Die Situation am Hofe der Kaiser Constantius II und Julian

Eine Darstellung privater und offizieller Ebene


Hausarbeit, 2011

23 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Kaiser
2.1 Gesellschaftliche Stellung
2.2 Die beiden Persönlichkeiten
2.2.1 Constantius
2.2.2 Julian

3. Am Hofe
3.1 Residenzen
3.2 Ebenen der Hofhaltung
3.3 Der Kaiser privat
3.4 Die Privatsphäre der Kaiser
3.5 Bedienstete am Hofe
3.5.1 Bedienstete in unmittelbarer Nähe des Kaisers
3.5.1.1 Die Hofeunuchen
3.5.1.2 Das Amt des praepositus sacri cubiculi
3.5.2 Die Bediensteten im weiteren Umkreis
3.5.3 Die Reichsverwaltung
3.5.4 Der Prätorianerpräfekt
3.6 Regierungsgeschäfte

4. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Die Hausarbeit zur Situation am Hofe der Kaiser Constantius II und Julian versucht ein Bild zweier Kaiser zu zeichnen, die im vierten Jahrhundert, also zu einer Zeit der großen Veränderungen im Imperium Romanum, geherrscht haben. Dabei geht es nicht vornehmlich um die Charakterzüge der beiden Kaiser und deren Verdienste und Fehler, sondern mehr darum aufzuzeigen, wie am Hofe der Kaiser im vierten Jahrhundert regiert wurde. Was für strukturelle Möglichkeiten lagen vor? D.h., wie gestaltete sich der Regierungsapparat bzw. der Hofstaat. In diesem Zusammenhang wird unter Bedienstetenschaft für die Hofhaltung bzw. für die Regierungsgeschäfte unterschieden. Es soll deutlich gemacht werden, welche Unterschiede es zwischen der Kaiserpersönlichkeit als Staatsoberhaupt und als Privatmann gibt. Dazu wird auch der Sitz des Hofes eine Rolle spielen.

Die Quellenlage aus der Zeit des vierten Jahrhunderts ist zwar nichtübermäßigüppig, aber mit Ammianus Marcellinus‘ „Res gestae“1 steht eine sehr umfassende Zeitgeschichte zur Verfügung, die sich auf das vierte Jahrhundert bezieht. Die erhaltenen Teile umfassen dabei einen langen Zeitraum der Regierungszeit von Kaiser Constantius II und die Regierungszeit von Kaiser Julian. Die meisten zeitgenössischen Autoren beziehen sich im Wesentlichen auf diese Quellen. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass sich die gesamte Sekundärliteratur auf Ammian stützt und auf dessen Objektivität und Wahrheitsgehalt angewiesen ist. Den Wahrheitsgehalt bzw. die Sympathien, die Ammianus Marcellinus in seinen Schriften direkt oder indirekt verflechtet, werden nicht zum Gegenstand dieser Hausarbeit. Trotzdem soll der Vollständigkeit halber an dieser Stelle darauf verwiesen werden, dass Ammian dem Kaiser Julian sehr zugetan war. Dementsprechend zeichnet er von Julian ein eher positives Bild. Constantius wird tendenziell negativ konnotiert.

Gerade für die Auseinandersetzung mit den Eunuchen am Hofe des Kaisers könnten diese subjektiven Einfärbungen von Belang sein. Diese sollen im Kapitel zur Hofhaltung einer näheren Betrachtung unterliegen. Abschließend soll der Versuch unternommen werden die Eindrücke von der Situation am Hofe der Kaiser zu Aussagen für ihr politisches Handeln zu transformieren. Dabei soll auch eine fiktiv angenommene starke bzw. schwache Persönlichkeit des Kaisers als ein Kriterium für den Vergleich von guter und schlechter Politik herangezogen werden.

2. Der Kaiser

2.1 Gesellschaftliche Stellung

Im vierten Jahrhundert p.C.n. war das Kaisertum fest im Bewusstsein der Menschen verankert. Während Gaius Octavius vor und zu beginn des ersten Jahrhunderts auf seinem Weg zur Installation des Erbkaisertums einen langen, unsicheren Weg gehen musste, war das Kaisertum des vierten Jahrhundert die Herrschaftsform im Imperium Romanum. Gaius Julius Caesar kann als Ausgangspunkt dieser Machtbündelung auf eine Person gesehen werden, wobei er in der späten römischen Republik nicht der einzige militärische Befehlshaber mit allumfassend anmutenden Befugnissen war. Gestützt auf eine Diktatur, versuchte er in den Jahren nach den Bürgerkriegen seine Macht zu festigen, indem er seine Stellung im Staate immer weiter ausbaute und seinen Absolutheitsanspruch durch sakrale Ehrungen weiter unterstrich.2 Mit seinem Adoptivsohn Gaius Octavius, dem späteren Augustus, war dieser Prozess nicht abgeschlossen. Augustus selbst war der Princeps und bezeichnete sich als primus inter pares.3

Diese Spitzfindigkeiten waren dem Kaisertum der Spätantike abhanden gegangen. Der Kaiser wurde zu diesem Zeitpunkt nicht nur als Oberhaupt des Staates betrachtet, der mit einer Unantastbarkeit umgeben war, sondern dem Kaiser wurden gerade im östlichen Teil des Imperiums göttliche Fähigkeiten zugesprochen bzw. er wurde als Gottheit verehrt. Doch wer oder was waren die Kaiser der Spätantike?

Wie schon Caesar, wollten auch die Kaiser der Spätantike den Titel des Augustus innerhalb der Familie weitergeben. Das Erbkaisertum war aberüber die ganzen vier Jahrhunderte nur ein Wunschdenken, denn selbst nachdem Augustus das Erbe von Gaius Julius Caesar angetreten hatte, endete mit Caligula 41 p.C.n. die Herrschaft der Julier. Sehr häufig glitt den jeweiligen Kaiserfamilien die Macht wieder aus den Händen und andere Kaiser versuchten ihre jeweilige Familie an der Macht zu halten. Ab dem dritten Jahrhundert kam ein Großteil der Kaiser aus dem Militär. Die so genannten Soldatenkaiser4 wurden vom Militär auf Grund ihrer Verdienste und Führungsqualitäten als neue Kaiser ausgerufen. Das vierte Jahrhundert war nicht von Soldatenkaisern, aber von einer Fülle von Gegenkaisern und Usurpatoren5 gekennzeichnet. Der Frieden nach innen und außen war ständig in Gefahr. Obwohl also den Kaisern eine göttliche Verehrung durch das Volk zuteil wurde, war ihre Macht von vielen äußeren Faktoren abhängig. Die Ausdehnung des Imperiums machte dazu die alleinige Herrschaft eines Kaisers fast unmöglich. Wenn der Kaiser nichtüberall sein konnte und sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, dass in seiner Abwesenheit ein Usurpator die Fäden der Macht in einem Teil des Reiches an sich riss, so musste das Oberhaupt des Imperium zwangsläufig andere an der Macht beteiligen, um seine Stellung behaupten zu können. Die von Kaiser Diokletian eingeführte Tetrarchie stellte genau diesen Weg dar, nämlich die Macht zu teilen, um selbst an der Macht zu bleiben.6 Ähnlich verfuhren auch die Kaiser der konstantinischen Dynastie. Konstantin der Große berief seine Söhne und nahen Verwandten in hohe Positionen. Seine Söhne folgten dem Beispiel teilweise, um die Macht zu erhalten.

2.2 Die beiden Persönlichkeiten

2.2.1 Constantius

In dieser von Veränderungen geprägten Zeit 317 p.C.n. wird Constantius II als Flavius Julius Constantius in Illyricum, auf dem heutigen Balkan, geboren. Er ist der zweite Sohn aus der Ehe von Konstantin dem Großen und seiner Frau Fausta.7 Genau wie seine Brüder Konstantin II, Konstans und sein Halbbruder Crispus, wurde Constantius sehr früh mit dem dynastischen Erbkaiserprinzips des Vaters vertraut gemacht. Constantius wurde nach der Reaktion des Vaters zu urteilen, ganz fest in die Erfolge eingeplant. Diese Tatsache lässt sich daran nachweisen, dass der Vater das Kind schon 324 p.C.n. zum Caesar ernennt. Damit einher gingen Aufgaben im militärischen und zivilen Bereich. Nach dem Tod Kaiser Konstantins waren die verbliebenen drei leiblichen Söhne auf das Herrscheramt vorbereitet. Während die drei Söhne sich die Macht teilten wurden bis auf die zwei Neffen Gallus und Julian, alle näheren Verwandten von Konstantin dem Großen ermordet. Bei Constantius II hat diese Tat bis zum Lebensende Spuren hinterlassen. Nachdem der wacklige Bund mit den Brüdern durch deren Tod 340 und 350 endete und der Usurpator Magnentius 353 besiegt war, fiel Constantius II die Alleinherrschaftüber das Imperium Romanum zu.8 Er regierte von 337 bis 361 p.C.n. Seine Regierungsjahre waren geprägt von den Auseinandersetzungen mit seinen Brüdern und der Usurpation von Reichsteilen. Er setzte die christenfreundliche Politik seines Vaters fort. Ferner fielen in seine Regierungsjahre die ständig aufflammenden Grenzprobleme mit den Persern.

2.2.2 Julian

Julian ist der letzte Vertreter der konstantinischen Dynastie. Er und sein Bruder sind, bis auf die Söhne des Kaisers, die einzigen männlichen Verwandten von Konstantin dem Großen, die nach dessen Tod von Nachstellungen und Mord verschont blieben. Flavius Claudius Julianus wurde 332 p.C.n. in Konstantinopel geboren.9 Sein Vater, Julius Constantius, war der Halbbruder des Kaisers und seine Mutter Basilina die Tochter des ehemaligen Konsuls und praefectus praetorio10 Caeionius Julianus Camenius.11 Mit sechs Jahren war er durch die Verfolgung der nahen Verwandten des Kaisers zum Vollwaisen geworden. Während der Verfolgungen des Jahres 337 - 338 hielt er sich mit seinem Halbbruder Gallus beim Bischof Eusebius in Nikomedia auf. Dieserübernahm 338 das Amt des Bischofs in Konstantinopel und nahm die Jungen mit. In der Reichshauptstadt wurde Julian von seinen Verwandten mütterlicherseits umsorgt. Zum Erzieher wählte sein Großvater den ehemaligen Lehrer der Basilina, den Eunuchen Mardonios.12 Constantius II muss in den Folgejahren ein Interesse an den beiden Cousins gehabt haben, denn: „Gelegentlich erkundigte sich Kaiser Constantius nach seinem kleinen Vetter und erteilte Ratschläge für seine Erziehung.“13 345 wurde er von Kaiser Constantius nach Nikomedia befohlen, um außerhalb von Konstantinopel seine Ausbildung vorzusetzen.

„Doch [auch] in Nikomedia wurde Julian rasch wieder Stadtgespräch, und er gewann neue Freunde, so daß sich Constantius nach einem Jahr gezwungen sah, noch wirkungsvollere Abhilfe zu schaffen. Er befahl ihm, auf die kaiserliche Domäne Macellumüberzusiedeln, […]“14

Einen Großteil der nächsten Jahre verbrachte Julian mit dem Selbststudium. Nachdem sein Bruder Gallus zum Caesar ernannt worden war und sich gegen Kaiser Constantius II aufgelehnt hatte, wurde er 354 hingerichtet. Am 6. November des Jahres 355 wurde Julian schließlich selbst durch Constantius zum Caesaren ernannt.15 Diese Entscheidung hatte vermutlich mit der Notwendigkeit eines „Mitregenten“ zu tun. In Verbindung mit den Vorbereitungen für die Perserfeldzüge, ließ sich Julian von den Legionen zum Augustus ausrufen. Der militärischen Auseinandersetzung mit seinem Vetter Constantius II kam dessen plötzlicher Tod 361 zuvor. „Nur knapp zwanzig Monate dauerte seine Herrschaft, mit 32 Jahren fand er bereits den Tod […]“16

3. Am Hofe

3.1 Residenzen

Die Kaiser der Spätantike hielten in unterschiedlichen Städten Hof. Rom hatte im vierten Jahrhundert seine Bedeutung als Machtzentrum verloren. Die neue Hauptstadt des Reiches hieß zur Zeit des Constantius und des Julian Konstantinopel. Doch die Hauptstadt beherbergte nicht zwangsläufig den einzigen, dauerhaften Sitz des Kaisers. Neben Rom und Konstantinopel waren auch in anderen bedeutenden Städten der Antike Paläste und Wohnungen bzw. Anwesen der Kaiser und deren Familien. Diese wechselnden Residenzen stehen im Zusammenhang mit den Vorgängern. Seit Augustus bauten sich die Kaiser immer wieder eigene Villen und Paläste. Das Aufkommen von verschieden Residenzen wurde im dritten bzw. am Anfang des vierten Jahrhunderts durch die Einführung des Regierungskollegiums verstärkt. Die vier Kaiser wollten unterschiedliche Residenzen haben, von denen sie ihren Reichsteil regierten. Zu den berühmten Residenzen zählen beispielsweise Nikomedia, Antiochia, Sirmium, Thessalonike, Mailand, Trier, Ravenna.17 Die beiden Tetrarchen Diokletian und Gallerius wählten Spalato bzw. Gamzigrad als Alters- bzw. geplanten Alterssitz. Dazu kamen noch eine Fülle von Landvillen und Landsitzen. Auch die Damen des Kaiserhauses besaßen häufig eigene Paläste. Der spätere Kaiser Julian verbrachte z.B. einen Teil seiner Jugend auf einem Landsitz in Macellum in Cappadokien, welcher im Besitz des Constantius war.

Die Residenzen, Paläste, Höfe, Villen, Landsitze waren alle standesgemäß ausgestattet und wiesen recht unterschiedliche Eigenschaften auf. So waren die Residenzen der Spätantike teilweise befestigt, was vielleicht auf die unsicheren Verhältnisse des dritten und vierten Jahrhunderts zurückzuführen ist.18 „Die Kaiservillen waren im allgemeinen mit Marmor, Mosaiken und Malereien prächtig ausgestattet.“19 Die räumliche Struktur der Kaiserpaläste unterlag bestimmten Vorgaben. Wesentlichen Einfluss nahm dabei die Funktion des Palastes. Dazu heißt es bei Noethlichs:

„Unmittelbares Vorbild war das Bauprogramm des Augustus auf dem Palatin und die Weiterentwicklung bis zu den Palästen der Tetrarchie. Die Grundelemente sind: Zusammenfall von Privathaus und Dienstwohnung, die baulichen Möglichkeiten, Senatssitzungen im oder beim Palast abzuhalten, ebenso Gerichtssitzungen, Verbindung des Hauses mit einem Kultbau (Tempel), weil der Kaiser immer auch pontifex maximus war,53 ein enger baulicher Zusammenhang der Kaiserwohnung mit einem Raum für öffentliche Versammlungen und Lustbarkeiten wie Zirkus, Theater oder Hippodrom sowie Bildungseinrichtungen wie Bibliotheken in unmittelbarer Nähe.“20

Dazu kamen noch Bauten für die Verwaltung, Funktionsbauten für Küche, Lager, Personal etc. und ein Bäderkomplex. Der ganze Kaiserpalast war damit eine Stadt in der Stadt, die eine Fülle an Gebäudeteilen aufwies, die mehr oder weniger öffentlich zugänglich waren. Mit Sicherheit gab es Paläste oder Palastbereiche, die nur dem Kaiser, seiner Familie und engsten Bediensteten zugänglich waren. Die Fläche dieser großen Anlagen war riesig. So liefert Monika Staesche z.B. eine Informationüber die Kaiserthermen in Trier. Diese sollen von ihrer Größe die Fläche des Trierer Forumsübertroffen haben und damit die größten Thermen außerhalb von Rom sein. Interessant an dieser Information ist aber, dass es sich bei den Thermen nicht um öffentliche Bäder, sondern um die Palastbäder handelt.21 Für die Fläche des Palastbezirks in Konstantinopel gibt sie für das 10. Jahrhundert eine Zahl von 400000 qm an. Das gesamte Palastgelände lässt sich in verschiedene Bereiche zergliedern, denen unterschiedliche Funktionen zugeordnet werden können:

„1. Das bzw. die Palastgebäude als äußere, sichtbare Machtzentrale(n). 2. Das Palastinnere als Privatwohnung des Kaisers und der Kaiserin. 3. Der Palast als Ort der Selbstdarstellung des Kaisertums in der entsprechenden räumlichen Ausgestaltung: Hier, also von innen, ergeben sich Entsprechungen zwischen Zeremoniell und Architektur. 4. Der Palast als politisch-administratives Zentrum: Er ist Sitz der Reichsverwaltung und verfügtüber besondere örtliche Bereiche und Publikumsverkehr. 5. Der Hofkomplex als Teil der Hauptstadt Konstantinopel. Dies kommt am deutlichsten im Hippodrom zum Ausdruck: Die Stadt bildet den Raum der Öffentlichkeit, der Außenkontakt des Kaisers.“22

3.2 Ebenen der Hofhaltung

Wie im voran stehenden Kapitel schon angedeutet wurde, waren die Residenzen bzw. Kaiserpaläste sehr weiträumige, große Komplexe. Der Kaiser residierte an diesen Orten. Ursprünglich war Rom die Stadt des Kaisers. Mit der Verlagerung der Residenzen bzw. der Hauptstadt, fand eine Hinwendung zum Osten aus sicherheitspolitischen Gründen statt. Die Lage im Osten wurde ernst. Der Kaiser musste näher am Geschehen sein. Zog der Kaiser um, folgte ihm der ganze Hofstaat. Noethlichs beziffert die Anzahl der Funktionäre am Hofe zur Zeit des Justinians, etwa 170 Jahre nach der Regentschaft von Constantius, auf etwa 6500 Personen, also ein riesiges Heer an Bediensteten.23 Diese Leute waren zum Teil Zivilangestellte, Soldaten und Leibeigene. Ihnen oblag es, die Aufgaben des Staates, Staatsgeschäfte sowie Ausrichtung und Unterhaltung des Hofes, aufrecht zu erhalten.

Die Vermutung liegt nahe, dass es Unterschiede in den Zuständigkeiten, Aufgaben und Befugnissen gab. Ein einfacher Sklave, der sich in der Küche um das Essen für den Augustus und sein Gefolge kümmerte, war von den Regierungsgeschäften natürlich ausgenommen. Deshalb wird in den folgenden Kapiteln zwischen einer privaten und einer öffentlichen Ebene unterschieden, wobei der Versuch darauf abzielt die Trennschärfe zwischen diesen beiden Ebenen der Hofhaltung deutlich zu machen.

3.3 Der Kaiser privat

Grundsätzlich wird das Thema Öffentlichkeit und Privatleben in der gesamten Literatur dahingehend beschrieben, dass ein Kaiser nie privat sein kann. Das Amt des Kaisers bindet die Person an eine Funktion, die sie immer im Fokus der Öffentlichkeit ausübt. Der Gedanke, dass der Kaiser seine Toga ablegt und sagt, dass er jetzt Feierabend hat, ist damit unmöglich. „Ein bürgernaher Princeps ist einem Privatmann zum Verwechseln ähnlich (simillimus privato), aber eben selbst keiner.“24 Der Gedanke, der dahinter steckt ist vielleicht mit einem Vergleich zu erklären:

Die Bundeskanzlerin geht ihren Pflichten jeden Tag nach und lässt sich anschließend nach Hause fahren. Im klassischen Sinne hat sie ein Beschäftigungsverhältnis. Das haben viele Menschen in Deutschland. Ihre besondere Stellung erzeugt aber ein besonderes Interesse an ihrer Person, welches zwar nichts mit ihrer Arbeit zu tun hat, sich aber auf die Bewertung ihrer Arbeit auswirkt.

[...]


1 „Res gestae“ ist ein Sammelwerküber die Ereignisse des 4. Jh., bei denen Ammianus Marcelinus Zeit- und teilweise Augenzeuge war.

2 Vgl. Bleicken, J. et al. (2004): Geschichte der römischen Republik, S. 238ff.

3 Princeps ist der erste und wird mit dem Zusatz primus inter pares als erster unter den gleichen bezeichnet. Damit wird die exponierte Stellung des ersten deutlich. Gleichzeitig wird aber die Stellung der Untergebenen als ebenfalls hoch bewertet.

4 Vgl. http://www.roemische-imperium.de/page/html_herrscher_02.html#nr08 und http://www.territorioscuola.com/wikipedia/de.wikipedia.php?title=Soldatenkaiser.

5 Vgl. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Usurpator.html.

6 Vgl. Horst, Eberhard (1993): Konstantin der Große, S.13 ff.

7 Vgl. http://www.kirchenlexikon.de/k/Konstantios_II.shtml.

8 Vgl. ebenda.

9 Vgl. Giebel, Marion (Hrsg.) (1999): Julian Apostata, S.69ff.

10 In der Zeit Konstantins war der praefectus praetorio ein sehr hoher Verwaltungsangestellter.

11 Vgl. Geffcken, Johannes (1914): Kaiser Julianus, S.4.

12 Vgl. Rosen, Klaus (2006): Julian, Kaiser, Gott und Christenhasser, S.70ff.

13 Ebenda, S.72.

14 Ebenda, S.82.

15 Ebenda, S.133.

16 Giebel, Marion (Hrsg.) (1999): Julian Apostata, S.73.

17 Vgl. Demandt, Alexander (1996): Das Privatleben der römischen Kaiser.

18 Vgl. ebenda, S.127.

19 Ebenda, S.130.

20 Noethlichs, Karl Leo (1998):Struktur und Funktion des spätantiken Kaiserhofes, S.22.

21 Vgl. Staesche, Monika (1994): Das Privatleben der römischen Kaiser in der Spätantike, S.223.

22 Noethlichs, Karl Leo (1998):Struktur und Funktion des spätantiken Kaiserhofes, S.25f.

23 Vgl. Noethlichs, Karl Leo (1998):Struktur und Funktion des spätantiken Kaiserhofes, S.28.

24 Demandt, Alexander (1996): Das Privatleben der römischen Kaiser, S.24f.

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Details

Titel
Die Situation am Hofe der Kaiser Constantius II und Julian
Untertitel
Eine Darstellung privater und offizieller Ebene
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V186829
ISBN (eBook)
9783869434230
ISBN (Buch)
9783869434339
Dateigröße
820 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
situation, hofe, kaiser constantius, julian eine, darstellung, ebene
Arbeit zitieren
Christian Zwer (Autor), 2011, Die Situation am Hofe der Kaiser Constantius II und Julian , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186829

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