Interkulturelle Kompetenz - Integration chinesischer Studierender in den Studiengang Regionalmanagement & Wirtschaftsförderung an der HAWK


Hausarbeit, 2009
32 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung

2. Kulturen
2.1 Chinas und Deutschlands Geschichte
2.2 Interkulturelles Wissen und Kompetenzen

3. Situationsanalyse im Studiengang
3.1 Befragungen und Recherchen
3.2 Aus- und Bewertung sowie Interpretation der Umfrage
3.3 Handlungsempfehlungen und Ausblick

4. Fazit

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

6. Abkürzungsverzeichnis

7. Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Die Idee für diese Arbeit kam im Laufe des 2. Semesters im Studiengang auf, wo durch informelle Gespräche mit einer chinesischen Kommilitonin, Missstände und Defizite erläutert wurden. Um diese Schwierigkeiten zu belegen und zukünftig zu minimieren soll hiermit ein Leitfaden entwickelt werden.

Nach einer kurzen Zieldefinition und Vorstellung der kulturellen Geschichte zwischen Deutschland und China wird auf die derzeitige Situation im Studiengang Regionalmanage- ment und Wirtschaftsförderung eingegangen. Es werden Fragen aufgezeigt und geklärt, die bspw. die formale und persönliche Integration der chinesischen Studierenden betreffen. Auch wird auf die Besonderheiten eingegangen, auf die geachtet werden muss. Es wird gefragt, wie die chinesischen Kommilitonen ihre Situation in Deutschland und an der HAWK empfinden und welche Beweggründe es für das Studium in Deutschland gibt. Mögliche Missstände und Defizite, aber auch Anregungen und neue Ideen werden benannt, analysiert und ausgewertet. Danach werden ein zukünftiger Ausblick und Handlungsempfehlungen gegeben und schließ- lich ein Fazit über die Integration der chinesischen Mitstudierenden an der HAWK formuliert. Diese Arbeit zeigt, vor allem qualitativ, Entwicklungen und den Status Quo mit den beteilig- ten Akteuren auf und bewertet diesen. Sie erhebt nicht den Anspruch auf vollkommene Rep- räsentanz der Lage.

1.1 Zielsetzung

Das Ziel dieser Hausarbeit ist praxisorientiert und anwendungsbezogen die Integration der chinesischen Studierenden in den Masterstudiengang „Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung“ an der HAWK zu verbessern bzw. zu optimieren. Dies wäre auch übertragbar auf andere Studiengänge an der HAWK. Die Handlungsempfehlungen werden sich daher auf die gesamte Fachhochschule beziehen. Das Hauptziel ist die Ermöglichung zukünftiger WinWin-Situationen für sowohl die deutsche als auch die chinesische Seite durch Verbesserung bzw. Minimierung aufgezeigter Defizite. Das Annähern und Verstehen des jeweils anderen Kulturkreises soll hiermit ein kleines Stück vorangebracht werden. Damit einher geht der Abbau von möglichen gedanklichen Barrieren oder Fremdbildern.

Im nachfolgenden Kapitel 2 geht es nun um den Begriff der Kulturen sowie im Speziellen um die historischen Unterschiede zwischen Deutschland und China.

2. Kulturen

Was ist Kultur? Diese Frage stellte sich während der Recherchen für diese Arbeit unaus- weichlich. Der Brockhaus beschreibt Kultur als „Gesamtheit der Lebensäußerungen der menschlichen Gesellschaft in Sprache, Religion, Wissenschaft, Kunst, usw.“ Auch die Ur- barmachung des Bodens (= Anlage von Kulturen) durch die Land- und Forstwirtschaft fällt hierunter1. Kultur besteht im Wesentlichen aus Werten, Ritualen, Symbolen, Helden/ Vorbildern und der Zeit oder anders gesagt als „die Software des Geistes“2.

Max Fuchs erklärt über Kultur in seinem Buch Kultur Macht Sinn, dass der Kulturbegriff selbst, aus der Antike mit Wurzeln aus dem Lateinischen bzw. Römischen herstammt. Der Begriff an sich entstand durch die sog. Sattelzeit von 1770 bis 1830 n. Chr. Dabei ist der Kul- turphilosoph Johann Gottfried Herder als wichtiger Denker zu nennen. Er beschrieb, ebenso wie der römische Marcus Tullius Cicero, einer der Vordenker der Antike, Kultur als die Plu- ralität menschlicher Lebensweisen. So war „Kultur“ ein Begriff für die Unterscheidung eines (eigenen) Staates und die damit verbundene Lebensweise von der der anderen. Des Weiteren ist Kultur = menschliches Tun und Handeln = pfleglicher Umgang (auch mit der Natur) = Zivilisation. Somit ist der Mensch ein zu tiefst kulturell geprägtes Wesen, was sich bspw. di- rekt in seiner jeweiligen Sprache zeigt3.

Über die Jahrtausende bildeten sich bei den menschlichen Kulturen Weltbilder aus. Diese bestehen bis heute fort und werden in den entsprechenden Zivilisationen gelebt. Zu nennen sind die drei größten, welche sich aus den vier Dimensionen, Geist/ Philosophie, Stoff/ Materie, Energie und Information abgeleitet haben:

a) Materialistisch-mechanisches Weltbild (Naturgesetze, Physik)
b) Monotheistisches Weltbild (Religionen mit Untergruppen)
c) Universalistisches Weltbild (Ganzheit, alles hängt mit allem zusammen)4.

Mit interdisziplinärem Denken und Wissen wird nun zu den deutsch- und chinesischkulturellen Besonderheiten und historischen Entwicklungen übergeleitet.

2.1 Chinas und Deutschlands Geschichte

Aufbauend auf den bisher gewonnenen Erkenntnissen wird hier verdeutlicht, wie die deutschund chinesisch-kulturellen Epochen verliefen.

Chinas Kultur - ein historischer Abriss

Wie in ganz Vorderasien baut auch die chinesische Kultur auf einem Universalistischen Weltbild (= Fangshi) auf. China gehört zu den ältesten und faszinierendsten Zivilisationskulturen der Menschheit.

Bereits etwa 4000 J. v. Chr. betrieben die alten Chinesen bspw. Astronomie. Diese eher na- turphilosophische Himmelskunde hatte im Wesentlichen einen empirischen Charakter, der vor allem durch Beobachtung der Ereignisse und ihre Fixierung deutlich wurde. Die chinesische Philosophie suchte nach einer kosmischen Symmetrie kombiniert mit einer Verbundenheit zu den weltlichen Dingen. So bildeten z.B. die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten, die vier Tageszeiten oder die vier Teile des Himmelsäquators zusammen mit einer Mitte eine sog. Fünfheit. Diese Fünfheit wurde mit weiteren Dingen aus anderen Bereichen kombiniert, wie z.B. chemische Elemente, Pflanzen, Farben, Körperteile, etc. In Kombination mit einer Serie von zwölf „Arten“ konnte man eine Periode von 60 Jahren konstruieren, die bspw. in der Chronologie verwendet wurde. Es wurden über die Jahrtausende mehrere hundert Sternbilder aufgezeichnet. Die chinesische Himmelskunde wich jedoch aufgrund diverser Annahmen von der der abendländischen stark ab5.

Aus den Jahrhunderte langen Beobachtungen und Weisheiten entstand etwa im 4. Jahrhundert v. Chr. der Daoismus. Kennzeichnend ist bspw. das legendäre Yin und Yang -Zeichen. Mit den menschlichen Beziehungen befasste sich der im 5. Jahrhundert v. Chr. entstandene sog. Konfuzianismus. Dieser wird oft als Inbegriff der chinesischen Kultur angesehen. Weitere wichtige Persönlichkeiten waren Laozi und Han Feizi. Auch der in Indien entstandene Buddhismus wurde in China integriert. Neben Konfuzianismus und Buddhismus ist der Daoismus eine der „Drei (Kultur-) Lehren“, die China hauptsächlich prägten. Diverse Dynastien und Königreiche wechselten, kamen und vergingen. Daran anschließend kamen fast 2000 J. lang keine nennenswerten neuen Impulse hinzu. Das Christentum hat auf die chinesische Kultur bis heute keinen wesentlichen Einfluss genommen6.

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts bekam China durch den Einzug Mao Zedongs KPCh eine neue politische Lehre, den Kommunismus7.

Diverse Kriege und Auseinandersetzungen (japanisch-chinesische Kriege, Opiumkriege gegen Großbritannien und Frankreich, etc.) prägten einst das Land der Großen Mauer. So auch bspw. zwischen Gesellschaften verschiedener Klassen, Barbaren, Nomaden, einzelnen „Sippen“, zig Fürstentümern und allein 19 Dynastien8.

Als dominierende Volksgruppe haben sich in der Geschichte Chinas die Han-Chinesen etabliert (> 91%). Neben Hochchinesisch als allgemeiner Amtssprache (= Putonghua) sind je nach Region weitere sechs Sprachen offiziell anerkannt. Einige Sprachen haben keinen offiziellen Status, werden aber dennoch regional gesprochen (Dialekte). Die Hauptreligionen sind heute Buddhismus, Daoismus, Islam und Christentum. Auch der Konfuzianismus als alter Volksglaube, der eher einer Sozialethik denn als Religion zu verstehen ist, prägt die moralischen Verhaltensweisen der Chinesen zutiefst9.

Das chinesische Neujahr und damit verbundene Frühlingsfest ist das große Familienfest in China. Wegen des traditionellen, sog. Lunisolarkalenders fällt es auf den Neumond zwischen dem 21. Januar und 21. Februar. Im Vordergrund steht dabei im Allgemeinen die chinesische Esskultur und die Familie10.

Die Geschichte Chinas beläuft sich auf über 4000 Jahre und ist geprägt von Kriegen, Verwüs- tung, wechselnden Grenzverläufen und Fremdbestimmung. Entwickelt hat sich daraus ein facettenreicher Großstaat mit rund 1,3 Milliarden Menschen in 23 Provinzen. Die chinesische Schrift ist die älteste Schrift der Welt, welche heute noch verwendet wird. Die chinesische Umgangssprache besteht aus einer Vielzahl von Dialekten, die sich teilweise so stark unter- scheiden, dass sich z.B. ein Chinese aus Peking mit einem Bewohner aus dem Süden (bspw. Guangzhou) manchmal nur schwer oder gar nicht verständigen kann. Insgesamt gibt es 55 offiziell anerkannte nationale Minderheiten in ganz China. Heute ist das Land ein sozialisti- scher Staat unter einer demokratischen Diktatur des Volkes (gemäß der Verfassung aus dem Jahr 1982)11 12.

Hierarchien, Mythologien und Symbole, Astronomie und die Natur, die Heilkunde vom Sein sowie die damit verbundene Philosophie und Esskultur sind wichtige kulturell sehr lang ge- wachsene Aspekte, die den chinesischen Kulturkreis prägen. Auch die chinesische oder asiati- sche Architektur hat ihren ganz eigenen Stil, der sich z.B. vom europäischen deutlich unter- scheidet. Daraus resultiert ebenfalls ein Verhalten, das sich über Jahrtausende entwickelt hat. Weitere Aspekte und Konkretisierungen hierzu werden im Kapitel 2.2 Interkulturelle Kompe- tenz aufgezeigt.

Die Geschichte der Deutschen

Die deutsche Kultur leitet sich nach den historischen Überlieferungen von einem eher materi- alistisch-mechanischen kombiniert mit einem monotheistischen Weltbild ab. Erste schriftliche Erwähnungen finden keltische und germanische Stämme bei den Griechen und Römern in der Zeit um 500 v. Chr. Das heutige Süddeutschland war damals keltisch, das heutige Norddeutschland germanisch besiedelt. Die von den Germanen als Wenden bezeich- nete Ethnie, die in der Antike als eigenständige Volksgruppe östlich der Germanen siedelte, ließ sich nach der Völkerwanderung in Norddeutschland nieder. Diesen Namen übertrugen die Germanen auf weitere Einwandernde westslawischer Stämme. Deutschland war die längs- te Zeit seiner Geschichte kein einheitlicher Staat, sondern ein loser Verbund vieler kleiner Fürstenstaaten im Rahmen des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ und der sog. Christianisierung (Stichwort: Kreuzzüge, 11. bis 15. Jahrhundert). Es war ein langer Weg bis zur Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 187113.

Der Begriff „deutsch“ (= thiod) ist erst im 8. Jahrhundert n. Chr. aufgekommen. Er bezog sich auf die Sprache, die im östlichen Teil des Frankenreiches gesprochen wurde und bedeutete soviel wie „so wie das Volk spricht“. Diese stand im Gegensatz zu der Gelehrtensprache La- tein, das stark durch Rom geprägt. Auch die heutigen deutschen Nach- oder Familiennamen entwickelten sich z.B. im Mittelalter besonders durch die Berufsstände oder personelle Eigen- schaften14.

Nach dem Tod Karls des Großen (814 n. Chr.) brach das alte Frankenreich im westlichen Teil entlang der Sprachgrenze zwischen dem frühmittelalterlichen Französischen und dem Alt- hochdeutschen auseinander. Zögerlich entwickelte sich bei den östlichen Bewohnern ein Ge- fühl der Zusammengehörigkeit. Es galt, wo Deutsch gesprochen wurde, sollte auch „Deutsch- land“ sein. Während die Westgrenze früh feststand, kam die Ostsiedlung erst im 14. Jahrhun-dert zum Stillstand. Die Berührung und Überlagerung von deutschen und slawischen Bevölkerungskulturen hatte sogar bis zum Zweiten Weltkrieg Bestand15.

Rückblickend gilt der Amtsantritt von König Konrad I. (911 n. Chr.) als Übergang vom ost- fränkischen zum deutschen Reich. Da sich die Könige zur Kaiserkrönung jeweils nach Rom begeben mussten, kümmerten sie sich auch intensiv um ihre Herrschaft in Italien. Während in anderen Ländern Westeuropas Nationalstaaten entstanden, strebten die Kräfte in Deutschland noch auseinander. Das war der Grund dafür, dass die Deutschen über die Jahrhunderte als „verspätete Nation“ galten16.

Während die Grafen, Herren und Ritter allmählich an Bedeutung verloren, wuchs die wirt- schaftliche Macht der Städte. So wurde die sog. „Hanse“ als Zusammenschluss der Bünde im 14. Jahrhundert zur führenden Macht im Ostseeraum. Textilindustrie und Bergbau wurden neben den Handwerkszünften neue Wirtschaftsformen. Wie beim wachsenden Fernhandel trug auch die Wirtschaft „frühkapitalistische Züge“17.

Geprägt von Renaissance und Humanismus erwachte ein kritischer Geist in Deutschland, der sich vor allem gegen kirchliche Missstände richtete: Martin Luther. Seine Reformation und die 95 Thesen wurden publik (31.10.1517). Das gesamte soziale Gefüge Deutschlands beweg- te sich; die Reichsritter wagten den Aufstand, politische und soziale Bestrebungen kamen 1525 im Bauernkrieg revolutionär zum Ausdruck - und wurden blutig niedergeschlagen. Es setze eine Glaubensspaltung zwischen katholischer oder lutherisch-reformierter Konfession ein. Diese mündete in den Drei ß igj ä hrigen Krieg (1618 - 1648), der seine Spur durch ganz Europa zog18.

Während der Regierungszeit Friedrichs II. („der Große“) stieg Preußen zur europäischen Großmacht auf. Seine Herrschaft gilt als exemplarisch für das Zeitalter des sog. „aufgeklärten Absolutismus“ (1740 - 1786). Im Jahre 1803 setzte die Säkularisation ein. Geistliche Herrschaften und die Auflösung freier Reichsstädte durch den Reichsdeputationshauptschluss leiteten das Ende des „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ ein. 1848/49 begann die Märzrevolution oder „Deutsche Revolution“ im Großherzogtum Baden. In kurzer Zeit griff sie auch auf die übrigen Staaten des Deutschen Bundes über19.

Etappen auf dem Weg zur deutschen Einheit

- Preußen und Österreich gewinnen gemeinsam den deutsch-dänischen Krieg (1864),
- Sieg Preußens über Österreich im Krieg von 1866,
- Gründung des Norddeutschen Bundes mit Bismarck als Bundeskanzler (1867).

Am 18. Januar 1871 fand die (zweite) Deutsche Reichsgründung als konstitutionelle Monar- chie statt, die sich aus süddeutschen Staaten und dem Norddeutschen Bund zusammenschlos- sen. Gleichzeitig wurde in Versailles der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Bismarcks positivste Leistung war die Erfindung der Sozialgesetzgebung (1878 -1890). Es kam trotz innerdeutscher Konflikte zum Wirtschaftsaufschwung, den sog. Gründer- jahren20.

Danach folgte der Erste Weltkrieg (1914 - 1918). Es starben dadurch fast 15 Millionen Men- schen. Im Juni 1919 wurde der Friedensvertrag von Versailles unterzeichnet. Danach entstand die Weimarer Republik (1918/19 - 1932), die als Zeitepoche zwischen dem Ersten und Zwei- ten Weltkrieg gilt und während der erste Versuche zur Etablierung einer liberalen Demokratie scheiterten. 1929 brach die Weltwirtschaftskrise aus und 1932 wurde bei den Reichstagswah- len die NSDAP stärkste Kraft. Am 30.01.1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler er- mächtigt. Es begann die NS-Diktatur und so folgten wieder sehr dunkle Jahre für Deutschland im „Dritten Reich“, die im Zweiten Weltkrieg (1939 - 1945) endeten. Dieser Krieg forderte ca. 60 Millionen Opfer weltweit21.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Deutschland in Besatzungszonen durch die Alliierten aufgeteilt und später (1961) zusätzlich visuell in Ost-West-Richtung durch die Berliner Mauer geteilt. Ostdeutschland (ehemalige DDR) wurde kommunistisch unter sowjetischer Ideologie geführt und der Westen wurde zur Bundesrepublik (BRD) demokratisiert. Die BRD stieg wirtschaftlich bedeutungsvoll auf (Stichwort: „Wirtschaftwunder Deutschland“). In der ehemaligen DDR herrschte hingegen Planwirtschaft und der Lebensstandard war generell geringer als im Westen. Nach politischer Stabilität im Westen und Reformresistenz im Osten Deutschlands folgte 1989 der Mauerfall. Seitdem ist Deutschland föderal vereint. Die Staatsform ist eine parlamentarische Demokratie mit 16 Bundesländern22.

Der föderale Aufbau Deutschlands und die Kulturhoheit der Länder sorgen für eine große Vielfalt an kulturellen Einrichtungen im ganzen Land und eine reiche Kulturszene. Sehr viele Anziehungspunkte hat bspw. die Hauptstadt Berlin. Deutschland hat eine lange kulturelle Tra- dition von bzw. durch Schriftsteller, Komponisten und Philosophen wie Goethe, Schiller, Bach, Beethoven, Kant und Hegel. Es gibt in der BRD 5.000 Museen, 300 Theater, über 100 Musiktheater und Opernhäuser, 130 Berufsorchester sowie 7.500 Bibliotheken. Allein 95.000 Buchneuerscheinungen oder neu aufgelegte Bücher gibt es in Deutschland pro Jahr23.

In Deutschland leben heute rund 82 Millionen Menschen. Es ist die mit Abstand bevölke- rungsreichste Nation der EU. Trotz aller vergangener Kriege ist Deutschland ein modernes, weltoffenes und tolerantes Land. Seine Gesellschaft ist geprägt durch einen Pluralismus von Lebensstilen und die Vielfalt ethno-kultureller Abstammungen. Die Formen des Zusammen- lebens sind vielfältiger geworden, die individuellen Freiräume haben sich erweitert. Es gibt bspw. ein sehr ausgeprägtes traditionelles Vereinswesen in der BRD. Die früheren Rollenzu- weisungen der Geschlechter werden mehr und mehr aufgebrochen. Trotz der gesellschaftli- chen Veränderungen ist allerdings die Familie weiterhin die wichtigste soziale Bezugsgrup- pe24.

Gemeinsamkeiten von Chinesen und Deutschen

In einer globalisierten Welt wird nun nicht die Frage gestellt, was typisch deutsch und typisch chinesisch ist, sondern welche Gemeinsamkeiten die beiden Kulturen wohl haben könnten. Können wir unsere Gemeinsamkeiten und Unterschiede nutzen? Was können wir vor dem kulturellen Hintergrund lernen? Ein mit zwei Chinesinnen geführtes Interview wird in Kapitel

3.2 weitere Aufschlüsse geben.

Die großen Philosophen, alte Hierarchien (Kaiserreiche, Dynastien, etc.) und Kriege, politische Umbrüche, die Mauern, der Handel, die Wirtschaft und Industrialisierung, die Bildungssysteme und der Wissenschaftstransfer, die kulinarische Vielfalt sowie die Familientraditionen sind historisch gesehen alle Gemeinsamkeiten zwischen der chinesischen und deutschen Geschichte bzw. Kultur, wenn auch zeitlich in teilweise sehr unterschiedlichen Epochen bzw. historisch-weltbildlich anders gewachsen. Wie sich in einem Gespräch herausstellte, trinken Chinesen bspw. neben Tee ebenfalls gerne Bier25.

Allerdings sind die genannten Übereinstimmungen gegenüber den Unterschieden dieser zwei Kulturen in der Minderheit. Dies ist zum Teil evolutionär bedingt, teils klimatisch oder auch religiös/ weltbildlich. So steht China heute an der Schwelle zum Industrieland, während Deutschland sich in der nächsten „Phase“ zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft befin- det26. Beide Länder sind im Umbruch, dabei jedes auf seine eigene Art und Weise mit all seinen Facetten.

Wenn dies als Grundlage verstanden und der erste Schritt gegangen wird, die Unterschiede nicht als unüberwindbare Hindernisse sondern als Chance zu sehen, stärkt dies gerade im Globalisierungsprozess ein „über-den-eigenen-Tellerrand-Hinausdenken“ und die damit ver- bundene Akzeptanz, Toleranz und Neugier für das „Anderssein“ des jeweiligen Kulturkreises. So gibt es viele Initiativen, Institutionen, Kooperationen und Akteure zwischen China und Deutschland, die z.B. den interkulturellen Wissenstransfer und -austausch voranbringen. Zu nennen sind:

- Auswärtiges Amt der BRD (Berlin);
- Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD, Bonn);
- Deutsches Akademisches Zentrum der Tongji-Universität (Shanghai);
- Asien-Pazifik Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA, Berlin);
- Goethe-Institut (München);
- Land der Ideen - Marketing für Deutschland GmbH (Berlin);
- Kooperation zwischen Hochschulen des Landes Niedersachsen und der Provinz Anhui (Uni Hefei), so auch die HAWK27.

Nach einer Statistik aus dem Jahr 2006 bestehen in ganz China insgesamt 1554 Hochschulen28. Die HAWK kooperiert mit neun weiteren Ländern und Partnerhochschulen, vor allem aus der EU sowie einer aus Russland29.

[...]


1 vgl. Der Brockhaus in einem Band, 1998, S. 504

2 nach Hofstede, 2004, S. 6 f.

3 vgl. Fuchs, 2008, S. 11 f.

4 nach Frischat 07/2009

5 vgl. Khalisi 2004, www.khalisi.com/vhskurse/geschichte/alteschina.html

6 vgl. Wikimedia Foundation Inc. 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Kultur

7 Anm. d. Verf.: Sie ist mit ca. 73 Mio. Mitgliedern nicht nur die größte Kommunistische Partei, sondern auch insgesamt die mitgliederreichste Partei der Welt.

8 vgl. Schiefer, JEKI Handel & Design GbR 2009, www.chinaseite.de

9 vgl. Wikimedia Foundation Inc. 2009, http://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China#V.C3.B6lker

10 vgl. Schiefer, JEKI Handel & Design GbR 2009, www.chinaseite.de

11 vgl. Yi Shi, 2009, www.china2day.de/china/bevolkerung/

12 vgl. Schiefer, JEKI Handel & Design GbR 2009, www.chinaseite.de

13 vgl. Societäts-Verlag, 2009, www.tatsachen-ueber-deutschland.de

14 vgl. wissenmedia GmbH 2008, www.wissen.de

15 vgl. Societäts-Verlag, 2009, www.tatsachen-ueber-deutschland.de

16 vgl. ebd.

17 vgl. ebd.

18 vgl. ebd.

19 vgl. ebd.

20 vgl. ebd.

21 vgl. ebd.

22 vgl. Stiftung Deutsches Historisches Museum 2009, www.dhm.de

23 vgl. Societäts-Verlag, 2009, www.tatsachen-ueber-deutschland.de

24 vgl. ebd.

25 vgl. Interview vom 18.08.2009 mit zwei chinesischen Studierenden (Kap. 3.2)

26 vgl. 3-Sektoren-Hypothese nach Fourastié, Paris, 1949

27 Anm. d. Verf.: Suche über www.google.de, 2009

28 vgl. Deutsches Akademisches Zentrum der Tongji-Universität, Shanghai 2009, http://de.tongji.edu.cn/de

29 vgl. HAWK 2009, www.hawk-hhg.de/ressourcen/154241.php

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenz - Integration chinesischer Studierender in den Studiengang Regionalmanagement & Wirtschaftsförderung an der HAWK
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen
Note
1.7
Autor
Jahr
2009
Seiten
32
Katalognummer
V186676
ISBN (eBook)
9783656996088
ISBN (Buch)
9783656996187
Dateigröße
1014 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
interkulturelle, kompetenz, integration, studierender, studiengang, regionalmanagement, wirtschaftsförderung, hawk
Arbeit zitieren
M. A. Henning Sander (Autor), 2009, Interkulturelle Kompetenz - Integration chinesischer Studierender in den Studiengang Regionalmanagement & Wirtschaftsförderung an der HAWK, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186676

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