Der rituelle Umgang der Karolinger mit den Päpsten


Magisterarbeit, 2003

113 Seiten, Note: 1.6


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der rituelle Umgang der Karolinger mit den Päpsten
2.1. Das erste Zusammentreffen: Pippin und Papst Stephan II. 754 in Ponthion
2.2. Die Begegnungen zwischen Karl dem Großen und den Päpsten Hadrian I. und Leo III
2.2.1. Karl der Große in Rom: Patriarch und Kaiser
2.2.2. Leo III. in Paderborn: Ein Papst unter Anklage 27 Exkurs: Die Rituale der Kaiserkrönung als Spiegel der Beziehung zwischen den Karolingern und den Päpsten
2.3. Der Papst als Freund oder als Feind? Die Treffen Ludwigs des Frommen mit den Päpsten Stephan IV. und Gregor IV 43 Exkurs: Geschenkaustauch als Ritual bei den Treffen zwischen den Karolingern und den Päpsten
2.4. Das Treffen Ludwigs II. mit Papst Sergius II. 844 in Rom - Eine Kopie der Begegnung Karls des Großen mit Papst Hadrian I.?
2.5. Die Begegnungen Ludwigs II. mit Papst Nikolaus I. 858 in Rom und in Quinto
2.6. Konfliktreiche Begegnungen: Die Treffen Ludwigs II. mit den Päpsten Leo IV. und Nikolaus I. und das Treffen Lothars I. mit Papst Hadrian 1 Rom - Ein Kaiser erobert Rom

3. Zusammenfassung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abkürzungen

1. Einleitung

Mit den Karolingern trat eine Königsdynastie in das Licht der damaligen Weltpolitik, die ihre Vorgänger, die Merowinger, bei weitem in den Schatten stellen sollte. In einer Phase der Schwäche des byzantinischen Kaisertums gelang es ihnen bald, die führende Position in Europa einzunehmen und - zumindest zeitweise - ein Großreich aufzubauen, aus dem dann Frankreich und das deutsche Reich hervorgingen. Dabei bedienten sie sich schon frühzeitig der Hilfe des römischen Papsttums. Diese Verbindung ermöglichte es den Karolinger schließlich, in der Person Karls des Großen das westliche Kaisertum wieder zu begründen, das bis weit in die Neuzeit Bestand haben sollte.

Unter diesen Voraussetzungen ist es von berechtigtem Interesse, die Begegnungen zwischen den fränkischen Herrschern und den Päpsten näher zu betrachten und die bei ihnen durchgeführten Rituale zu untersuchen. Die Fragestellung soll hierbei sein, ob sich Regelhaftigkeiten in den Ritualen der Treffen feststellen lassen und ob sich die politischen Begebenheiten der Zeit in ihnen widerspiegeln. Gab es Unterschiede im Zeremoniell, je nachdem wer der Gast bzw. der Gastgeber war? Kann man an den Ritualen ablesen, wer zur jeweiligen Zeit die dominierende Person war? Wer von wem etwas forderte oder erwartete? Spiegeln sich etwaige Spannungen darin wider?

Zur Beantwortung dieser Fragen sollen zunächst die jeweiligen historischen Hintergründe geschildert werden. Dann soll anhand der relevanten Quellentexte das Zeremoniell der Zusammentreffen dargestellt werden. Aufgrund der Quellenlage kann dabei leider nicht auf jedes Zusammentreffen zwischen den Karolingern und den Päpsten eingegangen werden. Treffen, bei denen vom Zeremoniell nur berichtet wird, der jeweilige Gast sei ,ehrenvoll empfangen worden’, müssen bei der Betrachtung außer Acht gelassen werden. Auch sollen nur Rituale berücksichtigt werden, die beim persönlichen Zusammentreffen der Karolinger mit den Päpsten durchgeführt wurden. Anhand des Quellenmaterials wird dabei vor allem das Empfangszeremoniell im Vordergrund stehen, da von den oft wochen- oder sogar monatelangen

Zusammenkünften nur wenig, von den Ritualen des Abschieds meist gar nichts berichtet wird.

Eine wichtigte Quelle zur Beantwortung der Fragestellung ist das Liber Pontificala, eine Kompilation aus zeitgenössischen Papstviten. Leider fallt diese Quelle für die Spätzeit der Karolinger völlig weg, die Treffen sind dann nur noch aus fränkischer Sicht beschrieben. Die Hauptquellen neben dem Liber Pontificalis sind die Werke der fränkischen Annalistik, vor allem die Annales regni Francorum mit ihren jeweiligen west- und ostfränkischen Nachfolgewerken, den Annales Bertiniani und den Annales Fuldenses, sowie die Annales Mettenses Priores. Für die Zeit Ludwigs des Frommen sind die beiden Königsviten des Thegan (Gesta Hludowici imperatoris) bzw. des Astronomus (Vita Hludowici imperatoris) heranzuziehen. Schließlich bieten auch zwei panegyrische Werke, das sogenannte Karlsepos (De Karolo rege et Leone papa) und das Lobgedicht auf Ludwig den Frommen des Ermoldus Nigellus (In honorem Hludowici libri IV), wichtige Hinweise auf die Rituale der Zusammentreffen. Bei all diesen Quellen muss natürlich berücksichtigt werden, dass sie ihre Sicht der Dinge wiedergeben, sozusagen ,ihrer Seite’ verpflichtet waren. Es bleibt daher immer zu bedenken, ob Handlungen und Rituale eingeschoben oder verschwiegen wurden, um den jeweiligen Protagonisten in einem möglichst guten Licht darzustellen.

Für die Darstellung der historischen Hintergründe wurde auf die einschlägige Literatur zurückgegriffen. Speziell zum Thema ,Papst-Kaiser- Treffen’ lag die ausführliche Arbeit von A. Hack, „Das Empfangszeremoniell bei mittelalterlichen Papst-Kaiser-Treffen“, zugrunde, sowie Aufsätze und Monographien zum Verhältnis zwischen den fränkischen Herrschern und dem Papsttum. Hingewiesen sei hier auch auf die demnächst erscheinende Monographie von G. Althoff, „Macht der Rituale“, in der ebenfalls auf den rituellen Umgang der Karolinger mit den Päpsten eingegangen wird.

2. Der rituelle Umgang der Karolinger mit den Päpsten

2.1. Das erste Zusammentreffen: Pippin und Papst Stephan II. 754 in Ponthion

Gleich das erste Zusammentreffen eines Karolingers mit einem Papst liefert eine Reihe Rituale, deren Betrachtung vor allem vor dem politischen Hintergrund interessant ist. Das Treffen des ersten karolingischen Königs Pippin mit Papst Stephan II. 754 in Ponthion ist auch dahingehend aufschlussreich, als darüber sowohl fränkische als auch römische Quellen berichten, was leider eine Ausnahme darstellt.

Diese Begegnung war in der Tat denkwürdig, denn sie führte zum ersten Mal einen Papst über die Alpen in den Norden. Doch zunächst soll die Vorgeschichte betrachtet werden, ohne die ein Verständnis der Rituale des Zusammentreffens nicht möglich ist.

Dem Karolinger Pippin war es 751 in einer Art ,Staatsstreich’ gelungen, den letzten Merowingerkönig vom Thron zu verdrängen und an seiner Stelle - sozusagen offiziell - die Macht zu übernehmen. Die Karolinger hatten als Hausmeier schon lange die eigentliche Macht innegehabt, doch vor Pippins Umsturz war es ihnen nicht gelungen, die nur noch nominell den Thron innehabenden Merowinger ganz zu verdrängen und selbst das Königtum zu übernehmen.[1]Bei diesem Staatsstreich ist die Rolle des Papstes nicht ohne Bedeutung. Denn Pippin wandte sich mit einer wichtigen Anfrage an den Papst:

Bischof Burkhard von Würzburg und der Kaplan Folrad wurden zu Papst Zacharias gesandt, um wegen der Könige in Francien zu fragen, die damals keine Macht hatten, ob das gut sei oder nicht. Und Papst Zacharias gab Pippin den Bescheid, es sei besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht habe, statt den, der ohne königliche Macht blieb. Um die Ordnung nicht zu stören, ließ er kraft seiner apostolischen Autorität den Pippin zum König machen.[2]

Warum Pippin diese Anfrage an den Papst stellte, ist in der Forschung nicht eindeutig beantwortet[3]. Die meisten Historiker neigen zu der Ansicht, Pippin habe eine Absicherung seiner Handlungsweise benötigt, da dem Merowingerkönigtum auch ein sakraler, charismatischer Bestandteil anhaftete, der nichts mit den eigentlichen Machtverhältnissen zu tun gehabt habe und der zu dem langen Zögern der Karolinger, den Thron endgültig zu besteigen, geführt habe.[4]Andere zweifeln die Bedeutung eines solchen Sakralkönigtums an und sehen die Ursachen für die karolingische Anfrage an den Papst in den Rivalitätskämpfen unter den fränkischen Großen, die die Merowingerkönige wie Marionetten für ihre eigenen Interessen einsetzten. Pippin habe daher seine guten Beziehungen zum Papsttum dazu genutzt, sich einen Machtvorsprung zu sichern.[5]Auch wie Papst Zacharias seine ,Einmischung’ in die Intema des Frankenreiches wertete, ob er sich damit einen zuverlässigen Bundesgenossen sichern wollte, lässt sich allenfalls vermuten.[6]Ausschließen kann man allerdings wohl, dass Pippin nur aufgrund „seiner apostolischen Autorität“ zum König der Franken gekrönt wurde, wie es die Reichsannalen berichten.[7]Man kann sicherlich davon ausgehen, dass diese Entscheidung bereits gefallen war und die Anfrage an den Papst nur noch der Bestätigung und Festigung des karolingischen Königtums diente.

Wie dem auch sei, in der Handlungsweise Pippins spiegeln sich auf jeden Fall die guten Beziehungen wider, die die Karolinger zu den Päpsten aufgebaut hatten, denn der Franke hätte sicherlich nicht den Papst mit einbezogen, wenn er von diesem eine abschlägige Antwort befürchtet hätte. Und auch für die Autorität, die das Papsttum inzwischen im Frankenreich genoss, ist diese Episode ein eindeutiges Indiz. Denn wenn die Entscheidung des Papstes auch nicht unbedingt ausschlaggebend war, so ist die Unterstützung, die sie für Pippins Königtum darstellte, doch nicht zu unterschätzen, was sich auch am Niederschlag in den Quellen zeigt.[8]

Aber man kann das Geschehen auch durchaus richtungsweisend sehen, da „Pippin (...) aufgrund der Vorgänge von 750/751 sein weiteres Schicksal stark an das der Kirche gebunden [hatte und er sich] (...) einem möglichen politischen Hilferuf des Papstes wohl kaum mehr auf jene unverbindliche Weise entziehen [konnte], wie noch sein Vater Karl Martell 739/40 gegenüber Gregor III.“[9]. Karl Martell hatte damals ein Eingreifen zugunsten des Papstes in dessen Konflikt mit den Langobarden abgelehnt, da der Franke die guten Beziehungen zu diesen nicht gefährden wollte.[10]Auch Pippin sollten diese freundschaftlichen Beziehungen noch einige Schwierigkeiten bereiten.

Die Lage in Norditalien hatte sich seit Papst Gregors Hilfeersuchen keineswegs entspannt. Der Langobardenkönig Aistulf betrieb eine überaus aggressive Politik gegenüber Ravenna und Rom. 751 hatte er Ravenna erobert, womit eine der wichtigsten Bastionen des oströmischen Reiches in Italien gefallen war und sozusagen das Ende der byzantinischen Herrschaft gekommen war.[11]Und obwohl damit zu rechnen war, dass Aistulf bald Rom angreifen würde, griff der byzantinische Kaiser Konstantin V. militärisch nicht ein[12]. So sah sich Papst Stephan II., als Aistulf die Herrschaft über Rom beanspruchte und Tribute forderte, gezwungen, sich um Hilfe erneut nach Norden zu wenden. Damit vollzog der Papst, wie H. K. Schulze ausführt, „(...) eine Wende (...), die weltgeschichtliche Bedeutung gewinnen sollte - die Abkehr von dem aus spätantiken Traditionen lebenden oströmisch-griechischen Kaisertum und die Hinwendung zu der aufstrebenden Großmacht nördlich der Alpen.“[14]

Es kam zu ersten Verhandlungen mit Pippin und Papst Stephan beschloss, ins Frankenreich zu reisen, um dort die Lage Roms besprechen.[15]Pippin ging auf den Vorschlag Stephans ein und sandte zwei Vertraute, Chrodegang von Metz und den dux Autchar nach Rom, um die Papstreise vorzubereiten. Stephan reiste zunächst nach Pavia, um der Aufforderung Kaiser Konstantins V. nachzukommen, König Aistulf zur Rückgabe Ravennas zu bewegen.[16]Doch als dies erfolglos blieb, brach er endgültig zur Reise über die Alpen auf. Damit überschritt zum ersten Mal in der Geschichte ein Papst die Alpen.

Im Benediktinerkloster Saint-Maurice d’Agaune im Wallis wurde der Papst von Abt Fulrad von Saint-Denis, einer führenden fränkischen Persönlichkeit, empfangen, der ihn weiter durch Burgund nach Neustrien geleitete. Pippin selbst erwartete Papst Stephan II. in Ponthion, einer Königspfalz südöstlich von Chalons-sur-Marne, tief im Herzen des Frankenreiches.

Über das dortige Treffen berichten, wie erwähnt, mehrere Quellen, sowohl aus fränkischer als auch aus päpstlicher Sicht. Der Fortsetzer des sog. Fredegar, eine Quelle, die man mit Recht als Familienchronik der Karolinger bezeichnen kann[17], berichtet Folgendes:

Der König selbst kam durch den Ardennenwald und hielt sich eben in dem Königshof Diedenhofen an der Mosel auf, als ein Bote zu ihm kam mit der Nachricht, dass der Papst Stephan aus Rom mit großem Gefolge und vielen Geschenken den Großen St. Bernhard schon überschritten habe und sich beeile, ihn zu treffen. Als der König das hörte, befahl er, ihn mit Jubel, Freude und großer Sorgfalt aufzunehmen und trug seinem Sohn Karl auf, ihn zu geleiten. Dort trat der römische Papst Stephan vor den König und beschenkte sowohl den König selbst als auch die Franken mit vielen Gaben und bat ihn um Hilfe gegen das Volk der Langobarden und ihren König Aistulf, daß er sich mit seiner Unterstützung ihrer Unterdrückung und Hinterlist entledigen und sich aus ihren Händen befreien könne und daß diese aufhörten, Abgaben und Geschenke zu fordern, die sie gegen die Ordnung des Gesetzes von den Römern verlangten.[18]

Der Autor dieser Quelle berichtet leider wenig über die Rituale des Treffens, erwähnt nur das Geleit durch den Königssohn Karl und die Geschenke, die der Papst den Franken mitbringt. Dafür bestätigt er aber die Gründe Stephans für die Zusammenkunft mit Pippin.

Ausführlicher auf das Zeremoniell des Treffens gehen die beiden folgenden Quellen ein, die wohl zeitgenössische Vita Stephani des Liber Pontificalis, die nicht lange nach dem Tode des Papstes im Umkreis von dessen Bruder und Nachfolger Paul I. entstand[19]und die sog. Älteren Metzer Annalen, die wohl 805 im Kloster Chelles entstanden, als dort die Schwester Karls des Großen, Gisela, Äbtissin war[20]. Im Liber Pontificalis wird berichtet:

Als der König von der Ankunft des seligen Papstes erfuhr, reiste er ihm in größter Eile entgegen, zusammen mit seiner Frau, seinen Söhnen und dem Adel. Seinen Sohn Karl mit einigen Adligen schickte er dem engelsgleichen Papst etwa 100 Meilen entgegen. Er selbst empfing bei seiner Pfalz an dem Ort, der Ponthion heißt, den allerseligsten Papst, indem er etwa drei Meilen vor der Pfalz vom Pferd stieg und sich in großer Demut zusammen mit seiner Frau, seinen Söhnen und den Adligen zu Boden warf. Dann lief er wie ein Marschall eine Strecke weit neben dem Sattel des Papstes. Dieser erhabene Mann sang darauf mit seinem ganzen Gefolge laut dem allmächtigen Gott das Gloria und unaufhörliche Lobgesänge; unter Hymnen und geistlichen Liedern langte er mit dem genannten König bei der erwähnten Pfalz an, am 6. Januar, dem heiligsten Feste der Erscheinung des Herrn Gottes, unseres Heilandes Jesu Christi. Sie setzten sich zusammen in das Bethaus, und alsbald bat der seligste Papst den genannten allerchristlichen König unter Tränen, er möge durch ein Friedensbündnis die Sache des seligen Petrus und des Staates der Römer ordnen. Dieser befriedigte sofort den seligsten Papst durch einen Eid, allen Anweisungen und Mahnungen des Papstes mit allen Kräften zu gehorchen und auf jeden Fall ihm, wie er es wollte, den Exarchat von Ravenna sowie den Staat [der Römer] seine Rechte und Gebiete zurückzugeben.[21]

Die Vita Stephani liefert eine Bestätigung für die Angaben des Fredegar Fortsetzers, führt das Zeremoniell aber weiter aus. Wichtig ist die Beschreibung des eigentlichen Empfangs, die jedoch einige Ungereimtheiten aufweist. Der Autor berichtet, dass Pippin von seinem Pferd gestiegen sei und sich zusammen mit seiner Familie und den Großen des Landes vor dem Papst zu Boden warf, also die so genannte Proskynese [22]leistete, und anschließend das Pferd des Papstes eine Strecke führte, den Strator-Dienst leistete. Um die Proskynese entgegen nehmen zu können, hätte der Papst jedoch eigentlich erst vom Pferd steigen müssen, um dann, für die Leistung des Strator-Dienstes, wieder aufzusteigen. Dieses erscheint doch sehr unwahrscheinlich[23]. Die andere Möglichkeit, dass Pippin und die Großen die Proskynese vor dem auf dem Pferd sitzenden Papst geleistet haben, ist ebenfalls wenig wahrscheinlich. Man muss wohl davon ausgehen, dass der Autor hier den Ablauf der Ereignisse durcheinander gebracht hat. Dies spricht aber nicht dagegen, dass die erwähnten Rituale beim Treffen zwischen Papst und König durchgeführt wurden, denn sie stellten im Repertoire der Herrscherzusammenkünfte keine Novitäten dar. Bereits für das 7. Jahrhundert ist bezeugt, dass vornehme Römer als stratores laici dem Papst den Zügeldienst zu erweisen pflegten. 742 hat anscheinend auch der Langobardenkönig Liutprand dem Papst als Strator gedient. Der Fußfall Pippins findet sein Vorbild wahrscheinlich im byzantinischen Hofzeremoniell bzw. in der Adoration, die die oströmischen Kaiser dem Papst zuteil werden ließen[24]. Allerdings wird in der Forschung auch ein Zusammenhang mit dem Constitutum Constantini, der sog. Konstantinischen Schenkung, für möglich gehalten[25]. In dieser wohl berühmtesten aller mittelalterlichen Fälschungen, mit der angeblich Kaiser Konstantin dem römischen Stuhl den Primat über alle anderen Kirchen verliehen, dem Papst seinen Besitz und auch den Lateranpalast übergeben und schließlich noch den Päpsten über ganz Italien und den Westen Macht und Befehl übertragen habe[26],wird nämlich auch der Stratordienst des Kaiser für den Papst erwähnt:

Wir haben die Zügel seines [des päpstlichen] Pferdes gehalten und diesem [dem Papst] aus Ehrfurcht vor dem seligen Petrus den Stratordienst erwiesen.[27]

Es ist sicher denkbar, dass diese Urkunde bei den Verhandlungen bezüglich der Reise Papst Stephans II. 754 in den Norden eine Rolle gespielt hat und mit Verweis darauf auch von König Pippin der Stratordienst gefordert wurde. Und was ein großer Kaiser aus Ehrfurcht vor Petrus und der Kirche geleistet hatte, konnte ein fränkischer König wohl kaum verweigern. Problematisch ist nur, dass man nicht weiß, wann das Constitutum Constantini entstanden ist. Sein Entstehungszeitpunkt wird zwar im 8. Jahrhundert vermutet, es ist aber nicht sicher, dass es zum Zeitpunkt der Begegnung Pippins mit Papst Stephan II. schon existierte.

Auch darf man seine Bedeutung im Zusammenhang mit dem Stratordienst in diesem Zusammenhang nicht überschätzen. Der Stratordienst war allem Anschein nach durchaus ein üblicher Ritualbestandteil. Es ist daher nicht verwunderlich, dass er von Pippin gefordert wurde. E. Eichmann nimmt in diesem Zusammenhang sogar an, dass erst Pippins Bereitwilligkeit, den Stratordienst zu leisten, zu dessen Einfügung in das Constitutum Constantini geführt habe.[28]

Für das Zusammentreffen zwischen Pippin und Papst Stephan II. wurden somit bekannte Formen übernommen. Über die Bedeutung der hier geschilderten Rituale können kaum Zweifel aufkommen. In der Forschung wird die Handlungsweise Pippins z.T. als Unterordnung des Königs unter den Papst im Rahmen eines Lehnsverhältnisses gedeutet. Der Marschall- und Stratordienst war ja auch eine vasalitische Pflicht des Lehnsmannes gegenüber seinem Lehnsherrn[29]. Doch diese Handlungen sind hier wohl vor allem als Ehrungen anzusehen, die den „hohen wie geistlichen Rang des päpstlichen Besuches bekunden sollten“[30]. Auch W. Fritze führt aus, dass dem Fußfall des Königs vor dem Papst und dem Stratordienst „(...) sehr wahrscheinlich (...) eine rechtliche Bedeutung überhaupt nicht zukam (...) Offenbar war der Sinn des Dienstes lediglich der einer Demonstration der Ehrerbietung des Königs vor dem Haupte der universalen Kirche. Entsprechendes dürfte auch für die fußfällige Adoration gelten. Sie ist offensichtlich der oströmischen Adoration (Proskynese) des Kaisers nachgestaltet und bekundet somit, welch hohen Rang Pippin dem Papst zuzuerkennen bereit war.[31]“ Somit spiegelt der Bericht der Vita Stephani vor allem die hohe Wertschätzung des fränkischen Königs gegenüber dem Papst wider, im Grunde sogar eine bereitwillig Unterordnung des fränkischen Königs unter den Papst.

Ein anderes Bild vermittelt der Bericht der Älteren Metzer Annalen. Dort heißt es:

Dort wurde der Papst von König Pippin ehrenvoll empfangen. Viele Geschenke spendete er dem König und auch seinen Großen. Am folgenden Tag warf er sich zusammen mit seinem Gefolge in Sack und Asche auf die Erde und beschwor den König Pippin bei der Gnade des allmächtigen Gottes und der Macht der seligen Apostel Petrus und Paulus, dass er ihn selbst und das römische Volk aus der Hand der Langobarden und des anmaßenden Königs Aistulf Knechtschaft befreie. Und nicht eher wollte er sich von der Erde erheben, als bis ihm König Pippin mit seinen Söhnen und den Großen der Franken die Hand reichte und ihn selbst zum Zeichen des künftigen Bündnisses und der Befreiung von der Erde aufhob.[32]

Das hier beschriebene Verhalten des Papstes ist wirklich außergewöhnlich, um nicht zu sagen einmalig in der Geschichte des Papsttums. Die ältere Forschung deutete diese Szene dahingehend, dass Pippin den Papst damit in seine Schutzherrschaft aufgenommen habe bzw. der Papst sich dem fränkischen König kommendiert, d. h. in dessen herrschaftliche Abhängigkeit begeben habe[33]. Doch diese These ist inzwischen widerlegt.[34]Sich in ,Sack und Asche’ zu Boden zu werfen findet sich im Laufe des Mittelalters häufig im Rahmen der deditio bei der Konfliktbeseitigung[35]. Doch davon kann hier nicht die Rede sein. Dass sich der Papst zu dieser demütigenden Handlung genötigt sah, zeigt deutlich, dass er sich sehr wahrscheinlich in einer verzweifelten Situation befand. Man könnte vermuten, der Papst habe durch diese drastische Aktion verhindern wollen, dass auch Pippin sich um eine aktive Hilfeleistung gegen die Langobarden herumdrückte, wie dies schon 739/40 Karl Martell getan hatte. Der Papst wählte auf diese Weise allerdings das extremste Mittel, um den König zur Hilfe zu bewegen. Es kam selten vor, dass eine so hochstehende Persönlichkeit sich auf diese Weise vor Gleich­oder auch Niederrangigeren erniedrigte - im Falle des Papstes nie wieder - und wenn es geschah - wie spätere Beispiele zeigen -, dann um sein Gegenüber sozusagen zu zwingen, der Bitte folge zu leisten.[36]Auch fühlt man sich bei der Handlungsweise des Papstes an einen Bußgang erinnert. So hatte ja auch Papst Stephan II., nachdem ihm Byzanz keine Hilfe gegen die Langobarden leisten konnte, in Rom Prozessionen abhalten lassen, um Gottes Hilfe gegen die Bedrohung durch die Langobarden zu erflehen, die man als Strafe Gottes ansah. An diesen Prozessionen hatte er selbst, barfuß, mit Asche auf dem Haupt und eine Christusfigur tragend, teilgenommen[37]. Sein Verhalten in Ponthion ähnelt diesen Handlungen und sie könnten durchaus als Vorbild gedient haben.[38]

Man mag angesichts der dramatischen und einmaligen Handlungsweise des Papstes den Bericht der ca. 50 Jahre nach den Ereignissen verfassten Metzer Annalen anzweifeln. Doch erscheint es noch unwahrscheinlicher, dass der unbekannte Verfasser dieses Geschehen erfunden haben soll[39]. Auch widersprechen sich die beiden wichtigsten Quellen nicht, denn sie berichten ja von den Ereignissen an zwei aufeinander folgenden Tagen. So formuliert E. Casper sicher zutreffend: „Beide Berichte, so verschieden das Bild ist, das sie darbieten, widersprechen sich nicht. Sie können nebeneinander bestehen, und keiner von beiden ist als unglaubwürdig abzuweisen. Vielmehr sind die beiden verschiedenartigen Zeremonien (...) ein treffliches Symbol für die Eigenart der beiden Kontrahenten und ihrer Beziehung zu einander. Tatsächlich war der Papst derjenige, der Hilfe und Schutz suchte; daher die Szene am Tage nach der Ankunft. Aber andererseits hat der König ihm beim ersten Zusammentreffen die kniefällige Ehrerbietung erwiesen, die ihm als Vikar des h. Petrus gebührte.“[40]Auffallend ist, dass jede Quelle die , demütigenden’ Handlungen des ihr nahestehenden Protagonisten verschweigt. Es ist also durchaus anzunehmen, dass sich das Treffen zwischen Pippin und Papst Stephan II. insgesamt so abgespielt hat, wie es die Quellen beschreiben.

Wenn man den Bericht der Metzer Annalen als glaubhaft betrachtet, stellt sich die Frage, ob auch das Verhalten des Papstes vorher abgesprochen war. Beim Empfangszeremoniell durch Pippin ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass es in vorherigen Verhandlungen abgesprochen worden ist. Aber auch bei den Ritualen des zweiten Tages kann man kaum annehmen, dass der Papst den König überraschte. Denn wäre dies der Fall gewesen, hätte es für Pippin eine überaus unangenehme Situation bedeutet. Zum einen hätte er, wie ausgeführt, dem Papst seine demütig vorgetragene Bitte nicht einfach abschlagen können. Auf der anderen Seite war er aber auch sicher nicht in der Position, einfach eine endgültige Zusage zu erteilen, ohne sich der Zustimmung seiner Großen sicher zu sein. Wie sich zeigen sollte, stieß er ja auch mit seinen Italienplänen durchaus auf Widerstand.[41]Man kann wohl davon ausgehen, dass zumindest eine gewisse Einigung über ein Eingreifen Pippins in Italien voraus gegangen war, auch wenn noch weitere Verhandlungen folgten[42]. Das Verhalten des Papstes diente dann vor allem dazu, die Verzweiflung seiner Situation noch zu verdeutlichen und öffentlich zu machen. Somit zeigt sich in den Ritualen des Treffen von 754 ganz deutlich die politische Situation der Zeit: Die Ehrerbietung, die das neue Königtum der Karolinger dem Papsttum entgegenbrachte und die verzweifelte Situation des Papstes, der dringend der Hilfe eben dieser Karolinger bedurfte.

Vor allem die Geschehnisse, die die Metzer Annalen schildern, stellen eine perfekte Inszenierung dar. Der Papst und sein Gefolge in Sack und Asche als Sinnbild für das von den Langobarden bedrohte Papsttum, Pippin und die Franken als die - erhofften - Retter, die diesem die Hand reichen, ihm wieder aufhelfen und damit gleichzeitig die erbetene Hilfe versprechen. Festzuhalten bleibt aber, dass die verbindlichen Abmachungen zwischen Papst Stephan II. und Pippin höchst­wahrscheinlich - wenigstens teilweise - schon vorher ausgehandelt worden waren und die Rituale des Zusammentreffens diese symbolisierten und sozusagen öffentlich - damit aber auch verbindlich - machten. Über das endgültige Vorgehen wurde dann wohl im Folgenden verhandelt und die Verbindung zwischen dem Papsttum und den Karolingern wurde durch die vom Papst vorgenommene Krönung Pippins und die Verleihung des Titels eines patricius Romanorum weiter gefestigt.[43]

2.2. Die Begegnungen zwischen Karl dem Großen und den Päpsten Hadrian I. und Leo III.

Unter Pippins Sohn, Karl dem Großen, wurden die Beziehungen zwischen dem fränkischen König und dem Papsttum noch intensiver. Im Zeitraum von 774 bis 800 traf Karl sich viermal in Rom mit den Päpsten Hadrian I. und Leo III., und Papst Leo III. reiste zweimal über die Alpen, um dort mit dem Franken zusammen zutreffen. Leider ist nur gut die Hälfte dieser Treffen in den Quellen ausführlich beschrieben.

Wenn man die Treffen Karls mit den beiden Päpsten betrachtet, so empfiehlt es sich, neben der Untersuchung der einzelnen Zusammentreffen, die beiden Zusammenkünfte Karls mit Hadrian I. 774 und Leo III. 800 in Rom in Bezug auf das Zeremoniell miteinander zu vergleichen. Denn 774 kam Karl als fränkischer König nach Rom, in der Rolle des Patriarchen, während er 800 dort zum Kaiser gekrönt werden sollte, ein entscheidender Moment für die Geschichte des europäischen Mittelalters.

2.2.1. Karl der Große in Rom: Patriarch und Kaiser

Unter dem Pontifikat Hadrians I. zog Karl der Große dreimal - 774, 781 und 787 - nach Rom. Dies war unter anderem dadurch begründet, dass er die fränkischen Bemühungen in Italien intensivierte. Seit der Eroberung Ravennas versuchte das Langobardenreich beständig, seinen Machtbereich auszudehnen. Daran versuchten sie die Franken jedoch seit Pippins Eingreifen zu hindern. Der Papst stand zwischen diesen beiden Mächten, häufig auch noch zusätzlich durch stadtrömische Konflikte bedrängt. Aus diesem Grund versuchte er auch, ein Zusammenkommen der Franken mit den Langobarden, das durch die Heirat Karls des Großen mit einer Tochter des Langobardenkönigs Desiderius möglich schien, zu verhindern.[44]Doch es sollte anders kommen.

Als 771 plötzlich Karls Bruder und Mitkönig Karlmann starb und Karl nach der Alleinherrschaft griff, sah der Langobardenkönig seine Chance und machte sich zum Fürsprecher der Thronansprüche der Söhne Karlmanns, die mit ihrer Mutter an seinen Hof geflohen waren. Dabei verstärkte er seinen Druck auf Rom.[45]Er verlangte von Papst Hadrian I., die Karlmann Söhne zu Königen zu salben. Doch Hadrian I. weigerte sich und rief Karl den Großen zu Hilfe. Dieser zögerte auch nicht, dem Papst zur Hilfe zur eilen, ging es doch hier auch um seine ureigensten Interessen, da er nicht dulden konnte, dass der Papst dem Drängen Desiderius’ doch noch nachgäbe und die beiden Söhne zu Königen - und damit zu Konkurrenten um den fränkischen Thron - salbe. Somit hatte Karl der Große in Grunde gar keine andere Möglichkeit, als nach Italien zu ziehen und die Sache endgültig zu regeln, anders als sein Vater und Großvater.[46]Daher zog er 773 gen Italien und begann die Belagerung Pavias[47]. Doch dabei erzielte er längere Zeit keine nennenswerten Erfolge, so dass er sich - anscheinend ziemlich spontan - entschloss, nach Rom weiter zu ziehen und dort Ostern zu feiern. Diese Entscheidung scheint für Papst Hadrian I. sehr überraschend gekommen zu sein. „Zum Erschrecken des Papstes tauchte er überdies am Karsamstag 774 in Rom auf, als in Italien regierender Herrscher nun mit ganz anderem Nachdruck das Amt des Schutzherren der Römer, des patricius Romanorum, übernehmend. Das konnte Hadrian nicht gefallen, der doch Rom herrscherfrei haben wollte. Aber angesichts der Verhältnisse hatte er wohl keine Wahl und beeilte sich, Karl zeremoniell zu empfangen.“[48]

Von diesem Zusammentreffen berichtet ausführlich der Liber Pontificalis:

Als der König der Franken sechs Monate in Pavia bei der Belagerung der Stadt gewesen war, wollte er das Heim der Apostel besuchen und da sich das heilige Osterfest näherte, nahm er viele Bischöfe, Äbte, Richter, Grafen und grafiones mit vielen Soldaten und kam durch Tuscien nach Rom. Seine Reise war so schnell, dass er schon am Ostersamstag erschien. Als Papst Hadrian vernahm, dass der König der Franken so plötzlich heranziehe, wurde er fast überwältigt von Staunen und schickte sämtliche Richter etwa 30 Meilen weit ihm entgegen an den Ort, der Novae hieß, wo sie ihn mit dem Banner empfingen. Und als er sich ungefähr bis auf einen Meilenstein Rom genähert hatte, schickte er alle scholae der Miliz mit ihren Befehlshabern, zusammen mit den patroni und allen Kindern, die gerade erst mit dem Lernen ihrer Lektionen begonnen hatten, welche Palm- und Ölzweige trugen und unter dem Gesang von Lobliedern und jauchzend den König der Franken empfingen. Auch ließ der Papst, wie es bei dem Empfang des Exarchen oder des Patricius Sitte ist, dem König die Zeichen des heiligen Kreuzes entgegentragen und ihn mit der höchsten Auszeichnung empfangen. Karl selbst aber, der große König der Franken und Patricius der Römer, stieg, als er die heiligen Kreuze und Standarten sah, von seinem Pferd ab und machte sich so mit seinen Großen zu Fuße auf den Weg nach St. Peter. Der heilige Vater aber stand schon am Morgen des heiligen Samstags auf und eilte mit seinem ganzen Klerus und dem römischen Volk nach St. Peter, um den Frankenkönig zu empfangen, und auf den Stufen zu der Kirchenhalle erwartete er ihn mit seinem Klerus.

Als aber Karl kam, küsste er die einzelnen Stufen der Kirche und kam so zu dem Papste, der oben neben der Vorhalle neben der Pforte der Kirche stand. Sie umarmten sich, dann ergriff Karl die rechte Hand des Papstes. So traten sie unter Lobgesängen auf Gott und den König in die Peterskirche ein, und der ganze Klerus und alle Diener Gottes riefen mit lauter Stimme: Gelobet sei der da kommt im Namen des Herrn! Darauf begaben sich mit dem Papst der Frankenkönig und alle seine Begleiter zu dem Grabe des heiligen Petrus; dort fielen sie nieder, beteten zu dem allmächtigen Gott und dem Apostelfürsten und priesen die göttliche Macht, weil die ihnen auf Fürbitten des Apostelfürsten einen solchen Sieg verliehen habe. Nachdem dieses Gebet zu Ende war, bat der Frankenkönig den Papst um die Erlaubnis, nach Rom gehen und in den verschiedenen Kirchen seine Andacht verrichten zu dürfen. Und beide, der Papst und der König mit den römischen und fränkischen Großen, stiegen zusammen hinab zu dem Sarge des heiligen Petrus und schworen sich gegenseitig Treue; darauf zog der König mit dem Papst, seinen Großen und dem Volke am selbigen heiligen Sabbath in Rom ein. Und sie begaben sich in die Kirche des Heilands bei dem Lateran, und hier blieb der König mit den Seinigen, so lange der Papst das Sakrament der heiligen Taufe spendete. Dann ging er in die Peterskirche zurück.

In der Frühe des andern Tages, am heiligen Osterfeste, schickte der Papst alle Beamte und die ganze Miliz zum König: und er wurde mit großer Ehre empfangen und mit seinem ganzen Gefolge in die Kirche der heiligen Mutter Gottes zur Krippe geleitet. Und nachdem das Messopfer verrichtet war, begab er sich mit dem Papste in den Lateran; dort speisten sie an der päpstlichen Tafel. Am Tage darauf feierte der Papst abermals in der Peterskirche das Messopfer und ließ das Lob Gottes und Karls, des Frankenkönigs und Patricius der Römer, verkünden. Auch am dritten Tag las er, wie es Sitte ist, in der Paulskirche die Messe vor dem König.

Am vierten Wochentage aber zog der Papst mit den Hofbeamten und städtischen Beamten in die Peterskirche hinaus, um sich mit dem König zu unterreden, und drang beharrlich und beständig in ihn und ermahnte ihn mit väterlicher Liebe, jenes Versprechen vollständig zu erfüllen, das sein Vater Pippin und Karl selbst mit seinem Bruder Karlmann und alle fränkischen Großen dem seligen Petrus und seinem Stellvertreter, dem Papst Stephan dem Jüngeren, als dieser ins fränkische Reich kam, gegeben hatten (...) [49]

In der Quelle wird ausdrücklich erwähnt, dass die feierliche Einholung Karls in Rom sich „peinlich genau an die den Patricius zukommenden Ehren“ hielt.[50]Wie P. Classen ausfuhrt, sind „die Formen dieses Besuches (...) aufschlussreich für die politischen Beziehungen und die geistige Haltung der Partner. Karl, der nie den Patricius-Titel geführt hat, aber wie sein Vater seit 754 von den Päpsten mit dem Titel eines patricius Romanorum ausgezeichnet worden war, wird mit allen einem Patricius - d. h. dem ranghöchsten Vertreter des Römischen Kaisers - zukommenden Ehren empfangen.“[51]Diese ihm zukommenden Ehren zeigen sich in den Gruppen, die dem König über Meilen entgegen geschickt wurden, den Fahnen und Kreuzen und den Lobgesängen.

Auffallend ist, dass es keine direkten Gesten des Königs gegenüber dem Papst bzw. umgekehrt gab, wie z. B. beim Treffen zwischen Pippin und Papst Stephan II. Die rituellen Handlungen Karls - vom Pferd abzusteigen und zu Fuß zur Kirche zu gehen sowie beim Hinaufsteigen der Treppe jede einzelne Stufe zu küssen - können sicher nicht als demütige Ehrerbietung gegenüber dem Papst gedeutet werden, wie die 754 in Ponthion von Pippin durchgeführten Rituale. Karls Verhalten war fraglos eine Geste der Hochachtung gegenüber der heiligen Stätte. Dem Papst dagegen begegnete Karl der Große ebenbürtig, mit Gruß und Umarmung, wie er auch von diesem durchaus als ebenbürtig empfangen wurde.

Das Zeremoniell, mit dem Karl der Große empfangen wurde, entsprach also, wie ausgeführt, dem für den Empfang des Exarchen üblichen. J. Déer weist aber darauf hin, dass es in der Behandlung Karls Unterschiede gab, dass er nämlich auf Vorrechte des Exarchen verzichten musste. So residierte Karl als Gast des Papstes bei St. Peter und nicht, wie der Exarch bei früheren Besuchen, im Kaiserpalast auf dem Palatin. Somit wohnte Karl der Große außerhalb der aurelianischen Mauern und er holte für den Besuch der Stadt Rom die Bewilligung Hadrians in aller Form ein[52]. J. Déer kommt daher zu dem Schluss, „Im Gegensatz zum Exarchen wurde er wie ein vornehmer Ausländer empfangen, der den Titel eines patricius Romanorum führt und welchem dementsprechend das Ehrenrecht des Empfangs beim ersten Meilenstein erweisen wird, der aber innerhalb der Stadt über keinerlei Rechte verfügt, und sich dort wie ein fürstlicher Pilger zu gebärden hat[53].“ A. Hack deutet dies im Grunde genauso, allerdings sieht er Karl nicht gezwungenermaßen’ als Pilger, sondern er vermutet, dass diese Intention vom fränkischen König ausging[54].Und A. Angenendt weist schließlich in diesem Zusammenhang auf das berühmte Constitutum Constantini hin, in dem vorgeschrieben sei, dass der König nur als Beter die Stadt Rom betreten dürfte.[55]War dem so? Ging die Initiative von Karl aus? Hatte er dem Papst seine Absicht, als Pilger nach Rom zu kommen, mitgeteilt und hatte dieser Karls Wünsche berücksichtigt?

Diese Fragen lassen sich nicht ohne weiteres beantworten. Wenn man in der Hadriansvita liest, dass Karl zusammen mit einem großen Aufgebot von Bischöfen, Äbten, Richter und - vor allem - Soldaten nach Rom zog, dann könnte man zu dem Schluss kommen, dass der Papst vielleicht an den hehren Absichten des Königs zweifelte und ihn daher erst nach Leistung eines Treueschwurs in die Stadt ließ. Karl kam ja von der - bis dahin erfolglosen - Belagerung Pavias. Konnte der Papst da sicher gehen, dass der Franke nicht auch in Rom mehr wollte, als nur die Kirchen zu besuchen? Dass er ihn mit allen ihm zukommenden Ehren, aber doch mit Vorsicht empfing? Mit diesen Überlegungen soll keineswegs zum Ausdruck gebracht werden, dass der Papst mit irgendwelchen militärischen Aktionen von Seiten Karls rechnete - dafür gibt es nicht den geringsten Anhaltspunkt -, sondern dass er vielleicht dem plötzlichen Erscheinen Karls mit Skepsis begegnete.[56]Karls großes Aufgebot stellte ja auch sicherlich eine Art Machtdemonstration dar - wenn hier auch nicht daran gezweifelt werden soll, dass er durchaus auch als Pilger nach Rom kam, sprich aus religiösen Gründen.

Das Verhalten des Papstes konnte auch darin begründete liegen, dass er nach der Loslösung des Papsttums vom oströmischen Kaisertum, dem neuen Schutzherrn Roms deutlichere Grenzen setzten wollte, ihn zwar ehrenvoll nach altem Ritus empfing, seine Vorrechte in Rom aber einengte. S. Abel formuliert das folgendermaßen: „Das Papsttum hatte den Karolingern diese Würde [eines patricius Romarorum] auferlegt, um ihnen Pflichten aufbürden zu können, nicht um ihnen Rechte zu verleihen.[57]“ Und Papst Hadrian hatte auch seine eigenen Interessen in Norditalien. So hatte er „gleichsam im Windschatten des Krieges, der Franken und Langobarden in Anspruch nahm“[58] versucht, eine Reihe mittelitalienischer Dukate unter seine Herrschaft zu bringen. „Hadrian suchte offenbar die Zeit, da Karl noch mit der Bekämpfung von Desiderius beschäftigt war, zum Vorteil der römischen Kirche möglichst zu benutzen, ohne jede Rücksicht auf Karl.“[59]Und mit diesen Handlungen Hadrians I. konnte Karl der Große, der wohl schon zu diesem Zeitpunkt plante, nach einem Sieg die Herrschaft über das Königreich der Langobarden zu übernehmen, natürlich nicht einverstanden sein.[60]Das Treffen der beiden war somit nicht ganz ohne Konfliktpotential. P. Classen drückt dies sehr plastisch aus: „Nun stand zum erstenmal ein fränkischer König vor Roms Toren, die so oft den langobardischen Königen verschlossen geblieben waren; aber diesen König nannten die Päpste Patricius Romanorum.“[61]

Aber man kann hier leider nur die Tatsachen als solches feststellen und Vermutungen anstellen. Wie hilfreich wäre es, zu erfahren wie Karl der Große bei seinen beiden nächsten Besuchen in Rom empfangen wurde, ob noch 774 vielleicht bestehende Ressentiments später ausgeräumt waren und sich das Verhalten Karl gegenüber irgendwie veränderte, er alle Rechte in Rom in Anspruch nehmen konnte. Doch die Quellen berichten beide Male nur von einem ehrenvollen Empfang, der sicherlich jedes Mal im Großen und Ganzen dem von 774 entsprochen haben dürfte.[62]

Erst Karls letzter Rombesuch 800, bei dem er zum Kaiser gekrönt werden sollte, ist wieder ausführlicher beschrieben. In Bezug auf diese Kaiserkrönung erweckt der Bericht Einhards durchaus den Eindruck, als sei Karl überraschend und eigentlich gegen seinen Willen zum Kaiser gekrönt worden.[63]Doch die Rituale, mit denen er in Rom empfangen wurde, deuten ganz eindeutig in eine andere Richtung.[64]Dies zeigt sich ganz besonders deutlich, wenn man diesen Empfang mit dem von 774 vergleicht, denn „Schon der Empfang in der Ewigen Stadt war kaisergleich, wie die sich auf Rituale verstehenden Zeitgenossen sicher

registriert haben.“[65] Eine ausführliche Schilderung dazu findet sich in den Reichsannalen:

Als er aber nach Rom kam, zog ihm der Papst Leo mit den Römern tags zuvor nach Mentana 12 Meilen von der Stadt entgegen und empfing ihn mit höchster Demut und größten Ehren, und nachdem er mit ihm an dem genannten Ort gespeist hatte, zog er sofort ihm voraus in die Stadt. Und am folgenden Tag empfing er ihn auf den Stufen der Kirche des sel. Apostels Petrus stehend, nachdem er ihm die Fahnen der Stadt Rom entgegen geschickt hatte, auch an den entsprechenden Stellen Scharen von Fremden und Bürgern hinbefohlen und aufgestellt hatte, die dem Ankommenden Lob singen sollten, selbst mit der Geistlichkeit und den Bischöfen, als er vom Pferd abstieg und die Stufen emporschritt, und geleitete ihn nach einem Gebet aller in die Kirche des sel. Apostels Petrus.[66]

„Dieser Empfang unterschied sich grundlegend von denen der bisherigen Romreisen, denn nur dem Kaiser pflegte der Papst soweit entgegenzukommen. „Es konnte nicht verborgen bleiben, daß Karl Ehren zuteil wurden, die weit über die dem König und Patriarchen erwiesenen hinausgingen, die kaiserliche Ehren waren.“ Das Empfangszeremoniell läßt vor allem keinen Zweifel daran aufkommen, daß Karl nicht gewusst haben soll, was auf ihn zukam.“[67] Dieser Einschätzung Hentzes kann man nur uneingeschränkt zustimmen. Karl, der den Empfang als Patriarch ja schon dreimal erlebt hatte - und man kann ja wohl davon ausgehen, dass die Empfänge, die von den Quellen nicht ausführlich beschrieben wurden, dem von 774 entsprachen - wird sich dieses Unterschiedes auf alle Fälle bewusst gewesen sein. Somit lässt sich das Verhalten des Papstes, Karl entgegen zu kommen, auch nicht dahingehend deuten, dass er, durch die außergewöhnliche Geste dem fränkischen König gegenüber, diesen in Bezug auf seinen kommenden Prozess gnädig zu stimmen versuchte - Karl kam ja ,offiziell’ nach Rom, um die Geschehnisse von 799, den Angriff auf den Papst, und die Vorwürfe gegen Leo zu untersuchen. J. Déer hat eindeutig festgestellt, dass einige der Rituale beim Empfang Karls nur dem Kaiser - oder wie hier dem zukünftigen Kaiser - zuteil wurden. Vor allem das Verhalten des Papstes ist hier entscheidend: „Nur dem Kaiser pflegte der Papst entgegenzukommen, sonst bis zum sechsten, hier gar bis zum zwölften Meilenstein, während der Patricius am ersten Meilenstein und nicht vom Papst selber empfangen wurde.

[...]


[1] Zur Vorgeschichte und den früheren Versuchen siehe H. K. Schulze, Vom Reich der Franken zum Land der Deutschen, S. 76-93, K. Feuerstein-Praßler, Europas Urahnen, S. 125-144.

[2] Annales regni Francorum, a. 749, S. 9: Burghardus Wirzeburgensis episcopus et Folradus capellanus missi fuerunt ad Zachariam papam, interrogando de regibus in

Francia, qui illis temporibus non habentes regalem potestatem, si bene fuisset an non. Et Zacharias papa mandavit Pippino, ut melius esset illum regem vocari, qui potestatem haberet, quam illum, qui sine regali potestate manebat; ut non conturbaretur ordo, per auctoritatem apostolicam iussit Pippinum regem fieri.

[3] Siehe zum Folgenden vor allem W. Affeldt, Untersuchungen zur Königserhebung Pippins, S. 121 ff. mit der dort angegebenen Literatur; sowie J. Fried, Der Weg in die Geschichte, S. 235-238.

[4] So z.B. E. Perels, Pippins Erhebung zum König, S. 276, 284; A. Angenendt, Das Frühmittelalter, S. 283; R. Schneider, Das Frankenreich, S. 22; E. Casper, Das Papsttum unter fränkischer Herrschaft, S. 13-17.

[5] Siehe W. Affeldt, Untersuchungen zur Königserhebung Pippins, S. 125-127, 175 ff.; zum Problem des Geblütrechts siehe W. Mohr, Karolingische Reichsidee, S. 7-9, 13, 16.

[6] E. Perels und J. Jarnut vermuten dies; W. Affeldt dagegen glaubt nicht an eine solche Planung durch den Papst; siehe E. Perels, Pippins Erhebung zum König, S. 276-277; J. Jarnut, Wer hat Pippin 751 zum König gesalbt?, S. 51, 57; W. Affeldt, Untersuchungen zur Königserhebung Pippins, S. 170-171. Das in Rom die ganze Angelegenheit als wenig wichtig betrachtet wurde, zeigen nach B. Schimmelpfennig die römischen Quellen, die über die ganze Angelegenheit nichts berichten, siehe ders., Das Papsttum, S. 98.

[7] Siehe auch hierzu die Überlegungen bei W. Affeldt, Untersuchungen zur Königserhebung Pippins, S. 170; F. Prinz, Grundlagen und Anfänge, S. 89-90; R. Schneider, Das Frankenreich, S. 23. E. Perels dagegen sieht die Entscheidung über das Königtum Pippins beim Papst, nach dessen Bescheid sich die Franken gerichtet hätten, siehe ders., Pippins Erhebung zum König, S. 284-285. Auch A. Angenendt sieht die Entscheidung des Papstes als ausschlaggebend; siehe ders., Frühmittelalter, S. 283-284. Nicht zu halten ist wohl W. Ullmanns Ansicht, Pippin sei erst durch die Salbung durch Papst Stephan III. 754 zum König geworden; siehe ders., Die Machtstellung des Papsttums im Mittelalter, S. 112-113.

[8]Siehe RI, 64a.

[9]M. Kerner, Die frühen Karolinger und das Papsttum, S. 16.

[10] Siehe dazu: H. Zimmermann, Das Papsttum im Mittelalter, S. 55-56; E. Casper, Das Papsttum unter fränkischer Herrschaft, S. 10-13.

[11]Siehe P. Riché, Die Karolinger, S. 93-96; W. Menghin, Die Langobarden, S. 198-200.

[12] Zum byzantinischen Verhalten in Norditalien und seinen Problemen siehe W. Mohr, Das Zweikaiserproblem, S. 15-16; zur Lösung des Papsttums von Byzanz siehe P. Classen, Italien zwischen Byzanz und dem Frankenreich, S. 89-104; B. Schimmelpfennig,

Das Papsttum, S. 87-89; W. Ullmann, Die Machtstellung des Papsttums im Mittelalter, S. 69-79; H. Zimmermann, Das Papsttum im Mittelalter, S. 52-55.

[13] Siehe R. Schieffer, Die Karolinger, S. 61; M. Kerner, Die frühen Karolinger und das Papsttum, S. 21-22.

[14]H. K. Schulze, Vom Reich der Franken zum Land der Deutschen, S. 104.

[15]Siehe P. Riché, Die Karolinger, S. 94.

[16] Zu den Ereignissen um Aistulf siehe auch M. Kerner, Die frühen Karolinger und das Papsttum, S. 21-22.

[17] Siehe dazu: Wattenbach-Levison, Deutschlands Geschichtsquellen, S. 161-162; J. Favier, Geschichte Frankreichs, S. 395; N. Schröer, Die Annales Mettenses Priores, S. 142.

[18] Die Fortsetzungen der Chroniken des sogenannten Fredegar, 36, S.300-303: Per Ardinna silva ipse rex veniens, et Theudone villa publica super Mosella resedisset, nuntius ad eum veniens, quod Stephanus papa partibus Rome cum magno apparatu et multa munera, iam monte Iove transmeato, ad eius properaret adventum. Haec audiens rex, cum gaudio et laetitia et ingente cura recipere eum praecepit et filio suo Carlo ei obvius ire praecepit, qui usque ad Ponteugone villam publicam ad eius praesentiam adducere deberet. Ibique Stephanus papa Romensis ad praesentia regis veniens, et multis muneribus tam ipso rege quam et Francis largitus est, auxilium petens contra gente Langobardorum et eorum rege Aistulfo, ut per eius adiutorium eorum obpressionibus vel fraudulentia de manibus eorum liberaret, et tributa vel munera, quod contra legis ordine ad Romanos requirebant, facere desisterent.

[19] E. Casper weist allerdings daraufhin, dass die Stephansvita in diesem Zusammenhang nicht unproblematisch ist: „Die Vita ist nicht unmittelbar gleichzeitig, und gerade der Bericht über die Ereignisse in Frankreich ist der schwächste Teil des Ganzen: lückenhaft, summarisch und nicht einmal in der chronologischen Folge zuverlässig.“, siehe E. Casper, Pippin und die römische Kirche, S. 10.

[20] Zu den Annales Mettenses priores siehe Wattenbach-Levison, Geschichtsquellen Deutschlands, S. 260-263.

[21] Liber Pontificalis I, S. 447-448: Audiens vero hisdem rex eiusdem beatissmi pontficis adventum, nimis festinanter in eius advenit occursum, una cum coniuge, filiis etiam et primatibus. Pro quo et fere ad centum milia filium suum nomine Karolum in occursum ipsius quoangelici papae direxit, cum aliquibus ex suis obtimatibus. Ipseque in palatio suo, in loco qui vocatur Ponticone, ad fere trium milium spatium, descendens de equo suo, cum magna humilitate terrae prostratus, una cum sua coniuge, filiis et optimatibus, eundem sanctissimum papam suscepit; cui et vice stratoris usque in aliquantum locum iuxta eius sellarem properavit. Tunc praedictus almificus vir cum omnibus suis extensa voce gloriam et incessabiles laudes omnipotenti Deo referens, cum hymnis et canticis spiritalibus usque adpraefatum palatium pariter cum iamdicto rege omnes profecti sunt, sexta ianuarii mensis die, in Apparitionis domini Dei et salvatoris nostri Iesu Christi sacratissima solemnitate. Ibique intus oratorium pariter consedentes, mox ibidem beatissimus papa praefatum christianissimum regem lacrimabilter deprecatus est ut per pacis foedera causam beati Petri et reipublice Romanorum disponeret.

[22]Zur Proskynese siehe G. Weiß, Art. Proskynese, Sp. 265-266.

[23]Siehe dazu G. Althoff, Die Macht der Rituale, im Druck.

[24] Siehe A. Hack, Empfangszeremoniell, S. 409-412. E. Eichmann, Die Kaiserkrönung im Mittelalter II, S. 283-286; W. Fritze, Papst und Frankenkönig, S. 65-66; H. Fuhrmann, „Willkommen und Abschied“, S. 125; K. Schreiner, Art. Fußkuß; G. Weiß, Art. Proskynese.

[25] Zu dieser Thematik siehe M. Kerner, Die frühen Karolinger und das Papsttum, S. 23, Anm. 79, mit Hinweisen zur wichtigsten Literatur; H. Fuhrmann, „Willkommen und Abschied“, S. 125; R. Holtzmann, Der Kaiser als Marschall des Papstes, S. 21-22; S. Picot-Sellschopp, Art. Stratordienst, Sp. 37-38.

[26] Zum Constitutum Constantini siehe A. Angenendt, Das Frühmittelalter, S. 286; F. Prinz, Grundlagen und Anfänge, S. 91; H. Zimmermann, Das Papsttum im Mittelalter, S. 14-15.

[27] Constitutum Constantini, 16, S. 92: (...) et tenentes frenum equi ipsius pro reverentia beati Petri stratoris officium illi exhibuimus;

[28]Siehe E. Eichmann, Kaiserkrönung II, S. 287-288.

[29] Siehe S. Kreiker, Art. Marschall, 324-325. Kreiker führt aus, der Papst habe von Pippin diesen Marschall- und Stratordienst gefordert. Dies lässt sich anhand der Quellen nicht beweisen, obwohl davon auszugehen ist, dass das Empfangszeremoniell im Vorfeld des Treffens ausgehandelt worden ist.

[30]M. Kerner, Die frühen Karolinger und das Papsttum, S. 23.

[31]W. Fritze, Papst und Frankenkönig, S. 65-66.

[32] Annales Mettenses priores, a. 754, S. 44-45 : Ibique veniens predictus papa a Pippino rege honorfice susceptus est. Qui multa munera tam regi quam et optimatibus eius largitus est. Sequentique die una cum clero suo, aspersus cinere et indutus cilicio, in terram prostratus per misericordiam Dei omnipotentis et merita beatorum apostolorum Petri et Pauli Pippinum regem obsecrat, ut se et populum Romanum de manu Langobardorum et superbi regis Heistulfi seruitio liberaret. Nec antea a terra surgere voluit, quam sibi predictus rex Pippinus cum filiis suis et optimatibus Francorum manum porrigerent et ipsum pro indicio suffragii futuri et liberationis de terra levaret. Tunc rex Pippinus omnem pontificis voluntatem adimplens direxit eum ad monasterium sancti Dionisii martiris eumque ibi cum summo honore et diligentia hiemare precepit.

[33] So z.B. E. Casper, Pippin und die römische Kirche, S. 16; siehe dazu auch A. Drabek, Die Verträge der fränkischen und deutschen Herrscher, S. 16-17, 19.

[34] Siehe dazu M. Kerner, Die frühen Karolinger und das Papsttum, (mit Hinweis auf die ältere Literatur) S. 24-25, Anm. 85-87; W. Fritze, Papst und Frankenkönig, S. 71-76, der hier auf die biblischen Vorlagen der Handlungen des Papstes hinweist, siehe S. 72.

[35] Siehe dazu zahlreiche Beispiele bei G. Althoff, Königsherrschaft und Konfliktbewältigung; Ders., Das Privileg der deditio; Ders., Demonstration und Inszenierung, S. 238.

[36] So z.B. bei den Fußfällen Heinrichs II. vor der Synodalversammlung, als er bei der von ihm geplanten Gründung des Bistums Bamberg auf Widerstand stieß, oder im Falle Friedrich Barbarossas und Heinrichs des Löwen in Chiavenna; G. Althoff führt aus: „Einem fußfällig bittenden König kann man eine Bitte nicht abschlagen, (...) Mit der Erniedrigung legte der Herrscher sein ganzes Prestige in die Waagschale, die sich deshalb zu seinen Gunsten neigen musste.“ Siehe Demonstration und Inszenierung, S. 254. Dies galt sicherlich auch schon zu Zeiten der Karolinger; siehe dazu auch Ders, Empörung, Tränen, Zerknirschung, S. 268.

[37]Siehe Liber Pontificalis, S. 444-445.

[38]Siehe dazu G. Althoff, Die Macht der Rituale, im Druck.

[39] Dass der Bericht der Annales Mettenses historisch ist, zeigen auch spätere Papstbriefe, die auf dieses Geschehen anspielen; siehe Cod. Carol. Nr. 8, S. 496: (...) peto te et tamquam praesentialiter adsistens provolutus terre et tuis vestigiis me prosternens...; Cod. Carol. Nr. 11, S. 505: (...) tamquam praesentialiter coram tuo (...) consistens aspectu flexis genibus petens peto te(...); siehe dazu auch W. Fritze, Papst und Frankenkönig, S. 74, sowie Anm. 195; zur politischen Intention der Annales Mettenses siehe auch N. Schröer, Die Annales Mettenses priores.

[40] E. Casper, Pippin und die römische Kirche, S. 12-13, sowie Anm. 1, S. 13 zur mit Hinweisen zur Glaubwürdigkeit der Annales Mettenses priores.

[41] Siehe dazu: A. Angenendt, Das Frühmittelalter, S. 285; J. Fried, Der Weg in die Geschichte, S. 239-240; E. Hlawitschka, Franken, Alemannen, Bayern und Burgunder in Oberitalien, S. 21-22; H. Zimmermann, Das Papsttum im Mittelalter, S. 62.

[42]Zu den weiteren Ereignissen beim Papstbesuch siehe L. Oelsner, Jahrbücher Pippins, S. 129-164.

[43] Siehe dazu.: A. Drabek, Die Verträge der fränkischen und deutschen Herrscher, S. 19, 25-27

[44] Siehe dazu: P. Classen, Bayern und die politischen Mächte im Zeitalter Karls des Großen, S. 236. Zu den Ereignissen in Norditalien vor 774 siehe ausführlich P. Classen, Karl der Große, das Papsttum und Byzanz, S. 5-16; T. Schieffer, Das karolingische Großreich, S. 549; H. Zimmermann, Das Mittelalter, S. 111; C. Wickham, Early medieval Italy, S. 46-47; W. Hartmann, Herrscher der Karolingerzeit, S. 24-25; B. Schimmelpfennig, Das Papsttum, S. 92-95; H. Zimmermann, Das Papsttum im Mittelalter, S. 62-65.

[45] P. Classen verweist sicher mit Recht darauf, dass Desiderius zu diesem Zeitpunkt eine große Machtfülle innehatte. Er konnte von einer Teilung des Frankenreiches unter Karl dem Großen und seinen Neffen nur profitieren. Siehe P. Classen, Bayern und die politischen Mächte im Zeitalter Karls des Großen, S. 236.

[46] Siehe P. Classen, Karl der Große und die Thronfolge im Frankenreich, S. 226; P. Classen, Karl der Großen das Papsttum und Byzanz, S. 16.

[47] Zu den Ereignissen in Norditalien und Karls Italienzug siehe S. Abel, Jahrbücher Karls des Großen I, S. 150-153; K. Hauck, Karl der Große und sein Jahrhundert, S. 204-205; J. Fleckenstein, Karl der Große, S. 15; W. Hentze, De Karolo rege et Leone papa, S. 28; W. Menghin, Die Langobarden, S. 200-202.

[48]W. Hentze, De Karolo rege et Leone papa, S. 28.

[49]Liber Pontificalis I, S. 496-497: Et dum per sex mensuum spatium ipse Francorum rex Papiam demoraretur in obsessione ipsius civitatis, magnum desiderium habens ad limina apostolorum properandum, considerans quod et sacratissima paschalis festivitas adpropinquasset, tunc abstollens secum diversos episcopos, abbates etiam et iudices, duces nempe et grafiones cum plurimis exercitibus, hic Roman per Tusciae partes propervit. Ita enim festienter adveniens ut in ipso sabbato sancto se liminibus praesentaret apostolicis. Cuius adventum audiens antedictus beatissimus Adrianus papa quod sic repente ipse Francorum advenisset rex, in magno stupore et extasi deductus,

direxit in eius occursum universos iudices ad fere XXX milia ab hac Romana urbe, in loco qui vocatur Nobas: ibi eum cum bandora susceperunt. Et dum adpropinquasset fere unius miliario a Romana urbe, direxit universas scolas militiae una cum patronis simulque et pueris qui ad didicendas litteras pergebant, deportantes omnes ramos palmarum adque olivarum, laudesque illi omnes canentes, cum adclamationum earundem laudium vocibus ipsum Francorum susceperunt regem; obviam illi eius sanctitas dirigens venerandas cruces, id est signa mos est exarchum aut patricium suscipiendum, eum cum ingenti honore suscipi fecit.

Ipse vero a Deo institutus benignissimus Carolus magnus Francorum rex et patricius Romanorum, qua hora easdem sacratissimas cruces ac signa sibi obviam advenisse conspexit, descendens de eo quo sedebat equo, ita cum suis iudicibus ad beatum Petrum pedestris properare studuit. Quod quidem antedictus almificus pontifex diluculo surgens in eodem sabbato sancto cum universo clero et populo Romano ad beatum Petrum properavit ad suscipiendum eundem Francorum regem, et in gradibus ipsius apostolicae aulae eum cum suo clero prestolavit. Coniungente vero eodem excellentissimo ac benignissimo Carulo rege, omnes grados singillatim eiusdem sacratissimae beati Petri aecclesiae deosculatus est et ita usque ad praenominatum pervenit pontificem, ubi in atrio super grados, iuxta fores ecclesiae adsistebat. Eoque suscepto, mutuo se amplectentes, tenuit isdem christianissimus Carulus rex dexteram manum antedicti pontificis et ita in eandem venerandam aulam beati Petri principi apostolorum ingressi sunt, laudem Deo et eius excellentiae decantantes universus clerus et cuncti religiosi Dei famuli, extensa voce adclamantes: „Benedictus qui venit in nomine Domini “ et cetera.

[50]W. Hentze, De Karolo rege et Leone papa, S. 28.

[51]P. Classen, Karl der Große, das Papsttum und Byzanz, S. 18.

[52]Siehe J. Déer, Die Vorrechte des Kaisers in Rom, S. 80.

[53]Ebd., S. 80.

[54]Siehe A. Hack, Das Empfangszeremoniell, S. 297.

[55] Siehe A. Angenendt, Das Frühmittelalter, S. 293; Angenendt weist auch auf den Zusammenhang mit der angeblichen Schenkung Konstantins an einem Ostermittwoch und der am gleichen Tag erfolgten Schenkung Karls der Großen hin.

[56]Siehe J. Fried, Der Weg in die Geschichte, S. 249.

[57] S. Abel, Jahrbücher Karls des Großen I, S. 172; wichtig ist es hier zu erwähnen, dass Karl selbst den Patricius-Titel erst nach der Eroberung des Langobardenreiches annahm, quasi als Zeichen, dass er jetzt in Italien auch Herrschaftsansprüche wahrnahm; siehe ebd. S. 173.

[58]O. Engels, Zum päpstlich-fränkischen Bündnis, S. 27.

[59]S. Abel, Jahrbücher Karls des Großen I, S. 153.

[60] Siehe dazu S. Abel, Jahrbücher Karls des Großen I, S. 153; O. Engels, Zum päpstlich­fränkischen Bündnis, S. 27; P. Classen, Karl der Große, das Papsttum und Byzanz, S. 17- 18; anderer Ansicht ist O. Engels, siehe ders, Zum Rombesuch Karls des Großen, S. 16­19.

[61] P. Classen, Karl der Große, das Papsttum und Byzanz, S. 18; P. Classen weist im weiteren daraufhin, dass Papst Hadrian I. auch in der Folgezeit darum bemüht war, sich seinen eigenen Machtbereich in Norditalien zu erhalten, siehe ebd. S. 23-24; vgl. ebenfalls E. Casper, Das Papsttum unter fränkischer Herrschaft, S. 37-38.

[62]Zu den beiden Rombesuchen Karls des Großen von 781 und 787 siehe T. Schieffer, Das karolingische Großreich, S. 550-551.

[63] Siehe Einhard, Vita Karoli 28, S. 32: Quodprimo in tantum aversatus est, ut adfirmaret se eo die, quamvis praecipua festivitas esset, ecclesiam non intraturum, si pontificis consilium praescire potuisset. Erwähnt sei hier die Ansicht W. Mohrs, nach der Karl der Große die Kaiserkrönung durch den Papst ablehnte, weil er die Absicht Leos III. erkannte, ihn gegen die Kaiserin Irene auszuspielen und er zudem eine „römische“ Kaiserwürde ablehnte; siehe ders., Das Zweikaiserproblem, S. 22-23.

[64] Vgl. H. Beumann, Das Paderborner Epos, S. 345; M. Kerner, Karl der Große, S. 37. Siehe auch J. Fleckenstein, Karl der Große, S. 25, der daraufhin weist, dass für den feierlichen Ablauf der Zeremonie Vorbereitungen notwendig waren, die Karl sicher nicht entgangen sein können - auch wenn die Königskrönung seines Sohnes Karl vorgesehen war; P. Classen, Karl der Große und die Thronfolge, S. 205.

[65]W. Hentze, De Karolo rege et Leone papa, S. 90.

[66] Annales regni Francorum, a. 800, S. 110/112: Romam vero cum venisset, occurrit ei pridie Leo papa et Romani cum eo apud Nomentum, duodecimo ab urbe lapide, et summa eum humilitate summoque honore suscepit; prandensque cum illo in loco praedicto statim eum ad urbem praecessit. Et in crastinum in gradibus basilicae beati Petri apostoli stans, missis obviam Romanae urbis vexillis, ordinatis etiam atque dispositis per congrua loca tam peregrinorum quam civium turmis, qui venienti laudes dicerent, ipse cum clero et episcopis equo descendentem gradusque ascendentem suscepit dataque oratione in basilicam beati Petri apostoli psallentibus cunctis introduxit .

[67]W. Hentze, De Karolo lege et Leone papa, S. 91.

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Details

Titel
Der rituelle Umgang der Karolinger mit den Päpsten
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1.6
Autor
Jahr
2003
Seiten
113
Katalognummer
V186747
ISBN (eBook)
9783869435046
ISBN (Buch)
9783869433950
Dateigröße
1069 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang, karolinger, päpsten
Arbeit zitieren
Renate Kleinau (Autor), 2003, Der rituelle Umgang der Karolinger mit den Päpsten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186747

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Titel: Der rituelle Umgang der Karolinger mit den Päpsten



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