilenen seit Beginn der Volksherrschaft
Auswirkungen dieser Zeit auf die Ureinwohner
Auswirkungen dieser Zeit auf die Mapuche
Auswirkungen dieser Zeit auf die Rapa Nui
Aktuelle Lage der Ureinwohner in Chile

Schlussteil

Schlussbemerkung

Bibliografie

Buchquellen

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Investitionen von ausländischen Regierungen während 1886 und 1914, erstellt vom Autor

Tabelle 2: Vergleich der Mapuche und der chilenischen Bevölkerung zwischen 1970 und 1988 aus einer Studie von 1988 (Aylwin Datum nicht bekannt), erstellt vom Autor

Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Im folgenden Text wird die Anerkennung der Ureinwohner Chiles, vor allem der Mapuche und der Rapa Nui untersucht und deren Umstände von dem präkolumbischen Zeitraum bis zur Gegenwart dargelegt. In dieser literarischen Arbeit wird neben der Geschichte auf die konstitutionelle, juristische und soziale Stellung der Ureinwohner eingegangen. Es geht hervor, dass es in Chile von 1970 - 73 unter einer sozialistischen Regierung und seit 1990 leichte Besserungen für die Ureinwohner gegeben hat. Trotz Rückschlägen kann man in den letzten zwei Dekaden eine stetig gestiegene Akzeptanz und Anerkennung der Ureinwohner seitens der chilenischen Gesellschaft erkennen. Diese beinhalten aber keine Gleichberechtigung und konstitutionelle Verankerungen neuer Gesetze, um die Rechte der Ureinwohner auf Zeit zu schützen. Es ist ebenso fraglich, ob es zukünftig eine bedingungslose Anerkennung geben kann. Denn jahrhunderte währende Konflikte und Charaktereigenschaften, welche die chilenische Gesellschaft seit der Einführung der Volksherrschaft entwickelten , stehen im Wege.

Einleitung

Begründung und Eingrenzung des Themas

„Police Brutality in "Democratic" Chile - Mapuche Student Shot Dead; Political Prisoner Slowly Dying From Hunger Strike"(Mapuche International Link, 2008)

„In November 2008, President Michelle Bachelet established the National Academyfor the Mapuche Language in Temuco."(Joynes-Burgess, 2009)

Die Schlagzeilen der Berichte über Chile und seine Ureinwohner - vor allem die Mapuche, welche in den letzten Jahren die Aufmerksamkeit auf nationaler und internationaler Ebene erregt haben, könnten nicht kontroverser sein. Immer wieder kann man Artikel über unangemessene Härte bei dem Vorgehen der Polizei gegenüber den indigenen Völkern lesen sowie auch Artikel, welche die Bemühungen der chilenischen Regierung schildern, um eine gerechte Behandlung der chilenischen Urbevölkerung zu gewährleisten.

Auch während meines Aufenthaltes in Chile konnte ich immer wieder die verschiedensten, meist auch extremen Meinungen über die Ureinwohner und die positiven wie auch negativen Maßnahmen der Regierung gegenüber diesen hören. Gerade diese verschiedenen Gesichtspunkte machten mich auf das Thema der Anerkennung der indigenen Bevölkerung Chiles sowie deren Behandlung von Seiten ihrer Mitbürger sowie deren eigener Regierung aufmerksam.

Die schlechte Behandlung der Urbevölkerung in Südamerika, welche mit der Ankunft und der darauffolgenden Kolonialisierung der Europäer begann, ist kein Geheimnis. Chile gilt in den westlichen Ländern als das Land mit einer der stärksten Wirtschaften sowie mit einer der höchsten Investirons-, Wachstums-, und

Beschäftigungsverhältnisraten in ganz Lateinamerika (Greenwald 2008). Daher war es für mich von großem Interesse herauszufinden, ob ebenso die Urbevölkerung von diesem Wachstum profitieren kann und ob sich die Einstellung gegenüber diesen durch den wirtschaftlichen Erfolg verändert hat.

Nach Überlegungen habe ich mich für zwei verschiedene Gruppen der chilenischen Urbevölkerung entschieden. Die Mapuche, da sie, quantitativ gesehen da sie 93% aller chilenischen Ureinwohner stellen, die wichtigste Gruppe sind (Mapuche International Link 2008).

Die zweite Gruppe sind die Rapa Nui auf der Osterinsel, die zwar keine große Bevölkerung, aber eine andere Herkunft als die restlichen Urvölker Chiles, haben. Die Faszination ihrer interessanten Geschichte sowie die Errichtung der Steinköpfe, welche einige Forscher zu verschiedensten Theorien führte, machte die Insel berühmt und somit könnte sich mit dem aufkommenden Tourismus auch die Verhandlungsposition der Rapa Nui gegenüber der chilenischen Regierung verschoben haben.

Hauptteil

Historisch-ethnographischer Hintergrund

Es ist meiner Ansicht nach wichtig, dass man die Geschichte und Hintergründe für Probleme, die heutzutage bestehen, kennt. Ohne dieses Wissen kann man sich keine fundierte Meinung bilden oder gar einen Konflikt verstehen. Auch Rodolfo Stavenhagen, welcher 2003 in Chile war um für die UN einen Bericht über die Menschenrechte und Rechte der Urbevölkerung zu schreiben meinte:

„The currentproblemsfacing indigenous peoples cannot be understood without reference to the history of their relations with Chilean society"

(Rodolfo Stavenhagen, 2003)

Daher wird der Hauptteil in zwei Teile gegliedert. Zuerst wird die Geschichte der Mapuche und Rapa Nui betrachtet und im zweiten Part wird die Anerkennung dieser beschrieben.

Die Rapa Nui

Informationen über die Osterinsel

Die Osterinsel, eine Provinz Chiles, ist einer der meist abgelegenen Orte der Welt. Die unmittelbaren Nachbarn dieser Insel sind nach Osten gerichtet die Hauptstadt Chiles, Santiago, mit einer Entfernung von 3.790 km und nach Westen die Pitcairninseln, welche 1.600 km entfernt liegen. Die Insel wurde an Ostern im Jahre 1722 von Admiral Roggeveen und somit auch von der westlichen Welt entdeckt. Wegen des Tages der

Entdeckung bekam diese Insel ihren noch heute gültigen Namen - Osterinsel (Dr. McCall 1995) (Brookman 2007).

Die Ureinwohner, welche den ebenso gültigen Namen der Insel Rapa Nui tragen, haben diesen erst in den 1860ern bekommen, als Seeleute aus Tahiti auf die Insel kamen und eine Ähnlichkeit mit der in Französisch-Polynesien liegenden Insel Rapa, oder heutzutage auch häufig Rapa Iti genannt, erkannten (Brookman 2007). Die ersten polynesischen Siedler der Insel nannten diese auch Te Pito О Те Henua, was soviel wie der Nabel der Welt bedeutet.

Während der letzten nationalen Volkszählung in Chile im Jahre 2002 haben sich 4.650 Menschen als Rapa Nui bezeichnet. Von diesen leben die meisten auf der Osterinsel und einige wenige auf dem chilenischen Festland oder in Tahiti (Minority Rights Group International 2008).

Die Insel hat hauptsächlich durch die moai (kolossale Steinköpfe auf der Osterinsel) und den ahu (Steinplatten auf denen die moais stehen), weltweite Bekanntheit erlangt. Wegen ihrer Größe und ihres Gewichtes haben diese Bau- und Kunstwerke schon immer zu dem Mysterium, welches die Osterinsel umgibt, beigetragen.

Über die Jahre hinweg gab es daher auch viele Irritationen und Meinungsverschiedenheiten, was die Insel, die Herkunft der Rapa Nui und die Erbauung der moais betrifft (vgl. Brookman 2007).

Im Folgenden werden daher einige Theorien, die von der, für viele unerklärlichen, Geschichte der Osterinsel inspiriert wurden, dargelegt.

Theorien über die Osterinsel

ln den letzten 100 Jahren haben sich einige Theorien mit den verschiedensten Ideen angesammelt: es ist von Außerirdischen, Einfuhr von Elefanten, Naturkatastrophen, Laserstrahlen (die von den Augen der moais abgeschossen wurden), Anti-Gravitation oder sogar von einem versunkenen Kontinent, die Rede (Easter Island Foundation 2005).

Einige der bekanntesten Theorien werden nun verglichen und auf ihre Gültigkeit überprüft.

Werner Wolff's Theorie

Werner Wolff hat in seinem Buch - „Island of Death: A new key to easter island's culture through an ethno psychological study 1948" beschrieben, dass die Statuen eine „volcanic birth" (Wolff 1975, S. 161) hatten, da diese in dem größten Krater auf der Insel, dem Ranu Raraku gemeißelt und mit Hilfe eines Vulkanausbruches, von dieser Stelle aus, direkt auf die ahus geschossen wurden. Mit dieser Theorie erklärt er sich alle offenen Fragen wie z.B. den Transport der bis zu 50 t schweren Statuen. Werner Wolff macht sich zwar Gedanken, dass ein Vulkanausbruch die Statuen beschädigt haben müsste, wirft aber ein, dass die Arbeiter sicherlich daran gedacht und die Gesichter ihrer Statuen bedeckt haben, um die Zerstörung der moais zu verhindern (Wolff 1975, S. 161).

Diese Theorie wurde durch Wissenschaftler widerlegt, die bestätigt haben, dass vor der Besiedlung der Insel diese Vulkane schon seit einigen tausend Jahren erloschen waren (Easter Island Foundation 2005).

Barrv Fell's Theorie

Barry Fell ist der Ansicht, dass die Polynesier von den Mauren und Libyern abstammen. Die Ahnen der Maori und Rapa Nui sollten daher von Nordafrika aus mit einer Expedition, welche in Ägypten gestartet ist, nach Polynesien und auf längere Sicht so zu der Osterinsel gekommen sein. All dies beweist er mit der Entzifferung von Zeichen, die in Felsen eingraviert wurden. (Easter Island Foundation 2005) (Münzer 2002)

Die Schrift der Rapa Nui - Rongorongo soll daher ein Mix aus „Berberisch, Arabisch, Phönizisch, Griechisch, Latein und Ägyptisch" (Münzer 2002) sein und ebenso einen asiatischen Einfluss haben, da angeblich „die modifizierte ägyptische Hieroglyphenschrift, (...) mit einem Vokalzeichensystem aus dem Sanskrit kombiniert war. "(Münzer 2002).

In anderen Quellen werden die Zeichen, die Barry Fell gedeutet hat, von Geologen als Verwitterungsprozesse oder aber als Schriften von amerikanischen Ureinwohnern gedeutet. Des Weiteren sind Archäologen dabei, diese Schriften in den Felsen und auf den verbliebenen mit Schriften versehenen Holztafeln als Hinweis für ein Glaubenssystem der Ureinwohner zu erachten, wobei sie aber noch weit davon entfernt sind, diese überhaupt lesen zu können (Easter Island Foundation 2005).

Vater Sebastian Englert geht sogar soweit, dass er die Behauptung aufstellt:

"Our ko hau rongorongo are lost! Future events will destroy these sacred tablets which we bring with us and those which we will make in our new land. Men of other races will guard a few that remain as priceless objects, and their maori will study them in vain without being able to read them.

Our ko hau motu mo rongorongo will be lost forever. Aue! Aue!"(Unbekannt 2005) (Sebastian Englert, Island at the Center of the World, S.76) Auch Captain Cook war sich bei seiner Ankunft im Jahre 1774 schon sicher, dass die Rapa Nui eine polynesische und keine afrikanische Herkunft haben.

„They are certainly of the same race of People as the New Zealanders and the other islanders, the affinity of the Language, Colour and some of their customs all tend to prove it" (Captain Cook Society, Datum nicht bekannt) (Aus dem Tagebuch von Captain Cook am Donnerstag 17 März 1774)

Erich von Däniken's Theorie

Erich von Däniken beschreibt in seiner Theorie die Möglichkeit, dass Außerirdische die moais aufgebaut haben. Er festigt diese These, da die mündlich überlieferte Legende von fliegenden Menschen berichtet, welche vor langer Zeit auf die Erde kamen, um dort ein Feuer anzuzünden. Ebenso bestimmt er mit der Tatsache, dass die Missionare die Rapa Nui nicht davon abwenden konnten, ihre Insel mit dem alten Namen - Land des Vogelmenschen zu bezeichnen. „Natives (...) calling their island „Land of the bird men", as they still do today" (Däniken 1968, S. 132). Er bezeichnet die Außerirdischen in seiner Theorie als die bird men, deren Kultur noch immer auf der Osterinsel repräsentiertwird (Däniken 1968, S. 131).

Er kann sich auch nicht vorstellen dass die Rapa Nui die moai selbst gebaut haben können, da diese viel zu groß und die Transportwege von dem Krater des Ranu Raraku bis hin zu manchen Stellen der ahus zu weit sind. Die Möglichkeiten der Erbauung durch die Rapa Nui, sieht er zudem ausgeschlossen, da es in seiner Theorie auf der Osterinsel keine Bäume, die für den Transport hätten verwendet werden können, gibt. „No trees grow on the island, which is a tiny speck of volcanic stone" (Däniken 1968, S. 131).

Däniken ist auch überzeugt, dass, selbst wenn es Bäume gegeben hätte, die Bevölkerung nicht zahlreich genug gewesen wäre, um die Steinkolosse zu bauen und zu transportieren. „Being build by a vast army of workers [...] would have been impossible on Easter Islandfor lack ofmanpower."(Däniken 1968, S. 131).

Leider kann man, seiner Ansicht nach, auch die meisten Einflüsse nicht mehr sehen, da die europäischen Missionare gewisse Beweisstücke, wie z.B. Tafeln mit hieroglyphischen Formen vernichteten und die Einführung eines Verbotes der Verehrung der alten Götter bewirkten. „Unfortunately the first European missionaries on this tiny patch of earth helped to ensure that the Island's dark ages stayed dark" (Däniken 1968, S. 132).

Von Kritikern dieser Theorie wird gesagt, dass Erich von Däniken nie auf der Osterinsel gewesen war und somit auch kein präzises Bild von der vorherrschenden Situation erlangen konnte. Auch wenn es höchst wahrscheinlich ist, dass die Missionare viele Beweisstücke, die auf die Vergangenheit der Insulaner hätten schließen können, vernichtet haben, weist seine Theorie noch einige Lücken auf.

Jared Diamond widerlegt mit seiner Theorie, welche ich für die plausibelste halte, die von Erich von Däniken (vgl. Easter Island Foundation 2005).

Jared Diamond's Theorie

Jared Diamond stellt seine Theorie in dem Buch Collaps vor. Er hebt hervor, dass die Osterinsel vor der Entdeckung durch die westliche Welt anders ausgesehen hat und dass die Rapa Nui durchaus in der Lage waren, die moais zu transportieren. Auch bei ausgiebiger Recherche stößt man auf keine wissenschaftliche Quelle, welche seine Theorie über die Osterinsel anzweifelt. Der ganze Aufbau sowie die Erklärungen für die Entwicklung und Geschichte der Osterinsel sind meines Erachtens sehr schlüssig und überzeugend. Der Wissenschaftler hat einige hochangesehene Preise gewonnen, wie z.B. den Pulitzer Preis für sein Buch „Guns, germs and steel", „Japan's International Cosmos Prize", die "National Medal of Sience", die höchste Auszeichnung, die es für Wissenschaftler in den USA gibt, sowie den "Tyler Prize for environmental achievement", welcher an Menschen vergeben wird die mit ihren Entdeckungen und den daraus folgenden Lösungsansätzen weltweite Aufmerksamkeit auf ökologische Probleme gerichtet haben. Er selbst hat sich auf die Reise zu der Osterinsel gemacht, um dem Mysterium genauer auf die Spur zu gehen. Aus diesen Gründen wird im Folgenden seine Theorie, die überzeugend ist und ebenso von den lokalen Quellen, der Internetseiten über die Rapa Nui benutzt wird, verwendet um die Geschichte der Osterinsel darzulegen (Environmental Management for Sustainable Universities 2006) (Anderson, Datum nicht bekannt).

Geschichte der Osterinsel bis 1888

Diamond beschreibt die Entstehung der Osterinsel, welche durch ihr Aussehen an ein Dreieck erinnert und an jedem Ende durch einen Vulkan begrenzt wird, mit verschiedenen Ausbrüchen dieser Vulkane, die zwischen 200.000 bis zu 3.000.000 Jahren zurückliegen. Der vulkanische Boden ist sehr fruchtbar und das Klima sehr mild. Da sich die Osterinsel auf dem 27° südlicher Breite befindet, ist das Klima vergleichbar mit Taipeh und Miami, die auf dem 27° nördlicher Breite liegen. Diese für die nördliche Hemisphäre, milden Bedingungen sind aber alles in allem zu kalt für Polynesien und die Osterinsel bildet somit die kälteste und windigste Region, die von Polynesiern besiedelt wurde. Dies war ebenso der Grund für eine eingeschränkte Auswahl an Nahrung für die Rapa Nui, da sie viele bekannte Nahrungsquellen nicht nutzen konnten (Diamond 2005, S. 83).

Mit der Aussage von Captain Cook, welcher 1774 auf die Osterinsel kam und einen Tahitianer an Bord hatte, der sich mit den Rapa Nui in einem polynesischen Dialekt unterhalten konnte, verstärkt Diamond die These, dass die Osterinsel von Polynesiern besiedelt wurde. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass ihre Kultur sowie die Statuen ihre Wurzeln in Polynesien und nicht in Amerika oder sogar Ägypten haben. Dies wird ebenso durch die gefundenen Werkzeuge, „Their fishhooks, stone adzes, harpoons, coral files, and other tools were typically Polynesian" (Diamond 2005, S. 86) sowie DNA Analysen, die von 12 ausgegrabenen Skeletten genommen wurden, bestätigt. (Diamond 2005, S. 86)

Im Gegensatz zu anderen Wissenschaftlern, bezweifelt Jared Diamond nicht die geplante Besiedlung der Osterinsel durch die Polynesier. Diese haben seiner Meinung nach die Kunst des Navigierens und die Technologie von segelnden Kanus gemeistert. Vor ca. 800 Jahren hatten sie, von Westen nach Osten und damit gegen die vorherrschende Meeresströmung, die von Osten nach Westen fließt, alle bewohnbaren Inseln im Dreieck von Hawaii, Neuseeland und der Osterinsel besiedelt. Die Besiedlung soll von den Marquesas über Mangareva, Pitcairn und Henderson vollzogen worden sein, da Ähnlichkeiten in den Werkzeugen, den Schädeln und den Statuen gefunden worden sind (Diamond 2005, S. 87f.).

Mit Hilfe der Radiokohlenstoffdatierung, (eine Methode bei dem der radioaktive Zerfall des Kohlenstoffes14 C, welchen alle lebenden Organismen während ihres Lebens aufnehmen, gemessen wird. Mit dieser Messung kann man das Alter des gefundenen Objektes bestimmen (Unbekannt, Geographie Tutorium 2002) (Enzenberger 2002)) haben David Steadman, Claudio Cristino und Patricia Vargas die Besiedlung der Osterinsel auf ca. 1.100 Jahre v.u.Z. festgelegt (Diamond 2005, S. 89).

Um sich den „unangenehmen" Wetter- und Windbedingungen zu widersetzen, bauten die Rapa Nui Irrigationssysteme, Windbrecher sowie Steingärten, welche bewirkten, dass der Boden immer leicht befeuchtet war und eine Auskühlung verhindert wurde, da die Steine die starken Sonnenstrahlen abhielten, den Boden auszutrocknen und die solare Wärme aufnahmen, um diese, in den kühlen Nächten, wieder langsam an diesen abzugegeben (Diamond 2005, S .90f.).

Um den Agraranbau auf der Insel zu sichern, musste daher ein großer Aufwand betrieben werden, da unzählige Steine aller Größen bewegt werden mussten.

"All of these rock windbreaks and gardens involved a huge ef-fort to construct, because they required moving millions or even billions of rocks’’ (Diamond 2005, S .92).

All dies deutet auf eine Population hin, die größer gewesen sein muss als in den

Schätzungen von anderen Theorien. Mit einer Zählung von Hausfundamenten, kam man auf die Anzahl von 6.000 - 30.000 Bewohner welche, während ihrer Blütezeit die Osterinsel besiedelt haben (vgl. Diamond 2005, S. 90f.).

Die Insel wurde in 11 oder 12 Territorien unterteilt, welche jeweils einem Clan gehörten und von dessen Häuptling regiert wurden. Die Territorien wurden so aufgeteilt, dass jeder Clan das Recht auf eine oder mehrere der wertvollen Ressourcen hatte, diese aber zwischen den Clans getauscht wurden. Was die Osterinsel aber von den anderen polynesischen Inseln, welche die gleiche Art Aufteilung vorwiesen, unterscheidet ist, dass alle Territorien der Osterinsel in einem religiösen sowie teilweise ökonomischen und politischen Sinn von einem Oberhäuptling regiert wurden (vgl. Diamond 2005, S. 94f.).

Durch die Ressourcenaufteilung bildete sich ein Zusammenhalt zwischen den Clans, welche sich durch friedliche Wettkämpfe aneinander maßen. Sie bauten immer größer werdende ahus und moai. Erstere wurden zunächst in dem eigenen Territorium errichtet, um die Steinstatuen danach von der Errichtungsstätte des Vulkanes Ranu Raraku in das eigene Territorium zu befördern und aufzustellen. Alles in allem wurden 300 ahus gezählt, von denen 113 nicht sehr ausgeprägt waren und auch keine moais besaßen. 25 Stück sollen aber von signifikanter Größe gewesen sein und während die „kleinen" ahus ungefähr 3001 schwer waren, sollen die großen an die 9.0001 gewogen haben (Diamond 2005, S. 96).

Der „durchschnittliche" moai hingegen, von denen 887 Stück aus dem Stein geschlagen wurden und noch heute an die Hälfte in dem Krater des Ranu Raraku verweilen, soll 4 m groß gewesen sein und an die 10 t gewogen haben. Die größte Statue, die auf der Osterinsel errichtet wurde, war 6,6 m lang und wog 75 t. Diese beeindruckende Größe wird nur von einer Statue, die nicht vollendet wurde und noch am Ort ihrer Erbauung verweilt, übertroffen. Diese Statue ist 21,4 m lang und wiegt 270 t (Diamond 2005, S. 97).

Bei diesen Gewichten und den schlechten Bedingungen, die während der Ankunft der europäischen Entdecker vorherrschten, kann man verstehen, warum sich viele Theorien entwickelt haben, die die Erbauung und die Transporte der moai zu erklären versuchten. In den folgenden Seiten wird hervorgehoben, wie sich Jared Diamond den Wettkampf zwischen den Clans, die Erbauung und den Transport der Steinstatuen erklärt hat.

Neben der Frage wer die Statuen errichtet hat und wie dies erreicht werden konnte, haben sich die Wissenschaftler auch immer gefragt, warum so ein großer Energieaufwand in die Errichtung der ahus und moais geflossen ist.

Jared Diamond führt den friedlichen Wettkampf auf 4 entscheidende Faktoren zurück (Diamond 2005, S. 99).

1) Der Stein des Ranu Raraku ist im ganzen Pazifikraum der geeignetste für die Steinhauerei.

2) Die Rapa Nui hatten durch ihre Isolation von anderen Inseln mehr Energie, Ressourcen und Arbeitskraft für die Erbauung der moai übrig, da sie weder auf Expeditionsreisen gingen, sich nicht auf Überfälle vorbereiten noch sich um Emigration oder Handel mit benachbarten Inseln kümmern mussten.

3) Durch die Verteilung der natürlichen Ressourcen auf die verschiedenen Territorien, kam es zu einer Integration auf der Insel und Clans, deren Territorium weit entfernt des Ranu Raraku lag, konnten ihre Statuen über die Gebiete fremder Clans befördern, ohne auf feindlichen Widerstand zu stoßen.

Für den Transport und die Integration vereinfachend kommt hinzu, dass die Landschaft der Osterinsel nicht von Schluchten, Tälern oder extremen Höhenunterschieden geprägt wird.

4) Den in den höheren Regionen gelegenen Plantagen, die von wenigen Menschen, die aus der Elite der Insel stammten, kontrolliert wurden, verdankten die Häuptlinge einen

Nahrungsüberschuss, der es ihnen ermöglichte Arbeitskräfte von der Agrarwirtschaft abzuziehen und für die Erbauung, den Transport und die Errichtung der ahus und moais zu verwenden.

Auch bei der Frage wie der Transport der Statuen erfolgte, kommt es zu Unstimmigkeiten zwischen den verschiedenen Theorien.

Jared Diamond beschreibt die Straßen, welche für den Transport benutzt wurden, als heutzutage immer noch sichtbar. Diese Straßen folgen den Höhenlinien, um unnötigen Kraftaufwand für die Beförderung über Berge zu vermeiden. Die längste Distanz von der Arbeitsstätte im Vulkankrater zu einer ahu sind 14,5 km, welche überwunden werden mussten. Diese Distanz schien für viele Wissenschaftler unbezwingbar gewesen zu sein. Mit der plausiblen Theorie, der in Polynesien bekannten und oft verwendeten canoe ladder, (eine „Leiter" die eine Serie von aneinander gereihten Leitern bildet und ursprünglich verwendet wurde, um Kanus von dem Wald, in dem sie erbaut wurden, in die Nähe des Wassers zu transportieren oder diese später ins Wasser zu lassen und wieder herauszuziehen (Indigenous Boats - Small boats outside the western tradition 2008)), welche von Jo Anne Van Tilburg in diesem Zusammenhang aufgestellt und erprobt wurde, erscheint der Transport der moai als durchaus machbar, denn es ist bekannt, dass auf Hawaii mit dieser Methode Kanus bewegt wurden, die schwerer waren als der „durchschnittliche" moai.

Auch der geglückte Versuch von Jo Anne Van Tilburg, die mit dem Nachbau einer canoe ladder und der Hilfe eines Teams eine 12 t schwere Statue bewegen konnte, unterstützt diese Theorie. Sie fand heraus, dass man mit einem 50 bis 70 Mann starken Team, welches 5 Stunden am Tag arbeitet und die Last mit jedem synchronisierten Ziehen 4,5 m weit bringt, die 12 t schwere Statue innerhalb einer Woche die längste Strecke auf der Osterinsel, also 14,5 km transportieren könnte (Diamond 2005, S. 100f.).

Die Errichtung der Statuen ist ein kleineres Mysterium als der Transport, denn die Ureinwohner der Osterinsel haben auf Nachfrage von Thor Heyerdahl, der in den Jahren 1955 und 1956 auf der Insel Forschungen anstellte, gezeigt, wie ihre Vorfahren die Statuen aufgerichtet haben. Sie waren sehr empört, dass bisher noch keine Archäologen oder anderer Wissenschaftler, die Theorien über die Errichtung der Statuen aufgestellt hatten, nachfragte, wie die Statuen aufgerichtet wurden.

Sie bauten, wie sie es von ihren Vorfahren gelernt hatten, eine Rampe mit einer leichten Steigung, die von dem Boden auf die ahu führte. Auf dem Bauch und mit der unteren Seite zuerst, wurde dann der moai über die Rampe nach oben gezogen. Mit zwei Stämmen wurde die Statue einige Zentimeter angehoben und der damit erzeugte Zwischenraum mit Steinen ausgelegt. Zentimeter für Zentimeter wurde die Statue auf diese Weise in eine fast vertikale Position gebracht, worauf der riskanteste Part folgte. Die Statue musste von der fast aufgerichteten Position in eine senkrechte Position gekippt werden, wobei es leicht passieren konnte, dass die Statue mit ihrem eigenen Schwungimpuls nach hinten kippte und von der Plattform fiel.

Um diese Unfälle zu vermeiden, haben die Steinmetze die Statuen nicht rechtwinklig, sondern sehr leicht nach vorne gebeugt, in einem Winkel von 87°, konstruiert. Um die moai sicher in eine senkrechte Position zu bringen, konnte man nun wieder vorgehen wie bei der Aufrichtung. Die Statuen wurden leicht angehoben und darauf konnte man den Zwischenraum der letzten 3° mit Steinen ausfüllen (Diamond 2005, S. 101).

Aber der zusätzliche Energie- und Ressourcenaufwand, der durch den Transport und die Errichtung hervorgerufen wurde, wird in den Berechnungen von Jo Anne Van Tilburg offensichtlich. Die „Transportmannschaft", die aus 50 bis 500 Leuten bestand, die Mannschaft, welche für die Errichtung der Plattformen und Statuen verantwortlich war und ebenso 50 bis 500 Leute zählte, sowie die Clans über deren Territorium man die Statuen bewegte, mussten versorgt werden.

Van Tilburg geht davon aus, dass der Nahrungsmittelaufwand in den 300 Blütenjahren der Erbauungen der moais um 25% höher gelegen haben muss als zuvor.

Des Weiteren brauchte man auch starke Seile, welche aus Baumrinde hergestellt wurden, um die Statuen zu ziehen sowie eine große Menge von Holz für die Konstruktion der canoe ladders (Diamond 2005, S. 102).

Viele Theorien über die Osterinsel kamen dadurch zustande, dass die ersten Berichte von Entdeckern aus westlichen Ländern, die zwischen 1722 und 1786 auf die Osterinsel kamen, alle eine karge, baumlose Landschaft, die keine Landvögel und nur wenige Wasservögel beherbergte, beschrieben. Auch sahen sie nur ca. 1.200 Ureinwohner an der Zahl, die nicht in der Lage gewesen sein konnten, diese Steinstatuen zu erbauen. Viele dachten daher, dass es in geraumer Vorzeit eine andere Rasse auf der Insel gegeben haben muss, welche die Statuen errichtet hat (Lee 2007).

Demzufolge ist es von großem Interesse zu wissen, was zwischen der Ankunft der Menschen auf der Insel vor 1.100 Jahren, der Zeit mit der höchsten Population, welche vor ca. 460 Jahren gewesen war (Wassmann, Datum nicht bekannt) und der Ankunft der europäischen Entdecker passiert ist, sodass sich die Insel in diesem extremen Maße verändert hat. Wie konnten sich die Ureinwohner, in nicht einmal 200 Jahren, von einer organisierten Gesellschaft, die einen Nahrungsüberschuss erzeugte, riesige Statuen erbaute und diese über die ganze Insel transportieren konnte, so verändern, dass ihnen niemand von den Entdeckern zutraute, überhaupt im Stande gewesen zu sein, all dies zu vollbringen?

Wie zuvor angesprochen war die Insel nicht immer so karg wie zu der Ankunft der Entdecker. Man hat durch Pollenforschung herausgefunden, dass der fruchtbare vulkanische Boden von einem subtropischen Regenwald überzogen war, der sogar die größte Palme der Welt, die chilenische Weinpalme mit einer Höhe von 19,8 m und einem Durchmesser von 1 m, hervorbrachte. Es gab weitere große Bäume, die bis zu 30 m hoch wurden und auf anderen Inseln in Polynesien für den Bau von Kanus verwendet wurden (Diamond 2005, S. 103f.).

Man geht davon aus, dass mit der Ankunft der Menschen vor 1.100 Jahren die Abholzung begonnen und vor 600 Jahren ihren Höhepunkt erreicht hatte. Das Holz wurde unter anderem für die Erbauung von Kanus, Hütten und canoe ladders sowie für den Transport der Statuen, verwendet (Diamond 2005, S. 102).

Mit der Abholzung wurde auf der Osterinsel eine unwiderrufliche Kettenreaktion in Bewegung gesetzt: Durch den Mangel an Holz kam es , dass die Ureinwohner keine Kanus mehr bauen konnten, was dazu führte, dass Fische, die zuvor aus dem Pazifik gefischt wurden, vom Speiseplan verschwanden. Das gleiche geschah mit den Landvögeln, die keine Plätze mehr hatten, wo sie nisten konnten. Erschwerend kam hinzu, dass die ersten polynesischen Siedler unabsichtlich Ratten eingeführt hatten, die viele Früchte und Nüsse anknabberten und damit eine weitere Keimung dieser verhinderten. Die Nahrungsplantagen verschwanden langsam, da durch die Entwaldung Bodenerosionen eintraten und die Mineralien aus dem Boden gewaschen wurden. Ebenso wurde die Erbauung und Errichtung von Statuen gestoppt, da kein Clan mehr überschüssige Ressourcen hatte, um diese zu erbauen, geschweige denn, diese ohne Holz zu transportieren. Die letzte Statue wurde vor 390 Jahren aufgerichtet und die von der „Elite" geführten Nahrungsplantagen, die so wichtig waren um die Erbauungen zu unterstützen, wurden vor 410 bis 330 Jahren v.u.Z., langsam aber sicher verlassen. Vor 360 Jahren wurden die Holzreserven so knapp, dass sich die Ureinwohner auf das Verbrennen von Kräutern oder Gräsern beschränken mussten, um die Winter zu überstehen. Auch die zuvor gängige Methode der Einäscherung ihrer Toten musste der Beerdigung weichen (Diamond 2005, S. 106ff.).

Um die restlichen immer knapper werdenden Ressourcen entbrannte ein Kampf zwischen den Clans und der zuvor friedliche Wettkampf veränderte sich in einen Kampf ums Überleben. Um diese Zeit begann auch der Kannibalismus, da der Mensch neben den Ratten, die hauptsächlich gegessen wurden, zu einer der letzten, bisher ungenutzten „Nahrung" wurde. Auch die Vorherrschaft der Elite sowie der Priester, welche ihre Stellung mit einer Verbindung zu Gott rechtfertigten und das Volk mit großen Zeremonien, die durch einen Nahrungsüberschuss ermöglicht wurden, beeindrucken konnten, wurden durch einen Militärcoup im Jahre 1680, von Anführern, die sich matatoa nannten, beendet. Die soziale Struktur der Insel kollabierte und es entbrannte ein Zivilkrieg (Diamond 2005, S. 109).

Durch diese Entwicklung kam nicht nur die politische Ideologie ins Wanken, sondern auch die traditionelle Religion, die mit dem Sturz der alten Elite ein abruptes Ende fand. Es wurden daher keine Steinstatuen mehr errichtet, sondern es wurde von den Ureinwohnern versucht, die Statuen der nun befeindeten Clans umzukippen und zu zerstören (Diamond 2005, S. 110).

Im Vergleich zu vorherigen Teilen der Geschichte, wird von Jared Diamond leider nicht viel über die Zeit vor 330 bis 122 Jahren v.u.Z. erwähnt. Dies kann natürlich auch mit der Tragik dieser Zeit und dem Verlust von vielen Menschen, die ihre Vergangenheit immer mündlich überlieferten, Zusammenhängen.

Er findet aber, dass diese Zeit nicht nur negativ und zerstörerisch war, sondern dass sich die Insulaner nach besten Maßen an die äußeren Umstände angepasst haben. Ebenso wurde mit der Einführung einer neuen Religion versucht, das Chaos etwas zu mindern (Diamond 2005, S. 111).

Die Religion wurde durch einen religiösen Kult, den die matatoa als Rechtfertigung für den Coup verwendeten, ersetzt. Dieser Kult des „Vogelmenschen" regelte die Struktur und Organisation der Osterinsel neu. Dieser war ebenso der Grund, dass die Ureinwohner ihre Insel „Insel des Vogelmenschen" nannten und Erich von Däniken auf seine Theorie gebracht haben kann, dass diese „Vogelmenschen", Außerirdische gewesen sein müssen (Diamond 2005, S. 111) (von Däniken 1968, S. 132).

Der Kult baute auf dem Gott Make-Make auf, der zuvor einer der weniger wichtigen Götter in der Religion der Rapa Nui gewesen war (Diamond 2005, S. 111).

Mit Hilfe eines Rituals, wählte man einen Oberhäuptling, dessen Clan das politische und religiöse Sagen hatte. Die Amtsperiode dieses Oberhäuptlings, welcher auch Tangata Manu (Vogelmensch) genannt wurde und eine direkte Verbindung zu dem Gott Make-Make gehabt haben soll, dauerte jeweils ein Jahr. Jeder Clan stellte eine Person, die Tangata Manu werden wollte oder den Repräsentanten dessen, um an einem Wettkampf teilzunehmen. Die Teilnehmer mussten eine Felswand hinabsteigen, daraufhin durch einen mit Haien besiedelten Kanal auf eine kleine 1,6 km weit entfernte Insel schwimmen, um von dort ein von einer Möwe gelegtes Ei in heilem

Zustand wieder auf die Osterinsel zu bringen. Dieses Ritual war ebenso ein Versuch, dem wachsenden Zustand der Gewalt entgegenzuwirken (Viaje Oceania 2007).

Die Mapuche

Allgemeine Informationen über die Mapuche

Die Geschichte der Mapuche ist besser bekannt als die der Rapa Nui. Man weiß, abgesehen von den Theorien aus welchen Stämmen die Mapuche entsprangen, durch ihre lange Resistenz gegen Eindringlinge, die Beweisstücke hätten vernichten können, meistens mehr über ihre Kultur, Traditionen und Religion als von anderen Ureinwohnern Lateinamerikas, die entweder besiegt oder sogar ausgerottet wurden.

Die Mapuche sind die Urbevölkerung von Zentral- und Südchile sowie Südargentiniens. Ihr ursprüngliches Territorium erstreckte sich von der Maule Region bis hin zu der Insel Chiloé. Von den Spaniern wurden sie auch Araukaner genannt, ein Name der alle in der dieser Gegend lebenden Völker beschrieb. Die Mapuche, was soviel heißt wie „Menschen der Erde", bestanden aus 3 verschiedenen Völkergruppen, welche durch eine religiöse und soziale Struktur verbunden wurden. Diese Gruppen waren die Picunche, „das Volk des Nordens", die zu späterer Zeit als Fronarbeiter in das Reich der Inkas integriert wurden, die Huilliche, „das Volk des Südens", welche Nomaden waren und von der Agrarwirtschaft lebten und die Pehuenche, „Volk der Andentanne", da sie sich hauptsächlich von den Samen der Tannen, die sie verarbeiteten, ernährt haben. (Gesellschaft für bedrohte Völker, Datum nicht bekannt) ((Knowledgerush - Encyclopedia, Datum nicht bekannt) (Icarito - Enciclopedia, Datum nicht bekannt)

Bei einer nationalen Volkszählung im Jahre 2002 wurden in Chile 604.000 Mapuche gezählt, was ungefähr 4,6% der Bevölkerung entsprach (Comision Nacional Del XVII Censo de Población y VI de Vivienda 2002).

Geschichte der Mapuche

Um abgesehen von den Theorien der Migration von Asien nach Südamerika genauer bestimmen zu wollen, aus welchen Stämmen sich die Mapuche zusammensetzen, ist es eventuell hilfreich diese Frage von der linguistischen Seite zu betrachten.

Ineke Smeets beschreibt in einer linguistischen Klassifikation von mapudungun, (Sprache der Mapuche) Behauptungen, von denen sich aber, aus Mangel an Beweisen, bisher noch keine durchsetzen konnte.

Es bestehen die Theorien, dass mapudungun mit folgenden Sprachen Verbindungen aufweist (Smeets 2008, S. 13):

- Englert sieht, dass eine Verbindung zu Quechua und Aymara besteht
- Greenberg ist der Meinung, dass mapudungun mit Tehuelche, Puelche und den

Sprachen von Feuerland in die Kategorie der Sprachen der südlichen Anden zusammenpasst

- Hamp beschreibt Gemeinsamkeiten mit Maya
- Key hebt hervor, dass es in die Tacana - Panoan Gruppe passt
- Payne und Croese schlagen eine Verbindung zurArawak Familie vor
- Mehrere Wissenschaftler wie z.B. Chamberlain oder Lenz meinen, dass mapudungun eine isolierte Sprache ist

Daher kann man, auch mit Hilfe der Linguistik, bisher nicht sagen woher die Mapuche kamen und wie sich ihre Sprache entwickelt hat.

Die präkolumbische Zeit

Über die genaue Migration und die Ursprünge der Mapuche gibt es keine genauen Erkenntnisse, daher beginnt ihre Geschichte mit den ersten Funden, welche auf eine menschliche Anwesenheit in dem gegenwärtigen chilenischen Raum schließen lassen.

Man fand Hinweise darauf dass vor 11.000 - 15.000 Jahren in der Nähe von der heutigen Stadt Los Vilos (eine Stadt die ungefähr 260 km nördlich von Santiago de Chile liegt) sich Paläo-Indianer (die ersten menschlichen Bewohner Amerikas) aufgehalten haben. Auch im südlichsten Teil Chiles fand man Anhaltspunkte von Paläo-Indianer, die dort vor 11.000 Jahren ihre Spuren hinterlassen haben (Mostny 1971, S. 19ff.).

Wie der Name Mapuche (Menschen der Erde) beinhaltet, lebten die einzelnen Stämme als Jäger und Sammler sowie von der Fischerei.

Welcher Stamm es im Endeffekt nun wirklich war, der sich über die anderen erhoben hatte und zugleich seinen Glauben sowie seine Sprache verbreitete, wurde nicht herausgefunden. Es könnte ein, zuvor nicht in dieser Region ansässiger Stamm gewesen sein oder auch einer, der schon auf dem heutigen chilenischen Territorium gelebt hatte. Was man weiß ist, dass es seit ungefähr 2.500 - 2.600 Jahren eine Kultur gab die man als Mapuche bezeichnen kann (Bengoa 2000, S. 19f.).

Trotz des Erhaltes vieler Gegenstände, wie z.B. Schmuck und Töpfereien, die auch heutzutage noch ausgestellt werden, klafft in dem Zeitraum von 900 bis 2.500 v.u.Z., was die Entwicklung der Mapuche angeht, eine große Lücke. Keine Quelle äußert sich über diese Zeit, was darauf schließen lässt, dass die Entwicklung in dieser Zeit sehr abgeschnitten von anderen Bevölkerungen war, sodass man keine genauen Überlieferungen aus dem 1.600 Jahre langen Abschnitt hat beziehungsweise bisher noch keine wissenschaftlichen Arbeiten über diese Zeit geschrieben wurden.

Was für eine Isolierung des Volkes spricht ist, dass die Geschichte der Mapuche in allen Quellen wieder interessant wird, sobald sie von den Inkas und deren Ausbreitung Richtung Süden ab dem 12. Jahrhundert ständig unter Druck gesetzt wurden; das führte dazu, dass die Mapuche eine Krieger - Tradition entwickelten.

Diese neue Tradition war es, die zu Polygamie, Wohlstand sowie Ansehen durch Kämpfe führte und bildete somit die Basis für den langen Widerstand gegen die Spanier (Moylan 1999).

[...]

Ende der Leseprobe aus 104 Seiten

Details

Titel
Anerkennung der Ureinwohner Chiles am Beispiel der Mapuche und Rapa Nui - eine Längsschnittstudie von der Vorkolonialzeit bis heute
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
104
Katalognummer
V186663
ISBN (eBook)
9783869435572
ISBN (Buch)
9783656993247
Dateigröße
1952 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anerkennung, ureinwohner, chiles, beispiel, mapuche, rapa, längsschnittstudie, vorkolonialzeit
Arbeit zitieren
Hannes Goth (Autor), 2009, Anerkennung der Ureinwohner Chiles am Beispiel der Mapuche und Rapa Nui - eine Längsschnittstudie von der Vorkolonialzeit bis heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186663

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