Formen asymmetrischer Informationsverteilung und deren mögliche Konsequenzen auf die Auswahl von Mitarbeitern


Hausarbeit, 2003

16 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Asymmetrische Informationsverteilung
2.1 Grundlagen der Principal-Agent-Theory
2.2 Formen asymmetrischer Information mit Ihren Ursachen und Gefahren
2.2.1 Hidden Characteristics
2.2.2 Hidden Intention
2.2.3 Hidden Action

3 Personalauswahl
3.1 Aufgabe und Voraussetzungen der Personalauswahl
3.2 Besonderheiten der Personalauswahl

4 Asymmetrische Information und Personalauswahl
4.1 Mögliche Konsequenzen der asymmetrischen Informationsverteilung auf die Personalauswahl
4.2 Methoden der Personalauswahl zur Verminderung der asymmetrischen Informationsverteilung

5 Schlußbetrachtung

I. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der heutigen Zeit spielen Informationen und ihre effiziente Verwendung bei sämtlichen wirtschaftlichen Aktivitäten eine herausragende Rolle. In der Literatur werden Informationen teilweise sogar als „unternehmerische Ressource schlechthin“1 angesehen. Keinem Wirtschaftssubjekt ist es möglich sämtliche relevanten Informationen zu besitzen, so dass stets Unsicherheiten herrschen. Eine besondere Art der Unsicherheit besteht, wenn einer der Vertragspartner besser informiert ist. In diesem Fall besitzt der besser Informierte einen Vorteil gegenüber seinem Partner.2

In dieser Arbeit soll im Speziellen betrachtet werden, wie sich verschiedene Arten ungleichverteilter Informationen auf die Auswahl von Mitarbeitern auswirken können. Dazu werden in Kapitel 2 zunächst die Grundlagen der Principal-Agent- Theory und der asymmetrischen Information dargestellt. Danach werden die drei häufigsten Formen der asymmetrischen Informationsverteilung erläutert und ihre Ursachen und Gefahren dargestellt. Das dritte Kapitel gibt zunächst die Aufgaben der Personalauswahl und die Voraussetzungen, um sinnvolle Auswahlentscheidungen treffen zu können, wieder. Im Anschluss werden einige Aspekte dargestellt, die zeigen, dass die Personalauswahl eine besonders relevante und informationsintensive Entscheidung ist. Das vierte Kapitel führt das zweite und dritte Kapitel zusammen. Es beschreibt die Konsequenzen asymmetrischer Information auf die Personalauswahl und gibt beispielhaft an, mit welchen Auswahlmethoden darauf reagiert werden kann. Auf die Aussagekraft und die Schwierigkeiten der Methoden wird dabei nicht eingegangen.

2 Asymmetrische Informationsverteilung

2.1 Grundlagen der Principal-Agent-Theory

Die Principal-Agent-Theory befasst sich mit den Kooperationsproblemen aufgrund asymmetrischer Informationsverteilung. Asymmetrische Informationsverteilung liegt immer dann vor, wenn einer der Kooperationspartner (Agent) zum betrachteten Zeitpunkt besser als der andere (Principal) über ein transaktionsrelevantes Merkmal informiert ist. Häufig wird der Principal mit dem Auftraggeber gleichgesetzt und der Agent mit dem Auftragnehmer.3 Es existieren jedoch auch Merkmale, über die der Auftraggeber besser informiert ist (z.B. das Arbeitsumfeld, das den Auftragnehmer erwartet).4 Dieser Fall wird im Folgenden vernachlässigt.

Asymmetrische Information ist vom exogenen Risiko zu unterscheiden. Beim exogenen Risiko liegt zwar Unsicherheit vor, doch keiner der beiden Partner besitzt einen Informationsvorsprung.

Die Informationsasymmetrie kann entweder vor dem Vertragsabschluss (ex ante) oder im Verlauf des Vertragsverhältnisses (ex post) von Bedeutung sein. Des Weiteren kann unterschieden werden, ob das Merkmal, bezüglich dessen Informationsasymmetrie herrscht, vom Agent (kurzfristig) beeinflussbar/ willentlich gestaltbar ist oder nicht (feststehende Merkmale).5

Es wird bei der Principal-Agent-Theory davon ausgegangen, dass sowohl der Agent als auch der Principal die Maximierung ihres Nutzens anstreben. Der Agent empfindet Entlohnung beispielsweise als positiven und Arbeitsanstrengung als negativen Nutzen. Informationsasymmetrien erzeugen Probleme, wenn sie in Kombination mit Interessendivergenzen zwischen Agent und Principal auftreten. Letztlich wird eine Vertragsgestaltung gesucht, bei der der Agent zugleich im Eigeninteresse und im Sinne des Principal agiert.6

Im Folgenden werden die drei häufigsten Formen der asymmetrischen Information (Hidden Characteristics, Hidden Intention und Hidden Action) und deren mögliche Auswirkungen genauer betrachtet.

2.2 Formen asymmetrischer Information mit Ihren Ursachen und Gefahren

2.2.1 Hidden Characteristics

Bei Hidden Characteristics (auch Hidden Information oder Qualitätsunsicherheit genannt) handelt es sich um die asymmetrische Informationsverteilung bezüglich eines feststehenden Verhaltensmerkmals des Agent. Beispiele für feststehende Merkmale sind Qualifikation, Talent und Begabung. Der Principal kann den Agent in diesem Fall ex post weder durch Motivation noch durch Zwang dazu bewegen, sein Verhalten zu ändern. Aus diesem Grund wird ein Zeitpunkt vor Vertragsabschluss betrachtet. Dem Principal bleibt das relevante Verhaltensmerkmal des Agent ex ante verborgen. Der Agent besitzt somit vor Vertragsabschluß einen Informationsvorteil, was es ihm ermöglicht die Informationen selektiv oder verfälscht weiterzugeben. Nach Vertragsabschluss zeigt sich das Verhalten des Agent dem Principal.7

Qualitätsunsicherheit birgt die Gefahr von Marktversagen, wobei von Adverse Selection gesprochen wird. Akerlof (1970) war einer der ersten, der Adverse Selection beschrieben hat. Er bezog sich bei seinen Erläuterungen auf den Gebrauchtwagenmarkt. In diesem Fall ist der Verkäufer (Agent) ex ante besser über den Zustand des Fahrzeuges informiert, als der Käufer (Principal). Da der Käufer den Wert des Wagens nicht kennt, wird er von durchschnittlicher Qualität ausgehen und maximal den durchschnittlichen Preis zahlen. Es entsteht ein Einheitspreis in Höhe des Durchschnittspreises. Der Verkäufer wird nur bereit sein, seinen Wagen zu verkaufen, wenn sein Wert kleiner oder gleich dem Durchschnittswert ist.8 Dies führt dazu, dass Wagen überdurchschnittlicher Qualität nicht mehr angeboten werden, wodurch die Durchschnittsqualität weiter sinkt. Es kommt zu einer Negativauslese, d.h. es werden nur noch schlechte Wagen („lemons“9 ) verkauft. Im Extremfall bricht der Markt zusammen.10

Es existieren folgende Möglichkeiten die Informationsposition des Principal zu verbessern und damit Adverse Selection entgegenzuwirken:

Beim Screening versucht der Principal sich aktiv Qualitätsinformationen zu beschaffen. Er könnte beispielsweise Tests durchführen und versuchen von den Testergebnissen auf das Verhalten der Testperson in anderen Situationen zu schließen.11

Signaling dagegen geht vom Agent aus, welcher dem Principal Informationen zu bestimmten Charaktereigenschaften übermittelt, um den Principal zu beeinflussen. Signale zu übermitteln und zu empfangen kann für beide Seiten mit Kosten verbunden sein.12 Ein Grund dafür Signaling trotzdem durchzuführen, könnte sein, dass der Agent sich dadurch das Zustandekommen des Vertrages erhofft. Ausbildungs- oder Arbeitszeugnisse können dem Signaling dienen.13

Signaling und Screening sind letztlich „opposite sides of the same coin“14, d.h. sie betrachten die Informationsübermittlung einmal aus der Agent-Sicht und das andere Mal aus der Sicht des Principal.15

Eine spezielle Möglichkeit stellt „Self-Selection“16 dar. Hierbei werden dem Agent mehrere Verträge zur Auswahl vorgelegt, die so aufgebaut sind, dass sich das verborgene Verhaltensmuster des Agent aufgrund einer bestimmten Vertragsannahme herauskristallisiert.17

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, den Agent dazu zu bewegen, seinen Informationsvorsprung aus Eigeninteresse nicht gegen den Principal zu verwenden. Hierzu müssen die Interessen der beiden Vertragspartner angeglichen werden. Dies ist bei Versicherungsverträgen beispielsweise über den Selbstbehalt möglich.18

2.2.2 Hidden Intention

Situationen, in denen dem Principal die relevanten Verhaltensmerkmale (z.B. Fairness, Kulanz, Entgegenkommen) des Agent erst nach Vertragsabschluss bekannt werden, bezeichnet man als „Hidden Intention“19. Der Principal ist nach Vertragsabschluss vom (willentlich gestalteten) Verhalten des Agent abhängig. Zu dieser Situation kann es beispielsweise kommen, wenn der Principal eine irreversible Investition in die Kooperation getätigt hat und deren Rentabilität vom Verhalten des Agent bestimmt wird. Nun besteht die Gefahr, dass der Agent die Abhängigkeit opportunistisch ausnutzt (Hold-Up-Gefahr). Voraussetzung dafür ist, dass Vertragslücken bestehen, die dem Agent den Freiraum zu opportunistischem Handeln bieten.

[...]


1 Picot, A./Franck, E., Die Planung der Unternehmensressource Information (I), in: Das WISU, 17. Jg., 1988, S. 544-549, zitiert bei Ragotzky, S., Unternehmensverkauf und asymmetrische Information, 2003, S. 7

2 Ragotzky, S., Unternehmensverkauf und asymmetrische Information, 2003, S. 7 1

3 Vgl. Elschen, R., 1991, S. 1004

4 Vgl. Spence, M., 1973, S. 356

5 Vgl. Spremann, K., 1990, S. 564 ff

6 Vgl. Kleine, A., 1996, S. 28 ff

7 Vgl. Bürkle, T., 1999, S. 24 f

8 Vgl. Spremann, K., 1990, S. 574

9 Akerlof, G. A., 1970, S. 489

10 Vgl. Akerlof, G. A., 1970, S. 489 f

11 Vgl. Bürkle, T., 1999, S. 94

12 Vgl. Bürkle, T., 1999, S. 100

13 Vgl. Picot, A./Reichwald, R./Wigand, R. T., 2003, S. 57

14 Spence, M., 1976, S. 592

15 Vgl. Spence, M., 1976, S. 592

16 Arrow, K. J., The Economics of Agency, in: Pratt, J. und Zeckhauser, R. (Hrsg.), Principals and Agents: The Structure of Business, Boston, 1985, S. 42 zitiert bei Kleine, A., 1995, S.42

17 Vgl. Kleine, A., 1996, S. 42

18 Vgl. Picot, A./Reichwald, R./Wigand, R. T., 2003, S. 57 f

19 Spremann, K., 1990, S. 566

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Formen asymmetrischer Informationsverteilung und deren mögliche Konsequenzen auf die Auswahl von Mitarbeitern
Hochschule
BA Hessische Berufsakademie
Note
1.3
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V186734
ISBN (eBook)
9783869435176
ISBN (Buch)
9783656992974
Dateigröße
616 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
formen, informationsverteilung, konsequenzen, auswahl, mitarbeitern
Arbeit zitieren
Dipl.-Betriebswirtin (BA) und M.A. Gisa Becker (Autor), 2003, Formen asymmetrischer Informationsverteilung und deren mögliche Konsequenzen auf die Auswahl von Mitarbeitern , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186734

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