Rudolf Cruel beschrieb 1879 Berthold von Regensburg als einen Elias seiner Zeit, dessen Wort wie ein scharfes Schwert und eine brennende Fackel gewesen sei. Dieses, auf der unkritischen Übernahme zeitgenössischer Darstellungen basierende, Bild des Wanderpredigers entspricht dem romantisierten Verständnis des Mit-telalters während des 19. Jahrhunderts. Erst durch die Studien Anton E. Schönbachs wurde die Person Bertholds „entzaubert“. Schönbachs objektive Untersuchungen stellten unter anderem heraus, dass es sich bei den überlieferten Schriften keineswegs um Mitschriften des Sermons handeln konnte. In der Folge ließ das Interesse an der Person Bertholds deutlich nach, obwohl die eigentliche wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem bedeutenden Wanderprediger gerade erst begonnen hatte.
Versucht man die Ursachen für den enormen Zulauf des Predigers zu analysieren, genügt es nicht, sein literarisches Erbe zu betrachten. Vielmehr müssen auch äußere Faktoren, wie auch rhetorische und kommunikative Elemente hinterfragt werden. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich daher auf die Funktion Bertholds als mittelalterlichen Kommunikationsträger. Andere Aspekte, wie eine zum Beispiel die inhaltliche Analyse oder die Biographie Bertholds werden hingegen unbeachtet ge-lassen bleiben – ohne den grundsätzlichen Stellenwert dieser Erkenntnisse in der historischen Beurteilung Bertholds in Frage zu stellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Quellenlage
1.1.1 Die Überlieferung der Person Bertholds von Regensburg
1.2.2 Die Überlieferung der Berthold zugeschriebenen, deutschsprachigen Predigten
1.2 Die verwendete Literatur im Spiegel des aktuellen Forschungsstandes
2. Die Funktion Bertholds von Regensburg als Volksprediger
2.1 Die Wirkung der Predigten Bertholds
2.2.1 Äußere Gründe für die hohe Anteilnahme an den Predigten
2.2 Betrachtungen zu Bertholds Sermon am Beispiel „Von drin mûren“
2.2.1 Inhalt der Predigt „Von drin mûren“
2.2.2 enumeratio und repetitio als bestimmende Gliederungsfaktoren
2.2.3 Stilistische Merkmale
2.2.3 Das dialogische Prinzip in Bertholds Predigt
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die rhetorischen und kommunikativen Strategien des mittelalterlichen Predigers Berthold von Regensburg. Ziel ist es zu analysieren, wie Berthold durch den Einsatz spezifischer sprachlicher Mittel und die Einbettung in gesellschaftliche Rahmenbedingungen eine hohe Breitenwirkung als Volksprediger erzielen konnte, wobei die Predigt „Von drin mûren“ als zentrale Fallstudie dient.
- Analyse kommunikativer Strategien im spätmittelalterlichen Predigtwesen.
- Untersuchung der rhetorischen Gliederungsfaktoren enumeratio und repetitio.
- Bedeutung der Bildhaftigkeit und Metaphorik für die Wissensvermittlung.
- Rolle des Predigers als moralische Instanz im Kontext der mittelalterlichen Ständeordnung.
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Stilistische Merkmale
In der untersuchten Quelle „Von drin mûren“ lässt sich die Verwendung verschiedenster stilistischer Mittel nachweisen, von denen im Folgenden der Einsatz von Bildern, Anaphern und Aufzählungen genauer betrachtet werden soll.
Im Zentrum der Ausführungen steht ein Acker, unter dem ein Schatz verborgen liegt. Ursprünglich entstammt dieses Bild dem Matthäus-Evangelium, in dem der Acker mit dem Himmelreich gleichgesetzt wird. Berthold stellt das Gleichnis an den Beginn seiner Predigt und interpretiert die Bedeutung des Ackers neu: Er setzt ihn mit der heiligen Christenheit gleich und führt weiter aus, dass in diesem Acker ein Schatz verborgen liege: die Seelen eines jeden frommen Christen. Gott sei dieser Schatz so wichtig, dass er seine gesamte Habe für den Acker eingetauscht habe und ihn selbst – durch Christus Leiden – gepflügt habe:
Ein pfluoc muoz von îsin und von holze sîn; als; also was daz heilige kriuze von holze, unde von îsin die nagel, die ihm da giengen durch hende unde durch füeze, und alsô habte er den pfluoc, unze er den tôt dar an nam.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel skizziert die Quellenlage zur Person Bertholds von Regensburg und zur Überlieferung seiner Predigten sowie den aktuellen Forschungsstand.
2. Die Funktion Bertholds von Regensburg als Volksprediger: Hier werden die Wirkung der Predigten, die äußeren Gründe für den Zulauf und die spezifische Rhetorik anhand der Predigt „Von drin mûren“ analysiert.
3. Schluss: Das Kapitel fasst die rhetorische Bedeutung Bertholds zusammen und ordnet seine Funktion als Prediger in den historischen Kontext der mittelalterlichen Gesellschaft ein.
Schlüsselwörter
Berthold von Regensburg, Volksprediger, Predigt, Von drin mûren, Rhetorik, Mittelalter, Kommunikationsstrategie, Bildhaftigkeit, enumeratio, repetitio, Franziskaner, Seelsorge, Metaphorik, Ständeordnung, Frömmigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kommunikativen und rhetorischen Elemente in den Predigten von Berthold von Regensburg am Beispiel der Predigt „Von drin mûren“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Rolle des mittelalterlichen Volkspredigers, die Bedeutung von Rhetorik für die Zuhörerschaft und die historische Einordnung der Predigttätigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse der Funktionen von Sprache und Rhetorik, um zu verstehen, wie Berthold seine große Wirkung als mittelalterlicher Kommunikationsträger erzielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kommunikationswissenschaftliche Analyse einer spezifischen Quelle, unterstützt durch den Vergleich mit zeitgenössischen Forschungsergebnissen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Wirkung der Predigten, äußeren Begleitumständen der Popularität sowie der detaillierten stilistischen Untersuchung der Predigt „Von drin mûren“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Volkspredigt, Rhetorik, Kommunikationsträger, Metaphorik und Berthold von Regensburg.
Wie definiert Berthold in seiner Predigt den Acker?
Berthold verwendet das Bild des Ackers, um das Himmelreich bzw. die heilige Christenheit zu veranschaulichen, in der die Seelen der gläubigen Christen als verborgener Schatz liegen.
Warum verwendet Berthold das Stilmittel der repetitio?
Die Wiederholung dient als roter Faden, der die komplexen Predigtinhalte strukturiert und dem Publikum das Verständnis der theologischen Ausführungen erleichtert.
Welche Rolle spielt das dialogische Prinzip in der Predigt?
Das dialogische Prinzip erzeugt eine Interaktion mit dem Publikum, steigert die Eindringlichkeit der Mahnung und weckt bei den Zuhörern Emotionen wie Betroffenheit.
- Citar trabajo
- M. A. Aaron Faßbender (Autor), 2005, Kommunikative Elemente im Sermon Bertholds von Regensburg unter besonderer Berücksichtigung der ihm zugeschriebenen Predigt „Von drin mûren“ , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186847