Die Abeit beschäftigt sich mit der Überschneidung der linguistischen Teilbereiche Pragmatik und Semantik und gibt eine Übersicht der für beide Bereiche relevanten Sprachphänomene.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
BEDEUTUNG UND SPRACHGEBRAUCH
BEDEUTUNG UND INTENTIONALITÄT
IMPLIKATUREN UND KONVERSATIONSMAXIMEN
PRÄSUPPOSITIONEN
SPRECHAKTTHEORIE
DEIXIS
SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Schnittstelle zwischen Semantik und Pragmatik, um zu analysieren, wie Bedeutung durch Kontext, Intentionen und soziale Regeln über die rein lexikalische Ebene hinaus konstituiert wird.
- Die historische Entwicklung und theoretische Abgrenzung von Pragmatik und Semantik.
- Die Rolle des Sprachgebrauchs und von "Sprachspielen" nach Ludwig Wittgenstein.
- Die Bedeutungstheorie von H.P. Grice unter Einbeziehung von Intentionen und Konversationsmaximen.
- Die systematische Analyse von Präsuppositionen, Sprechakten und deiktischen Ausdrücken.
Auszug aus dem Buch
II. Bedeutung und Sprachgebrauch
Einen wichtigen Beitrag zu einer pragmatisch ausgerichteten Sprachwissenschaft leistete der Philosoph Ludwig Wittgenstein in seinem späten Werk Philosophische Untersuchungen und der darin von ihm erdachte „Gebrauchstheorie der Bedeutung“. Auch wenn wohl seine Theorien für die nachfolgenden Vertreter der englischen sprachanalytischen Philosophie keinen direkten, entscheidenden Einfluss gehabt haben, haben sie dennoch zur Entstehung der linguistischen Pragmatik beigetragen. Was ein Wort bezeichne, so schreibt Wittgenstein, könne nur durch die Art des Gebrauchs gezeigt werden, die Bedeutung eines Wortes sei also sein Gebrauch in der Sprache. Ein wichtiger Schluss den man nun daraus ziehen kann ist, dass im Gegensatz zu den meisten zuvor gefassten Bedeutungsbegriffen der linguistischen Semantik keine einheitliche Bedeutung eines Zeichens in einer Sprache vorhanden ist. Probleme bei der Verständigung, also bei der Bedeutungsfeststellung oder Textinterpretation, entstehen dann, wenn dieselben Wörter von verschiedenen Menschen in verschiedenen Situationen nach unterschiedlichen Regeln benutzt werden.
Daraus ergibt sich eine Vielfalt der Verwendungsmöglichkeiten, welche der Sprecher oder die Sprecherin gezielt einsetzen kann und so auch mit verschiedenen Ebenen der Realisierung von kommunikativen Zwecken „spielen“ kann. Dies benennt Wittgenstein mit dem Begriff Sprachspiel, ein Aspekt, der lange Zeit als Sonderfall der Sprachverwendung betrachtet und als „indirekter“ bzw. „übertragender“ Gebrauch von Sprache bezeichnet wurde. In der pragmatischen Semantik wird er jedoch vielmehr als grundlegender Bestandteil und Charakteristikum von Sprache gesehen.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Es wird die historische Entstehung der Semiotik nach Peirce und Morris sowie die theoretische Problematik bei der Abgrenzung von Syntax, Semantik und Pragmatik dargelegt.
BEDEUTUNG UND SPRACHGEBRAUCH: Dieser Abschnitt erläutert Wittgensteins Gebrauchstheorie der Bedeutung und das Konzept der "Sprachspiele" als grundlegende Faktoren für die linguistische Pragmatik.
BEDEUTUNG UND INTENTIONALITÄT: Es wird die Theorie von H.P. Grice untersucht, die den Fokus auf die kommunikative Intention des Senders legt, um "Bedeutung-nn" zu definieren.
IMPLIKATUREN UND KONVERSATIONSMAXIMEN: Das Kapitel behandelt die Inferenzprozesse in der Kommunikation und das Modell der Konversationsmaximen, die effizientes und kooperatives Handeln ermöglichen.
PRÄSUPPOSITIONEN: Es wird analysiert, wie bestimmte Aussagen Wissensvoraussetzungen benötigen, um überhaupt interpretierbar zu sein, und welche Rolle diese für die Satzsemantik spielen.
SPRECHAKTTHEORIE: Aufbauend auf J.L. Austin und J.R. Searle wird Sprache als eine Form des Handelns verstanden, wobei zwischen lokutionären, illokutionären und perlokutionären Akten unterschieden wird.
DEIXIS: Das Kapitel systematisierte verschiedene Arten der Deixis (Personen-, Raum-, Zeit-, Text- und Sozialdeixis) als unmittelbare Verbindung zwischen Sprache und Kontext.
SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine strikte Trennung zwischen Semantik und Pragmatik kaum sinnvoll ist, da bedeutungsrelevante Aspekte oft beide Bereiche tangieren.
Schlüsselwörter
Pragmatische Semantik, Pragmatik, Sprachgebrauch, Wittgenstein, Sprachspiel, Grice, Intention, Konversationsmaximen, Implikaturen, Präsuppositionen, Sprechakttheorie, Lokution, Illokution, Deixis, Kontext.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pragmatischen Semantik und untersucht, wie Sprachbedeutung über die bloße lexikalische Ebene hinaus durch Kontext und Gebrauch geformt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Feldern gehören die Gebrauchstheorie, die Sprechakttheorie, die Implikaturtheorie sowie die verschiedenen Formen der Deixis.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, bedeutungsrelevante Ansätze der Forschung darzustellen, die oft der Pragmatik zugerechnet werden, und deren Bedeutung für ein ganzheitliches Verständnis von Semantik aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung linguistischer und philosophischer Primärliteratur, insbesondere der Werke von Wittgenstein, Grice, Austin und Searle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Sprachgebrauch, Intentionalität, Konversationsmaximen, Präsuppositionen, Sprechakttheorie und Deixis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Pragmatik, Sprachspiel, Illokution, Präsupposition und Kontextabhängigkeit.
Wie unterscheidet Grice zwischen natürlicher und nicht-natürlicher Bedeutung?
Natürliche Bedeutung ist an kausale Zusammenhänge gebunden (z.B. Wolken bedeuten Regen), während nicht-natürliche Bedeutung (Bedeutung-nn) auf der kommunikativen Intention des Sprechers beruht.
Was versteht man unter dem deiktischen Potenzial des Pronomens "wir"?
Das Pronomen "wir" ist hochgradig kontextabhängig; seine Interpretation hängt davon ab, wer spricht und in welcher sozialen oder situativen Rolle er sich befindet (z.B. Exklusiv-wir vs. Pluralis Majestatis).
- Citar trabajo
- Micha Luther (Autor), 2011, Pragmatische Semantik - ein Überblick, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186996