Zum Verhältnis von Global Cities und Globalisierung der Wirtschaft am Beispiel des globalen Finanzsystems


Hausarbeit, 2008
22 Seiten, Note: 2.3

Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 DER ZUSAMMENHANG VON GLOBAL CITIES UND GLOBALISIERUNG
2.1 ZUM BEGRIFF DER GLOBALISIERUNG
2.2 DIE GLOBAL CITY ALS THEORETISCHES KONZEPT

3 GLOBALISIERUNG AM BEISPIEL DER FINANZMÄRKTE

4 ZUR WECHSELBEZIEHUNG ZWISCHEN GLOBAL CITIES UND GLOBALEM FINANZSYSTEM

5 SCHLUSSTEIL

Literatur

Anhang.

1 Einleitung

„(…) Inside countries, the leading financial centers today concentrate a greater share of national financial activity than even ten years ago, and internationally, cities in the global North concentrate well over half of the global capital market. (…)” (Sassen 2005a, S. 33)

Dieses Zitat von Saskia Sassen demonstriert die bedeutende Rolle der Finanzzentren innerhalb des globalen Finanzsystems. Die Relevanz der unter dem Begriff global cities gefassten Finanzzentren soll in der vorliegenden Abhandlung analysiert werden. Die Leitfrage der Untersuchung lautet also: Welches Verhältnis besteht zwischen global cities und der Globalisierung der Wirtschaft? Der empirische Fokus meiner Analyse liegt auf der Globalisierung der Finanz- und Kapitalmärkte, insofern die Entwicklung der global cities insbesondere mit der Globalisierung des Finanzsektors zusammenhängt.

In Kapitel 2.1 erarbeite ich zunächst die Hintergründe und den aktuellen Forschungsstand in Bezug auf Globalisierungsprozesse. In Kapitel 2.2 lege ich mein Augenmerk auf das theoretische Konzept der global city und die Einbindung der global cities in Globalisierungsprozesse. Kapitel 3 widmet sich dem Phänomen der Globalisierung des Finanzsystems als empirisches Beispiel für den Globalisierungsprozess. In Kapitel 4 führe ich schließlich die theoretischen Ausführungen zum Globalisierungsbegriff und dem Konzept der global city mit dem empirischen Beispiel der Globalisierung der Finanzmärkte zusammen. Im Schlussteil erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Thesen.

2 Der Zusammenhang von Global Cities und Globalisierung

2.1 Zum Begriff der Globalisierung

Der Globalisierungsbegriff wird häufig in einem diffusen Sinn gebraucht. Eine präzise Definition findet sich bei Paul Gans, der Globalisierung folgendermaßen beschreibt:

„(…) Prozess der Intensivierung weltweiter wirtschaftlicher wie auch kultureller und sozialer Beziehungen (…), als zunehmende Integration von Märkten und Produktionssystemen in Folge strategischen Handelns von Akteuren. Globalisierung bedeutet eine Abkehr von Vorstellungen in geschlossenen und voneinander abgrenzbaren Räumen zu leben oder zu handeln. (…)“ (Gans, HWS 2007/2008, S. 3)

Globalisierung bezieht sich also auf unterschiedliche Bereiche, wie etwa die Wirtschaft, Politik oder Kultur; im Bereich der Wirtschaft kommen speziell Märkte, Produktionsprozesse und die Strategie einer Unternehmung in Betracht. So beschreibt Gans beispielsweise die Globalisierung des Wirtschaftssystems als „(…) increasing interdependence between national economies throughout the world (…)“, die Globalisierung von Märkten als „(…) increasing homogenization of consumer tastes and product preferences (…)“, die Globalisierung von Industrien i.S.v. „(…) increasing spatial expansion of the productive process (…)“ und die Globalisierung von Strategien durch „(…) the extent to which an international business configures and coordinates ist strategy globally (…)“. (Gans, HWS 2007/2008, S. 4)

Stefan Krätke untersucht die kulturelle Globalisierung und interpretiert diese als „(…) global proliferation of cultural relations and practices (…)“ (Krätke 2003, S.610), die sich seiner Meinung nach nur geringfügig von Globalisierungsprozessen anderer Gebiete auf dem Industrie- und Dienstleistungssektor unterscheiden.

Eine polit-ökonomische Interpretation von Sassen, verdeutlicht, dass Globalisierung kein einseitiger Prozess ist und sich auf mehreren Ebenen abspielt: „(…) the mix of processes we describe as globalization is indeed producing, deep inside the national state, a very partial but significant form of authority, a hybrid that is neither fully private nor fully public, neither fully national nor fully global. (…)” (Sassen 2005b, S. 526)

Nach David Held bedeutet Globalisierung die Konstituierung von Prozessen, welche die Organisation sozialer Beziehungen und Transaktionen hinsichtlich ihrer geographischen Ausbreitung, ihrer Intensität, ihrer Geschwindigkeit und ihres Wirkungsgrades beinhalten.

Ferner generiert Globalisierung transkontinentale Ströme und Netzwerke von Aktivität und Interaktion, ebenso wie verschiedene Arten der Ausübung von Macht. Ströme bezeichnen bei Held die Bewegung physischer Güter, von Personen, Symbolen und von Information in Zeit und Raum, wobei Netzwerke die strukturierten Interaktionen zwischen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Akteuren und Zentren der Aktivität verkörpern. (vgl. Held et al. 1999, S.16)

Jede Phase in der Geschichte der Weltwirtschaft wirft Fragen bezüglich ihrer Funktionsweise auf. Auf technologischer Ebene ist die Weltwirtschaft heute insbesondere durch hoch spezialisierte Informatiostechnologien gekennzeichnet, was eine enorme Mobilität und Liquidität von Kapital ermöglicht. Grenzüberschreitende ökonomische Prozesse und der damit verbundene Austausch von Kapital, Arbeit, Gütern, Rohstoffen oder Touristen sind nichts neues. (vgl. Brenner, Neil 1999, S.435)

Während der letzten zwanzig Jahre vollzog sich als Folge von Privatisierung, Deregulierung, dem Öffnen nationaler Volkswirtschaften gegenüber ausländischen Firmen und der wachsenden Partizipation von wirtschaftlichen Akteuren in globalen Märkten ein dramatischer Wandel. In diesem neu strukturierten System nehmen Einheiten auf subnationaler Ebene, wie Städte und Metropolregionen, sowie supranationale Einheiten, z.B. global digitalisierte Märkte eine prominente Position neben den Staaten ein. Firmen und Märkte spielen hierbei durch ihre globalen Operationen eine enorm wichtige Rolle. Empirisch lassen sich hier die gewachsene grenzüberschreitende Aktivität im Bereich Mergers & Acquisitions (M&A) anführen, die Entwicklung transnationaler Unternehmens-Netzwerke sowie die steigende Anzahl von Finanzzentren, die in das globale Finanzsystem einbezogen werden.

Ökonomische Prozesse werden von der nationalen bzw. zwischenstaatlichen Ebene auf die globale Ebene gehoben. Global cities, wie New York, London oder Tokyo bilden die Standorte dieser globalen Vernetzung. (vgl. Sassen 2005a, S.27).

Es wird klar, dass Globalisierung ein komplexes soziales Phenomen darstellt, welches hinsichtlich Wirtschaft, Politik und Kultur differenziert interpretiert werden sollte. Globalisierung ist nicht nur ein Prozess der Loslösung geographischer Bindungen, vielmehr handelt es sich um einen Prozess, der Loslösung und gleichzeitige Restrukturierung und Redimensionierung der geographischen Organisation, wobei Staatsgrenzen vorhanden bleiben, jedoch für spezifische Transaktionen und Operationen durchlässig werden.

Die Geographie der Globalisierung der Wirtschaft geht simultan in zwei verschiedene Richtungen. Zum einen herrscht die Dynamik der Ausbreitung und zum anderen die der Zenralisation. Es handelt sich speziell um die Zentralisation von Management- und Kontrollfunktionen als Resultat der Ausbreitung ökonomischer Aktivitäten im räumlichen Sinne und zwar auf städtischer, nationaler und globaler Ebene. Die räumliche und organisatorische Kozentration zentraler Funktionen findet vor allem in Städten und den dortigen wirtschaftlichen Ballungszentren statt. Diese simultane Dynamik ist ein Schlüsselelement in der Architektur des globalen Wirtschaftssystems. (vgl. Sassen 2002, S. 15)

Globalisierung hat also bestimmte „playgrounds“ und wird an ganz bestimmten Orten „vorangetrieben“. Eine besondere Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Zentren der Aktivität in den sogenannten global cities. Fortgeschrittene Internationalisierung und globale Organisation ökonomischer Aktivitäten benötigen die global cities, als Knotenpunkte, um globale Prozesse koordineren und kontrollieren zu können. In wirtschaftlicher Hinsicht, hat Globalisierung ferner nicht nur zur Formation eines weltweiten Netzwerkes industrieller Produktionsstandorte geführt, sondern auch zu einem rapiden Wachstum der globalen Finanzindustrie und internatonal tätiger spezialisierter Dienstleistungsunternehemen.

2.2 Die global city als theoretisches Konzept

Die Verbindung von Globalisierung und städtischer Entwicklung ist Gegenstand zahlreicher Forschungen was unter anderem zur Folge hatte, dass verschiedene Rankings, Hierarchien und Netzwerke von Städten auf globaler Ebene von verschiedenen Autoren definiert wurden. Es entstand das Konzept der „global city“. Der aktuelle Stand der Forschung bezeichnet mit dem Begriff „globalizing cities“, dass in Zukunft mehr und mehr Städte aktiv oder passiv in Globalisierungsprozesse eingebunden werden. Globalisierungsprozesse betreffen in gewissem Maße alle Städte, manche mehr, andere weniger. In diesem Zusammenhang taucht die Frage nach der Grenzziehung und den Kriterien auf, die einer Stadt den Rang der global city verleihen. Im folgenden werde ich dieser Frage nachgehen und das theoretische Konzept der global city analysieren.

Eine wachsende Anzahl von Städten spielt eine zunehmend wichtige Rolle dabei, die nationalen Volkswirtschaften in globale Kreisläufe einzubinden. Die organisationale Architektur einer global city beinhaltet zweierlei: erstens die Kapazitäten für eine enorme geographische Ausbreitung und Mobilität und zweitens eine territoriale Konzentration an Ressourcen, die für das Management und den Service einer solchen Ausbreitung nötig ist. Die Globalisierung des Wirtschaftsystems geht mit einem wachsenden Netzwerk von global cities einher. (vgl. Sassen 2002, S. 13 f.)

Dieser duale Entwicklungsprozess im Rahmen der Globalisierung, gekennzeichnet durch Ausbreitung einerseits und Konzentration andererseits, wird von anderen Autoren auch durch den Begriff „Glocalization“ beschrieben. Glocalization verbindet die Ausbreitungsdynamik mit dem Attribut des Lokalen und verweist zugleich auf die Konzentrationsdynamik des Prozesses. (vgl. Brenner 1999, S. 435)

Die Relevanz von global cities ergibt sich aus ihrer Definition. Im wissenschaflichen Diskurs finden sich Unmengen von Definitionen, die sich je nach Schwerpunktsetzung der Autoren unterscheiden. Neben global city ist häufig die Rede von world city, superville oder informational city.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Zum Verhältnis von Global Cities und Globalisierung der Wirtschaft am Beispiel des globalen Finanzsystems
Hochschule
Universität Mannheim
Note
2.3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V186740
ISBN (eBook)
9783869435114
ISBN (Buch)
9783656992196
Dateigröße
9313 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verhältnis, global, cities, globalisierung, wirtschaft, beispiel, finanzsystems
Arbeit zitieren
Felix Jahn (Autor), 2008, Zum Verhältnis von Global Cities und Globalisierung der Wirtschaft am Beispiel des globalen Finanzsystems, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186740

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