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„Dem Publikum gefiel das, dem Kesten gefiel das nicht.“ - Uwe Johnson als Polemiker

Title: „Dem Publikum gefiel das, dem Kesten gefiel das nicht.“ - Uwe Johnson als Polemiker

Thesis (M.A.) , 2008 , 117 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Sebastian Himstedt (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit möchte eine bisher wenig beachtete Seite des Schriftstellers Uwe
Johnson zeigen: Anhand der Analyse verschiedener öffentlicher Kontroversen wird das
Agieren Uwe Johnsons als Polemiker beschrieben. Dabei ist besonders auf die Verwendung
polemischer Strukturen, rhetorischer Fähigkeiten und sprachlicher Codes eingegangen
worden, jedoch stets unter Verweis auf biographische Umstände, weil sie Teil der
polemischen Angriffe waren. Eingebettet in das Modell von Jürgen Stenzel, steht im
Mittelpunkt der Untersuchung die Polemik Hermann Kesten vs. Uwe Johnson, an welcher
sich am umfassendsten die polemischen Praktiken Uwe Johnsons darstellen lassen. In der
Analyse der Kontroversen um die Berliner S-Bahn, dem Vergleich der Gruppe 47 mit der
Reichsschrifttumskammer und Johnsons Fehde mit Heinrich von Brentano (Außenminister
a.D., CDU) zeigt sich, dass der versierte Polemiker Johnson das Maß der rhetorischen und
polemischen Mittel sehr genau abwägt und seinem Gegenstand anpasst. Darüberhinaus
werden die Frankfurter Vorlesungen Begleitumstände hier erstmals als polemischer Text und
in seinen retrospektiven Passagen als „Polemik zweiter Ordnung“ gelesen.[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG UND EXKURS POLEMIK

2. „DEM PUBLIKUM GEFIEL DAS, DEM KESTEN GEFIEL DAS NICHT“. DIE RHETORIK JOHNSONS IN DER AFFÄRE KESTEN

2.1. Die Situation

2.2. Der Angriff

2.3. Die Reaktion

2.4. Exkurs DDR-Vokabular

2.5. Noch nicht das Ende

3. „DENN AN DIESEM TAG GING DIE HATZ ERST GRÜNDLICH LOS, UND WER HATTE DA INS HORN GEBLASEN? DER ERFAHRENE LITERATENJÄGER HEINRICH VON BRENTANO WAR’S.“ UNTERSUCHUNG POLEMISCHER BEGLEITUMSTÄNDE

3.1. Noch einmal Kesten

3.2. Gruppe 47 als Reichsschriftumskammer: Ein fiktiver Brief Johnsons

3.3. Die Berliner Stadtbahn

3.4. Exkurs DDR-Vokabular in Johnsons Stadtbahnschriften

4. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert das Agieren Uwe Johnsons als Polemiker anhand öffentlicher Kontroversen, um dessen rhetorische Strategien und den Einsatz sprachlicher Codes im Kontext biographischer Umstände zu beleuchten.

  • Analyse der rhetorischen und polemischen Mittel in öffentlichen Streitfällen
  • Untersuchung der Rolle Uwe Johnsons als Polemiker im literarischen Feld
  • Kontextualisierung polemischer Texte innerhalb der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte
  • Erforschung von Sprache und Vokabular als Instrumente politischer Auseinandersetzung
  • Bewertung der "Begleitumstände" als polemisches Werk zweiter Ordnung

Auszug aus dem Buch

2.2. Der Angriff

Welchen Anlass gibt es also für die Verbalattacken Hermann Kestens auf den jungen Schriftsteller Uwe Johnson?

Das Setting für den Ausgangspunkt des Streits sollte ein runder Tisch am 11.November 1961 im Circulo Turati, einem politisch links stehendem Zirkel in Mailand, sein, an dem sich zu einer Podiumsdiskussion die beiden Kontrahenten sowie u.a. auch der italienische Verleger Johnsons, Giangiacomo Feltrinelli, treffen. Geladen sind auch internationale Pressevertreter, um über die italienische Übersetzung der Mutmaßungen über Jakob zu berichten.

Hermann Kesten ist eingeladen seinen Vortrag „Neues zur neuen deutschen Literatur“ zu lesen, den er schon einmal während der traditionellen Herbsttagung 1961 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt hielt und der schon damals von der Presse als Provokation eingeschätzt wurde. Mit Zorn und Wut sind die Ausfälle über diese Berichterstattung, die sich Kesten während und nach der Veranstaltung in Mailand erlaubt, nicht zu erklären. Angesichts der Bezeichnung Bertolt Brechts als einen „servitore“, einen Diener der Diktatur, und das vor einer Runde, die sich selbst als sozialistisch versteht, deutet Vieles daraufhin, dass Kesten nichts von der Schärfe seines Vortrags streichen wollte oder bewusst die Konfrontation mit der Runde sucht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG UND EXKURS POLEMIK: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert den Polemik-Begriff im Kontext der Arbeit und legt die methodische Herangehensweise dar.

2. „DEM PUBLIKUM GEFIEL DAS, DEM KESTEN GEFIEL DAS NICHT“. DIE RHETORIK JOHNSONS IN DER AFFÄRE KESTEN: Die detaillierte Analyse der Kesten-Johnson-Kontroverse beleuchtet die Situation, den Angriff, die Reaktionen und die rhetorischen Besonderheiten.

3. „DENN AN DIESEM TAG GING DIE HATZ ERST GRÜNDLICH LOS, UND WER HATTE DA INS HORN GEBLASEN? DER ERFAHRENE LITERATENJÄGER HEINRICH VON BRENTANO WAR’S.“ UNTERSUCHUNG POLEMISCHER BEGLEITUMSTÄNDE: Hier werden weitere öffentliche Streitfälle wie der S-Bahn-Boykott und die Gruppe 47 untersucht, eingebettet in die "Begleitumstände" als Retrospektive.

4. FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung des rhetorischen Aufwands im Verhältnis zur existenziellen Betroffenheit des Autors hervor.

Schlüsselwörter

Uwe Johnson, Hermann Kesten, Polemik, Rhetorik, Literaturstreit, Kesten-Affäre, Begleitumstände, Gruppe 47, Berliner S-Bahn, Politische Literatur, Heinrich von Brentano, deutsch-deutsches Verhältnis, Sprachcodes, Medienschelte, Literaturbetrieb

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Uwe Johnsons Wirken als Polemiker in verschiedenen öffentlichen Kontroversen und analysiert, wie er seine rhetorischen Mittel zur Verteidigung seiner Position und Existenz einsetzte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die sogenannte Kesten-Affäre, die Auseinandersetzung um den Boykott der Berliner S-Bahn sowie Johnsons Verhältnis zur Gruppe 47 und zum CDU-Politiker Heinrich von Brentano.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Ziel ist es, Johnsons rhetorische Strategien sowie seinen Umgang mit medialer Kritik zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie er Literatur und politisches Statement in seinen Polemiken miteinander verknüpfte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt das Modell der "polemischen Situation" von Jürgen Stenzel zur Analyse der Texte, ergänzt durch eine Untersuchung sprachlicher Codes und rhetorischer Stilmittel.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Kesten-Affäre sowie eine Untersuchung der polemischen Auseinandersetzungen rund um die Berliner S-Bahn und die Gruppe 47, jeweils unter Einbeziehung von Johnsons "Begleitumständen".

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Polemik, Rhetorik, literarischer Skandal, deutsch-deutsches Verhältnis und politische Literatur charakterisiert.

Welche Bedeutung kommt dem Tonband in der Kesten-Affäre zu?

Das Tonband spielt eine zentrale Rolle, da es als unbestechlicher Beweis diente, um Kestens Anschuldigungen über Johnsons Äußerungen als falsch zu entlarven und Johnson somit in seiner Verteidigung rhetorisch zu stärken.

Wie bewertet die Arbeit Johnsons Umgang mit der "DDR-Sprache"?

Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass Johnson sich sprachlich bewusst vom SED-geprägten DDR-Vokabular distanzierte, dieses jedoch in seinem literarischen Werk ironisch oder als Charakterisierungsmittel einsetzte.

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Details

Title
„Dem Publikum gefiel das, dem Kesten gefiel das nicht.“ - Uwe Johnson als Polemiker
College
Humboldt-University of Berlin  (Philosophische Fakultät II - Institut für deutsche Literatur)
Grade
1,7
Author
Sebastian Himstedt (Author)
Publication Year
2008
Pages
117
Catalog Number
V186835
ISBN (eBook)
9783656101840
ISBN (Book)
9783656101352
Language
German
Tags
publikum kesten johnson polemiker
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Himstedt (Author), 2008, „Dem Publikum gefiel das, dem Kesten gefiel das nicht.“ - Uwe Johnson als Polemiker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186835
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