Inwiefern trägt das Internet zur Modernisierung der Parteikommunikation bei?

Eine Betrachtung am Beispiel der FDP


Hausarbeit, 2011
24 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kommunikation im Internet
2.1 Grundsätzliches zur Kommunikation im Internet
2.2 Prototypische Kommunikationssituationen
2.2.1 Informationsmöglichkeit
2.2.2 Diskussionsmöglichkeit
2.2.3 Organisationsmöglichkeit

3. Das Portal Liberal im Wandel der Zeit
3.1 Möglichkeit zur Analyse von Homepages
3.2 Anfänge liberaler Internetaktivität im Jahr
3.3 Online-Auftritt der Liberalen Ende

4. Die Auswirkungen der Online-Präsenz der FDP
4.1 Parteiperspektive
4.2 Wählerperspektive

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im letzten Jahrzehnt hat sich das Internet in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) beziehungsweise im gesamten Gebiet der Europäischen Union (EU) als Massenmedium neben dem Rundfunk und Printmedien durchgesetzt. Im Jahr 2002 hatten 39% der Privathaushalte im EU-Raum einen Internet-Zugang. Bis 2011 ist dieser Anteil europaweit auf durchschnittlich 73% angestiegen (Vgl. Eurostat, 2011). In der BRD ist im gleichen Zeitraum ein ähnlich steiler Anstieg von 46% auf 83% zu verzeichnen (Ebd.). Offensichtlich sind die technischen Voraussetzungen zur Nutzung des World-Wide-Webs dementsprechend inzwischen weitverbreitet und nicht das bloße Privileg einer bestimmten Gesellschaftsgruppe.

Mit Beginn der kommerziellen Nutzung des Internets Mitte der 1990er Jahre, setzte die Auseinandersetzung der Politik und Wissenschaft mit dem damals neuen Medium ein (Vgl. Emmer, 2005, S. 11). In dem Zusammenhang war der Fokus der Analysen auf die potenziellen politischen Wirkungen des Internets gerichtet, die positiven und negativen Einfluss auf die Makro-, Meso- und Mikro-Ebene nehmen könnten (Vgl. Emmer, 2005, S. 13).

Parallel zur Erforschung der gesellschaftlichen und politischen Folgen des Internets setzte sich dessen dynamische Weiterentwicklung fort. In kurzer Zeit konnte sich das Internet dabei so stark etablieren, dass die Vision eines Alltags ohne Internet für viele Bürger nur noch schwer vorstellbar ist. Die Menschen in den modernen Industriestaaten können also teilweise nicht mehr ohne das multifunktionale virtuelle Netzwerk leben. Nach Angaben des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung in Hamburg sind die technischen Beschränkungen nur noch partiell wirksam und die Aktivität der Internetnutzer nimmt zu (Vgl. Deutsche Presse-Agentur, 2010). In der BRD waren im Jahr 2010 demnach 72% der Bürger im Internet aktiv – die Schulpflichtigen übertreffen diese Quote mit 98% (Ebd.). Das Maß der Internetaffinität der jüngeren Generationen zeigt welches Zukunftspotenzial weiterhin noch im Bereich des Internets steckt.

Das Internet bietet als jederzeit weltweit verfügbare und zumeist frei zugängliche Kommunikations- und Informationsplattform innovative Nutzungsmöglichkeiten und Vorteile gegenüber den fast schon traditionellen Medien, die durch ein weitaus geringeres Maß an Interaktivität und langsamere Informationsverarbeitung sowie -verbreitung gekennzeichnet sind.

Neben den Bürgern, Unternehmen, Medien, Nichtregierungsorganisationen und staatlichen Institutionen haben auch die politischen Parteien das Potenzial des Internets erkannt. Für die Parteien ist das Internet ein hilfreiches Instrument geworden, das viele Bereiche der Parteiarbeit unterstützen kann. In dem Zusammenhang wird das Internet insbesondere für möglichst öffentlichkeitswirksame Marketing- und Wahlkampfzwecke genutzt.

In den meisten Parteien haben sich zwischenzeitlich Intranets ausgeprägt, die Parteimitgliedern exklusiven Zugang zu speziellen Informationen bieten. Das Internet hat sich dadurch zum virtuellen Gegenspieler der realen Parteiversammlung entwickelt.

Da der Themenkomplex des Internets zu global gefasst ist, wird in der vorliegenden Arbeit eine stark fokussierte Fragestellung verfolgt. Am Beispiel der Freien Demokratischen Partei (FDP) soll der Einfluss des Internets auf die Makro-Ebene betrachtet werden. Es stellt sich hierbei die Frage ob der Trend zur virtuellen Gesellschaft auch eine Internetisierung der Parteikommunikation zur Folge hat (Vgl. Kaletka, 2003, S. 23). In der Arbeit wird deshalb eine Analyse des Internetauftritts der Partei vollzogen.

Im ersten Schritt wird ein theoretischer kommunikationswissenschaftlicher Ansatz von Christoph Kaletka näher erläutert. Darauf folgt eine Beschreibung beziehungsweise ein Vergleich des Internetauftritts der FDP in den Jahren 1996 und 2011. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse wird im nächsten Abschnitt geprüft, inwieweit das Modell Kaletkas auf die Internet-Präsenz der FDP zutrifft und welchen Einfluss der Internetauftritt damit auf die Partei haben kann. Letztlich steht die Beantwortung der Fragestellung der Arbeit vor dem Hintergrund der entsprechend herausgefundenen Resultate im Mittelpunkt.

2. Kommunikation im Internet

2.1 Grundsätzliches zur Kommunikation im Internet

Grundlegend gilt die Annahme, dass eine strikte Trennung von Massen- und Individualkommunikation im Internet nicht immer möglich ist (Vgl. Kaletka, 2003, S. 90). Die Sender- beziehungsweise Empfängerzuordnung ist bei der virtuellen Kommunikation demnach nicht immer eindeutig, da durch die mögliche Interaktivität des Internets ein schneller Wechsel von Sender und Empfänger erfolgen kann (Vgl. Emmer, 2005, S. 26).

Im Unterschied zu anderen Medien wird der Hybridcharakter des Internet-Mediums offensichtlich, das nicht nur zur Massen- oder Individualkommunikation genutzt werden kann (Vgl. Emmer, 2005, S. 27 f.). Vielmehr ist eine Kombination beider Kommunikationsformen möglich, die von den individuellen Kommunikations-bedürfnissen des Nutzers abhängig ist (Vgl. ebd.). Den Parteien würden sich daraus neue Möglichkeiten bei der Organisation und dem politischen Marketing ergeben.

Kaletka verweist bezüglich der Kommunikationsarten auf den Massen-kommunikationsbegriff von Gerhard Maletzke aus den 1960er Jahren. Maletzke definierte Massenkommunikation damals als „Kommunikation, bei der Aussagen öffentlich durch technische Verbreitungsmittel indirekt und einseitig an ein disperses Publikum […] vermittelt werden.“ (Kaletka, 2003, S. 93 f.).

Für die Analyse von Webangeboten unterscheidet Christoph Kaletka im weiteren Verlauf drei prototypische Kommunikationssituationen, mit denen der Internetnutzer konfrontiert wird. Dabei werden die Folgen der jeweiligen Situation für den Produzenten und Rezipienten erläutert.

2.2 Prototypische Kommunikationssituationen

2.2.1 Informationsmöglichkeit

Das World Wide Web ist eine riesige Bibliothek, die sich durch unendlich viele virtuelle Zugänge und ein beeindruckendes Informationsangebot auszeichnet (Vgl. Kaletka, 2003, S. 93). Auch wenn in der digitalen Welt das Informationsthema nicht im Fokus steht, so gibt es nach Helmut Scherer trotzdem ein Primat der Information, was auch für die politischen Webangebote gilt (Vgl. ebd.). Dies wird durch empirische Studien belegt, die das Internet als wichtige Informationsquelle ansehen (Vgl. Saleh, 2005, S. 40).

Kaletka passt den Massenkommunikationsbegriff in Anbetracht der speziellen Informationsübermittlung im Raum der Netzkommunikation an.

Quantitativ betrachtet handelt es sich bei dem Internet durch die Vervielfachung der Informationsanbieter um ein massenkommunikatives Medium (Vgl. Kaletka, 2003, S. 94). Allerdings würde sich der Verbreitungskoeffizient, durch das ungünstige Anbieter – Nutzer – Verhältnis, im Internet „enorm verringern“ (Ebd.). Denn trotz der großen Anzahl an Homepages heißt dies nicht, dass diese Homepages auch intensiv besucht werden.

Die Dispersität des Publikums ist im Internet durch die erkennbare Fragmentierung der Nutzer entsprechend der individuellen Interessen ausgeprägt. Dies führt in der Folge auch zum Aufweichen der „Rollenkonstanz der Nutzer“ (Ebd.), da eine schnelle Veränderung des Rollenverständnisses bei der Nutzung unterschiedlicher Webangebote möglich ist.

Dies hängt von dem Ziel der Internetnutzer ab, die nach Esch/Langner/Jungen entweder zur Gruppe der Browser oder Searcher gehören (Vgl. Hartmann, 2007, S. 108). Beide Nutzungstypen unterscheiden sich durch die Zielsetzung. Beim Browser gibt es im Gegensatz zu dem Searcher kein genaues Suchziel, der Nutzer klickt sich teilweise quasi wahllos durch den Internetauftritt und legt neben dem Informationsgehalt auch Wert auf den Unterhaltungswert der Webseite (Vgl. ebd.).

Weiterhin wird die Möglichkeit der Rückkopplung zwischen Anbieter und Nutzer nach der Informationsvermittlung im Internet deutlich ausgebaut, was bei klassischen Massenmedien nur eingeschränkt möglich war (Kaletka, 2003, S. 95). Da das Internet hier breitgefächerte Möglichkeiten zur Interaktion des Lesers mit dem Anbieter bietet, muss laut Kaletka innerhalb einer einzigen Webseite zwischen massenmedialem (z.B. Text), interpersonalem (z.B. E-Mail) und organisatorischem (z.B. Forumsdiskussion) Angebot unterschieden werden (Vgl. ebd.).

Durch die technischen Möglichkeiten der Hypertext-Struktur haben Webseiten bei der nutzerfreundlichen Informationsbereitstellung an Funktionalität gewonnen (Vgl. ebd.). Die Verlinkung von Texten, Bildern und Videos ist damit eine Maßnahme, um das „übermächtige Informationsangebot“ (Kaletka, 2003, S. 96) des Internets möglichst einfach zu überschauen, da ähnliche Themen vernetzt werden. Damit erfolgt über die Verlinkung von Inhalten eine Strukturierung, die zur Verbesserung der Handhabbarkeit der ansonsten unüberschaubaren Informationsvielfalt führt.

Hieraus folgt der Ansatz, dass neben der Zunahme der Informationsmenge auch die Nutzbarkeit dieser Daten durch den Nutzer als qualitativer Maßstab beachtet werden muss. Kaletka verweist auf die Möglichkeit von Selektionshilfen, die zur Reduzierung der Komplexität beitragen und einerseits durch den Anbieter oder andererseits durch den Nutzer gesteuert werden können (Vgl. ebd).

Das Internet besitzt durch die technischen Möglichkeiten das Potenzial zur Emulation der übrigen klassischen Medien. Damit geht auch der mögliche Bedeutungsgewinn des Internets zur Informationsübertragung einher, der durch die Substitution der Informationsverbreitung anderer Medien zu erklären wäre (Vgl. Kaletka, 2003, S. 97).

2.2.2 Diskussionsmöglichkeit

Bei Diskussionen um die Informationsvielfalt des Internets wird nach Scherer die potenzielle Diskussionsplattform, welche durch das neue Medium eröffnet wird, als „größte Chance“ (Kaletka, 2003, S. 97) der neuen Medien betont.

Internetdiskussionen sind inhaltlich vom Nutzer abhängig und bieten Möglichkeiten zur Meinungsbildung und zum Meinungsaustausch im Rahmen öffentlicher und privater Kommunikation (Vgl. ebd.).

Grundsätzlich wird die Art und Weise wie Kommunikation umgesetzt wird, vom „sachlichen, sozialen und zeitlichen“ (Vgl. Kaletka, 2003, S. 98) Kontext der Kommunikationsumgebung beeinflusst. Daraus ergeben sich prototypische Kommunikationssituationen in denen die Kommunizierenden entsprechend ihrer Sozialisation unterschiedlich kommunizieren (Vgl. ebd.).

Im Internet ergeben sich neue Kommunikationssituationen, die zur Veränderung und Erweiterung der klassischen Kommunikationssituationen beitragen (Kaletka, 2003, S. 98 f.).

Ein großer Teil der Internetkommunikation erfolgt durch nonverbale Kommunikation mit Schriftzeichen, die eine Beschränkung der Ausdrucks-möglichkeiten hervorrufen (Vgl. ebd.). Um das Fehlen des nonverbalen Kommunikationskanals auszugleichen und die Verständlichkeit zu erhöhen, haben sich deshalb zum Beispiel Smileys durchgesetzt, die Gefühle der Kommunizierenden ausdrücken sollen (Vgl. ebd.).

Im Gegensatz zu anderen Kommunikationsumgebungen sind Kommunikanten im Internet unter Umständen anonym oder geben eine falsche Identität an, wodurch eine gewisse Unsicherheit bei der Online-Kommunikation erzeugt werden kann (Vgl. Kaletka, 2003, S. 100). Es obliegt also jedem Internetnutzer, welche Informationen er über sich preisgibt und ob diese Aussagen der Realität entsprechen (Vgl. Ebd.).

Dadurch kann es zur Verstärkung einer selektiven Selbst-Repräsentation bei den beteiligten Kommunikanten kommen, die sich an dem jeweiligen individuellen virtuellen Selbst-Konzept orientiert (Vgl. Kaletka, 2003, S. 101). Durch digitale Signaturen oder Authentifizierungsverfahren ist es jedoch möglich das Auftreten dieses Phänomens zu beschränken und stattdessen die Identität des Nutzers zu verifizieren (Vgl. ebd.).

Das Internet ist durch eine Mensch-Maschine-Interaktion geprägt, die bisherige Kommunikationskonstellationen erweitert. Friedrich Krotz unterscheidet diese Konstellationen in interpersonale Kommunikation (z.B. Chat), technisch vermittelte Kommunikation (z.B. Forum) und softwaregesteuerte Kommunikation (z.B. Hilfefunktionen auf Webseiten). In dem Zusammenhang ist der Einsatz eines softwarebasierten Moderators denkbar, der mit entsprechender Ausstattung an programmierten Algorithmen für Diskussionsstrukturierungen und Zusammenfassungen verantwortlich ist, dabei jedoch auch einen menschlichen Moderator simuliert (Vgl. Kaletka, 2003, S. 102).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Inwiefern trägt das Internet zur Modernisierung der Parteikommunikation bei?
Untertitel
Eine Betrachtung am Beispiel der FDP
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Institut für Politikwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der politischen Theorie)
Veranstaltung
Einführung in die Politikwissenschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V187251
ISBN (eBook)
9783656107071
ISBN (Buch)
9783656106739
Dateigröße
2002 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
FDP, Liberale, Internet, Kommunikation, Parteikommunikation, Homepage, Modernisierung, Onlineforum, Internetseite
Arbeit zitieren
Sebastian Liebram (Autor), 2011, Inwiefern trägt das Internet zur Modernisierung der Parteikommunikation bei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/187251

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