Firmen sind nicht nur in einem begrenzten Raum eingebunden, sondern über vielfältige Beziehung in die globalen Wirtschaftsströme. Diese globalen Wertschöpfungsketten werden oftmals von Unternehmen aus den entwickelten Ländern gesteuert, die damit auch die Zukunft anderer Unternehmen direkt oder indirekt mitbestimmen (GEREFFI 1994). Upgrading von Unternehmen aus den Entwicklungsländern ist abhängig von der Governance der globalen Unternehmen. Dies gilt umso mehr, je weniger innovativ diese abhängigen Unternehmen sind, bzw. in wieweit die Unternehmen in der Lage sind, von den globalen Leadern zu lernen (GEREFFI 1999b, GEREFFI UND KAPLINSKY 2001).
Im Rahmen der Globalisierung werden die lokalen Wettbewerbsvorteile verstärkt (SCOTT 1996). Cluster sind demnach prädestiniert sich im globalen Wettbewerb zu behaupten (PORTER 1990), da sie als Motor für Innovation gesehen werden. Die vertikale und horizontale Verknüpfung von Unternehmen innerhalb eines Clusters führt zu einer kollektiven Effizienz (SCHMITZ 1995), die die Wettbewerbsfähigkeit und vor allem die Innovationsfähigkeit erhöht.
Andererseits wurde zwar gezeigt, dass sich die Produktion zunehmend globalisiert, strategische Innovation weiterhin nur in den Ländern der globalen Leader stattfinden (LASTRES ET AL. 1999).
Da das Upgrading von Clustern und das Upgrading innerhalb von globalen Wertschöpfungsketten kein getrennter Prozess ist, gibt es vielfältige Wechselwirkungen zwischen diesen Ebenen. Die interne Governance von Clustern und Wertschöpfungskette bestimmt den Umfang des Upgrading (HUMPHREY UND SCHMITZ 2000). Die Wechselwirkungen dieser Ebenen wurden bisher jedoch nur unzureichend dargelegt. So stellt sich die Frage, welche Unternehmen von der globalen Anbindung profitieren. Können auch Unternehmen, die bisher keine globale Anbindung oder nur schwach ausgeprägte Verbindungen haben, von den global agierenden Unternehmen im Cluster profitieren, oder führt die globale Einbindung zu einer Marginalisierung der Kontakte im Cluster? Wer übernimmt welche Rolle innerhalb eines Clusters? Zeigen sich Unterschiede in der Nutzung der Vorteile eines Clusters?
Um diese Fragen zu beantworten, soll diese Arbeit an einem Beispielprodukt durchgeführt werden, dass räumlich konzentriert von verschiedenen Produzenten hergestellt wird, um so eine Vergleichbarkeit zwischen den Unternehmen auf horizontaler Ebene zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
1.1. Globale Rahmenbedingungen
1.2. Wissenschaftlicher Ansatz
1.3. Vorgehen
2. Wettbewerb
3. Cluster
3.1. Allgemein
3.1.1. Verschiedene Schulen
3.1.2. Grundlegende Vorteile
3.2. Governance
3.2.1. Allgemein
3.2.2. Governance in Clustern
3.3. Lernen und Innovation
3.4. Externe Verbindungen
4. Global Value Chains
4.1. Grundkonzept
4.1.1. Theorieentwicklung
4.1.2. Aktuelle Forschung
4.1.3. Grundlagen
4.2. Eintrittsbarrieren und Renten
4.3. Governance in GVC
4.3.1. Buyer- und producer-driven
4.3.2. Formen von Governance
4.3.3. Folgen der Governance
4.3.4. Gründe für Governance
4.4. Qualität und Standardisierung in GVC
5. Upgrading
5.1. Nationale Innovationskompetenz
5.2. Unternehmen
5.2.1. Voraussetzungen
5.2.2. Lernprozesse und Arten von Wissen
5.2.3. Formen
5.3. Upgrading in Clustern
5.3.1. Wissensdiffusion und informelle Kontakte
5.3.2. Auswirkung der Governance
5.3.3. Upgrading im Rahmen von „local innovation systems“
5.4. Upgrading in GVC
5.4.1. Auswirkungen der Governance
5.4.2. Formen von Upgrading in GVC
5.4.3. Quasi-Hierarchie
5.4.4. Markt
5.4.5. Netzwerke
5.5. Upgrading zwischen Clustern und GVC
6. Weltmarkt Wein
6.1. Differenzierung der Marktsegmente
6.2. Geschichte
6.3. Produktion
6.3.1. Konzentration in der Weinindustrie
6.3.2. Zukunft
6.4. Handel
6.5. Distribution und Handel
6.5.1. Der globale Markt
6.5.2. Distribution in Deutschland
6.5.3. Vermarktungsstrategien - Distribution
6.6. Struktur der Global Value Chain
6.6.1. Akteure
6.6.2. Verschiedene Weinketten
6.7. Zusammenarbeit
6.8. Upgrading
7. Weinland Südafrika
7.1. Gesamtwirtschaftliche Situation
7.2. Weinwirtschaft
7.2.1. Historische Entwicklung
7.2.2. Aktuelle Situation
7.3. Wettbewerb
7.4. Akteure
7.4.1. Firmenorganisation
7.4.2. Strategien
7.4.3. Struktur
7.5. Zusammenarbeit
7.5.1. Interessenvertretungen
7.5.2. Politik und Strategien
8. Untersuchungsregion Paarl
8.1. Methodik
8.1.1. Untersuchungsregion
8.1.2. Befragung
8.1.3. Operationalisierung
8.2. Allgemeine Daten
8.3. Innovation - Technischer Wandel und Wissensbasis
8.4. Institutionen
8.5. Netzwerke
8.5.1. Business Netzwerk
8.5.2. Governance
8.5.3. Ausländische Firmen
8.5.4. Andere Gruppen
8.6. Interpretation
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen globalen Wertschöpfungsketten (GVC) und Clustern, wobei das Hauptziel darin besteht, zu klären, wie lokale Unternehmen von globalen Anbindungen profitieren können oder ob diese Einbindung zu einer Marginalisierung führt. Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, welche Governance-Formen innerhalb von Clustern und GVC das Upgrading von Unternehmen begünstigen.
- Analyse der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen in globalen Märkten
- Untersuchung von Cluster-Governance und Wissensnetzwerken
- Betrachtung von Global Value Chains und der Bedeutung von Qualitätsstandards
- Empirische Fallstudie der Weinindustrie in Paarl, Südafrika
- Identifikation von Faktoren, die das Upgrading in regionalen Clustern unterstützen
Auszug aus dem Buch
1. Einführung
Der Prozess der Globalisierung hat in der gesamten Weltwirtschaft und Gesellschaft Veränderungen bewirkt. Die entwickelten Länder des Nordens verlagern hierbei Produktionsschritte, insbesondere arbeitsintensive Schritte, in die „billigeren“ Länder des Südens. Für diese Länder bedeutet die Teilnahme an der Weltwirtschaft eine Chance zur Entwicklung ihrer gesamten ökonomischen Situation. Diese Chance konnten bisher jedoch nicht alle Länder nutzen. Vor allem die Länder des südlichen Afrikas konnten bisher von den Prozessen der Globalisierung nicht profitieren, während die Länder in Ost- und Südostasien in großen Schritten eine aufholende Entwicklung erlebten. Diese Verallgemeinerung auf die nationale Ebene führt jedoch zu der Gefahr, den Erfolg der Partizipation auf makroökonomische Faktoren zu beschränken.
Makroökonomische Faktoren, wie z.B. Wechselkurse, spielen für die internationale Wettbewerbsfähigkeit sicherlich eine Rolle, doch letztendlich sind es die Unternehmen, die sich durchsetzen müssen. Um auf den internationalen Märkten mit hohem Wettbewerb bestehen zu können, muss Qualität zu entsprechenden Preisen angeboten werden. Dies bedeutet für die Unternehmen, dass sie die Qualität ihrer Produkte und ihre Produktivität stetig verbessern müssen. Ein solches Upgrading muss zusammen mit den Beziehungen zu anderen Unternehmen betrachtet werden.
Firmen sind nicht nur in einem begrenzten Raum eingebunden, sondern über vielfältige Beziehung in die globalen Wirtschaftsströme. Diese globalen Wertschöpfungsketten werden oftmals von Unternehmen aus den entwickelten Ländern gesteuert, die damit auch die Zukunft anderer Unternehmen direkt oder indirekt mitbestimmen (GEREFFI 1994). Upgrading von Unternehmen aus den Entwicklungsländern ist abhängig von der Governance der globalen Unternehmen. Dies gilt umso mehr, je weniger innovativ diese abhängigen Unternehmen sind, bzw. inwieweit die Unternehmen in der Lage sind, von den globalen Leadern zu lernen (GEREFFI 1999b, GEREFFI UND KAPLINSKY 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den globalen Kontext von Wertschöpfungsketten und die Notwendigkeit für Unternehmen in Entwicklungsländern, durch Upgrading wettbewerbsfähig zu bleiben.
2. Wettbewerb: Dieses Kapitel erläutert die Dynamik des Wettbewerbs auf nationaler und globaler Ebene, wobei der Fokus auf Innovation und Porter’s Wettbewerbsdiamant liegt.
3. Cluster: Das Kapitel diskutiert Cluster als räumlich konzentrierte Netzwerke und untersucht, wie Governance, Lernen und Wissensaustausch die regionale Wettbewerbsfähigkeit stärken.
4. Global Value Chains: Es werden die theoretischen Grundlagen und Governance-Strukturen globaler Wertschöpfungsketten dargestellt, inklusive der Rolle von Eintrittsbarrieren und Qualitätsstandards.
5. Upgrading: Dieses Kapitel verknüpft die Konzepte von Clustern und GVC und untersucht, wie Unternehmen durch Prozess-, Produkt- und funktionale Verbesserungen in die globale Wertschöpfung aufsteigen können.
6. Weltmarkt Wein: Der Weinmarkt wird als Fallbeispiel analysiert, wobei Marktsegmente, Produktionstrends und die globale Handelsstruktur betrachtet werden.
7. Weinland Südafrika: Ein spezifischer Blick auf die südafrikanische Weinindustrie, von der historischen Entwicklung bis hin zu den aktuellen strukturellen Herausforderungen nach dem Ende der Apartheid.
8. Untersuchungsregion Paarl: Das empirische Herzstück der Arbeit: eine detaillierte Analyse der Region Paarl hinsichtlich Netzwerkstrukturen, Innovation und Governance-Modellen der dort ansässigen Betriebe.
9. Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen und diskutiert die Governance-abhängigen Upgrading-Möglichkeiten für südafrikanische Weinproduzenten.
Schlüsselwörter
Global Value Chains, Cluster, Governance, Upgrading, Weinindustrie, Südafrika, Wissensnetzwerk, Wettbewerbsfähigkeit, Lernprozesse, Marktzugang, Innovation, Region Paarl, Wertschöpfungskette, Wirtschaftsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die komplexen Interaktionen zwischen globalen Wertschöpfungsketten (GVC) und regionalen Clustern. Ziel ist es zu verstehen, wie Unternehmen in einem spezifischen Sektor – hier der Weinindustrie in Paarl, Südafrika – durch ihre Governance-Struktur und lokale Netzwerke an globalen Wertschöpfungsprozessen teilhaben und ihr Upgrading-Potenzial ausschöpfen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Themen Cluster-Theorie, globale Wertschöpfungsanalyse, Mechanismen des Unternehmens-Upgradings, Innovationsmanagement sowie die spezifische wirtschaftliche Situation der südafrikanischen Weinwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Formen der Governance (z.B. quasi-hierarchisch oder relational) das Upgrading von Weinproduzenten beeinflussen und welche Rolle lokale Wissensnetzwerke bei der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit spielen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit kombiniert einen theoretisch-analytischen Teil (Literaturdiskussion) mit einer deduktiven, quantitativen empirischen Untersuchung. Es wurden Mikro-Daten durch Interviews mit Weinproduzenten in der Region Paarl erhoben, um Netzwerke und Wissensflüsse zu kartieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Nach einer theoretischen Einführung in die Wettbewerbs-, Cluster- und GVC-Theorien analysiert der Hauptteil den globalen Weinmarkt und die südafrikanische Industrie. Darauf folgt die spezifische Untersuchung der Untersuchungsregion Paarl mit einer Analyse der dortigen Akteure und deren Netzwerk-Integration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind GVC, Cluster, Governance, Upgrading, südafrikanische Weinindustrie, Wissensnetzwerke und regionale Wettbewerbsfähigkeit.
Welchen Einfluss haben ausländische Firmen auf die Region Paarl?
Die Studie zeigt, dass ausländische Firmen in Paarl meist jünger sind und weniger gut in die lokalen Netzwerke integriert sind als einheimische Betriebe, da sie sich stärker an internationalen Wissensquellen orientieren.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Governance-Formen?
Die Untersuchung ergibt, dass Unternehmen mit einer „relational-modularen“ Governance-Struktur den innovativen Kern des Clusters bilden. Sie sind am besten vernetzt, verfügen über die höchste Absorptionsfähigkeit für neues Wissen und profitieren daher am stärksten vom lokalen Wissensnetzwerk.
- Citation du texte
- Alexander Wijgers (Auteur), 2008, Upgrading und Wechselwirkungen zwischen Global Value Chains und Clustern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186822