Die deutsche Fernsehbranche verändert sich rasant. Bedingt durch die Digitalisierung mussten viele TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen ihren gesamten Workflow umrüsten, um auch auf Dauer wettbewerbsfähig zu sein. Viele Unternehmen haben zu spät in diese Entwicklung investiert, was dazu geführt hat, dass sie hohe Marktanteilsverluste in Kauf nehmen mussten. Diese Situation hat den deutschen Unternehmen aufgezeigt, wie wichtig es ist, zur richtigen Zeit in neue Technologien zu investieren, wobei man die Chancen und Risiken, ob sich eine neue Technologie durchsetzt oder ob sie scheitert, genau analysieren und abwägen muss.
Durch die Digitalisierung entwickeln sich viele neue Technologien und Trends. Neue Berufsbilder entstehen und traditionelle Arbeitsweisen verändern sich grundlegend. Die zunehmende Vernetzung der Medien- und Kommunikationssektoren führt zur Erosion traditioneller Wertschöpfungsketten. In der Film- und Fernsehproduktion sind es unter anderem hochleistungsfähige Digitalkameras, ob Video oder HD, leistungsstarke Datenkompressionen, schnell arbeitende Computerschnittplätze, neue Übermittlungstechniken und umfassende digitale Bearbeitungsmöglichkeiten.
Die neue digitale Technologie wird zunehmend kostengünstiger und fortwährend leichter bedienbar. Die Digitalisierung hält im gesamten Workflow der Film- und Fernsehproduktion Einzug und trägt dazu bei, dass die Prozesse von der Produktion bis zur Sendeabwicklung optimiert werden können. Viele TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen befinden sich momentan in ihrer strategischen Zukunftsplanung und haben sich noch nicht entschieden, welchen Weg sie in Zukunft gehen werden. Es zeichnet sich ein Zielkonflikt zwischen Qualitäts- und Kostendenken ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Gegenstand der Untersuchung
1.3 Ziel der Diplomarbeit
1.4 Inhaltlicher Aufbau und methodische Vorgehensweise
1.5 Begriffsdefinitionen
2 Der deutsche Fernsehmarkt
2.1 Geschichtliche Entwicklung
2.1.1 Die Anfänge des Fernsehens in Deutschland
2.1.2 Von der MAZ-Technik bis zur Digitalisierung
2.2 Die relevanten Marktteilnehmer
2.2.1 Entwicklung der TV-Programmanbieter
2.2.2 Entwicklung der Produktionsfirmen
2.2.3 Entwicklung der Rezipienten
2.3 Zusammenfassung
3 HDTV
3.1 Entstehungsgeschichte
3.2 Internationale Entwicklung
3.3 Technische Voraussetzungen
3.3.1 Von SDTV zu HDTV
3.3.2 Film versus Video
3.3.3 Bildaufzeichnungsgeräte
3.3.4 Kompressionsverfahren
3.3.5 Übertragungswege
3.3.6 Empfangsgeräte
3.3.7 Speichermedien
3.4 Wirtschaftliche Aspekte
3.4.1 Kostenspezifische Betrachtung: Klassische Produktion versus HD
3.4.2 Auswirkung auf den klassischen Workflow der Fernsehproduktion
3.5 Chancen und Risiken
3.5.1 TV-Programmanbieter
3.5.2 Produktionsfirmen
3.5.3 Zusammenfassung
4 Videojournalismus
4.1 Entstehungsgeschichte
4.1.1 Vom EB-Team zum Ein-Mann-Team
4.1.2 Erste Erfahrungen mit dem Videojournalismus in Deutschland
4.1.3 Videojournalisten der zweiten Generation
4.2 Internationale Entwicklung
4.3 Technische Voraussetzungen
4.3.1 Bildaufzeichnungsgeräte
4.3.2 Einführung in die Arbeitsweise der Videojournalisten
4.3.3 Übertragungswege
4.3.4 Empfangsgeräte
4.4 Wirtschaftliche Aspekte
4.4.1 Ausbildung der Videojournalisten
4.4.2 Honorierung der Videojournalisten
4.4.3 Kostenspezifische Betrachtung: VJ versus EB-Team
4.4.4 Auswirkungen auf die Wertekette der Fernsehproduktion
4.5 Chancen und Risiken
4.5.1 TV-Programmanbieter
4.5.2 Produktionsfirmen
4.5.3 Zusammenfassung
5 Vergleich der Trends HDTV und Videojournalismus
5.1 Gegenüberstellung
5.2 Ergebnis
6 Handlungsempfehlungen
6.1 TV-Programmanbieter
6.1.1 Öffentlich-rechtliche TV-Programmanbieter
6.1.2 Private TV-Programmanbieter
6.1.3 Lokal-TV-Programmanbieter
6.1.4 Pay-TV-Programmanbieter
6.1.5 Neugründer
6.1.6 Zusammenfassung
6.2 Produktionsfirmen
6.2.1 Senderabhängige Produktionsfirmen
6.2.2 Senderunabhängige Produktionsfirmen
6.2.3 Neugründer
6.2.4 Entscheidungs-Matrix zur Disposition von EB-Teams und VJs
6.2.5 Zusammenfassung
6.3 Ausblick
6.4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, die aktuelle Problemsituation auf dem deutschen Fernsehmarkt zu analysieren, bei der sich TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen zwischen den Trends HDTV und Videojournalismus positionieren müssen. Die Forschungsfrage lautet: „Auf welchen Trend sollten TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen setzen: HDTV oder Videojournalismus?“
- Analyse des deutschen Fernsehmarktes und der Ist-Situation relevanter Marktteilnehmer.
- Untersuchung der technischen Voraussetzungen, wirtschaftlichen Aspekte sowie Chancen und Risiken von HDTV.
- Untersuchung der Entstehungsgeschichte, Arbeitsweise und Auswirkungen des Videojournalismus auf die Wertekette.
- Vergleich beider Trends zur Identifikation von Konkurrenz- oder Kombinationsmöglichkeiten.
- Entwicklung von strategischen Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Akteure im TV-Markt.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Von SDTV zu HDTV
Die bis Mitte der 90er Jahre ausschließlich verfügbare analoge Fernsehtechnik basierte weltweit einheitlich auf den Grundparametern: 625 Zeilen/50 Hz (PAL, Secam / Europa, Australien, China) bzw. 525 Zeilen/60 Hz (NTSC / Japan, USA). Diese weltweiten Standards gehören nach wie vor zu den SDTV-Signalen. Deutsche TV-Programmanbieter sendeten das PAL-Signal ausschließlich im 4:3-Bildseitenverhältnis.
Die späteren Weiterentwicklungen waren im Prinzip nur Verfeinerungen, da sie nichts an den Grundparametern der Systeme änderten. Sie konnten stets rückwärtskompatibel gestaltet werden. Das heißt, Sendungen im verfeinerten Standard konnten immer auch auf alten Fernsehgeräten empfangen werden, allerdings nur in der bisherigen Qualität. Die ab Anfang der 90er Jahre entwickelten digitalen Standards und Systeme (u.a. auch die DVB-Systeme), wurden auf Basis der vorhandenen Grundparameter (in Europa PAL und Secam) entwickelt. Auch wenn es für die TV-Programmanbieter hier keine Kompatibilität mehr gab, mussten sie die herkömmlichen analogen und die neuen digitalen Sendungen parallel (im Simulcast) übertragen. Nur so konnten sie gewährleisten, dass ihr Programm auch weiterhin die Zuschauer erreicht, die sich keinen digitalen Empfänger (Set-Top-Box) angeschafft haben und eben auch diese, die dies getan haben. Eine solche zuschauerfreundliche Einführung ist bei HDTV jedoch nicht möglich. Mit der Einführung von HDTV muss nun die bisherige gemeinsame Basis verlassen werden. Die Zeilenzahl wird auf bis zu 1080 Zeilen erweitert und auf das Bildseitenverhältnis von 16:9 ausgedehnt. Dies hat zur Folge, dass keinerlei Kompatibilität mit den bisherigen Systemen und Geräten mehr gegeben ist. Hinzu kommt, dass für HDTV-Sendungen neben der höheren Zeilenzahl auch andere Komprimierungs- und Modulationsverfahren verwendet werden (siehe Kapitel 3.3.4), sodass sie selbst mit digitalen Set-Top-Boxen und Empfangsgeräten der bisherigen Generationen nicht empfangen und decodiert werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, des Ziels, des Aufbaus der Arbeit sowie Definition relevanter Begriffe.
2 Der deutsche Fernsehmarkt: Analyse der geschichtlichen Entwicklung und der Ist-Situation der Marktteilnehmer (TV-Programmanbieter, Produktionsfirmen, Rezipienten).
3 HDTV: Untersuchung der technischen Voraussetzungen, der wirtschaftlichen Aspekte sowie der spezifischen Chancen und Risiken von HDTV.
4 Videojournalismus: Darstellung der Entstehungsgeschichte, der Arbeitsweise und der Auswirkungen des Trends auf die Wertekette der Fernsehproduktion.
5 Vergleich der Trends HDTV und Videojournalismus: Gegenüberstellung beider Trends und Synthese der Ergebnisse hinsichtlich ihrer Konkurrenzfähigkeit.
6 Handlungsempfehlungen: Ableitung konkreter Strategien für verschiedene Akteure im TV-Markt zur Zukunftsplanung.
Schlüsselwörter
HDTV, Videojournalismus, deutsche Fernsehbranche, Digitalisierung, TV-Programmanbieter, Produktionsfirmen, Workflow, Fernsehproduktion, Distributionskanäle, SDTV, DVB, Marktteilnehmer, Strategieplanung, Medienwirtschaft, Medienmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der zwei marktdominierenden Trends HDTV und Videojournalismus auf die deutsche Fernsehbranche, insbesondere für TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit befasst sich mit der technischen Entwicklung, den ökonomischen Rahmenbedingungen, dem veränderten Workflow der Produktion sowie den spezifischen Chancen und Risiken beider Trends.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine Entscheidungsgrundlage zu schaffen, um die Forschungsfrage zu beantworten, auf welchen Trend – HDTV oder Videojournalismus – verschiedene Medienunternehmen strategisch setzen sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse zum deutschen Fernsehmarkt und den technologischen Trends, ergänzt durch Experteninterviews mit Branchenvertretern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Marktanalyse, eine detaillierte technische und wirtschaftliche Untersuchung von HDTV und Videojournalismus sowie einen anschließenden Vergleich der beiden Trends.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie HDTV, Videojournalismus, Digitalisierung, Produktionsmanagement, Wertekette und Medienwirtschaft.
Wie bewertet der Autor die Konkurrenzsituation zwischen HDTV und Videojournalismus?
Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass HDTV und Videojournalismus keine direkte Konkurrenz zueinander darstellen, sondern sich in unterschiedlichen Genres und Anforderungen sinnvoll ergänzen können.
Was versteht der Autor unter dem „VJ-Effekt“?
Unter dem „VJ-Effekt“ wird die durch die Einführung von DV25-Formaten resultierende Kostenreduktion bei der Fremdanmietung von Personal und Equipment verstanden, die zu effizienteren Produktionsbudgets führt.
- Arbeit zitieren
- Daniel Richartz (Autor:in), 2006, Chancen und Risiken für TV-Programmanbieter und Produktionsfirmen durch die Trends zu HDTV und Videojournalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186861