In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Luftfracht stets als besonders eilbedürftig. Dass dies aber nicht für das Frachtsegment General Cargo zutrifft, soll im Folgenden erläutert werden, wo die Bedeutung der Luftfracht für die Weltwirtschaft aufgezeigt wird.
Der Schwerpunkt der Betrachtungen liegt dabei auf dem interkontinentalen Warentransport. Den methodischen Ansatz stellt eine logistische Analyse von Prozessabläufen dar, die Aussagen über Haus-zu-Haus-Laufzeiten gestatten. Die Luftfracht wird in einem Wettbewerbsumfeld abgewickelt, das von Luftfrachtspeditionen, benachbarten Airports und Airlines (Carriern), aber auch dem internationalen Schiffsverkehr aufgespannt wird. Bei der Luftfracht werden die Segmente General Cargo und Expressfracht getrennt erörtert und verschiedene Segmente der Spezialfracht behandelt. Der Frachttransport im Linienverkehr wird vom Charterverkehr abgehoben.
Sofern nicht anders angegeben, beziehen sich im Folgenden die Daten auf den Linienverkehr. Die Charakteristika, Potenziale und die Entwicklung dieser Segmente des Luftfrachtmarktes werden detailliert erläutert. Ein Laufzeitvergleich soll die Überlegenheit der Expressfracht gegenüber der General Cargo aufzeigen, die aufgrund zahlreicher Schnittstellen, aber auch zeitfressender Zollverfahren vergleichsweise lange Laufzeiten aufweist.
Im Kontext der Diskussion um Nachtflugverbote an deutschen Flughäfen kann hier festgestellt werden, dass die vergleichsweise langen Laufzeiten von General Cargo im Widerspruch zur oftmals behaupteten Eilbedürftigkeit stehen und keinen Bedarf an Nachtflügen begründen können. Das Wachstum auf dem Gebiet der Expressfracht rechtfertigt hier die These von einer Industrialisierung der Luftfracht, die anhand der folgenden Ausführungen belegt werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 BEGRIFF UND KENNZEICHEN DER LUFTFRACHT
3 DIE ROLLE DER LUFTFRACHT IN DER WELTWIRTSCHAFT
4 HUBS ALS KONZENTRATOREN IN DER LUFTFRACHT
5 GESCHÄFTSFELDER DER LUFTFRACHT
6 DIE CARRIER-SPEDITEUR-KOOPERATION BEI GENERAL CARGO
7 DIE LAUFZEITEN IN DER GENERAL CARGO
8 INFORMATIONSPLATTFORMEN IN DER LUFTFRACHT UND DIE INITIATIVEN ZUR RATIONALISIERUNG DER TRANSPORTKETTE
8.1 European Air Shipper’s Counsil
8.2 Die Initiative Cargo2000.
8.3 Die E-Freight Initiative der IATA
8.4 The Global Air Cargo Advisory Group (GACAG)
9 EXPRESSFRACHT UND DIE ROLLE DER INTEGRATOREN
10 SPEZIALFRACHT
11 CHARTERVERKEHRE
12 SEA-AIR-VERKEHRE
13 AIRPORTLOGISTIKZENTREN
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die logistischen Prozessabläufe im internationalen Luftfrachtverkehr mit Fokus auf das Segment „General Cargo“. Ziel ist es, die oft proklamierte Eilbedürftigkeit dieses Segments kritisch zu hinterfragen, indem reale Haus-zu-Haus-Laufzeiten untersucht und die Bedeutung von Hub-Systemen sowie die Rolle der Luftfracht in globalen Lieferketten analysiert werden.
- Analyse der logistischen Struktur und Prozessabläufe von General Cargo im Vergleich zu Expressfracht.
- Untersuchung der Multiplikator- und Konzentrationswirkung von Hub-Flughäfen auf die globale Luftfrachtnetzwerkkonfiguration.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Marketingkommunikation der Luftfrachtindustrie hinsichtlich Nachtflugbedarfen und Laufzeiten.
- Bewertung der Rolle von Integratoren (KEP-Dienste) im Gegensatz zur traditionellen Carrier-Spediteur-Kooperation.
- Einfluss von Rationalisierungsinitiativen wie Cargo2000 und e-freight auf die Qualität der Luftfrachtkette.
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Luftfracht in der Weltwirtschaft
Die Abbildung 3-1 zeigt einen parallelen Verlauf der Kurve des Welthandelsindex‘ und der Kurve der international geflogenen Tonnen-Kilometer im Zeitraum 2000 bis 2011. Hieraus lässt sich die in der Literatur häufig vertretene These ableiten, dass die internationale Luftfracht den Tendenzen im Welthandel sehr volatil folgt. Vor dem Jahre 2000 brachte die Asienkrise 1998 einen Einbruch, der von der Hochkonjunktur im Jahre 2000 ausgeglichen wurde, so dass dieses Jahr als Ausnahme gilt.
In den Jahren 2001 und 2002 trat jeweils ein Rückgang im Frachtverkehr zwischen den USA und Europa ein, der sich auf 15% gegenüber 2000 summiert. Die Gründe hierfür waren nach Einschätzung des Analyseinstituts Aviainform die nachlassende Konjunktur in den USA, der gestiegene Kurs des Euro im Verhältnis zum Dollar und die Krise nach dem Anschlag vom 11. September 2001. Insgesamt wies aber die internationale Luftfracht nach Abbildung 3-1 ein Wachstum trotz der Krise im Jahre 2001 auf. Die Weltwirtschaftskrise 2008/2009 führte zu einem tiefen Einbruch, der aber im Jahre 2010 wieder wettgemacht wurde.
Die Auffüllung der Läger brachte der Luftfracht eine in Abbildung 3-1 erkennbare Spitze im ersten Halbjahr 2010. Luftfracht wurde zur bevorzugten Transportweise, als die Unternehmen die Lager rasch wieder auffüllten, um ihr Geschäft neu zu beleben. Mitte des Jahres erreichte das Verhältnis von Lageraufbau zum Absatz wieder seinen langfristigen Mittelwert, und die Empfänger benötigten nicht länger die Vorteile der Luftfracht in diesem Ausmaß, sodass die Seefracht Marktanteile im internationalen Transport gewann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Luftfracht, Abgrenzung der Segmente General Cargo und Expressfracht sowie Darlegung des methodischen Ansatzes einer logistischen Prozessanalyse.
2 BEGRIFF UND KENNZEICHEN DER LUFTFRACHT: Definition des Luftfrachtmarktes, Darstellung der spezifischen Merkmale wie Anbieterzersplitterung, Subventionen und Marktzutrittsbeschränkungen sowie Klassifizierung von Flugzeugtypen.
3 DIE ROLLE DER LUFTFRACHT IN DER WELTWIRTSCHAFT: Analyse des Zusammenhangs zwischen Welthandel und Luftfrachtvolumen unter Berücksichtigung von Konjunkturzyklen und der Bedeutung für globale Supply Chains.
4 HUBS ALS KONZENTRATOREN IN DER LUFTFRACHT: Erläuterung der ökonomischen Logik hinter Hub-and-Spoke-Systemen, der Konzentrationswirkung und der Rolle von Megahubs im internationalen Verkehr.
5 GESCHÄFTSFELDER DER LUFTFRACHT: Systematisierung der Luftfrachtsegmente (Express, General Cargo, Spezialfracht, Charter) nach Laufzeiten, Anforderungen und Standorten.
6 DIE CARRIER-SPEDITEUR-KOOPERATION BEI GENERAL CARGO: Untersuchung der Arbeitsteilung, der Rollenverteilung und der Prozessschnittstellen zwischen Fluggesellschaften und Luftfrachtspeditionen.
7 DIE LAUFZEITEN IN DER GENERAL CARGO: Kritische Analyse der Haus-zu-Haus-Laufzeiten, der Bedeutung des Nachlaufs und der Zollabfertigungsprozesse.
8 INFORMATIONSPLATTFORMEN IN DER LUFTFRACHT UND DIE INITIATIVEN ZUR RATIONALISIERUNG DER TRANSPORTKETTE: Vorstellung von IT-Lösungen wie Traxon und GF-X sowie der Initiativen zur Qualitätssteigerung (Cargo2000) und Digitalisierung (e-freight).
9 EXPRESSFRACHT UND DIE ROLLE DER INTEGRATOREN: Analyse der Geschäftsmodelle und Erfolgsfaktoren von Integratoren wie FedEx und UPS im Vergleich zu klassischen Luftfrachtstrukturen.
10 SPEZIALFRACHT: Betrachtung der spezifischen Anforderungen für sensible Güter wie Pharma-Produkte, verderbliche Waren oder wertvolle Güter.
11 CHARTERVERKEHRE: Abgrenzung des projektbasierten Chartergeschäfts vom regulären Linienverkehr und dessen spezifische Einsatzbereiche.
12 SEA-AIR-VERKEHRE: Erläuterung der multimodalen Transportkombinationen zur Kosten- und Zeitoptimierung im internationalen Warenaustausch.
13 AIRPORTLOGISTIKZENTREN: Diskussion der Bedeutung von logistischen Zentren in Flughafennähe für die Steigerung der Servicequalität und Durchlaufzeitverkürzung.
Schlüsselwörter
Luftfracht, General Cargo, Expressfracht, Integratoren, Hub-and-Spoke, Lieferkette, Supply Chain, Logistik, Laufzeiten, Nachtflug, Zollabfertigung, Cargo2000, e-freight, Luftfrachtersatzverkehr, Sea-Air-Verkehr
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Strukturen und Laufzeiten in der internationalen Luftfracht, wobei sie insbesondere die logistischen Prozessabläufe des General-Cargo-Segments untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen der Aufbau von Luftfrachtnetzwerken über Hubs, die Differenzierung zwischen verschiedenen Luftfrachtsegmenten sowie die kritische Betrachtung der Qualität und Geschwindigkeit in der Lieferkette.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin, die Marketingaussage der „generellen Eilbedürftigkeit“ von Luftfracht zu hinterfragen und zu zeigen, dass reale Laufzeiten im Segment General Cargo oft deutlich hinter den Marketingversprechen zurückbleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine logistische Analyse von Prozessabläufen (Haus-zu-Haus-Betrachtung) und wertet statistisches Datenmaterial sowie Fallstudien aus, um die Transporteffizienz zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Netzwerkstruktur (Hubs), die Zusammenarbeit zwischen Carriern und Spediteuren, die Untersuchung von Laufzeitfaktoren (Zoll, Nachlauf) und die Vorstellung von Rationalisierungsinitiativen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Luftfracht, General Cargo, Hub-Systeme, Supply Chain, Laufzeiten und Integratoren charakterisiert.
Wie ist die Rolle der Nachtflüge kritisch zu bewerten?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der angeblich hohe volkswirtschaftliche Bedarf an Nachtflügen für die Exportwirtschaft oft als Marketing-Instrument der Airlines dient, um betriebswirtschaftliche Anforderungen der Flugzeugumlaufplanung zu stützen, ohne dass ein direkter Bedarf der Verlader nachweisbar wäre.
Warum sind die Laufzeiten in der General Cargo oft länger als erwartet?
Laufzeiten sind lang, weil General Cargo über komplexe Schnittstellen zwischen unabhängigen Akteuren (Spedition, Airline, Zoll, Handling) abgewickelt wird, die oft nicht durchgängig IT-gestützt und somit anfällig für Zeitverzögerungen sind.
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- Richard Vahrenkamp (Author), 2012, Globale Luftfracht-Netzwerke: Laufzeiten und Struktur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187050