Dienstleistungsbesatz als Messgröße zentralörtlicher Funktion

Geographie des tertiären Sektors


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung der Begriffe ,Dienstleistung‘ und ,zentraler Ort‘

2. Zentralitätsforschung
2.1 W. Christaller: Modell der zentralen Orte
2.2 Christallers k-3-, k-4- und k-7-System
2.3 Dienstleistungsbesatz von Grund-, Mittel- und Oberzentren
2.4 Ausgewählte Methoden zur Messung von Zentralität
2.4.1 Telefonmethode von Christaller
2.4.2 E. Neef: Bestimmung eines repräsentativen Elementes
2.4.3 Andere Versuche zur Bestimmung der Zentralität

3. Standorte von Dienstleistungsunternehmen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung der Begriffe ,Dienstleistung‘ und ,zentraler Ort‘

Um in den nachfolgenden Abschnitten von den Begriffen ,Dienstleistung‘ und ,zentraler Ort‘ Gebrauch machen zu können, wird im Folgenden versucht, eine angemessene Definition jener Begriffe zu formulieren.

„Es gibt zahlreiche Versuche, Dienstleistungen abzugrenzen, zu definieren oder zu gliedern“ (Gräf 2003:3). In Folge dessen ist eine Definition des Begriffs ,Dienstleistung‘ in der Lite­ratur nicht einheitlich. Durch Zusammenführen literarischer Quellen sind Dienstleistungen nach der volkswirtschaftlichen Lehre ökonomische Güter, die sich vor allem durch Immate­rialität und fehlender Lagerfähigkeit der Produkte kennzeichnen (Frerich/Pötzsch 1975:5). Dienstleistungen unterscheiden sich von Sachleistungen dadurch, dass ein Interaktionsprozess zwischen Anbieter und Nachfrager stattfindet, d.h. beide Akteure treten in unmittelbaren Kon­takt zueinander (Henschel/Kulke 2004:47). Nicht die materielle Produktion oder der materiel­le Wert eines Endprodukts steht im Vordergrund, sondern eine von einer natürlichen oder einer juristischen Person erbrachte Leistung zur Befriedigung eines menschlichen Bedürfnis­ses (Leser et al. 2005:155). „Schließlich gilt für den Vorgang der Erbringung der Dienstleis­tungen, dass hierfür ein relativ hoher Anteil menschlicher Arbeitsleistung erforderlich ist“ (Kulke 2006:23), sowie hohe Humankapital- bzw. Arbeitsintensität verlangt wird. Ein weite­res wesentliches Merkmal zur Differenzierung zwischen Dienstleistung und Sachleistung stellt das uno-actu-Prinzip dar, d.h. Produktion und Konsumption fallen zeitlich und räumlich zusammen (Gräf 2003:3, Kulke 2006:23).

Das Wort ,zentral‘ beinhaltet im thematischen Zusammenhang zwei unterschiedliche, aber inhaltlich zusammenhängende Kriterien: zum einen die Eigenschaft Mittelpunkt zu sein, und zum anderen die Eigenschaft Bedeutungsüberschuss zu besitzen. Letzteres kommt nach CHRISTALLER in einer Siedlung allerdings nur im Falle eines Bedeutungsdefizits an einer an­deren Stelle zu Stande (Heinritz 1979:13-14). Der ,zentrale Ort‘ ist also gekennzeichnet durch seine funktionellen Beziehungen über den Raum hin (Schöller 1972:193).

2. Zentralitätsforschung

Christaller (1893-1969) gelang es mit seinem Werk über ,Die zentralen Orte in Süd- deutschland‘ die funktionalen Stadt-Land-Beziehungen, vor allem aber die Zentralität in den Vordergrund stadtgeographischer Analysen zu stellen (Heineberg 2000:15). „[Seine] Theorie der Zentralen Orte (1933) zählt zu den Meilensteinen der räumlichen Theoriebildung, deren analytischer und heuristischer Wert nicht in Frage gestellt werden kann“ (Lichtenberger 1998:49).

2.1 W. Christaller: Modell der zentralen Orte

In seinem Werk ,Die zentralen Orte in Süddeutschland‘ versucht er erstmals ein hierarchi­sches Organisationsmodell bei der Erforschung städtischer systeme anzuwenden. Dabei geht er explizit auf die hierarchische struktur der räumlichen Ordnung der Wirtschaft ein und ver­sucht diese durch das Zusammenwirken ökonomischer Bestimmungsfaktoren zu erklären und abzuleiten (Schätzl 2003:72). Seine Theorie basiert auf der Überlegung, dass zentrale Güter und Dienstleister nicht in gleicher Weise und Häufigkeit von den Bewohnern eines Raumes in Anspruch genommen werden (Kulke 2006:131).

Damit dieses Modell zur Erfassung und Erklärung von Regelhaftigkeiten dienen kann, setzt Christaller eine Reihe vereinfachter Annahmen zugrunde bezüglich der Ausstattung des Raumes (Homogenität), der Verhaltensweisen der Anbieter und Nachfrager sowie der Markt­form (Unbegrenztheit) (Heinritz 1979:23, Schätzl 2003:72). Seine Homogenitätsannahmen beinhalten keine räumlichen Unterschiede in den Produktions- und Nachfragebedingungen in einer unbegrenzten Fläche, die Gleichverteilung von Produktionsfaktoren und Bevölkerung, Gleichheit der Bedürfnisse aller Individuen sowie deren Einkommen und Kaufkraft, gleich­förmige Richtungsverteilung des Verkehrsnetzes und direkte Proportionalität der Transport­kosten zur Entfernung (Schätzl 2003:72). Des Weiteren geht CHRISTALLER auf den ,homo oeconomicus‘ bzw. ,Optimizer‘ ein, der über vollständige Informationen verfügt, diese opti­mal zu verarbeiten versteht und eine ökonomisch-rationale Entscheidung mit dem Ziel der Profitmaximierung trifft, in dem er unter anderem versucht, seine Transportkosten zu mini­mieren (Kulke 2006:33, Leser et al. 2005:360). Der ,homo oeconomicus‘ kann als Anbieter oder Konsument agieren: als Anbieter von Dienstleistungen mit dem Ziel der optimalen Ge- winnmaximierung und als Konsument das Erreichen der optimalen Minimierung der Ausga­ben, indem er jeweils den nächstbenachbarten zentralen Ort aufsucht (Hofmeister 1997:97). Zur vereinfachten Annahme der Marktform zählen unter anderem ein polypolistisches Verhal­ten, d.h. der Markt basiert auf Wettbewerb, sowie Exklusion einer Spezialisierung des Ange­bots auf einzelne Standorte (Schätzl 2003:72).

Schließlich lässt sich unter Berücksichtigung der oben genannten Annahmen ein „Muster von Angebotsstandorten“ (Kulke 2006:132) entwickeln. Die von ihm ursprünglich entwickelten kreisförmigen Marktgebiete veränderte CHRISTALLER letztendlich so ab, dass keine Periphe­riegebiete, d.h. unterversorgten Gebiete in den Übergangszonen mehr existieren (Abb. 1). Falls nur ein Standort behandelt werden soll, erweist sich die vorliegende Kreisform als güns­tigste Begrenzung jenes Marktgebietes (Schätzl 2003:74).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entwicklung des Hexagonalschemas zentralörtlicher Bereiche (Heineberg 2003:197)

Die Anbieter dieser neu entwickelten hexagonalen Marktgebiete besitzen alle gleich große Märkte und erzielen gleiche Erlöse. Ebenso dient zur Erleichterung der Modellentwicklung die Voraussetzung, dass alle Konsumenten mit einem identischen Angebot in jeweils gering­ster möglicher Entfernung zu gleichen Kosten versorgt werden (Dicken/Lloyd 1999 zit. in Kulke 2006:132).

Als nächstes wird zwischen Gütern und Dienstleistungen unterschiedlicher Reichweite diffe­renziert. Güter des täglichen Bedarfs (z.B. Lebensmittel) bzw. kurzfristige Dienstleistungen werden von Konsumenten häufig nachgefragt. Somit sind die Konsumenten für deren Erwerb bereit, nur geringe Entfernungen in Kauf zu nehmen. Entsprechend besitzen diese Dienstleis­ter nur kleine Marktgebiete, aber dafür zahlreiche Standorte (Kulke 2006:133). Hingegen für selten benötigte und hochwertige Dienstleistungen (z.B. Möbelgeschäft, Investitionsbank) überwinden die Nachfrager weitere Distanzen. Aufgrund dessen weisen sol-che Dienstleister eine begrenzte Zahl von Standorten mit großem Marktgebiet auf. Entsprechend der Größe der unterschiedlichen Marktgebiete lassen sich verschiedene Güter und Dienstleistungen in eine Rangfolge bringen (Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: System der zentralen Orte (Schätzl 2003:77)

Dabei gilt: je größer die untere Grenze der Reichweite - oder räumlich gesehen die innere Grenze - eines Dienstleisters bzw. Gutes ist, desto höher ist seine Zentralität (Kulke 2006:133, Schöller 1972:5). Hingegen die obere Grenze der Reichweite - räumlich gesehen die äußere Grenze - wird durch die Entfernung von einem zentralen Ort bestimmt. Allerdings muss man hierbei zusätzlich in Betracht ziehen, dass jedes zentrale Gut auch aus einem ande­ren benachbarten oder billigeren zentralen Ort erworben werden kann. Falls solch ein Fall vorliegt, spricht man von einer „realen (relativen) Grenze der Reichweite“ (Schöller 1972:5). Die untere Grenze der Reichweite umfasst in Folge dessen also das Gebiet, welches mindes­tens vorhanden sein muss, damit das zentrale Gut an dem zentralen Ort dieses Gebietes ange­boten wird, während die obere Grenze jenes Gebiet involviert, in welchem überhaupt ein Ab­satz des zentralen Gutes möglich ist. Diese beiden Grenzen determinieren also „die Mindest- und die Höchstfläche des Ergänzungsgebiets eines zentralen Ortes“ (Schöller 1972:6) in Be­zug auf ein bestimmtes zentrales Gut (Schöller 1972:6).

[...]

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Details

Titel
Dienstleistungsbesatz als Messgröße zentralörtlicher Funktion
Untertitel
Geographie des tertiären Sektors
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographie)
Veranstaltung
Proseminar Geographie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V186942
ISBN (eBook)
9783656101703
ISBN (Buch)
9783656101307
Dateigröße
782 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christaller, Zentrale Orte, Dientsleistungen, Bedeutungsüberschuss
Arbeit zitieren
Isabella Melchert (Autor:in), 2009, Dienstleistungsbesatz als Messgröße zentralörtlicher Funktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186942

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