Der Schwerpunkt der Arbeit bildet die interdisziplinäre Betrachtung der Themenfelder linguistischer, kultureller und nonverbaler interkultureller Störungen, welche ein Nichtverstehen oder Missverstehen verursachen. Im ersten Teil erfolgt eine allgemeine Einordnung in den Forschungskomplex der interkulturellen Kommunikation, ein Modellbeispiel zum sogenannten Kulturschock, gefolgt von einer umfangreichen Übersicht gängiger Analysemodelle zum kommunikativen Misslingen im Hauptteil, wobei der Betrachtung des interdisplinären Forschungsfeldes der Ethnopsycholinguistik, sowie der Lakunenforschung eine besondere Gewichtung eingeräumt wird und mögliche Störungen anhand praktischer Beispiele erläutert werden.
Das Themenfeld der interkulturellen Kommunikation ist Gegenstand von Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen. Im Bereich der Linguistik beschäftigen sich insbesondere die vergleichende Linguistik, Fremdsprachenphilologen der Anglistik und Slavistik, die Fremdsprachendidaktik und die Sprachlehrforschung mit interkulturellen Nuancen. Zudem befassen sich Forscher der Soziologie, der Psychologie, der Ethnologie, der Pädagogik, der Anthropologie, der Anthropogenetik, der Übersetzungswissenschaft, der Literaturwissenschaft und nicht zuletzt der Kulturwissenschaft mit Themenfeldern, welche mehrere Kulturen tangieren. Ein Großteil dieser Arbeiten integriert mehrere Forschungsgebiete.
Die Linguistik bietet vergleichsweise wenig empirische und Feldforschungen, so dass sich in der vorliegenden Arbeit ein Rückgriff aus Ergebnissen der Ethnologie und der Psychologie angeboten haben.
Kommunikative Störungen erleben wir im Alltag bei eingehender Betrachtung täglich. Verschiedene Faktoren beeinflussen Empfänger und Sender unter Umständen so nachhaltig, dass das Ziel der Kommunikation oft nicht oder nur teilweise erreicht wird. Im Rahmen der interkulturellen Konversation ist die kulturelle Differenz oft der maßgebliche Störfaktor. Die Arbeit fasst die aktuelle Forschung aus verschiedenen Fachbereichen zusammen und gibt Einblick in die zahlreichen Ursachen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Interkulturelle Kommunikation
2.1 Kulturbegriff
2.3 Kulturschock
3. Analysemodelle zum Kommunikativen Misslingen
3.1 Analyse des Missverstehens nach Weigand
3.2 Level und Triggers of missunderstandings nach Bazzanella/ Damiano
3.3 Lakunenmodell
3.3.1 Mentale Lakunen
3.3.2 Kommunikationstätigkeitsbezogene Lakunen
3.3.3 Kulturraumbezogene Lakunen
3.4 Weitere Analysemodelle
4. Interkulturelles kommunikatives Misslingen
4.1 Nichtverstehen
4.2 Missverstehen
4.3 linguistische kommunikative Störungen
4.3.1 „False friends“
4.3.2 Paranyme
4.3.3 Polyseme und Homonyme
4.4 nonverbal bedingte kommunikative Störungen
4.4.1 Genre der nonverbalen Kommunikation
4.4.2 Beispiel Augenkontakt
4.4.3 Einflussfaktoren auf die Decodierung nonverbaler Kommunikation
4.5 kulturell bedingte kommunikative Störungen
5. Erforschung und Prävention interkultureller kommunikativer Störungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die vielschichtigen Ursachen und Erscheinungsformen von interkulturellen kommunikativen Störungen in einem interdisziplinären Kontext. Ziel ist es, ein Verständnis für das Zustandekommen von Nichtverstehen und Missverstehen zwischen Angehörigen verschiedener Kulturkreise zu schaffen sowie theoretische Modelle zur Analyse dieser Prozesse vorzustellen.
- Interdisziplinäre Einordnung der interkulturellen Kommunikation
- Analysemodelle des kommunikativen Misslingens (z.B. Lakunenmodell, Weigand)
- Linguistische Faktoren wie „False Friends“ und Polysemie
- Nonverbale Kommunikation und die Rolle des Augenkontakts
- Einfluss kultureller Normen und Präventionsansätze
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Mentale Lakunen
Zu den auch subjektpsychologischen Lakunen genannten zählen unter anderen Charakter-, Fond-, syllogische20-, Kulturemotive- und Humorlakunen. Zu den Charakterlakunen gehören die stereotype Aufnahme anderer Nationalcharaktere und die Spezifika in Umschreibung und Bewertung von Eigenschaften im Allgemeinen und von autostereotypen Eigenschaften im speziellen. Im Sinne der Auswertung der Aufzeichnungen zum deutsch- russischen Schüleraustausch von Ertelt- Vieth erscheinen die Moskauer den westdeutschen Studenten als kontaktfreudiger, weniger verschlossen als die Deutschen fremden Passanten und generell Fremden gegenüber21.
„ Mentale Lakunen bezeichnen Unterschiede in den nichtgegenständlichen Vorraussetzungen oder Ergebnissen von Tätigkeiten, also Unterschiede in allen kognitiven und affektiven Zuständen und Modellen, mithin in Wissensbeständen im weitesten Sinne. Diese Wissensbestände können synchrone und/ oder diachrone (d.h. historische) Ausrichtung haben, können bewusst sein, weitgehend reflektiert oder aber unbewusst. […] Zu den Fond- Lakunen gehören als Untergruppe die mnestischen Lakunen, also Unterschiede in der Erinnerung beispielsweise an den zweiten Weltkrieg, etwa dass Deutschland der Angreifer war. Aufgabe der konkreten Analyse sollte sein herauszufinden, ob das Fehlen von Erinnerungen auf so genannt einfaches Vergessen, unbewusste Verdrängung oder gezielte, beabsichtigte Tabuisierung zurückzuführen ist. (zitiert aus Ertelt- Vieth. 2005. S 91).“
Zu den mentalen Lakunen gehören zudem alle Lakunen, welche das sprachliche System betreffen. Eine Abgrenzung zwischen Sprachwissen und Sprechtätigkeit sei an dieser Stelle verdeutlicht, da die der letzteren Gruppe Zugehörigen den Tätigkeitslakunen zuzuordnen sind. Ein Beispiel für eine Lakune des sprachlichen Systems ist ein jedem Russisch- Schüler geläufiger lexikalischer Unterschied. Im Russischen fehlt die für uns Deutsche gewohnte Unterscheidung zwischen wollen und mögen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das interdisziplinäre Forschungsfeld interkultureller kommunikativer Störungen ein und begründet die methodische Notwendigkeit eines Rückgriffs auf Ethnologie und Psychologie.
2. Interkulturelle Kommunikation: Das Kapitel definiert grundlegende Begriffe wie Kultur und Kommunikation und diskutiert das Phänomen des Kulturschocks anhand verschiedener Verlaufsmodelle.
3. Analysemodelle zum Kommunikativen Misslingen: Hier werden wissenschaftliche Ansätze zur Kategorisierung kommunikativer Störungen vorgestellt, darunter Weigands Kategorisierung und das Lakunenmodell von Ertelt-Vieth.
4. Interkulturelles kommunikatives Misslingen: Dieses Hauptkapitel analysiert konkrete Störfaktoren in der Interaktion, unterteilt in linguistische, nonverbale und kulturell bedingte Ebenen.
5. Erforschung und Prävention interkultureller kommunikativer Störungen: Das abschließende Kapitel beleuchtet praktische Anwendungsfelder wie interkulturelle Trainings und die Bedeutung der Forschung für die globale Wirtschaft.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Kommunikative Störungen, Lakunenmodell, Kulturschock, Linguistische Störungen, Nichtverstehen, Missverstehen, Nonverbale Kommunikation, Ethnopsycholinguistik, False Friends, Interkulturelle Kompetenz, Kulturbegriff, Decodierung, Interkulturelle Dissonanz, Kulturelle Grammatik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Ursachen und Auswirkungen von Störungen in der Kommunikation zwischen Personen aus unterschiedlichen Kulturkreisen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf linguistischen, nonverbalen und kulturell bedingten Missverständnissen sowie theoretischen Analysemodellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, ein fundiertes Verständnis dafür zu entwickeln, warum Kommunikation interkulturell scheitert oder gestört wird, und dies theoretisch zu unterfüttern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der Erkenntnisse aus der Ethnologie, Psychologie und Linguistik integriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich detaillierten Analysemodellen wie dem Lakunenmodell und untersucht spezifische Störfaktoren wie „False Friends“, Mimik und nonverbale Machtstrukturen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Interkulturelle Kommunikation, Lakunen, Kulturschock und kommunikative Störungen stehen im Zentrum der Untersuchung.
Was versteht man im Kontext der Arbeit unter dem Lakunenmodell?
Das Modell beschreibt „Lücken“ oder Differenzen in den Wissensbeständen und kulturellen Voraussetzungen, die das Verstehen von fremden Texten oder Situationen erschweren.
Warum spielt der Augenkontakt in der interkulturellen Interaktion eine so große Rolle?
Der Augenkontakt ist ein zentrales nonverbales Signal, dessen Bedeutung kulturell stark variiert und bei falscher Interpretation zu massiven Missverständnissen oder sogar Abbruch der Kommunikation führen kann.
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- Robert Fischer (Autor), 2007, Interkulturelle kommunikative Störungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186796