Die vorliegende Arbeit untersucht die Verhandlungsstrategien gegenüber dem Iran in Fragen der Atomwaffenproliferation und bewertet diese unter Bezugnahme zu Theorien der Verhandlungsstrategien.
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Verhandlungen über Atomwaffenteststops gegenüber autoritativen Systemen gestalten sich in einigen Fällen mehr als schwierig wie die Beispiele Nordkorea oder der Iran gezeigt haben. Dies hängt zum einen mit der höheren Lösungsschwierigkeit eines Konfliktes des „entweder-oder“-Typs im Gegensatz zum „mehr oder weniger“-Typ zusammen1, aber sicherlich auch mit den Staaten an sich. Dennoch muss die internationale Staatengemeinschaft weiterhin den Iran in die Verhandlungen mit einbeziehen, wenn sie eine Verbreitung von Atomwaffen auf nicht militärischen Weg verhindern will. Anhand des Irans sollen aktuelle Strategien mit besonderer Konzentration auf Verhandlungsstrategien auch gegenüber autoritären Systemen in Fragen der Atomwaffenproliferation diskutiert werden. Zwar soll die Rolle der Gewalt als mögliches Druckmittel auch thematisiert werden, allerdings liegt der Fokus auf gewaltarmen Konfliktlösungsmodellen.
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1 Bonacker, Thorsten und Imbusch, Peter: Zentrale Begriffe der Friedens- und Konfliktforschung: Konflikt, Gewalt, Krieg, Frieden, in: Imbusch, Peter und Zoll, Ralf (Hrsg.): Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung,3.Aufl., Opladen 2005,S. 69-107.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Atomwaffen(non)proliferation
3 Verhandeln
4 Akteure, Interessen, Ziele
4.1 Iran
4.2 USA
4.3 EU
4.4 Russland, China + weitere
5 Rolle der Gewalt – mögliche Druckmittel
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirksamkeit aktueller Verhandlungsstrategien gegenüber dem Iran im Kontext der Atomwaffenproliferation und analysiert, inwieweit das iranische Regime das Atomprogramm zur innenpolitischen Stabilisierung und zur außenpolitischen Machtdemonstration nutzt, während sie gleichzeitig die Frage aufwirft, ob durch die gegenwärtigen Strategien eine Abkehr des Iran von seinem Atomprogramm erreicht werden kann.
- Analyse der Interessenlagen und Strategien zentraler Akteure (Iran, USA, EU, Russland, China)
- Untersuchung der theoretischen Grundlagen von "Arguing" (Argumentieren) und "Bargaining" (Aushandeln) in internationalen Verhandlungen
- Diskussion der Rolle von Feindbildern als Instrument der Regimesicherung im Iran
- Bewertung der Wirksamkeit von Sanktionen und der Androhung militärischer Gewalt
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Iran
Der Iran soll zunächst in seinem Aufbau und in der aktuellen Situation betrachtet werden, ehe außenpolitische Ziele dargestellt und iranische Strategien aufgezeigt werden. Ein Problem in einer internationalen Strategie liegt darin, im Iran den „richtigen“ Ansprechpartner zu finden, da verschiedene Gruppierungen im Prozess beteiligt sind. Volker Perthes stellt zurecht fest, dass „Teheran kein einheitlicher Akteur“ und von unterschiedlichen Strömungen geprägt ist. Der eigentliche Machthaber ist nicht Präsident Ahmadinedschad sondern Ayatollah Ali Khamene’i, der in der Vergangenheit einen nur leicht konfrontativen Kurs zum Westen befürwortet hat, jedoch nun das Verhalten Ahmadinedschads und damit einen radikaleren Kurs billigt. Die einzelnen Gruppierungen lassen sich grob folgendermaßen beschreiben:
Die eine kann man als realistische Konservative um den ehemaligen Präsidenten Rafsanjani bezeichnen. Diese sind gegen die von Ahmadinedschad ausgesprochenen Drohungen und befürworten, dass sich der Iran an internationale Regeln hält. Das Wichtigste für sie ist jedoch Regimesicherheit, das Atomprogramm ist wichtig und die militärische Nutzung sollte offen bleiben. Hier finden sich auch Unterstützer für Gespräche mit den USA. Ihre Wähler finden sich in alten Regimepersönlichkeiten und besonders im „Rat zur Herstellung der Interessen des Regimes“ sowie im Nationalen Sicherheitsrat. Letzterer besitzt eine wichtige Rolle in der Formulierung der Außen- und Sicherheitspolitik und sieht die Einmischung der Regierung zunehmend kritisch.
Als weitere Gruppe lassen sich die Globalisierer identifizieren, die Handelsbeziehungen und Fortschritt als wichtigste Ziele sehen. Sie bestehen aus Exporthändlern und dem Bürgertum und besitzen ein starkes Interesse an der Integration in die Weltgemeinschaft, haben bei den letzten Wahlen jedoch Verluste hinnehmen müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Problem des iranischen Atomprogramms, stellt die Arbeitsthese auf, dass der Iran äußere Feindbilder zur Regimestabilisierung nutzt, und beschreibt die methodische Vorgehensweise per Sekundärliteraturanalyse.
2 Atomwaffen(non)proliferation: Dieses Kapitel erläutert den Atomwaffensperrvertrag (NPT), die Rolle der IAEO und die Problematik des Vertrauensverlustes durch Rüstungsrisiken sowie die Diskriminierung zwischen Kernwaffen- und Nichtkernwaffenstaaten.
3 Verhandeln: Hier werden die theoretischen Konzepte des Verhandelns unterschieden, primär in „Arguing“ als kommunikative Suche nach Problemlösungen und „Bargaining“ als interessengeleitetes, machtbasiertes Tauschgeschäft.
4 Akteure, Interessen, Ziele: Dieser Abschnitt analysiert detailliert die heterogenen politischen Fraktionen im Iran, die US-amerikanische Strategie der Konfrontation und Eindämmung, die diplomatische Rolle der EU sowie die Positionen Russlands, Chinas und weiterer regionaler Mächte.
5 Rolle der Gewalt – mögliche Druckmittel: Das Kapitel erörtert die Legitimität militärischer Interventionen und schließt militärische Optionen als weder sinnvoll durchführbar noch moralisch vertretbar aus, da sie die iranische Entwicklung eher beschleunigen könnten.
6 Fazit: Das Fazit unterstreicht die Bedeutung kooperativer Sicherheitsinstitutionen und konstatiert, dass aktuelle Strategien aufgrund der Ignoranz gegenüber den innenpolitischen Feindbildkonstruktionen und Sicherheitsinteressen des Irans wenig erfolgsversprechend sind.
Schlüsselwörter
Atomwaffennonproliferation, Iran, Verhandlungsstrategien, Atomprogramm, Internationale Politik, Regimesicherheit, USA, EU, Sanktionen, Feindbilder, IAEA, Nukleare Sicherheit, Diplomatie, Rüstungskontrolle, Naher Osten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Schwierigkeiten und Strategien internationaler Verhandlungen gegenüber dem Iran im Hinblick auf dessen Atomprogramm und die Verbreitung von Kernwaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Nichtverbreitung von Atomwaffen, die Analyse internationaler Verhandlungstheorien (Arguing vs. Bargaining) und die politischen Machtstrukturen im Iran.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Fragestellung lautet: Kann der Iran mit den aktuell verfolgten internationalen Strategien von seinem Atomprogramm abgebracht werden?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Analyse erfolgt methodisch durch eine Sekundärliteraturanalyse im Bereich der Politikfeldanalyse (Policy).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Verhandlungsbegriffs, die detaillierte Darstellung der Interessenlagen der verschiedenen Akteure und eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Gewalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Atomwaffennonproliferation, Regimesicherheit, Feindbilder, Sanktionen und diplomatische Verhandlungsführung charakterisiert.
Warum ist das iranische Regime so schwer als Verhandlungspartner zu greifen?
Das iranische Regime ist kein einheitlicher Akteur; es besteht aus konkurrierenden Fraktionen – von pragmatischen Konservativen bis zu ideologischen Fanatikern – die vom spirituellen Führer Khamene'i zusammengehalten werden.
Welche Rolle spielt das amerikanische Feindbild für den Iran?
Das Feindbild der USA dient dem Regime dazu, innenpolitischen Druck abzuleiten, nationale Identität zu stiften und eine Rechtfertigung für die nukleare Bewaffnung als Verteidigungsmaßnahme zu konstruieren.
- Citation du texte
- Jan Refle (Auteur), 2007, Verhandlungsstrategien gegenüber dem Iran in Fragen der Atomwaffenproliferation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186814