Die Vorgehensweise von Platon in Bezug auf Elemente der Dekonstruktion


Seminararbeit, 2010
12 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Was ist Dekonstruktion?
2.1. Die Merkmale von Dekonstruktion
2.1.1. Lesen des Textes
2.1.2. Der Text als Antwort
2.1.3. Die Diskrepanz zwischen Form und Stil einerseits und dem Inhalt andererseits
2.1.4. Jeder Text wird anders gelesen

3. Dekonstruktion in Platons Sophistes
3.1. Die erste Ebene: Der Fremde
3.1.1. Die Dekonstruktion des Parmenides
3.1.2. Die Dekonstruktion des Protagoras
3.1.3. Die Dekonstruktion des Gorgias
3.2. Die zweite Ebene: Der Leser
3.2.1. Die Dekonstruktion von Parmenides
3.2.2. Die Dekonstruktion von Protagoras
3.2.3. Die Dekonstruktion von Georgias
3.2.4. Wer sind Philosophen und was machen sie?
3.3. Die dritte Ebene: Platon

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Inwiefern ist die Vorgehensweise Platons dekonstruierend in seinem Werk Sophistes? Um dieser Frage nachzugehen, müssen wir annehmen, dass „der Fremde,“ durch den Platon in seinem Dialog spricht, Vorläufer Jacques Derridas ist. Dies ist die erste Ebene, über die ich im zweiten Teil „Dekonstruktion in Platons Sophistes“ meiner Hausarbeit schreibe. Die zweite Ebene geht vom Leser aus, der Platons Text dekonstruierend behandelt und Kritik äußert. Die dritte Ebene handelt davon, inwieweit Platon selbst dekonstruierendes Vorgehen aufweist und problembewusst handelt. Um diese Positionen einzunehmen, ist es wichtig zu wissen, was unter Dekonstruktion zu verstehen ist, womit nun begonnen wird.

2. Was ist Dekonstruktion?

Die Dekonstruktion ist keine Methode, sondern eine Lesepraxis:

„Was ich Dekonstruktion nenne, kann natürlich Regeln, Verfahren oder Techniken eröffnen, aber im Grunde genommen ist sie keine Methode und auch keine wissenschaftliche Kritik, weil eine Methode eine Technik des Befragens oder der Lektüre ist, die ohne Rücksicht auf die idiomatischen Züge des Gegenstandes in anderen Zusammenhängen wiederholbar sein soll. Die Dekonstruktion hingegen befasst sich mit Texten, mit besonderen Situationen, mit der Gesamtheit der Philosophiegeschichte, innerhalb derer sich der Begriff der Methode konstituiert hat. Wenn die Dekonstruktion also die Geschichte der Metaphysik oder die des Methodenbegriffs befragt, dann kann sie nicht einfach selbst eine Methode darstellen. Die Dekonstruktion setzt die Umwandlung selbst des Begriffes des Textes und der Schrift voraus. … Ich nenne eine Institution ebenso wie eine politische Situation, einen Körper oder einen Tanz, was offenbar zu vielen Mißverständnissen geführt hat, weil man mich beschuldigte, die ganze Welt in ein Buch zu stecken. Das ist offensichtlich absurd“ (Derrida 1987: 11).

„Die Zerstörung der illusorischen Eindeutigkeit und Geschlossenheit einer Vorstellung, eines Begriffs, einer Struktur, kann man auch als >>Dekonstruktion<< bezeichnen“ (Jacoby 2006: S.293). Dekonstruktion ist sehr produktiv, da sie das sagt, was noch nicht gesagt worden ist. Da es sich hierbei um keine Methode handelt, lassen sich für die Dekonstruktion nur bestimmte Merkmale erklären.

2.1. Die Merkmale von Dekonstruktion:

2.1.1. Lesen des Textes

a) Der Text wird daraufhin gelesen, ob der Autor Inhalte vermeidet. Also, ob es Auslassungen gibt.
b) Der Text wird daraufhin gelesen, ob der Autor Sichtweisen auslässt oder vermeidet.

2.1.2 Der Text als Antwort

a) Der Text wird als Antwort gelesen auf eine Frage, die der Text nicht gestellt hat. Das heißt, dass der Leser die Position eines Besserwissers annimmt.
b) Der Text ist das Ergebnis bzw. die Antwort auf Probleme und Konflikte.

2.1.3. Die Diskrepanz zwischen Form und Stil einerseits und dem Inhalt andererseits

Ein Text wird daraufhin gelesen, ob die Form und der Stil verglichen mit dem Inhalt, Konflikte zeigen. Der Text umkreist also Konflikte. Untersucht wird die Diskrepanz. Das was der Text vermeidet wird zum Thema gemacht.

2.1.4. Jeder Text wird anders gelesen

Jeder Text muss auf andere Weise gelesen werden, das heißt die Lesetätigkeit muss sich verändern.

3. Dekonstruktion in Platons Sophistes

3.1. Die erste Ebene: Der Fremde

3.1.1. Die Dekonstruktion des Parmenides

Der Fremde zitiert mehrfach Parmenides, um zu behaupten, dass „das Nichtseiende in gewisser Hinsicht ist als auch das Seiende wiederum irgendwie nicht ist“ (Platon 2007: S.75, 91) und den Satz „Sein ist und Nichtsein ist nicht“ zu widerlegen. Dieser Satz ist falsch, denn „diese Rede untersteht sich ja vorauszusagen, das Nichtseiende sei“ (Platon 2007: S.75). Es gibt verschiedene Auffassungen vom Seienden: Sein als Eins und Sein als Drittes.

Parmenides vergleicht das Seiende mit einer Kugel, mit einem Ganzen, das Mitte und Enden hat und deshalb notwendig Teile hat (Platon 2007: S.99). Jedoch muss das „wahre Eins“ vollkommen unteilbar sein (Platon 2007: S.101). Etwas das Teile hat, kann kein einheitlich Ganzes sein. Hier handelt es sich um einen Widerspruch: Das „Nichtseiende dürfe weder an der Eins noch an der Vielfalt teilnehmen, habe es doch vorher und jetzt geradezu eins genannt. Denn ich sage, das Nichtseiende. [...] Das Nichtseinende sei ein Unaussprechliches und Unbeschreibliches und Unerklärliches“ (Platon 2007: S.81). Etwas unnennbares ergibt jedoch einen performativen Widerspruch.

3.1.2. Die Dekonstruktion des Protagoras

Der Fremde dekonstruiert Protagoras: „Alles kann behauptet und verteidigt werden.“ Diese These wird verwendet, um aufzuzeigen, was eine wahre Rede und was eine falsche Rede ist. Eine Rede ist beschaffen aus einer Sache und einer Handlung. Also aus einem Haupt- und Zeitwort bestehend, woraus folgt wovon die Rede ist und was die Rede beschreibt (vgl. Platon 2007: S.157). Die wahre Rede, sagt, dass das Seiende von „etwas“ ist. Die falsche Rede sagt, dass Verschiedenes von dem Seienden von „etwas“ ist und Nicht-Seiendes Seiendes ist (vgl. Platon 2007: S.159). Der Fremde zeigt auf, dass nicht alles verteidigt werden kann und tritt somit den Kampf gegen die Sophisten an. Diese sind „Trug-Künstler.“ Sie benützen den Schein, die Täuschung, den Trug und die Lüge in ihrer Redekunst. Hingegen können die Philosophen die Kunst der Unterredung verwenden. Zudem setzt Protagoras die Erkenntnis mit der Wahrnehmung gleich und sagt, dass der Mensch „das Maß aller Dinge sei“ und „alles ist, wie es jemandem erscheint“ (vgl. Iber 2007: S. 435, 436).

3.1.3. Die Dekonstruktion des Gorgias

Der Fremde dekonstruiert Gorgias, der behauptet, dass „Nichts existiert.“ Diese These wird durch den Fremden aufgelöst, denn alles Verschiedene existiert und das Nicht- Seiende ist das Andere (im Hinblick auf das Seiende) (vgl. Platon 2007: S.143). Zusammenfassend ist also zu sagen: Das Nicht-Seiende ist im gewissen Sinn seiend. Das Seiende ist im gewissen Sinn nicht-seiend. Dieses Thema wird sowohl am Anfang des Werks „Sophistes“ als auch am Ende behandelt.

Parmenides, Gorgias und Protagoras werden dekonstruierend vom Fremden gelesen.

3.2. Die zweite Ebene: Der Leser

In Sophistes fehlen Informationen, die zum Verständnis beitragen, warum der Fremde Parmenides, Gorgias und Protagoras dekonstruiert. Welche Bedeutung haben diese Personen wirklich gehabt und warum werden sie nur so kurz zitiert?

3.2.1. Die Dekonstruktion von Parmenides

Parmenides wird zitiert, da die Sophisten „die Möglichkeit des Irrtums und des Scheins leugnen“ und jemanden brauchen zu den sie flüchten können, der das Nichtseiende als nicht existentes ansieht. Der Fremde zeigt die Widersprüche dieser Annahme auf und denunziert somit die Sophisten (vgl.: Iber 2007: S.192). Der Fremde modifiziert Parmenides. Parmenides behandelt das techne-Paradigma, das zu einer Prinzipienlehre führt. „Etwas Seiendes zu begreifen heißt dann, etwas als eine eigentümliche Ordnung zu sehen. Ordnung setzt aber das Zu-Ordnende, das Ungeordnete, Ungemessene, Unbegrenzte voraus, dessen Form sie darstellt: das Mehr oder Weniger, die >>Unbegrenzte Zweiheit<<, dem durch die Form erst Gestalt verliehen wird“ (Suhr 1992: S.84).

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Vorgehensweise von Platon in Bezug auf Elemente der Dekonstruktion
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Platon: Sophistes (Interpretationskurs)
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
12
Katalognummer
V187234
ISBN (eBook)
9783656107095
ISBN (Buch)
9783656106753
Dateigröße
553 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Seminarbeit beschäftigt sich mit der Frage: Inwiefern ist die Vorgehensweise Platons dekonstruierend in seinem Werk Sophistes? Um dieser Frage nachzugehen, müssen wir annehmen, dass "der Fremde," durch den Platon in seinem Dialog spricht, Vorläufer Jacques Derridas ist.
Schlagworte
Dekonstruktion, Platon, Derrida
Arbeit zitieren
Nadja Buchelt (Autor), 2010, Die Vorgehensweise von Platon in Bezug auf Elemente der Dekonstruktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187234

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